Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Hänsel und Gretel – Phantasievoll – Poetisch, IOCO Kritik, 29.12.2017

Dezember 30, 2017 by  
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Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck

Phantasie und Poesie in NTM – Weihnachtsklassiker

Von Uschi Reifenberg

In der Weihnachtszeit und der Zeit zwischen den Jahren, wenn Märchenhaftes, Magisches und Mystisches einen größeren Raum einnehmen, darf an den Opernhäusern landauf- und landab Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel nicht fehlen. So auch am Nationaltheater Mannheim, wo sich die Inszenierung nach Wolfgang Blum aus dem Jahr 1970 auch nach über 300 Aufführungen ungebrochener Beliebtheit bei kleinen und großen Zuhörern erfreut. Auch in Zeiten von Computerspielen und iPod dürfte den meisten Kindern die Geschichte von Hänsel und Gretel geläufig sein. Das Märchen, basierend auf den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, erzählt vom mutigen Geschwisterpaar aus armen Verhältnissen, das aus Hunger und Not in den Wald flieht, die böse Hexe besiegt und die verzauberten Lebkuchenkinder vom Fluch der Hexe erlöst.

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel - hier ausgelassen tanzend © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel – hier ausgelassen tanzend © Hans Jörg Michel

Humperdincksopus magnum“, nach der textlichen Vorlage seiner Schwester Adelheid Wette, zählt sicher zu den bedeutendsten Werken des Musiktheaters. Seine musikalischen Mittel folgen den Prinzipien des durchkomponierten Musikdramas Richard Wagners und verweisen mit Leitmotivik, Textbehandlung und großer Orchesterbesetzung auf das Vorbild des Bayreuther Meisters. Humperdinck, der als Wagners Assistent in Bayreuth mitwirkte, sprach über seine Oper in Anlehnung an den Parsifal auch scherzhaft vom „ Kinderstuben- Weihfestspiel“.

Kompositorisch fand er in seinem Hauptwerk zu seinem eigenen Stil, der unter anderem in der Hinzunahme von Volksliedhaftem und einfachen melodischen Themen zum Ausdruck kommt. Die überaus beliebte Mannheimer Inszenierung verzichtet ganz auf vordergründige Aktualisierung oder intellektuelle Überformung und führt die Zuschauer mit den phantasievoll- poetischen Bühnenbildern von Herbert Stahl in eine ärmliche Wohnstube, einen magischen Zauberwald und zeigt im 3. Bild in einen veritablen Riesen- Backofen mit verführerischem Lebkuchenhaus.

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel - hier der unendlich romantische Abendsegen © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel – hier der unendlich romantische Abendsegen © Hans Jörg Michel

In der ausgefeilten Personenführung von Claudia Plaßwich agieren die Sängerdarsteller punktgenau und mit überbordender Spielfreude. Zu einem besonderen Höhepunkt gerät der Hexenritt auf dem Besen der prächtig kostümierten Rosina Leckermaul, der vor allem von den jüngeren Zuschauern mit lautstarkem Szenenapplaus belohnt wird.

Musiziert wird am Mannheimer Nationaltheater auf hohem Niveau. Thomas Berau als Vater überzeugt in seiner Auftrittsarie mit seinem heldischen Bariton und charakterisiert liebevoll den trinkfreudigen, aber dennoch verantwortungsbewussten Familienvater. Heike Wessels wartet mit hochdramatischen Spitzentönen auf und verleiht der Mutter sowohl gramvoll- leidende Züge als auch ausgelassene Unbeschwertheit im Duett mit ihrem Ehemann. Dass die Textverständlichkeit ein wenig leidet, mag man verzeihen.

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel - hier die erlösten Kinder © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim / Hänsel und Gretel – hier die erlösten Kinder © Hans Jörg Michel

Maria Markina ist als Hänsel eine Idealbesetzung. Ihr Mezzo klingt warm und voll und ist zu beeindruckenden dramatischen Aufschwüngen fähig. Ebenso keine Wünsche offen lässt Astrid Kessler als Gretel, die ihren wunderschönen lyrischen Sopran in allen Lagen leuchten lässt und im Abendsegen mit hauchzartem piano verzaubert. Auch gestalterisch besticht sie durch Charme und Mädchenhaftigkeit. Iris Marie Sojer, aus dem internationalen Opernstudio, gastierte als Sandmännchen der Extraklasse. Ji Yoon als Taumännchen fügte sich ebenfalls glänzend ins Ensemble ein. Als Hexe zieht Uwe Eikötter wie gewohnt alle stimmlichen und darstellerischen Register und erntet zu Recht am Schluss begeisterten Beifall.

Am Pult führt Wolfgang Wengenroth das ausdrucksstark aufspielende Nationaltheater Orchester zu Bestform. Straffe Tempi im 1. Akt sorgen für volksliedhaft- unbeschwerte Leichtigkeit, was den fortlaufenden Fluss der Dialoge unterstützt. Im 2. Bild findet Wengenroth dann genügend Raum für die stillen, poetischen Momente und lässt die Holzbläser in den schönsten Klangfarben schimmern. Lediglich in der Traumpantomime hätte man sich vom Wagner- erfahrenen Orchester mehr Spannungsaufbau und Opulenz gewünscht.  Gewohnt zuverlässig sang und agierte der Kinderchor.

Das Publikum im restlos ausverkauften Opernhaus entließ alle Mitwirkenden erst nach langem Applaus

Hänsel und Gretel im Nationaltheater Mannheim:  Weitere Vorstellungen am 6.1.2108; 19.1.2018; 28.1.2018 (zum letzten Mal in dieser Spielzeit)

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Stuttgart, Oper Stuttgart, Hänsel und Gretel – Kirill Serebrennikov, IOCO Kritik, 26.10.2017

Oktober 27, 2017 by  
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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

 Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck

Ein  Märchen von Not und Hoffnung – In ungewöhnlicher, fragmentarischer Inszenierung an der Oper Stuttgart

Von Peter Schlang

Völlig anders als ursprünglich und  seit gut zwei Jahren geplant, verlief am Sonntag, 22. Oktober 2017 die erste Premiere der Staatsoper Stuttgart dieser Spielzeit, Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel: Statt des geschlossenen Bühnen-vorhangs, hinter dem man eine opulent ausgestattete und passend beleuchtete Bühne mit entsprechend kostümierten Sänger-Darstellern vermuten darf, fanden die Zuschauer beim Betreten des Saals die bis zur Brandmauer geöffnete, kahle und in Schwarz gehaltene Bühne vor, auf deren hinterem Teil das ebenfalls in schwarz gekleidete Staatsorchester Stuttgart beim Stimmen zu sehen und zu hören war; davor einige Bürostühle und ganz  wenig entfernt an Requisiten erinnerndes Material.

Stuttgarts Premiere von Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel gerät zur eindrucksvollen Demonstration gegen die Einschränkung künstlerischer Freiheiten und der Missachtung von Menschenrechten

Oper Stuttgart / Hänsel und Gretel - hier Ensemble, Kinderchor, Staatsorchester, auf dem Bildschirm Kirill Serebrennikov © Thomas Aurin

Oper Stuttgart / Hänsel und Gretel – hier Ensemble, Kinderchor, Staatsorchester, auf dem Bildschirm Kirill Serebrennikov © Thomas Aurin

Dafür, dass diese nüchterne Situation für den allergrößten Teil des Stuttgarter Premierenpublikums  keine Überraschung und auch kein Schock war, hatte nicht nur das auffallend anders als gewohnt gestaltete Programmheft gesorgt, sondern auch die gesamte akribische und umfassende Öffentlichkeitsarbeit der Staatsoper der letzten Wochen einen beachtenswerten Beitrag geleistet. So hielten die Verantwortlichen seit der ersten Verhaftung des nicht erst seit  dieser geplanten Neuproduktion eng mit  der Stuttgarter Oper verbundenen und als Regisseur verpflichteten russischen Film- und Theatermannes Kirill Serebrennikov am  22. August die Öffentlichkeit über dessen Schicksal auf dem Laufenden. Zunächst hegte man die Hoffnung, dass der Achtundvierzigjährige doch noch seine Regiearbeit in Stuttgart würde weiterführen und bis zum Premierenabend abschließen können. Zusammen mit kulturellen und politischen Instanzen versuchte man alles, um doch noch die Freilassung des nicht nur in Deutschland  hoch geschätzten Regisseurs zu erreichen und seine Ausreise zur finalen Umsetzung seines Regiekonzepts zu ermöglichen. Als dann Mitte letzter Woche bekannt wurde, dass der Hausarrest Serebrennikovs bis mindestens Mitte Januar verlängert und so seine Isolation fortgesetzt würde, änderte die Opernleitung ihre Informationsarbeit wie ihre Planung. Innerhalb der ersten vertiefte man seit Donnerstag letzter Woche nicht nur nochmals die so schon intensive Berichterstattung über die Vorgehensweise der russischen Behörden gegen den hoch gelobten Regisseur und verschärfte auch den Ton der Kommentare und Forderungen, sondern setzte auch, und das noch am Tag der sonntäglichen Premiere, auf eine verstärkte Menschenrechtsarbeit, etwa  in Form von Diskussionen und Dokumentationen.

So kam man im Haus am Eckensee  lobens- und dankenswerterweise offenbar nie auf die Idee, die sonntägliche Premiere einfach ausfallen zu lassen und auf irgendeinen, vermutlich nicht selbst zu bestimmenden Tag in einer womöglich fernen Zukunft zu verschieben oder die von Kirill Serebrennikov begonnene Inszenierung von einem anderen Regisseur fortführen zu lassen. Vielmehr entschloss man sich in einem offenen, gleichberechtigt geführten Diskurs, dem beabsichtigten Druck eines autokratischen Regimes, das sich sowohl von der Gewaltenteilung wie vom Respekt vor den Menschenrechten verabschiedet zu haben scheint, nicht stattzugeben, sondern mit den Mitteln des Theaters und der Musik gegen diese Form der Freiheitsberaubung und der Beschneidung der Freiheit der Künste zu protestieren.

Oper Stuttgart / Hänsel und Gretel - hier Daniel Kluge als Knusperhexe © Thomas Aurin[

Oper Stuttgart / Hänsel und Gretel – hier Daniel Kluge als Knusperhexe © Thomas Aurin[

Zentraler Kern dabei ist nicht nur die eingangs geschilderte quasi konzertante Aufführung der Oper, bei der nur wenige und sehr dezent ausgefallene, eher der weiteren Verfremdung dienende szenische Mittel zum Einsatz kommen, sondern ein von Serebrennikov im letzten Jahr gedrehter und im April fertig gewordener Film mit einer zeit- und ortsgemäßen Adaption des Märchen- bzw. Opernstoffes.

In diesem im ostafrikanischen Ruanda mit einheimischen Darstellern produzierten „stummen Spielfilm“, der jedoch auch dokumentarische Elemente aufweist, wird die Handlung in eine Weltregion verlagert, in der die Armut, deren Auswirkungen und Bewältigung ja das zentrale Thema sowohl des Grimm‘schen Märchens als auch von Humperdincks „Märchenoper“ bildet, noch immer als elementar, ja existenzbestimmend und oft genug auch als existenzvernichtend erlebt wird.

Dieser sehr kunst- wie liebevoll und durch den Blick für feine Details gekennzeichnete Streifen läuft nun statt der normalen Opernhandlung bzw. ohne  deren Deutung durch Kirill Serebrennikov auf der Stuttgarter Opernbühne.

Er wird sehr einfühlsam wie energiegeladen begleitet und kommentiert von Humperdincks Musik. Diese wurde  vom Staatsorchester Stuttgart unter der souveränen Leitung des Kieler Generalmusikdirektors Georg Fritsch kräftig zupackend wie romantisch-expressiv interpretiert.

Oper Stuttgart / Hänsel und Gretel - hier Esther Dierkes als Gretel, Georg Fritsch im Hintergrund © Thomas Aurin

Oper Stuttgart / Hänsel und Gretel – hier Esther Dierkes als Gretel, Georg Fritsch im Hintergrund © Thomas Aurin

Die sechs Gesangssolisten Michael Ebbecke als Vater, Irmgard Vilsmeier als „sein Weib“ Gertrud, Diana Haller als Hänsel, Esther Dierkes als Gretel,  Daniel Kluge als Knusperhexe sowie  Aoife Gibney als Sand- und Taumännchen  holen aus der konzertanten, im weiteren Verlauf  sich ins „Leicht-Szenische“ entwickelnden Aufführung und angesichts der höchst  emotionalen Situation das gesanglich Mögliche  heraus und liefern einen ambitionierten Beitrag zu einer den Verhältnissen angemessenen, würdigen musikalischen Deutung.

Allerdings führten nicht nur die fehlende „normale Opernatmosphäre“ dazu, dass  nicht nur für den Rezensenten, sondern offenbar auch für den großen Teil des Publikums  die theatralische und musikalische Dimension dieses besonderen Premierenabends stark in den Hintergrund traten,  ja zur Nebensache wurde, deren qualitative Beurteilung sich einer seriösen Berichterstattung entziehen sollte.

Zu offensichtlich stand das jederzeit präsente Thema der Würde und Freiheit des Menschen im Vordergrund, nicht nur durch die vielen Hinweise des Filmes auf die Beschränkungen des Lebens durch Armut, sondern auch durch die zahlreichen Konnotationen zum Völkermord in Ruanda, der dort vor 23 Jahren  für eine schon apokalyptische Dimension an Verstößen gegen die Menschenwürde und Menschenrechte gesorgt hatte.

Auch die kollektive Regie des Abends durch alle Mitwirkenden, die im Programmheft durch einen Verzicht auf die Benennung des Regisseurs ihren beredten Ausdruck fand, setzte frappierende wie einfache Mittel ein, um stillen wie expliziten Protest gegen die Verhinderung von Kunstausübung und gegen die Beschränkung der Freiheit auszudrücken. So drehten die Sängerdarsteller etwa über weite Passagen des Films dem Publikum den Rücken zu und präsentierten sich so ebenfalls als Zuschauer oder schlüpften an zwei entscheidenden Stellen der Handlung in die verfremdende Rolle von Märchenerzählern, indem sie auf die durch die Verhaftung des Regisseurs notwendig gewordenen Veränderungen und Einschnitte sowie sichtbaren historischen Parallelen hinwiesen. Auch die von einzelnen Mitwirkenden und weiteren Mitgliedern des Hauses getragenen T-Shirts mit dem Bild des weggesperrten Regisseurs und der Unterschrift „Free Kirill“ bezogen eine eindeutige politische Position, die glaubwürdiger und konsequenter Theaterarbeit unbestritten zusteht, ja zu deren wesentlichen Aufgaben gehört.

So wurde an diesem denkwürdigen Stuttgarter Opernabend weniger das Märchen von Hänsel und Gretel erzählt, sondern eher ganz neu interpretiert, vor allem aber die Geschichte einer verhinderten, zumindest aber stark behinderten Opernproduktion illustriert. Damit erfuhr zum einen der Widerstand gegen Unterdrückung und Freiheitsbeschränkung eine bisher zumindest in einer Demokratie eher weniger bekannte oder selten gezeigte Dimension, zum anderen gewann der von ihrem vorgesehenen Regisseur Kirill Serebrennikov seiner  Stuttgarter Produktion mitgegebene Titel „Ein Märchen von Hoffnung und Not“ eine  zusätzliche Bedeutung, frei nach Hölderlins Hoffnung und Erkenntnis: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“.

Oper Stuttgart / Hänsel und Gretel_ hier Standbild Film_ in diesem Film mit Ariane Gatesi als Gretel und David Niyomugabo als Hänsel © Thomas Aurin

Oper Stuttgart / Hänsel und Gretel_ hier Standbild Film_ in diesem Film mit Ariane Gatesi als Gretel und David Niyomugabo als Hänsel © Thomas Aurin

Nach der aufmerksamen Beobachtung des  Berichtenden brachte die überwiegende Mehrheit der Zuschauerinnen und Zuschauer  für den von der Stuttgarter Oper eingeschlagenen Weg größtes Verständnis auf, so subtil wie entschieden gegen eine solche Bevormundung und Einschränkung menschlicher wie künstlerischer Freiheiten zu protestieren. Dafür gebührt der Opernleitung und allen Mitentscheidern wie Mitwirkenden höchster Respekt,  große Anerkennung und aufrichtiger Dank.

Zum Schluss bleibt die, wenn auch angesichts der politischen Verhältnisse in Russland vage Hoffnung, dass die im Depot der Stuttgarter Oper gelagerten Bühnenbilder und Kostüme zur neuen Hänsel und Gretel -Produktion, welche vom  für deren Gestaltung zuständigen Regisseur bereits fertiggestellt wurden, nicht allzu lange werden dort lagern müssen. Nicht nur im Interesse des aufmerksamen und empathisch mitgehenden Premierenpublikums wäre es wünschenswert und aufschlussreich, wenn Kirill Serebrennikov seine Regierarbeit bald würde beenden können und so seine beeindruckende  filmische Arbeit mit dem szenischen Geschehen auf der Stuttgarter Opernbühne zusammenkäme.

Hänsel und Gretel an der Oper Stuttgart: Weitere Vorstellungen am 26. 10., 04.11., 02.12., 13.12., 16.12., 26.12.2017,  07.01. und 14.01.2018

 

 

Stuttgart, Oper Stuttgart, Premiere Hänsel und Gretel, 22.10.2017

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Oper Stuttgart

 Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

Opernhaus Stuttgart © Martin Siegmund

 Märchenoper Hänsel und Gretel

Inszenierung und Ausstattung Kirill Serebrennikov; Georg Fritzsch dirigiert

In Stuttgart war Engelbert Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel zuletzt im Jahr 1995 in einer Neuinszenierung zu sehen. Nun präsentiert der vielfach ausgezeichnete Theater-, Opern- und Filmregisseur Kirill Serebrennikov, der zuletzt mit seiner Aufsehen erregenden Stuttgarter Salome begeisterte, am Sonntag, 22. Oktober 2017, um 18 Uhr dem Stuttgarter Publikum eine neue Sicht auf das Werk. Zugleich verantwortet der Regisseur auch die Ausstattung der Neuproduktion. Die Musikalische Leitung liegt in den Händen von Georg Fritzsch, Generalmusikdirektor am Theater Kiel. Er zog das Stuttgarter Publikum zuletzt mit seinen Interpretationen von Strauss‘ Opern Elektra, Ariadne auf Naxos und Der Rosenkavalier in den Bann.

Staatsoper Stuttgart / Kirill Serebrennikov © Dominique-Brewing

Staatsoper Stuttgart / Kirill Serebrennikov © Dominique-Brewing

Mit seiner Neuinterpretation von Humperdincks Hänsel und Gretel wagt Kirill Serebrennikov ein künstlerisches Experiment: Seine Inszenierung soll aus einem Stummfilm mit szenischer Handlung bestehen. Der Film wird zentral auf der Bühne zu sehen sein, während die live agierenden Sängerinnen und Sänger in dem einem Tonstudio gleichenden Bühnenraum diesen Film zeitgleich „synchronisieren“, sich jedoch im Verlauf der Oper mehr und mehr mit den Figuren im Film identifizieren.

Ausgangspunkt von Kirill Serebrennikovs Interpretation der vielleicht berühmtesten aller Märchenopern ist das Libretto von Adelheit Wette, das eine Welt tiefer sozialer Not zeichnet: „Herrgott, wirf Geld herab! Nichts hab ich zu leben, kein Krümchen, den Würmern zu essen zu geben“. Der verzweifelte Ausruf von Hänsels und Gretels Mutter bringt die Situation der Familie auf den Punkt. Der Hunger zehrt an allen, die Kinder müssen arbeiten und dürfen nicht spielen, der Vater betäubt seine Situation mit Alkohol. Kein Wunder, dass die Kinder – in die Wildnis geschickt und unter Ängsten dort eingeschlafen – eine Gegenwelt vor sich sehen: ein komplett essbares Haus, scheinbar für sie allein. Aber dieses Haus ist nicht zum Verzehr für sie gedacht, im Gegenteil: Hier sollen die Kinder selbst verspeist werden. Serebrennikov sucht die bittere Armut der Kinder dort, wo wir sie heute am ehesten vermuten: in Afrika. So begegnen uns in Hänsel und Gretel zwei ruandische Kinder, die von ihrer überforderten Mutter zur Nahrungssuche in den Großstadtdschungel der ruandischen Hauptstadt Kigali geschickt werden, während der Vater sich in der Kneipe betrinkt.

Bei der Premiere am 22. Oktober 2017 debütieren die Ensemblemitglieder Diana Haller und Esther Dierkes in den beiden Titelpartien. Daniel Kluge wird erstmals als Knusperhexe zu erleben sein. Ks. Michael Ebbecke und Irmgard Vilsmaier als Gast werden Vater bzw. Mutter singen. Die junge irische Sopranistin Aoife Gibney, 2017/18 neu im Opernstudio Stuttgart, wird erstmals als Sandmännchen und Taumännchen zu erleben sein.


Begleitveranstaltungen zu Hänsel und Gretel
Öffentliche Probe,  Der Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben.


Einführungsmatinee    Sonntag, 15. Oktober 2017, 11 Uhr im Opernhaus, Foyer I. Rang
Das Produktionsteam gibt Einblicke in die Konzeption der Neuinszenierung.


Nach(t)gespräche   Samstag, 4. November 2017, Samstag, 2. Dezember 2017, Samstag, 16. Dezember 2017

Das Produktionsteam beantwortet im Anschluss an die Vorstellung Fragen der Zuschauer.


 

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck, 17.12.2016

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin KaufholdHessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck

Wiederaufnahme: 17. Dezember, weitere Vorstellungen 20.12.2016, 22.12.2016, 25.12.2016, 30.12.2016

Die Märchenoper Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck ist auch in diesem Jahr, ab dem 17. Dezember, im Großen Haus des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden zu sehen. Der Vorverkauf hat bereits begonnen!

Hänsel und Gretel erfreut besonders in der Weihnachtszeit seit Generationen Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Engelbert Humperdincks zeitlos schöne Musik lässt Kinder- und Volkslieder erklingen wie »Brüderchen, komm tanz mit mir«, »Ein Männlein steht im Walde« und »Suse, liebe Suse«.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Hänsel und Gretel - Franziska Gottwald, Stella An, Jugendchor des Hessischen Staatstheater Wiesbaden © Sven Helge Czichy

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Hänsel und Gretel – Franziska Gottwald, Stella An, Jugendchor des Hessischen Staatstheater Wiesbaden © Sven Helge Czichy

In der Regie von Beka Savic und unter der Musikalischen Leitung von Christoph Stiller wird das berühmte Märchen in einer Inszenierung für Jung und Alt erzählt. In der Rolle des Hänsel ist die Mezzosopranistin Silvia Hauer zu erleben. An ihrer Seite singen und spielen als Gretel alternierend die zwei Sopranistinnen Katharina Konradi und Stella An. In den Rollen der Eltern sind Thomas de Vries und Margarete Joswig besetzt. Als Knusperhexe steht Tenor Erik Biegel auf der Bühne. Seinen großen Auftritt in dieser Oper hat der Jugendchor des Hessischen Staatstheaters unter der Leitung von Dagmar Howe.

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Hänsel und Gretel - Franziska Gottwald, Stella An © Sven Helge Czichy

Hessisches Staatstheater Wiesbaden / Hänsel und Gretel – Franziska Gottwald, Stella An © Sven Helge Czichy

Musikalische Leitung Christoph Stiller, Inszenierung Beka Savic, Bühne Bettina Neuhaus, Kostüme Susanne Füller, Licht Andreas Frank, Leitung Jugendchor Dagmar Howe Dramaturgie Katja Leclerc

Peter Besenbinder Thomas de Vries, Gertrud, seine Frau Margarete Joswig, Hänsel Silvia Hauer,  Gretel Katharina Konradi / Stella An Knusperhexe Erik Biegel Sandmännchen & Taumännchen Stella An / Katharina Konradi,  Jugendchor & Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden,  Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Karten sind an der Theaterkasse im Großen Haus telefonisch unter 0611.132 325 oder auf www.staatstheater-wiesbaden.de erhältlich. PMHStthWi

Wiederaufnahme: 17. Dezember, weitere Vorstellungen 20.12.2016, 22.12.2016, 25.12.2016, 30.12.2016

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