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# Basel, Theater Basel, Sinfonieorchester Basel - Glinka, Tschaikowsky, Schostakowitsch, IOCO Kritik, 28.02.2019
- URL: https://www.ioco.de/basel-theater-basel-sinfonieorchester-basel-glinka-tschaikowsky-schostakowitsch-ioco-kritik-28-02-2019/
- Published: 2019-03-01T08:00:49.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:52:58.000Z
- Author: Julian Fuehrer
- Tags: Oper & Operette, Kritiken, Verdi, giuseppe verdi, Basel

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[Theater Basel](http://www.theater-basel.ch/?ref=ioco.de)

![Theater Basel - Grosses Haus © Sandra Then](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/01/grosses-haus-c-sandra-then_2-neu.jpg)

Theater Basel - Grosses Haus © Sandra Then

# **sinfonieorchester Basel - Michal Nesterowicz**

\- **Glinka, Tschaikowsky*, *Schostakowitsch** \-

von **Julian Führer**

Das ***sinfonieorchester Basel*** gastierte mit einem rein russischen Programm am 30.1.2019 im Theater Basel. Sein Erster Gastdirigent **Michal Nesterowicz** dirigierte zuerst die Ouvertüre zu ***Ruslan und Ludmilla***. Mit **Michail Glinka** (1804-1857) lässt man üblicherweise die Epoche der russischen Nationalmusik beginnen. Die nur fünfminütige Ouvertüre vermischt Fanfaren, Paukensignale und schnelle Streicherläufe in einer gekonnten Instrumentierung und mit einem romantischen zweiten Thema in den Celli zu einem wahren Reißer, der nur einmal kurz ins Moll kippt und sonst vom ersten bis zum letzten Takt voller Frohsinn und Übermut ist. Bei der Instrumentierung fällt der Einsatz des Kontrafagottes auf. Im vollen Saal des **Theater Basel** erlebte man die zunächst romantische Tonsprache, die aber doch Eigenheiten aufweist und Glinka unverwechselbar macht – zwischen **Schubert,** frühem **Schumann** und **Vincenzo Bellini,** aber doch mit Läufen, die man eher bei **Tschaikowsky** vermutet hätte. Das Orchester folgte seinem Dirigenten in einer schwungvollen Interpretation des ohnehin schon *Presto* überschriebenen Werkes, und das Publikum war solcherart gleichermaßen eingestimmt wie wachgerüttelt.

![Theater Basel / Sinfonieorchester Basel - SOB © Benno Hunziker](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/02/das-sob-im-theater_c_bennohunzikerneu.jpg)

Theater Basel / Sinfonieorchester Basel - SOB © Benno Hunziker

Die venezolanische Pianistin **Gabriela Montero** interpretierte im Anschluss das berühmte erste Klavierkonzert b-Moll op. 23 von **Piotr Iljitsch Tschaikowsky.** Am Pult hielt sich **Michal Nesterowicz** jetzt zurück und begleitete mit dem Orchester wendig und werkadäquat. **Gabriela Montero** verfügt in den höheren Lagen über einen erstaunlich weichen Anschlag (bei einem Konzertflügel jüngeren Datums von **Steinway** nicht leicht zu erzielen). Im Mittelteil des zweiten Satzes arbeitete sie am Klavier Figuren heraus, die **Claude Debussy** in ***Children’s Corner*** wiederverwendet hat. Im Schlusssatz erinnerten Läufe in den Streichern ebenso an den ***Eugen Onegin*** wie an das Finale der vierten Symphonie wie aber auch an die Ouvertüre zu Beginn. Die Interpretation wirkte wie aus einem Guss, geschmeidig, dem Soloinstrument viel Raum lassend und mithin überzeugend.

Zum Applaus hatte sich die Solistin ein Stoffstück in den venezolanischen Nationalfarben ans Kleid geheftet und hielt eine kurze Ansprache ans Publikum, in der sie die verworrene und teilweise dramatische aktuelle politische Situation in ihrem Land schilderte. Im Anschluss forderte sie das Publikum auf, ihr ein (gerne schweizerisches) Musikstück vorzusingen, um dann zu improvisieren und das spontan entstandene Stück ihrem Land zu widmen. Aus dem Publikum wurde *„*Z’Basel a mym Rhy** **“** gewünscht – das Lied ist von der Musik und vom Text her schlicht („*Wäit nit d’Luft so mild und lau, und der Himmel isch so bla*u“ – auch ohne vertiefte Kenntnisse des Schweizer- und speziell Baseldeutschen zu verstehen). Beeindruckend war, was **Gabriela Montero** daraus machte, nämlich eine Art Tema con variazioni, in das sie Pastichen von **Beethoven** bis **Gershwin** einflocht. Das begeisterte Publikum durfte sich noch ein zweites Lied wünschen. – Nun ist der Schweizer Kanton Basel aus zwei Halbkantonen zusammengesetzt, das erste Lied repräsentiert den Halbkanton Basel-Stadt (und wird auch bei Heimspielen des FC Basel gesungen), es folgte der Wunsch nach dem Baselbieter Marsch, gewissermaßen der Hymne des Halbkantons Basel-Land. „*Vo Schönebuech bis Ammel, vom Bölche bis zum Rhy, lyt frei und schön das Ländli, wo mir deheime sy.“* – diesmal führte der improvisierte Variationengang durch die Musikgeschichte über **Mozart** und **Robert Schumann**.

![Theater Basel / Dirigent MICHAL NESTEROWICZ ® LUKASZ RAJCHER](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2019/02/hr-6-micha-ue-nesterowicz-c-lukasz-rajchertneu.jpg)

Theater Basel / Dirigent MICHAL NESTEROWICZ ® LUKASZ RAJCHER

Nach diesem Feuerwerk, das den ersten Teil insgesamt auch recht lang werden ließ, folgte nach der Pause nur noch ein reichlich zwanzigminütiges Stück, das mit einem schmaleren Orchester auskommt – die 9\. Symphonie **Dmitri Schostakowitschs** in Es-Dur op. 70\. Seine ***Neunte*** komponierte **Schostakowitsch** nach dem Zweiten Weltkrieg; man erwartete von ihm eine Siegeshymne, eine Art Apotheose, die die ***Leningrader,*** seine 7\. Symphonie, noch in den Schatten stellen sollte. Doch einmal mehr tat **Schostakowitsch** nicht das, was von ihm erwartet wurde, und legte ein kurzes Stück vor, das ganz klassisch disponiert war: Ein Thema am Anfang, eine Wiederholung der Exposition. Wollte **Schostakowitsch** einen neuen, alten Kompositionsstil ausprobieren, persiflieren, überhöhen? **Sergej Prokofiew** hatte in der ***Symphonie classique*** ähnliche Methoden praktiziert. Bei **Schostakowitsch** fällt im Kopfsatz auf, dass immer wieder die Posaunen dazwischenblöken und einen etwas dümmlich stampfenden Rhythmus einläuten, der von der Piccoloflöte zwitschernd begleitet wird. In der Durchführung des ersten Satzes steht die aufsteigende Quarte der Posaunen etwas verloren da, ertönt auch dann, wenn es im Satzgefüge eigentlich sinnlos ist, kurzum – das Gefüge geht verloren. Was da (neben der musikalischen Faktur) aus den Fugen gerät, hat **Schostakowitsch** nicht verraten. **Michal Nesterowicz** wählte ein etwas langsameres Einstiegstempo als die meisten anderen Dirigenten, um in der Folge durch kleine Rückungen das Tempo noch zu steigern.

Der langsame zweite Satz wird von zwei Klarinetten im Dialog eingeleitet. Als die Streicher das Eingangsmotiv übernehmen, ist eine Art kriechender, langsamer Walzer daraus geworden, und die Oboe muss in Tonhöhen vordringen, wo sie wahrlich nicht mehr schön klingt. Der dritte Satz (*Presto*) hätte auch eine Verfolgungsjagd in einer von **Schostakowitschs** fast unzähligen Filmmusiken illustrieren können. Der vierte Satz ist ein Largo, durch ein drohendes Bläsersignal eingeleitet. Ein langes Solo des Fagotts (mit Pausen und Intervallen wie im Englischhorn-Solo im dritten Akt von **Wagners** ***Tristan***), dann wieder die Bläser, wieder das Fagott allein, morendo – auf einmal in einen überraschenden fünften Satz (Allegretto) übergehend. Eine recht banale Melodie wird trotz der überschaubaren Größe des Orchesters ins Bombastische gesteigert, zwischendurch klingt es wie Zirkusmusik mit hineinkomponierten kleinen Fehlern. War das nun die große Siegeshymne? *Man kann.*

Das ***sinfonieorchester Basel*** spielte hier wie allgemein nach der Pause etwas gebremst. Dies lag nicht an der im dritten Satz feurig auftrumpfenden Trompete, eher am Zugriff auf das Werk insgesamt. Das Überdrehte des Schlusses kam nicht recht zur Geltung. Wahrscheinlich hatten das große Klavierkonzert vor der Pause (inklusive der rasanten Zugaben) viel Aufmerksamkeit absorbiert, vielleicht hätte eine Umstellung des Programms – ausnahmsweise die Symphonie nach der Ouvertüre und das Solokonzert nach der Pause – der „Neunten“ Schostakowitschs einen besseren Dienst erwiesen. Dennoch ein Konzert, das in Erinnerung bleiben wird, vor allem aufgrund des ersten Teils.

\---| IOCO Kritik Theater Basel |---