Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2017, Tristan – Parsifal – Festspiel-Erlebnisse, IOCO Aktuell, 20.08.2017

August 19, 2017 by  
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Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

 Bayreuther Festspiele 2017 – Mitreißende IOCO Erfahrungen

Tristan und Isolde, Götterdämmerung, Parsifal, IOCO – Redaktionstreffen, Begegnung mit Richard Wagners Urenkelin Katharina Wagner

Von  Patrik Klein

Seit beinahe 30 Jahren reisen meine Frau und ich regelmäßig nach Bayreuth zu den Festspielen, so auch in diesem Jahr. Doch 2017 ist anders als die vielen Jahre zuvor: Erstmals fungiere ich in Bayreuth offiziell als IOCO Koordinator: IOCO Redaktionsmitglied Dr. Hanns Butterhof, besuchte die vier Vorstellungen des Ring des Nibelungen, den Castorf – Ring 2017 und veröffentlichte bei www.ioco.de seine packende Rezension. IOCO – Kollege Dr. Albrecht Schneider wird die Meistersinger, inszeniert von Barrie Kosky, noch besuchen und ebenso bei IOCO berichten. Als IOCO – Koordinator für die Bayreuther Festspiele nahm ich gerne die Gelegenheit wahr, das Kulturportal IOCO, meine Kollegen und mich bei Peter Emmerich, Leiter Marketing und Presse der Bayreuther Festspiele, vorzustellen. In seinem Büro sitzend, IOCO vorstellend, trat plötzlich und völlig unerwartet Katharina Wagner herein, setzte sich zu uns und nahm interessiert wie aktiv an unserem Gespräch teil. Da meine Frau und ich Karten für Tristan und Isolde hatten, Petra Lang (Isolde) aber wegen Indisposition durch Ricarda Merbeth ersetzt wurde, unterhielten wir uns mit Katharina Wagner angeregt über Nöte kurzfristiger Umbesetzungen, die Bayreuther Festspiele allgemein wie auch Ziele und Schwerpunkte des Kulturportales www.ioco.de, IOCO – Kultur im Netz GmbH. Eine für mich wunderbare Erfahrung, all dies im Herzen der Festspiele persönlich wie intensiv kommunizieren zu können.

Bayreuther Festspiele / Katharina Wagner © Matthias Balk

Bayreuther Festspiele / Katharina Wagner © Matthias Balk

Die folgenden Tage in Bayreuth bestanden aus dem Besuch von Tristan und Isolde, Götterdämmerung und dem Spätwerk des Meisters, Parsifal. Dazu im Hotel Goldener Löwe eine kleine Redaktionssitzung zu aktuellen wie zukünftigen Zielen von IOCO; mit Viktor Jarosch und Dr. Hanns Butterhof. Dr. Butterhof besuchte und rezensierte bereits den Bayreuther  Castorf – Ring 2017 (link hier).

Vor dem Festspielhaus Bayreuth: IOCO Bayreuth Koodinator Patrik Klein, Viktor E. Jarosch, Dr. Hanns Butterhof Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Vor dem Festspielhaus Bayreuth: IOCO Bayreuth Koodinator Patrik Klein, Viktor E. Jarosch, Dr. Hanns Butterhof Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Tristan, Götterdämmerung, Parsifal – Kurze Eindrücke

Tristan und Isolde: Die Musik Richard Wagners geht über Alles. Seine Musik geht durch Mark und Bein; sie regt auf; sie regt an zum Nachdenken, zum Träumen und zum Weinen. Katharina Wagner, Leiterin der Bayreuther Festspiele und Urenkelin Richard Wagners, versteht es blendend in Ihrer Inszenierung von Tristan und Isolde Spannung aufzubauen, Spannung welche fasziniert. Sie schafft es, innere Seelenbilder „sichtbar“ zu machen. Ähnlich der Ruth Berghaus Inszenierung in Hamburg setzt sie an bei der Vorgeschichte.

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde © Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde © Enrico Nawrath

Tristan und Isolde lieben sich seit langem, bereits seit der Vorgeschichte in Irland (1. Akt „Dein Elend jammerte mich“ in Liebe-unterstreichender Tonart). König Marke wird nicht als etwas dümmlicher Opa charakterisiert, sondern ist Diktator, Schurke, Egoist. Die Handlung der Katharina Wagner – Inszenierung ist folgerichtig und klug durchdacht. Tristan und Isolde  brauchen keinen Liebestrank (mir klopft das Herz). Sie schütten ihn sogar weg u.v.m. Im zweiten Akt wird deutlich, dass sie wissen, dass dies ihre letze Nacht (Liebesnacht) werden wird. Der dritte Akt endet nicht wie so oft mit einem verklärten Liebestod (Wagner hat nie geschrieben, dass sie stirbt); Isolde spielt noch ein wenig mit der Leiche ihres Geliebten und wird dann schroff von Marke in ihre Kammer gezerrt. Atemberaubend und großartig dargestellt. Das Orchester der Bayreuther Festspiele ist „des Wahnsinns fette Beute“. Am Beginn des dritten Aktes kann man die Tränen angesichts der Schönheit der Musik nicht mehr zurückhalten. Warum auch?

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde - Schlussapplaus © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde – Schlussapplaus © Patrik Klein

Christian Thielemann dirigiert perfekt; flüssig; an manchen Stellen innehaltend; wuchtig; solide; abenteuerlich. Es ist eine Freude. Der Gesang ist besser als befürchtet. Grandios mit allesüberstrahlendem Bass René Pape. Kraftvoll bis zum letzten Atemzug der Tristan von Stephen Gould. Ricarda Merbeth singt ordentlich von der Seite für die erkrankte Petra Lang. Frau Lang spielt stumm. Die Brangäne wird von der wohlklingenden Christa Mayer dargestellt. Insgesamt sind die Stimmen bis auf René Pape wenig textverständlich. Obwohl ich den Text der Oper Tristan und Isolde recht gut kenne, sehnt man die fehlenden Übertitel herbei. Großer Jubel und Getrampel nach sechs Stunden spannendem Musiktheater.

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung - Finale © Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung – Finale © Enrico Nawrath

Götterdämmerung: Da Dr. Hanns Butterhof bereits ausführlich über den Ring berichtete, hier mein kurzer Eindruck von der Castorfschen Apokalypse des Kapitalismus. Die Vorstellung gerät, wenn man die drei vorherigen Teile nicht sehen konnte, leicht zu einer Reizüberflutung größten Ausmaßes. Nie zuvor war ich nach einer Götterdämmerung emotional so fertig und scheinbar überrannt. Doch die Musik war umso erstaunlicher. Marek Janowski dirigierte vor Kurzem mit dem NDR Elbphilharmonieorchester und Weltklassesängern ein großartiges Rheingold in der Elbphilharmonie Hamburg. Die musikalisch hohe Qualität setzte sich hier in Bayreuth   nahtlos fort.

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung - Schlussapplaus © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung – Schlussapplaus © Patrik Klein

Janowski dirigiert zügig; sehr zügig, aber spannend und facettenhaft. Das machte Spaß. Die Sängerriege kurzum großartig erhielt Zuspruch ohne Einschränkungen. Es ist wunderbar, ein solches gleichförmiges Niveau erleben zu dürfen. Der Chor unter Eberhard Friedrich singt im Weltklassemodus. Man wünscht sich als Hamburger an dieser Stelle, dass es ihm gelänge, dies auch an der Hamburgischen Staatsoper häufiger umzusetzen.

Bayreuther Festspiele / Parsifal 1. Akt © Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Parsifal 1. Akt © Enrico Nawrath

„Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten“, so der Dalai Lama. Parsifal bei den Bayreuther Festspiele 2017: Ein Ereignis.  Regisseur Uwe Eric Laufenberg gibt zu denken; er provoziert mit sanften Bildern, nicht wie gestern der Chef des aktuellen Ringes. Seine Bilder rauben mir den Atem. Wir befinden uns in Mossul, wenn ich die Raumfahrt über google earth richtig gedeutet habe. In einer beschädigten Kirche, die nachts Flüchtlingen Unterschlupf gewährt. Soldaten queren und in der Kuppel sitzt eine Gestalt auf einem Stuhl, blau gekleidet mit schwarzen Locken…starr und stumm…sie wird uns die ganzen 4 Musikstunden begleiten, nichts sagen, nichts tun, nur ab und an mal angestrahlt; die machtlose Mutter Gottes? Die Gralsritter wirken hektisch und es lauert Gefahr. Gurnemanz (überragend Gerd Zeppenfeld) weist den schwantötenden Parsifal (Andreas Schagerl in Bestform) in seine Schranken. Die Verwandlungsmusik wird bebildert durch eine Videowand in voller Bühnenbreite. Durch das Kuppeldach der Kirche fliegen wir in den Weltraum und sehen Sterne, Chaos und wilde Schönheit. Und wir landen wieder dort, im Irak, an der Grenze zur Türkei. Amfortas (großartig Ryan McKinny) leidet und durchlebt eine Tortur des Rituals der Gralsenthüllung. Der Chor unter Eberhard Friedrich klingt erschütternd. Amfortas wird die Wunde gewaltsam geöffnet, Blut entnommen und in den Kelch gefüllt. Verrohen die Gralshüter angesichts der brutalen Ereignisse? Im zweiten Aufzug im Reich des Klingsors (Werner Van Mechelen mit einem kraftvollen Bayreuthdebut) findet in einem Hamam statt. Die Blumenmädchen sind als Muslima getarnt und unter Burkas verhüllt. Erst als Parsifal erscheint, entledigen sie sich der Kleidung und erscheinen in farbenfrohen Gewändern. Parsifal im Dialog mit der großartigen Kundry, Elena Pankratova, wird durch Mitleid wissend und nimmt sich Kundry ordentlich zur Brust.

Bayreuther Festspiele / Parsifal - Schlussapplaus © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele / Parsifal – Schlussapplaus © Patrik Klein

Ein gefangen gehaltener Gralshüter tut es ihm gleich, während Klingsor sich in einem Kuppelraum vollgestopft mit Kreuzen mit einer Peitsche malträtiert. Im dritten Akt befinden wir uns viele Jahre später wieder im Dunstkreis Amfortas. Gurnemanz im Rollstuhl, kaum noch gehfähig, Kundry eine Greisin. Der Ort ist verwildert mit riesigen Pflanzen, die das Mauerwerk längst durchstoßen haben. Ersehntes Wasser regnet in Strömen aus den Wolken während beim Karfreitagszauber wieder ein Videoausflug stattfindet, bei dem Kundry, Amfortas und Wagners Totenmaske „erlöst“ werden. Die Schlussszene wiederholt sich wie am Anfang. Die wütenden Gralshüter fordern massiv ein letztes Mal die Enthüllung von Amfortas (der Chor sehr ausdrucksstark!). In offenem Sarg werden die religiösen Attribute der großen Weltreligionen versenkt, währenddem die Kirche aufreißt, das Licht im Zuschauerraum anschwillt und das Ensemble friedvoll in der Hinterbühne verschwinden. Der Vorhang fällt NICHT! Jubel ohne Ende für alle Beteiligten und ganz besonders für das atemberaubende Dirigat Hartmut Haenchens.

München, Bayerische Staatsoper, Premieren Spielzeit 2017 / 2018

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

  Premieren in der Spielzeit 2017 / 18

Das Spielzeitthema der kommenden Saison lautet Zeig mir deine Wunde. Staatsintendant Nikolaus Bachler betont: „Ob positives Wagnis, sich in seiner Verletzlichkeit zu zeigen, oder zweifelnde Wahrheitssuche: Verschiedene Interpretationen liefern den Stoff für unsere sieben Opern-Premieren.“

Opern-Premieren:

26.10.2017 – Le nozze di Figaro
Musikalische Leitung: Constantinos Carydis, Inszenierung: Christof Loy
Mit Christian Gerhaher, Federica Lombardi, Anett Fritsch, Alex Esposito, Olga Kulchynska

17.12.2017 – Il trittico
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko, Inszenierung: Lotte de Beer
Mit Wolfgang Koch, Yonghoon Lee, Ermonela Jaho, Ermonela Jaho, Ambrogio Maestri, Rosa Feola, Pavol Breslik

11.3.2018 – Les Vêpres siciliennes
Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber, Inszenierung: Antú Romero Nunes
Mit Carmen Giannattasio, Erwin Schrott, George Petean

21.5.2018 – Aus einem Totenhaus von Fjodor M. Dostojewski
Musikalische Leitung: Simone Young, Inszenierung: Frank Castorf
Mit Peter Rose, Evgeniya Sotnikova, Aleš Briscein, Bo Skovhus

28.6.2018 –  Parsifal von Richard Wagner
Musikalische Leitung: Kirill Petrenko, Inszenierung: Pierre Audi
Mit Jonas Kaufmann, Christian Gerhaher, Nina Stemme, René Pape

23.7.2018 –  Orlando Paladino von Joseph Haydn 1732 — 1809
Musikalische Leitung: Ivor Bolton, Inszenierung: Axel Ranisch
Mit Sofia Fomina, Mathias Vidal, Edwin Crossley-Mercer, Tara Erraught


Ballett-Premieren:

19.11.2017 – Anna Karenina 
Choreographie: Christian Spuck, Komponist: Sergej W. Rachmaninow, Witold Lutoslawski, Sulkhan Tsintsadze und Josef Bardanashvili

14.4.2018 – Portrait Wayne McGregor
Choreographie: Wayne McGregor, Musik: Joel Cadbury, Paul Stoney, Max Richter

4.7.2018 –  Ballettabend – Junge Choreographen
Junge Nachwuchschoreographen kreieren für das Ensemble des Bayerischen Staatsballetts zeitgenössische Werke, PMBayerStoM

 

München, Bayerische Staatsoper, Wiederaufnahme: ELEKTRA von Richard Strauss, 13.04.2016

März 15, 2016 by  
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Bayerische Staatsoper München

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Nationaltheater München © Wilfried Hösl

Wiederaufnahme: ELEKTRA von Richard Strauss

Wiederaufnahme Mittwoch 13.04.2016, 19.30 Uhr, Nächste Vorstellungen:
Sa 16.04.2016, 19.30 Uhr, Fr 22.04.2016, 19.30 Uhr

Elektras Vater: ermordet. Ihre Mutter und deren Liebhaber Ägisth sind seine Mörder. Die verwahrloste Elektra will den Vatermord rächen. Sie hat das Beil für die Tat, aber nicht die Kraft. Da erscheint ihr Bruder Orest … Blechgepanzerte Emotionen! – aufgepeitscht von einem riesigen Orchester. Hochkarätige Sänger. Umjubelte Inszenierung von Herbert Wernicke. Erschütterndes Seelendrama!

Musikalische Leitung Simone Young Inszenierung, Bühne, Kostüme, Licht Herbert Wernicke Chöre Sören Eckhoff

BEESTZUNG:
Klytämnestra: Gabriele Schnaut, Elektra: Evelyn Herlitzius
Chrysothemis: Edith Haller, Aegisth: Ulrich Reß, Orest: René Pape
Der Pfleger des Orest: Christoph Stephinger
Die Vertraute: Marzia Marzo, Die Schleppträgerin: Anna Rajah
Ein junger Diener: Matthew Grills, Ein alter Diener: Peter Lobert
Die Aufseherin: Helena Zubanovich
Erste Magd: Okka von der Damerau
Zweite Magd: Angela Brower
Dritte Magd: Heike Grötzinger
Vierte Magd: Eri Nakamura
Fünfte Magd: Golda Schultz
Bayerisches Staatsorchester
Chor der Bayerischen Staatsoper

Pressemeldung Bayerische Staatsoper München

Dortmund, Konzerthaus Dortmund, Liederabend Rene Pape, IOCO Kritik, 29.05.2015

Juni 6, 2015 by  
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Konzerthaus Dortmund

Konzerthaus Dortmund T Rene Pape © Matthias Bothor / Deutsche Grammophon

Konzerthaus Dortmund T Rene Pape © Matthias Bothor / Deutsche Grammophon

Liederabend René Pape, Bass, 29.05.2015

Er ist inzwischen auf seinem künstlerischen Höhepunkt angelangt. René Pape  hat heute einen unangefochtenen Platz in der Spitzenposition erreicht und weiß durch hohe Musikalität und mit einer außerordentlich schönen Stimme das Publikum in allen wichtigen Opernhäusern der Welt zu begeistern. [Von Rene Pape wurden verschiedene Aufnahmen bei der deutschen Grammophon veröffentlicht.]

Sein Rollenrepertoire umfasst Partien wie Gurnemanz, König Marke, Wotan, Philipp, Boris Godunoff und andere. Der 1964 in Dresden gebürtige Bassist war zunächst Mitglied des Dresdner Kreuzchores und begann 1981 in seiner Heimatstadt sein Gesangsstudium. 1987 debütierte er an der Berliner Staatsoper als Sprecher in der “Zauberflöte“. Ein Jahr später wurde er Mitglied des Institutes. Gastspiele in aller Welt folgten.

Aber er reüssiert nicht nur als Opernsänger. Sein Oratorienrepertoire ist beträchtlich und Liederabende sind ihm ein Herzensbedürfnis geworden.

Nun gastierte er im Dortmunder Konzerthaus mit einem außerordentlichen, kontrastreichen Programm.

Den Beginn machten die “Sechs Lieder von Gellert, op. 48“ von Ludwig van Beethoven. Diese sechs Lieder mit ihrem geistlichen Charakter komponierte Beethoven 1803 und sie heben sich stilistisch doch sehr von seinem anderen Liedschaffen ab. Eine Portion Pathos steckt in ihnen und der jeweilige Interpret muss in seinem Vortrag aufpassen um nicht über zu betonen.

Bei René Pape besteht diese Sorge nicht, er sang die sechs Lieder mit einer sehr angenehmen Schlichtheit und einer unglaublichen Textverständlichkeit.

Höhepunkt daraus war das Lied Nr. 6, das “Bußlied“, das nicht allein durch seinen Umfang, sondern auch an Bedeutung, die vorangegangenen Lieder übertrifft. Es ging geistlich weiter mit Antonin DvoraksBiblische Lieder, op. 99“.

Dvorak schrieb die zehn Lieder innerhalb von drei Wochen 1894, im zweiten Jahr seines Aufenthaltes in Amerika nieder. Es sind keine Klagelieder, sondern Stücke, die eine tiefe Frömmigkeit widerspiegeln. Pape, mit der Schlichtheit seines Vortrags und der klangvollen Stimme, brachte diese Frömmigkeit sehr gut zum Ausdruck.

Weniger bekannt ist Roger Quilter. Der englische Komponist (1877-1953), der am Frankfurter Konservatorium studiert hatte, stand immer ein wenig im Schatten von Vaughan-Williams und Stanford. Er schrieb leichte, gefällige Musikstücke, eine Operette und hinterließ immerhin über 100 Lieder, die teils gefühlvoll sind und vielfach Folksong-Charakter haben.

Dass er auch für ernstere Lieder die richtigen Töne fand, zeigte er in seinen “Shakespeare-Songs, op. 6“. Feine melodische Lieder sind es, wechselnd zwischen Dramatik und Melancholie. Pape sang sie mit subtilster Phrasierung.

Dieser außergewöhnliche Liederabend endete mit Modest MussorgskysLieder und Tänze des Todes“. Es sind vier Gesänge mit der für Mussorgsky typischen archaischen Wucht und dankbare Vehikel für Bassisten vom Schlage eines Boris Christoff oder Kim Borg.

Pape sang sie schlanker als die genannten Kollegen, aber vor allem flexibler und auch hier wieder mit exzellenter Textverständlichkeit.

Einen kongenialen Begleiter hatte der Sänger in Camillo Radicke, der wie  Pape in Dresden geboren wurde und auch dort sein Handwerk erlernte.

Sein technisches Fundament ist enorm und er ist nicht nur der versierte, immer aufmerksame Begleiter, bei der sich ein Sänger sicher fühlt. Bei ihm hörte man Solo-Stellen, die oftmals in der Begleitung überspielt werden.

Es gab starken herzlichen Beifall und natürlich einige Zugaben.

IOCO / UGK / 29.05.2015

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