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# Berlin, Deutsche Oper Berlin, Das Rheingold - auf dem Parkdeck, IOCO Kritik, 22.06.2020
- URL: https://www.ioco.de/berlin-deutsche-oper-berlin-das-rheingold-auf-dem-parkdeck-ioco-kritik-222-06-2020/
- Published: 2020-06-22T08:00:31.000Z
- Updated: 2023-09-06T13:03:35.000Z
- Author: Kerstin Schweiger
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, SemperOper, Don Carlo, giuseppe verdi, Verdi, Berlin

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[Deutsche Oper Berlin](http://www.deutscheoperberlin.de/?ref=ioco.de)

![Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2015/03/deutsche_oper_berlin_c_leo_seidel_588.jpg)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

# ***Das Rheingold* \- Deutsche Oper Berlin wieder am Start**

## **Gespielt auf dem Parkdeck des Opernhaus**

von **Kerstin Schweiger**

Als erstes der drei Berliner Opernhäuser hat die **Deutsche Oper Berlin** wieder eine Aufführung vor Publikum gezeigt! Am **12\. Juni 2020** begann dort - knapp 100 Tage nach der letzten Aufführung im Haus - der Spielbetrieb nach der Pandemie-bedingten Schließung der Theater, Konzert- und Opernhäuser in Berlin wieder. Gezeigt wird derzeit in einer ersten Open-Air-Aufführungsserie eine knapp zweistündige Kammerfassung von **Richard Wagners** Oper **Das Rheingold.** Die **Deutsche Oper Berlin**  zeigt **Wagners** Werk in einer schnell eingerichteten halbszenischen Aufführung unter freiem Himmel. **Wotan und Co.** singen und spielen auf dem Parkdeck des Opernhauses. Dieser betonlastige Funktionsort mit 70er Jahre „Charme“ war unter dem jetzigen Leitungsteam bereits 2014 Schauplatz der Oper **Oresteia** von **Jannis Xenakis.** Der Spielort erinnert überdies an die legendäre Uraufführung von **Wilhelm Dieter Sieberts** Wandel-Oper **Untergang der Titanic** 1978, wo die Titanic am Ende auf dem Parkdeck unterging und Rettungsboote von Statisten durch die Zuschauer-Menge getragen wurden.

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Deutsche Oper Berlin / Das Rheingold - hier: vl Andrew Harris als Fasolt, Thomas Blondelle als Loge,Tobias Kehrer als Fafner,Padraic Rowan als Donner @ Bernd Uhlig

## **Der neue Berliner *„Ring“* und Corona**

Doch zurück in die Corona-Gegenwart; zur hier besprochene Vorstellung vom 18.6.2020: Hätte also nicht das Virus seinen eigenen Ring um die Welt gezogen und den Spielbetrieb der Kulturstätten weltweit lahmgelegt, hätte an diesem Abend mit dem ***Rheingold*** der Auftaktabend der Tetralogie ***Der Ring des Nibelungen*** in einer kompletten Neuproduktion im Opernhaus an der Bismarckstraße Premiere feiern können.

Das lang geplante Projekt in der Inszenierung von **Stefan Herheim** hätte hier den ersten Schliff und Berliner und internationale Opernfreunde den Beginn eines neuen Ring-Zyklus zu sehen und zu hören bekommen. Nun erobert sich die **Deutsche Oper** übergangsweise mit weniger Mitwirkenden und unter freiem Himmel das ***Rheingold*** zurück. Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor **Donald Runnicles** und in einer szenischen Einrichtung von Spielleiter **Neil Barry Moss** präsentieren 22 statt 80 Musiker\*innen und 12 Sänger\*innen auf dem Parkdeck der **Deutschen Oper Berlin** eine Version, die Abstands- und Hygieneregeln wahrt.

**Wenn Wagner das wüsste?** Hätte er vielleicht getobt, wie schon zur Zeit der Uraufführung des Werkes? Die erste Aufführung in München 1869 lief für **Wagner** denkbar schlecht, denn das **Rheingold** wurde gegen seinen Willen uraufgeführt. Die restlichen drei Teile waren noch gar nicht fertig gestellt und **Wagner** war gegen die Uraufführung als Teilwerk, doch **König Ludwig II.,** der Sponsor des zukünftigen „*Ringprojeks“,* befahl die Uraufführung und **Wagner** blieb ihr – nach einer chaotischen Probenphase – fern.

Vielleicht hätte er jedoch die hier gezeigte Kammerfassung des britischen Komponisten **Jonathan Dove** als geniales Marketing für sein Werk betrachtet und unterstützt. Als „Wunder“ und „Meisterwerk der Nachschöpfung“ bejubelte die britische Presse diese komprimierte Fassung, die unter dem Titel **The Ring Saga** 1990 entstand. Ziel war es, **Wagners** Tetralogie auch für kleinere Spielorte und Festivals aufführbar zu machen, seither hat diese auf zehn Stunden komprimierte Version einen Siegeszug um die Welt angetreten.

![ Deutsche Oper Berlin / Das Rheingold - hier : vl Derek Welton als Wotan, Annika Schlicht als Fricka, Flurina Stucki als Freia, Padraic Rowan als Donner @ Bernd Uhlig](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/06/rheingold_hf_weltonschlichtstuckirowan41-bernd-uhligneu-kostenfrei.jpg)

Deutsche Oper Berlin / Das Rheingold - hier : vl Derek Welton als Wotan, Annika Schlicht als Fricka, Flurina Stucki als Freia, Padraic Rowan als Donner @ Bernd Uhlig

## ***Rheingold -* Die Aufführung auf dem Parkdeck**

Gespielt wird an der **Deutschen Oper** jedenfalls 110 Minuten ohne Pause vor 175 Zuschauern, die am Anfang erwartungsfroh-gespannt und am Ende der Aufführung mit frenetischem Applaus den Neustart und das gesamte Ensemble lautstark feiern.

Zwei Hürden wurden für die aktuelle kurzfristig angesetzte Aufführungsserie im Sturm, d.h. innerhalb von drei kurzen Wochen genommen: die Zustimmung des Senats zum Sicherheitskonzept in Pandemie-Zeiten und die Genehmigung, die besondere verknappte musikalische Fassung aufzuführen. Zehn Tage vor der ersten Aufführung wurden die Genehmigungen erteilt. Zum Glück, denn Spielleiter **Neil Barry Moss** und das junge Ensemble der **Deutschen Oper Berlin** präsentieren gut gelaunt, mit Spiellaune und Leichtigkeit **Wagners** Musikdrama als Soap Opera von hohem Unterhaltungswert, musikalisch klangtransparent und aufmerksam unterstützt vom Orchester der Deutschen Oper Berlin.

Strafrechtlich und moralisch betrachtet ist das **Rheingold** schon an sich eine Katastrophe. In knapp zwei Stunden entrollt es mit Raub, Mord, Betrug, Vertragsbruch, Entführung und Geiselnahme ein Panorama menschlicher Grausamkeit. **Neil Barry Moss** hat daraus jedoch leichthändig eine Grundsatzparabel über das Theater in Corona-Zeiten gemacht. Habgier im Stück wird zur Sehnsucht nach Theater- und Aufführungsalltag. Hier hat ein Virus dem Publikum die Aufführung, Wagner die Musik – der Ring ist hier die Partitur – und den Künstlern die Arbeits- und Auftrittsmöglichkeit geklaut. Coronagold statt **Rheingold.** Deshalb sind auf der Treppe, die von der Orchesterrampe hoch über dem Parkdeck auf ein Aufführungspodest hinunterführt, auch wahllos aus dem Fundus zusammengesuchte Requisiten, Kostümteile und Versatzstücke verteilt, die vom Ensemble spielerisch bei passender Gelegenheit genutzt werden. Auch **Richard Wagner** ist als Statue mit Maske anwesend.

![Deutsche Oper Berlin / Das Rheingold -hier : vl Padraic Rowan als Donner, Tobias Kehrer als Fafner, Annika Schlicht als Fricka, Flurina Stucki als Freia @ Bernd Uhlig](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2020/06/rheingold_hf_rowankehrerschlichtstucki24honfrei-neu.jpg)

Deutsche Oper Berlin / Das Rheingold -hier : vl Padraic Rowan als Donner, Tobias Kehrer als Fafner, Annika Schlicht als Fricka, Flurina Stucki als Freia @ Bernd Uhlig

## ***Das Rheingold*  \- Das Ensemble**

**Thomas Blondelle** ist textdeutlich und tenorstrahlend ein wendiger **Loge**, aber zugleich auch Regieassistent und Spielmacher, der gelegentlich aussteigt und Regieanweisungen erteilt oder Kaffee fürs Team in Pappbechern besorgt. Die Amboßschläge der Ringschmiede kommen aus seinem Ghettoblaster. ***Wotan* Derek Walton** mit markantem Bassbariton nimmt auf einem Regiestuhl Platz. **Annika Schlichts** vollmundig***e Fricka*** ist resolut und tolerant, **Flurina Stucki** als gepanzerte Apfelverkosterin **Freia** sopranstrahlend. Die glitzergekleideten **Rheintöchter** glänzen und barmen auch stimmlich frisch in die Dämmerung hinein. **Tobias Kehrer** und **Andrew Harris** als ***Riesen*** und **Judit Kutasi** als **Erda,** alle mit vollmundiger Stimmtiefe, sowie der lockere Donner von **Rowan Padraic** ergänzen das gut aufgelegte Ensemble. Am Ende ziehen die Götter über die Rampe in die Wallhall-Werkstatthalle ein. Goldfolienkanonen schießen Glitzerschlangen ins Publikum, das mit anhaltendem Applaus antwortet.

Regisseur **Moss** spricht allen Künstlern aus dem Herzen, wenn er über die vergangene opernlose Zeit und den Ring sagt: „*Es fühlte sich so an, als hätte *Alberich* diesen unseren Schatz geraubt und dem Theater abgeschworen, ja die Liebe zum Theater verflucht. Mit diesem *Rheingold* auf dem Parkdeck beginnen wir wieder. Wir spielen!“*

Wann der neue Ring-Zyklus in der Regie von **Stefan Herheim** zur Aufführung kommt, steht und fällt mit der weiteren Pandemie-Entwicklung und den daraus resultierenden Verordnungen. Für den **27\. September 2020** steht derzeit noch die ***Walküre*** planmäßig im Spielplan.

Vorstellungen **Rheingold** am 20\. und 21\. Juni und am 21., 22\. und 23\. August 2020\. Pro Person sind 1-2 Tickets buchbar im Internet, telefonisch und an der Theaterkasse der **Deutschen Oper Berlin.** Gebühr: 5 Euro, nach der Vorstellung wird einem „Pay what you want“-Konzept folgend um freiwillige Beiträge gebeten. Karten: +49 (30) 343 84 343, **info@deutscheoperberlin.de** [**www.deutscheoperberlin.de**](http://messagerest-web-bap.server.lan:20180/trinity-message-rest-webde6/rest/derefer?destination=http%3A%2F%2Fwww.deutscheoperberlin.de&ref=ioco.de)

**Besetzung:** **Derek Welton** (Wotan), **Padraic Rowan** (Donner), **Thomas Blondelle** (Loge), **Philipp Jekal** (Alberich), **Andrew Harris** (Fasolt), **Tobias Kehrer** (Fafner), **Annika Schlicht** (Fricka), **Flurina Stucki** (Freia), **Judit Kutasi** (Erda), **Elena Tsallagova** (Woglinde), I**rene Roberts** (Wellgunde), **Karis Tucker** (Floßhilde).

\---| IOCO Kritik Deutsche Oper Berlin |---