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# Aachen, Theater Aachen, Roméo et Juliette - Charles Gounod, IOCO Kritik, 12.12.201
- URL: https://www.ioco.de/aachen-theater-aachen-romeo-et-juliette-charles-gounod-ioco-kritik-12-12-201/
- Published: 2018-12-12T08:00:57.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:50:53.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Oper & Operette, richard wagner, Wagner, Premiere, Deutsche Oper am Rhein, Pressemeldungen & Nachrichten, Kritiken, Premieren, Aachen

![theater aachen.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/theater-20aachen.jpg "Theater Aachen")

[Theater Aachen](http://www.theater-aachen.de/?ref=ioco.de)

![Theater Aachen © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/07/theater_aachen_c_ioco.jpg)

Theater Aachen © IOCO

 ***Roméo et Juliette* \- Charles Gounod**

Von **Ingo Hamacher**

*"Ich liebe Gounod! Und ich bin jedes mal froh, wenn ich eine seiner Opern aufgeführt sehe. Neben seinem berühmten *Faust,* in Deutschland in der Regel zur Vermeidung von Verwechslungen unter dem Titel *Margarethe* gezeigt, gehört das wesentlich seltener gespielte Stück *Roméo et Juliette* ebenfalls zum festen Bestandteil des Opernrepertoires."*

Aber auch seine anderen Stücke werden inzwischen wieder entdeckt. 2017 spielte die **Oper Leipzig** den ***Cinq Mars*** unter dem Titel: ***Der Rebell des Königs*** und in diesem Jahr hat die Opéra Comique, Paris, die zweite seiner zwölf Opern: ***La Nonne sanglante*** (***Die blutige Nonne***) erneut zur Diskussion gestellt.

![Theater Aachen / Roméo et Juliette - hier : auch Soon-Wook Ka, Pawel Lawreszuk, Ensemble © Wil van Iersel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/12/fotowilvaniersel_mg_4911neu.jpg)

Theater Aachen / Roméo et Juliette - hier : auch Soon-Wook Ka, Pawel Lawreszuk, Ensemble © Wil van Iersel

**Charles Gounod,** der populärste Komponist der französischen Opernschule des 19\. Jahrhunderts, kam am 17\. Juni 1818 in Paris zu Welt (gestorben 1893). Sein musikalisches Talent und seine dramatische Begabung ließen ihn zum Hauptvertreter der französischen Romantik werden. Mit seinem Werk ***Roméo et Juliette***, das sich mit großer Treue an **Shakespeares** Drama hält, - Libretto von **Jules Barbier** und **Michel Carré** \- gelang ihm ein Erfolgsstück, mit dem viele Jahre regelmäßig die prunkvolle Saisoneröffnung der New Yorker Metropolitan-Oper erfolgte.

Die Regisseurin **Ewa Teilmans** erarbeitet mit ihrem Produktionsteam eine Inszenierung von so wunderbarer Schönheit, dass sich die für **Gounod** typische Süsse der Musik, mit teilweise ins kirchlich-religiöse übergehenden Klangbild in der liebevollen Aufführung wiederspiegelt, ohne jedoch die Härte und Brutalität des Stückes zu verwischen.

![Giulietta Statue im berühmten Casa di Giulietta in Verona © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/12/julia-in-veronaneuneu.jpg)

Giulietta Statue im berühmten Casa di Giulietta in Verona © IOCO

Gewalt, Streit und Kampf. Verfolgungsszenen und Schlägerreien sind unsere ersten Bilder, wenn sich zu Beginn der Ouvertüre der Vorhang öffnet und wir in die Lebenswelt der Familien ***Montaigu*** und ***Capulet*** blicken. Wir schauen auf eine kreisrund aufgerissene Fabrikwand, wie nach einem Bombeneinschlag, die ihre Standfestigkeit nur noch aus rostigen Gerüsten und Stützstreben erhält, und die in ihrer Zerborstenheit mehr Blicke freigibt, als dass sie sie noch verstellen kann. Marodes Industriegelände im hier und jetzt, Niemannsland und No-Go-Ärea für friedfertige Menschen.

In einem Prolog berichten die am Geschehen Beteiligten über das aus der Fehde zwischen den ***Capulets*** und den ***Montaigus*** erwachsene Schicksal ***Roméos*** und ***Juliettes.***

## **1\. Akt -** Im Palast der Capulets wird eine Maskenball veranstaltet.

Die Bühne dreht sich, und wir sehen auf der anderen Seite die prachtvolle Welt der Renaissance. Rot- und Gelbocker, Säulen mit goldenen Kapitelen, Bögen und Ornamenten. Auf der linken Seite ein kleiner Balkon, der im weiteren Verlauf große Bedeutung gewinnen wird.

Ein buntes Fastnachtstreiben mit schrillen Kostümen, halbnackten Menschen, strapsetragende Transvestiten und weiterem buntem Volk wird auf die Bühne gespült um tanzend in wildem Rausch das Leben zu genießen.

***Roméo*** und ***Mercutio*** aus dem Haus der befeindeten ***Montaigus*** mischen sich unter die feiernden Gäste. Juliette, gerade 14 Jahre geworden, soll der Gesellschaft und ihrem zukünftigen Ehemann, dem vornehmen Pâris, vorgestellt werden. Und es ist höchste Zeit! Von ihrer ***Amme Gertrude,*** wunderbar gesungen und gespielt von **Ariana Fucos** als Ersatz für die erkrankte **Julia Mintzer,** erfahren wir, dass diese in dem Alter bereits lange verheiratet war.

Als **Juliette** ihren Auftrittswalzer *„Je veux vivre“ (‚Ich will leben‘)* singt, frieren alle Bewegungen des wilden Treibens ein, so dass wir diesen zeitlos-lyrischen Moment in aller Schönheit genießen können.

***Juliette Capulet -* Larisa Akbari**

Der russische Sopran **Larissa Akbari** sang erstmalig im Frühling 2016 am **Theater Aachen,** und zwar die Partie der Blonde in der Produktion ***Entführung aus dem Serail.*** Seit dem ist sie immer wieder gerne gesehener und gehörter Gast des Hauses, wobei sie mit ihrer großen Lebendigkeit und Spielfreude genauso begeistert wie mit ihren großartigen Gesang.

![Theater Aachen / Roméo et Juliette auf dem berühmten Balkon © Wil van Iersel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/12/fotowilvaniersel_mg_5132neu.jpg)

Theater Aachen / Roméo et Juliette auf dem berühmten Balkon © Wil van Iersel

Als ***Juliette*** für kurz unbeaufsichtigt ist, spricht **Roméo** sie an; beide sind sofort in Liebe entbrannt. In diesem ersten der vier großen Liebesduette gestehen sie sich gegenseitig mit *„Ange adorable“* *(‚Anbetungswürdiger Engel‘*) ihre Liebe.

**Roméo Montaigu -** **Alexey Sayapin**

Der junge russische Tenor, in Aachen augenzwinkernd auf Grund der großen Ähnlichkeit auch gerne „*Unser *Jonas Kaufmann“** genannt, weiß neben seinem guten Aussehen auch mit seiner schönen Stimme zu überzeugen; eine Idealbesetzung für diese Partie. **Tybalt, Juliettes** Cousin (gesungen von **Soon-Wook Ka**), deckt die Herkunft des Fremden auf; nur das Eingreifen Capulets hält ihn davon ab, auf Roméo loszugehen.

## **2\. Akt -** Garten vor dem Haus Juliettes.

Balkonszene, Duett II*: „Ô nuit divine“ (‚O göttliche Nacht‘).* Die Beiden genießen eine heimliche Liebesnacht**; Juliette** bittet **Roméo**, sie zu heiraten.

## **3\. Akt - Pater Lorenzo verheiratet das Liebespaar**

Es sind regelrechte Schnapsideen die Bruder ***Laurent*** den jungen Liebenden anträgt: Als wenn sich über Generationen bestehende Familienfehden durch die heimliche Heirat der jüngsten Familiensprosse besänftigen ließen! Und wohin seine Idee mit dem Narkotikum am Ende führen wird, kann man ja getrost als bekannt voraus setzten.

Daher ist es nur folgerichtig, wenn **Ewa Teilmans** ihn als bekifften obdachlosen Ex-Rocker zeigt, auf einem Klappstühlchen neben einem Campingtisch sitzend. In einer Ecke einer an den betongrauen Charm eines Parkhauses erinnernden Wand hat er sich mittels Plakaten, Zeitungsausrissen und Ansichtskarten eine Insel des Dogenkonsums und des Gottesglaubens geschaffen.

Aber wenn der ***Einsiedler,*** wunderbar gesungen von **Woong-jo Choi,** dann seine „Klause“ verlässt und das Priestergewand anlegt, sind wir wieder zurück in der klassischen Handlung, und erleben die ergreifende Eheschließung ***Roméos*** und ***Juliettes.***

In einer anschließenden Straßenszene entfacht **Roméos** ***Page*** (Hosenrolle: **Fanny Lustaud**) die Fehde erneut. Die in den vorhergehenden Szenen historisierenden Kostüme sind aktueller Mode junger Menschen gewichen und verdeutlichen damit das Zeitlose des Konfliktes. Der hinzukommende ***Roméo*** versucht, die Parteien zu beschwichtigen, doch als ***Tybalt Mercutio*** im Kampf verletzt, läßt er sich herausfordern und ersticht ihn. Daraufhin wird er vom ***Herzog*** aus der Stadt verbannt.

## **4\. Akt**

Trotz des Bannspruchs verbringt ***Roméo*** die Nacht bei ***Juliette*** und nimmt erst bei Tagesanbruch Abschied: Duett III: *„Va! Je t‘ai pardonné“ (‚Geh, ich habe dir verziehen‘)*

Vater ***Capulet*** drängt indessen auf die Hochzeit seiner Tochter mit Pâris. Bruder ***Laurent*** findet einen Ausweg und gibt Juliette ein Narkotikum, das sie in einen todesähnlichen Schlaf versetzen soll. Als der Vater ***Juliette*** zur Hochzeit mit Pâris führen will, bricht sie leblos zusammen.

## **5\. Akt**

Ein Brief Bruder ***Laurents*** an ***Roméo,*** der ihn über ***Juliettes*** fingierten Tod informieren sollte, hat den Empfänger nicht erreicht. So muß ***Roméo*** in der unterirdischen Gruft der ***Capulets*** glauben, am Grab seiner Frau zu stehen. Er umarmt Juliette ein letztes Mal, dann nimmt er einen Gifttrank. Noch ehe das Gift wirkt, erwacht ***Juliette.*** Ein letzter ergreifender Liebesgesang, Duett IV, *„Dieu! quelle est cette voix“ (‚Gott! Was ist diese Stimme?‘*) verabschiedet das unglückliche Paar. Dann sinkt **Roméo** tot nieder und ***Julia*** ersticht sich über seiner Leiche.

![Theater Aachen / Roméo et Juliette - hier :  auch mit Pawel Lawreszuk, Larisa Akbari, Woong-jo Choi, Andranik Fatalov © Wil van Iersel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2018/12/fotowilvaniersel_mg_5664neu.jpg)

Theater Aachen / Roméo et Juliette - hier : auch mit Pawel Lawreszuk, Larisa Akbari, Woong-jo Choi, Andranik Fatalov © Wil van Iersel

Als romantische Nummernoper mit Arien, Duetten und Chorszenen bietet das Stück zahlreiche musikalische Höhepunkte. Eine Reihe von Melodien hat sich außerhalb des Werks verbreitet, so die Tenorarie ***Romeos*** *„Ah, lève toi soleil!“ (‚Erhebe dich, Sonne‘),* ein froher Walzer **Julias* „Je veux vivre dans le rêve“ (‚Ich will wie im Traume leben‘)* und einiges aus den Liebesduetten.

Großer Applaus für die wunderbare stimmliche Leistung der Solisten und des gesamten Ensembles. Jubel für das Produktionsteam und Standing Ovations für die musikalische Leistung von **Christopher Ward** und dem **Sinfonieorchesters Aachen.**

Eine großartige Leistung aller Beteiligten, der man für die kommenden Aufführungen auch weiterhin ausverkaufte Reihen wünscht. Es wäre schade, die Aufführung zu verpassen.

Musikalische Leitung - **Christopher Ward** \- Seit August 2018 ist **Christopher Ward** Generalmusikdirektor der Stadt Aachen und damit auch Leiter des Sinfonieorchesters Aachen.

Inszenierung: **Ewa Teilmans - Teilmans,** eine Theaterfrau von der Pike auf, hat eine Vielzahl von Opern und Schauspielen am Theater Aachen inszeniert. In der laufenden Spielzeit sind sechs Arbeiten von ihr in Aachen zu sehen.

Bühne - **Elisabeth Pedross** (Mit **Ewa Teilmans** ist es nach den Opern ***Rigoletto*** und **Rusalka** und den Schauspielproduktionen ***Mein Kampf*** und ***Wassa Schelesnowa*** die fünfte gemeinsame Arbeit in Aachen.)

Kostüme - **Andreas Becker** (In der laufenden Spielzeit mit vier Arbeiten in Aachen vertreten)

***Romé et Juliette*** am **Theater Aachen;** weitere Termine: 15.12., 20.12., 25.12., 31.12.2018; 13.01., 20.01\. (Nachmittags), 25.01.;17.02., 09.03., 24.03., 04.04., 13.04., 23.04.2019

\---| IOCO Kritik Theater Aachen |---