Berlin, Deutsche Oper, Le Prophète von Giacomo Meyerbeer, IOCO Kritk, 31.12.2017

Januar 1, 2018 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

 Le Prophète von Giacomo Meyerbeer

Die politische Oper der Stunde – Anatomie der Rebellion

Von Hanns Butterhof

Giacomo Meyerbeer Grabstätte in .... © IOCO

Giacomo Meyerbeer Grabstätte in …. © IOCO

Giacomo Meyerbeers rebellionskritische Oper „Le Prophète“ von 1849 bildet an der Deutschen Oper Berlin den strahlenden Abschluss des auf drei Spielzeiten angelegten Meyerbeer-Zyklus‘, der mit mit „Vasco da Gama“ und „Die Hugenotten“ begonnen hatte. Die Regie von Olivier Py hebt das politische Element der Oper hervor und widmet ihr eindringliche Bilder, ohne dabei voll zu überzeugen. Mehr als die präzise musikalisch und szenisch beschriebenen Umstände des Aufstiegs und Falls des Täufer-Königs Jean de Leyde bewegt die Beziehungsgeschichte zwischen ihm seiner Mutter Fidès.

Die Berliner Aufführung des „Prophète“ verlagert die von Meyerbeers Librettisten Eugène Scribe und Émile Deschamps sehr frei behandelte Geschichte des Münsteraner Täuferreichs aus dem 16. Jahrhundert in eine ortsunspezifische Gegenwart. Vor grauen Vorortshochhäusern und in heutigen Kostümen (Ausstattung: Pierre-André Weitz) entrollt sich das Tableau einer blutigen Rebellion gegen eine nicht näher bestimmte Unterdrückung. Sie nimmt ihren Anfang, als Arbeiter begierig die Propaganda dreier missionierender Wiedertäufer aufnehmen, die ihnen soziale Gleichheit, das Recht zu Plünderungen und den Sieg über die Adelsmacht versprechen.

Die zeigt sich in Person des arroganten Grafen Oberthal (Seth Carico), der sich von seinen schwer bewaffneten Bodyguards bedienen und von einer Leibeigenen, ohne sie wahrzunehmen, die Schuhe polieren lässt. Es ist Berthe (Elena Tsallagova), die zur Hochzeit mit dem örtlichen Schankwirt Jean de Leyde die Genehmigung des Grafen benötigt. In seiner Audienz, die er, etwas schäbig, vom Dach eines Mercedes herab hält, verweigert er Berthe diese Erlaubnis und vergewaltigt sie erst im Wagen, dann auf dessen Heck, bevor er sie ganz auf sein Schloss entführt.

Inzwischen haben die Missionare die Ähnlichkeit des Schankwirts mit einem in Münster verehrten Bildnis König Davids erkannt und ihn vergeblich bewogen, als ihr Prophet nach Münster zu ziehen und dort ihr König zu werden. Erst als Oberthal Jean zwingt, ihm die aus dem Schloss geflüchtete Berthe auszuliefern, weil er sonst seine Mutter töten lässt, entschließt er sich dazu, auf das Angebot der Wiedertäufer einzugehen und Rache am Grafen zu nehmen. Das gelingt, wohl auch mit Hilfe der aufgewiegelten Menge; vor rauchenden Trümmern des Mercedes und des Schlosses, die aber auch die Mauern des bestürmten Münsters sein können, zeigt sich Jean de Leyde als Führer seiner Soldateska.

Deutsche Oper Berlin / Le Prophete - hier Audienz mit Wiedertäufern, Noel Bouley, Dickinson, Seth © Bettina Stöß

Deutsche Oper Berlin / Le Prophete – hier Audienz mit Wiedertäufern, Noel Bouley, Dickinson, Seth © Bettina Stöß

Eindringlich macht der vor allem im Heldischen glänzende Tenor Gregory Kunde die Wandlung Jeans vom Darsteller der Prophetenrolle hin zum Glauben an seine Berufung zum Propheten deutlich. Ihm wächst der Glaube vor allem in der großen Szene zu, in der er erfolgreich seiner bereits geschlagenen und meuternden Truppe den Sieg prophezeit, wenn sie unter seiner Führung erneut gegen Münsters Mauern anstürmt. Es scheint, als seien es die sinistren Wiedertäufer, die ihm weitere Gelegenheiten verschaffen, seinen Glauben an die eigenen übernatürlichen Fähigkeiten zu stärken. Als er bei seiner Krönungsmesse im Dom zu Münster durch Handauflegen nicht nur Lahme wieder gehen und Blinde wieder sehen macht, sondern auch noch einen Toten zum Leben erweckt, sieht man nur, dass sie es sind, die den Darstellern dieser Wunder ihren Lohn zustecken.

Deutsche Oper Berlin / Le Prophete - hier Jean de Leyde wird zum König gekrönt, Gregory Kunde und Chor © Bettina Stöß

Deutsche Oper Berlin / Le Prophete – hier Jean de Leyde wird zum König gekrönt, Gregory Kunde und Chor © Bettina Stöß

Jean ist ihre Marionette, deren sie sich bedienen, um ihren weltlichen Gelüsten unter frommen Vorwänden ausgiebig nachgehen zu können. Erst als sie Jean zu Gottes jungfräulich geborenem Sohn ausrufen und ihn mit vorgehaltener Waffe dazu zwingen, seine Mutter zu verleugnen, wird ihm seine Hybris und die Rolle bewusst, die er im Machtspiel der Wiedertäufer innehat. Zu spät entschließt er sich, seinem Königtum und dem Täufertreiben ein Ende zu setzen.

Unvermutet taucht bei einer szenisch nicht zu Ende geführten Hochzeit zum Ende hin Jeans Verlobte Berthe wieder auf. Elena Tsallagova füllt die kleine Rolle koloraturensicher mit klarem, in den Höhen etwas spitzem Sopran einnehmend aus und harmoniert dabei vorzüglich mit dem variablen Mezzo von Clémentine Margaine als Jeans Mutter Fidès. Während Berthe letztlich nur noch dazu da ist, um Jean mit dem notwendigen Pulver für die Sprengung von Münsters Stadtschloss mitsamt seinen Täufern zu versorgen, wächst Fidès eine entscheidende Funktion zu. Ihr lebensvoller Gesang steht in genauestem Gegensatz zum falschen Glaubenspathos der Täufer, das diese besonders in der pompösen Krönungsszene mit ihrem kirchenliedartigem „Ad nos, ad salutarem undam“ entlarvt. Fidès verkörpert stimmlich glaubwürdig die konservative Alternative zur selbstermächtigten, sich aber auf höhere Mächte berufenden Rebellion. So leicht, wie er den Täufern folgte, folgt Jean nun seiner Mutter, die ihm für seine Reue Vergebung im Himmel verspricht.

Meyerbeers „Le Prophète“ endet restaurativ, das Schlussbild gleicht dem Beginn. Graf Oberthal steht wieder auf dem Podest, auf dem die Geburts- und Todesdaten Jean de Leydes eingraviert sind, und lässt sich von den Bodyguards bedienen. All die viele Gewalt hat nichts an den Verhältnissen geändert, und fast könnte man meinen, das sei auch gut so.

Deutsche Oper Berlin / Le Prophete - hier Der Prophet muss seine Mutter verleugnen, Noel Bouley, Gregory Kunde , Derek Welton und Clémentine Magaine © Bettina Stöß

Deutsche Oper Berlin / Le Prophete – hier Der Prophet muss seine Mutter verleugnen, Noel Bouley, Gregory Kunde , Derek Welton und Clémentine Magaine © Bettina Stöß

Le Prophète“ ist die Oper der Stunde. Die Figur des Jean de Leyde ist sehr aktuell. Ein letztlich privater Antrieb wächst sich als sich selbst erfüllende Prophezeiung zu dem Glauben aus, zum Tun des allgemein Rechten berufen zu sein. Wenn dann auch noch die Lust hinzukommt, alles zu dürfen, was bislang verboten war – und das zeigt die Regie Olivier Pys überbordend mit schwungvoll choreographierten Kriegsgreueln und Vergewaltigungsexzessen – verstummen auch letzte Selbstzweifel. Wie die Geschichte ist gerade die Gegenwart voll dieser Beispiele, und die Regie hat gut daran getan, sie nicht näher zu konkretisieren, sondern nur genau die allgemeine Anatomie einer Rebellion zu erfassen. In den unverzichtbaren bizarren Ballettszenen wird das Verhältnis von Führer und Mitläufern deutlich. Sie brauchen ihn und seine Berufung auf höhere Mächte, um sich von der Schuld zu entlasten, die sie durch ihr unerhörtes Tun, ihre laufend begangenen Verbrechen auf sich laden.

Dass die Drehbühne fast ununterbrochen kreiselt, wohl um die ewige Wiederkehr des schrecklichen Immergleichen deutlich zu machen, ist eine der störenden Metaphern wie der schweigende Engel mit seinen Sprechblasen-Schildern. In mancher Szene hätte man sich mehr Sorgfalt von der Regie gewünscht. Da verschwinden unmotiviert ganze Menschengruppen, und dass die lieblichen Landfrauen das hungrige Heer der Täufer mit Äpfeln sättigen können, ist nur ein schlechter Witz. Der eigentlich hochspektakuläre Untergang von Münster verpufft als Rotlicht-Spektakel.

Musikalisch ist dieser „Prophète“ reiner Genuss. Die von Jeremy Bines einstudierten Chöre sind voll eindringlicher Wucht, und das Ensemble ist bis in die Nebenrollen hervorragend besetzt, besonders die drei Wiedertäufer Derek Welton als Zacharie, Gideon Poppe als Jonas und Noel Bouley als Mathisen gefallen. Die Tänzerinnen und Tänzer stellen mit ausgiebig präsentierten schönen Körpern ein eindrucksvoll stummes Bild des Täufertreibens dar, haben aber das Pech, dafür nicht nur begeistert beklatscht, sondern mit moralischem Aplomb ausgebuht zu werden.

Enrique Mazzola am Pult des Orchesters der Deutschen Oper Berlin dirigiert sängerfreundlich mit viel Aufmerksamkeit für die Bühne. Die turbulenten, für Meyerbeers Grande Opéra charakteristisch die Oberflächenhandlung beschreibenden Szenen malt er kräftig aus, arbeitet dabei aber auch fein das Schräge, Unwahre am Geschehen heraus, wenn etwa der tänzerische Rhythmus nicht zum frommen Gehalt passt. Ihm, dem Orchester und allen an der Aufführung Beteiligten, vor allem aber Clémentine Magaine galt nach mehr als vier Stunden der begeisterte Beifall des Publikums.

Le Prophéte von Giacomo Meyerbeer: Die nächsten Termine an der Deutschen Oper Berlin: 4.1. 2018 um 18.00 Uhr, 7.1. 2018 um 17.00 Uhr

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Frankfurt, Oper Frankfurt, HIGHLIGHT – SPIELPLAN FEBRUAR 2018

Dezember 5, 2017 by  
Filed under Oper Frankfurt, Pressemeldung, Spielpläne

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

HIGHLIGHTS IM SPIELPLAN DER OPER FRANKFURT IM FEBRUAR 2018


 Frankfurter Erstaufführung ROBERTO DEVEREUX – Konzertant

Tragedia lirica in drei Akten von Gaetano Donizetti

Freitag 2. Februar 2018, Weitere Vorstellung: 4. Februar 2018 um 19.00 Uhr
Preise: € 15 bis 115 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Oper Frankfurt / Roberto Devereux - Giuliano Carella (Musikalische Leitung ) © Agentur

Oper Frankfurt / Roberto Devereux – Giuliano Carella (Musikalische Leitung ) © Agentur

Gaetano Donizetti (1797-1848) gilt als einer der Hauptkomponisten des Belcanto. Roberto Devereux gehört zu seiner sogenannten Tudor-Trilogie, welche Persönlichkeiten aus dem englischen Königsgeschlecht in den Handlungsmittelpunkt stellte. Der Uraufführung des Werkes am 29. Oktober 1837 am Teatro San Carlo in Neapel gingen die für Mailand komponierten Opern Anna Bolena (1830) und Maria Stuarda (1835) voraus. Die geschichtlich verbürgten Fakten dienten dabei jedoch lediglich als Hintergrund für eine operntypische Liebesgeschichte. Nach dem großen Premierenerfolg wurde Roberto Devereux rasch an italienischen Häusern und später auch im Ausland nachgespielt. Donizettis Königinnen-Opern galten lange Zeit als Primadonnen-Vehikel, die in den 1950er Jahren durch Sängerinnen wie Maria Callas und Leyla Gencer sowie später von Beverly Sills dem Vergessen entrissen wurden. Mit den beiden konzertanten Aufführungen erklingt das Werk erstmals in Frankfurt.

Oper Franfurt / Roberto Devereux - Adela Zaharia (Sopran / Elisabeth I.) ©Klaudia Taday

Oper Franfurt / Roberto Devereux – Adela Zaharia (Sopran / Elisabeth I.) ©Klaudia Taday

Die Handlung schildert den tragischen Verlauf der mutmaßlich letzten Liebe von Englands „jungfräulicher Königin“ Elisabeth I. zu Roberto Devereux, dem 2. Earl of Essex. Als bekannt wird, dass dieser neben der Gunst der alternden Monarchin auch die ihrer jungen Hofdame Sara, Ehefrau seines besten Freundes, des Herzogs von Nottingham, genießt, kommt es, angefeuert von einer Intrige des getäuschten Ehemannes, zur Tragödie. An deren Ende verliert Roberto den Kopf auf dem Schafott und die Königin dankt zu Gunsten ihres Neffen Jakob, Sohn Maria Stuarts, ab.

Die musikalische Leitung liegt bei dem Italiener Giuliano Carella, der neben Dirigaten an internationalen Häusern auch regelmäßig in Frankfurt gastiert, so u.a. 2009/10 mit Donizettis Anna Bolena (konzertant). Donizettis Don Pasquale ist an der Staatsoper Stuttgart geplant, wo er zuvor schon u.a. Bellinis I puritani dirigierte. Die rumänische Sopranistin Adela Zaharia (Elisabetta I.) ist seit 2015/16 Ensemblemitglied an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, wo sie u.a. als Donizettis Lucia di Lammermoor Triumphe feierte. 2017 gewann sie den Ersten Preis beim renommierten Operalia-Wettbewerb von Placido Domingo. Juan Jesús Rodríguez (Nottingham) stammt aus Spanien und gilt als ausgewiesener Verdi-Bariton. In der Vergangenheit gastierte er an der New Yorker Metropolitan Opera sowie an den Opernhäusern von Madrid, Rom und Hamburg. Alice Coote (Sara) war bisher regelmäßig an der Oper Frankfurt zu erleben, u.a. als Sesto in Mozarts Titus, Charlotte in Massenets Werther und Marguerite in Berlioz´ Fausts Verdammnis. Zu ihren Stationen zählen viele Engagements an der New Yorker Met, wohin sie bald als Le Prince Charmant in Massenets Cendrillon zurückkehren wird. Im Ensemble der Oper Frankfurt beheimatet ist der aus Guatemala stammende Mario Chang (Roberto Devereux), der in Frankfurt zuletzt als Herzog in Verdis Rigoletto und Lenski in Tschaikowskis Eugen Onegin zu erleben war. Auch Daniel Miroslaw (Gualtiero Raleigh) gehört dem Frankfurter Ensemble an, während Ingyu Hwang (Lord Cecil) Mitglied des Opernstudios war.


Premiere 22. Februar 2018 19.30 Uhr Bockenheimer Depot, weitere Vorstellungen:  24., 26. Februar, 1., 4., 5. März 2018, jeweils um 19.30 Uhr

Premiere / Uraufführung
A WINTERY SPRING – EIN WINTERLICHER FRÜHLING

Dramatisches Lamento in drei Szenen von Saed Haddad (*1972), Kompositionsauftrag der Oper Frankfurt und des Ensemble Modern, In englischer und arabischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere / Szenische Erstaufführung
IL SERPENTE DI BRONZO (DIE BRONZENE SCHLANGE)

Kantate ZWV 61 von Jan Dismas Zelenka, italienisch mit deutschen Übertiteln

Musikalische Leitung: Franck Ollu; Regie: Corinna Tetzel
Mitwirkende A Wintery Spring: Alison King (Sopran), Deanna Pauletto (Alt), Brandon Cedel (Bassbariton)
Mitwirkende Il serpente di bronzo: Cecelia Hall (Egla), Judita Nagyová (Namuel), Brandon Cedel (Dio), Dmitry Egorov (Azaria), Michael Porter (Mose)

Oper Frankfurt / Saed Haddad (Komponist von A Wintery Spring; © Wesam M. Haddad

Oper Frankfurt / Saed Haddad (Komponist von A Wintery Spring; © Wesam M. Haddad

Das dramatische Lamento A Wintery Spring (Ein winterlicher Frühling) des in Jordanien geborenen und seit 2002 in Deutschland lebenden Komponisten Saed Haddad (*1972) setzt sich – ohne eine konkrete Geschichte über den Arabischen Frühling erzählen zu wollen – mit den aktuellen politischen wie sozialen Strukturen und Haltungen im Nahen Osten auseinander, auf der Suche nach Wegen, die Menschen und Traditionen miteinander verbinden könnten. Der Text dieses Kompositionsauftrags von Oper Frankfurt und Ensemble Modern basiert auf Gedichten des libanesischen Schriftstellers Khalil Gibran (1883-1931), dessen zentrale Themen Leben, Tod und Liebe sind. Kombiniert wird das dramatische Lamento mit der szenischen Erstaufführung der Kantate Il serpente di bronzo (Die bronzene Schlange) des böhmischen Barockkomponisten Jan Dismas Zelenka (1679-1745), in der Gott das zweifelnde Volk Israel mit einer Schlangenplage bestraft, so dass es schließlich seine Verfehlungen erkennt.

Oper Frankfurt / Haddads A Wintery Spring (Premiere / Uraufführung) / Zelenkas Il serpente di bronzo - Corinna Tetzel (Regie;) © Qiaochu Sun

Oper Frankfurt / Haddads A Wintery Spring (Premiere / Uraufführung) / Zelenkas Il serpente di bronzo – Corinna Tetzel (Regie;) © Qiaochu Sun

Die musikalische Leitung liegt bei dem französischen Dirigenten Franck Ollu, dessen künstlerische Arbeit ihn bereits seit vielen Jahren eng mit dem Ensemble Modern verbindet. Aktuell dirigiert der Spezialist für Neue Musik einen weiteren Doppelabend, bestehend aus Wolfgang Rihms Das Gehege in Kombination mit Luigi Dallapiccolas I prigioniero am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel sowie im Anschluss an der Staatsoper Stuttgart. Corinna Tetzel (Regie) war der Oper Frankfurt von 2011/12 bis 2016/17 als Regieassistentin verbunden und inszenierte hier u.a. 2015 die Uraufführung von Lior Navoks An unserem Fluss im Bockenheimer Depot. Die Sängerbesetzung besteht fast vollständig aus Mitgliedern des Ensembles und des Opernstudios der Oper Frankfurt, darunter in A Wintery Spring Alison King (Sopran) und Brandon Cedel (Bassbariton) sowie in Il serpente di bronzo Cecelia Hall (Egla), Judita Nagyová (Namuel), Brandon Cedel (Dio) und Michael Porter (Mose). Die kanadische Altistin Deanna Pauletto gibt in der Uraufführung ihr Frankfurter Hausdebüt, während der russische Countertenor Dmitry Egorov (Azaria) hier regelmäßig zu Gast ist, zuletzt als Sorceress in Purcells Dido and Aeneas.


Sonntag, 25. Februar 2018, um 17.00 Uhr im Opernhaus

Premiere / Szenische Frankfurter Erstaufführung
L’AFRICAINE – VASCO DA GAMA

Grand opéra in fünf Akten von Giacomo Meyerbeer, In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Musikalische Leitung: Antonello Manacorda; Regie: Tobias Kratzer
Mitwirkende: Michael Spyres (Vasco da Gama), Claudia Mahnke (Selika), Brian Mulligan (Nelusko), Kirsten MacKinnon (Ines), Andreas Bauer (Don Pedro), Thomas Faulkner (Don Diego), Magnús Baldvinsson (Der Großinquisitor von Lissabon / Der Oberpriester des Brahma), Michael McCown (Don Alvar), Alison King (Anna) u.a.

Oper Frankfurt / L’Africaine - Michael Spyres © Marco Borelli

Oper Frankfurt / L’Africaine – Michael Spyres © Marco Borelli

Weitere Vorstellungen: 2., 11. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 16., 23., 31. März, 2. (15.30 Uhr) April 2018
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 18.00 Uhr
Preise: € 17 bis 165 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Der deutschstämmige Komponist Giacomo Meyerbeer (1791-1864) galt gut hundert Jahre lang als eine der beherrschenden Figuren im europäischen Musiktheater. Sein Name steht geradezu synonym für ein Genre, welches das Repertoire der Pariser Oper seit den späten 1820er Jahren prägte: die Grand opéra. Für deren Stil sind große Chor-Tableaux und weit ausgreifende Ensembleszenen im kontrastreichen Wechsel mit lyrischen Soloszenen kennzeichnend. Zählt man noch die vom damaligen Publikum erwarteten spektakulären technischen Effekte und das Ballett hinzu, kann man die Grand opéra salopp als Vorläufer des heutigen Blockbuster-Kinos bezeichnen. Als Meyerbeer 1864 kurz vor Probenbeginn zu seinem letzten Werk – dem ein Libretto von Eugène Scribe mit dem geplanten Titel Vasco da Gama zugrunde liegt – überraschend starb, wurde die Oper 1865 in Paris mit etlichen Kürzungen und Auslassungen als L’Africaine mit großem Erfolg uraufgeführt. Um die Jahrhundertwende jedoch verblasste Meyerbeers Stern, und Richard Wagners infames Pamphlet Über das Judentum in der Musik sowie später die Nationalsozialisten taten ein Übriges, so dass Meyerbeers Werke von den Spielplänen verschwanden. Erst am 2. Februar 2013 fand in Chemnitz eine Aufführung von L’Africaine statt – nunmehr unter dem französischen Titel Vasco de Gama –, die sich auf das gesamte Material Meyerbeers stützen konnte. Dieses liegt auch der Frankfurter Produktion zugrunde.

Oper Frankfurt / L’Africaine - Claudia Mahnke (Mezzosopran / Selika © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / L’Africaine – Claudia Mahnke (Mezzosopran / Selika © Barbara Aumüller

Zur Handlung: Vasco da Gama träumt von der Entdeckung unbekannter Horizonte, die er für Portugal erobern will. Nachdem ein erster Versuch, das Kap der Guten Hoffnung zu überwinden, gescheitert ist, versagt der Rat der Admiralität ihm jedoch eine weitere Expedition. Dabei kann Vasco mit Selika und Nelusko, zwei in Afrika auf dem Sklavenmarkt gekauften Fremdlingen, kundige Führer vorweisen. Nach unbedachten Äußerungen lässt ihn der Großinquisitor wegen Gotteslästerung in den Kerker werfen. Ines, seine große Liebe, kann ihn nur befreien, indem sie sich auf die von ihrem Vater befohlene Heirat mit Vascos Rivalen Don Pedro einlässt. Als dieser mit Ines zu einer weiteren Entdeckungsreise aufbricht, folgt Vasco ihm mit einem eigenen Schiff. Am Ziel, im ersehnten fernen Land, werden die Portugiesen von feindlichen Kriegern überwältigt. Den Eindringlingen droht der Tod. Selika, die ehemalige Sklavin, entpuppt sich als Königin ihres Volkes. Sie gibt Vasco als ihren Gatten aus und rettet ihn auf diese Weise. Doch weil sie spürt, dass er Ines nie vergessen wird, entsagt sie ihrer Liebe. Sie ermöglicht den beiden die Flucht und wählt den Freitod unter dem giftigen Manzanillo-Baum.

Für die musikalische Leitung kehrt Antonello Manacorda nach Mozarts Don Giovanni (2016/17) zurück nach Frankfurt. Der Italiener ist u.a. seit 2010 als Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam engagiert. Regisseur Tobias Kratzer hat sich bereits ausgiebig mit dem Werk Meyerbeers auseinandergesetzt und inszenierte u.a. Les Huguenots in Nürnberg (2014) und Nizza (2016) sowie Le Prophète in Karlsruhe (2016). Die Stimme des amerikanischen Tenors Michael Spyres (Vasco da Gama) ist prädestiniert für die exponierten Partien der Grand opéra. Neben seinem Debüt an der Oper Frankfurt sind 2017/18 zudem Engagements an der Metropolitan Opera in New York, der Opéra national de Paris und der Wiener Staatsoper geplant. Auch Brian Mulligan (Nelusko) ist Amerikaner und war hier zuletzt 2016/17 als Golaud in Debussys Pelléas et Mélisande sowie 2017/18 als Luna in Verdis Il trovatore zu Gast. Seine Landsfrau Kirsten MacKinnon (Ines) war Schülerin am Curtis Institute of Music in Philadelphia und wird ab der Saison 2018/19 den Sängerstamm der Oper Frankfurt verstärken. Ensemblemitglied Claudia Mahnke (Selika) gastierte kürzlich als Kundry in Wagners Parsifal an der Hamburgischen Staatsoper. Alle weiteren Partien sind mit Mitgliedern des Ensembles und Opernstudios besetzt.


Oper Frankfurt / Rigoletto - Brenda Rae (Gilda) © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Rigoletto – Brenda Rae (Gilda) © Monika Rittershaus

Samstag, 3. Februar 2018 19.30 Uhr, Weitere Vorstellungen: 9., 11. (15.00 Uhr;  kostenlose Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 11. (19.30 Uhr), 17., 24. Februar, 1., 4. (15.30 Uhr; kostenlose Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 8. März 2018

Erste Wiederaufnahme
RIGOLETTO  von Giuseppe Verdi

 
Musikalische Leitung: Alexander Prior / Simone Di Felice; Regie: Hendrik Müller
Mitwirkende: Franco Vassallo / Željko Lucic (Rigoletto), Brenda Rae / Sydney Mancasola (Gilda), Yosep Kang / Mario Chang (Der Herzog von Mantua), Kihwan Sim / Daniel Miroslaw (Sparafucile), Maria Pantiukhova / Katharina Magiera (Maddalena), Nina Tarandek (Giovanna), Magnús Baldvinsson (Graf von Monterone), Mikocaj Tribka / Iurii Samoilov (Marullo), Michael McCown / Ingyu Hwang (Borsa), Iain MacNeil (Graf von Ceprano), Bianca Andrew / Julia Dawson (Gräfin von Ceprano) u.a.

Oper Frankfurt / Rigoletto - Brenda Rae (Gilda) © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Rigoletto – Brenda Rae (Gilda) © Monika Rittershaus

Giuseppe Verdis Rigoletto als bewegendes, tiefschwarzes Opernereignis in Frankfurt“ titelte die Fuldaer Zeitung nach der Premiere am 19. März 2017, und tatsächlich hatte man in der Hofgesellschaft von Mantua vermutlich selten so verruchte, jedoch gekonnt geführte Individuen erblickt wie in dieser Produktion. Und deshalb konstatierte der Rezensent der Frankfurter Rundschau: „Vieles an Hendrik Müllers inszenatorischer Arbeit zeigte sich als überdurchschnittlich ideenreich und sorgfältig, ja geradezu liebevoll realisiert.“ Zudem konnte man in der Rheinpfalz lesen: „Hendrik Müller nutzt alle theatralischen Mittel und spielt mit ihnen. Keine Scheu hat er vor pathetischen Gesten, überstarken Bildern, grellen Effekten. Doch setzt er sie ein, um hinter die Figuren zu blicken.“ Nun erfolgt die erste Wiederaufnahme dieser Produktion, die Rigolettos Handeln als Ausdruck übertriebener und sich dadurch gegen die Protagonisten richtende Religiosität zeigt.

Der Fluch eines Opfers seines Spottes holt den buckligen Hofnarren Rigoletto grausam ein: Zwar gelingt es ihm, die Existenz seiner Tochter Gilda vor dem Herzog von Mantua zu verbergen, aber als der Frauenheld das schöne Mädchen dennoch entdeckt und entehrt, schwört Rigoletto blutige Rache und setzt den zwielichtigen Sparafucile auf ihn an. Als sich auch Sparafuciles Schwester Maddalena in den Herzog verliebt, hintergeht der Mörder seinen Auftraggeber, so dass Rigoletto am Ende – statt über den Herzog zu triumphieren – seine sterbende Tochter in den Armen hält.

Der britische Dirigent Alexander Prior gibt mit der Wiederaufnahme dieser Produktion aus der Spielzeit 2016/17 sein Debüt an der Oper Frankfurt. Der 24-Jährige ist seit dieser Saison Chefdirigent des kanadischen Edmonton Symphony Orchestras. In der Titelpartie kehrt nach seinem Einspringen als Don Carlos in zwei konzertanten Aufführungen von Verdis Ernani 2016/17 Franco Vassallo an die Oper Frankfurt zurück. Der italienische Bariton ist regelmäßiger Gast an allen großen Opernhäusern weltweit und gilt als gesuchter Verdi-Bariton. Zuletzt sang er Ford (Falstaff) und Renato (Un ballo in maschera) an der Münchner Staatsoper, Rodrigo (Don Carlos) in Genua und Carlos (La forza del destino) in Amsterdam. Zudem sind Auftritte als Jago (Otello) an der Hamburgischen Staatsoper geplant. Als Gilda kehrt Brenda Rae in die Produktion, in der sie einen triumphalen Erfolg verbuchen konnte, zurück – nunmehr allerdings als Gast, nachdem sie das Ensemble am Ende der Saison 2016/17 zugunsten ihrer freiberuflichen Karriere verlassen hat. An ihrer Seite steht ein neuer Herzog von Mantua: der koreanische Tenor Yosep Kang gastiert in dieser Partie zudem an der Dresdner Semperoper, gefolgt von der Hamburgischen Staatsoper und der Deutschen Oper Berlin. Als Sparafucile ist nun Ensemblemitglied Kihwan Sim besetzt, der hier kürzlich als Procida in Die sizilianische Vesper brillierte. Gleichfalls aus dem Ensemble stammt Maria Pantiukhova, die nach Auftritten als Olga in Tschaikowskis Eugen Onegin die Partie der Maddalena übernimmt. In den übrigen Partien sind ausnahmslos Sängerinnen und Sänger aus dem Ensemble und dem Opernstudio der Oper Frankfurt besetzt, sowohl mit neuen als auch mit der Produktion bereits vertrauten Namen. Im Wechsel mit Franco Vassallo kehrt Publikumsliebling und Weltstar Željko Lucic für zwei Abendvorstellungen am 11. und 17. Februar 2018 an sein altes Stammhaus zurück, an seiner Seite dann die Ensemblemitglieder Sydney Mancasola (Gilda), der premierenbewährte Mario Chang (Herzog), Daniel Miroslaw (Sparafucile) und Katharina Magiera (Maddalena). Auch hier erscheinen sowohl neue als auch mit ihren Partien bereits vertraute Ensemblesängerinnen und -sänger in den Nebenrollen.PMOFfm

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