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# Berlin Staatsoper Unter den Linden, Elektra - Richard Strauss, IOCO Kritik, 01.02.2019
- URL: https://www.ioco.de/berlin-staatsoper-unter-den-linden-elektra-richard-strauss-ioco-kritik-01-02-2019/
- Published: 2019-02-01T08:00:28.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:52:05.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Konzert & Liederabend, Kritiken, SemperOper

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[Staatsoper unter den Linden](https://www.staatsoper-berlin.de/de/?ref=ioco.de)

![Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/11/staatsoper-unter-den-linden-neu-c-max-lautenschlaeger.jpg)

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

***Elektra* \- Richard Strauss - Hugo von Hoffmannsthal** 

***\- Lauter nicht gelebte Leben -***

von **Hanns Butterhof**

**Patrice Chéreaus** 2013 entstandene letzte Regiearbeit, **Richard Strauss’** und **Hugo von Hoffmannsthals** einaktige Oper ***Elektra***, ist nach einem Zug durch die großen Opernbühnen der Welt in ihrem Berliner Stammhaus angekommen. In der renovierten **Staatsoper Unter den Linden** feiert die Wiederaufnahme unter dem Dirigat **Daniel Barenboims** Triumphe.

***Letzte Regiearbeit von Patrice Chéreau - 2013 entstanden*** 

Die düstere, sehr elementarisierte Bühne **Richard Peduzzis** charakterisiert ***Elektras*** Lebenswelt markant als ausweglose Abgeschlossenheit. Das hohe Tor in der abweisenden Mauer versperrt der dezent zerlumpt gekleideten ***Prinzessin*** (Kostüme: **Caroline de Vivaise**) den Zugang zur Stadt und dem Königsschloss. Zwischen den Wänden des Wirtschaftshofs verbeißt sie alle, das Gesinde, ihre Schwester **Chrysothemis** und ihre Mutter ***Klytämnestra.*** Seit diese und deren Liebhaber ***Aegisth*** ihren Vater ***Agamemnon*** nach seiner Heimkehr aus dem ***Trojanischen Krieg*** ermordet haben, ist Rache ihr einziger Gedanke.

***Elektra* \- Richard Strauss**youtube Trailer der Staatsoper Unter den Linden aus dem Schillertheater **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Die als Ersatz für **Evelyn Herlitzius** eingesprungene **Ricarda Merbeth** ist eine ***Elektra*** nahe am Wahnsinn. Sie zeigt kaum etwas von ihrem unendlichen Schmerz über den Tod des Vaters, sondern nur ihren sarkastischen Hass gegenüber allem um sie her. In diesem eingeschränkten Ausdrucksspektrum, verbunden mit fast durchgängig angestrengt hohen Lagen, lassen nur die wenigen ruhigen Passagen wie die Erkennungsszene mit ihrem Bruder ***Orest*** ihren gepflegten Sopran und klare Deklamation aufscheinen. Dass ihr Lebenszweck mit der Ankunft des Rächers ***Orest*** erfüllt ist und sie erkennen muss, dass ihr Leben verpfuscht ist, ist ergreifend.

Die ***Klytämnestra* Waltraud Meiers** ist ohne Dämonie. Die große Mezzosopranistin gibt der Königin eine stille Zerrüttetheit, tastende Suche nach Hilfe. Man glaubt ihr, dass sie ihr Leben durch den Mord an ***Agamemnon*** als zerstört weiß. Sie ist des verdrängenden Überspielens ihrer Untat überdrüssig und erhofft sich tiefere Erlösung von Schuldgefühlen und Ängsten, als es die (falsche) Nachricht vom Tod ***Orests*** für sie bedeutet, die sie ohne Triumphgefühle zur Kenntnis nimmt.

![Staatsoper Unter den Linden / Elektra - hier : Elektra und Klytämnestra © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/01/elektra_030neu.jpg)

Staatsoper Unter den Linden / Elektra - hier : Elektra und Klytämnestra © Monika Rittershaus

Als Elektras Schwester **Chrysothemis** begeistert **Vida Mikneviciute** mit jugendlich-klarem Sopran als eine Frau voller Lebenswillen, auf der jedoch der Schatten der Vergeblichkeit liegt. Sie erscheint wie die Personifizierung der abgespaltenen Fraulichkeit Elektras. Doch **Vida Mikneviciute** lässt berührend erfahren, dass auch sie ihr Frausein nicht leben kann. Nicht erst Elektras Fluch, als Chrysothemis sich weigert, sich am Muttermord zu beteiligen, beschädigt ihr Leben. Sie trägt wie die anderen die Last des Mordes an Agamemnon.

**Chéreau** hat jeder dieser drei Frauen ihre eigene Würde gelassen. Nicht nur Chrysothemis erscheint als Teilaspekt Elektras. In **Klytämnestra** ist ***Elektras*** künftiges Schicksal vorweggenommen, die zwar nicht mit einem Gatten-, so doch mit einem Muttermord auf dem Gewissen weiterleben muss.

Mit **René Pape** als ***Orest*** kehrt eine tiefe, geerdete Ruhe in der Oper ein. An den ausdrucksstarken Bassbariton kann sich ***Elektra*** sogar einen Moment lang herzergreifend anlehnen, und ohne Zweifel ist er der rechte Mann, um ihre Rachegelüste zu stillen. Als er nach vollbrachter Tat den Ort des schrecklichen Geschehens verlässt, dreht er sich nicht erleichtert nach seinen Schwestern um. Auch ihn hat der Rachegedanke einsam gemacht und sein Leben zerstört, der Mord hat keinem Heil gebracht.

![Staatsoper Unter den Linden / Elektra - hier : Ensemble © Monika Rittershaus](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/01/elektra_097neu.jpg)

Staatsoper Unter den Linden / Elektra - hier : Ensemble © Monika Rittershaus

**Daniel Barenboims** vorwärtstreibendes Dirigat drängt auf den Augenblick zu, in dem Elektra vor ***Orest*** ihrer Situation inne wird. Den einhundertelf Musikern der Staatskapelle Berlin fordert er eine Wahnsinnsgeschwindigkeit ab, die das Orchester bravourös bewältigt, ohne ungenau, klanglich unscharf zu werden. Die Solisten haben es nicht leicht, sich gegen den Klangrausch aus dem Orchestergraben zu behaupten, doch **Waltraud Meier, Vida Mikneviciute** und **René Pape** gelingt das souverän.

Über der teilweise grausigen Schilderung der inneren und äußeren Geschehnisse, den knallenden Peitschenhieben und dem mörderischen Blutbad im Palast liegt eine eigenartige humanistische Milde. Sie ist dem einfühlsamen Verständnis für die Opfer des Verbrechens an **Agamemnon** und ihren nicht gelebten Leben geschuldet und lässt diese aufwühlende Oper gleichwohl als ungeheuer schön empfinden.

*Der lang anhaltende Beifall des begeisterten Publikums, darunter auch die Kanzlerin *Angela Merkel* und Ehemann, galt allen an der Aufführung Beteiligten und steigerte sich für *Vida Mikneviciute, Waltraud Meier* und *Daniel Barenboim* zu Ovationen.*

**Elektra** an der **Staatsoper Unter den Linden, Berlin**; besuchte Aufführung: 27.1.2019; die nächsten Termine: 3\. und 24.2\. 18.00 Uhr, 16.2.2019 17.30 Uhr

\---| IOCO Kritik Staatsoper unter den Linden |---