Heidelberg, AMADÉ – Heidelberger Kammermusikfestival, IOCO Aktuell, 17.01.2018

Januar 16, 2018 by  
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Heidelberg Impressionen © Uschi Reifenberg

Heidelberg Impressionen © Uschi Reifenberg

Schloss Heidelberg

Hochbegabten Netzwerk AMADÉ – Mitreißende Matinee 

 14.1.2018 –  Heidelberger Kammermusikfestival

Von Uschi Reifenberg

Um den musikalischen Nachwuchs in der Metropolregion Rhein-Neckar muss man sich keine Sorgen machen. Diese Tatsache wurde in einem Konzert des Hochbegabten- Netzwerkes AMADÉ beim Heidelberger Kammermusikfestival am 14. Januar im Prinz Carl Palais eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Das 2004 von der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim gegründete Netzwerk ist ein Zusammenschluss der Musikhochschule Mannheim mit mittlerweile über 30 Musikschulen der Metropolregion Rhein-Neckar von Kaiserslautern bis zum Neckar-Odenwald Kreis. Auch der Kinderchor des Nationaltheaters Mannheim ist Mitglied im AMADÉ Netzwerk.

Heidelberger Schloss / Konzertsaal © Uschi Reifenberg

Heidelberger Schloss / Konzertsaal © Uschi Reifenberg

Eines der erklärten Ziele dieses in Deutschland einmaligen Förderverbundes ist es, hochbegabte junge Musiker gemeinsam zu unterstützen, ohne sie aus ihrem gewohnten musikalischen Umfeld zu reißen. Die Musikschulen melden ihre besten Schüler im Netzwerk – eine Auszeichnung beim Landeswettbewerb „Jugend musiziert“ ist erforderlich – diese werden weiterhin von ihrer Musikschule und den dortigen Lehrkräften unterrichtet. Die Musikhochschule Mannheim bietet Angebote wie kostenlose Meisterkurse, Workshops sowie Auftrittsmöglichkeiten in herausragenden Konzertorten wie dem Rosengarten Mannheim, dem Rittersaal im Mannheimer Barockschloss oder dem Prinz Carl Palais in Heidelberg.

Besonders talentierte junge Musiker haben darüberhinaus die Möglichkeit mit dem Mannheimer Universitätsorchester, welches sich ebenfalls der AMADÉ Förderung angeschlossen hat, diverse Solistenkonzerte zur Aufführung zu bringen. Das AMADÉ Netzwerk umfasst mittlerweile 80 junge Musikerinnen und Musiker im Alter von 11 bis 20 Jahren. Geschäftsführer und Ansprechpartner des Netzwerkes ist Martin Grabow.

Heidelberger Schloss / AMADÉ - Matinee der Hochbegabten im Konzertsaal © Uschi Reifenberg

Heidelberger Schloss / AMADÉ – Matinee der Hochbegabten im Konzertsaal © Uschi Reifenberg

Der Schwerpunkt der Programmgestaltung beim diesjährigen Heidelberger Konzert lag in der Streicher Kammermusik. Solistisch vertreten waren Gitarre, Querflöte, Gesang, Klavier und Klarinette. Die jungen Musiker, allesamt Preisträger diverser Wettbewerbe, überzeugten auf höchstem Niveau. Der erst 11- jährige Geiger Benjamin Shofman gestaltete Bela Bartoks Rumänische Volkstänze mit viel Temperament und beeindruckte in den lyrischen Passagen mit beseelter Innigkeit. Die Sopranistin Aglai Ast gab der Nixe Binsefuß von Hugo Wolf gut gelaunt und augenzwinkernd mit schönem Timbre und klarer Artikulation Gestalt und Charakter.

Das Duo Juhan Franke, Klavier, 13 Jahre und Valerie Philippsen, Violine, zeigten im 1. Satz von  Mozarts Violinsonate e-Moll KV 304  erstaunliche gestalterische Reife und erfreuten mit schöner Balance und viel Spiefreude. Die Pianistin Antonia Mangold, 15 Jahre, verlieh der Lerche von Alexander Balakirev perlende Läufe sowie reiche Klangschattierungen und zeigte viel Sinn für die seelenvolle Tiefe der russischen Musik. Mit großem Ton und viel Intensität zog die Cellistin Anastasia Thomas mit Camille Saint-Säens Allegro Appassionato das Publikum in ihren Bann.

Heidelberger Schloss / Matinee der Hochbegabten im Konzertsaal © Uschi Reifenberg

Heidelberger Schloss / Matinee der Hochbegabten im Konzertsaal © Uschi Reifenberg

Nach der Pause erfreuten die Geschwister Emily Isinger, Klavier, 13 Jahre und Alicia Isinger, Violine, 16 Jahre, in Camille Saint-Säens Danse Macabre mit einem wahren Feuerwerk an Virtuosität und großer suggestiver Gestaltungskraft. Rebecca Eberhard, 13 Jahre, führte das Publikum mit La Flute de Pan von Jules Mouquet in die Welt virtuoser Flötenmusik und ließ mit perlenden Läufen und ausgeglichenem Ton keine Wünsche offen. Der Gitarrist Martin Koloseus gestaltete das Ricercare LVll von Francesco di Milano mit  Sensibilität und klanglicher Finesse und erreichte starke Spannungsmomente.

Heidelberger Schloss /  Heidelberger Kammermusikfestival hier alle Teilnehmer/innen © Uschi Reifenberg

Heidelberger Schloss / Heidelberger Kammermusikfestival hier alle Teilnehmer/innen © Uschi Reifenberg

Die 16 jährige Solistin Hannah Aoki, Violine, erntete viel Beifall mit zwei Sätzen aus der Suite von Johann Sebastian Bach und erstaunte mit großem warmen Ton und viel Gespür für die klaren Strukturen der Bachschen Musik. Lucia Enzmann, Gitarre, zog nuancenreich und  souverän alle Register ihres Könnens mit Werken von Caspar Joseph Merz und Manuel M. Ponce. Den fulminanten Schlusspunkt setzte die 17- jährige Klarinettistin Wiebke Haas mit dem 1. Satz des Klarinettenkonzerts von Anton Hoffmeister und entließ das begeisterte Publikum im voll besetzten Konzertsaal in den Sonntag Nachmittag.

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Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Hänsel und Gretel – Phantasievoll – Poetisch, IOCO Kritik, 29.12.2017

Dezember 30, 2017 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck

Phantasie und Poesie in NTM – Weihnachtsklassiker

Von Uschi Reifenberg

In der Weihnachtszeit und der Zeit zwischen den Jahren, wenn Märchenhaftes, Magisches und Mystisches einen größeren Raum einnehmen, darf an den Opernhäusern landauf- und landab Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel nicht fehlen. So auch am Nationaltheater Mannheim, wo sich die Inszenierung nach Wolfgang Blum aus dem Jahr 1970 auch nach über 300 Aufführungen ungebrochener Beliebtheit bei kleinen und großen Zuhörern erfreut. Auch in Zeiten von Computerspielen und iPod dürfte den meisten Kindern die Geschichte von Hänsel und Gretel geläufig sein. Das Märchen, basierend auf den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, erzählt vom mutigen Geschwisterpaar aus armen Verhältnissen, das aus Hunger und Not in den Wald flieht, die böse Hexe besiegt und die verzauberten Lebkuchenkinder vom Fluch der Hexe erlöst.

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel - hier ausgelassen tanzend © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel – hier ausgelassen tanzend © Hans Jörg Michel

Humperdincksopus magnum“, nach der textlichen Vorlage seiner Schwester Adelheid Wette, zählt sicher zu den bedeutendsten Werken des Musiktheaters. Seine musikalischen Mittel folgen den Prinzipien des durchkomponierten Musikdramas Richard Wagners und verweisen mit Leitmotivik, Textbehandlung und großer Orchesterbesetzung auf das Vorbild des Bayreuther Meisters. Humperdinck, der als Wagners Assistent in Bayreuth mitwirkte, sprach über seine Oper in Anlehnung an den Parsifal auch scherzhaft vom „ Kinderstuben- Weihfestspiel“.

Kompositorisch fand er in seinem Hauptwerk zu seinem eigenen Stil, der unter anderem in der Hinzunahme von Volksliedhaftem und einfachen melodischen Themen zum Ausdruck kommt. Die überaus beliebte Mannheimer Inszenierung verzichtet ganz auf vordergründige Aktualisierung oder intellektuelle Überformung und führt die Zuschauer mit den phantasievoll- poetischen Bühnenbildern von Herbert Stahl in eine ärmliche Wohnstube, einen magischen Zauberwald und zeigt im 3. Bild in einen veritablen Riesen- Backofen mit verführerischem Lebkuchenhaus.

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel - hier der unendlich romantische Abendsegen © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel – hier der unendlich romantische Abendsegen © Hans Jörg Michel

In der ausgefeilten Personenführung von Claudia Plaßwich agieren die Sängerdarsteller punktgenau und mit überbordender Spielfreude. Zu einem besonderen Höhepunkt gerät der Hexenritt auf dem Besen der prächtig kostümierten Rosina Leckermaul, der vor allem von den jüngeren Zuschauern mit lautstarkem Szenenapplaus belohnt wird.

Musiziert wird am Mannheimer Nationaltheater auf hohem Niveau. Thomas Berau als Vater überzeugt in seiner Auftrittsarie mit seinem heldischen Bariton und charakterisiert liebevoll den trinkfreudigen, aber dennoch verantwortungsbewussten Familienvater. Heike Wessels wartet mit hochdramatischen Spitzentönen auf und verleiht der Mutter sowohl gramvoll- leidende Züge als auch ausgelassene Unbeschwertheit im Duett mit ihrem Ehemann. Dass die Textverständlichkeit ein wenig leidet, mag man verzeihen.

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel - hier die erlösten Kinder © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel – hier die erlösten Kinder © Hans Jörg Michel

Maria Markina ist als Hänsel eine Idealbesetzung. Ihr Mezzo klingt warm und voll und ist zu beeindruckenden dramatischen Aufschwüngen fähig. Ebenso keine Wünsche offen lässt Astrid Kessler als Gretel, die ihren wunderschönen lyrischen Sopran in allen Lagen leuchten lässt und im Abendsegen mit hauchzartem piano verzaubert. Auch gestalterisch besticht sie durch Charme und Mädchenhaftigkeit. Iris Marie Sojer, aus dem internationalen Opernstudio, gastierte als Sandmännchen der Extraklasse. Ji Yoon als Taumännchen fügte sich ebenfalls glänzend ins Ensemble ein. Als Hexe zieht Uwe Eikötter wie gewohnt alle stimmlichen und darstellerischen Register und erntet zu Recht am Schluss begeisterten Beifall.

Am Pult führt Wolfgang Wengenroth das ausdrucksstark aufspielende Nationaltheater Orchester zu Bestform. Straffe Tempi im 1. Akt sorgen für volksliedhaft- unbeschwerte Leichtigkeit, was den fortlaufenden Fluss der Dialoge unterstützt. Im 2. Bild findet Wengenroth dann genügend Raum für die stillen, poetischen Momente und lässt die Holzbläser in den schönsten Klangfarben schimmern. Lediglich in der Traumpantomime hätte man sich vom Wagner- erfahrenen Orchester mehr Spannungsaufbau und Opulenz gewünscht.  Gewohnt zuverlässig sang und agierte der Kinderchor.

Das Publikum im restlos ausverkauften Opernhaus entließ alle Mitwirkenden erst nach langem Applaus

Hänsel und Gretel im Nationaltheater Mannheim:  Weitere Vorstellungen am 6.1.2108; 19.1.2018; 28.1.2018 (zum letzten Mal in dieser Spielzeit)

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