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# Berlin, Konzerthaus, F. MENDELSSOHN BARTHOLDY, R. WAGNER, Catherine Foster, Iván Fischer, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/berlin-konzerthaus-f-mendelssohn-bartholdy-r-wagner-catherine-foster-ivan-fischer-ioco/
- Published: 2025-10-10T18:50:29.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:38:55.000Z
- Description: Ein Konzert mit geistlicher Tiefe und dramatischer Wucht: Iván Fischer und das Konzerthausorchester Berlin verbinden Mendelssohns „Reformations-Sinfonie“ mit Wagners „Götterdämmerung“. Catherine Foster glänzt als Brünnhilde mit strahlender Stimme und emotionaler Intensität.
- Author: Ingrid Freiberg
- Tags: Konzert & Liederabend, Berlin

Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107 (Reformations-Sinfonie) von Felix Mendelssohn Bartholdy, Konzerthaus, Berlin.

*von Ingrid Freiberg*

***Ein Konzertprogramm mit großer Sprengkraft***

**Felix Mendelssohn Bartholdy** 
***Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 107 („Reformations-Sinfonie“)***

Dass die d-Moll-Sinfonie als 5\. gezählt wird, liegt an ihrer posthumen Veröffentlichung; in der Chronologie steht sie an zweiter Stelle, sie entstand *„zur Feier der Kirchen-Revolution“* zum 300\. Jubiläum des *Augsburger Bekenntnisses* von 1530\. **Mendelssohn** erlebte einige Widrigkeiten mit dieser Sinfonie, die er selbst als nicht vollkommen empfand: Politische Wirren verhinderten die Jubiläumsaufführung, ein Pariser Aufführungsvorhaben scheiterte und der Auftritt bei der Bewerbung für die Leitung der **Berliner Singakademie** erwies sich als erfolglos. Bis heute steht das Werk im Schatten der ***Sinfonien 3*** und ***4***, möglicherweise auch deshalb, weil gegen die religiöse Orientierung Vorbehalte bestehen.

Die **5\. Sinfonie** ist ein eher traditionell angelegtes 4-sätziges Werk mit langsamer Einleitung in rein instrumentaler Ausprägung, dessen geistliche Bezüge sich auf wenige Merkmale reduzieren lassen, auf eine insgesamt archaisch klingende Harmonik und auf drei Elemente aus der Liturgie. So erklingt in der Einleitung der Beginn des „*gregorianischen Magnificat“* und bald darauf das „*Dresdner Amen“* (das **Richard Wagner** später im **Parsifal** melodisch und instrumentatorisch-harmonisch als „*Gralsmotiv“* verwendete) und im letzten Satz schließlich **Luthers** *Choral* „*Ein’ feste Burg …“.* Im Kopfsatz kehren „*Magnificat“* und „*Amen“* als thematische Bausteine in der Exposition des auf die Einleitung folgenden Sonatensatzes wieder, dessen Durchführung kontrapunktisch gearbeitet ist. Der 2\. Satz, ein „*Allegro vivace“*in B-Dur, wirkt auf den unvorbereiteten Hörer wie ein farbiges weltliches Intermezzo. Das kurze „*Andante“* in g-Moll hat den Charakter einer lyrischen Einleitung zum finalen „*Andante con moto – Allegro maestoso“*. Zunächst exponiert **Mendelssohn** **Luthers** „*Choral“*, dann verknüpft er Sonatensatz und Choralvariation miteinander und stellt zugleich durch Zitate aus den drei vorangegangenen Sätzen einen übergeordneten Zusammenhang her.

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Catherine Foster, Iván Fischer © Ingrid Freiberg

***Wagners Hassliebe zu Mendelssohn***

**Wagner** beneidete **Mendelssohn**. Gegenüber seinem Freund **Hans von Wolzogen** gesteht er: *"Wie stümperhaft kam ich mir vor als junger Mann, nur vier Jahre jünger als Mendelssohn, der ich erst mühsam anfing, Musik zu treiben, während jener schon ein ganz fertiger Musiker war."* In einem Brief schrieb er: *"Verehrter Herr! Ich führe den Streich aus, den Sie so gütig waren, im Voraus einen gescheuten zu nennen, u. bitte Sie beiliegende Symphonie, die ich 18 Jahre alt schrieb, als Geschenk von mir anzunehmen; ich wüßte keine schönere Bestimmung. Vielleicht reicht sie hin, Ihnen einen Beweis meines redlichen Bestrebens und meines Fleißes zu geben, u. ich bedarf dieser günstigen Vormerkung von Ihnen, da Sie mich vielleicht verdammen würden, wenn Sie, ohne diese Basis meiner Studien zu kennen, sogleich meine neueren Kompositionen beurteilen sollten. Mit Verehrung Ihr ergebenster Richard Wagner Mus.Dir."* Insgeheim hoffte **Wagner**, dass **Mendelssohn** seine Symphonie in Leipzig aufführt. Dieser reagierte jedoch nicht … Ein paar Jahre später suchte er ihn in Berlin auf, wo **Mendelssohn** seinen ***Fliegenden Holländer*** auf die Bühne brachte. **Wagner** dankte **Mendelssohn** in einem schmeichlerischen Brief. *"Mein lieber, lieber Mendelssohn, ich bin recht glücklich, daß Sie mir gut sind. Bin ich Ihnen ein klein wenig näher gekommen, so ist es mir das Liebste von meiner ganzen Berliner Expedition."* Kamen sich **Wagner** und **Mendelssohn** wirklich näher? Wohl kaum. In seiner Autobiografie *"Mein Leben"* liest sich das Ganze schon anders. Dass **Mendelssohn** auch bei diesem Treffen die Zusendung der Symphonie mit keinem Wort erwähnte, wurmte **Wagner**: *"Nach dem Schicksal der Partitur meiner großen Symphonie, frug ich ihn nicht; wogegen auch er in keiner Weise mir verriet, daß er sich dieses sonderbaren Geschenkes erinnere. In seiner reichlichen häuslichen Umgebung machte er einen kalten Eindruck auf mich, jedoch stieß er mich weniger ab, als ich vielmehr von ihm abglitt."* Blanker Neid spricht aus diesen Worten. Inhaltlich und musikalisch harmonieren **Mendelssohn** und **Wagner** allerdings hervorragend. Jedoch birgt die Kombination des gebürtigen Juden und des radikalen Antisemiten große Sprengkraft. **Mendelssohn** war für **Wagner** Zentrum seiner Hetzkampagne gegen den jüdischen Einfluss auf die Musik. Dass **Mendelssohn** protestantisch getauft war und **Wagner** die ein oder andere musikalische Idee lieferte, spielte für den Meister von Bayreuth dabei keine Rolle.

***Brünnhilde erlöst mit ihrem Schlussgesang die Menschheit***

Knapp 30 Minuten braucht es in der ***Sinfonie Nr. 5*** von **Felix Mendelssohn Bartholdy** bis zur Erlösung. Ganz anders bei **Richard Wagner**: Mit über 15 Stunden ***Ring des Nibelungen -*** an vier Opernabenden - geht es ihm um die Erlösung der gesamten Menschheit, während sich **Mendelssohn** *„nur“* auf die Erlösung des Christentums bezieht. **Mendelssohn** zeichnet die Entwicklung der Kirche mit all ihren Verwirrungen und Konflikten innerhalb des Katholizismus nach, musikalisch versinnbildlicht durch „*Ein’ feste Burg …“.*Als nicht so gefestigt zeigen sich Burg und Götter am Ende der ***Götterdämmerung***. Die Götterburg Walhall wird von Flammen und den Fluten des Rheins verschlungen. Die Menschheit hingegen wird von ***Brünnhilde*** erlöst. Mit ihrem im wahrsten Sinne des Wortes ausufernden Schlussgesang leitet ***Catherine Foster*** die Vollendung ein, bevor auch sie im Flammen- und Flutenmeer untergeht.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/10/thumbnail_1000030219.jpg)

Catherine Foster © Ingrid Freiberg

***Genial verbundene Orchesterzwischenspiele und ein überwältigender Schlussgesang***

Für das Publikum überraschend und faszinierend zugleich erklingen Auszüge aus der **Götterdämmerung**: *„Sonnenaufgang“*, *„Siegfrieds Rheinfahrt“*, *„Siegfrieds Tod“* und der *„Trauermarsch“*. Genial werden die Orchesterzwischenspiele miteinander verwoben, eine bisher nie gehörte Spannung kommt auf. (Eine Aufnahme wäre ein Geschenk für jeden Wagnerianer!) ***Brünnhildes*** zwanzigminütiger ***Schlussgesang*** ist ein stimmlicher Kraftakt, zu dem nur wenige Sopranistinnen in der Lage sind. **Wagner** bietet an orchestralen Klangfarben, Leitmotiven und Dramatik alles auf und lässt ***Brünnhilde*** ihre unendliche Liebe zu **Siegfried** sowie das Ende der Welt und der Götter besingen: *„Starke Scheite schichtet mir dort am Rande des Rheins zuhauf!… Siegfried! Siegfried! Sieh! Selig grüsst dich dein Weib!“*

Die innere Größe und dramatische Leichtigkeit der Stimme von **Catherine Foster**, klar, ruhig und raumfüllend, mit charakteristischem Timbre, lässt aufhorchen. Sie besitzt die Fähigkeit, Worte nachdenklich zu wägen und gleichzeitig einen großen Klangraum zu fluten. Zum Ende von *„Brünnhildes Schlussgesang“* lässt sie ihre Stimme noch einmal aufblühen und zu voller Pracht anwachsen. Sie bewahrt ohne konditionelle Einbußen mit enorm sinnhafter Ausdruckskraft Würde, Haltung und Aufrichtigkeit. Jauchzend, mitfühlend und bewegend versteht sie es, alle in ihren Bann zu ziehen.

Unter der ***Musikalischen Leitung*** von **Iván Fischer** leuchtet das ***Konzerthausorchester Berlin*** auf, präsentiert sich in Höchstform und sorgt sowohl bei **Mendelssohn** als auch bei **Wagner** für magische Momente. Der spirituelle Aspekt der ***Sinfonie Nr. 5*** wird bemerkenswert hervorgehoben. Schnell entspinnt sich ein starker Sog, Transparenz und Wohllaut treffen aufeinander. Die Bläser verströmen einen betörenden Klang, während die Streicher ihre Instrumente subtil zum Klingen bringen. Das Orchester geht kontemplativ und vieldeutig zu Werke, weihevoll ist Musik und Erschütterung spürbar. Präzise nehmen die Interpretationen ihren Lauf. Die perkussiven Passagen sind sprühend, gerade weil sie nicht übersteigert dargeboten werden. Schwelgerische Stimmungen und dramatische Umschwünge begeistern im Wechsel. Der warme Klang der Musiker wird beibehalten, untergründige Wellenbewegungen der tiefen Streicher kontrapunktieren die aufblühenden Geigen mit an- und abschwellender Dynamik. In ***Brünnhildes Schlussgesang*** orchestriert **Fischer** die epische Musik, die von starken Bläsersoli, betörenden Streichern, den Harfen und einer wuchtigen Tuba getragen wird. Brünnhildes Liebe wird durch die Dynamik der Musik lebendig. **Fischers** Dirigat führt zum Untergang, zum Weltenbrand, aber auch zur Hoffnung auf Wiederherstellung eines neuen, besseren Zeitalters. Er beweist höchste Konzentration und musikalische Präzision und bringt die volle Dramatik, deren emotionale Wucht zum Abschluss und untermalt dabei die Ahnung von der bevorstehenden Zerstörung der Götterwelt.

Tief bewegt und mit lang anhaltendem Beifall für die herausragende Aufführung erhebt sich das Publikum von seinen Plätzen.

### Mehr bei IOCO

[„Symphoniekonzert VII“ in Berlin](https://www.ioco.de/berlin-staatsoper-unter-den-linden-symphoniekonzert-vii-ioco/) · [„Geburtstagskonzert Zubin Metha“ in Berlin](https://www.ioco.de/berlin-staatsoper-unter-den-linden-geburtstagskonzert-zubin-metha-ioco/) · [„Symphoniekonzert VI“ in Berlin](https://www.ioco.de/berlin-5/)

## Wie schlug sich Catherine Foster in Brünnhildes Schlussgesang aus der Götterdämmerung?

Catherine Foster lieferte einen überwältigenden, ausufernden Schlussgesang, der die Vollendung der Erlösung der Menschheit eindrucksvoll einleitete.