München, Gärtnerplatztheater, Musical Priscilla – Königin der Wüste, IOCO Kritik, 15.01.2017

Staatstheater am Gärtnerplatz München

München / Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

München / Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

 

Priscilla – Königin der Wüste

Drei Drag-Queens im australischen Outback

Von Daniela Zimmermann

Priscilla – Queen of the Desert war 1995 ein Kinohit, ausgezeichnet mit einem Oscar und anderen Preisen. Stephan Elliot und Allen Scott hatten das Buch um drei schwule oder transsexuelle australische Travestiekünstler (Drag-Queens) geschrieben, welche im fernen Outback des Landes überraschende wie liebenswerte Erkenntnisse finden. 2006 folgte dem Erfolgsfilm eine Bühnenfassung als Musical, entwickelt von Simon Philipps; uraufgeführt im Lyric Theatre in Sydney, unter seiner Leitung. Discohits der 70er bis 90er Jahre, von „It´s raining Men“, „Girls just want to have fun“, von Tina Turner bis Elvis Presley, machten Priscilla weltweit zu einem erfolgreichen „Jukebox-Musical“

Priscilla wurde zum Zeichen einer weltweiten Emanzipationsbewegung für Schwule und Transsexuelle und macht dies Musical so auch zu einer Herausforderung für Besucher, ungewöhnlich scheinende Verhaltensnormen ohne Vorurteil wahr zu nehmen. Nun ist Priscilla auch als deutsche Erstaufführung: In deutscher Sprache, als Neuinszenierung, konzipiert für das Gärtnerplatztheater in München.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Musical Priscilla - hier mit Erwin Windegger als Bernadette, Terry Alfaro als Adam, Armin Kahl als Tick und Ensemble © Marie-Laure Briane

Staatstheater am Gärtnerplatz / Musical Priscilla – hier mit Erwin Windegger als Bernadette, Terry Alfaro als Adam, Armin Kahl als Tick und Ensemble © Marie-Laure Briane

Regisseur Gil Mehmert brachte Priscilla mit flottem wie unterhaltsamen Revuecharakter auf die von Jens Kilian gestaltete Bühne im Gärtnerplatztheater. Melissa King erarbeitete die Choreographie mit spritzigen Einfällen und Esprit. Alfred Mayerhofer kreierte farbenprächtig phantasievolle oder herrlich schräge Kostüme.

Mittelpunkt des Musicals ist der alte Bus namens Priscilla mit riesigem pinkfarbenem Glamour Highheel auf seinem Dach. Drei Männer aus dem Travestiemilieu verabreden sich mit recht unterschiedlichen Motivationen zu dieser Reise. Tick, (Armin Kahl) tritt gerade als „Doris Gay“ in Sydneys Cockatoo Club auf, ist verheiratet, aber getrennt von seiner Frau und Vater eines kleinen Sohnes. Dies wiederum ist sein Geheimnis vor seinen Freunden. Als Ehefrau Marion ihn bittet, in Alice Springs aufzutreten, auch weil der gemeinsame Sohn sich nach ihm sehnt, sagt er zu. Doch er möchte nicht allein dorthin reisen. So beschwört Tick seine nicht mehr so jungen transsexuelle Freundin Bernadette (Erwin Windegger), als „Ralph“ geboren und vor Jahren Mitglied der Travestieformation „Les Girls“, und den jungen Freund Adam, (Terry Alfaro) eine Drag-Queen, eine meist weibliche Kleidung und kunstvolles Make-up tragende Person mit dem Künstlernamen „Felicia Jollygoodfellow“, welcher immer einmal in seinem Fummel auf dem Ayers Rock wollte, reisen mit..…..

Staatstheater am Gärtnerplatz / Musical Priscilla - hier Oben auf dem Bus Armin Kahl als Tick und Terrry Alfaro als Adam und Ensemble © Marie-Laure Briane

Staatstheater am Gärtnerplatz / Musical Priscilla – hier Oben auf dem Bus Armin Kahl als Tick und Terrry Alfaro als Adam und Ensemble © Marie-Laure Briane

Auf der Reise stößt noch Bob (Frank Berg) dazu, als dringend benötigter Mechaniker für den alten Bus Priscilla; mit Bobs Hilfe wird das Ziel, Ayers Rock, erreicht. Wie für die drei Drag-Queens, endet im Musical alles natürlich gut endet: Bernadette, durch eine OP zur richtigen Frau gewandelt, findet in Bob ihre große Liebe. Felicia, der Youngster, besteigt den ersehnten Ayers Rock im Fummel, Tick ist glücklich über seinen Sohn, der ihn akzeptiert.

So geht die Post ab im Gärtnerplatztheater, in spektakulären Tänzen auf der Bühne, in etwas „einseitig“ anzüglicher, nicht immer zitierfähiger Sprache und anregenden Gesängen. Die Drag-Queens Tick, Bernadette und Adam werden durch die Diven Dorina Garuci, Jessika Kessler und Amber Schoop in Darstellung und Gesang furios unterstützt. Jeff Frohner lässt dazu sein mit Bläsern und Streichern verstärktes Orchester fetzen. So siegen am Ende auch in der Travestie-Community dieses etwas schrägen Musicals vermeintlich profane bürgerliche Werte. Slapsticks jagen einander in Priscilla und verstärken letztlich die emotionale Rührung bis zum herrlich normalen wie kitschigen Happy End.

So sind auch die Zuschauer ergriffen. Standing Ovations, minutenlanger Beifall beenden ein ungewöhnliches wie hinreißendes Musical im Gärtnerplatztheater.

Priscilla – Königin der Wüste im Staatstheater am Gärtnerplatz; weitere Vorstellungen: Januar 5 / 6 / 13 / 14; Februar 1 / 2 / 17 / 18;  März 13 / 14 / 17;  April 11 / 12 / 2018

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