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# Bayreuth, Bayreuther Festspiele, Eitle Prominenz - dubioser Kartenverkauf - fröhliche Kultur-Profiteure, IOCO Aktuell,
- URL: https://www.ioco.de/bayreuth-bayreuther-festspiele-eitle-prominenz-dubioser-kartenverkauf-frohliche-kultur-profiteure-4/
- Published: 2011-07-19T19:00:18.000Z
- Updated: 2023-09-06T11:42:35.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Kuenstler, Premiere, Karten, Norma, Kritiken, Oper & Operette, Premieren, Bayreuth

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**Aktuell**

[Bayreuther Festspiele](http://www.bayreuther-festspiele.de/?ref=ioco.de)

# 84% der Premierenkarten in "*Familien"-* Kanälen

Jeder kennt das Ritual: An jedem 25\. Juli ist auf den ***Grünen Hügel*** in **Bayreuth**  Auftrieb der Prominenz. Das Event hat kultische Züge. Fernsehen, Radio, Klatschpressen, Blitzlichtgewitter. Bundeskanzlerin, Gottschalk, Minister, Hedonisten, lange Schleppen, schwarze Fräcke füllen den Medienhype: Ein Laufsteg von Eitelkeiten. Der Kontrast: Otto Normalverbraucher darbt 10 Jahre für eine Karte der **Bayreuther Festspiele**. Ist stolz wie Bolle, einmal im Abglanz der Medienprominenz stehen zu dürfen. Dieses Promispektakel, **Bayreuther Festspiele** genannt, wird durch Millionen an Subventionen erst möglich.

Irgend etwas ist passiert! Warteten Mitarbeiter des Bundesrechnungshof frustriert auf eine Karte ? Wir wissen es nicht; aber, der Bundesrechnungshof recherchierte intensiv den Kartenverkauf in Bayreuth und stellte in seinem noch vertraulichen Bericht überraschendes fest.

![Bayreuth Festspielhaus © Lothar Spurzem](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2011/07/bayreuth-festspielhaus-fotograf-lothar-spurzem.thumbnail.jpg "Bayreuth Festspielhaus © Lothar Spurzem")

Bayreuth Festspielhaus © Lothar Spurzem

Von den 55.000 zum Verkauf stehenden Karten landen nur 22.000 (40%) im freien Verkauf. 33.000 (60%) Karten zweigte vorab die ***Bayreuth-Familie*** ab: Sponsoren, Lobbyisten, Politiker, Vereine, Spezies. Für Premierenkarten ist die Schieflage noch schräger: 84% aller Premierenkarten gelangen nicht in den freien Verkauf. Am 25\. Juli, dem ersten Tag der Festspiele, dürfte der Anteil der frei verkauften Karten gegen null tendieren: Eine öffentlich finanzierte Veranstaltung für Prominente, Politiker, Lobbyisten. Naiv, eher dumm, wer noch versucht, eine Karte für die **Bayreuther Festspiele** offiziell, sozusagen am Schalter, zu erwerben. Freundesvereine, Stipendiaten, junge Künstler, Orchestermusiker, Ehrengäste, die *Bayreuth Familie* eben.....alle haben sich zuvor bereits bedient. Diese Praktiken der Kartenvergabe kollidieren, so nun der Bundesrechnungshof in seinem vertraulichen Bericht, mit den Vorgaben für öffentliche Subventionen. Und Bayreuth erhält viele Subventionen: Millionen, viele Millionen. Otto Normalverbraucher, mit 22.000 Karten pro Jahr und 10 Jahren Wartezeit abgespeist, ist trauriger Verlierer im Kartenklüngel von Bayreuth.

Auf Internet - Kartenbörsen findet man die geklüngelten Karten wieder: Laut einer **IOCO** \- Recherche wurden für die[ Premiere *Tannhäuser* am 25.7.2011](http://www.bayreuther-festspiele.de/fsdb/besetzung/2011/2/14958/index.html?ref=ioco.de) im Parkett eine Karte für € 3.000 (regulär etwa € 280), im Balkon Karten für € 1.500/Karte angeboten. *Parsifal* am 28.7.2011 gibt es billiger: Ab € 600/Karte. Karten werden im Internet zum etwa zehnfachen des offiziellen Bayreuther Preises angeboten. Die anbietende Agentur garantiert diese Karten ausdrücklich. Die Festspielleitung in Bayreuth dagegen reagiert tief betroffen: Über den Schwarzmarkt draussen, nicht über die Klüngelprozesse drinnen. *"Die Festspielleitung bekämpft solches Geschäftsgebaren* (heißt: Schwarzmarkt) *kompromisslos"* tönt es martialisch in den Geschäftsbedingungen. Über die Bekämpfung von Subventionsmißbrauch steht nichts in den Festspielunterlagen. Freundschaftliche Kartenüberlassung sind anscheinend Teil eines *familiären Selbstverständnisses* in Bayreuth**. Bayreuther Festspiele**: Ein Elysium eher für Profiteure, Promis und Bundesbedienteste als für ein paar verlorene, gealterte Musikfreunde.

Der Bericht des **Bundesrechnungshofes** liegt noch unter Verschluss in Berlin bei den Ausschüssen. Ziemlich vertraulich, aber eben nicht ganz.

**IOCO** / Viktor Jarosch / 24.06.2011

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