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# Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Die Perlenfischer mit Olga Peretyatko - Georges Bizet, IOCO Kritik, 03.05.208
- URL: https://www.ioco.de/berlin-staatsoper-unter-den-linden-die-perlenfischer-mit-olga-peretyatko-georges-bizet-ioco-kritik-03-05-208/
- Published: 2018-05-09T18:00:59.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:45:30.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Premiere, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Berlin

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[Staatsoper unter den Linden](https://www.staatsoper-berlin.de/de/?ref=ioco.de)

![Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/11/staatsoper-unter-den-linden-neu-c-max-lautenschlaeger.jpg)

Staatsoper Unter den Linden - Im Traum © Max Lautenschläger

# *Les Pêcheurs de Perles* \- Georges Bizet

Von **Karola Lemke**

Die Oper ***Die Perlenfischer*** des französischen Komponisten **Georges Bizet** inszenierte auf Einladung **Daniel** **Barenboims** der Filmregisseur **Wim Wenders** an der **Staatsoper Unter den Linden.** Es ist die erste Operninzenierung **Wenders,** der sich diese Oper wegen der Liebe zu in der Vergangenheit oft gehörten Arien erwählte. **Barenboim,** der diese Oper zuvor noch nicht dirigierte, fand Gefallen an dem Vorschlag. Die Premiere fand am 24.6.2017 unter der musikalischen Leitung **Daniel** **Barenboims** im Schillertheater statt.

Das Bühnenbild (**David Regehr**) ist sehr schlicht gehalten. Ein schwarzer Vorhang umschließt die Bühne. Als weitere Requisite gibt es etwas Strandsand. Die Zuordnung zu einer Epoche läßt sich nicht erkennen. Alles wirkt zeitlos. Auch die Kostüme. Die ***Fischer*** tragen schlichte schwarze und terrakottafarbene Gewänder (Kostüme: **Montserrat Casanova**). Die atmosphärischen Veränderungen und Verdichtungen werden zum großen Teil durch das Licht hervorgerufen. Hervorragend die Lichtregie von **Olaf Freese.**

![Staatsoper Unter den Linden Berlin / Die Perlenfischer - hier: Olga Peretyatko-Mariorri als Leila und Wolfgang Schöne als Nourabad © Donata Wenders](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/05/khp-7olga-peretyatko-mariotti-leila-links-davon-wolfgang-schoene-nourabad-und-chor-neu.jpg)

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Die Perlenfischer - hier: Olga Peretyatko-Mariorri als Leila und Wolfgang Schöne als Nourabad © Donata Wenders

Von der Dreieckssituation, ***Leila*** (**Olga Peretyatko-Mariotti**) zwischen ***Nadir*** (**Francesco Demuro**) und ***Zurga*** (**Alfredo Daza**) erfährt der Zuhörer in den erzählten Erinnerungen beim Wiedersehen von ***Zurga*** und ***Nadir.*** Um die Männerfreundschaft zu erhalten, wollen ***Nadir*** und **Zurga** auf   ***Leila*** verzichten. Vor den Rückblenden in die Erinnerungen der Drei ist das Leitmotiv zu hören.

**Wim Wenders** verbildlicht in seiner Inszenierung Erinnerungen durch Filmsequenzen. Überhaupt spielt die Überblendung des Bühnengeschehens mit schwarz-weißen Filmpassagen, übergroßen Gesichtern der Protagonisten in den verschiedenen Lebensphasen, so der kindlichen ***Leila,*** die zum Dank für die Rettung ***Zurgas*** von diesem die Perlenkette, die dieser im dritten Akt vor der Verurteilung von **Leila** und ***Nadir*** wiedererkennen wird, eine große Rolle (Videoprojektionen: **Donata Wenders** und **Michael** **Schackwitz**). Immer wieder brandet das Meer mal leise, dann rauschend an den palmenbestandenen Strand. Nach der Ansage vor Beginn der Oper, daß **Alfredo Daza** trotz einer Bronchitis die Partie des Zurga übernehmen wird, beginnt die Oper mit der Texteinblendung auf dem vor der Bühne heruntergelassenen Gazevorhang

**„ Auf einer Insel in einem der 7 Meere“**

durch den halbdurchsichtigen Gazevorhang sieht man dahinter die ***Perlenfischer*** (hervorragend der mächtige Staatsopernchor, Einstudierung **Martin Wright**). ***Nadir*** ist in einen zeitlosen terrakotta-farbenen Anzug gekleidet. Zurga ganz in Grau. Die Farben von Nadirs Anzug wiederholen sich in Zurgas Haarspitzen. Alle Akteure, ***Fischer, Leila, Nadir, Nourabad*** sind barfuß, einzig ***Zurga*** trägt Halbstiefel.

In der Musik werden diese Erinnerungen durch ein Leitmotiv eingeleitet. Zu hören im Duett *„Ja, sie ist´s die Göttin, die Eine“ (Oui, c\`est elle, c´est la déess*e). Wunderbar das Duett von **Francesco Demuro** und **Alfredo Daza** im ersten Akt *„Au fond du temple saint*“ und **Nadirs** Romance *„Je crois entendre encore“*. Das Publikum dankt mit Szenenapplaus.

Immer wieder wird der Gazevorhang vor der Bühne heruntergelassenen und großformatige Aufnahmen von **Leila, Nadir** und **Zurga** erzählen die Geschehnisse der Vergangenheit. Wolken ziehen durch die Bilder, durch geniale Lichtregie entsteht mythische Stimmung. Auf der requisitenfreien Bühne ist das Spielen eine Herausforderung sowohl für Solisten, als auch für den riesigen Chor. Vieles gerät dadurch statisch, der Chor steht oft wie eine Wand im hinteren Bereich der Bühne, die Solisten agieren halbkonzertant am vorderen Bühnenrand.

![Staatsoper Unter den Linden Berlin / Die Perlenfischer - hier : Gyula Orendt als Zurga und Chor © Donata Wenders](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/05/khp-3gyula-orendt-zurga-und-chor-neu.jpg)

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Die Perlenfischer - hier : Gyula Orendt als Zurga und Chor © Donata Wenders

Sehr gelungen ist auch das Bild, als ***Leila*** am Ende des ersten Aktes, nach ***Nadirs*** phantastisch von **Francesco Demuro** interpretierter Romanze einsam auf einem Felsen unter sternenübersätem Himmel, wie schon einmal in der Vergangenheit, für ***Nadir*** singt, der in der Nacht für sie unsichtbar am vorderen Bühnenrand am Strand liegt. Der Chor agiert gefühlvoll aus dem Off, **Olga Peretyatko-Mariotti** singt so flehentlich, daß sie bei den Zuhörern Gänsehaut hervorruft.

Der zweite Akt beginnt nach der Pause mit einem in verzaubernden Blau und Lilatönen eingefärbten Nachthimmel. **Wolfgang Schöne** als hervorragender Oberpriester **Nourabad** trägt eine graue Kutte, ist dabei barfuß wie die Anderen. **Olga Peretyatko-Mariotti** in wehenden Schleiern gibt eine fein ausbalancierte ***Leila,*** großartig in *„Me voilá seule dans la nuit“.* Der Szenenapplaus des Publikums ist der Dank. Vom in der Vergangenheit kritisierten flackernden Vibrato ist an diesem Abend kaum etwas wahrnehmbar. Der nächste Höhepunkt ist das Chanson zwischen ***Leila*** und ***Nadir,*** der über *„Himmel!“ „...ihren reinen Blick“ *„Das ist er!“** ins Duett von ***Leila*** und ***Nadir*** mündet.

Der Vorhang bauscht wild, erleuchtet vom Gewitter. Die See auf dem wieder heruntergelassenen Gazevorhang ist aufgewühlt, tobt und zeigt schon die nahende Katastrophe auf - die Entdeckung der Liebenden durch   **Nourabad** und die ***Fischer.*** Die **Fischer**, aufgewühlt wie die See fordern in diesem Szenario stimmgewaltig den Tod von **Nadir** und **Leila.**

Es gibt neben ***Zurgas*** heimlicher Liebe zu ***Leila*** auch dessen sich Hingezogenfühlen zu Nadir, das Zurgas im ersten Bild des dritten Aktes in seiner Arie verrät. Auch hier, so wie im folgenden Duett mit ***Leila*** meistert **Alfredo Daza** den Part des ***Zurga*** mit gesanglicher Professionalität.

![Staatsoper Unter den Linden Berlin / Die Perlenfischer - hier : Olga Peretyatko-Mariotti als Leïla © Donata Wenders](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/05/khp-12-olga-peretyatko-mariotti-leila-donata-wenders-neu.jpg)

Staatsoper Unter den Linden Berlin / Die Perlenfischer - hier : Olga Peretyatko-Mariotti als Leïla © Donata Wenders

Vermißt wird fast durchgängig die Personenführung. Während ***Zurga*** singt *„Ich in außer mir! Ich glühe vor Zorn!“* ist das gesanglich überzeugend, die ruhige Lage am vorderen Bühnenrand übersetzt diese Wut jedoch nicht in Körpersprache. Im Gegensatz zu dem bisher halbrunden Vorhang ist dieser nun im dritten Akt dreigeteilt.

Der Ausgang der Oper wurde in der Vergangenheit mehrfach uminterpretiert. In dieser Aufführung entscheidet sich **Wenders** für die Originalfassung von 1863, in der das Schicksal **Zurgas** nach der Flucht ***Leilas*** und ***Nadirs*** offen bleibt. Während die ***Fischer*** ins Dorf eilen, um die von **Zurga** in Brand gesetzten Hütten zu retten, bleibt ***Zurga*** alleine zurück.

**Victorien Vanoosten** und die **Staatskapelle Berlin** erhalten völlig zu Recht gemeinsam mit Solisten und Opernchor den begeisterten Applaus des Publikums für ihre Leistung an diesem Abend.

\---| IOCO Kritik Staatsoper unter den Linden |---