> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Parsifal von Richard Wagner, IOCO Kritik, 08.04.2018
- URL: https://www.ioco.de/berlin-staatsoper-unter-den-linden-parsifal-von-richard-wagner-ioco-kritik-08-04-2018/
- Published: 2018-04-10T07:00:16.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:45:01.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Premiere, Pressemeldungen & Nachrichten, Berlin

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/11/linden_logo_40.jpg)

[Staatsoper unter den Linden](https://www.staatsoper-berlin.de/de/?ref=ioco.de)

![Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/11/staatsoper-unter-den-linden-neu-c-max-lautenschlaeger.jpg)

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

 ***Parsifal* von Richard Wagner**

**Ein Bühnenweihfestspiel - In der neuen Staatsoper** 

Von **Karola Lemke**

Die Inszenierung **Dmitri Tscherniakov´s** hatte ihre Staatsopern-Premiere am 28\. März 2015 im Rahmen der Festtage 2015 im **Schillertheater*.*** 2016 übernahm die hochgeschätzte **Waltraud Meier** die Rolle der **Kundry,** wurde verdient gefeiert.

***Karfreitag 2018*** erklingt das **Bühnenweihspiel** erstmalig in der wiedereröffneten **Staatsoper Unter den Linden,** Schon vor Vorstellungsbeginn wird der **Apollosaal** das meistgesuchte Fotomotiv. Großes Fotointeresse dann nach Öffnung auch im Saal. Die Bestuhlung ist relativ eng und die Sitze sind stramm gepolstert.

![Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Besucherraum - Neu erschaffen © Gordon Welters ](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/berlin-staatsoper-unter-den-linden-neu-geschaffener-besucheersaaal-foto-gordon-welters.jpg)

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Der Besucherraum - Neu erschaffen © Gordon Welters

Und wie hat sich die Akustik verändert? Während des Vorspiels wird deutlich, daß zumindest im ersten Rang das Klangerlebnis sehr angenehm ist. In weichen runden Klängen, sehr gedehnt, die fehlende Dynamik noch durch das Auskosten jeder Note verstärkend, zelebriert **Daniel Barenboim** dies ergreifende Vorspiel. Auch im weiteren Verlauf der Vorstellung mischen sich Orchester und Sänger ausgezeichnet.

### **1\. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg**

**Gralsburg - Lieblose, kaum Licht durchlassende Fesnter** 

Im ersten Aufzug zeigt **Tscherniakov**, angelehnt an die frühe Bayreuther Tradition, die halbrunde Gralsburg. Lieblos wirkende Fenster, die kaum Licht durchlassen, wurden an unpassender Stelle eingebaut. Während der Gralserzählung des spirituellen Lehrers und Gralsritters **Gurnemanz** zeigen Bilder auf weißer Leinwand die ***Parsifal* \-** Uraufführung 1882 in Bayreuth.

![Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal - hier : René Pape als Gurnemanz, Anja Kampe als Kundry, Andreas Schager als Parsifal © Ruth Walz](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/parsifal-khp0081-pape-kampe-schager-neu.jpg)

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal - hier : René Pape als Gurnemanz, Anja Kampe als Kundry, Andreas Schager als Parsifal © Ruth Walz

**Richard Wagner** hatte in seinem **Parsifal** dem um 1200 entandenen Versroman ***Parzifal* Wolfram von Eschenbachs** mit ***Kundry*** eine höchst komplexe Frauenfigur hinzugefügt. **Tscherniakovs *Kundry*** ist **Nina Stemme,** in beige Hose und Trenchcoat im Gegensatz zu den Gralsrittern gegenwärtig gekleidet. Die Gralsritter sind zu Gottestreue, Gehorsam und Keuschheit verpflichtet. ***Amfortas* (Lauri Vasar)** verstieß durch den Beischlaf mit ***Kundry*** gegen die Gelübde. **Lauri Vasar** gestaltet diesen ***Amfortas*** überzeugend mitleiderregend. Qualvoll fristet er in Folge als designierter Nachfolger seines Vaters ***Titurel* (Reinhard Hagen)** nach der Verletzung durch ***Klingsor*** und dem Verlust der heiligen Lanze seine Tage in der *Gralsburg Monsalvat.* Ansonsten: Männerwirtschaft in abgelegener kalter unwirtlicher Gegend: Grobe Bänke, ärmliche Bekleidung, verhärmt wirkende Gralsbrüder. **René Pape** gibt bei ausgezeichneter Textverständlichkeit einen vorzüglichen **Gurnemanz**

Der jugendliche ***Parsifal* (Andreas Schager),** in kurzen Hosen, Sweatshirt, modernem, hoch bepacktem Wanderrucksack und Armbrust, wirkt in dieser Szenerie exotisch. **Parsifal,** der Tor, wächst von der Welt abgeschottet auf, weiss weder von seiner adligen Herkunft noch von der Rolle, für die er auserwählt ist. Er ist reinen Herzens, aufrichtig und voller Demut. Aber er muß seinen Weg in einer Welt von Leid und Tragik erst noch finden. Dass der Tor die Regeln nicht kennt, zeigt sich bei **Eschenbach,** als **Parzival** nach der Tötung des roten Ritters dessen Rüstung an im Glauben sich nimmt, nun auch Ritter zu sein. Bei **Wagner** tötet ***Parsifal*** im heiligen Gebiet des Grals einen Schwan und zieht sich die Empörung der Gralsritter zu. **Tscherniakv** verzichtet auf die gegenständliche Darstellung des Schwanes.

**Titurel** in langem Mantel kommt auf die Bühne und steigt in einen Sarg, den die Gralsritter zuvor auf der Bühne abgestellt hatten. Hat ***Parsifal*** im Nachhinein ob der Tötung des Schwanes Gewissensbisse gezeigt, so ist er von der Gralsenthüllung (bei **Tscherniakow** ausreichend abstossend inszeniert) und den damit verbundenen Schmerzen ***Amfortas*** entsetzt. Die Verbände werden ***Amfortas*** abgeschnitten und das Blut aus der Wunde gepreßt. Mitleid kann ***Parsifal*** jedoch nicht zum Ausdruck bringen, der erhoffte Satz: *„Was quält dich, mein König“* fällt nicht. **Gurnemanz** schickt ***Parsifal*** enttäuscht davon.

![Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal - hier : Anja Kampe als Kundry, Andreas Schager als Parsifal, Blumenmädchen © Ruth Walz](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/parsifal-khp0026-andreas-schager-parsifal-anja-kampe-kundry-blumenmaedchen-neu.jpg)

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal - hier : Anja Kampe als Kundry, Andreas Schager als Parsifal, Blumenmädchen © Ruth Walz

### **2\. Aufzug, Klingsors Zaubergarten**

***Klingsor -* Verbraucht abstoßender Mann in Uraltstrickjacke** 

Im unveränderten Bühnenbild taucht lediglich das Licht (**Gleb Filshtinsky**) alle Handlung in kaltes Weiß. Die Fenster erscheinen durchsichtig. Eine Textprojektion verkündet, dass ***Klingsor*** sich hier eine Heimstatt errichtet hat in der er mit seinen zahlreichen Töchtern, den ***Blumenmädchen,*** lebt. Beklemmend wirkt, wenn die blutjungen ***Blumenmädchen*** in Kinderröcken, mit geflochtenen Zöpfen oder „Affenschaukeln“ Spielzeug in den Händen halten; ebenso beklemmend, doch anders im Ausdruck, wenn die ***Gralsritter Amfortas*** Blut abzapfen. Das Bühnenbild der Inszenierung zeigt so in kurzer Folge zwei Seiten von Wahnsinn; beide Szenen nur schwer zu ertragen. Lyrisch weich klingt der Chor der **Blumenmädchen,** wenn sie die Ritter beweinen; ganz zart ihr „*Komm, komm holder Knabe“.*

**Klingsor** **(Falk Struckmann)** ist ein alter, verbrauchter, gestörter, abstoßender Mann in Uraltstrickjacke und Pantoffeln. Doch solch verstörte Erscheinung kann die von Gewalt geprägten Grobheiten des ***Klingsor*** gegenüber ***Kundry*** nicht glaubhaft transportieren. Interessant dagegen, die pantomimische Darstellung der Erzählung **Kundrys** „*Ich sah das Kind an seiner Mutter Brust*“. Dargestellt wird die Szene durch **Janine Schneider** (***Parsifals*** Mutter) und **Christian Kreibich** (***Parsifal*** Double).

**Großartig Schagers Ausbruch:   *„Amfortas! Die Wunde!“***

Als **Parsifal Kundrys** Verführung widersteht, als er ***Amfortas*** Wunde begreift, ruft ***Kundry*** nach ***Klingsor´s*** Hilfe. Doch der heilige Sperr wird diesem von ***Parsifal*** entwunden. Inmitten der Kinder erticht **Parsifal Klingsor.** Wie schon 2017 in Bayreuth ist **Andreas Schager** ein phantastischer ***Parsifal,*** stimmlich und schauspielerisch so überzeugend, dass man wirklich den Selbstfindungsprozeß mit ihm durchleidet. Den Zerfall von **Klingors** Reich erzählt das Orchester, nicht das Bühnenbild.

**„Du weißt, wo Du mich findest“**

![Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal - hier : Wolfgang Koch als Gurnemanz und Ensemble © Ruth Walz](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/04/parsifal-ohp0059neu.jpg)

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Parsifal - hier : Wolfgang Koch als Gurnemanz und Ensemble © Ruth Walz

### **3\. Aufzug, Waldlichtung und Gralsburg**

Das Bühnenbild des ersten Aufzuges, nur alles noch etwas älter: Der alte bärtige ***Gurnemanz*** ist da, ebenso ***Kundry. Titurel*** ist in seinem Sarg verstorben (nun geschlossen). Die Verwandlungsmusik nach dem Tode ***Titurels*** korrespondiert mit der Verwandlungsmusik des ersten Aktes. **Parsifal** betritt als vermummter Kämpfer die Bühne. ***Kundry*** übernimmt dessen Fußwaschung. Es kommt zum Austausch von Zärtlichkeiten zwischen ***Kundry*** und ***Parsifal.***

Gänsehautmoment beim kraftvollen Chor der Gralsritter. In der gesamten Aufführung waren Staasopernchor und Konzertchor sehr überzeugend. Besondere Erwähnung verdient hier **Natalia Skrycka** sowohl als ***Blumenmädchen,*** als auch als Stimme aus der Höhe. Als sich **Amfortas** und ***Kundry*** umarmen, wird diese von **Gurnemanz** (**René Pape** stimmgewaltig wie gewohnt) von hinten erstochen. **Tscherniakov**s Sicht auf die Menschheit.

Insgesamt eine großartige Leistung des hochkarätigen Ensembles, des Chores wie der **Staatskapelle Berlin** unter **Daniel Barenboim.**

**Parsifal** an der **Staatsoper Unter den Linden**; keine Vorstellungen in der laufenden Spielzeit

\---| IOCO Kritik Staatsoper unter den Linden |---