Dortmund, Konzerthaus Dortmund, Liederabend Piotr Beczala, IOCO Kritik , 07.06.2016

Juni 9, 2016 by  
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Konzerthaus Dortmund

Liederabend:  Piotr Beczala, Tenor – Sarah Tysman, Klavier

Zwischen Opernauftritten in aller Welt kam der sympathische polnische Tenor Piotr Beczala für einen Liederabend ins Dortmunder Konzerthaus. Es wurde ein hoch befriedigender, heftig umjubelter Konzertabend.

Den so gefeierten Tenor kennen die meisten seiner zahlreichen Verehrer als hochkarätigen Opernsänger, der unter anderen in Werken von Verdi, Massenet, Donizetti und aktuell Wagner, begeistert.

Konzerthaus Dortmund / Piotr Beczala © Kurt Pinter

Konzerthaus Dortmund / Piotr Beczala © Kurt Pinter

Der in Südpolen geborene Beczala wurde an der Musikakademie Kattowitz von Pavel Lisitian und Sena Jurinac ausgebildet. Er debütierte am Landestheater im östreichischen Linz und ging dann 1997 ins Engagement nach Zürich. Sehr schnell wurde die Musikwelt auf ihn aufmerksam. Schon 1997 sang er den Tamino in Mozarts “Zauberflöte“ bei den Salzburger Festspielen.

Er eröffnete seinen Dortmunder Liederabend mit der “Dichterliebe“ von Robert Schumann. Der Sänger bestach zuerst mit seiner wirklich schönen, klangvollen Stimme und dann durch seine enorme Sprachpräsenz.

Von diesen 16 wunderbaren Heine-Texten, mit der zu Herzen gehenden Musik Schumanns, muss man jedes Wort verstehen können. Das war hier der Fall. Wie Beczala die Lieder aus dem Geist der Musik gestaltete, ohne dem Text dabei etwas zu nehmen, kann man nur meisterhaft nennen. Freud und Leid, alle Emotionen des liebenden Poeten, wurden mit größter Farbigkeit und vokaler Üppigkeit, glaubhaft vermittelt.

Nach der Pause sang der Tenor sechs Lieder seines polnischen Landsmannes Mieczyslaw Karlowicz (1876-1909). Es sind ausdrucksstarke Gesänge, emotionsgeladen und mit eingängiger Melodik. Auch hier war jedes Wort zu verstehen (wie mir meine charmante polnische Konzert-Begleitung versicherte).

Tschechisch ging es weiter im Programm. Der Tenor sang die “Zigeunermelodien, op. 55“ von Antonin Dvorak. Es sind effektvolle Lieder, die das Zigeunerleben romantisch verklären. Beczala konnte hier wieder mit allen schon genannten Attributen prunken.

Zum Schluss des Programms erfreute der Sänger mit vier Liedern des russischen Komponisten Sergej Rachmaninow. Sie entstanden in den Jahren 1893 bis 1902, also in der mittleren Schaffensperiode des Komponisten. Es sind melancholische Lieder. Es geht um Heimat, Träume, Erinnerungen und Sehnsüchte. Beczala vermittelte das alles mit optimaler vokaler Präsenz und empfindsamer Aussage.

Nicht unwesentlichen Anteil an diesem außerordentlichen Abend hatte die wunderbare französische Liebegleiterin des Sängers, Sarah Tysman. Sie studierte Klavier und Kammermusik am Conservatoire National in Paris und Liedbegleitung bei Hartmut Höll an der Hochschule für Musik in Karlsruhe. Sie war dem Sänger eine hochsensible Partnerin. An diesem Abend in Dortmund erlebte man eine partnerschaftliche Darstellung, die vom ersten bis zum letzten Ton fesselte.

Das Publikum war ziemlich aus dem Häuschen und erklatschte sich vier Zugaben: Leoncavallos “Mattinata“, “ Still wie die Nacht“ von Bohm, “Zueignung“ von Strauss, sowie das neapolitanische “Catari“.     IOCO / UGK / 07.06.2016

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Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Premiere FALSTAFF von Giuseppe Verdi, 25.06.2016

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Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

  FALSTAFF  von Giuseppe Verdi

Premiere 25. Juni 2016 um 19:30 Uhr  // zwei weitere Vorstellungen am 1. & 6. Juli jeweils um 19:30 Uhr

»Nachdem wir Schreie und Klage im menschlichen Herzen geweckt haben, werden wir mit berstendem Gelächter schließen!«, ermunterte Arrigo Boito den bereits Mitte 70-jährigen Giuseppe Verdi, ihr letztes und großartigstes gemeinsames Projekt in Angriff zu nehmen.

Am Hessischen Staatstheater Wiesbaden kehrt die lyrische Komödie Falstaff in einer Neueinstudierung mit gänzlich neuer Sängerbesetzung für wenige Vorstellungen wieder auf den Spielplan zurück. Von der Mailänder Scala, wo er an der Seite von Anna Netrebko in Verdis Giovanna d’Arco sang, kommt der italienische Bariton Devid Cecconi, um seinen ersten Falstaff zu singen. Am Pult des Hessischen Staatsorchesters ist nach Otello noch einmal der Brite Leo MacFall zu erleben, Gewinner des Deutschen Dirigentenpreises 2015. In weiteren Rollen des großen Ensemblestücks singen Gary Griffiths (zuvor Graf Almaviva in »Die Hochzeit des Figaro«) als Ford, Gustavo Quaresma (junger Graf in »Die Soldaten«) als Fenton, Sonja Gornik als Alice Ford, Katharina Konradi (zuletzt Morgana in »Alcina«) als Nannetta. Eberhard Lorenz ist Dr. Cajus, Romina Boscolo (aktuell Curra / Preziosilla in »Die Macht des Schicksals«) ist Quickly, Celeste Haworth (Charlotte in »Die Soldaten«) ist Meg Page. Cornel Frey (Deutsche Oper am Rhein) und Florian Kontschak übernehmen das komödiantische Dienerpaar Bardolfo und Pistola.

Musikalische Leitung Leo McFall Inszenierung Christian Spuck Bühne & Kostüme Emma Ryott Licht Klaus Krauspenhaar Chor Albert Horne Dramaturgie Bodo Busse

Sir John Falstaff Devid Cecconi,  Ford Gary Griffiths,  Fenton Gustavo Quaresma Dr. Cajus Eberhard Lorenz Bardolfo Cornel Frey Pistola Florian Kontschak, Alice Ford Sonja Gornik, Nannetta Katharina Konradi Mrs Quickly Romina Boscolo Meg Page Celeste Haworth, Chor & Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden
Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Cottbus, Staatstheater Cottbus, Premiere – DON CARLOS von Giuseppe Verdi, 16.04.2016

April 12, 2016 by  
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Staatstheater Cottbus

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

Staatstheater Cottbus © Marlies Kross

DON CARLOS (Don Carlo)  von Giuseppe Verdi

Premiere: Samstag 16. April 2016, 19.30 Uhr,  weitere Vorstellungen 26.4.2016; 12.5.2016; 2.6.2016; 10.6.2016

Oper in vier Akten und einem Vorspiel von Giuseppe Verdi nach dem Drama von Friedrich Schiller Libretto von Josephe Méry und Camille du Locle, Italienischer Text von Antonio Ghislanzoni, In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Nach einem knappen Jahrhundert ist Giuseppe Verdis komplexe und dramatische Oper DON CARLOS wieder am Staatstheater Cottbus zu erleben. Nach dem Drama von Friedrich Schiller gestaltet Verdi das Räderwerk eines erbarmungslosen Apparates, das Menschen und deren Träume deformiert.

Cottbus / Staatstheater DonCarlos © Marlies Kross

Cottbus / Staatstheater DonCarlos © Marlies Kross

Das Staatstheater hat sich für eine Version der Oper entschieden, die in italienischer Sprache (mit deutschen Übertiteln) gesungen wird und auf der fünfaktigen Pariser Urfassung von 1867 gründet, jedoch mehrere Kürzungen vornimmt. Der erste Akt wurde hier zu einem kurzen Vorspiel verknappt. Die Figur Karl V. und mit ihr das Metaphysische der Handlung ist eliminiert, ein namenloser Mönch singt musikalische Passagen dieser Partie.

Unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Evan Christ und im Bühnenbild von Walter Schütze (Kostüme: Nicole Lorenz) inszeniert Intendant Martin Schüler den Konflikt zwischen absolutistischer Machtanmaßung und dem Recht auf persönliche Freiheit.

Drei junge Menschen versuchen, ihre Lebensbestimmung zu finden – Don Carlos (Jens Klaus Wilde), Prinzessin Elisabeth (als Gast: Stella Motina) und der Marquis von Posa (Andreas Jäpel) – und scheitern auf unterschiedliche Art und Weise. Aber am Anfang der Oper (Vorspiel) leuchtet für einen Moment utopisch auf, wie die Welt beschaffen sein könnte: In der Liebe von Elisabeth und Carlos und ihrer Freundschaft zu Posa liegt die Chance einer Übereinstimmung von Politischem und Persönlichem, die Möglichkeit, eine Gesellschaft menschlich zu gestalten. Doch das autoritäre System der weltlichen und geistlichen Macht zerstört diese Utopie mit brutaler Gewalt.

Neben den Damen und Herren des Opernchores und des Extrachores (Einstudierung: Christina Möbius) singen in dieser personenintensiven Oper weiterhin u.a. Marlene Lichtenberg (Prinzessin Eboli) und Jörn E. Werner (Großinquisitor). Für die Partie des Königs Philipp II. konnte Tilmann Rönnebeck  als Gast von der Semperoper gewonnen werden. Es spielt das Philharmonische Orchester.

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Pressemeldung Staatstheater Cottbus

Essen, Aalto Musiktheater, AIDA von Giuseppe Verdi: 27 Jahre Kult, IOCO Aktuell, 03.02.2016

März 4, 2016 by  
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Aalto Theater Essen

Aalto-Theater-Essen © IOCO

Aalto-Theater-Essen © IOCO

AIDA – Farbenfrohe Abkehr von Pompösem

Essen / Aalto-Theater AIDA © Hamza Saad

Essen / Aalto-Theater AIDA © Hamza Saad

AIDA ist große Oper, Giuseppe Verdi einzigartiger Komponist. Nicht nur in Verona besitzt AIDA Kultstatus, auch im Aalto-Theater in Essen. In Verona inspiriert seit 100 Jahren die vom feinsinnigen ägyptischen Vizekönig Khedive Ismail Pasha in Auftrag gegebene klassische Volksoper AIDA. Ismail Pasha beauftragte Verdi 1870 für den astronomischen Betrag von 150.000 Goldfranken eine wahrhaft ägyptische Volksoper schreiben. Das Szenarium stammt von Auguste Mariette, Leiter der ägyptischen Antikenverwaltung, und, unbewiesen, aus einer alt-ägyptischen Papyrusrolle. Verdi jedenfalls schwärmt von seiner Ägyptenreise, als ihn die heiße Sonne inspirierte, die „glutvolle Thematik und das eigentümliche Wesen ägyptischer Volksweisen“ mit italienischem Belcanto-Kolorit zu füllen.

Essen / Aalto -Theater AIDA © Hamza Saad

Essen / Aalto -Theater AIDA © Hamza Saad

Dietrich Hilsdorfs inszenierte diese AIDA  in Essen bereits 1989. Dort wurde sie zu Kult und reizt auch 2016 mit grandioser Beleuchtung, farbenreicher Vielschichtigkeit und der Abkehr von Monumentalem. Eine modern-gefällige Anti-Kriegs-Sicht bietet Hilsdorf im Programmheft, wenn er die Handlung, wenig Verdi-treu, mit heutiger Rhetorik beschreibt: Ramphis facht dort „die kriegshetzerische Stimmung an“, „Vernichtungsauftrag wird in einem religiösen Akt abgesegnet“…. Doch mit farbig faszinierenden Bühnenbildern (Johannes Leiacker), auffälligen Lichteffekten und dunklen Schattenstrukturen (Jürgen Nase) verlässt Hilsdorf  allzu flachen Populismus und verleiht Verdis Belcanto-Oper einen lebendig differenzierenden Geist der heutigen Zeit. Hilsdorfs bleibende Neigung, Verdis AIDA mit Anti-Kriegs-Pathos zu verkleiden zeigt auch seine Bonner AIDA Inszenierung aus 2014.

Essen / Bühnenprospekt AIDA © IOCO

Essen / Bühnenprospekt AIDA © IOCO

Mit Beginn der Vorstellung stimuliert den Besucher bereits die Bildsprache eines riesigen  in weichen Farben gemalten Bühnenprospekts (Bild). Wüste, Pyramiden, Schilf und Palmen bilden sich darauf im sommerlichen Sonnenuntergang ab. Zu den zarten Lauten der Ouvertüre wandeln am Bühnenrand  Aida und Amneris in Prachtgewändern. Mit dem folgenden ersten Akt wird der Prospekt durch Lichteffekte durchsichtig, gibt dem Bühnebild mit aufregenden Schattenbildern lebendigen Charakter, wird zur Trennlinie von Liebe und Krieg. In einem großen einsichtigen Raum konspirieren planen Radames, Priester, Krieger. Hypnotische Faszination erzeugt auch das zweite Bild,  im welchem Radames das heilige Schwert erhält und den Gott Ptha den Feldzug segnen läßt.

Essen / Aalto Theater AIDA © Hamza Saad

Essen / Aalto Theater AIDA © Hamza Saad

Der kompositorisch einzigartige Triumph-Marsch, ein Höhepunkt von AIDA, verfällt in Hilsdorfs Inszenierung leider zum anbiedernden Anti-Kriegsplüsch. Zu großartigen Orchesterklängen und  AIDA-Trompeten defilieren nicht huldigende Kämpfer vor dem König. Stattdessen danken Priester aus den Rängen des Theaters, tanzen die Töchter gefallener Kämpfer RingelReihe, weihen Witwen ihre Kinder dem Krieg, feiern Industriemanager den Krieg, grüßen Veteranen mit Krücken, Jungfrauen überreichen dem König….. Zwei coole „Memphis Twins“ vertreiben tanzend Sorgen, dass Krieg doch etwas Schlechtes sein könnte. Texte, in Verdis Libretto nicht zu finden, sind gut gemacht und stärken die Authentizität der Bühnenhandlung als legitime Freiheiten moderner Inszenierungen. Mitreißend das letzte, sich im Unendlichen verlierende Bühnenbild, in welchem Aida mit ihrer Pace-Arie in dämonisch beklemmendem Halbdunkel Frieden für Radames und sich beschwört.

Das erfahrene Aalto-Ensemble meistert die hohen Anforderungen der Oper glänzend: Kelebogile Besong verleiht der vielschichtigen Partie der Aida mit romantisch-lyrischem Sopran, von zarten Piani hin zum dramatischen C einen ungewöhnlich reizvollen elegischen Klang; ihre Arie „O patria mia“ war ein Höhepunkt des Abends. Helena Zubanovich begegnet als Amneris dem lyrischen Duktus ihrer Gegenspielerin mit kultiviert dramatischem Mezzo.

Essen / Aalto Theater AIDA © Hamza Saad

Essen / Aalto Theater AIDA © Hamza Saad

Gaston Rivero gestaltet den Radames sicher mit verblüffend heller Tenorkraft. Die fordernde, frühe „Antrittsarie“ Celeste Aida meistert Rivero sicher und wohltimbriert, mitsamt des darin so gefürchteten hohen B. Tijl Faveyts ist als Hohepriester Ramfis ist mit schwerem Bass ebenso präsent wie Heiko Trinsiger mit wohlklingem Bariton als Amonasro und, aus den Rängen, Baurzhan Anderzhanov als König–Pharao. Yannis Pouspourikas leitet die Essener Philharmoniker mit gefühlsreicher Intensität. Zur zentralen Triumphszene des 2. Aktes gelingt Pouspourikas die komplexe Interaktion von Bühne und den in den Rängen des Aalto-Theaters verteilten großen Chöre (Patrick Jaskolka). So verbindet sich der Klangreichtum Verdis mit dem Bühnengeschehen und wird zu einem homogenen Gesamtwerk.

AIDA im Aalto-Theater, 1989 erstmals inszeniert, ist auch 2016 hochmodern, ansprechend und faszinierend. Ensemble, Chöre und Orchester wurden von den Besuchern lange und laut gefeiert.

IOCO / Viktor Jarosch / 04.04.2016

AIDA im Aalto-Theater: Weitere Vorstellungen am 1. Juli 2016, 10. Juli 2016

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