Baden Baden, Festspielhaus, Weihnachtsgastspiel – Mariinsky Balletts, 21. bis 27.12.2017

November 24, 2017 by  
Filed under Ballett, Festspielhaus Baden-Baden, Pressemeldung

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Festspielhaus Baden – Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Festspielhaus Baden-Baden © Festspielhaus Baden-Baden

Mariinsky Ballett  im  Festspielhaus

21. bis 27. Dezember 2017

Das Mariinsky Ballett tanzt über die Weihnachtstage im Festspielhaus Baden-Baden. Erstmals wird in Baden-Baden dann das Ballett Paquita von Marius Petipa in einer Rekonstruktion zu sehen sein. Das Orchester des Mariinsky Theaters begleitet daneben auch die Ballette Romeo und Julia sowie Der Nussknacker live. Üppige Ausstattungen, historische Kostüme: zu Weihnachten werden Ballett-Träume in Baden-Baden wahr. Über 200 Künstlerinnen und Künstler reisen am 19.12. an. Die Vorstellungen sind vom 21. bis 27.12. zu sehen.

Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Liebe auf Zehenspitzen
Das Mariinsky Ballett kommt mit großen russischen Handlungsballetten wie Der Nussknacker, Romeo und Julia und Paquita über Weihnachten ins Festspielhaus Baden-Baden. Begleitet wird die Compagnie live vom Orchester des Mariinsky Theaters.

Zu Weihnachten 2017 wird ein weiteres Kapitel einer langen Partnerschaft zwischen dem weltbekannten Ballett aus St. Petersburg und dem Festspielhaus an der Oos geschrieben. Tanz-Fans aus aller Welt reisen vom 21. bis 27. Dezember an, um die „Russische Saison“  im winterlichen Schwarzwald zu genießen. Die Wiederentdeckung „Paquita“ gilt dabei als der Geheimtipp der Saison.

Begleitet wird das Gastspiel vom Orchester des Mariinsky Theaters, was für den besonderen Glanz dieser in großen historischen Bühnenbildern schwelgenden Aufführungen sorgt.

Festspielhaus Baden -Baden / Romeo und Julia - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Festspielhaus Baden -Baden / Romeo und Julia – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Die reine Lehre
In Sachen Spitzentanz wird in St. Petersburg die reine Lehre gepflegt. Von der Pike auf trainieren Jungen und Mädchen noch immer das klassische russische Ballett, das seit seiner Blütezeit um 1900 zu den meist geschätzten Kulturgütern des Landes zählt.

Egal, ob die Schneeflocken in Der Nussknacker tanzen oder Romeo und Julia innig verschlungen niedersinken: Grundlage ist noch immer, was an Eliteschulen wie der Waganowa-Akademie wie vor 100 Jahren unterrichtet wird – präzise Technik, gepaart mit einem Ausdruck, der bis in die letzten Reihen der größten Theatersäle der Welt verstanden wird.


Paquita


Festspielhaus Baden -Baden / Paquita - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Festspielhaus Baden -Baden / Paquita – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina.

Wiederentdeckung „Paquita“
Seit 1999 kommt das Mariinsky Ballett nun regelmäßig nach Baden-Baden. Um die Weihnachtszeit stehen dann die abendfüllenden Klassiker auf dem Programm. Festspielhaus-Intendant Andreas Mölich-Zebhauser und Mariinsky-Ballett-Chef Yuri Fateev vereinbaren dazu für jedes Jahr ein Stück, das in Baden-Baden noch nicht zu sehen war. 2017 heißt dieses Stück „Paquita“ (23./27.12. 2017,19 Uhr) und wurde von St. Petersburgs Ballett-Ikone Marius Petipa geschaffen. Er ist der Vater solcher Ballette wie „Schwanensee“ und „Der Nussknacker“ – seine Choreografien werden daher gehegt und gepflegt.

Die Geschichte von Paquita ist die ewige Geschichte vom Aschenputtel, das seinen Prinzen findet. Paquita wurde als Kind entführt und spürt deshalb bei all ihrem Liebreiz eine ständige Leere im Herzen. Aufgewachsen ist sie beim fahrenden Volk und verliebt sich nun in einen schmucken, unerreichbaren Adligen: Als Film wäre das die schönste Hollywood-Romanze. Ein Aschenputtel, das gerne tanzt, ein rätselhaftes Medaillon, eine politische Intrige – schon im 19. Jahrhundert erzählten sich die Menschen die gleichen Geschichten wie heute, damals machten sie eben prunkvolle, teure Ballette daraus.


Der Nussknacker


Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Festspielhaus Baden -Baden / Der Nussknacker – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Märchenhaftes Konfitürenburg
Unverändert märchenhaft ist „Der Nussknacker“ (25./26.12.2017, 18/14/19 Uhr), den Marius Petipa zur Musik von Peter I. Tschaikowsky schuf. Nur das Bühnenbild wurde in den 1930er Jahren erneuert, und so sieht das noch immer faszinierte Publikum durch diesen „Nussknacker“ noch immer das Original hindurchblinzeln. Die große Weihnachtsszene zu Beginn ist ebenso verträumt entrückt wie der märchenhafte Tanz der Schneeflocken im berühmten „Weißen Akt“. Und wenn Klara und ihr Prinz nach Konfitürenburg einziehen, ist die Märchen-Herrlichkeit perfekt.


Romeo und Julia


Festspielhaus Baden -Baden /Romeo und Julia - Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Festspielhaus Baden -Baden / Romeo und Julia – Das Mariinsky Ballett © Natasha Razina

Shakespeare ohne Worte
Sergej Prokofjew komponierte seine Ballettmusik zu „Romeo und Julia“ 1935/1936 eigentlich als Schauspielmusik. In Leningrad (St. Petersburg) nutzte man diese Musik jedoch, um ein Ballett zu produzieren, das noch heute unverändert auf dem Spielplan steht und zu den besten Ballettproduktionen weltweit gehört.

Shakespeares Liebesdrama wird in mächtigen Bildern und ausdrucksstarken Pas de deux erzählt – wenngleich der Tanz jedes Wort überflüssig macht. Ballett in historisch-imposanter Ausstattung, das große Orchester des Mariinsky Theaters und ein über 80-köpfiges Corps des Ballet – das Mariinsky Ballett beschert uns üppige Ballett-Weihnachten in Baden-Baden.

Pressemeldung Festspielhaus Baden-Baden

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Halle, Staatskapelle Halle, Beethoven – Schostakowitsch: Musik ist Revolution, IOCO Kritik, 16.11.2017

November 16, 2017 by  
Filed under Händel Halle, Hervorheben, Konzert, Kritiken

Staatskapelle Halle

Händel Halle in Halle, der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels © Haendelhalle

Händel Halle in Halle, der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels © Haendelhalle

Staatskapelle Halle – Beethoven – Schostakowitsch

Beethoven – Drittes Klavierkonzert, Schostakowitsch – Elfte Symphonie  Staatskapelle Halle – Herbert Schuch und Josep Caballé-Domenech

„Musik ist Revolution!“

Von Guido Müller

Unter der musikalischen Leitung von GMD Josep Caballé-Domenech spielte der vielfache  Preisträger und 1979 in Rumänien geborene Pianist Herbert Schuch zunächst das große Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven in c-moll aus der Zeit der Komposition der dritten Symphonie Eroica 1803/04. Beethoven hatte dieses Konzert für seine eigenen Auftritte als Symphonie mit konzertierendem Pianoforte komponiert. Die konzertante Struktur wird zum  Programm. In  diesem Konzert wird es von Herbert Schuch, die Staatskapelle Halle und ihr GMD Josep Caballé-Domenech maßstabsetzend und zutiefst berührend in inniger Übereinstimmung umgesetzt. Für seine Einspielung des Dritten Klavierkonzertes hat der Pianist 2013 den renommierten ECHO-Klassik Preis erhalten. Mit seinen dramaturgisch durchdachten Konzertprogrammen und CD-Aufnahmen hat sich Schuch als einer der interessantesten Musiker seiner Generation einen herausragenden Ruf erworben, den er  in  Halle glänzend bestätigt.

Staatskapelle Halle in der Händelhalle © Guido Müller

Staatskapelle Halle in der Händelhalle © Guido Müller

Mit männlich-schlanker Eleganz spielt Herbert Schuch im einleitenden Satz den ersten  Einsatz, keineswegs mit aggressiv-virtuosem triumphierend-heroischem Gestus sondern mit  der  ihm eigenen Nachdenklichkeit. Den großen heroisch-virtuosen Gestus spart er sich in  durchdachter Dramaturgie für die Kadenz auf, in der Schuch sein ganzes Können zeigt. Dies  zeigt  sich bei ihm ganz besonders charakteristisch im zärtlichen Mittelteil und nach einem  geradezu lisztmässigen Aufschwung höchster Virtuosität im aufregendsten Innehalten auf  Pianissimo  vor dem Wiedereinsetzen und Aufschwung des Orchesters: ein höchstspannungsvoller Augenblick, der das gebannte Publikum den Atem anhalten lässt.

Das darauf folgende Largo gestalten Schuch und Domenech im intimsten Zwiegesang mit  der Staatskapelle Halle zum Höhepunkt des Klavierkonzertes. Die von Ralf Mielke und Gabriele Knappe gespielten Flöten atmen mit dem Pianisten auf unnachahmlich perfekte Weise.

Das abschließende Rondo musizieren Solist und die Streicher und Bläser der Staatskapelle in kunstvollster sich abwechselnder Rhetorik. Der Satz atmet den eleganten Witz Wiener Salons der Vormetternichzeit mit geradezu harlekinmäßiger Spielfreude. Besonders gefällt dabei die perfekte Wienerische Klarinettenseligkeit von Frank Hirschinger und  Anja Starke im Wechselgesang mit dem Pianisten.

Ludwig van Beethoven Bonn © IOCO

Ludwig van Beethoven Bonn © IOCO

Als Zugabe krönte der Ausnahmepianist Herbert Schuch seinen glänzenden Auftritt in Halle überaus geschmackvoll und intelligent mit der letzten Komposition Beethovens aus den Bagatellen innig, virtuos und mit dem für den Meister aus Bonn charakteristischen Humor. Nicht enden wollende Ovationen und Getrampel des Publikums für den würdigen Freund und legitimen jugendlichen Fortführer der großen deutschen Pianistentradition Alfred Brendels.

Beethoven verstand sich als ersten Komponisten, der sich selbst als bewusst politisch handelnder Menschverstand. Er analysierte die gesellschaftlichen Vorgänge und versuchte, sie aktiv mitzugestalten, mit seiner Musik in sie einzugreifen. Das verbindet in diesem sehr hintersinnig komponierten Konzertprogramm Dmitri Schostakowitsch mit ihm.

Am 3. Oktober 1957 wurde Schostakowitschs Elfte Sinfonie in der Sowjetunion uraufgeführt. Stalin ist seit vier Jahren tot. Endlich kann es Schostakowitsch wagen, sich  kritisch der Geschichte Russlands zu widmen: Thema seiner Elften  ist der Petersburger  Blutsonntag am 9. Januar 1905, das Massaker an  demonstrierenden unbewaffneten Arbeitern und solidarischen Demonstranten, das die Palastwache des Zaren zu verantworten hatte. Die Menschen wollen  dem autokratisch herrschenden Zaren eine Petition für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, Rede- und Pressefreiheit und die Schaffung einer Volksvertretung  überreichen. Plötzlich schossen Soldaten in die friedlich betende Menschenmenge und es  sterben nach unterschiedlichen Angaben zwischen 130 und 1000 Menschen. Am Ende der Symphonie steht die Hoffnung auf bessere Zeiten und auf politische Veränderungen.

Das Konzert der Staatskapelle Halle kann als Erinnerung an den 100. Jahrestag der russischen Oktoberrevolution und die Opfer verstanden werden. Die Elfte  Symphonie „Das Jahr 1905“ von Dmitri Schostakowitsch hat sehr gegensätzliche Interpretationen erfahren. „Vater, was wenn sie dich deswegen aufhängen?“ soll der Sohn Maxim Schostakowitsch nach der Generalprobe 1957 seinen Vater gefragt haben. Wie sehr oft legt Dmitri Schostakowitsch äußerlich eine falsche Spur mit dem Programm. Die Symphonie ist zumindest als doppelbödig zu bezeichnen.

Josep Caballe Domenech © Falk Wenzel

Josep Caballe Domenech © Falk Wenzel

Das Uraufführungsdatum 30. Oktober 1957 verdeutlicht, aus welchem offiziellen Anlass die Elfte komponiert wurde: nämlich zur Gedenkfeier des 40. Jahrestages der Oktoberrevolution 1917.

Der in der Stalinzeit vom Regime als „formalistisch“ abgekanzelte und daher nach Rehabilitierung strebende Schostakowitsch wählte folglich das „linientreue“ Thema der auf  Befehl des  Zaren blutig niedergeschlagenen 1905er „Revolution“ in St. Petersburg. Wenn man etwas weiter denkt und die Musik betrachtet – die Darstellung des Massakers und die gewaltige Totenklage – ist es naheliegend, dass nicht nur das blutige Niedermetzeln der  Demonstranten 1905 durch die Zarentruppen gemeint war, sondern ebenso – oder sogar nur – die blutige Niederschlagung des ungarischen Aufstands durch die sowjetischen Truppen  im Jahre 1956, also im Jahr vor der Komposition.

Zudem liegt es nahe darüber hinaus an die Millionen Opfer des Stalinismus zu  denken, auch an die Opfer des Aufstandes in der DDR am 17.6.1953. Allerdings verzichtet Dmitri Schostakowitsch auf allzu offensichtliche Anspielungen oder Zitate ungarischer Musik und Rhythmen. Doch der erste Satz in einem von dem Dirigenten im großen Bogen gehaltenen Anspannungen lässt wahrhaft an die Eiszeit der Stalinzeit denken.

Schostakowitsch äußerte sich zu dieser Frage angeblich Salomon Wolkow in den Memoiren gegenüber so: „Mir scheint, dass sich in der russischen Geschichte vieles wiederholt. Natürlich wiederholt sich ein Ereignis nicht in genau  derselben Weise. Selbstverständlich sind da Unterschiede. Aber vieles wiederholt sich trotzdem. Das Volk denkt und handelt in vielem ähnlich. … Diese Wiederholbarkeit wollte ich in der Elften Symphonie zeigen. Ich komponierte sie 1957, und sie bezieht sich auf die Gegenwart, auch wenn sie den Titel Das Jahr 1905 trägt. Sie handelt vom Volk, das den Glauben verloren hat, weil der Kelch der Missetaten übergelaufen war. So begegnen die Eindrücke meiner Kindheit denen des reifen Lebensalters. Und natürlich haben die Ereignisse meines reifen Lebens mehr Gewicht“.  Zitat nach dem ausgezeichneten Beitrag von Verena Großkreutz im Programmheft.

Deutlicher geht es auf den ersten Blick kaum. Das wahre Thema der Elften wäre dann die blutige Unterdrückung des Ungarn-Aufstands 1956 durch die Sowjets. Bezeichnend ist dann aber wiederum, dass dieses „wahre“ Programm von den sowjetischen Kulturaufsichtsbeamten  nicht erkannt wurde. Schostakowitsch erhielt für seine Elfte sogar den Lenin-Preis. Durch  einen Beschluss des ZK der KPdSU vom 28. Mai 1958 wurde er schließlich offiziell rehabilitiert. Er wurde Mitglied der KPdSU und komponierte1961 aus „Dankbarkeit“ die Zwölfte Symphonie Das Jahr 1917, die er Lenin widmete. Das erlaubt eine ganz andere Sicht auf den sowjetischen Komponisten, der sich eventuell direkter in seiner Kammermusik äußerte als in der repräsentativen Großsymphonik.

Staatskapelle Halle in der Händel Halle © Guido Müller

Staatskapelle Halle in der Händel Halle © Guido Müller

Schostakowitsch baute in diese Sinfonie zwei der 1951 von ihm komponierten  Lieder aus „10Poème für Chor a cappella“ ein, ansonsten kaum eigene melodische Erfindungen sondern zahlreiche in der Sowjetunion populäre revolutionäre Lieder, und zwar unter anderem der polnischen Arbeiter-Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts im Finale. Im ersten Satz Der Palastplatz: Adagio erklingen der Choral Herr, erbarme dich unser und   das Gefangenenlied Gib acht!,  die Schostakowitsch auch am Ende  des zweiten Satzes mit  dem Massaker Der 9. Januar: Allegro – Adagio – Allegro – Adagio wieder aufgreift. Diesen Satz steigert Caballé-Domenech  grandios theatralisch mit der furios aufspielenden Staatskapelle mit prächtig strahlendem Blech der sechs Trompeten, drei Posaunen, Tuba und einem sechsfach  besetzten großartig präzisen Schlagwerk.

Bereits im ersten Satz hatte der erste Fagottist Kay Stöckel mit seinem elegisch singenden Instrument stark beeindruckt und steigert dies im dritten Satz Ewiges Angedenken: Largo noch einmal phänomenal.  Dieses Requiem für die Toten über den Revolutions-Trauergesang Unsterbliche Opfer gestaltet Caballé-Domenech mit der Staatskapelle Halle in noch gesteigerter Parallele zum Largo des Klavierkonzerts zum sich ständig wandelnden Klagehöhepunkt des Konzerts. Im direkten Anschluß  an das Massaker des zweiten Satzes greift dieser Übergang in der Gestaltung durch Caballé-Domenech ans Herz. Hier verströmen dann aufeinander folgend und sich ergänzend die Kontrabässe, Celli, ersten und  zweiten Violinen unter dem in Leningrad geborenen ersten Konzertmeister und Kammervirtuosen Arkadi Marasch und vor allem die besonders klangschön homogen spielenden Bratschen herzergreifenden Wohlklang. Dieses populäre Lied hatte auch schon Edmund Meisel in Eisensteins Panzerkreuzer Potemkin verwendet. Schostakowitsch selbst hat es außerdem in Podrugi  (Girlfriends) verwendet, und Benjamin Britten in A russian funeral. Am Ende erklingt die Melodie nochmals im Choral der Blechbläser.

Die semantische Vieldeutigkeit von Musik wird nach den eher einfach und klar aufgebauten  ersten drei Sätzen im trotzig insistierenden Finale  besonders deutlich, indem es ironisch, satirisch, bissig, grotesk, operettenmäßig, polystilistisch aufblitzt. Es wird geradezu körperlich ungemütlich in den bösartigen Zuspitzungen von dröhnend-heroisch vorgebender Finalthematik mit vulgär erscheinenden Steigerungen wie auf KPdSU- Befehl erfüllte Kompositionsforderungen. Darauf antwortet das Englischhorn mit einem einsamen Klagegesang (hervorragend Markus Stein), das für mich zaghafte Hoffnung ausdrückt.

Der Dirigent Semyon Bychkov macht im Begleittext zu seiner Aufnahme der Elften eine sehr interessante Beobachtung, die hier abschließen soll: Die Antwort zum Inhalt der Sinfonie liegt in den letzten Kodatakten des Schlusssatzes. Zwei Gruppen aus zwei Noten werden abwechselnd auf den Röhrenglocken angeschlagen: G-B und G-H, die […] große und kleine Terz […] Zusammen bilden sie das Thema der im zweiten Satz erklingenden Fuge, die  das Massaker des Blutsonntags […] darstellt. Bevor die Sinfonie abrupt zum Stehen kommt, hört man als letztes die kleine Terz. Es gibt keinen Sieg, nicht für die, die an jenem Tag ihr Leben ließen, noch für die zahllosen Millionen, die ihnen in den nächsten Jahrzehnten in das Grab folgten. Das ist Schostakowitschs Auffassung über 1905 aus der Warte von 1957.

Mehr als verdienter Jubel des Publikums in der fast voll besetzten Georg-Friedrich-Händel-Halle für das hochkarätig musizierte Symphoniekonzert der Staatskapelle Halle und ihren GMD Josep Caballé-Domenech, dass  ihre besondere Leistungskraft für große  symphonische Werke damit wieder einmal nachdrücklich unter Beweis gestellt hat. Damit  kann es mit benachbarten Weltklasseorchestern beachtlich gut konkurrieren.

Theater und Orchester Halle – Karten Hier
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Rudolstadt, Theater Rudolstadt, Ausnahmepianist Daniel Kharitonov trifft russische Meister, 15.-16.09.2017

September 8, 2017 by  
Filed under Konzert, Pressemeldung, Theater Rudolstadt

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Theater Rudolstadt

Theater Rudolstadt / Daniel Kharitonov - NO COPYRIGHT

Theater Rudolstadt / Daniel Kharitonov – NO COPYRIGHT

Ausnahmepianist trifft  russische Meister

Thüringer Symphoniker mit Daniel Kharitonov – Auftakt der Sinfoniekonzerte

Saalfeld. An Tschaikowskys berühmtestem Klavierkonzert, dem Konzert Nr. 1 b-Moll, kommt kein aufstrebender Pianist vorbei. Auch Daniel Kharitonov sorgte mit seiner Interpretation des Werkes schon für Furore. Die Thüringer Symphoniker präsentieren den jungen Ausnahmemusiker zum Auftakt der Reihe der Sinfoniekonzerte am 15. und 16. September im Meininger Hof Saalfeld. Neben Tschaikowskys Klavierkonzert bringen sie die „russische Seele“ außerdem mit Werken von Gavrilin und Rimsky-Korsakov zum Klingen. Es dirigiert Chefdirigent Oliver Weder.

Spätestens seit seinem Erfolg beim international renommierten Tschaikowsky-Klavierwettbewerb vor zwei Jahren in Moskau stehen dem mittlerweile 18-Jährigen Kharitonov alle Türen zu den großen Konzertsälen dieser Welt offen. Doch trotz internationaler Karriere ist er seiner Heimat Russland nach wie vor musikalisch eng verbunden. So trat er in den letzten Jahren durch Konzerte und Solorezitale u. a. in der „Tchaikovsky Concert Hall“ und im „International Performing Arts Center“ in Moskau hervor. Nach seinem Debüt mit dem Orchester des Mariinsky-Theaters unter der Leitung von Valery Gergiev im Jahr 2013 spielt er regelmäßig mit dem berühmten Klangkörper.

Auch Chefdirigent Oliver Weder begibt sich mit diesem Konzert auf vertrauten, beinahe heimischen Boden, da er in jungen Jahren als Dirigent für Ballett und Musiktheater in Perm und St. Petersburg tätig war. So sind ihm auch die Klänge des Balletts „Anjuta“ von Valery Gavrilin seit langem vertraut, die mit expressiven, folkloristischen Elementen zu bestechen vermag. Abgerundet wird das 1. Sinfoniekonzert mit Nikolai Rimsyk-Korsakovs „Capriccio Espagnol“ op. 34.

Karten für beide Abende, Beginn jeweils 19.30 Uhr, sind an den bekannten Vorverkaufsstellen des Theaters sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich. PMTheater Rudolstadt

Wien, Wiener Staatsoper, Netrebko: Kammersängerin der Staatsoper, Februar 2017

Februar 17, 2017 by  
Filed under Personalie, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Anna Netrebko  –  Kammersängerin

Anna Netrebko, die umjubelte Leonora der Trovatore-Premiere an der Wiener Staatsoper (letzte Vorstellung dieser Serie: Samstag, 18. Februar), wurde am heutigen Donnerstag, 16. Februar 2017 im Gustav Mahler-Saal der Wiener Staatsoper mit dem Berufstitel Kammersängerin ausgezeichnet. Die Verleihung erfolgte durch Kulturminister Thomas Drozda und Staatsoperndirektor Dominique Meyer. Zu den Gästen zählten u. a. der Ehemann Yusif Eyvazov, der Vater Yuri Netrebko, der ehemalige Staatsoperndirektor Ioan Holender, der designierte Staatsoperndirektor Bogdan Rošcic sowie die SängerkollegInnen Luciana D’Intino, Dmitry Korchak, KS Wolfgang Bankl, Hans Peter Kammerer, Simina Ivan, KS Ileana Cotrubas und Dirigent Marco Armiliato.

Wiener Staatsoper / Anna Netrebko und Dominique Meyer © Wiener Staatsoper GmbH / Ashley Taylor

Wiener Staatsoper / Anna Netrebko und Dominique Meyer © Wiener Staatsoper GmbH / Ashley Taylor

Staatsoperndirektor Dominique Meyer betonte in seiner Ansprache, dass Anna Netrebkos Auftritte ein „Geschenk sind, die große Emotionen auslösen – so wie meine Emotion heute groß ist. Jedes Mal, wenn Du an die Wiener Staatsoper kommst, sind alle glücklich: Du gehörst zur Familie! Es wird eine große Freude sein, die zwei kleinen Buchstaben „KS“ auf Deinem Namensschild in der Garderobe am Künstlergang zu lesen.“

„Der Name Netrebko steht weltweit für allerhöchste Opern- und Gesangskunst und gleichzeitig auch für schauspielerische Fähigkeiten, die jeder Traditionsbühne am Sprechtheater zu Ehre gereichen würden. Sie repräsentiert das Genre Oper für viele Menschen so wie keine andere und vermag es, ein breites Publikum in ihre musikalische Welt zu entführen“, sagte Kulturminister Thomas Drozda.

KS Anna Netrebko betonte in ihren Dankesworten: „Ich bin sehr glücklich und stolz über diesen Titel: „Kammersängerin“. Es gibt in Wien so eine lange Tradition großer Sänger und viele von ihnen haben diese besonderen zwei Buchstaben vor ihrem Namen: KS. Ich singe nun seit gut 15 Jahren in Wien und Salzburg, und Österreich ist mein Zuhause geworden. Es gibt nichts Schöneres für mich, als jetzt gerade in Wien zur „Kammersängerin“ ernannt zu werden. Ich danke der Stadt Wien, der Wiener Staatsoper und natürlich besonders Herrn Direktor Meyer für diese Auszeichnung. Vielen herzlichen Dank“.

Die in Krasnodar geborene Anna Netrebko studierte am St. Petersburger Konservatorium. Seit ihrem Debüt als Donna Anna bei den Salzburger Festspielen 2002 gehört sie zu den bekanntesten Künstlerinnen ihrer Generation. Engagements führen sie an alle bedeutenden Opern und Konzerthäuser rund um die Welt. Erfolgreich war sie bisher u. a. als Violetta (La traviata), Manon, Iolanta, Donna Anna, Elsa (Lohengrin), Susanna (Le nozze di Figaro), Amina (La sonnambula), Giulietta (I Capuleti e i Montecchi), Tatjana (Eugen Onegin), Lucia di Lammermoor, Adina (L’elisir d’amore), Gilda (Rigoletto), Musetta und Mimì (La Bohème), Giovanna d’Arco, Elvira (I puritani) und Norina (Don Pasquale).

Sie erhielt die von Musical America verliehene Auszeichnung „Musician of the Year“ (2008), den Classical BRIT Award, wurde vom Time Magazin in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen der Welt gewählt und erhielt mehrere ECHO Klassik-Preise.  An der Wiener Staatsoper debütierte sie am 2. April 2004 als Violetta (La traviata) und sang hier weiters noch die die Titelpartien in Manon, Manon Lescaut, Anna Bolena, Lucia di Lammermoor; Donna Anna (Don Giovanni), Tatjana (Eugen Onegin), Adina (L’elisir d’amore), Micaëla (Carmen), Mimì (La Bohème), Amina (La sonnambula) und Juliette (Roméo et Juliette) – insgesamt bisher 68 Opernvorstellungen. PM Wiener Staatsoper

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