Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Elina Garanca – betörende Mezzo, IOCO Kritik, 16.02.2017

Februar 17, 2017 by  
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Tonhalle Düsseldorf

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Tonhalle Düsseldorf / Elina Garanca © Holger Hage, DG

Tonhalle Düsseldorf / Elina Garanca © Holger Hage, DG

Elina Garanca – Elegante Erscheinung mit betörendem Mezzo

Elina Garanca gilt als eine der weltbesten und beliebtesten Mezzosoprane unserer Zeit. Die talentierte Lettin merkte schon in jungen Jahren, dass ihr Herz für die Musik schlägt. 1996 begann sie ihr Studium in Riga und sang bereits 1998 die Rolle der Giovanna Seymour in Anna Bolena von Donizetti. Ihre einzigartige Stimme brachte ihr zahlreiche Preise ein. 1999, zwei Jahre nach Beginn ihres Studiums, gewann sie den Internationalen Mirjam Helin Gesangswettbewerb in Finnland, ein Jahr später wurde ihr der Lettische Great Music Award verliehen und bis heute bekam sie schon drei ECHO Klassik Auszeichnungen. Seit fast 20 Jahren begeistert Elina Garanca mit ihrer ausdrucksstarken Stimme das Publikum in allen großen Opernhäusern und Konzertsälen der Welt.

Am 14.02.2017 füllte eine enthusiasmierte Konzert-Gemeinde die Tonhalle Düsseldorf. Die Besucher waren an diesem Abend aus allen Teilen des Landes angereist, um Elina Garanca, die aufsehenerregende Mezzosopranistin live zu erleben. Das interessante und exquisite Programm, mit Werken von Tschaikowsky über Verdi, Darzins, Saint-Saens, Cilea, Donizetti, Mascagni, Ponchielli bis hin zur spanischen Zarzuela, war außergewöhnlich vielseitig und begeisterte das Publikum in seinen anmutigen wie auch heiteren Passagen. Begleitet von der Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung ihres Ehemanns des Dirigenten Karel Mark Chichon, nahm Elina Garanca das Publikum mit auf eine phantastische Reise.

Ein Walzer aus Tschaikowskys Schwanensee bei dem das Orchester gleich alle Register seines Könnens zog und exakt und beschwingt musizierte, bildete den Auftakt des Konzertes.  Darauf folgte gleich der erste Einsatz der Mezzosopranistin mit einer exzellent gesungenen Arie der Johanna aus „Die Jungfrau von Orleans“ von Tschaikowsky, welche sie mit Charme, hinreißender Stimme und meisterlicher Phrasierung darbot.

Tonhalle Düsseldorf / Elina Garanca © PaulSchirnhofer - DeutscheGrammophon

Tonhalle Düsseldorf / Elina Garanca © PaulSchirnhofer – DeutscheGrammophon

[Von Elina Garanca wurden verschiedene Aufnahmen bei der Deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Die Deutsche Staatsphilharmonie zelebrierte unter dem Dirigat von Chichon als nächstes einen „Melancholischen Walzer“ von E. Darzins. – Die Momente, in der die führende Klarinette unter dem Pizzicato der Violinen, in Begleitung der pianissimo spielenden Celli, eine betörend wirkende Atmosphäre der Melancholie erschuf, waren atemberaubend.

Als Glanzpunkt des Abends folgte die hochemotionale Arie der Dalila von C.Saint-Saens, bei der Elina Garanca alle Facetten ihres stimmlichen Könnens zeigte. Sie sang die Dalila zart, sinnlich, mit aufregenden Stimmfarben und ausschwingenden melodischen Bögen und eroberte damit das Publikum im Sturm.

Chichon führte die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz in der Ouvertüre zu „Die Sizilianische Vesper“ von Verdi mit glühendem verdischen Feuer. Seine schwungvolle, genaue Interpretation war vorbildlich. Er entlockte dem präzise spielenden Klangkörper jede Feinheit der Partitur; ein spannungsreicher, rhythmischer Verdi, dem es weder an Wucht noch an feinen Instrumentaleffekten mangelte.

Obwohl die Titelpartie aus „Adriana Lecouvreur“ von Cilea eigentlich für eine Sopranstimme geschrieben ist, war Elina Garanca in „Ecco, respiro appena, Io son L’umile ancella“ außerordentlich bewegend, mit wunderbarem Timbre, breiten Tiefen und brillanten Höhen. Die Stimme strahlte und war voller Schmelz und betörender Harmonie.

K.M.Chichon am Pult; ein sich gänzlich engagierender Musiker, der das Orchester mit präziser Zeichengebung führte. Ein eleganter und natürlicher Dirigent, dessen Interpretationen sich durch Energie und Temperament gleichermaßen auszeichneten. Er dirigierte das Vorspiel aus „La Favorite“ von Donizetti, sehr feinfühlig mit vollstem Einsatz und verlangte der Deutschen Staatsphilharmonie alles ab. Auch die „Danze delle ore“ aus „La Gioconda“ von A. Ponchielli waren ein musikalischer Hochgenuss.

Elina Garanca sang die Arie der Santuzza aus „Cavalleria Rusticana“ von P. Mascagni mit ihrem außerordentlich schönen und klangvollen Mezzosopran mit allen Nuancen äußerst inbrünstig.  Mit ausladender Stimme, vielfarbiger Ausdrucksfülle und dramatischer Heftigkeit war sie eine bewegende Santuzza.

Als Schlusspunkt des Konzertes folgten noch drei exzellent gesungene Neapolitanische Canzonen von S. Gastaldon und F.P.Tosti.

Da das Publikum sich aber von der charmanten Sängerin noch nicht so schnell verabschieden wollte, gab Elina Garanca nach tosendem Applaus noch Zugaben aus der Zarzuela „Las hijas del Zebedeo“ von Chapi und „Granada“ von Agustín Lara. Es endete ein großer Abend und das hingerissene Publikum dankte den Protagonisten mit vielen Bravo-Rufen und stehenden Ovationen.

IOCO / K.K. / 17.02.2017

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Jussi Björling Der Caruso des Nordens, IOCO Portrait, Februar 2017

Februar 8, 2017 by  
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Portrait

Jussi Bjoerling © Privat

Jussi Bjoerling © Privat

Der Caruso des Nordens – Jussi Björling

Am 9. September 2010 jährte sich  der 50. Todestag eines der größten Tenöre aller Zeiten.  Noch heute ist die Erinnerung an diesen Ausnahmesänger nicht verblasst. Jussi Björling wurde am 5. Februar 1911 in Borlänge, (Schweden) geboren. Er selber feierte seinen Geburtstag am 2. Februar, da man zunächst dieses Datum in die offiziellen Dokumente eintrug.

Erst nach seinem Tod fand sich die Geburtsurkunde, die den 5. Februar belegte. Bereits am 15. Dezember 1915 begann seine außergewöhnliche Karriere als Sänger. Sein Vater David Björling gründete mit seinen Söhnen, Olle, Gösta und Jussi ein Kindertrio, das sein erstes Konzert eben an diesem 15. Dezember, in der Trefaldighetskyrka (Dreifaltigkeitskirche) in Örebro, gab.

In der Folge gastierte das Trio in zahlreichen Konzerten in Schweden. Im Jahr 1917 verstarb seine Mutter, Ester Björling, erst fünfunddreißig jährig, nach der Geburt des vierten Sohnes Karl. Einige Tage später sangen die Kinder bei der Beisetzung der Mutter in der Kirche von Stora Tuna. David Björling und seine drei ältesten Söhne traten nun als „Björling Male Quartett“ auf und reisten 1919 nach Amerika, wo in der Gustavus Adolphus Kirche in New York am 20. November das erste Konzert stattfand. Im Februar 1920 wurden in New York sechs Titel auf Schallplatten aufgenommen, noch heute als CD erhältlich.

Somit begann Björling seine Schallplattenkarriere bereits als Neunjähriger. 1924 stirbt  der Vater, sodass ein Freund der Familie, Rolf Lundgren, die Leitung des Trios übernimmt. Als 1927 eine weitere Tournée in die USA scheitert, kehrt Jussi in seine Heimatstadt zurück und arbeitet vorübergehend als Verkäufer in einem Haushaltwarengeschäft. Im April 1928, gelingt es ihm, dem berühmten schwedischen Tenor Carl Martin Öhman, zu dieser Zeit Mitglied der Staatsoper Berlin, aber oft in Stockholm gastierte, vorzusingen. Öhman eilte zu John Forsell, dem Direktor der Stockholmer Oper und selber ein gefeierter Bariton, um ihm zu berichten, er habe „die beste schwedische Tenorstimme des Jahrhunderts“ gehört. Forsell bestellte Björling zu einem Vorsingen und bemerkte „ein siebzehn jähriges Phänomen“.

Forsell nahm Björling als Schüler in seiner Klasse im Stockholmer Konservatorium auf. Nun entwickelte sich alles rasend schnell und es schien, als wolle sich das Schicksal, das ihm nur eine kurze Lebensdauer gewährte, dennoch von seiner besten Seite zeigen. Bereits im Oktober 1929, unterzeichnet er seinen ersten Schallplatten – Vertrag. 1930 singt er im Rahmen von Studenten – Aufführungen die Tenorpartien im Requiem von Mozart und im Tedeum von Bruckner. Im Juli des gleichen Jahres gibt er an der königlichen Oper von Stockholm sein erstes Debut in der kleinen Rolle des Lampenanzünders in Puccinis „Manon Lescaut“ und bereits einen Monat später findet sein offizielles Debut als Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni“ statt.

Im September die ersten Schallplatten Aufnahmen unter der Leitung des schwedischen Dirigenten Nils Grevillius, mit dem Björling bis zu seinem Tod unzählige Aufnahmen machte. Im Laufe der ersten Jahre sang Björling ein Repertoire, für das andere Tenöre ein ganzes Leben brauchten. Was kaum bekannt ist, das er Rollen wie den Arnoldo in Wilhelm Tell, oder den Florestan in Fidelio sang. Außerdem, um nur einige zu nennen, den Harun in Djamileh von Bizet, den Walther in Tannhäuser, Eric in „Der fliegende Hölländer“, den Tonio in „La fille du régiment“, den Belmonte in „Die Entführung aus dem Serail“, den Tamino in „Die Zauberflöte, den Faust in“La damnation de Faust“, Lyonel in „Martha“, Luigi in „Il Tabarro“, Lensky in „Eugen Onegin“, Wilhelm Meister in „Mignon“, Conte Almaviva in „Il Barbiere di Seviglia“, den Roméo in „Roméo et Juliette“, Vladimir in „Prinz Igor“ von Borodin, Vasco da Gama in L´africaine, den Sandor Barinkay in Der Zigeunerbaron, Alfred in „Die Fledermaus“, Narraboth in „Salome“, Dick Johnson in „La fanciulla del West“, Nemorino in „L´Elisir d´Amore“, Alfredo in „La Traviata“, Elemer in „Arabella“, dazu all die Rollen, mit denen er wenige Jahre später Weltrum erlangte.

Schon in dieser Zeit sang er mit weltberühmten Partnern zusammen, so in Tosca mit Dusolina Giannini, im „Barbiere“ mit Giuseppe de Luca, „Prinz Igor“ und „Faust“ mit Fedor Chaljapin, in „Don Giovanni“ mit Ezio Pinza und „Rigoletto“ mit Lawrence Tibbett. Ab 1936 gastierte Björling bereits an der Wiener Staatsoper, wo er unter der Leitung so großartiger Dirigenten wie Victor de Sabata und Josef Krips mit Maria Nemeth, Jarmila Novotna, Alexander Kipnis, Alexander Svet und Ester Rethy u.a. sang.

An der Staatsoper Dresden, war u.a. Maria Cebotari seine Partnerin. Außerdem gab er Gastspiele in Prag, Kopenhagen, Uppsala, Brno (Tschechoslowakai), in Malmö, Budapest, Berlin, Nürnberg und Paris. Am 28. November 1937 gibt Björling mit einem Konzert in der New Yorker Carnegie Hall, sein Amerika Debut. Seine Partnerin war keine geringere als Maria Jeritza. Am 8. Dezember des gleichen Jahres, an der City Opera Chicago sein amerikanisches Opern Debut als Duca di Mantova in „Rigoletto“ , mit Beverly Lane und Lawrence Tibbett. Am 20. Dezember ist er Partner von Lily Pons bei einem Konzert im Waldorf Astoria Hotel in New York. Am 21. Dezember unterschreibt er seinen ersten Contract mit der Metropolitan Opera für die nächste Saison und am 24. November 1938 debutiert er mit „La Bohéme“ an der Met. Seine Partnerin war Mafalda Favero als Mimi. Nun entwickelte sich eine weltweite Karriere.

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

Verona / Arena di Verona Vorplatz © IOCO

Am 12. Mai debutiert er an der Covent Garden Opera in London als Manrico in „Il Trovatore“ als Partner von Gina Cigna (Leonora), Gertrud Palson – Wettergren (Azucena) und Mario Basiola (Luna), unter der Leitung von Vittorio Gui. Von dieser Vorstellung gibt es einen Mitschnitt. Im Oktober 1940 singt Björling in San Francisco in „Ballo in Maschera“ mit Elisabeth Rethberg und im November in der Carnegie Hall in New York das Verdi Requiem unter der Leitung von Arturo Toscanini. 1943 sein erstes Auftreten am Teatro Comunale Florenz als Manrico mit Maria Caniglia als Leonora und im August 1946 sein Scala Debut in Verdis „Rigoletto“, mit Lina Aimaro und Carlo Tagliabue. 1948 fragt ihn der große Tenor Giovanni Zenatello, Mitbegründer der Opern Festspiele in der Arena von Verona, ab er die Partie des Enzo Grimaldo in La Gioconda von Ponchielli in der Arena, als Partner von Maria Callas singen wolle.

Björling lehnte mit der Begründung ab, dass er in diesem Jahr nicht mehr die Zeit habe, eine so umfangreiche Partie einzustudieren. So kam eine Partnerschaft mit Maria Callas erst zustande, als er an der Lyric Opera Chicago im November 1955 zwei Trovatore – Vorstellungen mit ihr sang. Dies waren die einzigen gemeinsamen Auftritte dieser beiden Ausnahme Sänger. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass es von einer der beiden Vorstellungen einen Mitschnitt gibt. Doch ist bis zum heutigen Tage leider noch nichts dergleichen aufgetaucht. Im Mai 1950 nochmals an der Scala Milano mit Un Ballo in Maschera (vier Vorstellungen). 1951 besuchte Dorothy Caruso, die Witwe des legendären Enrico Caruso, an der Met eine Rigoletto Vorstellung mit Björling.

Sie war tief beeindruckt von der Qualität und der Schönheit seiner Stimme. Bei einem gemeinsamen Fernseh – Interview schenkte sie Björling eines der Kostüme ihres Mannes aus Rigoletto und bezeichnete ihn als den einzig legitimen Nachfolger Enrico Carusos. Das Kostüm ist heute eines der Schmuckstücke im Jussi Björling Museum in Borlänge (in der Nähe von Stockholm.) Björling hat an fast allen bedeutenden Opernhäusern der Welt gesungen, er hat weltweit Konzerte und Liederabende gegeben, u.a. in Honolulu, in Kuba, in Kanade, auf Hawaii, in Afrika, in Holland  Finnland, Norwegen, Dänemark, Lettland, Österreich, Deutschland und in der Schweiz, wo er in Luzern zwei Mal das Requiem von Giuseppe Verdi, unter der Leitung Arturo Toscaninis sang.

Er hat seit 1931 regelmäßig Schallplattenaufnahmen gemacht, sodass seine gesangliche Entwicklung genauestens nachvollzogen werden kann. Alleine elf Gesamtaufnahmen und eine Vielzahl von Arien und Lieder Platten kamen auf den Markt, die alle auf CD übertragen wurden. Dazu eine Vielzahl von Opern Lifemitschnitten und Konzerten aus diversen Theatern. Schon bei den ersten Aufnahmen, Björling war zu dieser Zeit erst zwanzig Jahre alt, ist eine erstaunliche technische Sicherheit festzustellen. In wenigen Jahre gelingt es ihm, diese Technik zu vervollkommnen. Björlings Stimme war von mittlerer Größe, doch erzielte er durch eine perfekte Fokussierung des Tones eine Durchschlagskraft, die ihn befähigte selbst Partien wie Radames, Manrico, und Canio ständig im Repertoire zu führen. Jürgen Kesting schreibt in seinem Buch, Die großen Sänger des 20. Jahrhunderts, „Die Stimme war von überragender Qualität. Sie besaß den Eigenreiz eines unverkennbaren silbrigen Timbres und, bei mittlerem Volumen, große Schallkraft und eine wundervolle, leicht ansprechende Höhe. Er konnte H, C und selbst das Cis ansatzlos attackieren. Die Töne kamen wie abgewippt von einem Sprungbrett. Die Skala war ebenmäßig, die Registerverblendung bruchlos. Vor allem das strahlende Mittelstimmregister mit dem kopfigen Klanggepräge war exemplarisch entwickelt“. Dem ist nichts hinzuzufügen.  IOCO / AB

Berlin, Philharmonie Berlin, Dmitri Hvorostovsky – Willkommen wieder in Berlin!, IOCO Kritik 24.10.2016

Oktober 31, 2016 by  
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Berliner Philharmonie Foto: © Reinhard Friedrich / Berliner Philharmoniker

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Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

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Dmitri Hvorostovsky – Willkommen wieder in Berlin! 24.10.2016

Nach einer längeren Abwesenheit aus Deutschland trat der sibirische Starbariton Dmitri Hvorostovsky wieder an der Berliner Philharmonie auf, der dritten Station seiner kurzen Konzerttournee durch Deutschland, neben Frankfurt, Stuttgart und München.

Herzlichst wurde er vom Publikum – zum großen Teil auch aus russischen Mitbürgern bestehend – aufs herzlichste empfangen und präsentierte ein großartiges Programm aus russischer und italienischer Musik, begleitet vom Orchester der Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg unter dem Dirigat von Constantine Orbelian.

Nach einem energiegeladenen Auftakt mit der Ouvertüre zur Oper „Ruslan und Ludmilla“ von dem russischen Komponisten I. Glinka, erschien dann, mit stolzer Haltung und seinem strahlend weißem Haar, der Star des Abends. Im ersten – russischen – Teil des Programms, bot er seinem Publikum fünf überwiegend weniger bekannte Opernarien der Komponisten Mussorgski, Rubinstein, Tschaikowski, Rachmaninow und Borodin, mit dazwischen noch zwei weiteren rein musikalischen Einlagen; dem „Tanz der Narren“ aus „Schneeflöckchen“ und der Polonaise aus „Eugen Onegin“, beide von Tschaikowski.

Mit gewohnter musikalischer Professionalität und stimmlicher Ausdruckskraft gestaltete er alle gesanglichen Werke in seiner heimatlichen Sprache, wobei zwei besonders hervorzuheben sind: Die Arie des Grafen Tomskij aus der Oper „Pique Dame“ von Tschaikowsky die er voller Hingabe sowie auch die Arie aus „Aleko“ von Rachmaninow, die letztere in Intensität noch überbot.

Mit der Arie „Resta immobile“ aus dem Rossinianischen „Wilhelm Tell“ wurde nach

Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

Philhamonie Berlin / Dmitri Hvorostovsky © Studio / BA Management GmbH

der Pause der zweite, italienische Teil des musikalischen Abends eingeleitet, gefolgt von den Arien aus Verdis Oper, „Der Troubadour“, „Don Carlos“ und „Rigoletto“, aus der er die packende Arie „Cortigiani, vil razza dannata“ voller Inbrunst sang. Zwischen den Arien spielte das Orchester der Russischen Kammerphilharmonie zwei weitere Höhepunkte der italienischen Opernmusik; das Orchestervorspiel zum 3. Akt aus „Ein Maskenball“ von Verdi und das berühmte Intermezzo aus dem Meisterwerk des italienischen Verismus „Cavalleria Rusticana“.

Bisher hatte weder das Orchester noch die Leitung des russisch/armenischen Dirigenten, mit seinen gehetzten Tempi wirklich ganz überzeugen können, doch das Intermezzo gestaltete sich zu einem gefühlvollen Hochgenuss.

Mit enthusiastischem Applaus und Blumensträußen belohnte das Publikum, insbesondere die treuen Fans, den Weltstar-Bariton, der als einzige Zugabe das weltbekannte russische Volkslied „Ochi chornyje“ („Schwarze Augen“) von Nikolai Kalinin, wie immer mit großer Leidenschaft und Hingabe sang und so sein Berliner Konzert beendete.

Zusammenfassend sei gesagt, dass es ein sehr schöner musikalischer Abend mit wunderbarer Musik, einem sehr herzlichen Publikum und einem großen Sänger war, bei dem, abgesehen von der wundervollen, männlichen, warmgefärbten Baritonstimme, auch nie an musikalischer Professionalität und Bühnenpräsenz fehlt, jedoch man insgesamt seine übliche Ausstrahlung etwas vermisste und man ihm die Anstrengung ansehen und anhören konnte. Zur Erklärung muss an dieser Stelle erinnert werde, dass sich Dmitri Hvorostovsky seit dem Sommer 2015 wegen einer schweren Krankheit in ärztlicher Behandlung befindet und sich auch noch kurz vor dieser Tournee einer weiteren Chemotherapie unterziehen musste. Es ist somit besonders bewundernswert, welche gesangliche Qualität und wie viel Ausdruck er dank seines starken Willens und großen Energieeinsatzes an diesem Abend trotzdem vorführen konnte. Chapeau Herr Hvorostowsky – und die aller besten Wünsche!

IOCO / G.G. / 24.10.2016

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Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Premiere Aida von Giuseppe Verdi, 29.10.2016

Oktober 25, 2016 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

 Aida von Giuseppe Verdi

Eröffnungspremiere: 29. Oktober 2016

Giuseppe Verdi kann selbst aus einem letzten Lebenshauch ein Duett komponieren, das sein Publikum über Generationen in Atem hält. Die Geschichte der schönen Sklavin, die sich in Zeiten des Krieges gegen das eigene Volk nach der Liebe des Kriegsführers sehnt, versteht Regisseur Roger Vontobel als zeitlose Parabel über die Reibung zwischen individuellen Bedürfnissen und gesellschaftlichen Notwendigkeiten. Feinde und Freunde tragen hier wechselnde Masken, zwischen Ritus, Gemeinschaft, Exzess und Gewalt gibt es keine Macht, die das Chaos lichten könnte. Nicht allein im exotisch fernen Ägypten, sondern überall auf der Welt ereignet sich Aidas Tragödie, und so kann es kein Zufall sein, dass das Werk während der faschistischen Angriffskriege gegen Abessinien von Mussolini verboten wurde.

Nationaltheater Mannheim / Aida - Miriam Clark © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Aida – Miriam Clark © Hans Jörg Michel

Eine Geschichte der Ausgestoßenen erzählt Roger Vontobel in seiner Inszenierung von Verdis Aida und lässt ein Räderwerk der Machtspiele verhängnisvoll ineinandergreifen – die Maschinerie dieser Oper wird zur Metapher der Macht. Gemeinsam mit Bühnenbildner Palle Christensen und Kostümbildnerin Nina von Mechow schafft Vontobel eine Welt, die uns seltsam vertraut und zugleich völlig entrückt ist. Eine Welt, in der der Klang einer erstickenden Stimme so schön sein kann wie das Gefühl, zum ersten Mal verliebt zu sein. – Mit der Premiere von Aida feiert Alexander Soddy seinen Einstand als neuer Generalmusikdirektor des NTM.

Am 29. Oktober 2016 feiert seine Interpretation am NTM Premiere, die zugleich die Eröffnung der Opernsparte unter der neuen Leitung von Intendant Albrecht Puhlmann ist. Am Pult des Nationaltheater-Orchesters gibt Mannheims neuer Generalmusikdirektor Alexander Soddy seinen Einstand.

Neu im Sängerensemble ist außerdem Miriam Clark, die die Titelpartei singt. Als ihr Geliebter Radames ist Rafael Rojas (Gast) zu erleben, ihre Gegenspielerin Amneris ist Heike Wessels, Amonasro wird von Jorge Lagunes gegeben, Oberpriester Ramphis von Sung Ha, der ägyptische König von John In Eichen und Tempelsängerin und Bote sind Nikola Hillebrand und Pascal Herington (Opernstudio).

Musikalische Leitung: Alexander Soddy Inszenierung: Roger Vontobel Bühne: Palle Christensen Kostüme: Nina von Mechow Licht: Mikael Sylvest Dramaturgie: Albrecht Puhlmann / Julia Warnemünde Choreinstudierung: Dani Juris. PMNTMh

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