Wien, Wiener Staatsoper, PREMIERE PARSIFAL von Richard Wagner, 30.03.2017

März 22, 2017 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

  PARSIFAL von Richard Wagner

Zur Premiere und Produktion

Am 30. März 2017 feiert Parsifal in einer Neuproduktion Premiere im Haus am Ring. Richard WagnersBühnenweihfestspiel in drei Aufzügen“, uraufgeführt 1882 im Bayreuther Festspielhaus, wird am Premierenabend zum 326. Mal auf dem Staatsopernspielplan stehen.

Musikalisch geleitet wird die Neuproduktion von Semyon Bychkov – die Premiere wird sein 37. Auftritt an der Wiener Staatsoper sein, wo er 1999 mit Elektra debütierte und außerdem noch bei Tristan und Isolde, Daphne (Premiere), Lohengrin (Premiere) und Chowanschtschina (Premiere) am Dirigentenpult stand.

Die Inszenierung und das Bühnenbild der Neuproduktion stammen von Alvis Hermanis: Der in Riga geborene Regisseur, der unter anderem am Burgtheater, bei den Salzburger Festspielen, an der Mailänder Scala, der Münchner Staatsoper, bei den Wiener Festwochen, in Berlin, Zürich und in vielen weiteren europäischen Städten wirkte, debütiert mit dieser Arbeit an der Wiener Staatsoper.

Alvis Hermanis’ Inszenierungskonzept verlagert die Parsifal-Handlung in die Zeit vor den Ersten Weltkrieg und nach Wien. Denn diese Stadt, so Hermanis, war um 1900, was Kunst und Wissenschaft betrifft, ein „Laboratorium für die ganze restliche Welt“. Musik, Literatur, bildende Kunst, Architektur, Technik, Medizin, Forschung, nicht zuletzt die Psychoanalyse wurden an diesem Brennpunkt weitergebracht, Wien war das, was „Silicon Valley für das 21. Jahrhundert ist“, so Alvis Hermanis im Gespräch mit Oliver Láng für das Programmheft. Als Kunstgriff verbindet Hermanis den Kosmos des Wagnerschen Parsifal mit der Wiener Architekturwelt Otto Wagners, indem er in seinem Bühnenbild ganz konkrete Zitate aus dessen Bauten bringt. Zentral ist dabei der Krankenhaus-Komplex in Steinhof bzw. die Otto Wagner-Kirche. Die Suche nach dem Gral ist bei Hermanis auch eine Suche nach geistiger Entwicklung, und so sind Gurnemanz und Klingsor zwei Ärzte, die um die Vorherrschaft über den Geist ihrer Patienten ringen. Die Patienten wiederum – zu ihnen gehört Amfortas – befinden sich nicht nur in der Realität um 1900, sondern erspielen sich die historische Handlung der Oper als Therapie. Und so verbinden sich diese beiden Zeitschienen miteinander und die Konturen zwischen Spiel und Wirklichkeit, zwischen Schein und Sein verschwimmen. Wie in seiner Trovatore-Inszenierung in Salzburg, bei der scheinbar Unbeteiligte in eine Gemäldelandschaft eines Museums eintauchten, spielt Hermanis auch diesmal mit der Überlagerung unterschiedlicher Ebenen. Dabei soll sein Konzept nicht dogmatisch verstanden werden, sondern als eine mögliche Interpretation des Werks, eine mögliche, persönliche Erzählung der Geschichte.

Für die Kostüme zeichnet die lettische Kostüm- und Bühnenbildnerin Kristine Jurjcne verantwortlich, für das Licht Gleb Filshtinsky und für die Videoprojektionen Ineta Sipunova – ebenso wie Regisseur Alvis Hermanis sind sie erstmals für die Wiener Staatsoper tätig.

Die Sängerbesetzung – Den Parsifal gibt Christopher Ventris, der die Partie an diesem Haus schon elfmal verkörpert hat. Weitere Rollen des in London geborenen Tenors an der Wiener Staatsoper waren Jim Mahoney (Premiere Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny), Siegmund (Die Walküre) und Andrei Chowanski (Premiere Chowanschtschina).

Erstmals wird KS Nina Stemme die Partie der Kundry singen. Die schwedische Sopranistin gestaltete im Haus am Ring eine Anzahl an zentralen Partien, wie etwa die Ariadne (Ariadne auf Naxos), Senta (Der fliegende Holländer – Premiere), Marschallin (Der Rosenkavalier), Minnie (La fanciulla del West – Premiere), Leonore (Fidelio), Tosca, Leonora (La forza del destino – Premiere), Isolde (Tristan und Isolde – Premiere), Sieglinde (Die Walküre), Brünnhilde (Die Walküre, Siegfried – Premiere, Götterdämmerung) und zuletzt Elektra (Premiere).

Als Amfortas ist erstmals am Haus der kanadische Bariton Gerald Finley zu hören, der an der Wiener Staatsoper 2012 als Conte d’Almaviva in Le nozze di Figaro debütierte und auch noch den Förster in der Premiere von Das schlaue Füchslein sang.

Jochen Schmeckenbecher gibt sein Rollendebüt am Haus als Klingsor. Er gestaltete an der Wiener Staatsoper unter anderem folgende Partien: Musiklehrer (Ariadne auf Naxos, u. a. in der Premiere 2011), Alberich (Das Rheingold, Siegfried, Götterdämmerung), Kurwenal (Tristan und Isolde – Premiere), Frank (Die Fledermaus) und Faninal (Der Rosenkavalier).

Der deutsche Bass Hans-Peter König – hier bisher als Daland im Fliegenden Holländer zu erleben – gestaltet den Gurnemanz.

In den weiteren Rollen sind die Staatsopern-Ensemblemitglieder Jongmin Park als Titurel (Rollendebüt am Haus); Benedikt Kobel und Ayk Martirossian als Gralsritter; Ulrike Helzel, Zoryana Kushpler, Thomas Ebenstein und Bror Magnus Tødenes als Knappen; Ileana Tonca, Olga Bezsmertna, Margaret Plummer, Hila Fahima, Caroline Wenborne und Ilseyar Khayrullova als Blumenmädchen und Monika Bohinec als Stimme von oben zu hören. PMWStO

 

Wien, Wiener Staatsoper, Kunst und Zahlen: Spektakulär, IOCO Aktuell, 28.02.2017

Februar 28, 2017 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Olymp der Musiktheater: Die Wiener Staatsoper 

 Geschäftsbericht 2015/2016,  Zwischenbilanz 2016/2017 der  Wiener Staatsoper GmbH 

„Tue Gutes und rede darüber!“

Wien / Dominique Meyer © IOCO

Wien / Dominique Meyer © IOCO

Die Wiener Staatsoper ist der Olymp der Musiktheater, künstlerisch wie kaufmännisch. Die Weltgeltung der Staatsoper, von Ioan Holender vor Jahren kantig geformt, hält der Franzose Dominique Meyer seit 2011 in sanfter Professionalität auf gewohnt hohem Niveau: Über 600.000 Besucher jährlich, eine Auslastung von 98 – 99% auf 2.284 Plätzen: Normalität in Wien, Weltweit einzigartig. Intendant Dominique Meyer: Ich lasse mir die Auslastungszahlen jeden Morgen vorlegen. Sind diese unter 99% werde ich unruhig“.

Kaum ein Theater im deutschen Sprachraum besitzt neben hohen künstlerischen Ansprüchen ähnlich hohe kaufmännische Standards wie die Wiener Staatsoper.  Selbst Jahrespressekonferenzen großer Theater  werden meist von Schwärmereien  verantwortlicher Intendanten zu Inszenierungen dominiert. Zahlen zu Auslastung, Eigenfinanzierung, Anzahl Besucher der Theater zu erhaschen ist regelmäßig vergebliche Liebesmüh. So lehnte der Intendant eines großes deutschen Staatstheaters in der Jahrespressekonferenz 2016 IOCO Nachfragen zu Leistungskennziffern, dem überheblichen Prinzip Kunst kennt keine Kosten  folgend, strikt ab. Im Folgenden die Leistungskennziffern der Wiener Staatsoper: Freiwillig, zeitnah, professionell!

 Wiener Staatsoper GmbH: Geschäftsbericht 2015/2016,  Zwischenbilanz 2016/2017  

Johann Strauss Vater © IOCO

Johann Strauss Vater © IOCO

„In der Saison 2015/2016 der Wiener Staatsoper: Wurden insgesamt 394 Vorstellungen gespielt, die von 610.516 Besucherinnen und Besuchern gesehen wurden. Bei den 290 Vorstellungen auf der Hauptbühne der Wiener Staatsoper wurde eine Sitzplatzauslastung von 98,59 % erreicht. Acht Premieren (Oper, Ballett, Kinderoper) und 66 verschiedene Werke sowie zwei Gastspiele (Oper und Ballett) wurden auf-  / durchgeführt.

Der Umsatz 2015/16 betrug 43,9 Mio. €, die aktivierten Eigenleistungen 0,6 Mio.€, sonstige betriebliche Erträge beliefen sich auf 73,2 Mio. €. Ausgabenseitig fielen Personalkosten in Höhe von 78,1 Mio. €, Materialaufwendungen von 1,4 Mio. € und sonstige betriebliche Aufwendungen von 24,6 Mio. € an. Die Abschreibungen beliefen sich auf 10,7 Mio. €. Daraus resultiert ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit von 2,9 Mio. €. Nach Abzug der gesetzlichen Rücklage sowie unter Zurechnung des Gewinnvortrages ergibt sich ein Bilanzgewinn von 2,7 Mio. €.  Die Gesamtausgaben 2015/2016 betrugen 114,8 Mio. €, die Subvention durch die Republik Österreich 60,4 Mio. €. Bei den Erlösen durch den Kartenverkauf konnte ein Einnahmenrekord von 34,8 Mio. € erzielt werden. Der Eigendeckungsgrad belief sich auf 43,8 %.

Zwischenbilanz 2016/2017:  Zum 27. Februar 2016 beträgt die Sitzplatzauslastung (Oper, Ballett, Solistenkonzerte) im Großen Haus 98,84% (nur Oper: 99,43%). Bis zu diesem Zeitpunkt konnten Einnahmen aus dem Kartenverkauf in Höhe von 20.091.187,73 € erzielt werden. Die durchschnittlichen Einnahmen pro Vorstellung belaufen sich auf 122.507,24 €“.  PMWStO

Wien, Wiener Staatsoper, 61. Wiener Opernball – Kulturelles Weltereignis, IOCO Aktuell, 23.2.2017

Februar 12, 2017 by  
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Wiener Staatsoper zum Opernball © Michael Poehn

Wiener Staatsoper zum Opernball © Michael Poehn

Der 61. Wiener Opernball – 23. Februar 2017

Mediales Weltereignis, Geliebte Tradition, Laufsteg von Eitelkeiten

Wien Staatsoper / Plakat Wiener Opernball 2017 © DASUNO

Wien Staatsoper / Plakat Wiener Opernball 2017 © DASUNO

Der Wiener Opernball findet immer am Gründonnerstag und Altweiberfastnacht statt. Zum 61. Wiener Opernball werden am 23. Februar 2017 5.500 Gäste in der Staatsoper feiern: Der neu ins Amt gewählte österreichische Bundespräsident Dr. Van der Bellen eröffnet den Ball. Ebenso dabei Wirtschaftsbosse, Minister, Medienstars, Sternchen, Parvenüs oder Spaßvögel. Die meisten Besucher des Opernball jedoch, man glaubt es kaum, sind Normalbürger aus Wien. Spätentschlossene haben keine Chance: Der 61. Wiener Opernball seit langem ausverkauft.

Alljährlich ist der Wiener Opernball spektakuläres, internationales Medienereignis; Weltkriege, Skandale wie andere Widrigkeiten hat er überlebt. Dabei ist der Opernball nur eine Facette der weit gefächerten Wiener Balltradition, welche ihren Ursprung im Wiener Kongress von 1814/15 hat. Der Wiener Opernball ist medialer Höhepunkt der   prächtigen Wiener Ballsaison, welche jedes Jahr zur Zeit des Fasching stattfindet. Ob Akademikerball, das fröhliche Kostümfest genannt Gschnas, Bürgerball, Polizeiball, Bonbonball, Ball der Tiroler in Wien, Regenbogenball: 450 großartige  Bälle einigt die große Wiener Tradition. Der Wiener Opernball verstand sich ursprünglich als „Ball der Künstler für Künstler“. Nach vielen Wirrungen gab 1877 Kaiser Franz Joseph seine persönliche, 1869 noch verweigerte Zustimmung zu einer Soirée im Festsaal der damaligen Hofoper. Aus dieser Soirée entand der heutige Opernball, Die offizielle Bezeichnung Wiener Opernball wie seine verzaubernden Rituale erhielt das Künstlerfest erst 1935.

Wiener Staatsoper / Opernball - Jungdamen- und Jungherren Komittee © Michael Poehn

Wiener Staatsoper / Opernball – Jungdamen- und Jungherren Komittee © Michael Poehn

Zum 58. Wiener Opernball 2014 konstatierte  der ehemalige UN-Generalsekretär Kofi Annan, den damaligen Bundespräsident Fischer begleitend: „Jeder muss einmal im Leben auf dem Wiener Opernball gewesen sein“. Der Opernball zieht allein in Österreich alljährlich 1,5 Mio. Menschen vor die Fernseher. Weltweit sind es viele Millionen. Dominique Meyer, Chef der Wiener Staatsoper möchte künstlerische Ansprüche hochhalten und präsentiert „eine Galerie an hochbegabten Künstlern auf einem hohen Niveau“. Dabei war Begeisterung für den Opernball bei den Wiener Opern-Chefs nicht immer so eindeutig: Meyer-Vorgänger, der knorrige Ioan Holender zeigte wenig Sympathie: “Ich stelle die Sinnhaftigkeit zur Diskussion, dass man 2 Millionen Euro investiert, um ein Gebäude zweckentfremdend zu nutzen.“ Doch Meyer, seit 2011 neuer Opern-Chef, outet sich offensiv entspannt als Wiener Opernball-Fan. So verwandelt sich die Wiener Staatsoper am 23. Februar 2017 zum schönsten Ballsaal der Welt. Ein überdachter roter Teppich vor dem Eingang der Staatsoper trägt den Glamour des Ball-Events sichtbar in die Öffentlichkeit. 19 Kameras von ORF und 3sat und zahllose Moderatoren berichten live in alle Welt.

Maria Großbauer (36) aus Grafenbach ist neue „Ball-Mutter“. Sie organisiert 2017 zwar erstmals den Wiener Opernball, doch zur Staatsoper hat sie schon immer eine enge Beziehung: Vater Karl Jeitler stieß 1978 zu den Wiener Philharmonikern, als Posaunist; Ehemann Andreas Großbauer ist seit 2005 erster Geiger im Orchester der Wiener Staatsoper.
Maria Großbauers Kreativkonzept für 2017 zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Haus – von den Blumen bis zur Damenspende: „Alles Oper!“. Blumenschmuck bezieht sich etwa auf Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart. Bunte und üppige Arrangements, zusammengesetzt aus Ginster, Rosen und blühenden Zweigen, thematisieren den „Zauberwald und seine bunten Vögel“. Die ehemaligen Heurigen-Säle werden 2017 zu einer Wolfsschlucht mit Waldtieren und Geistern: „Gefährlich gemütlich“, so Maria Großbauer.

Wiener Staatsoper / Opernball 2017 - Intendant Meyer, Pier Paolo Righi, Hanna Gumpinger (Debütantin), Langes-Swarovski, Großbauer © Wiener Staatsoper GmbH Ashley Taylor

Wiener Staatsoper / Opernball 2017 – Intendant Meyer, Pier Paolo Righi, Hanna Gumpinger (Debütantin), Langes-Swarovski, Großbauer © Wiener Staatsoper GmbH Ashley Taylor

Das Eröffnungsprogramm des 61. Wiener Opernball: Um 20.15 Uhr ertönt die FANFARE von Karl Rosner, es folgt die ÖSTERREICHISCHE BUNDESHYMNE, die EUROPAHYMNE von Ludwig van Beethoven. Der folgende Einzug und Tanzdarbietungen der 144 Paare des Jungdamen- und Jungherren-Komitees stellt einen der reizvollsten wie populärsten Höhepunkte des Wiener Opernball dar, zur POLONAISE aus der Oper EUGEN ONEGIN. Der Einzug endet traditionell zu den Klängen des Donauwalzers und mit dem gemeinsamen Ausruf aller Staatsopernkünstler „Alles Walzer!“ als Aufforderung an die Ballgäste, nun zum Tanz das Parkett zu übernehmen. 120 Musiker sorgen dann bis 5 Uhr in der Früh für Unterhaltung. Im 4. Stock geht die Post ab. Die Ballnacht endet traditionell um 5.00 Uhr früh mit Brüderlein fein im 50 m langen Ballsaal. Dort werden wenige Stunden später 7.000 Kinder aus allen österreichischen Bundesländern zwei Vorstellungen von Die Zauberflöte für Kinder besuchen.

Prominent besetzt ist das von Staatsoperndirektor Dominique Meyer zusammen-gengestellte künstlerische Eröffnungsprogramm von 22.00 bis ca. 23.00 Uhr: Startenor Jonas Kaufmann singt erstmals am Wiener Opernball: „La fleur que tu m’avais jetée“ aus Carmen und „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Das Land des Lächelns. Es spielen das Wiener Staatsopern-orchester / Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Semyon Bychkov (Carmen-Ouvertüre und Gesangseinlagen) und Sascha Goetzel (Balletteinlage), das Bühnenorchester der Wiener Staatsoper unter Witolf Werner (Fanfare) sowie das Wiener Opernball Orchester unter Andreas Spörri (Hymnen, Komiteedarbietungen); das Wiener Staatsballett – mit den Ersten Solotänzern Nina Poláková, Maria Yakovleva, Denys Cherevychko, Davide Dato und Roman Lazik an der Spitze – und die Ballettakademie der Wiener Staatsoper tanzen eine von Lukas Gaudernak eigens für den Opernball kreierte Choreographie (Künstlerleben, Walzer).

Wiener Staatsoper / Opernball - Entwurf Svarowsky Tiara für Jungdamen © Karl Lagerfeld

Wiener Staatsoper / Opernball – Entwurf Svarowsky Tiara für Jungdamen © Karl Lagerfeld

Für das Jungdamen- und Jungherren-Komitee mussten sich die Paare Walzer drehend qualifizieren! Die Aufnahmevorschrift in das Komitee verlangt: Gute Linkswalzer-Kenntnis, Alter 17 bis 24 Jahre, maximal 1 Teilnahme, € 120 Gebühr, schriftliche Bewerbung mit aktuellem Bild. Die Bekleidungs-vorschrift. Damen: Schneeweißes langes, Ballkleid (ohne Reifrock oder glitzernde Applikationen), weiße lange Handschuhe, weiße Schuhe, Haare hochgesteckt. Herren: Schwarzer Frack, weiße Fliege, weiße Weste, weiße Handschuhe, schwarze Lackschuhe.
Auffällige Besonderheit ist die Swarovski Tiara, welche die Jungdamen tragen: Für den 2017 schuf Stardesigner Karl Lagerfeld, vom Eröffnungswalzer des Opernballes inspiriert, die „Le beau Danube bleu“ Tiara, welche in 394 klare und saphirblaue Swarovski Kristalle sowie fünf Swarovski Kristallperlen klassische wie moderne Elemente vereint. Nadja Swarovski, Mitglied des Swarovski Executive Board. „Die Geschichte von Swarovski und dem Opernball geht auf die 1950er zurück. Bei so vielen gemeinsamen Werten und Traditionen ist es fantastisch, unsere Unterstützung für diese Institution fortzusetzen. Die Debütantinnen werden begeistert sein, wenn sie mit einer von Karl Lagerfeld gestalteten Tiara gekrönt werden.

Wiener Staatsoper/ Opernball - Jungdamen und Jungherren Komittee auf dem Parkett © Michael Poehn

Wiener Staatsoper/ Opernball – Jungdamen und Jungherren Komittee auf dem Parkett © Michael Poehn

Eine einfache Eintrittskarte zum Opernball kostet €290. Vielleicht mietet man sich eine Rangloge für €10.000 bis €20.500 oder doch nur einen Tisch für 6 Personen um €1.200. Aber es geht auch preiswerter: Dem Frackzwang des Abends begegnen Geübte mit gemieteten Utensilien. Den „kleinen Opernball“ feiern Geübte im ersten Souterrain in der Wolfsschlucht, auf der Hinterbühne, in moderner, reduzierter Architektur in Holz und Kupfer oder in den zahlreichen Bars auf dem Balkon.

Die Boulevardpresse dagegen zelebriert zum Opernball gerne schräge Seiteneinsteiger: Alt-Bauunternehmer “Mörtel” Richard Lugner, 85, ist seit Jahren mit seinen Gästen schrulliger Medienstar des Balles. Der Einladung in die Lugner-Loge folgten in letzten Jahren bereitwillig Stars und Sternchen wie Brigitte Nielsen, Ruby Rubacuori, Paris Hilton, Pamela Anderson oder Stripperin Ditta von Teese (Slogan: “Der Ball ist nackt”), deren Leidenschaften bekanntlich weniger dem Tanz oder klassischer Musik gelten. Doch 2017 ist anders. Ein junges Wiener Mädel, Beata Decsei, (20), von einer prominenten Jury aus vielen Bewerbern gewählt, und die US-Schauspielerin Goldie Hawn (71) werden offizielle Promi-Gäste in der Lugner-Loge sein.

Manch traditionsorientierte Wiener Einheimische meiden das in ihren Augen leicht verrufene Klatschspektakel Wiener Opernball. Doch bricht die Medialisierung des Wiener Opernballes alte Wiener Balltraditionen auf, gibt neue Impulse. Außerhalb Österreichs ist der Wiener Opernball seit Jahrzehnten bewunderter Ausdruck eines lebensfrohen und kulturstarken Österreichs. Der 61. Wiener Opernball: Am 23. Februar 2017. IOCO / Viktor Jarosch / 12.02.2015

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Jussi Björling Der Caruso des Nordens, IOCO Portrait, Februar 2017

Februar 8, 2017 by  
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Portrait

Jussi Bjoerling © Privat

Jussi Bjoerling © Privat

Der Caruso des Nordens – Jussi Björling

Am 9. September 2010 jährte sich  der 50. Todestag eines der größten Tenöre aller Zeiten.  Noch heute ist die Erinnerung an diesen Ausnahmesänger nicht verblasst. Jussi Björling wurde am 5. Februar 1911 in Borlänge, (Schweden) geboren. Er selber feierte seinen Geburtstag am 2. Februar, da man zunächst dieses Datum in die offiziellen Dokumente eintrug.

Erst nach seinem Tod fand sich die Geburtsurkunde, die den 5. Februar belegte. Bereits am 15. Dezember 1915 begann seine außergewöhnliche Karriere als Sänger. Sein Vater David Björling gründete mit seinen Söhnen, Olle, Gösta und Jussi ein Kindertrio, das sein erstes Konzert eben an diesem 15. Dezember, in der Trefaldighetskyrka (Dreifaltigkeitskirche) in Örebro, gab.

In der Folge gastierte das Trio in zahlreichen Konzerten in Schweden. Im Jahr 1917 verstarb seine Mutter, Ester Björling, erst fünfunddreißig jährig, nach der Geburt des vierten Sohnes Karl. Einige Tage später sangen die Kinder bei der Beisetzung der Mutter in der Kirche von Stora Tuna. David Björling und seine drei ältesten Söhne traten nun als „Björling Male Quartett“ auf und reisten 1919 nach Amerika, wo in der Gustavus Adolphus Kirche in New York am 20. November das erste Konzert stattfand. Im Februar 1920 wurden in New York sechs Titel auf Schallplatten aufgenommen, noch heute als CD erhältlich.

Somit begann Björling seine Schallplattenkarriere bereits als Neunjähriger. 1924 stirbt  der Vater, sodass ein Freund der Familie, Rolf Lundgren, die Leitung des Trios übernimmt. Als 1927 eine weitere Tournée in die USA scheitert, kehrt Jussi in seine Heimatstadt zurück und arbeitet vorübergehend als Verkäufer in einem Haushaltwarengeschäft. Im April 1928, gelingt es ihm, dem berühmten schwedischen Tenor Carl Martin Öhman, zu dieser Zeit Mitglied der Staatsoper Berlin, aber oft in Stockholm gastierte, vorzusingen. Öhman eilte zu John Forsell, dem Direktor der Stockholmer Oper und selber ein gefeierter Bariton, um ihm zu berichten, er habe „die beste schwedische Tenorstimme des Jahrhunderts“ gehört. Forsell bestellte Björling zu einem Vorsingen und bemerkte „ein siebzehn jähriges Phänomen“.

Forsell nahm Björling als Schüler in seiner Klasse im Stockholmer Konservatorium auf. Nun entwickelte sich alles rasend schnell und es schien, als wolle sich das Schicksal, das ihm nur eine kurze Lebensdauer gewährte, dennoch von seiner besten Seite zeigen. Bereits im Oktober 1929, unterzeichnet er seinen ersten Schallplatten – Vertrag. 1930 singt er im Rahmen von Studenten – Aufführungen die Tenorpartien im Requiem von Mozart und im Tedeum von Bruckner. Im Juli des gleichen Jahres gibt er an der königlichen Oper von Stockholm sein erstes Debut in der kleinen Rolle des Lampenanzünders in Puccinis „Manon Lescaut“ und bereits einen Monat später findet sein offizielles Debut als Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“ statt.

Im September die ersten Schallplatten Aufnahmen unter der Leitung des schwedischen Dirigenten Nils Grevillius, mit dem Björling bis zu seinem Tod unzählige Aufnahmen machte. Im Laufe der ersten Jahre sang Björling ein Repertoire, für das andere Tenöre ein ganzes Leben brauchten. Was kaum bekannt ist, das er Rollen wie den Arnoldo in Wilhelm Tell, oder den Florestan in Fidelio sang. Außerdem, um nur einige zu nennen, den Harun in Djamileh von Bizet, den Walther in Tannhäuser, Eric in „Der fliegende Hölländer“, den Tonio in „La fille du régiment“, den Belmonte in „Die Entführung aus dem Serail“, den Tamino in „Die Zauberflöte, den Faust in“La damnation de Faust“, Lyonel in „Martha“, Luigi in „Il Tabarro“, Lensky in „Eugen Onegin“, Wilhelm Meister in „Mignon“, Conte Almaviva in „Il Barbiere di Seviglia“, den Roméo in „Roméo et Juliette“, Vladimir in „Prinz Igor“ von Borodin, Vasco da Gama in L´africaine, den Sandor Barinkay in Der Zigeunerbaron, Alfred in „Die Fledermaus“, Narraboth in „Salome“, Dick Johnson in „La fanciulla del West“, Nemorino in „L´Elisir d´Amore“, Alfredo in „La Traviata“, Elemer in „Arabella“, dazu all die Rollen, mit denen er wenige Jahre später Weltrum erlangte.

Schon in dieser Zeit sang er mit weltberühmten Partnern zusammen, so in Tosca mit Dusolina Giannini, im „Barbiere“ mit Giuseppe de Luca, „Prinz Igor“ und „Faust“ mit Fedor Chaljapin, in „Don Giovanni“ mit Ezio Pinza und „Rigoletto“ mit Lawrence Tibbett. Ab 1936 gastierte Björling bereits an der Wiener Staatsoper, wo er unter der Leitung so großartiger Dirigenten wie Victor de Sabata und Josef Krips mit Maria Nemeth, Jarmila Novotna, Alexander Kipnis, Alexander Svet und Ester Rethy u.a. sang.

An der Staatsoper Dresden, war u.a. Maria Cebotari seine Partnerin. Außerdem gab er Gastspiele in Prag, Kopenhagen, Uppsala, Brno (Tschechoslowakai), in Malmö, Budapest, Berlin, Nürnberg und Paris. Am 28. November 1937 gibt Björling mit einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall, sein Amerika Debut. Seine Partnerin war keine geringere als Maria Jeritza. Am 8. Dezember des gleichen Jahres, an der City Opera Chicago sein amerikanisches Opern Debut als Duca di Mantova in „Rigoletto“ , mit Beverly Lane und Lawrence Tibbett. Am 20. Dezember ist er Partner von Lily Pons bei einem Konzert im Waldorf Astoria Hotel in New York. Am 21. Dezember unterschreibt er seinen ersten Contract mit der Metropolitan Opera für die nächste Saison und am 24. November 1938 debutiert er mit „La Bohéme“ an der Met. Seine Partnerin war Mafalda Favero als Mimi. Nun entwickelte sich eine weltweite Karriere.

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

Am 12. Mai debutiert er an der Covent Garden Opera in London als Manrico in „Il Trovatore“ als Partner von Gina Cigna (Leonora), Gertrud Palson – Wettergren (Azucena) und Mario Basiola (Luna), unter der Leitung von Vittorio Gui. Von dieser Vorstellung gibt es einen Mitschnitt. Im Oktober 1940 singt Björling in San Francisco in „Ballo in Maschera“ mit Elisabeth Rethberg und im November in der Carnegie Hall in New York das Verdi Requiem unter der Leitung von Arturo Toscanini. 1943 sein erstes Auftreten am Teatro Comunale Florenz als Manrico mit Maria Caniglia als Leonora und im August 1946 sein Scala Debut in Verdis „Rigoletto“, mit Lina Aimaro und Carlo Tagliabue. 1948 fragt ihn der große Tenor Giovanni Zenatello, Mitbegründer der Opern Festspiele in der Arena von Verona, ab er die Partie des Enzo Grimaldo in La Gioconda von Ponchielli in der Arena, als Partner von Maria Callas singen wolle.

Björling lehnte mit der Begründung ab, dass er in diesem Jahr nicht mehr die Zeit habe, eine so umfangreiche Partie einzustudieren. So kam eine Partnerschaft mit Maria Callas erst zustande, als er an der Lyric Opera Chicago im November 1955 zwei Trovatore – Vorstellungen mit ihr sang. Dies waren die einzigen gemeinsamen Auftritte dieser beiden Ausnahme Sänger. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass es von einer der beiden Vorstellungen einen Mitschnitt gibt. Doch ist bis zum heutigen Tage leider noch nichts dergleichen aufgetaucht. Im Mai 1950 nochmals an der Scala Milano mit Un Ballo in Maschera (vier Vorstellungen). 1951 besuchte Dorothy Caruso, die Witwe des legendären Enrico Caruso, an der Met eine Rigoletto Vorstellung mit Björling.

Sie war tief beeindruckt von der Qualität und der Schönheit seiner Stimme. Bei einem gemeinsamen Fernseh – Interview schenkte sie Björling eines der Kostüme ihres Mannes aus Rigoletto und bezeichnete ihn als den einzig legitimen Nachfolger Enrico Carusos. Das Kostüm ist heute eines der Schmuckstücke im Jussi Björling Museum in Borlänge (in der Nähe von Stockholm.) Björling hat an fast allen bedeutenden Opernhäusern der Welt gesungen, er hat weltweit Konzerte und Liederabende gegeben, u.a. in Honolulu, in Kuba, in Kanade, auf Hawaii, in Afrika, in Holland  Finnland, Norwegen, Dänemark, Lettland, Österreich, Deutschland und in der Schweiz, wo er in Luzern zwei Mal das Requiem von Giuseppe Verdi, unter der Leitung Arturo Toscaninis sang.

Er hat seit 1931 regelmäßig Schallplattenaufnahmen gemacht, sodass seine gesangliche Entwicklung genauestens nachvollzogen werden kann. Alleine elf Gesamtaufnahmen und eine Vielzahl von Arien und Lieder Platten kamen auf den Markt, die alle auf CD übertragen wurden. Dazu eine Vielzahl von Opern Lifemitschnitten und Konzerten aus diversen Theatern. Schon bei den ersten Aufnahmen, Björling war zu dieser Zeit erst zwanzig Jahre alt, ist eine erstaunliche technische Sicherheit festzustellen. In wenigen Jahre gelingt es ihm, diese Technik zu vervollkommnen. Björlings Stimme war von mittlerer Größe, doch erzielte er durch eine perfekte Fokussierung des Tones eine Durchschlagskraft, die ihn befähigte selbst Partien wie Radames, Manrico, und Canio ständig im Repertoire zu führen. Jürgen Kesting schreibt in seinem Buch, Die großen Sänger des 20. Jahrhunderts, „Die Stimme war von überragender Qualität. Sie besaß den Eigenreiz eines unverkennbaren silbrigen Timbres und, bei mittlerem Volumen, große Schallkraft und eine wundervolle, leicht ansprechende Höhe. Er konnte H, C und selbst das Cis ansatzlos attackieren. Die Töne kamen wie abgewippt von einem Sprungbrett. Die Skala war ebenmäßig, die Registerverblendung bruchlos. Vor allem das strahlende Mittelstimmregister mit dem kopfigen Klanggepräge war exemplarisch entwickelt“. Dem ist nichts hinzuzufügen.  IOCO / AB

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