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# Berlin, Staatsoper Unter den Linden, Sanierungs-Lotterie: Keiner wird gewinnen! 29.12.2014
- URL: https://www.ioco.de/berlin-staatsoper-im-schiller-theater-sanierungs-lotterie-keiner-wird-gewinnen-29-12-2014/
- Published: 2014-12-30T17:00:54.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:26:20.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Karten, Berlin

![Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/01/staatsoper-unter-den-linden-viele-jahre-in-der-sanierung-ioco.jpg "Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO")

Staatsoper Unter den Linden / Man ist mal eben im Schiller Theater © IOCO

[Staatsoper im Schiller Theater](http://staatsoperimschillertheater.org/?ref=ioco.de)

**Berliner Lindenoper-Debakel Eröffnungs-Lotterie: 2013 - 2015 - 2017 - 20... ??**

Laut **Berliner Senat** aus 2008 sollte die Sanierung der **Staatsoper Unter den Linden** €239 Mio. kosten und Ende 2013 abgeschlossen sein. €200 Mio. der Sanierung übernimmt der Bund, das **Land Berlin** trägt alle Kosten, die €200 Mio. übersteigen. So die Eckpunkte einer alltäglich scheinenden Sanierung, welche dem **Land Berlin** nun teuer zu stehen kommen werden. Denn es kommt mal wieder ganz anders in Berlin!

![Brandenburger Tor, Berlin © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/12/brandenburger-tor2-berlin_foto-ioco.jpg "Brandenburger Tor, Berlin © IOCO")

Brandenburger Tor, Berlin © IOCO

Während der Sanierung, so Teil der Eckpunkte, soll der Spielbetrieb der **Lindenoper** weitgehend unbehindert weitergehen. Mit dieser Maßgabe wurde die **Staatsoper** samt Ensemble 2010 in das mit 974 Plätzen kleine **Schiller Theater** gepfercht, dessen Sanierung zusätzliche €23 Mio. gekostet hatte. Kuriosum: Das **Schiller Theater** liegt in Sichtweite der **Deutschen Oper Berlin**, mit 1.954 Plätzen eines der größten Musiktheater Deutschlands. Die Option, während der Dauer der Sanierung, ohne eigene Spielstätte kostenreduzierend tätig zu sein (zurzeit in München von der **Staatsoper am Gärtnerplatz** blendend praktiziert) wurde für die **Staatsoper Berlin** verpasst. Im Gegenteil. Mit Beginn der Sanierung in 2010 erhielt die **Staatsoper** sogar noch einen neuen, große Theater gewohnten Intendanten: **Jürgen Flimm.** **Flimms** Vertrag läuft bis 2015.

![Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO](https://ioco-wordpress-production-assets.s3.eu-central-1.amazonaws.com/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/12/Daniel-Barenboim_J%C3%BCrgen-Flimm_Foto-IOCO.jpg "Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO")

Daniel Barenboim und Jürgen Flimm © IOCO

Von 2008 bis Ende 2012 erklärte der **Berliner Senat** mantrahaft, dass die Sanierung €239 Mio. kosten und drei Jahre, 2010 bis Ende 2013, dauern würde. Im Mai 2013 meldete der **Berliner Senat,** dass ungebetene Pfahlbauten und schlechtes Wetter (!) die Sanierung bis Ende 2015 verzögern würde. Auch **Daniel Barenboim** mischte nun mit: Er forderte eine schwer umzusetzende Verlängerung der Nachhallzeit im Zuschauerraum. Berlins damaliger **OB Klaus Wowereit** gewohnt lakonisch: *„Es gibt immer unvorhergesehene Dinge, wenn man mit Altbausubstanz arbeitet. Das ist eben hinzunehmen – sonst kann man gar nichts mehr bauen“*. Gleichzeitig erklärte **Senatsbaudirektorin Lüscher,** dass trotz der Verzögerung geplante Kosten von €250 Mio. nicht überschritten würden. Manager der Baubranche widersprachen schon damals dieser Einschätzung: *„Für die zeitlich dramatischen Verzögerungen sind Nachforderungen wahrscheinlich*“.

Theater-Urgestein **Intendant Flimm** wird so die gesamte Dauer seines derzeitigen Vertrages, 2010 – 2015, mit der Leitung der lütten Ersatzspielstätte **Schiller Theater** verbringen müssen. Eine Aufgabe, welche auch preiswerter zu haben gewesen wäre. Entsprechend sarkastisch äußerte sich **Flimm** auf der Jahrespressekonferenz der **Staatsoper** am 25.4.2013 auf die Nachfrage von Journalisten, ob die Eröffnung der sanierten **Staatsoper** im Herbst 2015 sicher sei: *„...wir regen uns nicht mehr auf ...vielleicht macht man aus der *Staatsoper* ein Abfertigungsgebäude für den Flughafen.“*.

![Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/12/lindenoper-berlin_foto-ioco.jpg "Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO")

Sanierungsfall Lindenoper Berlin © IOCO

Das Sanierungselend der **Staatsoper Unter den Linden** hat Vorbilder, wenn auch nur wenige. Der Skandal um den **Berliner Flughafen BER** liegt der **Lindenoper** am Nächsten. Doch „künstlerisch“ verwandt und spektakulär ist das Debakel der Sanierung des **Bolschoi Theater** in Moskau. Die Sanierung des **Bolschoi Theaters** dauerte sieben Jahre (2005 – 2011), die Kosten explodierten von geplanten $181 Mio. auf über $1 Milliarde. Das **Bolschoi Theater** hatte dabei während der Sanierung auf eine eigene Spielstätte verzichtet, man gastierte weitgehend.

Im Dezember 2014 veröffentlichte **Senatsbaudirektorin Lüscher** die bisher letzten Korrekturen zum Planungsstand **Lindenoper:** Danach wird die Sanierung der **Staatsoper Unter den Linden** €389 Mio. ***Direktkosten*** verursacht haben und bis Herbst 2017 dauern, sieben Jahr insgesamt. Die ***Gesamtkosten*** der Sanierung, also einschließlich der uneingeschränkten Weiterführung des Opernbetriebs der **Staatsoper Unter den Linden** im **Schiller Theater,** werden bis 2017 weit über €500 Mio. gekostet haben. Zur Finanzierung der Mehrkosten von mindestens €200 Mio. für Sanierung und €100 Mio. durch Betrieb der Ersatzspielstätte **Schiller Theater** durch das **Land Berlin** verlautete bisher noch nichts. Im Finanzdebakel erfahrenen Berlin verhallte die Meldung zur **Lindenoper** nahezu geräuschlos.

![Berliner Dom © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/12/berliner-dom-c-ioco.jpg "Berliner Dom © IOCO")

Berliner Dom © IOCO

**IOCO** schrieb im Januar 2013,[ dass „*nach eigenen Berechnungen die Sanierung der *Staatsoper* bis 2017 dauern*“](https://ioco.de/2013/01/29/berlin-staatsoper-unter-den-linden-russische-verhaltnisse-in-berlin-teil-2-ioco-aktuell-23-01-2013/?ref=ioco.de) würde. Und tröstete, dass *„sich russische Freunde in Berlin angesichts der Ähnlichkeiten mit der Bolschoi-Katastrophe eine Flasche Wodka öffnen und in Berlin heimisch fühlen*“ würden. Mit dem Unterschied, dass das prunkvolle **Bolschoi Theater** als technisch und ästhetisch gelungen saniert gilt. In Berlin dagegen wird 2017 eine innen fast profane **Staatsoper** übergeben, deren Zuschauerraum keiner so recht wollte, mit schlechter Bühnensicht für die meisten Rang- und Randplätze. Dank **Daniel Barenboim** allerdings mit einer um 0,4 Sekunden verlängerten Nachhallzeit. ***IOCO*** / Viktor Jarosch / 29.12.2014

\---| IOCO Aktuell Staatsoper unter den Linden |---