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# Aachen, Theater Aachen, Ariodante oder Der himmlische Barock, IOCO Kritik, 05.02.2013
- URL: https://www.ioco.de/aachen-theater-aachen-ariodante-oder-der-himmliche-barock-ioco-kritik-05-02-2013/
- Published: 2013-02-07T16:00:42.000Z
- Updated: 2023-09-06T12:06:42.000Z
- Author: Redaktion
- Tags: Aktuelles aus der Theaterwelt, Kritiken, Haendel, Aachen

![theater aachen.jpg](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/io/wp-content/gallery/opern_logos/theater-20aachen.jpg "Theater Aachen")

[Theater Aachen](http://www.theater-aachen.de/?ref=ioco.de)

![Theater Aachen © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2014/07/theater_aachen_c_ioco.jpg "Theater Aachen © IOCO")

Theater Aachen © IOCO

**Händel - Ariost Zyklus am Theater Aachen**

Die Handlung von **Georg Friedrich Händel**´s Barockoper *Ariodante* mutet unwirklich, geradezu phantastisch an. Doch **Händels** reicher kompositorischer Genius gestaltet daraus eine ergreifend romantische Barockoper, welche das **Theater Aachen** gelungen neu inszeniert, in empfindungsreichem musikalischem Gewand auf die Bühne bringt.

300-Jahre alte Barockopern und ihr instrumental-vokaler Charme feiern zur Zeit Wiedergeburten an allen Musiktheatern der Welt. Die teils hanebüchen komplizierten, meist mythologisch umrahmten Handlungsinhalte können diesem Trend nichts anhaben: Barockmusik beschreibt menschliche Gemütszustände, Sehnsüchte und Empfindungen mit musikalischer Sprache und Melodienbildung. Virtuos vorgetragene Arien, hohe und Bravourstimmen, Liebesintrigen mit gutem Ende prägen die Aufführungspraxis von Barockopern damals wie heute. Viele spezialisierte Barock-Ensembles hauchen dem *Barock* seither zusätzlich neue Intensität ein. Das **Theater Aachen** trifft diesen Zeitgeist: Aus dem mittelalterlichen Epos *Orlando furioso* von **Ludovico Ariost** bringt es in einem **Ariost / Händel - Zyklus** in 2013 - 2015 drei Opern (*Ariodante, Alcina, Orlando)* mit weitgehend eigenem Ensemble auf die Bühne. Die erfolgreiche *Ariodante -* Premiere vom Februar 2013 war erste Belohnung für dieses ambitionierte und langfristige Projekt.

**Georg Friedrich Händel (1685 - 1759)**  besetzt mit seinen zahlreichen zwischen 1720 bis 1738 in England geschaffenen Opern den Thron im Olymp der Barockkomponisten. Seine 46 Opern, darunter *Julius Cäsar, Alcina, Xerxes, Acis e Galatea, Ariodante, Rinaldo, Aggripina, Orlando* sind allgegenwärtig auf allen Bühnen der Welt*.* Nahezu 20% aller derzeit inszenierten Barockopern stammen von **GFH.**

![Westmisnter Abbey / Grabplatte Georg Friedrich Haendel © IOCO](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/04/grabplatte-georg-friedrich-haendel-in-westmisnter-abbey-c-ioco1.jpg "Westmisnter Abbey / Grabplatte Georg Friedrich Haendel © IOCO")

Westmisnter Abbey / Grabplatte Georg Friedrich Haendel © IOCO

*Ariodante* ist eine romantische **Händel-**Oper, welche Phantasien von Ergebenheit über Zuneigung, Liebe und Hass zelebrierend ausdrückt, aber nur wenig konkretes Handeln enthält. Keine dynastischen Verwechslungen, alle Rollen sind klar positioniert. Das glückliche Ende ergibt sich, Barockopernkonform, geradezu zwangsläufig. Das Geschehen von *Ariodante* spielt am schottischen Hof von *König Arthur*, wo die Königstochter *Ginevra* ihre Liebe zu *Ariodante*, dem Vasall des Königs*,* offenbart. Der abgewiesene *Polinesso,* Herzog von Albany, rächt sich, indem er mit Hilfe der Hofdame *Dalinda in Ariodante* den Eindruck erweckt, *Ginevra* betrüge ihn. *Ariodante* stürzt sich in seiner Verzweiflung ins Meer. Über *Ginevras* Leben soll, so bestimmt *König Arthur*, ein als Gottesurteil gewerteter Zweikampf zwischen *Polinesso* und *Ariodantes* Bruder *Lurcanio* entscheiden. Im Zweikampf sterbend gesteht *Polinesso* seine Intrige. So kehrt das Glück barockgemäß zurück: *Ariodante,* überraschend doch dem Meer entronnen, verflucht zunächst sein Überleben um dann, dank *Dalinda* die Intrige erkennend, glückserfüllt *seine Ginevra* zu heiraten. Auch *Dalinda* heiratet zu aller guten Barockoper-Ende ihren *Lurcanio.* Ein poetisch-imaginären Ende, welches **Ariosts** von Harmonie, Heiterkeit und Schönheit durchdrungenem *Rasenden Roland* vollends gerecht wird.

![Theater Aachen / Ariodante / Ariodante V. Radomirska, Ginevra K. Hagopian © Wil van Tessel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/theater-aachen-ariodante-radomirskaund-ginevra-hagopian-c-wil-van-tessel.jpg "Theater Aachen / Ariodante / Ariodante V. Radomirska, Ginevra K. Hagopian © Wil van Tessel")

Theater Aachen / Ariodante / Ariodante V. Radomirska, Ginevra K. Hagopian © Wil van Tessel

Regisseure von Barockopern schwanken oft zwischen traditioneller und moderner Inszenierung. **Jarg Pataki,** erstmals am **Theater Aachen**, entscheidet sich für einen modernen Mittelweg: Ein der griechischen Mythologie entnommenes Motiv stimmt den Besucher zur Ouvertüre auf eine klassische Inszenierung ein. Doch die Bühnenbilder changieren: Ein spartanischer Wohnraum mit Schreibtisch im ersten Bild, PopArt-Kulissen, Meereswogen mit Meerjungfrauen folgen: Die Verkündung wiedergefundenen Glücks von Solisten und Chor vor einem überdimensionierten Wahlplakat vollendet den Zirkelschluß. Dazu rosa Luftballons und Brautsträuße. **Sandra Münchows** muntere Kostüme sind stilübergreifend: Königstochter *Ginevra* mit weitem Rüschenkleid, *Ariodante* bescheiden, unauffällig. *Polinesso* verschwört in schwarzem Lederanzug, PopArt-ähnliche gekleidete Putten. *König Arthur* meist in Straßenanzug. Die eindeutige Botschaft von **Jarg Pataki**: Das Primat dieser Aachener **Ariodante** **\-** Inszenierung liegt in den Stimmen, in der **Händelschen** Barockmusik.

![Theater Aachen / Ariodante / Polinesso S. Radisic, Dalinda J. Rakic © Wil van Tessel](https://storage.ghost.io/c/38/f5/38f5739d-f8a2-4e7b-96ed-d56cfbedb61b/content/images/ioco-oper/mein-content/dateien/uploads/2013/02/theater-aachen-ariodante-polinesso-s.-radisic-dalinda-j-rakic-c-wil-van-tessel.jpg "Theater Aachen / Ariodante / Polinesso S. Radisic, Dalinda J. Rakic © Wil van Tessel")

Theater Aachen / Ariodante / Polinesso S. Radisic, Dalinda J. Rakic © Wil van Tessel

Und hier passt alles: Dirigent **Peter Halász** war mit seinem Orchester den Solisten und dem Chor ein temperamentvoll und sicherer Partner,

der aus dem Orchestergraben einen perfekten **Händel**\-Klang zauberte. Die große Überraschung des Abends war, dass der Barockzauber des Abends, mit Ausnahme der *Ariodante,* von Ensemblemitgliedern des **Theater Aachen** geschaffen wurde. **Katharina Hagopian** bringt als *Ginevra*  Entrüstung, Verliebtheit wie Abscheu in koloraturgespickten, emotionalen Arien mit sicher geführtem Sopran und wundervollen Piani;   **Jelena Rakic** spielt lebhaft und gestaltend und gefiel als *Dalinda* besonders in ihrem sängerischen Höhepunkt, der Rachearie im dritten Akt *"Neghittosi, or voi che fate?*". **Sanja Radisic** als *Polinesso* als schurkischer Gegenspieler eines geradezu lebensuntauglichen Königs imponiert in schwarzem Leder optisch, darstellerisch und mit starkem, wohl-timbriertem Alt ("*wenn mein Betrug Erfolg hat, werde ich die Tugend immer verachten*"). Geführt wurde das Ensemble des Abends von der großartig disponierten **Violetta Radomirska** als *Ariodante*: Überschäumender Jubel bei perfekt fließenden Sechzehntel in der mitreißenden *"Con l´ali di constanza"*\-Arie wechselt mühelos zu der eindringlich Liebesnöte kündenden "*Scherza infida*" (*Scherze, Ungetreue*). **Radomirska´s** wunderbar lyrischer Mezzo füllte ihre gefühls- wie koloraturreichen Arien mit der für Barockopern so zentralen Seelenkraft. Doch auch die unauffälligeren männlichen Partien dieser Inszenierung waren gut besetzt: **Patricio Arroyo** überzeugt in der Partie des *Lurcanio* mit sauberem, weich geführtem Tenor; **Pawel Lawreszuk** als *König von Schottland* und **Hans Schaapkens** als *Odoardo* rundeten den stimmlich wie darstellerisch gelungenen Premieren-Abend wohltuend ab.

Das **Theater Aachen** trifft mit seinem kommenden **Ariost / Händel -** Zyklus den Zeitgeist. Die Premiere der Barockoper *Ariodante*, erster Teil dieses Zyklus, wurde vom ausverkauften Haus mit großem Jubel aufgenommen: Das **Theater Aachen** brachte **Händel´s** Komposition stimmlich wie dramatisch fesselnd auf die Bühne. Das dies mit meist eigenen Ensemble möglich wurde verdient zusätzliche Wertungspunkte. **IOCO** / Viktor Jarosch / 05.02.2013

Weitere Aufführungen von Ariodante am **Theater Aachen:** 09\. | 16\. | 23\. Februar 2013 02\. | 08\. | 17\. | 22\. März 2013, 01\. | 19\. April 2013, 05\. | 12\. Mai 2013