Berlin, Deutsche Oper Berlin, Großes Haus – Neuer Intendant – moderner Auftritt, IOCO Aktuell, 25.04.2012

April 25, 2012 by  
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Aktuell

Deutsche Oper Berlin

Berlin / Deutsche Oper Berlin © Bernd Uhlig

Berlin / Deutsche Oper Berlin © Bernd Uhlig

Spielplan 2012/13: Neuer Intendant und Aufbruchstimmung
Berlins größtes Opernhaus mit moderner Konzeption

Dietmar Schwarz (54), kommender Intendant der Deutschen Oper Berlin, leitete dort am 13.4.2012 seine erste Jahrespressekonferenz (JPK) zum Spielplan 2012/13. Formal übernimmt Schwarz die Intendanz im Herbst 2012. Teures deutsches Theater-Unikum: Die Deutsche Oper Berlin, mit 1.954 Plätzen mit Abstand größtes Opernhaus Berlins, residiert nur 300 Meter entfernt vom Schiller Theater, von 2010 bis mindestens 2015 Ersatzspielstätte der Staatsoper Unter den Linden.

Berlin / DOB: Fehrle, Scheuferle, Schwarz, Runnicles, Hartmann ,Königsdorf © IOCO

Berlin / DOB: Fehrle, Scheuferle, Schwarz, Runnicles, Hartmann ,Königsdorf © IOCO

Mit Dietmar Schwarz, zuvor erfolgreicher Operndirektor in Basel, verbindet sich in Berlin die Hoffnung, daß er die großen Möglichkeiten der seit Jahren glücklos geleiteten Deutschen Oper Berlin besser nutzen wird. Erfolg ist Dieter Schwarz zu wünschen, denn die hohen Zuschüsse für Berlins drei Musiktheater haben viele Neider: Die Piratenpartei forderte kürzlich die Deutsche Oper Berlin zu schließen und die freiwerdenden € 39 Mio Zuschüsse an die freie Szene umzuverteilen. Ein nicht ganz absurder Vorschlag wenn man bedenkt, daß die Einnahmen öffentlich geführter Musiktheatern nur 10 – 15% der gesamten Kosten decken. Dieser öffentliche Druck sollte die Theatermacher anregen, größere Kongruenz zwischen künstlerischen Vorstellungen von Intendanten, Regisseuren und den Wünschen großer wie kleiner Besucher herzustellen.

Die erste Spielplanpräsentation von Dietmar Schwarz war konkret. Als einziger Intendant der drei Berliner Opernhäuser präsentierte er seine Saisonplanung mit seinem gesamten Leitungsteam. Der Geschäftsführende Direktor Thomas Fehrle, Operndirektor Christoph Seuferle, GMD Donald Runnicles, die Künstlerische Leiterin Dorothea Hartmann und der neu bestallte Chefdramaturg Jörg Königsdorf stellten ihre persönlichen Ziele der Saisonplanung 2012/13 gleichberechtigt und motiviert vor. Dietmar Schwarz formulierte sein Ziel, das hohe Durchschnittsalter von Opernbesuchern von 59 Jahren zu senken. „Man muß deutlich machen, wofür die Deutsche Oper Berlin steht. Sie muß mehr sein als klassische große Oper„, so Dietmar Schwarz, „neues Publikum muß nachkommen„. Sprach es und stellte Katharina Mohr als neue Leiterin der Jungen Deutschen Oper vor, welche Produktionen für den künstlerischen Sängernachwuchs und Cross-over-Projekte forcieren soll.

Berlin / DOB bei Tag © IOCO

Berlin / DOB bei Tag © IOCO

Deutsche Oper Berlin U-Bahnstation © IOCO

Deutsche Oper Berlin U-Bahnstation © IOCO

Als Spielstätte für diese  Junge Deutsche Oper wird der an das Musiktheater angrenzende riesige Tischler-/Werkstattraum saniert, umfunktioniert: € 1,5 Mio hat hierfür der Senat Berlin bereits bewilligt. Bis zu 400 Besucher, meist jüngeren Alters, sollen dort im Jahr 150 moderne, experimentelle Produktionen erleben. Am 27. November eröffnet die Berliner Theaterkompanie Nico and the Navigators mit einer Mahlermania!  Im Januar 2013 bringt die Chinesin Lin Wang das vertonte Kinderbuch „Oh wie schön ist Panama“ von Janosch, alias Horst Eckert, in die Werkstatt. Mittelfristig sollen 30.000 junge Besucher im Jahr ihren Weg in die alte „Tischlerei“ finden. Schwarz und sein Team setzten moderne Musiktheater – Akzente.

Die in drei Phasen geplante Erneuerung der Opernmaschinerie führt in der kommenden Spielzeit zu erheblichen Behinderungen des Repertoirebetriebs im Großen Haus. So wird während der ersten Bauphase im September 2012, aus der Not geboren, das selten gespielte Mädchen mit den Schwefelhölzern von Helmut Lachenmann, etwas ungewöhnlich, nur ensuite und vor dem eisernen Vorhang gespielt werden. Während der zweiten (2. Mai bis 27. August 2013) und dritten Bauphase (10. Juni  bis 21. September 2014) muß die Deutsche Oper Berlin geschlossen werden. Zudem sind die im Spielplan genannten Premierentermine der Tischlerei bereits überholt und nachzufragen!  „Bauen Sie mal in Berlin„, Schwarz leicht schmunzelnd.

Der Spielplan 2012/13, so Schwarz, soll vielschichtig sein; 6 Premieren  und 23 Repertoirestücke stehen auf dem Spielplan; Pflege der zum Teil großartigen Repertoirestücke haben zentrale Bedeutung; ein Motto für die kommende Saison verweigerte er: „Das Team ist das Programm„. Und dieses Team stellte den Spielplan in Detail vor: Donald Runnicles beschwor die Klangkultur seines Orchesters und schwärmte von Parsifal, James Levine und Götz Friedrich. Dorothea Hartmann stellte den neuen Geist der „Tischlerei“ und ihren weitgefassten Musikbegriff und die vielen pädagogischen Angebote vor. Thomas Fehrle beschrieb die gute Auslastung von 80,6% und seine aktive Suche nach Sponsoren. Jörg Königsdorf und die anderen Teamkollegen rundeten den „Teamspirit“  des Hauses sympathisch kompetent ab.

–  6 Theater – Premieren

15. September 2012Das Mädchen mit den Schwefelhölzern von Helmut Lachenmann, nach Hans Christian Andersen, Dirigent Lothar Zagrosek, Inszenierung David Hermann, Stimme I  Hulkar Sabirova, Stimme II  Yuko Kakuta,

21. Oktober 2012Parsifal von Richard Wagner, Dirigent D. Runnicles, Inszenierung Philipp Stölzl, Amfortas Markus Brück, Titurel Albert Pesendorfer, Gurnemanz Robert Holl ua, Parsifal Klaus Florian Voigt ua, Kundry Evelyn Herlitzius ua

9. Dezember 2012:  Die Liebe zu den drei Orangen von Sergej Prokofjew, Dirigent Steven Sloane, Inszenierung Robert Carsen, König Treff Albert Pesendorfer, Der Prinz Thomas Blondelle, Prinzessin Clarisse Clémentine Margaine, Leander Markus Brück uam

25. Januar 2013:  Peter Grimes von Benjamin Britten, Dirigent Donald Runnicles, Inszenierung David Alden, Peter Grimes Christopher Ventris, Ellen Orford Michaela Kaune, Balstrode Markus Brück, Auntir Rebecca de Pont Davies, uam

10. März 2013: Der Ring: Next Generation von Richard Wagner / Alexandra Holtsch Jugendprojekt zum Wagner-Jahr mit Motiven aus dem Ring und Neukompositionen, Dirigent Moritz Gnann, Inszenierung Robert Lehninger, Dramaturgie Dorothea Hartmann,

21. April 2013: Rigoletto von Giuseppe Verdi, Dirigent Pablo Heras-Casado, Inszenierung Jan Bosse, Herzog von Mantua David Lomeli, Rigoletto Andrzej Dobber, Gilda Lucy Crowe, Monterone Bastiaan Everink,

– 2 Konzertante Premieren

27. April 2013: Lucrezia Borgia von Gaetano Donizetti, Dirigent Andriy Yurkevych, Chöre William Spaulding, Don Alfonso Alex Esposito, Lucrezia Borgia Edita Gruberova, Maffio Orsini Jana Kurucová,

19. Juni 2013: Attila von Giuseppe Verdi, Dirigent Pinchas Steiberg, Chöre William Spaulding, Attila Erwin Schrott, Ezio Dalibor Jenis, Odabella Liudm. Monastyrska

– 23 Repertoireopern

Der Wagner-Schwerpunkt 2013 der Deutschen Oper Berlin beinhaltet: Lohengrin, Die Meistersinger von Nürnberg, Rienzi der letzte der Tribunen, Der Ring des Nibelungen (ab 21.9.2013  Das Rheingold), Tannhäuser, Tristan und Isolde. Weitere Repertoireopern beinhalten: Die Trojaner von Hector Berlioz, Carmen von Georges Bizet, Lucia di Lammermoor von Gaetano Donizetti, Don Giovanni und Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart, Madame Butterly, Tosca, Turandot von Giacomo Puccini, Ein Maskenball, Messa da Requiem, Otello, La Traviata von Giuseppe Verdi, Jeanne D´Arc von Walter Braunfels, Der Nussknacker von Peter Tschaikowskij, Das Märchen von der Zauberflöte nach W.A. Mozart.

– 7 Premieren Tischlerei:  Termine unklar: Wegen Umbauproblemen bitte Termine erfragen

1. Mahlermania nach Gustav Mahler, 2.  Oh, wie schön ist Panama von Li Wang nach Janosch, 3. Irgendie anders (für Kinder) von Juliane Klein, 4. Neue Szenen Kompositionswettbewerb,  5. Hoffmann Phantasmagorien nach Jacques Offenbach, 6. Bismarckstrasse 35 Konzertinstallation von Helmut Lachenmann, 7. M & The Acid Monks Desert-pop-Theater.

–  20.10.2012: 100-jähriges Bestehen der Deutschen Oper Berlin: Festkonzert

Moderation Tita von Ardenberg: 1. Teil: Richard Wagner Tannhäuser, Hans Werner Henze Uraufführung eines Auftragswerks der Deutschen Oper Berlin, Gioacchino Rossini Guillaume Tell, Giuseppe Verdi Falstaff, 2. Teil: Ludwig van Beethoven Fidelio 2. Akt ua mit Jonas Kaufmann, Matti Salminen, Anja Kampe, Markus Brück.

– Weitere auffällige Konzerte: 12.4.2013,  Konzert mit Diego Florez und dem Orchester der Deutschen Oper Berlin, Die Perlenfischer von Georges Bizet am 5.6.2012 im Konzerthaus, sieben moderierte Kammerkonzerte aus der Türkei und Israel: im Foyer vom 24.9.2012 – 13.5.2012: Klang der Welt, Zwei Mittelmeerländer.

Die Deutsche Oper Berlin mit Dietmar Schwarz bietet 2012/13 mehr als viele hochklassige abendliche Vorstellungen. Den Altersdurchschnitt des Opernbesucher zu senken, Jugendtheater zu forcieren sind eine bessere Richtschnur als gelegentlich mit Weltstars à la  Anna Netrebko zu reüssieren. Wohltuend die Absicht, sich zur sich hüter gerierenden  Staatsoper Unter den Linden abgrenzen zu wollen.  Die Deutschen Oper Berlin auf der Bismarckstrasse 35:  Modernes, anspruchsvolles Musiktheater mit unkonventionellem Jugendmusiktheater mit ausgewogenem Klassik-Moderne Proporz.

IOCO / Viktor Jarosch / April 2012

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