Pforzheim, Theater Pforzheim, Premiere – Lucia di Lammermoor, 23.04.2016

April 11, 2016 by  
Filed under Premieren, Pressemeldung, Theater Pforzheim

pforzheim.jpg

Theater Pforzheim

Stadttheater Pforzheim © Stadttheater Pforzheim

Stadttheater Pforzheim © Stadttheater Pforzheim

Premiere der Oper „Lucia di Lammermoor“

 

Pforzheim. Diese Oper hat es in sich! Sie ist dramatisch wie ein Shakespeare-Epos, packend wie ein Psychothriller und nicht zuletzt romantisch wie eine große italienische Oper. Schauplatz: Das schottische Hochland zu sagenhafter Zeit. Zwei verfeindete Clans – die Ashtons und die Ravenswoods – konkurrieren um Macht und Einfluss. Um das Familienvermögen zu sanieren, arrangiert Enrico Ashton eine Ehe seiner Schwester Lucia mit Arturo Bucklaw. Sie aber liebt Edgardo, den Erben Ravenswoods und den Erzfeind ihres Bruders. Die übrige Handlung erinnert an Shakespeares Drama „Romeo und Julia“ und endet wie das Drama des großen Dichters tragisch.

Die Uraufführung 1835 in Neapel war ein triumphaler Erfolg, und „Lucia di Lammermoor“ eroberte in kürzester Zeit die Opernbühnen im In- und Ausland. Die Wahnsinnsarie der Titelheldin gilt seitdem als ein Gipfel der italienischen Gesangskunst und als Herausforderung für jede Sängerin, die sich dieser Rolle widmet. Das Theater Pforzheim ist stolz, diese anspruchsvolle Partie mit zwei Sängerinnen aus dem eigenen Opernensemble besetzen zu können: Franziska Tiedtke und Natasha Young werden als Lucia di Lammermoor zu erleben sein.

Karten für die Oper „Lucia di Lammermoor“ gibt es ab 15,80 Euro (ermäßigt 7,90 Euro) an der Theaterkasse am Waisenhausplatz unter Tel. 0 72 31/39-24 40, im Kartenbüro in den Schmuckwelten und im Internet auf www.theater-pforzheim.de


Lucia di Lammermoor
Eine Oper in drei Akten von Gaetano Donizetti
Libretto von Salvatore Cammarano nach Sir Walter Scotts Roman „Die Braut von Lammermoor“
In italienischer Sprache mit deutschen Untertiteln

Mit: Ivan Krutikov, Franziska Tiedtke/Natasha Young, Kwonsoo Jeon, Johannes Strauß, Aleksandar Stefanoski, Manuela Wagner/Gabriela Zamfirescu und Steffen Fichtner/Ingo Wagner

Musikalische Leitung:            Mino Marani
Inszenierung:                          Caroline Stolz
Bühne:                                    Jan Hendrik Neidert
Kostüme:                                Lorena Díaz Stephens
Dramaturgie:                          Thorsten Klein

Chor und Extrachor des Theaters Pforzheim
Badische Philharmonie Pforzheim

Die öffentliche Probe am Sa, 16. April um 11.30 Uhr im Großen Haus
Hubers Opernführer am So, 17. April um 11 Uhr im Foyer
Premiere am Samstag, 23. April um 19.30 Uhr im Großen Haus
Weitere Vorstellungen am Do, 28. April sowie an weiteren Terminen im Laufe der Spielzeit

Pressemeldung Theater Pforzheim

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere – La Vie en rose – Edith Piaf, IOCO Kritik, 13.12.2015

Januar 29, 2016 by  
Filed under Komische Oper Berlin, Kritiken

Komische Oper Berlin

Musicalabend um Édith Piaf:   La Vie en rose

Komische Oper Berlin / La Vie en rose - Katharine Mehring © Magdalena Lepka

Komische Oper Berlin / La Vie en rose – Katharine Mehring © Magdalena Lepka

  Édith Piaf  – Der Spatz von Paris

Hundert Jahre wäre sie geworden – die legendäre, 1,47 Meter kleine, französische Chanson-Sängerin Édith Piaf (1915 – 1963). Fast auf den Tag genau, präsentierte die Komische Oper Berlin am 13. Dezember die Premiere des Chansonabends zu Ehren der großen Künstlerin. (Am 19. Dezember 2015, genau an Piafs Geburtstag, konnte man den Konzertabend ein zweites Mal erleben.)

Die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Édith, begann ihre sängerische Laufbahn auf den Pariser Straßen, wurde aber dann von dem Kabarettbesitzer Louis Leplée entdeckt und als Chanteuse in sein Kabarett geholt. Der große künstlerische Durchbruch gelang ihr gegen Ende der dreißiger Jahre, dem Schallplattenaufnahmen und Auftritte in ganz Europa folgten. Das Leben von Édith Piaf, das gekennzeichnet war von Elend, Traurigkeit und vielen Schicksalsschlägen, großen Leidenschaften, aber auch von Drogen- und Alkohol Exzessen, hat sich immer in den Liedern dieser großartigen Künstlerin widergespiegelt. Sie lebte und liebte mit vollem Einsatz und ließ all das Erlebte in ihre Lieder immer einfließen. 1961 starb sie nach langer Krankheit, ist aber mit ihren Chansons und Balladen unvergesslich geblieben.

Komische Oper Berlin / La Vie en rose - Katharine Mehring © Jim Rakete

Komische Oper Berlin / La Vie en rose – Katharine Mehring © Jim Rakete

Mittelpunkt dieses besonderen Konzertabends – natürlich neben der Piaf – die erfolgreiche Schauspielerin und Sängerin Katherine Mehrling, dem Publikum der Komischen Oper bestens aus ihrer bejubelten Interpretation der Daisy Darlington in der Abraham Operette Ball im Savoy bekannt, oder aus ihrer letzten Verkörperung der Eliza in dem Musical My Fair Lady. Nach ihrem Studium in Schauspiel und Musical in London und New York, folgten zahlreiche Engagements in Deutschland und der Schweiz mit Hauptrollen in verschiedenen bekannten Musicals, wie Evita, Funny Girl oder Kiss me Kate. Seitdem ist die Wahlberlinerin auch immer wieder auf Berliner Theaterbühnen zu erleben. Bereits zwei Soloprogramme hat sie dem französischen Chanson gewidmet – ein von ihr sehr geliebtes Genre neben dem Jazz.

Begleitet vom vielseitigen Orchester der Komischen Oper, unter der musikalischen Leitung des baskischen Akkordeonisten Enrique Ugarte, interpretierte sie einfühlsam und mit perfekter französischer Aussprache Piafs Welterfolge, angefangen von L’Accordeoniste über Milord und Padam bis hin zu Non, je ne regrette rien oder dem wohl bekanntesten La vie en rose, zu dem sie selbst den Text schrieb. Katherine Mehrlings Interpretation der Lieder ist, als große Bewunderin der Piaf zu der sie sich bekennt, zwar an den Ausdruck der Chanson-Legende angelehnt, hat jedoch durch ihre eigene unverkennbare, rauchige Stimme, und im Zusammenspiel mit den neuen und teilweise überraschenden Arrangements von Enrique Ugarte, einen eigenen, persönlichen Stil. Mit viel Charme führte sie das Publikum durch die wunderbaren Melodien und Texte. Nur gelegentlich merkte man ihr ihre  Ehrfurcht vor der großen Piaf an, die sie etwas zu bescheiden, ja sogar fast etwas eingeschüchtert wirken lies.

Nicht desto trotz begeisterte sie das Publikum und wurde mit herzlichem Applaus belohnt. Ein ganz besonderer Genuss war auch das hervorragende, ausdruckstarke und beseelte Akkordeon Spiel von Enrique Ugarte.  Ein gelungener musikalischer Abend in Erinnerung an die  Künstlerin mit großer Seele, Édith Piaf.

IOCO / G.G. / 13.12.2015

Komische Oper Berlin – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere – My fair Lady, IOCO Kritik, 28.11.2015

Dezember 4, 2015 by  
Filed under Komische Oper Berlin, Kritiken

Komische Oper Berlin

Großartige Darsteller für „My fair Lady“ Premiere. 28.11.2015

Komische Oper Berlin / My Fair Lady Foto @copy Iko Freese | www.drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / My fair Lady – Foto : © Iko Freese | www.drama-berlin.de

Erstmals am letzten November-Samstag, an der Komischen Oper Berlin präsentiert, das weltberühmte Musical „My fair Lady“, in der Regie von Andreas Homoki, ehemaliger Intendant der Komischen Oper und aktuell Intendant des Opernhauses Zürich.

Komische Oper Berlin / My fair Lady - Foto : © Iko Freese | www.drama-berlin.de

Komische Oper Berlin / My fair Lady – Foto : © Iko Freese | www.drama-berlin.de

My fair Lady“, dass zu den weltweit beliebtesten Musicals gehört, basiert auf dem erfolgreichen Schauspiel „Pygmalion“ des irischen Autors George Bernard Shaw, dass wiederum auf dem von Ovid geschilderten Mythos des gleichnamigen Künstlers beruht. Während in der mythologischen Erzählung der Bildhauer, enttäuscht von den Frauen, sich seine eigene, ideale Frau in Stein meißelt und sie dann zum Leben erweckt wird, geht es in der Komödie des Literaturnobelpreisträgers Shaw, der eine Karikatur der damaligen Londoner Gesellschaft zeichnen wollte,  etwas anders zu. Hier ist es kein Künstler, sondern der Sprachwissenschaftler und Phonetik Spezialist, Professor Higgins, der anstatt der Frauenstatue ein vulgäres Blumenmädchen mit der feinen Sprache, sittlichen Manieren und einer eleganten Garderobe ausstatten und zur Dame machen will.

Da sich Shaw Zeit seines Lebens einer musikalischen Vertonung wiedersetzt hatte, konnte erst nach seinem Tod, als die Rechte dafür vergeben wurden, das Werk zu einem Musical bearbeitet und schließlich mit der Musik von Frederick Loewe und den Liedtexten von Alan Jay Lerner uraufgeführt werden.

Die erfolgreiche Premiere dieses Musicals, dass im Gegensatz zu Shaws Stück mit einer Art „Happy End“ durch die letztendlich entstandene Liebe zwischen dem Professor und der Blumenverkäuferin Eliza ausgestattet wurde, fand am 18. April 1956 in New York im Mark Hellinger Theatre, mit Julie Andrews und Rex Harrison in den Hauptrollen statt. Seitdem wurde „My fair Lady“ immer wieder weltweit in die Repertoires sämtlicher Theater- und Opernhäuser aufgenommen.

In einer deutschen Fassung wurde das Musical erstmals 1961 im Berliner Theater des Westens aufgeführt, indem der spezifische Londoner Dialekt „Cockney“ ins „Berlinerische“ übersetzt worden war. 1964 kam dann auch die berühmte Verfilmung (mit Audrey Hepburn in der Hauptrolle), die dem Musical noch zusätzlichen Ruhm verschaffte.

So ist auch diese Neuproduktion der Komischen Oper Berlin mit großem Beifall vom Publikum honoriert worden. Die solide Inszenierung von Homoki glänzt zwar nicht durch Originalität oder besonderen Einfallsreichtum, verschafft aber mit bester Personenregie den Darstellern zu ihrer großartigen Leistung. Allen voran der Berliner Schauspieler Max Hopp als Professor Henry Higgings. Dem Publikum der Komischen Oper bestens aus vorangegangene, erfolgreichen Produktionen bekannt, zeichnet er mit viel Witz, aber auch viel Sensibilität, den eingefleischten Junggesellen und lässt ihn trotz seiner frauenverächtlichen Züge rührend liebenswert erscheinen. Applaus für die Glanzleistung!

Auch Katharine Mehrling begeistert mit ihrer charaktervollen und spritzigen Interpretation der Eliza Doolittle. Ihre jazzige Stimme passt zwar mehr zu der frechen und vorlauten Göre als zu der verträumten und zerbrechlichen Eliza nach ihrer „Verwandlung“, jedoch bekommt die Figur vielleicht gerade dadurch mehr Glaubwürdigkeit. Sehr schön das Evergreen „Ich hätt getanzt heut Nacht“.

Ausgezeichnet Jens Larsen als Elizas Vater, Alfred P. Doolittle. Mit großer Bravur und mit bereits mehrfach in anderen Rollen bewiesenem, schauspielerischem Talent, verkörperte der Bassist die sympathische Figur.

Überzeugend auch alle anderen Darsteller: Die Schauspielerin Susanne Häusler als Mrs Higgins, die langjährigen Ensemblemitglieder Christoph Späth und Christine Oertel als Oberst Pickering und Mrs. Pearce und ganz besonders beeindruckend Johannes Dunzals (Mitglied des Opernstudios) als  Freddy – sowohl szenisch wie vor allem gesanglich. Mit seinem strahlenden Tenor und voller Inbrunst sang er seinen Song und sorgte für einen der Highlights des Abends. Auch die Chorsolisten waren klangvoll und spielfreudig wie immer.

Das Orchester spielte unter der sicheren musikalischen Leitung der estnischen Dirigentin Kristiina Poska, seit 2012/2013 erste Kapellmeisterin an der Komischen Oper. Hier und da hätte man sich vielleicht nur etwas mehr Schwung gewünscht.

Das recht wenig spannende, aber für die Umstände gut gelöste Bühnenbild, bestehend aus einigen überdimensionalen, immer wieder anders angeordneten Grammophonen und einem stilvollen, auf einer Rundschiene laufenden Vorhang, wurde von Frank Philipp Schlösmann geschaffen. Kostüme von Metchield Seipel.

Unter den Premierengästen zahlreiche Prominente, u. A. der ehemalige regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit.

Insgesamt ein sehr gelungener Theaterabend und eine empfehlenswerte Produktion, vor allem den bestens zusammengestellten und hervorragenden Darstellern und ihrer Glanzleistung zu verdanken.

IOCO / G.G./ 28.11.2015

Komische Oper Berlin – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere Hoffmanns Erzählungen – Phantasiegespinste eines Alkoholikers, IOCO Kritik, 02.10.2015

Oktober 26, 2015 by  
Filed under Komische Oper Berlin, Kritiken

Komische Oper Berlin

 Erfolgreiche Premiere: Les Contes d’Hoffmann von Jacques Offenbach

Komische Oper Berlin / Les Contes d’Hoffmann © Monika Rittershaus

Komische Oper Berlin / Les Contes d’Hoffmann © Monika Rittershaus

Mit einem eindrucksvollem Bild beginnt die am ersten Oktoberfreitag an der Komischen Oper stattfindenden Premierenaufführung von Les Contes d’Hoffmann (Hoffmanns Erzählungen) von Jacques Offenbach. Auf einer bühnenfüllenden, schrägen Plattform, inmitten von unzähligen, aufgestellten Spirituosenflaschen, sitzt ein einsamer, alter, dem Alkohol sichtlich verfallener Hoffmann und gibt sich seiner bizarren Erinnerungs – bzw. Phantasiegespinsten hin. Denn so ist die kluge und originelle Inszenierung dieser Phantastischen Oper von Barrie Kosky in Zusammenarbeit mit dem Chefdramaturgen Ulrich Lenz angelegt.

Aber zuerst noch ein paar Zeilen zu dem Werk selbst. Bereits 1851, hatten der Theaterdichter Jules Barbier und der Librettist Michel Carré ein von ihnen verfasstes Theaterstück, basierend auf verschiedenen Erzählungen des Schriftstellers E.T.A. Hoffmann uraufgeführt. Fasziniert von dem bizarren Stoff, beschloss der im damals preußischen Köln geborene Jacques Offenbach eine Oper zu komponieren, zu dem Jules Barbier selbst ihm das neue Libretto schuf.

Komische Oper Berlin / Les Contes d’Hoffmann © Monika Rittershaus

Komische Oper Berlin / Les Contes d’Hoffmann © Monika Rittershaus

Komplex und langwierig  gestaltete sich die Entstehungs-geschichte des Werkes, insbesondere als Offenbach 1880 starb, und mit der Oper nicht fertig geworden, keine eindeutige, finale Partitur hinterließ.

Nach immer wieder neuen Streichungen und Überarbeitungen fand 1881 die Uraufführung an der Opéra Comique in Paris statt. Dies setzte jedoch kein Schlussstrich unter die Veränderungen und Ergänzungen die bis in die Gegenwart immer wieder zu neuen Fassungen gebracht haben. Vielleicht ist es genau diese Möglichkeit, sich zwar nicht uneingeschränkt, jedoch mit recht viel Freiheit des musikalischen exquisiten Materials zu bedienen, das gepaart mit der phantastischen, bizarren Handlung die Anziehungskraft des Werkes ausmacht.

In der Oper, ist im Gegensatz zu dem Schauspiel, Hoffmann selbst der Hauptakteur. Eingeleitet wird die Oper von Hoffmanns Muse, die uns über ihr Vorhaben in Kenntnis setzt den Schriftsteller von seinen unglücklichen Amouren ablenken zu wollen um ihn wieder zur Literatur zurückzuführen. Nach den dann anschließend folgenden drei voneinander unterschiedliche Episoden, die jeweils von einer anderen Geliebten handeln, findet Hoffmann im Schlussbild zurück zur Kunst und zur Muse zurück.

In dieser, in französischer Sprache gesungenen Neuproduktion der Komischen Oper, versteht Kosky die Geschichte –  wie bereits am Anfang erwähnt – als eine Abfolge wahnhafter Erinnerungen eines alten alkoholisierten Hoffmann, voller Ängste und Selbstzweifel. Hierfür wurde auf den Text der Hoffmann’schen Novelle „Don Juan“ zurückgegriffen, in der Hoffmann in Form eines Briefes einem Freund voller Enthusiasmus  von einer erlebten Aufführung des „Don Giovanni“ von Mozart und der dort in der Rolle der Donna Anna auftretenden italienischen Sängerin. Als Ergänzung in die Handlung eingewoben, wird dieser Text ausdrucksstark und überzeugend innig von dem aus Essen stammenden Schauspieler und Sänger Uwe Schönbeck auf Deutsch rezitiert. Dafür wurde auf die gesprochenen Dialoge der Oper verzichtet.

Das Geschehen findet auf einer großen Plattform, oder um sie herum statt, die zur Bühne für die Hoffmann’sche, wirre Phantasiewelt wird. Wie schwebend hebt, senkt und neigt sie sich fortwährend (mit Hilfe einer leider nicht ganz leisen Hubeinrichtung) und schafft so immer neue Bilder. Mit wenigen, aber klug eingesetzten Deko-Elementen und Requisiten werden die einzelnen Episoden visuell eingefangen (Ausstattung von Katrin Lea Tag).

Durchgehend abwechslungsreich ist die Inszenierung mit originellen und witzigen Einfällen gespickt, zum Beispiel Olympias Auftritt als singende und tanzende Spielorgel-Kommode oder als im dritten Akt die aus HitchcocksPsycho“ –Thriller entsprungene und auf der Geige spielende Mutter Antonias, gemeinsam mit ihren eigenen Vervielfältigungen (dargestellt durch Statisten) mit ihren Geigenbögen die Tochter peinigt und fast zersägen will. Auch eine sehr schlüssige Idee, den spielfreudigen und wohlklingenden Herrenchor (Leitung von David Cavelius) im Kleid der Stella/Donna Anna darzustellen, um so Hoffmanns Obsession für die Sängerin zu visualisieren. Stimmungsvoll werden die einzelnen Bilder der bizarren Vorstellungen als wahnhafte Ausgeburten eines gequälten Geistes dargestellt, den zum Schluss in dieser Kosky-Inszenierung auch die Muse nicht retten kann.

Bemerkenswert und stimmlich sehr homogen in ihrer Gesamtheit die komplette Besetzung. Erstmalig in der Aufführungsgeschichte der „Les Contes d’Hoffmann“ wurde für die ersten zwei Akte ein Bariton (Dominik Köninger) eingesetzt, so wie es ursprünglich Offenbach geplant hatte, jedoch dann aus theaterpolitischen Gründen nicht verwirklichen konnte. Mit schönem, sattem Timbre gestaltete Köninger überzeugend diesen Part, während die restlichen drei Akte von dem litauischen Gasttenor Edgaras Montvidas packend, mit sicherer Höhe und darstellerischer Ausdruckskraft dargeboten wurden.

Ebenfalls sehr expressiv der russische Gastsolist Dimitry Ivashchenko. Mit kräftigem, dunklem Bass zeichnete er nuanciert die Bösewichte Lindorf/Coppélius/Le docteur Miracle/Dapertutto, während die Rollen seiner jeweiligen Diener der alt bewährte und immer wieder köstlich spielende Peter Lenz sang. Gut besetzt auch Philipp Meierhöfer als Cochenille/Crespel/Peter Schlémil.

Souverän, sowohl im Gesang wie in auch in der Darstellung, Karolina Gumos als Muse (und dann auch als Antonias Mutter) als Amadeus Mozart dargestellt, gestaltete sie mit angenehmem und ausgeglichenem Mezzo die Partie.

Zu Recht vom Publikum umjubelt wurde die amerikanische Sopranistin Nicole Chevalier, die in dieser Produktion in alle drei, bzw. vier Frauengestalten (Stella/Olympia/Antonia/Giulietta) gekonnt schlüpft; ob die grotesk-komische Automatenfrau, die leidende, todkranke Sängerin oder die unheilbringende Verführerin. Beeindruckend auch wie sie mit ihrem lyrischen Sopran bravourös die jeweiligen, so unterschiedlichen gesanglichen Anforderungen erfüllt, auch wenn man sich für Antonia oder Giulietta etwas mehr Klangkörper gewünscht hätte. Herausragend die Darbietung der Puppe Olympia, nicht nur vokal-technisch in den perfekt dargebotenen Koloraturen, sondern zusätzlich durch ihr großes komödiantische Talent.

Hervorragend auch die Musikalische Ausführung des Orchesters der Komischen Oper unter der Leitung des renommierten Schweizer Dirigenten Stefan Blunier.

Dem Wunsch des Regisseurs Barrie Kosky entsprechend, es nicht zu sehr nach „großer Oper“ klingen zu lassen, stand die Musik zwar voll im Dienste des szenischen Geschehens, wurde aber dadurch dem meisterhaften Zauber dieses musikalischen Werkes nicht ganz gerecht.

Fazit: Eine sehenswerte Inszenierung und insgesamt sehr lobenswerte Darbietung, auch wenn eine tiefbewegende Berührung, trotz des hohen allgemeinen Niveaus und des engagierten Einsatzes aller Beteiligten ausblieb.

IOCO / G.G. / 02.10.2015

Komische Oper Berlin – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Nächste Seite »