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Hamburg, Staatsoper Hamburg, Playing Trump – Cheap Opera #2, IOCO Kritik, 27.08.2021

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Redaktion
28. August 2021
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Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann
Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

PLAYING TRUMP – Bernhard Lang

– Donald Trump – Star der Cheap Opera Welt – Original Redetexte –
– So banal der Mensch, so gefährlich der Typus –

von Wolfgang Schmitt

Die neue Opernsaison 2021-22 der Staatsoper Hamburg wird am 4. September mit der Neuinszenierung von Jacques Offenbachs Hoffmanns Erzählungen  beginnen, das Hamburger Opernpublikum ist schon sehr gespannt darauf. Zuvor jedoch stand eine Welt-Uraufführung auf dem Programm, vom 20 – 25. August 2021: Playing Trump – des österreichischen Komponisten Bernhard Lang.

Ursprünglich sollte dieses Werk auf dem Vorplatz des Elbphilharmonie gespielt werden, wetterbedingt entschloss man sich jedoch, diese „Welt-Premiere“ auf der großen Probebühne der Staatsoper zu präsentieren. Was ist nun Playing Trump eigentlich?

Als Unperson der jüngeren Gegenwart und in diesen Zeiten des weltweiten Trump-Bashing hat Donald Trump es nun sogar auf die Theaterbühne geschafft. Der Komponist Bernhard Lang nennt sein Werk eine Cheap Opera,  eine Mono-Oper, bestehend aus 16 Sequenzen, mit einer Solistin und fünf Musikern, seine Komposition ist eine Mischung aus Jazz, Elektro-Pop, Rap, Minimal Music und ein bißchen Hip-Hop, nicht gerade eingängig, eigentlich nichts was die Bezeichnung „Oper“ verdienen würde. Das „Libretto“ stammt von Dieter Sperl, der aus Originaltexten der Reden von Donald Trump den einstündigen Monolog der Sängerin, die den Trump darstellt, allerdings optisch eher an Hillary Clinton erinnert, zusammengesetzt hat.

PLAYING TRUMP – eine Cheap Opera von Bernhard Lang
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Die französische Avantgarde-Sängerin Donatienne Michel-Dansac vollbrachte hier eine wahre Tour de Force auf dieser kahlen Probebühne: umrahmt von fünf Musikern, Mitgliedern des Philharmonischen Staatsorchesters, links Saxophon/Klarinette, Andreas Mader, E-Gitarre/akustische Gitarre, Christian Kiefer, zwei Synthesizer, Johannes Harneit und Robert Jacob, und rechts die Schlaginstrumente, Lin Chen; umsichtig geleitet von Emilio Pomarico, einem der international führenden Dirigenten zeitgenössischer Musik.

Allerdings wird ein Großteil der Musik, der Geräusche, der Background-Stimmen, von einem vorproduzierten Band aus dem Off eingespielt. Bekleidet mit schwarzen Hotpants, einer transparenten schwarzen Bluse und schwarzen Stiefeletten singt, schreit, spricht, deklamiert Donatienne Michel-Dansac, Foto unten, sich höchst eindrucksvoll durch ihre Trump-Rolle.

Staatsoper Hamburg / Playing Trump, eine Cheap Opera mit Donatienne Michel-Dansac als Trump © Brinkhoff / Mögenburg
Staatsoper Hamburg / Playing Trump, eine Cheap Opera mit Donatienne Michel-Dansac als Trump © Brinkhoff / Mögenburg

Für die „Inszenierung“ zeichnet der Hausherr, Intendant Georges Delnon persönlich verantwortlich, wobei die Worte „Inszenierung“ oder auch „Personenregie“ in diesem Rahmen doch recht übertrieben klingen. Die Sängerin steht auf der Bühne, agiert mehr oder weniger dezent, unterstreicht den Inhalt ihres zu singenden rappenden schreienden sprechenden Textes mit einigen kleinen Accessoires, so zieht sie sich eine rote Krawatte aus dem Hosenschlitz, zieht einen schwarzen Herrenmantel an und wieder aus, trägt plötzlich knallrote Boxhandschuhe, dann wiederum zieht sie sich eine schwarze Lederjacke an und wieder aus. Auch die fünf Musiker werden in diese „Inszenierung“ einbezogen, indem sie sich rote Baseballkappen und dunkle Sonnenbrillen aufsetzen müssen.

In einer Sequenz kniet die Sängerin am Bühnenrand und gibt (pardon!) „Kotz“-Laute von sich. Zwei der Musiker tragen ein schwarzes Rednerpult auf die Bühne, dieses wird auf die Seite gelegt und soll wohl die Mauer an der mexikanischen Grenze darstellen. An der Bühnenrückwand läuft ein Band mit den von der Sängerin zu deklamierenden Texten, für den Zuschauer sehr gut lesbar. Das Mitlesen dieser Fragmente aus den Reden Trumps amüsiert, verblüfft, überrascht, und es lenkt etwas ab von dieser großenteils nervigen Komposition. Allerdings gibt es auch durchaus ansprechende Momente, etwa bei den Einwürfen der E-Gitarre oder den Soli von Klarinette oder Saxpophon. Ein dauerhafter Erfolg wird PLAYING TRUMP, dieser „Billig-Oper“, dieser Weltpremiere, sicherlich nicht beschieden sein. Am Ende dieses einstündigen Spektakels gab es höflichen Applaus von einem eher ratlosen Publikum. Freuen wir uns also auf den 4. September, auf Jacques Offenbach und Les Contes D´Hoffmann.

PLAYING TRUMP – Cheap Opera #2, Staatsoper Hamburg: Keine weiteren Vortstellungen im Spielplan genannt

—| IOCO Kritik Staatsoper Hamburg |—


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