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# Berlin, Komische Oper, Blaubart - Jacques Offenbach, IOCO Kritik, 26.03.2018
- URL: https://www.ioco.de/berlin-komische-oper-blaubart-von-jacques-offenbach-ioco-kritik-26-03-2018/
- Published: 2018-03-27T08:00:12.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:44:46.000Z
- Author: Kerstin Schweiger
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, richard wagner, Walküre, Wagner, Berlin

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[Komische Oper Berlin](http://www.komische-oper-berlin.de/?ref=ioco.de)

![Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2012/08/komische_oper_berlin_zuschauerraum_c_gunnar-geller.jpg "Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller")

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

# ***Blaubart* \- Opéra bouffe - Jacques Offenbach**

**Beziehungsstatus: Es ist kompliziert, Godot kommt auch nicht…**

Von **Kerstin Schweiger**

**Blaubart** ist nach **Anatevka** in der Inszenierung von Hausherr **Barrie Kosky** die zweite Neuproduktion in der Spielzeit 2017/18, mit der die **Komische Oper Berlin** unter dem Motto *»70 Jahre Zukunft Musiktheater«* ihren 70\. Geburtstag begeht und dabei auch an den Gründer des Hauses, **Walter Felsenstein,** erinnert. In **Felsensteins** Inszenierung erlebte ***Ritter Blaubart*** zwischen 1963 und 1992 insgesamt 369 Aufführungen und ist damit nach ***Anatevka*** die zweiterfolgreichste Produktion in der Geschichte des Hauses. Intendant **Barrie Kosky** hatte in einem früheren Interview einmal gesagt, „*Komödie ist Knochenarbeit. Komik zu machen, ist nicht lustig. Wenn auf den Proben sechs Wochen lang durchgelacht wird, hat man was falsch gemacht“.*

Nichts zu lachen hatte auch das Produktionsteam von ***Blaubart*** um Regisseur **Stefan Herheim** im Vorfeld. Der erste vernehmliche Laut von ***Blaubart*** kam rund 10 Tage vor der geplanten Premiere und hieß warten. Diese wurde diese um eine Woche verschoben, *"aus technischen Gründen*". Ein Vorgang, der eher selten ist. Intendant **Kosky** gab Rückendeckung: „**Stefan Herheim* und sein Team haben ein wundervolles Konzept für diesen *Blaubart* erarbeitet, an dem sie seit sieben Wochen mit großem Engagement, aber unter massiven Belastungen durch technische Probleme arbeiten. Grund für die Verschiebung sind technische und sicherheitstechnische Probleme in Zusammenhang mit dem Bühnenbild, die den bisherigen Probenprozess behindert haben. Es sind unplanmäßige Umbauten und Modifikationen erforderlich sowie – daraus resultierend – zusätzliche Probenzeit.“*

Schon **Felsenstein** bestand auf langen Probenzeiten. In einem Spiegel-Interview 1965 sagte er: „*Je nach Reife und Begabung der Sänger und je nach der Schwierigkeit des Werkes brauche ich für Proben ungefähr die achtzig- bis hundertfünfzigfache Aufführungsdauer, also ungefähr acht Wochen.“*

![Komische Oper Berlin / Blaubart - hier Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Blaubart © Iko Freese drama-berlin.de](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/03/gut-1-_kob_blaubart_1140_ikofreese_drama_berlin_deneu_.jpg)

Komische Oper Berlin / Blaubart - hier Wolfgang Ablinger-Sperrhacke als Blaubart © Iko Freese drama-berlin.de

**Doch worum geht\`s?*„Es ist kompliziert“,* lautet der Beziehungsstatus von **Ritter Blaubart.** *„Frauenprobleme“* überall. ***Blaubart,*** der sich für unwiderstehlich hält, seinen Liebschaften aber nur legal nachzugehen bereit ist, hat bereits fünf Frauen geehelicht und – geplant - an den Tod wieder verloren. Ist er einer Gattin überdrüssig, schickt er diese in den Tod und seinen Handlanger ***Popolani*** auf die Suche nach einer würdigen Nachfolgerin. Die robuste ***Bäuerin Boulotte*** lässt sich von ***Baubarts*** Ruf als lustigem Witwer nicht bange machen, eher schon von endloser Langeweile an der Seite ***Popolanis,*** der bereits ihre Vorgängerinnen aus eigennützigen Gründen und entgegen ***Blaubarts*** Befehl in nicht ganz so ewigen Schlaf versetzt hat. Auch am Königshof ist die Stimmung im Keller. Aufgrund der allumfassenden Blödheit seines Sohnes ist der ebenfalls nicht gerade mit hoher Intelligenz gesegnete ***König Bobèche*** zwecks Thronfolgesicherung auf der verzweifelten Suche nach seiner dereinst ausgesetzten Tochter. Die ***Schäferin Fleurette*** wird im Prinzessinnen-Casting als hinreichend tochterhaft erkannt, kurzerhand als ***Hermia*** akkreditiert und im Königsschloss mit dem Traum-Schwiegersohn Saphir vermählt. König Bobéche hat übrigens auch mehrere Leichen im Keller - von seinem Minister Graf Oscar entsorgte Liebhaber seiner Gattin Königin Clémentine. In der allseits verzwickten Lage nehmen ***Boulotte*** und ***Hermina*** das Szepter in die Hand. Angeführt von ***Boulotte*** proben ***Blaubarts*** wiedererweckte Verflossene den Aufstand!

***So schräg, so gut.***Das ***Baubart***\-Motiv geht auf ein Märchen von **Charles Perrault** aus dem 17\. Jahrhundert zurück. Vielfach adaptiert in der Literatur (**Tieck, Döblin, Friedrich der Große**) ist **Bela Bartoks** Oper ***Herzog Blaubart Burg*** wohl die bekannteste Version der mörderischen Geschichte des ***Ritters Blaubart,*** der seine Frau auf die Probe stellt, in seiner Abwesenheit darf sie ein verschlossene Kammer in der Burg nicht öffnen. Sie tut es dennoch und findet die Leichen ihrer fünf Vorgängerinnen als Ehefrau. Durch Cleverness und Hilfe gelingt ihr, dem eigenen Tod durch den Ehemann zu entkommen. Ihre Brüder töten den Ritter. Im Gegensatz zu anderen Autoren nutzte ***Offenbach*** den ***Blaubart***\-Stoff, um ein Phantasiekönigreich als politische Satire aufzubereiten.

![Komische Oper Berlin / Blaubart- hier Blaubart und Ensemble © Iko Freese drama-berlin.de](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/03/gut-2-blaubart_0381_ikofreese_drama_berlin_deneu_.jpg)

Komische Oper Berlin / Blaubart- hier Blaubart und Ensemble © Iko Freese drama-berlin.de

Zur Entstehungszeit diente die Maskerade zur gepflegten musikalischen Kaiserschelte. Man lachte mit Offenbach über die eigene erotische und politische Unzulänglichkeit, ein satirischer Kommentar auf die bigotte Moral des zweiten Kaiserreichs unter Napoleon III.. Gemeinsam mit dem Dirigenten **Clemens Flick** haben **Herheim** und sein Dramaturg **Alexander Meier-Dörzenbach** eine neue deutschsprachige Fassung mit französischem Einschlag erarbeitet, die Musik aus anderen ***Offenbachiaden*** und ein Füllhorn von musikalischen Anspielungen aus dem Opernrepertoire von ***Tosca,*** über **Wagner,** bis zur **Strauss‘schen *Fledermaus*** hinzufügt, jedoch und vom Original vieles wegnimmt. Z.B. die Ouvertüre, eines der Markenzeichen jedes **Offenbach**\-Werkes.

**Hintergrund**Der jüdische deutsche, aus Köln eingewanderte, „Franzose“ **Jacques Offenbach** hatte nur ein Streben: eine Oper zu schreiben. Stattdessen waren es die Bouffes (komische satirische Revuen, Operetten), die ihn berühmt machen sollten und ihm eine einzigartige Stimme als Komponist und Theaterunternehmer in Paris verschafften. Karl Kraus bezeichnete seine Werke später als *„Offenbachiaden“,* um deutlich zu machen, dass diese keinem anderen Genre zuzuordnen sei.

![Jacques Offenbach Grabstätte in Montmartre © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/03/paris-jacques-offenbach-grab-in-montmartre-c-ioconeuneu.jpg)

Jacques Offenbach Grabstätte in Montmartre © IOCO

1835 begann **Offenbach** als Cellist an der Opéra-Comique in Paris zu arbeiten. Die Kunstform Opera Comique sah damals im Gegensatz zur Grande Opera Opernaufführungen von Stücken vor, in denen sich Arien und Ensembles mit gesprochenen Zwischentexten abwechselten. Das Gebäude der ***Opera Comique*** entstand aus einem Jahrmarktstheater, das Vorläufer dieser Operngattung aufführte. Seine Erfahrungen dort waren vermutlich Inspiration, diese Theaterform aufzugreifen und als Theaterunternehmer führte er ab 1855 *„Offenbachiaden“* auf. Diese satirische Musiktheaterstücke mit gesprochenen Dialogen machten das Theater nach seinem Erfolgsstück ***Orpheus in der Unterwelt*** 1858 zu einer Art "*Flüsterkneipe des Musiktheaters"*. Als scharfzüngiger Beobachter und *Maitre de Plaisier* im französischen zweiten Kaiserreich unter **Kaiser Napoleon III.** hatte er seinen Platz und einen Weg gefunden, der allgegenwärtigen Zensur ein Schnäppchen zu schlagen. **Offenbach** karikierte Sitten, Ereignisse und Personen seiner Zeit und hielt der bürgerlichen Gesellschaft des 19\. Jahrhunderts und konkret **Kaiser Napoleon III.** den Spiegel vor – ein musikalischer Cartoonist. Er war wohl von der Zensur bewusst zum musikalischen Ventil für Kritik des Volkes an der aktuellen Regierung zugelassen. Sein Theaterkonzept erlaubte unter dem Deckmantel der Parodie politische und erotische Freizügigkeit in Zeiten strenger Zensur.

**Walter Felsensteins** noch heute gültige Definition für Musiktheaterregie stimmt mit *Offenbachiaden* wie **Blaubart** zu 100 Prozent überein: *„Eine Geschichte sollte mit den besonderen Möglichkeiten der Musik auf dem Theater erzählt werden, nicht als Selbstzweck, sondern als ein künstlerisches Abbild der Welt, bezogen auf ein Publikum, das sich in dieser Geschichte wiederfinden kann, in seinen Konflikten, Leidenschaften, Niederlagen und Hoffnungen*“ (Quelle: Berliner Zeitung)

Über 50 Jahre nach der legendären Inszenierung von Walter Felsenstein legt der norwegische Regisseur **Stefan Herheim,** der zuletzt mit seinem verrückt-opulenten Xerxes das Berliner Publikum an der **Komischen Oper** begeisterte, nun seine Version von Offenbachs Opéra Bouffe vor.

**Herheim** und sein Produktionsteam schaffen eine Rahmenhandlung und damit eine Distanz zur legendären Vorgängerproduktion. So ist genug Raum für einen unvoreingenommenen Blick und gleichzeitig ein plausibler Zugang zur märchenhaften Handlung. Ein ewig schwankender Theaterkarren, hoch beladen mit Skeletten, macht Halt. Bewegt wird er von zwei ebenso schwankenden Beckett‘schen Gestalten, die sich, im ständigen Disput miteinander, als *Gevatter Tod* und *Liebesbote Cupido* entpuppen. Ein "*Lucky-Pozzo-Paar des Welttheaters".* So verhandeln sie im Spannungsfeld von Liebe und Tod mit Goethes Faust-Worten *„und jedermann erwartet sich ein Fest“* um die Vormacht. Dazwischen entfaltet auf der Karrenbühne eine *Commedia dell‘Arte* Truppe ihr derbes Spiel mit einer Personnage, aus dem Gefolge Blaubarts und dem Hofstaat des morbiden **Königs Bobèche.** Eine Brecht‘sche Brechung. Überhaupt will der Regisseur dem Stück die Leichtigkeit hin und wieder austreiben. *„Wir sind doch hier keine Spaßmacher*“, schimpft der ***Tod*** und sorgt sich um die Fortentwicklung des Theaters, bricht eine Lanze für ein lebendiges Theater, das die Welt verändern kann und richtet sich gegen eine Durchhalte-Unterhaltung bei Bombenstimmung. **Offenbach** und seinem satirischen-Musiktheater tut er damit Unrecht.

Vom musikalischen Erfindungsgeist her bleibt das Stück hinter Offenbachs Coupletkracher-reichen Vorgängerstücken ***Orpheus in der Unterwelt*** und **Die schöne Helena** zurück. Die Neueinrichtung schwankt überdies unentschieden zwischen Umgangssprache und überspitzt eingesetzten Operettentexten, fast übervoll mit einer mit musikalischen Füllstücken aus anderen Werke und musikalischen Zitaten angereicherten Partitur. Das zündet nicht durchgehend. Auch die verzwickte Handlung kommt nur langsam ins Spiel. Wie in **Becketts *Warten auf Godot*** spielt hier Zeit keine Rolle.

Zwei Ebenen macht **Stefan Herheim** in seiner Version aus: eine übergeordnete theatralische, in der Liebe und Tod als personifizierte Figuren der Commedia dell Arte verhandeln, was Liebe darf und Doppelmoral entlarvt. Und eine politische Dimension, die zwischen dem märchenhaften Rittertum eines **Blaubarts** aufscheint, mit der Ummünzung des französischen zweiten Kaiserreichs auf ein preußisch-deutsches Kaiserreich, das nur wenige Jahre nach der Uraufführung in den 1870er Jahren zum bitteren Feind Frankreichs wurde und sich mithilfe der daraufhin geleisteten Reparationen Frankreichs selbst mächtiger denn je aufstellte. Die großartigen Kostüme des Hofstaats (**Esther Bialas**) sind folgerichtig in grauer Gründerzeitmode mit Applikationen aus dem Rittertum von Mittelalter und Renaissance versetzt.

**Herheim** hat viele wunderbare Mitstreiter auf der Bühne und in seinem Produktionsteam. Heraus ragen **Philipp Meierhöfer** als verlängerter Arm des Königs mit unglaublicher Stil- und Spielsicherheit und Johannes Dunz, ein Spieltenor mit Esprit und einer großen Portion Selbstironie als **Schäfer/Prinz.** Bei beiden funkelt **Offenbachs** Bühnensprache am Publikumsverführerischsten.

**Wolfgang Ablinger-Sperrhacke** in der Titelpartie ist ein tödlicher Freund der Frauen und ein Ritter von der vertrottelten Gestalt, mit kernigem Tenor und klarer Diktion, der mit dem kapriziösen *Couplet-Sprinter* **Offenbach** jedoch nicht immer mithält. **König Bobèche** ist in Kostüm und Maske eine komplette Referenz an **Felsensteins** Original. **Felsenstein** bediente in seiner kurz nach dem Mauerbau entstandener Inszenierung (1963) mit dem schmächtigen König mit kleiner Krone und einer großen Weltkugel bereits eine offenbachreife Form, um herrschende Verhältnisse (in der damaligen DDR) satirisch zu kommentieren. **Bobèche** wohnt jetzt im Berliner Stadtschloss. Eine der stärksten Szenen ist die in Dialog gegossene Debatte über das Kreuz auf der Schlosskuppel. „*Dieses Haus hat kein *Kupfer* mehr, dafür umso mehr *Felsenstein“.**

Doch **Peter Renz** findet, gekleidet wie sein Vorgänger **Werner Enders,** aus diesem Original nicht so recht ins Heute, bleibt mehr *Commedia dell’Arte-*Typus denn gefährlicher Potentat ohne Verstand. **Tom Erik Lie** als Alchemist ***Popolani*** und **Königin Clémentine** (**Christiane Oertel**) als durchtrieben-desillusionierte erste Dame des Landes werten den Hofstaat komödiantisch auf. ***Fleurette/Hermia*** (**Vera-Lotte Böcker**) und **Boulotte** ("*eine Carmen der Wanderbühne"*, **Sarah Ferede**) heizen in den Commedia-Szenen den Operetten-Vulkan mächtig auf. Die Sprechrollen von ***Gevatter Tod*** und ***Cupido*** übernehmen **Wolfgang Häntsch** und **Rüdiger Frank,** der als **Cupido** anrührend und nachdenklich ist.

![Komische Oper Berlin / Blaubart - hier Blaubart mit Prinz Saphir und Chor © Iko Freese drama-berlin.de](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/03/5067_kob_blaubart_1388__c_ikofreese_drama_berlin_deneu_.jpg)

Komische Oper Berlin / Blaubart - hier Blaubart mit Prinz Saphir und Chor © Iko Freese drama-berlin.de

**Christof Hetzer** (Bühne) schafft u.a. mit der variablen magischen Wanderbühne *„Variété Vanitas*“ einen beeindrucken Erzählrahmen, im großartigen Lichtdesign **Andreas Hofer** (Phoenix) macht dies eine große Qualität des Abends aus. Chor und Orchester präsentieren sich mit riesiger Spielfreude in Bestform. Das Dirigat des offensichtlich erst später in die Produktion eingestiegenen **Stefan Soltész** differenziert fein die **Offenbach-**typischen raffinierten Rhythmen, die mit immer neuen Melodien phantastische Verbindungen eingehen und musikalisch Tempo ins Spiel bringen.

Die **Komische Oper** will in der Jubiläumssaison die Vergangenheit feiern und gleichzeitig dieses Feuer in die Gegenwart tragen. Doch der Funke springt nicht ganz über. **Herheim** nimmt sich für diesen ***Blaubart*** viel Zeit. Er meint es zu gut und *„schont Prospekte nicht und nicht Maschinen*“, doch der latente Bezug zu **Goethes *Faust*** hat kürzlich erst an anderer Stelle - nicht weit entfernt - zur Oper nicht so sehr getaugt.

Der Abend macht an vielen Stellen Vergnügen; doch das liegt im Detail, nicht im großen Bogen. Der Zuschauer ist gefordert, um dieses Vergnügen voll ausschöpfen zu können. Über den liebevoll zusammen getragenen Details und einem Zuviel an Assoziationen geht der Satire ein bisschen *"die Puste aus".* Spannend und witzig wird es immer dann, wenn das kurz und knackig bleibt, wie beim Aufbauchor der Höflinge, die aus Würfelquadern das Stadtschloss wieder aufbauen sollen, was erst nach vielen Versuchen mit falschen Ergebnissen gelingt. Oder wenn **Blaubarts** tot geglaubte Ehefrauenriege die **DDR-Hymne** *„Auferstanden aus Ruinen“* zu ihrem Schlachtruf gegen **Blaubart** und das Patriarchat machen. Das spiegelt auf intelligente Weise den Esprit einer echten **Offenbachiade.** Und schließlich ganz zum Schluss, wenn der Kreis der Rahmenhandlung sich schließt, ertönt als Referenz an den Komponisten **Offenbach,** der als Cellist begann, ein Cellosolo.

**\- Zustimmender Applaus nach einem langen Abend -** 

**Stefan Herheim,** designierter Intendant des **Theaters an der Wien,** hat **Offenbachs** **Blaubart** mit überbordenden Perspektiven seine Referenz erwiesen. Auf den **Ring des Nibelungen** des **Götz-Friedrich-**Schülers ab 2020 an der **Deutschen Oper Berlin,** darf man gespannt sein.

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**Blaubart** an der **Komischen Oper Berlin;** weitere Termine: 24., 31\. März; 22., 27\. Apr; 10., 13., 20., 25\. Mai;10\. Jun; 1., 13\. Jul 2018

\---| IOCO Kritik Komische Oper Berlin |---