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# Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Sanierung - Russische Verhältnisse - Teil 2, IOCO Aktuell, 23.01.2013
- URL: https://www.ioco.de/berlin-staatsoper-unter-den-linden-russische-verhaltnisse-in-berlin-teil-2-ioco-aktuell-23-01-2013/
- Published: 2013-01-29T17:00:13.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:06:32.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Karten, Kritiken, Oper & Operette, Berlin

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**Aktuell**

[Staatsoper im Schiller Theater](http://staatsoperimschillertheater.org/?ref=ioco.de)

![Staatsoper Unter den Linden _ wird teuer saniert © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/berlin-staatsoper-unter-den-linden-2013-neu.jpg)

Staatsoper Unter den Linden \_ wird teuer saniert © IOCO

#   **Das Berliner Lindenoper - Debakel** 

## ***Viel Geld um Nichts - Veni, Wowi, Wirrwarr***

von **Viktor Jarosch**

Die Sanierung der **Berliner** **Staatsoper *Unter den Linden*** wird von Streit und negativen Überraschungen begleitet. Seit Ende 2009 wird die **Staatsoper** saniert. Die **Staatsoper** und ihre aufwändige Organisation produziert seither imposantes Musiktheater im kleinen **Schillertheater** (940 Plätze) an der Bismarckstrasse; Tür-an-Tür mit der großen **Deutschen Oper Berlin** (1859 Plätze). Die Sanierung der **Staatsoper** sollte ursprünglich €239 Mio betragen, die Wiedereröffnung war für Herbst 2013 geplant: alles inzwischen Schall und Rauch. Nur, offizielle, belastbare Eingeständnisse des **Berliner Senats** über die neue Wirklichkeit zur **Staatsoper** fehlen bisher. Die Sanierung der kleinsten **Staatsoper der Welt* (*1396 Plätze) wird laut letzten Verlautbarungen nicht 2013 sondern erst 2015 beendet. Doch Berlins Bausenator **Michael Müller** hält die Wiederöffnung der **Staatsoper** in 2015 als kritisch, da „d*er Zeitpuffer aufgebraucht*“ sei. Das Sanierungsdebakel um die **Berliner Staatsoper** entwickelt sich zu einer preiswerten Blaupause des Berliner Flughafenspektakels. Dem Flughafendebakel begegnen Bürgermeister **Wowereit** wie **Berliner Senat** bisher medienwirksam und selbstbewußt mit Kündigungen und Personalrochaden. Die **Staatsoper-**Sanierung nimmt einen ähnlichen Verlauf. Verzögerungen von mindestens zwei Jahren sind bereits amtlich. Ein Kostenanstieg über die ursprünlich genannten €239 Mio wird noch nicht eingestanden. Doch weiteres Unheil deutet sich an. Der **Berliner Senat** kündigte Ende Oktober 2012 den Sanierungs-Projektsteuerer**,** der Firma **Drees & Sommer** **,** im *“gegenseitigen Einvernehmen*“. Kündigungsgründe wurden bisher nicht genannt. Interimsmanager steuern seither die Sanierung der **Staatsoper.** Eine Neuausschreibung über die Projektsteuerung soll kurzfristig erfolgen. Nicht allein Sprecher der Grünen-Fraktion wie **Andreas Otto** und **Sabine Bangert** mutmaßen seither, dass weitere Verzögerungen und Kostensteigerungen kommen werden. 

![Schiller Theater - Spielstätte der Staatsoper © IOCO](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/Schiller-Theater-Spielst%C3%A4tte-der-Staatsoper-c-Jarosch.jpg "Schiller Theater - Spielstätte der Staatsoper © IOCO")

Schiller Theater \_ Interim-Spielstätte der Staatsoper © IOCO

Bei der Architektur von Theatern wetteifern künstlerische und bauspezifische Ansprüche gegeneinander. So mischen auch an der Staatsopern-Sanierung Künstler aller Couleur mit: Der Hauptopernbau, ein 115 Meter langer unterirdischer Kulissen-Versorgungsgang wie die Behandlung von Pfahlbauten aus dem 15\. Jahrhundert stellt höchst komplexe Anforderungen an Ingenieure und Baufirmen. Dazu fordert Generalmusikdirektor **Daniel Barenboim** zur Akustik im Zuschauerraum eine nur teuer zu realisierende Verlängerung der Nachhallzeit im Saal um 0,4 Sekunden. Auch möchte **Barenboim** eine Musikakademie für Musiker aus dem Nahen Osten im früheren Magazingebäude einrichten. Diese neue **Musikakademie,** deren Kosten der Bund übernimmt, ist technisch an die Sanierung der **Staatsoper** gebunden. Doch **Barenboim** fordert noch mehr: Er möchte das Opernhaus bereits im Oktober 2014 eröffnen und, quasi nebenbei, weiter sanieren. Daneben schwelt ein jahrelanger Streit über die Neugestaltung des Zuschauerraumes von **Richard Paulick**. Eine so unübersichtliche Gemengelage wird viele potentielle Projektsteuerer abschrecken. Der **Berliner Senat** verhält sich auch zu den Kosten der **Staatsoper-Sanierung**schmallippig: Seit 2008, und trotz der seit langem bekannten Terminverschiebungen um mindestens zwei Jahre, publizierte der **Senat** bis Dezember 2012 mantrahaft Sanierungs-Gesamtkosten von €239 Mio, von denen der **Bund** €200 Mio trägt. Erst seit Dezember 2012 wird in Senatsvorlagen eingeräumt, dass der Umbau des Opernhauses €288 Mio kosten könne, allerdings ohne die zuvor beschriebene **Barenboimsche**  Musikakademie. Die Mehrkosten von zur Zeit € 50 Mio hätte allein das **Land Berlin** zu tragen. Dass der vom Senat neu zu bestellende Projektsteuerer die Sanierungs-Eckpunkte "Eröffnungstermin *Herbst 2015* und Gesamtkosten *€ 288 Mio*" verpflichtend übernimmt, darf bezweifelt werden. Wahrscheinlich ist vielmehr, so Manager der Baubranche, dass beteiligte Unternehmen für angefallene zeitliche Verzögerungen hohe Nachforderungen stellen werden, die den intern neu gesteckten Rahmen von €288 Mio erheblich überschreiten werden. Das etwas zynische Tiefbauergesetz “*Die Gewinne der Baufirmen liegen meist in der Nachforderung*“ wird auch bei den erheblichen zeitlichen Verzögerungen der **Staatsoper-Sanierung** greifen. Der kommende Projektsteuerer übernimmt ein zutiefst vergiftetes Projekt. Nach **IOCO** **\-** Berechnungen wird die Sanierung bis 2017 dauern. Die Gesamtkosten der Sanierung der **Staatsoper *Unter den Linden*** werden sich auf etwa € 500 Mio belaufen.***IOCO*** *\-*Berechnungen schließen ein: Direkter Sanierungsaufwand der **Staatsoper,** Bau einer **Musikakademie,** aufwändige Sanierung und verlustreicher Betrieb der kleinen Ausweichspielstätte **Schillertheater,** Kapitalkosten für eine mindestens 6-jährige Bauzeit.

![Hilft ein Gebet im nahen Berliner Dom © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/berliner-dom-c-ioco.jpg "Hilft ein Gebet im nahen Berliner Dom © IOCO")

Hilft ein Gebet im nahen Berliner Dom © IOCO

Russische Freunde in Berlin öffnen eine Flasche Wodka und fühlen sich heimisch. Zu Recht, denn die 7-jährige Katastrophen-Sanierung ihres Moskauer **Bolschoi-Theater** ähnelt verblüffend den Vorgängen an der **Staatsoper *Unter den Linden.*** Der bleibende Unterschied: Die Sanierung des **Bolschoi Theater** gilt technisch wie ästhetisch gelungen, wenn auch dabei als teuerste und prunkvollste Theatersanierung der Welt. Mit der **Staatsoper *Unter den Linden*** in Berlin dagegen wächst für üppige €500 Mio in Berlin ein durchschnittliches Opernhaus heran, dessen neuen Zuschauerraum keiner so wollte und niemandem gefallen wird! Mit schlechter Bühnensicht für die meisten Rand- und Rangplätze. Dank **Daniel Barenboim** allerdings mit einer um 0,4 Sekunden verlängerten Nachhallzeit. ***IOCO*** / Viktor Jarosch / 30.01.2013

\---| IOCO Aktuell Staatsoper im Schillertheater |---