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# Bayreuth, Bayreuther Festspiele, SIEGFRIED – Richard Wagner, IOCO
- URL: https://www.ioco.de/bayreuth-bayreuther-festspiele-siegfried-richard-wagner-ioco/
- Published: 2025-08-10T19:02:51.000Z
- Updated: 2026-06-23T09:38:32.000Z
- Description: Valentin Schwarz inszeniert Wagners Siegfried in Bayreuth als packendes Psychodrama mit ungewöhnlichen Bildern. Simone Young entfaltet die Partitur mit Klarheit und Spannung – ein Abend voller musikalischer Strahlkraft und szenischer Intensität.
- Author: Ingrid Freiberg
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Bayreuth

Siegfried von Richard Wagner, Bayreuther Festspiele, Bayreuth.

von Ingrid Freiberg 

***Siegfried*** ist das „jugendlichste“ Werk der Tetralogie, in dem die Orchestersprache von **Richard Wagner** sich zur vollen Reife entfaltet. Die Unterbrechung der Komposition nach dem ersten Aufzug, in der er ***Tristan und Isolde*** und ***Die Meistersinger*** schrieb, dauerte über ein Jahrzehnt und führte zu hörbaren stilistischen Brüchen. Das Netz der „Leitmotive“ ist in ***Siegfried*** besonders dicht, sie wurden aus ***Rheingold*** und **Die Walküre** weiterentwickelt bzw. erklingen neu: *„*Das *Schmiedemotiv“*, in energisch punktierter Rhythmik in den Blechbläsern, das „*Siegfried-Motiv“*, hell, strahlend, von Hörnern getragen, ein Amboss dient als Schlaginstrument, das bedrohliche „*Drachenmotiv*“ von Blech und Kontrabässen bestimmt und das filigrane in Orchesterfarben aufblühende „*Waldweben“*. Die „*Erweckung Brünnhildes“* steigert sich in lyrisch-expressiven Bläserlinien bis zum ekstatischen Schlussduett. Das Orchester erhält eine betont zentrale Rolle, es erzählt mythische Vorahnungen. Geht der Vorhang auf, ist sofort zu spüren: In ***Siegfried*** betritt man eine andere Welt. Während ***Das Rheingold*** und ***Die Walküre*** stark von Göttern und deren Intrigen geprägt sind, verlagert sich der Fokus auf den jungen Helden ***Siegfried***. ***Wotan*** erscheint als ***Wanderer*** in einer zurückgenommenen Rolle. Musikalisch geht es stellenweise märchenhaft-komisch zu; es wird dialogischer, mit einer Prise Humor gewürzt.

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****Ya-Chung Huang** (Mime), ****Tomasz Konieczny** (Der Wanderer) © Bayreuther Festspiele - Enrico Nawrath

***Siegfried zwischen Kindheitsfragmenten, seelischer Zerrissenheit und musikalischem Triumph***

**Valentin Schwarz** ***(Regie)*** zeigt ***Siegfried*** als Produkt einer beschädigten Kindheit. Ein Kinderzimmer voller Puppen und ungeordnetem Sammelsurium ist die Werkstatt ***Mimes***, eine Welt, in der aus Spiel Schmerz wird. ***Mime*** ist nicht der listige Nibelung, sondern ein tragisch-komisch-zerrissener Erzieher, der Kasperletheater spielt. Eine Puppe, die ***Sieglinde*** ähnelt, ein Aquarium, eine Girlande zum nie gefeierten Geburtstag: Das alles sind Fragmente, in dem ***Siegfried*** weder Herkunft noch Zukunft findet. Im 2\. Aufzug verlagert sich das Geschehen in einen Salon, mehr ein Wartezimmer der Macht als mythischer Wald. ***Fafner*** ist kein Drache, sondern ein gebrechlicher alter Mann auf dem Sterbebett. ***Siegfried*** tötet ihn, indem er ihn mit dem Rollator umstößt und damit sein Leben auslöscht. Anstatt einer heroischen Kampfszene ist dieser Tod schockierend banal. Zeuge ist der stumme ***Hagen***, eine wichtige Figur im Kontext der Regie, ein komplizenhafter Mittäter, in dem bereits die Saat seines Verrats in der ***Götterdämmerung*** keimt. Die Regie bleibt dabei mehr andeutend als erzählend. Sie deutet Mythos als Trauma. Wer hier Märchen erwartet, erhält eine Parabel auf Verlorenheit und männliche Selbstüberhöhung.

Die teilweise bewusst alltäglich gestaltete ***Bühne*** von **Andrea Cozzi** zeigt die „Höhle von ***Fafner***“ grotesk, entmystifiziert als steriles Krankenzimmer. Der Regie entsprechend wird der Drache, völlig fremd wirkend, nicht als Ungeheuer, sondern als Pflegefall gezeigt. Die Bühnenausstattung erinnert an Reality-TV-Ästhetik. Sein Konzept ist ein sozialer Kommentar, modern, provokant und atmosphärisch dicht. Auch die ***Kostüme*** von **Andy Besuch** zeigen einen auffälligen Bruch mit mythologischem Pathos. Sie sind modern, realitätsnah und integraler Teil der zeitkritischen Inszenierung: Statement, nicht kosmetisches Beiwerk.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/08/Sieg_280625_327_--EnricoNawrath_press.JPG)

****Victoria Randem** (Waldvogel), ****Klaus Florian Vogt** (Siegfried), ****Ya-Chung Huang** (Mime), ****Branko Buchberger** (der junge Hagen) © Bayreuther Festspiele - Enrico Nawrath

**Tiefe und leuchtende Höhepunkte**

**Klaus Florian Vogt** interpretiert **Siegfried** mit seiner hell geführten, mühelos strömenden Stimme als Suchenden und Fragenden. Er glänzt in den lyrischen Momenten und lässt Verletzlichkeit durchscheinen. Die Schmiedelieder geraten ihm etwas verhalten, hervorragend gelingt ihm in der „*Erweckung Brünnhildes“* innige Balance aus Staunen und Aufbegehren. **Catherine Foster** bleibt eine Idealbesetzung der ***Brünnhilde***. Klar in der Höhe, warm im Timbre, mit einer Ausstrahlung, die Würde und Menschlichkeit verbindet. Das Schlussduett mit Vogt entwickelt sich zu einem Rausch musikalischer Verklärung. **Ya-Chung Huang** als ***Mime*** besticht durch Spielfreude, klare Diktion, eine gefährlich einschmeichelnde Stimme und mit überzeugender körperlicher Präsenz. Er gerät nie zu einer Karikatur, sondern beeindruckt als tragischer Intrigant. **Tomasz Konieczny** verkörpert den ***Wanderer*** mit imposanter Stimmgewalt, besonders ideal für die ziemlich hohen Passagen, aber auch mit berührender Müdigkeit. Der Abgesang des Göttervaters gelingt ihm als Studie einer erschöpften Autorität, ist psychologisch dicht. **Ólafur Jóhann Sigurðsson** überzeugt als zynisch-verrohter ***Alberich*** mit klarer Diktion, markantem Auftreten, menschlich wild und doch verletzlich. Er ist eine Idealbesetzung … **Tobias Kehrer** ist ein düster charismatischer ***Fafner***. Sein Bass ist finster,bedrohlich, imposant, sicher im Ton und angenehm im Klang. **Anna Kissjudit** gewinnt als stimmlich kraftvolle, würdevoll resignierende ***Erda*** von textlicher Prägnanz. Ihre warme Altstimme, stimmliche Schönheit und emotionale Tiefe bleiben nachhaltig haften. **Victoria Randem** als ***Waldvogel*** bezaubert mit kristalliner Leichtigkeit. Ihr Gesang ist ein unschuldiger Klang in einer ansonsten beschädigten Welt. Ihr Zusammenspiel mit ***Siegfried*** ist liebenswert frech. An ihrer Artikulation muss sie allerdings arbeiten. **Branko Buchberger** verkörpert den ***jungen Hagen*** als wortlosen Schatten im Hintergrund, als stillen Beobachter mit zunehmend spürbarem Eigenwillen. Seine Interaktion mit ***Siegfried*** wirkt zunächst wie eine aufrichtige Freundschaft, doch das Spiel verrät früh den Keim seiner Kränkung. **Buchbergers** zurückgenommene Körpersprache gibt der Figur Tiefe und Bedeutung. Nicht weniger eindrucksvoll ist **Igor Schwab** als ***Ross Grane***. Er ist nicht nur stummer Begleiter, sondern „Schutzengel“. In seiner subtilen Interaktion mit ***Brünnhilde*** schwingt zugleich Loyalität und stille Eifersucht mit. In einem kurzen, beinahe tänzerischen Streit mit ***Siegfried*** um die Gunst ***Brünnhildes*** gelingt es **Schwab**, dramatische Spannung zu erzeugen. Diese beiden stummen Rollen sind nicht nur stilistische Raffinessen, sie sind integraler Bestandteil des psychologischen Spannungsbogens. Dass sie in Erinnerung bleiben, spricht für die Kraft der Regie und für das eindrucksvolle Spiel der beiden Darsteller.

![](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/2025/08/Sieg_280625_412_--EnricoNawrath_press.JPG)

Anna Kissjudit (Erda) © Bayreuther Festspiele - Enrico Nawrath

**Das Festspielorchester mit leuchtender Präzision, seelisch verdichtet**

Eine weitere Heldin sitzt im Graben: **Simone Young** führt das **Festspielorchester** mit klarer Linie und feinem Gespür für Spannung und Entladung. Ihre Lesart des ***Siegfried*** ist kein rauschhafter Klangraubzug, sondern eine organisch atmende, durchdachte Erzählung. **Young** lässt die Musik ohne Pathos sprechen. Die Tempi sind kontrolliert, besonders das *„Waldweben“* gerät ihr zu schwebender Poesie. Harfenglissandi glitzern wie Lichtreflexe auf dem Wasser, während die Holzbläser einen atmenden Kontrapunkt setzen. Bei den dramatischen Höhepunkten entfesselt sie die ganze Fülle des Orchesters: Die Hörner strahlen, das Blech bleibt geschliffen, kraftvoll, die tiefen Streicher tragen die Bögen mit Wärme und Gravität. Und über allem liegt eine Ruhe und Souveränität, die deutlich macht: Diese Dirigentin weiß genau, was sie will. 

Das Publikum ist hingerissen und bedankt sich mit donnerndem Applaus bei allen Mitwirkenden.

## [**Infos und Karten: Link hier**](https://www.bayreuther-festspiele.de/?ref=ioco.de)

### Mehr bei IOCO

[„Siegfried“ in Bayreuth](https://www.ioco.de/bayreuth-bayreuther-festspiele-2024-siegfried-richard-wagner-ioco/) · [„Siegfried“ in Wuppertal](https://www.ioco.de/wuppertal-historische-stadthalle-siegfried-richard-wagner-ioco/) · [„Siegfried“ in Paris](https://www.ioco.de/paris-15/)

## Wie schlägt sich Klaus Florian Vogt in der Titelpartie?

Vogt interpretiert Siegfried mit hell strömender Stimme glänzend in lyrischen Momenten, wirkt in den Schmiedeliedern jedoch etwas verhalten, überzeugt aber bei der Erweckung Brünnhildes.