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# Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2018, Neuinszenierung des Lohengrin, IOCO Kritik
- URL: https://www.ioco.de/bayreuth-bayreuther-festspiele-neuinszenierung-des-lohengrin-ioco-kritik-2018/
- Published: 2018-08-17T06:00:45.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:47:52.000Z
- Author: Patrik Klein
- Tags: Oper & Operette, Premieren, Premiere, giacomo puccini, Pressemeldungen & Nachrichten, Puccini, Bayreuth

![Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/08/1-bayreuth-festspielhaus-foto-patrik-kleinneu.jpg "Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein")

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

[Bayreuther Festspiele](http://www.bayreuther-festspiele.de/?ref=ioco.de)

# Schwanenritter in Traumwelt paralleler Sphären

# Neuinszenierung des *Lohengrin* bei den Bayreuther Festspielen 2018

Von **Patrik Klein**

Die **Bayreuther Festspiele** begannen in diesem Jahr mit einer Neuinszenierung der romantischen Oper **Lohengrin*,* die auf die zunächst kontrovers diskutierte und zuletzt vom Publikum geliebte Inszenierung **Hans Neuenfels** folgte, der die Gesellschaft als Ratten im Versuchslabor sah. Der junge amerikanisch-israelische Regisseur **Yuval Sharon,** der erst vor zwei Jahren nach dem Rücktritt von **Alvis Hermanis** in die bereits skizzenhaft erarbeitete Konzeption der erstmals für das Theater arbeitenden Künstler **Neo Rauch** und Ehefrau **Rosa Loy** einstieg, verlegte die Handlung in Brabant aus dem 10\. Jahrhundert in das reiche Holland des 17\. Jahrhundert und bediente sich der Theaterästhetik des 19\. Jahrhunderts. Die beiden Maler, die der „**Neuen Leipziger Schule**“ zugerechnet werden, hatten die Bühne in dominierende Delfter Blau-Facetten getaucht und mit Versatzstücken wie Transformatorenstation, stillgelegtes Elektrizitätswerk, Strommasten und Sumpflandschaft versehen.

# *IOCO*  berichtet von der „Dernière“ auf dem Grünen Hügel

**Yuval Sharon** erzählte eine Geschichte von blindem Gehorsam und dem Versuch, sich davon zu emanzipieren. Er zeichnete eine korrumpierte Gesellschaft, die durch **Elsas** ambivalentes naiv-kritisches Handeln und **Lohengrins** archaische Kraft von Feuer und Elektrizität bestimmt, überwunden werden musste. In drei bildgewaltigen Aufzügen mit meist nur sanfter Bewegungsregie dominierte ganz besonders die musikalische Komponente mit einem überragenden **Ensemble**, **Chor** und **Orcheste**r unter der musikalischen Leitung **Christian Thielemanns**, der hiermit seine zehnte Wagneroper auf dem Grünen Hügel zur Aufführung brachte.

![Bayreuther Festspiele 2018 / Lohengrin - 1. Aufzug - Musikalissche Leitung : Christian Thielemann, Inszenierung : Yuval Sharon, Bühne und Kostüme : Neo Rauch &amp;amp; Rosa Loy © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/08/1-lohengrin-1_aufzug-foto-enrico-nawrath_2.jpg)

Bayreuther Festspiele 2018 / Lohengrin - 1\. Aufzug - Musikalissche Leitung : Christian Thielemann, Inszenierung : Yuval Sharon, Bühne und Kostüme : Neo Rauch & Rosa Loy © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Drei Wochen vor der Premiere der Neuinszenierung des **Lohengrin** kam mit einem Paukenschlag die Absage des vorgesehenen Titelhelden **Roberto Alagna**. Der italienisch-französische Star-Tenor sagte kurzfristig den Bayreuther „**Lohengrin**“ ab. Er habe den Text aus Zeitmangel nur bis zum zweiten Akt einstudieren können. In den Medien herrschte kurzzeitig völliges Unverständnis und Kopfschütteln. Die Leitung der **Bayreuther Festspiele** präsentierte während der bereits laufenden Proben als "Einspringer" den polnischen Star-Tenor **Piotr Beczala**, der bereits im Mai 2016 an der **Dresdner Semperoper** als **Lohengrin** an der Seite von **Anna Netrebko** und vielen anderen namhaften Sängerinnen und Sängern brillierte. Die Neuproduktion auf dem Grünen Hügel war erstklassisch besetzt mit **Anja Harteros** (Elsa von Brabant), **Georg Zeppenfeld** (Heinrich der Vogler), **Tomasz Konieczny** (Friedrich von Telramund), **Egils Silins** (Heerrufer des Königs), den vier Edlen **Michael Gniffke**, **Eric Laporte**, **Kai Stiefermann,** **Timo Riihonen** und der lebenden Legende **Waltraud Meier**, die noch einmal nach 18 Jahren Abstinenz und auf ausdrücklichen Wunsch von **Katharina Wagner** und **Christian Thielemann** als **Ortrud** auf **den Grünen Hügel** zurückkehrte. Das damalige Zerwürfnis mit **Wolfgang Wagner** war längst abgehakt und vergessen. Sie wollte nun als 62-jährige Künstlerin eine letzte Ortrud in Bayreuth darstellen mit dem persönlichen Gefühl: "Abschließen, abgeben, loslassen".

**Entstehung**Richard Wagners romantische Oper **Lohengrin** spielt vor einem historischen Hintergrund in Brabant in der ersten Hälfte des 10\. Jahrhunderts. Die Uraufführung fand am **28\. August 1850** in **Weimar** unter der Leitung von **Franz Liszt** im **Großherzoglichen Hoftheater** statt. Wieder vereinte **Richard Wagner** zwei verschiedene Sagenkreise zu einer eigenen neuen Handlung: den um den Gral und den um den Schwanenritter. Grundlage des Stoffes ist die Gestalt des **Loherangrin** in **Wolfram von Eschenbachs** mittelhochdeutschem Versepos **Parzival.**

![Bayreuther Festspiele 2018 / Lohengrin - Piotr Beczala - Musikalissche Leitung : Christian Thielemann, Inszenierung : Yuval Sharon, Bühne und Kostüme : Neo Rauch &amp; Rosa Loy © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/08/2-piotr-beczala_-lohengrin-foto-enrico-nawrath_2.jpg)

Bayreuther Festspiele 2018 / Lohengrin - Piotr Beczala - Musikalissche Leitung : Christian Thielemann, Inszenierung : Yuval Sharon, Bühne und Kostüme : Neo Rauch & Rosa Loy © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

**Die Handlung - Erster Aufzug** *Das Vorspiel stellt die Aura des Grals dar. König *Heinrich der Vogler* sitzt auf einer Aue am Ufer der Schelde unter einer Gerichtseiche, um Heerschau und Gerichtstag im Fürstentum Brabant zu halten. Er teilt seine Absicht mit, für einen Krieg gegen die Ungarn ein Heer zu sammeln, an dem sich auch Brabant mit Soldaten beteiligen soll. Er hat erfahren, dass ein Streit um die Erbfolge im Herrscherhaus entbrannt sei. Er ruft daher *Friedrich von Telramund* zur Aussage vor Gericht. Dieser ist der Erzieher *Elsas* und *Gottfrieds,* der Kinder des verstorbenen *Herzogs von Brabant*. *Telramund* sagt aus, *Gottfried* sei auf einem Spaziergang mit seiner Schwester im Wald verschwunden. Er klage sie daher des Brudermordes an, obwohl sie ihm eigentlich als Braut versprochen war. Er selbst habe *Ortrud*, die letzte Nachfahrin des Friesenfürsten Radbod, geheiratet. Daher beanspruche er zusätzlich die Fürstenwürde von Brabant. Vom König zur Tat befragt, sagt *Elsa* nur „Mein armer Bruder“. Sie erklärt, dass ihr im Traum ein Ritter erschienen sei, der sie schützen und verteidigen werde. König Heinrich ordnet einen Gerichtskampf als Gottesurteil an. Auf die Frage, wer sie im Kampf vertreten soll, sagt *Elsa*, ihr werde der gottgesandte Streiter zur Seite stehen, den sie im Traum gesehen habe. Auf den königlichen Aufruf der Streiter meldet sich zunächst kein Kämpfer für *Elsa*. Erst als sie selbst betet, erscheint ein Boot, das von einem Schwan gezogen wird. Darauf steht ein fremder Ritter in heller Rüstung. Dieser will nicht nur für *Elsa* streiten, sondern hält zugleich um ihre Hand an. Beides ist jedoch mit der Bedingung verknüpft, niemals nach seinem Namen und seiner Herkunft zu fragen. Den Versammelten verkündet der Ritter, dass *Elsa* *von Brabant* schuldlos sei. Es kommt zum Zweikampf, in dem der Unbekannte den *Grafen von Telramund* besiegt. Der Fremde verzichtet darauf, Telramund zu töten. Unter allgemeinem Jubel sinkt *Elsa* ihrem Retter in die Arme.*

Bereits im **Vorspiel** schärft ein berauschendes Blau die Sinne des Zuhörers. Ganz zart eröffnet die Querflöte die Oper. Das **Festspielorchester** lässt das märchenhafte Ambiente des Grals vernehmen. Sanft führen die samten klingenden Streicher in die Sphären der Vorgeschichte ein. Dann erschallen die Bläser absolut rein und präzise. Das Dirigat von **Christian Thielemann** lässt schon jetzt Großartiges in der Musik der kommenden knapp vier Stunden erahnen. In der ersten Szene vor einem riesigen blauen Halbrund steht eine Art Energiequelle in Form einer Transformatorenstation mit Strommasten und Blitzableiter und herumliegenden übergroßen Isolatoren. **Neo Rauchs** 2015 erschafftes Gemälde **"Der Former"** diente hierbei als Impulsgeber. So entsteht eine Traumwelt mit skurrilen Bildern wie in einem eigenen Traum des Betrachters, eine Art Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Die Brabanter Gesellschaft lauscht voller Spannung dem **Heerrufer** und dem **König von Brabant*.* In mottenflügelbehafteten, blaugetünchten, elfenartigen Kostümen stehen die Protagonisten vor einem in blau schimmernden Abendhimmel. In einer Atmosphäre, die an Shakespeares „Mittsommernachtstraum“ erinnert, lassen **Georg Zeppenfeld** des **Königs** und **Egils Silins** des **Heerrufers** Stimme erklingen. Aufgeregt und mit stachelartig besetzter Halskrause tritt der Bösewicht **Telramund** glaubhaft verkörpert und gesungen von **Tomasz Konieczny** in Erscheinung und beschuldigt **Elsa** des Brudermordes. Argwöhnisch blickend taucht im Hintergrund am Eingang des Transformatorhauses seine Gattin **Ortrud** auf. *„Seht hin! Sie naht, die hart Beklagte“* erschallt erstmals der musikalisch überragende **Festspielchor**, der gewohnt präzise und raumfüllend jeden Ton und jede Phrase singt. Die Bühne erscheint wie ein gemaltes Bild auf einer Staffelei. Häufig werden die Bewegungen des Chores eingefroren (freezing), um so diesen bildlichen Effekt zu verstärken. **Elsa** wird an Fesseln hereingeführt in ihrem hellblauen Gewand mit kleinen Flügeln, die die märchenhafte Szenerie unterstreichen. Die Frauen dieser "Mottengesellschaft" haben deutlich kleinere Flügel als die herrschenden Männer. Sie taugen nicht zum Fliegen. Ihnen allen gemeinsam ist die Sehnsucht nach Licht und Energie. Glaubhaft und berührend gesungen von **Anja Harteros** „**Einsam in trüben Tagen**…“ fleht sie mal am Boden liegend, mal die Isolatoren umarmend zu Gott, am Seil von zwei Brabantern gehalten, sehnt das Kommen des Retters und Fürstreiters herbei. Einige Brabanter bringen bereits erste Holzscheite für eine mögliche Exekution **Elsas** herbei. **Telramund** macht sich am Seil **Elsas** zu schaffen und fordert mit weiteren üblen Anschuldigungen zum Gottesgericht. Blitze zucken, das Transformatorenhäuschen erbebt, **Elsa** fleht mit hoch erhobenen Armen und sinkt zu Boden. Im Kern der Energie der Trafostation erscheint **Lohengrin** in taubenblauem Monteursanzug, (noch) ohne Insektenflügel. Das Volk ist hingerissen angesichts der unerwarteten Erscheinung. Vergeblich sucht man einen Schwan, findet auf dem Trafodach ein flügelandeutendes, glitschig-weiß strahlendes Objekt als Symbol aus einer anderen Welt. **Lohengrin** wirkt, als stehe er unter "Erlösungsdruck" und dem Willen, endlich aus seiner Gralsritterrolle herauszukommen. Kann er seine Chance nutzen? Mit gesenkten Köpfen empfangen die Brabanter den unbekannten Ritter. Bei der Warnung vor der Frage nach seiner Herkunft tritt **Ortrud** hervor und bildet mit **Telramund** sowie **Lohengrin** mit **Elsa** zwischen den in den Boden gerammten Schwertern ein magisches Quadrat. Das „gute“ und das „böse“ Paar bilden eine seltsame, märchenhaft verklärte Konstellation. **Lohengrin** geht mit einem Blitzsymbol in den Kampf mit **Telramund*.* Die Brabanter Gesellschaft wirbelt wild und unschlüssig wirkend umher. Adrenalin-gefüllt nimmt Telramund den Kampf mit **Lohengrin** auf. Blitz und Schwert überkreuzen sich. Das Volk verteilt sich sitzend um das abgesteckte Kampfterrain. In der düsteren Stimmung fliegen die beiden Kontrahenten an Seilen geführt wie Insekten durch das Halbrund der Szenerie. **Telramund** unterliegt und verliert einen Flügel. Alle preisen Gottes Sieg. **Elsa** und **Lohengrin** triumphieren. **König Heinrich** hält die Spitze eines Isolators und lässt **Lohengrin** durch anbringen eines Flügelpaares zum Teil der Neuordnung suchenden Gesellschaft werden. **Ortrud** und **Telramund** sind scheinbar am Boden zerstört.

![Bayreuther Festspiele 2018 / Lohengrin - 2. Aufzug-Musikalissche Leitung : Christian Thielemann, Inszenierung : Yuval Sharon, Bühne und Kostüme : Neo Rauch &amp; Rosa Loy © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/08/3-lohengrin-2_aufzug-foto-enrico-nawrath_2.jpg)

Bayreuther Festspiele 2018 / Lohengrin - 2\. Aufzug-Musikalissche Leitung : Christian Thielemann, Inszenierung : Yuval Sharon, Bühne und Kostüme : Neo Rauch & Rosa Loy © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

**Die Handlung - Zweiter Aufzug** *Am folgenden Tag beklagt *Graf Friedrich von Telramund* den Verlust seiner Ehre und bezichtigt seine Gattin, ihn zur Falschaussage gegen *Elsa* verführt zu haben. *Ortrud* beschuldigt ihn der Feigheit gegenüber dem fremden Ritter, in dem sie keineswegs einen von Gott gesandten Helden erblickt, sondern ein menschliches Wesen. Den widerstrebenden *Telramund* überzeugt *Ortrud* davon, dass ihm Unrecht getan wurde und der Fremde den Zweikampf nur mit Hilfe eines Zaubers habe gewinnen können. Die beiden beschließen, *Elsa* zu verleiten, ihrem Helden die verbotene Frage nach „Nam’ und Art“ zu stellen. Für den Fall, dass dies missglücke, rät *Ortrud* zur Anwendung von Gewalt gegenüber dem fremden Helden. Kurz darauf erblicken sie *Elsa.* *Telramund* zieht sich auf Drängen seiner Gattin zurück. *Ortrud* gibt sich scheinbar reuevoll gegenüber *Elsa*, die kurz vor ihrer Hochzeit steht, und schafft es, *Elsas* Mitleid zu erregen und in den Palast eingelassen zu werden. Triumphierend ruft sie die „entweihten Götter“ Wodan und Freia um ihren Beistand an. Arglos ist *Elsa* nur zu gern bereit, allen und auch *Ortrud* zu verzeihen. In einem vertraulichen Gespräch vor der Pforte deutet *Ortrud* an, es könne ein dunkles Geschick sein, aus dem heraus der Fremde gezwungen sei, seinen Namen zu verbergen. *Elsa* weist allen Zweifel von sich und nimmt *Ortrud* zu sich in den Palast. Der *Heerrufer des Königs* ruft die Brabanter zusammen und verkündet, dass *Telramund*, wie es die Gesetze erfordern in Acht und Bann gefallen sei. Der „fremde, gottgesandte Mann“ aber soll als "Schützer von Brabant" mit dem Herzogtum belohnt werden. Der *Heerrufer* kündigt an, dass der Fremde sich noch am selben Tage mit *Elsa* vermählen werde, um am nächsten Tag die Brabanter anzuführen und König Heinrich auf dem Kriegszug zu folgen. Am Rande der Szene äußern vier *brabantische Edle* ihren Missmut über die Beteiligung an Heinrichs Feldzug gegen eine weit entfernte Bedrohung. *Telramund* taucht auf und teilt mit, dass er den Fremden am Feldzug hindern könne und dass dieser das Gottesgericht durch einen Zauber verfälscht habe. Aus der Burg bewegt sich der Brautzug mit *Elsa* auf das Münster zu. Er hat gerade die Stufen vor dem Portal erreicht, da vertritt *Ortrud Elsa* den Weg und verlangt den Vortritt für sich mit der Begründung, dass sie einem geachteten Geschlecht entstamme, während *Elsa* noch nicht einmal in der Lage sei, den Namen ihres Gatten zu nennen. Elsa weist sie unter Hinweis auf die Reichsacht, der ihr Gatte verfallen sei, zurück. *König Heinrich* erscheint mit dem Fremden, und *Ortrud* muss vor diesem zurückweichen. Der geächtete *Telramund* erscheint und klagt den Fremden des Zaubers an, aber die Klage wird abgewiesen. Der Geächtete redet auf *Elsa* ein, die verbotene Frage zu stellen, doch Elsa ringt sich zu einem erneuten Vertrauensbeweis gegenüber ihrem Helden durch. Der Hochzeitszug zieht mit dem Fremden und der verunsicherten Elsa ins Münster ein.*

Düster beginnt der zweite Aufzug in **Sharons** Neuinszenierung mit einem blauen Gazevorhang vor einer schummrigen Heidelandschaft. Dunkle Wolken ziehen am Horizont auf. **Telramund** tritt in schwarz gehüllt mit nur noch einem Flügel behaftet hervor, den **Lohengrin** ihm beim Kampf abschlug. **Ortrud** umgarnt ihn im wahrsten Sinne des Wortes, um seine erlittene Schmach vergessen zu machen und seine Feigheit in alten Machtanspruch zu wenden. Kulissenteile, Schilfgras, Blitzableiter auf einem Turm verschieben sich. Die Überzeugungskunst **Ortruds** trägt erste Früchte. Nur ***Telramund*** kann des Gralsritters Geheimnis offenlegen und seinen Sieg beim Gotteskampf als bösen Zauber entlarven. Gemeinsam schwören sie Rache. Im Blitzableiter-bekrönten Turm erscheint Elsas Portrait im schmalen Fenster. Betörend singt **Anja Harteros** „Euch Lüften, die mein Klagen…“. Die Saat des Zweifels, durch **Ortrud** gestreut, kann aufgehen. **Ortrud** zieht alle Register ihrer Überzeugungskunst und erfleht dabei die Hilfe ihres Gottes Wodan. Elsa tritt aus ihrer sicheren Behausung hervor und zeigt bereits deutlich ihre Zweifel an **Lohengrins** Identität. Die „Giftpfeile“ ihrer Kontrahentin beginnen ihre Wirkung zu zeigen und die naiv-kindlichen Belange Elsas zu verändern. **Telramund** erscheint und triumphiert: „So zieht das Unheil in dieses Haus…“. Im Zwischenspiel hebt sich der Gazevorhang und gibt den Blick frei auf die Brabanter Gesellschaft, die wie in einem Bild von Rembrandt vor Blau und komplementärem Orange im Hintergrund erscheint. Ein Künstler steht hinter seiner Staffelei und malt das gerade entstandene Bühnenbild. Später wird er es dem Betrachter zeigen. Die traumandeutende Transzendenz des Blaus und die komplementäre realitätsbezogene Bodenständigkeit des Oranges können hier ihre volle Wirkung entfalten. Noch einmal ächten die Brabanter **Telramund,** verfluchen seine Tat. Das Volk ist aufgebracht und lässt sich kaum beruhigen. Das neue Paar **Elsa** und **Lohengrin** wird als Schützer von Brabant jubelnd gezeichnet und die Hochzeit heraufbeschwört. **Ortrud** erscheint in blau-weißer Robe festlich gekleidet. Das Volk wirft in gleicher Farbe Konfettiherzen in einer märchenhaft anmutenden Szenerie. Auch die mögliche Thronfolgerin **Elsa** erscheint, schreitet über das gestreute Konfetti währenddessen **Ortrud** die "politisch Grauenvolle" sie erneut „Giftspritzen“ verteilend anklagt. Das Volk ist entsetzt. Selbstbewusst beginnt sich Elsa zu wehren. Erneut gelingt es **Ortrud** bei Allen Zweifel zu säen und fordert, den Namen des Unbekannten zu nennen. Der König und **Lohengrin** nahen. Der mittlerweile insektenbeflügelte Beschuldigte und Teil der Brabanter Gesellschaft werdende **Lohengrin** konfrontiert **Ortrud** selbstbewusst und kraftvoll mit ihrer hinterlistigen Intrige. Er nimmt Elsas Hand und führt sie zum König. **Telramund** platzt herein und spielt seine letzte Trumpfkarte aus. Er klagt den unehrenhaften Neuling der Gesellschaft des Zaubers an. **Lohengrin** soll endlich seinen Namen und seine Herkunft nennen. Wieder stecken vier Schwerter als Zeichen des Gottesgerichts im Boden. **Lohengrin** wehrt sich und richtet sein Vertrauen an **Elsa**, die als einzige zu dieser Frage berechtigt ist. Auf Geheiß **König Heinrichs** sollen alle dem ausgemachten Brautpaar die Ehre erweisen. Doch es ist zu spät. **Elsas** Verlangen nach Ausbruch aus ihrer gesellschaftlichen Enge ist zu groß geworden. **Lohengrin** nimmt **Elsas** Hand und schreitet mit ihr ins Off. Das Volk wirkt trotz Jubels angesichts des neuen Brautpaares ratlos.

![Bayreuther Festspiele 2018 / Lohengrin - Chor der Bayreuther Festspiele mit Chordirektor Eberhard Friedrich © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/08/4-lohengrin_chor-der-bayreuther-festspiele_chorleiter-eberhard-friedrich_-foto-patrik-klein.jpg)

Bayreuther Festspiele 2018 / Lohengrin - Chor der Bayreuther Festspiele mit Chordirektor Eberhard Friedrich © Patrik Klein

**Die Handlung - Dritter Aufzug** *Das frischvermählte Paar zieht unter der Musik des Brautmarsches in das Brautgemach ein. Es kommt zum ersten vertraulichen Gespräch der beiden. *Elsa* sagt, dass sie auch dann zum unbekannten Gatten halten würde, wenn *Ortruds* Verdacht zuträfe. Dieser möchte sie beruhigen und weist auf seine hohe Herkunft hin, die er für sie aufgab. *Elsa* befürchtet, ihm nicht zu genügen und ihn eines Tages zu verlieren. Und so fragt sie den Ritter nach seinem Namen. In diesem Moment dringt *Telramund* in das Gemach ein. Es kommt zu einem Kampf, in dessen Verlauf *Telramund* vom Fremden erschlagen wird. In der letzten Szene ist das Volk versammelt, um das versammelte Heer und König Heinrich zu verabschieden. Die vier Edlen bringen den Leichnam *Telramunds* vor den König. Der Fremde klagt *Telramund* des Hinterhaltes und Elsa der Untreue an. Sie habe ihm die verbotene Frage nach seinem Namen und seiner Herkunft gestellt, und er müsse sie nun beantworten. Er könne daher weder als Gatte noch als Heerführer in Brabant bleiben. Dann schildert er seine Herkunft. Er erzählt vom Gralspalast Montsalvat und der göttlichen Kraft, die den Hütern des Grals gegeben werde, solange sie unerkannt für das Recht kämpften. Wenn sie aber erkannt würden, müssten sie die von ihnen Beschützten verlassen. Er selbst sei der Sohn des Gralskönigs *Parzival* und sein Name sei *Lohengrin.* Der König werde aber auch ohne ihn die Ungarn besiegen. An *Elsa* gewandt berichtet *Lohengrin* weiter, dass es nur eines Jahrs bedurft hätte, und *Gottfried* wäre nach Brabant zurückgekehrt. Trotz *Elsas* Flehen und des Königs Drängen kann *Lohengrin* nicht bleiben. Der Schwan mit dem Boot kehrt zurück und nimmt Lohengrin mit sich. In schrecklichem Triumph ruft *Ortrud* aus, sie habe den Schwan wohl als den verschwundenen Gottfried erkannt, den sie selbst verzaubert habe. Auf *Lohengrins* Gebet wird *Gottfried* bereits jetzt, noch vor Ablauf der Jahresfrist, erlöst. Der Kahn, in dem *Lohengrin* unendlich traurig scheidet, entfernt sich. *Ortrud* sinkt mit einem Schrei tot zu Boden, *Elsa* stirbt an psychischer Erschöpfung und das Volk bekundet sein Entsetzen.*

Der dritte Aufzug beginnt zunächst mit geschlossenem Vorhang während des Vorspiels. Das **Festspielorchester** nimmt mit dem Hochzeitsmarsch Fahrt auf. So temporeich, brillant und funkensprühend hat man es sicher lange nicht gehört. Die Bühne zeigt eine Küstenlandschaft mit Schilf, Gräsern und dunklen Wolken in Blautönen. Sie ist zunächst menschenleer. In der Bühnenmitte steht ein Strommast vor einem Transformatorhäuschen. Von den beiden Seiten erscheinen die Brabanter und pilgern zu ihrer Energiequelle. Ganz in Weiß gekleidete Brautjungfern beschwören die Energie und ziehen das Haus auf die Rückseite drehend nach vorne. In komplementärem Orange wird das Brautpaar vor grell leuchtendem Isolator, der vor dem Brautbett steht sichtbar. Man spürt, dass von diesem Ort viel Kraft für eine Veränderung ausgehen könnte. „Das süße Lied verhallt…“ Im Duett **Lohengrins** mit **Elsa** lesen beide aus einem Buch, als ob sie hier eine Lösung für die entstandenen Probleme entnehmen könnten. „Fühl ich zu Dir so süß mein Herz entbrennen…“ **Elsa** und **Lohengrin** singen ergreifend im grellen Schein der orangeleuchtenden Kräfte des Brautgemachs. **Elsa** beginnt ihre Zweifel zu formulieren und möchte mit ihrem Gatten darüber reden. *„Atmest Du nicht mit mir die süßen Düfte…“* Der Gralsritter versucht mit seiner ganzen Überzeugungskraft **Elsa** von der verbotenen Frage abzuhalten. Mit einem orangefarbenen Seil beginnt **Lohengrin Elsa** am Isolator zu fesseln. Zunächst versucht sie sich zu wehren, doch sie verstrickt sich immer mehr in diesen Fängen. Ihre Verzweiflung wächst und sie versucht sich zu befreien. Für Elsa erscheint die Aussichtslosigkeit ihrer Beziehung Form anzunehmen. Es beginnt zu blitzen. Sie sieht im Wahn ihren Bruder Gottfried. Im Hintergrund schleicht sich **Telramund** in die Szene. Elsa stellt die verbotene Frage. Das Licht der Trafostation erlischt. Atemlose Stille und Spannung entsteht durch eine lange Pause des Festspielorchesters. **Lohengrin** im Brautbett kriechend ist am Boden zerstört. **Telramund** wird durch einen Kurzschluss getötet und bleibt auf der Treppe des Brautgemachs liegen. **Lohengrin** wird sein Geheimnis preisgeben. Seine Vision verkörpert durch den Gral wird scheitern. Seine Vorstellungen von Erneuerung kann er nicht an die Gesellschaft weitergeben. Die schallenden Bläser verkünden die Ankunft des Königs. Nur noch ein paar Leitungen auf beinahe leerer Bühne sind zu erkennen. Leuchtende Mottenkörper auf Speerspitzen erhellen die Szene. Telramunds abgeschlagener Flügel wird hereingebracht. Traurig erscheint **Elsa** im orangefarbenen Kleid. Der Gralsritter tritt wieder im fahlblauen Monteuranzug mit Blitzsymbol in den Händen herein. Seine Kraft und Energie haben sichtbar abgenommen. Er klagt erneut Telramund des Mordversuchs an ihm an und rechtfertigt seinen Tod. Resigniert stellt er **Elsa** bloß, da sie ihm die Frage nach seiner Herkunft stellte. Nach der Gralserzählung, die **Piotr Beczala** atemberaubend singt, ist er völlig energielos. „Mir schwankt der Boden…“ **Elsa** sieht den „Schwan“ kommen. Mit dem Blitzsymbol verschwindet **Lohengrin** wieder zu seinem Ursprung. Die Mottenlichter blinken in der Dunkelheit. In einem auf Elsas Rücken befindlichen Korb verbleiben Horn und Ring Gottfrieds. Die entsetzte Gesellschaft erstarrt. **Ortrud** wird in Fesseln zum Scheiterhaufen geführt. Elsas Bruder Gottfried erscheint als Führer von Brabant in neuer, Hoffnung machenden Farbe Grün, gesichtslos unter einem Hut mit blinkendem grünen Zweig. **Elsa** überwindet ihre Enttäuschung und verlässt an der Seite des Bruders die korrupte, nicht lebensfähig gewordene Gesellschaft. Die blauen Farben verblassen, verwelken und sind zu Ende. Eine neue, andere Farbenwelt kann beginnen. Der Vorhang fällt.

Das gesamte **Ensemble** und der **Chor der Bayreuther Festspiele** (Einstudierung **Eberhard Friedrich**) wurden zu Recht vom Publikum frenetisch gefeiert.

![Bayreuther Festspiele 2018 / Lohengrin - Schlussapplaus Lohengrin © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/08/5-lohengrin-schlussapplaus_-foto-patrik-klein.jpg)

Bayreuther Festspiele 2018 / Lohengrin - Schlussapplaus Lohengrin © Patrik Klein

**Piotr Beczala** triumphierte als **Lohengrin** und Retter der Produktion. Seine lyrische Stimme aus komponierter Feinheit und Nobles verbindet auf einzigartige Weise Leichtigkeit mit Kraft. Sie strahlte hell und klang doch warm und natürlich. Und seine Phrasierung kombiniert italienische Gesangstechnik mit einem phantastisch textverständlichen Deutsch. Mit bewusst eingesetzten Kraftreserven gestaltete er menschlich und berührend das Scheitern des strahlenden Gralsritters. Einer der besonderen Höhepunkte war die Gralserzählung, die er im Liegen fast unhörbar leise begann und sich mit höchster Stimmkontrolle und wunderbarem Legato scheinbar mühelos in die finalen Fortissimophrasen steigerte. Mit einer klugen Zukunftsplanung ohne Ambitionen auf weitere, noch schwierigere Wagnerpartien, darf man sich auf einige Lohengrins in den kommenden Jahren freuen.

**Anja Harteros**, eine der größten Sopranistinnen unserer Zeit, gestaltete die **Elsa** grandios mit intensiver Bühnenpräsenz, perfekter Stimmführung und absolut bewundernswerter musikalischer Sensibilität. Sie legte die leichte Nervosität, die sie noch in der Eröffnungspremiere hatte ab und gestaltete die Partie detailliert, feinfühlig, in der Intonation äußerst präzise und mit absolut sicherem und jugendlich frischem Glanz. Man spürte bei dieser fünften und letzten Aufführung in diesem Jahr, dass sie diese Partie mit großer Lust und Identifikation mit der Figur der Elsa sang.

Mit großer Spannung erwartete man **Waltraud Meier** als **Ortrud**. Erneut wurde schnell klar, dass man sich vor dieser großen Künstlerin dankbar verneigen muss. Sie ist eine sehr leidenschaftliche und auch ungewöhnlich kluge Sängerin, die genau weiß, wie sie die Kräfte einteilen muss. Ihre Stimme leuchtete nach so vielen Jahren immer noch und sie fand immer wieder die richtige Stimmung und Farbgebung. Über einhundert Mal hat sie auf der Bühne der **Bayreuther Festspiele** gestanden. In der von **IOCO Kultur im Netz** besuchten letzten Aufführung des **Lohengrins** nun zum letzen Mal überhaupt. Das Publikum überhäufte sie mit dem größten Applaus des Abends voller Dankbarkeit und Hochachtung.

Ihr Gemahl und Verbündeter in Sachen Machtergreifung war der polnische Bariton **Thomasz Konieczny,** der als Telramund einen brachialen Super-Power-Bösewicht gab, dessen Kraft und Unerbittlichkeit besonders in den Duetten mit **Elsa** und **Ortrud** ungeheure Energie durch stimmliche Gestaltung beinahe körperlich fühlbar machte. Auch er hatte bei der Eröffnungspremiere einige Stellen, an denen ihm inhaltlich jedoch nur die sehr textsicheren Wagnerenthusiasten folgen konnten. In der von **IOCO Kultur im Netz** besuchten letzten Vorstellung war auch ihm die leichte Nervosität genommen und er sang seine Partie wie gewohnt mit Bravour.

Mit sicherem Bass geriet **Georg Zeppenfeld** als **König Heinrich** zum geforderten Ruhepol der Handlung. Mit dunkler Schwärze, hoher Textverständlichkeit, kraftvoller Stimmführung und sicheren Höhen unterstrich er die Autorität seiner Rolle. Er hatte an diesem Abend mehr als 50 Vorstellungen in seinen Paraderollen auch als **Gurnemanz** im **Parsifal** und als **König Marke** in **Tristan und Isolde** bei den **Bayreuther Festspielen** gegeben. Dafür bekam er vom Publikum einen entsprechend großen Fußgetrampelapplaus.

Die übrigen Sänger und hier besonders **Egils Silins** als Heerrufer des Königs sowie die vier Edlen **Michael Gniffke**, **Eric Laporte**, **Kai Stiefermann** und **Timo Riihonen** komplettierten das Ensemble zu einer insgesamt überragenden musikalischen Vorstellung.

**Christian Thielemann** ließ bei seiner nunmehr zehnten **Bayreuth-Premiere** alle Potenziale seines großartigen Festspielorchesters erkennen. Er nutzte den Mischklang des verdeckten Orchestergrabens und ließ die Musik ganz besonders bei den zahlreichen Pianostellen in vollem Glanz strahlend erklingen. Wohl kaum jemand hat die Akustik des Festspielhauses derart im Griff wie der musikalische Direktor **Christian Thielemann**. Meisterhaft disponiert er Wagners Dynamik und Klangmischungen. Er sorgte im Graben für eine betörende, ja sogar manchmal atemberaubende Balance und Präzision.

Das Publikum dankte es den Mitwirkenden mit minutenlangen Bravostürmen und Getrampel.

\---| IOCO Kritik Bayreuther Festspiele |---