Leipzig, Oper Leipzig, Salome von Richard Strauss, IOCO Kritik, 20.06.2017

Juni 21, 2017 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Salome von Richard Strauss

Große Sinfonische Dichtung mit Bühnenkunstwerk von rosalie

Von Guido Müller

Im Rahmen eines dreitägigen Richard-Strauss-Festivals an der Oper Leipzig mit dessen Opern Arabella und Die Frau ohne Schatten vom 16. bis 18.6. 2017 wurde die Oper Salome am 17.6. als Premiere am mittleren Abend aufgeführt.

Das Ereignis des Abends war die musikalische Leitung des Gewandhausorchesters Leipzig unter GMD und Intendant Ulf Schirmer und die glänzende Leistung des Orchesters. Wie eine der großen Sinfonischen Dichtungen von Richard Strauss, durch die er lange vor seinem großen ersten Opernerfolg mit Salome berühmt geworden war, entwirft Schirmer eine bis in die feinsten Verästelungen aufgefächerte Klangorgie mit dem bestens aufgelegten Gewandhausorchester Leipzig.

Dem großen Strauss-Spezialisten Ulf Schirmer gelingt es immer wieder, wie auch in der Arabella und Die Frau ohne Schatten in Leipzig, mir bisher ungehörte Stellen durchhörbar zu machen. In einer perfekten Symbiose mit dem Gewandhausorchester gelingen hier Sternstunden orchestraler Leistungsfähigkeit der Farbigkeit, Klangpracht, emotionalen Eruptionen und feinsten musikalischen Erfüllung. Damit macht Schirmer deutlich, dass das weltweite Spitzenorchester Gewandhausorchester Leipzig nicht nur mit Recht unter den Orchestern im Konzertsaal den fünften Platz belegt sondern auch im Orchestergraben brilliert.

Oper Leipzig / Salome - Elisabet Strid als Salome und Tuomas Pursio als Jochanaan © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Salome – Elisabet Strid als Salome und Tuomas Pursio als Jochanaan © Kirsten Nijhof

Nach einem etwas ruhig-zögerlichen Beginn, den ich schon nervös zupackender erlebt habe, steigert Ulf Schirmer das herausragende Orchester in eruptive und vor Spannung berstende Momente. Das Finale des großen Monologs der Salome bot eine vom Orchester und umjubelte Elisabet Strid als Salome kaum zu steigernde knisternde Spannung und Leidenschaft. Wie erschlagen verharrte das Publikum danach auch einige Momente in größter Ruhe, um dann mit großem dankbaren Applaus die Spannung abzubauen.

Die Schwedin Elisabet Strid, die bereits als herausragende Brünnhilde in Wagners Siegfried in Leipzig auf sich aufmerksam gemacht hat, sang und spielte nun ihr Debut in dieser äußerst anspruchsvollen Titelpartie einer mörderischen Kinds-Frau. Diese Rolle vereinigt Züge eines naiven Mädchen mit einer in größter Dekadenz aufgewachsenen verwöhnten Göhre, einer erwachenden jungen, liebessehnsüchtigen Frau mit dem Dämon einer grausamen und abstoßenden höfischen Perverserotik.
Möglicherweise der Premierennervosität geschuldet, oder ihrer Auffassung vom zunächst passiv leidenden Mädchen am Hofe ihres Stiefvaters, dringt ihre nie hart klingende, eher lyrisch-dramatische Sopranstimme erst allmählich durchs Orchester. So entsteht häufig der Eindruck einer großen sinfonischen Dichtung um und mit der Sängerin.

Oper Leipzig / Salome - Elisabet Strid als Salome © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Salome – Elisabet Strid als Salome © Kirsten Nijhof

Für die Inszenierung von Aron Stiehl, deren roter Faden die Darstellung einer möglichst perversen und dekadenten Upper-Class-Nachkriegsgesellschaft in allen klischeemäßigen Facetten ist, hat die kürzlich verstorbene Bühnen- und Kostümbildnerin rosalie ihm ein zwischen Kubismus, in wechselnder Erotikcenter-Beleuchtung und Baumarktcharme schillerndes Bühnenbild und bunte Kostüme entworfen. Darin fallen hinten eine steile Treppe zur bunten Partygesellschaft in der Hochterrasse auf, sowie unten ein zerschossener Jeep mit ständig sprudelndem Springbrunnen, ein großer Ventillator als Mond auf der Hochterrasse und ein Turm, der u.a. Jochanaans Verheißungen dient. Alles wirkt wie in einer Feuerpause irgendeines Krieges im Mittleren Osten.

Tuomas Pursio, eine der Stützen des Leipziger Ensembles, singt den Jochanaan mit eher schlankem Bariton, dem sowohl die dunkle balsamische Tiefe wie die düstere Bedrohlichkeit der Rolle eher abgehen, in der Strauss immerhin die perverseste Figur seiner Oper sah. Pursio ist ein idealer eleganter und verführerischer Mandryka in der Leipziger sehr überzeugenden Arabella. Doch paßt Pursio damit ideal in das Regiekonzept Stiehls, der Jochanaan sich fast den körperlichen Annäherungen Salomes erliegend zeigt, zumindest sehr aufgeschlossen für die körperlichen Reize der Prinzessin. Leider hat rosalie der Salome ein äußerst unvorteilhaftes Kostüm und eine blonde Riesenstruppelperücke verpasst, die sie äußerlich zur zerrupften Puppe der dekadenten Gesellschaft machen.

Oper Leipzig / Salome Ensemble und Lichtstrukturen der rosalie © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Salome – Ensemble und Lichtstrukturen der rosalie © Kirsten Nijhof

Zum Verbergen auf der Bühne dienen mit Steinen (Assoziation der Steinigung?) gefüllte Käfige an der stark verengten Bühnenanrampe. Nach Ende von Salomes Tanz der sieben Schleier vergewaltigte hinter so einem Käfig der sexbesessene Herodes seine Stieftochter zum Oralverkehr.
Der Tanz war durch ein Maskenspiel in einer Bühne (mit einem von Blutflecken übersäten Vorhang) auf der Bühne dargestellt. Dort lässt Salome ihrem Stiefvater Herodes ihre seelische und körperliche Mißbrauchsgeschichte pantominisch vorspielen. Damit versetzt sie ihn in immer größere sexuelle Aufwallung. Der in einem Rosa-Anzug sich immer stärker erregende Herodes (mit differenzierendem Spiel-Helden-Tenor Michael Weinius) tanzt schließlich mit Salome sie vergewaltigend im Dreivierteltakt. Das wirkt wie eine Vorwegnahme der Tanzszene des fettwanstigen Ochs auf Lerchau mit dem Dienstmädchen im Rosenkavalier. Die ebenfalls reichlich sexbessene und koksende Mutter Herodias (stimmlich und spielerisch herausragend Karin Lovelius) ignoriert dies.

Das übrige Ensemble der fünf Juden Rouwen Huther, Patrick Vogel, Tyler Clarke, Martin Petzold und Sejong Chang glänzt gesanglich in seinem Quintett, für mich immer einer der heimlichen Höhepunkte der Oper. Auch die übrigen kleinen Rollen erfüllen ihre Aufgaben rollendeckend. Sergei Pisarev kann seine schönen tenoralen Fähigkeiten in der kurzen Rolle als Narraboth leider nur eingeschränkt entfalten.

Die Salome an der Oper Leipzig, der erste große Opernerfolg von Richard Strauss, wird in dieser Premiere vor allem zu einem Triumph des Gewandhausorchesters Leipzig unter GMD und Intendant Ulf Schirmer. Elisabet Strid packt mit ihrem Debut in der Titelrolle durch ihre Steigerungen in die gesangliche Exstase des großen Schlussmonologs um Liebe und Tod.

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Dresden, Semperoper, Premiere Salome von Richard Strauss, IOCO Aktuell, 24.09.2016

September 17, 2016 by  
Filed under IOCO Aktuell, Musiktheater im Revier, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Semperoper: Michael Schulz inszeniert Salome

Libretto vom Komponisten nach Oscar Wildes gleichnamiger Dichtung in deutscher Übersetzung von Hedwig Lachmann

Salome von Richard Strauss: Premiere 24.9.2016, weitere Vorstellungen 27.9.2016, 30.9.2016, 28.10.2016, 4.11.2016

Die Semperoper in Dresden ist unstreitig eines der schönsten Musiktheater der Welt. 1841 erbaute Gottfried Semper den attraktiven Rundbau mit 2000 Plätzen, der mit 93% Auslastung zu den beliebtesten Theatern Deutschlands zählt.

Michael Schulz © MiR / Pedro Malinowski

Michael Schulz © MiR / Pedro Malinowski

Am 24. September 2016 wird Salome von Richard Strauss in der Semperoper Premiere feiern. Neben Lance Ryan und Christa Mayer als Herodes und Herodias sind Jennifer Holloway in der Titelpartie und Markus Marquardt als Jochanaan zu erleben. Das Bühnenbild wird von Dirk Becker stammen, Renée Listerdal ist für die Kostüme verantwortlich. Es ist die Eröffnungspremiere der Semperoper für die Spielzeit 2016/17.
Regisseur dieser Salome ist Michael Schulz. Mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden hat Michael Schulz  bereits eng zusammen gearbeitet, unter anderem in Salzburg. Dort ist der traditionsreiche Klangkörper aus Dresden Residenzorchester der Osterfestspiele, Schulz inszenierte dort 2013 den Parsifal von Richard Wagner, welcher auch in 3SAT übertragen wurde. Michael Schulz ist seit 2009 auch Intendant des im Ruhrgebiet bestens etablierten Musiktheater im Revier (MiR). Das MiR,  für geographisch nicht ganz sattelfeste Musikfreunde, liegt inmitten des Ruhrgebiets, in Gelsenkirchen und hat 1.000 Plätze.

Semperoper / Salome © Forster

Semperoper / Salome © Forster

Handlung: Salome ist fasziniert von der körperlosen Stimme des Jochanaan. Die Tochter der Herodias und Stieftochter des Königs Herodes, aufgewachsen in Maß- und Hemmungslosigkeit, sucht die Liebe. Leidenschaftlich begehrt sie den unbekannten moralischen Propheten, seinen Leib, sein Haar, seine Lippen – den Mann, der sie brüsk zurückweist. Ganz anders der übergriffige König Herodes mit seinen Ängsten, der bei ihr lustvolle Zerstreuung sucht. Gebunden an sein Versprechen, Salome für ihren Tanz der sieben Schleier jeden Wunsch zu erfüllen, erhält sie von ihm den Kopf des Jochanaan, der sie nicht lieben wollte. In ekstatischem Wahn küsst sie seine Lippen, bevor Herodes ihren Tod befiehlt.

Semperoper / Salome und Herodes © Forster

Semperoper / Salome und Herodes © Forster

Während Oscar Wildes Salome 1896 erstmals in Paris die Bühne betrat, verbüßte ihr Schöpfer in einem Londoner Gefängnis eine Strafe wegen »grober Unsittlichkeit«. Cosima Wagner urteilte nach der Uraufführung von Richard Strauss’ Einakter, der Oscar Wildes Text in deutscher Übersetzung verwandte, an der Dresdner Hofoper 1905: »Nichtiger Unfug, vermählt mit Unzucht!« Innerhalb von zwei Jahren erschien Salome erfolgreich auf über 50 Opernbühnen. Ihr rauschhafter Orchesterklang, der einen gewaltigen Klangkörper verlangt, changiert zwischen feinnervigem Psychogramm und zügelloser Ekstase. Nie zuvor in der Geschichte der Oper ist die Verbindung von Dekadenz, seelischem Verfall und einer begehrenden wie zerstörerischen Liebe so opulent und eindringlich ausgedrückt worden wie in Richard Strauss’ Meisterwerk.

Besetzung: Musikalische Leitung Omer Meir Wellber, Inszenierung Michael Schulz, Bühnenbild Dirk Becker, Kostüme Renée Listerdal, Licht Fabio Antoci, Video Philipp Contag-Lada, Choreografie Koko La Douce, Dramaturgie Anna Melcher
Herodes Lance Ryan, Herodias Christa Mayer alt. Jane Henschel, Salome Jennifer Holloway, Jochanaan Markus Marquardt, Narraboth Daniel Johansson, Ein Page der Herodias Christina Bock, Erster Jude Aaron Pegram, Zweiter Jude Tom Martinsen, Dritter Jude Simeon Esper, Vierter Jude Gerald Hupach, Fünfter Jude Michael Eder, Erster Nazarener Georg Zeppenfeld, Zweiter Nazarener Khanyiso Gwenxane, Erster Soldat Martin-Jan Nijhof, Zweiter Soldat Luciano Batinic, Ein Cappadocier Alexandros Stavrakakis, Ein Sklave Menna Cazel.

Semperoper Dresden – Salome von Richard Strauss: Premiere 24.9.2016, weitere Vorstellungen 27.9.2016, 30.9.2016, 28.10.2016, 4.11.2016

Pressemeldung Semperoper Dresden

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Berlin, Deutsche Oper Berlin, Premiere: SALOME, 24.01.2016

Januar 22, 2016 by  
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Deutsche Oper Berlin

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

Deutsche Oper Berlin © Leo Seidel (Kontakt: leoseidel@googlemail.com)

 SALOME  von Richard Strauss (1864 – 1949)

Musik und Libretto von Richard Strauss, nach dem Drama Salomé von Oscar Wilde
in der Übersetzung von Hedwig Lachmann, Uraufführung am 9. Dezember 1905 in Dresden, Premiere an der Deutschen Oper Berlin am 24. Januar 2016, In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Premiere am 24. Januar um 18:00 Uhr, Weitere Vorstellungen:, Fr 29. Januar 2016, 20:00 Uhr, Mi 3. Februar 2016, 20:00 Uhr, Sa 6. Februar 2016, 20:00 Uhr, Sa 2. April 2016, 20:00 Uhr, Mi 6. April 2016, 20:00 Uhr

SALOME ist eine der ersten modernen „Literaturopern“. Strauss entschied sich schnell, das von Hedwig Lachmann übersetzte Drama Salomé von Oscar Wilde in Töne zu setzen. Kirchliche Vertreter protestierten heftig gegen diese Oper: Das steigerte gewiss die Neugier auf das ungewöhnliche Werk. Heute gibt es keine religiösen Bedenken mehr, und auch der Schleiertanz der Salome wird niemanden mehr empören. So interessiert vielleicht mehr, was in Herodes‘ Familie schief läuft. Salome ist dessen Stieftochter, er nähert sich ihr auf unangemessene Weise, ihre Mutter Herodias schreitet nicht ein. Salome flüchtet sich in eine eigene, imaginierte Welt, in der sie den Kampf mit ihrem Stiefvater aufnimmt. Der Prophet Jochanaan spielt darin eine bedeutende Rolle, er fungiert als Waffe gegen den Vater und als dessen Antipode. Die Uraufführung der SALOME 1905 in Dresden war ein durchschlagender Erfolg für den Komponisten. Er fordert darin das Genre heraus: Eine rauschhafte und liebestrunkene Musik kontrastiert das denkbar grässlichste, monströseste Geschehen.

SALOME ist die erste Arbeit von Claus Guth an der Deutschen Oper Berlin. Seit 1999, als er bei den Salzburger Festspielen mit großem Erfolg CRONACA DEL LUOGO von Luciano Berio inszenierte, gehört er zu den gefragtesten Opernregisseuren der Welt. Salzburg, wo er unter anderem die „Da Ponte-Trilogie“ inszenierte, Bayreuth, Zürich, Mailand, München, Hamburg, Frankfurt, Dresden und das Theater an der Wien gehören zu seinen regelmäßigen Stationen wie auch die Staatsoper im Schiller Theater.

Musikalische Leitung Alain Altinoglu, Inszenierung Claus Guth
Bühne, Kostüme Muriel Gerstner, Licht Olaf Freese
Dramaturgie Curt A. Roesler, Yvonne Gebauer, Choreografie Sommer Ulrickson

BESETZUNG:
Herodes: Burkhard Ulrich, Herodias: Jeanne-Michèle Charbonnet
Salome: Catherine Naglestad, Jochanaan: Michael Volle
Narraboth: Thomas Blondelle, Ein Page: Annika Schlicht
1. Jude: Paul Kaufmann
2. Jude: Gideon Poppe
3. Jude: Jörg Schörner
4. Jude: Clemens Bieber
5. Jude: Stephen Bronk
1. Nazarener: Noel Bouley
2. Nazarener: Thomas Lehman
1. Soldat: Alexei Botnarciuc
2. Soldat: Tobias Kehrer
Ein Cappadocier: Franz Xaver Schlecht
Ein Sklave: Matthew Peña
Orchester: Orchester der Deutschen Oper Berlin

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Pressemeldung Deutsche Oper Berlin

Stuttgart, Staatsoper Stuttgart, Premiere: SALOME, 22.11.2015

November 2, 2015 by  
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Oper Stuttgart

Stuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Stuttgart Opernhaus © A.T. Schaefer

Salome  von Richard Strauss

Premiere am Sonntag, 22. November 2015, um 19 Uhr, Weitere Vorstellungen:
1. | 4. | 8. | 15. Dezember 2015, 13. | 17. | 21. | 30. Januar 2016

Salome, eine Frau, die ihr erotisches Begehren mit tödlicher Gewalt durchsetzt, avancierte ab Mitte des 19. Jahrhunderts zum Inbild weiblicher Grausamkeit, aber auch purer Erotik und zur wirkungs-mächtigsten biblisch-mythologischen Frauengestalt in Literatur und Musik. Oscar Wilde beschwor ihre Gestalt in seinem 1896 uraufgeführten Prosadrama, das Richard Strauss 1905 im Wortlaut vertonte: ein rauschender Tanz in den Abgrund, der zum Sinnbild der »décadence« wurde. Die Aufführungsverbote prüder Zensoren vermochten den Sensationserfolg des Werks nicht zu verhindern. Bis in unsere Zeit hat diese Oper nichts von ihrer gleichermaßen faszinierenden wie verstörenden Kraft verloren.

Als zweite Neuproduktion der Spielzeit feiert Richard Strauss’ 1905 uraufgeführte Oper Salome am Sonntag, 22. November 2015, um 19 Uhr Premiere. Regie führt Kirill Serebrennikov, derzeit einer der spannendsten Opern-, Schauspiel- und Filmregisseure Russlands. Die Stuttgarter Salome ist nach American Lulu an der Komischen Oper in Berlin (2012/13) seine zweite Opernarbeit in Deutschland; in Russland inszenierte er u.a. Der Goldene Hahn am Bolschoi Theater und Falstaff am Mariinskij Theater. Er ist Intendant des Moskauer Gogol-Centers, eines genreübergreifenden Theaterlabors, und wurde u.a. 2012 mit dem russischen Theaterpreis „Goldene Maske“ ausgezeichnet. Auch als Filmregisseur hat sich Serebrennikov international einen Namen gemacht: Sein Film Opfer vom Dienst wurde beim Filmfestival in Rom 2006 zum „Besten Film“ gekürt, Ismena (Untreue) wurde 2012 für den „Goldenen Löwen“ beim Filmfestival in Venedig nominiert. Die musikalische Leitung von Salome übernimmt Roland Kluttig. Der Generalmusikdirektor am Landestheater Coburg hat in Stuttgart zuletzt die Uraufführung von Richard Ayres‘ Peter Pan musikalisch erarbeitet, deren Wiederaufnahme er neben Repertoirevorstellungen von Der Freischütz auch in dieser Spielzeit wieder dirigieren wird. Der französische Szenograf und Bühnenbildner Pierre Jorge Gonzales entwirft den Bühnenraum, für die Kostüme zeichnet ebenfalls Kirill Serebrennikov verantwortlich. Der russische Videokünstler Ilya Shagalov wird die Produktion mitgestalten. Er hat bereits bei mehreren Schauspielinszenierungen mit Kirill Serebrennikov zusammengearbeitet.

Simone Schneider und Matthias Klink aus dem Stuttgarter Solistenensemble werden ihre Rollendebüts als Salome und Herodes geben. Kammersängerin Claudia Mahnke, die von 1996 bis 2006 an der Stuttgarter Oper fest engagiert war, kehrt für ihr Debüt als Herodias an ihr ehemaliges Stammhaus zurück. Der schottische Bass-Bariton Iain Paterson, der erst jüngst als Kurwenal in Tristan und Isolde bei den Bayreuther Festspielen gastierte, wird als Jochanaan zum ersten Mal an der Oper Stuttgart zu hören sein. Fünf der sechs Mitglieder des aktuellen Opernstudios werden in der Produktion mitwirken: Idunnu Münch als Page, Ian José Ramirez als 3. Jude, Eric Ander als 5. Jude, Dominic Große als 2. Nazerener und Esther Dierkes als Sklavin.

Regisseur Kirill Serebrennikov behandelt Oscar Wilde und Richard Strauss für sein Inszenierungskonzept als zeitgenössische Autoren. In den verschiedenen Dimensionen der Inszenierung lässt er ein Netz aus Bezügen zu Gegenwart und Vergangenheit des Salome–Stoffs entstehen. Zudem erinnern ihn die Vorgänge am Hofe des Tetrarchen Herodes durchaus auch an heutige Konflikte zwischen unterschiedlichen Religionen und Kulturen. „Ich glaube zwar nicht“, so der Regisseur, „dass das Theater eine Lösung für diese Probleme bieten kann, jedoch kann es dem Publikum einen Spiegel vorhalten und es dazu anregen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.“

………………..

Öffentliche Probe
Samstag, 7. November 2015, 9.45 – 11.30 Uhr, Opernhaus
Regisseur Kirill Serebrennikov gibt Einblicke in die Probenarbeit.

Einführungsmatinee
Sonntag, 15. November 2015, 11 Uhr im Opernhaus, Foyer I. Rang
Das Produktionsteam gibt einen Einblick in die Konzeption der Neuinszenierung.

Nach(t)gespräch
Donnerstag, 21. Januar 2016
Mitwirkende der Produktion beantworten im Anschluss an die Vorstellung Fragen der Zuschauer.

Einführung vor jeder Vorstellung
Eine Einführung findet vor jeder Vorstellung jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn im Opernhaus, Foyer I. Rang statt.

Pressemeldung Oper Stuttgart

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