> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.ioco.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2019, Parsifal - Richard Wagner, IOCO Kritik, 03.08.2019
- URL: https://www.ioco.de/bayreuth-bayreuther-festspiele-2019-parsifal-richard-wagner-ioco-kritik-03-08-2019/
- Published: 2019-08-03T07:00:56.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:56:57.000Z
- Author: Patrik Klein
- Tags: Oper & Operette, Konzert & Liederabend, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Bayreuth

![Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2017/08/1-bayreuth-festspielhaus-foto-patrik-kleinneu.jpg)

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

[Bayreuther Festspiele](http://www.bayreuther-festspiele.de/?ref=ioco.de)

# ***Parsifal* \- Ein Bühnenweihfestspiel - Richard Wagner**

 ***\- Reinheit ohne Religion -*** 

von **Randi Dohrin**

![Richard Wagner © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/08/richard-wagner-foto-ioconeuneu2018.jpg)

Richard Wagner © IOCO

*..."Ein Mensch, der etwas wie den *Parsifal* geschaffen hat, könne nicht mehr lange leben, der sei fertig, habe alles gegeben!"*... Worte des Leipziger Theaterdirektors **August Förster,** der der Uraufführung dieses ergreifenden Werkes am 26\. Juli 1882 in Bayreuth beiwohnte. **Richard Wagner** verstarb wenige Monate später am 13\. Februar 1883 in Venedig. ...

Der **Parsifal** ist ein Mysterium des Glaubens mit liturgischen Szenen und nicht mit einer gewöhnlichen Oper vergleichbar. **Wagner** bediente sich christlicher Motive, die durch seine verklärende und gleichzeitig klare ***Parsifal-***Musik eine schwebend religiöse Atmosphäre erhalten. Einzigartig gelang ihm die Synthese zwischen Religion und Musikkunst, mit der er ein neues Ganzes, sein Bühnenwerk ***Parsifal*** schuf. Es erhielt von ihm die respektvolle Bezeichnung **Bühnenweihfestspiel.**

Die geistliche Wesensart dieses Werkes führte zu einem kompletten Applausverbot, das Wagner jedoch nie eingefordert haben soll. Die begeisterten Besucher dieses großartigen Festspielabends, hätte man auch nicht von seinem anerkennenden Beifall dieser gelungenen Inszenierung abhalten können. Deutlich wurde in der Vergangenheit nicht, ob Wagner mit seinem Parsifal einen neuen Zugang zur Religiosität schaffen wollte, trotz aller Hinterfragungen der Kulturszene.

Die Interpretation des Regisseurs **Uwe Eric Laufenberg** gibt zumindest eine recht klare Antwort auf die Bedeutung der Religionsausübung: Er bezweifelt sie!

Durch die ergreifende Szene zum Schluss des letzten Aktes, offenbart sich diese Skepsis; in **Laufenbergs** Inszenierung legen Muslime, Juden und Christen die charakteristischen Kennzeichen ihres Glaubens in den Sarg des verstorbenen **Titurel,** dem Gründer der Gralsritterschaft. Der Bass **Wilhelm Schwinghammer** als ***Titurel*** überzeugte vollendet in dieser Rolle.

![Bayereuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Ryan MacKinny als Amfortas © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/08/par_090719_456_enriconawrath_pressegrab-titurel-neu.jpg)

Bayereuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Ryan MacKinny als Amfortas © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Die Befreiung von religiösen Dogmen, deutet **Laufenberg** mit nackten, tanzenden, gemischt geschlechtlichen Personen unter einem Bühnenwasserfall an. Die Sexualität ist also nicht mehr unrein.

**Laufenberg** folgt in seiner Neudeutung offenbar den Worten des **Dalai Lama:** "*Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir keine Religionen mehr hätten."* Sie befinden sich, nicht ohne Grund, im ***PARSIFAL*\-** Programmheft.

**Wagners *Parsifal-*** Vertonung gehört zu den herausragenden Meisterwerken der Spätromantik, kraftvoll, aber gleichbleibend künstlerisch edel. Es ist das späteste Werk des geistreichen und gleichzeitig umstrittenen Komponisten **Wagner,** in welchem er die beherrschende Stellung seiner dramatischen Ideen unanfechtbar untermauert und ihm meisterhaft die Kongenialität zwischen Musik, Handlung und Text gelingt. Er wollte mit seinem Lebensabschieds-Werk *…“eine entrückende Wirkung auf das Gemüt ausüben.“*…, und in der Tat, sein ***Parsifal*** beseelt, wie am **30\. Juli 2019**, während der mehr als vierstündigen Aufführung, spürbar wurde.

Das Bühnenweihfestspiel sollte ausschließlich im **Festspielhaus** auf dem Grünen Hügel in Bayreuth inszeniert werden, das in den Jahren 1872–75, nach Entwürfen **Richard Wagners,** von **Otto Brückwald** errichtet wurde, wohl für seinen ***Parsifal*** oder **Parsifal** für das Festspielhaus. - Weltweit verfügt es über die beste Akustik im Vergleich zu anderen Opernhäusern, die durch die harte Holzbestuhlung nicht beeinträchtigt und deshalb auch nicht durch Polsterstühle ausgetauscht wird. Für einige Musikerohren dürfte der „gedeckelte“ Graben allerdings eine gewisse Zeit der Umgewöhnung benötigen.

![Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/08/par_080719_055_enriconawrath_presseneu.jpg)

Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

**Wagner** wollte keineswegs, dass der religiöse Charakter seiner Oper durch Aufführungen an kleineren Bühnen geschmälert wird und verfügte ein alleiniges Aufführungsrecht für das Bayreuther Festspielhaus. Ab Januar 1914 jedoch, wurde der ***Parsifal,*** wie alle Werke **Wagners,** auch an anderen Bühnen regelmäßig präsentiert; die gesetzliche Schutzfrist des Bestimmungsrechtes war abgelaufen.

Der Komponist und Dichter **Richard Wagner** hatte zu seinen Lebzeiten einen großen Einfluss auf das gesamte Bühnenleben. Seine damaligen revolutionären Anregungen sind heute zu einer deutlich erweiterten, leider nicht immer vorteilhaften, Selbstverständlichkeit geworden und zwar auf allen Gebieten des Theaters. Er erwartete, dass seine Musikschöpfungen mit bedingungsloser Hingabe und Achtung vor dem Kunstwerk von allen Mitwirkenden umgesetzt werden. Dieser, von Bayreuth ausgehende Ensemblegeist, übertrug sich äußerst positiv auf andere Opernbühnen.

Die Dichtung **PARZIVAL** von **Wolfram von Eschenbach** entstand zwischen 1200 und 1210; sie ist ein Versroman der mittelhochdeutschen höfischen Literatur und war die Grundlage für **Wagners** dreiaktiges musikdramatisches Werk, da ihn das Mysterium des Grals nicht mehr aus dem Kopf ging; für ihn stellte der heilige Gral, in dem sich das Kreuzesblut **Christi** befunden haben soll, eine Verbindung zu **Jesus von Nazareth** und der Menschheitserlösung dar. In seinem Bühnenweihfestspiel wird das lebensspendende Gefäß und der heilige, unbesiegbare Speer, von den keuschen Grals-Rittern in ihrer Burg behütet und regelmäßig vom Gral-König ***Amfortas*** enthüllt. 1877 änderte **Wagner** den Namen der mittelalterlichen Sagengestalt Parzival in Parsifal um.

![Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Elena Pankratova als Kundry und Andreas Schager als Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/08/par_090719_456_enriconawrath_pressegrab-kundryparsifal-neu.jpg)

Bayreuther Festspiele 2019 / Parsifal hier Elena Pankratova als Kundry und Andreas Schager als Parsifal © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Die Keuschheit der Gralsritter ist im ***Parsifal*** ein übersteigertes Muss, ähnlich dem bis heute geltenden Zölibat katholischer Priester. Der mögliche Gedanke, mittels Keuschheit zur Reinheit zu gelangen, um die Menschen erlösen, aus ihrer Zerrissenheit zu holen oder gar retten zu können, bleibt bis heute eine von vielen unbeantworteten Fragen, ebenso, ob eine Verbindung der Grals-Sage zum christlichen Glauben vorhanden ist.

Von der Bedeutung der Musik als Brücke zur Religion, soll **Wagner** überzeugt gewesen sein und das wurde, unter der musikalischen Leitung von **Semyon Bychkow** an diesem Festspielabend, zutiefst bestätigt. **Bychkow** erhielt am Schluss der Oper – verdient - tosenden Applaus für seine musikalische Leitung. Zarte bis kraftvolle Orchesterklänge mit wechselnden Tempi, gaben den Sängern den notwendigen Klangteppich und Raum. Das Tempo im 3\. Aufzug hätte sich der ein oder andere vielleicht etwas bewegter gewünscht, so erhielt die Musik eine fast stehende Schwere; ein Tempoideal für den Parsifal gibt es jedoch nicht und schwankt fast immer von Aufführung zu Aufführung.

Fantastisch war auch das hohe Niveau des Chores unter der Leitung von **Eberhard Friederich,** der eine fulminante Leistung mit einer guten Textverständlichkeit bot. Der ***Parsifal*** ist ohne die beeindruckenden Chorszenen der Gralsritter nicht vorstellbar und war in der gebotenen Qualität ein wahrer Ohrenschmaus.

**Andreas Schager** als ***Parsifal*** sang mit kraftvollem Metall und einem besonders schönen Timbre fesselnd die Titelpartie. ***Parsifal*** ist ihm auf den Leib geschrieben. Besonders deutlich wird das, als er seine wahre Bestimmung, während der Verführungskünste der ***Kundry*** erkennt und sie wütend wegstößt. Er beendet als wissend gewordener Heilsbringer den barbarischen Opferkult der Gralsritter und versöhnt die Religionen. Den überdimensionierten Gral in dieser Inszenierung, enthüllt er jedoch nicht.

Die vielfältige Gestalt der dienenden und äußerst zwielichtigen ***Kundry***, wurde von **Elena Pankratova** stimmlich und darstellerisch perfekt gestaltet. Nach dem es ihr gelingt, gegen Klingsor zu rebellieren, verliert sie endlich ihre innere Zerrissenheit. Ihre warme, wandelbare Stimme setzte sie verführerisch lyrisch oder hochdramatisch und immer ausgeglichen ein, auch wenn die Textverständlichkeit nicht ganz vorhanden war.

**Bayreuth 2016 - Parsifal *\-* Richard Wagner**youtube Trailer der Deutsche Grammophon **\[ Mit erweitertem Datenschutz eingebettet \]**

Überragend besetzt, war die große Basspartie des **Gurnemanz** mit **Günther Groissbeck. *Gurnemanz*** ist ein weiterer Gründer und Wächter der Gralsritterschaft, neben **Titurel,** der ***Parsifal*** zum Gralskönig salbt. Brillant, bei gleichbleibend klangvollen Gesangsbögen, gelangen ihm die Spitzentöne - ohne eine Spur der Forcierung.

***Amfortas*** wird als das Opfer des archaischen Opferkults der Gralsritter gezeigt, die förmlich das Blut aus seiner Wunde zu ihrer Stärkung trinken, obwohl es nicht rein ist; mit den körperlichen Qualen des ***Amfortas*** finden sie sich offenbar empathielos ab. **Ryan McKinny** verkörpert darstellerisch authentisch den Bariton-Part des gequälten und leidenden Amfortas, stimmlich adäquat der Rolle angepasst.

**Klingsor,** als Herrscher eines Zaubergartens mit den verführerisch singenden Zaubermädchen **Katharina Konradi, Ji Yoon, Mareike Morr Alexandra Steiner, Bele Kumberger** und **Marie Henriette Reinhold,** ist voller Hass gegen die Gralsritter, da sie ihn nicht in ihrem Orden haben wollen. Um zu der erforderlichen Keuschheit zu gelangen, kastrierte er sich selbst und scheut auch nicht die knallende Peitsche seiner Selbstgeißelung. Er befiehlt ***Kundry,*** alle Ritter zu verführen, damit sie ihre Reinheit verlieren. Eindrucksvoll, überzeugend und stimmgewaltig gestaltete **Derek Welton** den hasserfüllten **Klingsor** mit seinem voluminösen Bass.

Das Bühnenbild von **Gisbert Jäkel** verdeutlicht und unterstützt kongenial die Auslegung des Regisseurs **Uwe Eric Laufenberg.** Die Kostüme von **Jessica Karge** veranschaulichen und runden das Geschehen ab, und **Reinhard Traub** intensiviert die szenische Dramatik mit gekonnten Lichteffekten.

Ein großer **Parsifal**\-Abend, dieser zum letzten Mal in Bayreuth gespielten Inszenierung, wurde begeistert vom Festspiel-Publikum angenommen und mit donnerndem Applaus honoriert.

\---| IOCO Kritik Bayreuther Festspiele |---