Wien, Theater an der Wien, Maria Stuarda von Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 10.02.2018

Februar 10, 2018 by  
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Theater an der Wien

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

Theater an der Wien / Linke Wienzeile © IOCO

Maria Stuarda von Gaetano Donizetti

Im Banne des Belcanto  

Von Marcus Haimerl

Friedrich Schillers im Jahr 1800 uraufgeführtes Drama Maria Stuart diente als Vorlage für Gaetano Donizettis Oper Maria Stuarda. Wie schon die Vorlage hält sich die Oper nicht an die historischen Gegebenheiten. Sind sich die Tudor-Königin Elisabeth I. und die schottische Königin Maria Stuart im wahren Leben nie begegnet, bildet in den beiden Werken gerade diese Begegnung nicht nur den Höhepunkt, vielmehr findet hier auch gleichzeitig die Wende statt. Nach einem heftigen Wortgefecht ist Maria Stuarts Schicksal besiegelt.

Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Malies Petersen als Maria Stuarda © Monika Rittershaus

Theater an der Wien / Maria Stuarda – hier Malies Petersen als Maria Stuarda © Monika Rittershaus

Doch hatte Donizetti mit seiner Maria Stuarda kein Glück. Das Teatro San Carlo in Neapel bestellte eine Oper für den Herbst 1834 und auf Vorschlag des Komponisten entschied man sich für die Vertonung von Schillers Drama. Die Proben zur Uraufführung verliefen zwar gut, obwohl es Gerüchte gab, die Darstellerinnen der rivalisierenden Königinnen hätten ihre persönliche Antipathie auch auf der Bühne ausgelebt und es wäre zu Handgreiflichkeiten gekommen, dennoch machte schließlich die Zensur Donizetti einen Strich durch die Rechnung: einen Tag nach der Generalprobe erfolgte der Bescheid über ein vollständiges Aufführungsverbot. Die eigentliche Uraufführung fand schließlich am 30. Dezember 1835 an der Mailänder Scala statt. Doch auch hier war dem Werk kein Glück vergönnt. Erst musste schneller Ersatz für die Partie der Elisabetta gefunden werden, schließlich erkrankte auch die Primadonna. Dennoch bestand Maria Malibran darauf aufzutreten und Probleme mit der Zensur führten dazu, dass der Erfolg ausblieb. Wiederbelebungsversuche zwischen 1837 und 1845 blieben erfolglos. Erst Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde Maria Stuarda wiederentdeckt und etablierte sich zu einer der meistgespieltesten Opern Donizettis in den Spielplänen großer Opernhäuser.

Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Gieorgij Puchalski als Der Vertraute der Königin, Stefan Cerny als Giorgi Talbot, Conte di Shrewsbury, Arnold Schoenberg Chor © Monika Rittershaus

Theater an der Wien / Maria Stuarda – hier Gieorgij Puchalski als Der Vertraute der Königin, Stefan Cerny als Giorgi Talbot, Conte di Shrewsbury, Arnold Schoenberg Chor © Monika Rittershaus

Im Theater an der Wien inszenierte Christof Loy Donizettis Belcanto-Oper. Eine steil ansteigende Drehbühne dominiert die Kulisse dieser Produktion und auf eben jener Schräge, welche sich langsam und knarzend rotiert, treffen die beiden königlichen Rivalinnen aufeinander. Befindet sich der tiefste Punkt dieser Scheibe am Bühnenrand haben auch die Besucher im Parkett die Möglichkeit der Handlung zu folgen. Ansonsten hat man erst am dem ersten Rang eine gute Sicht und die sicherlich bessere Akustik. Die Produktion lebt einzig von den Protagonisten die auf leerer Bühne spielen. Diese agieren im ersten Teil der Oper in historischen Kostümen, auch wenn Elisabetta ihren Reifrock fallen lässt und dem Graf von Leicester schließlich in Hosen und Stiefeln entgegentritt. Nach der Pause dominiert schließlich Alltagskleidung, die Königinnen in schwarzen Hosenanzügen, die Herren in schwarzen Anzügen (Ausstattung: Katrin Lea Tag).

Theater an der Wien / Maria Stuarda - hier Alexandra Deshorties als Elisabetta, Gieorgij Puchalski als Der Vertraute der Königin, Die Pagen © Monika Rittershaus

Theater an der Wien / Maria Stuarda – hier Alexandra Deshorties als Elisabetta, Gieorgij Puchalski als Der Vertraute der Königin, Die Pagen © Monika Rittershaus

Obwohl Christof Loy sich im Grunde auf eine kluge Personenführung versteht, gibt es, vielleicht auch der Handlungsarmut geschuldet, kaum zündende Ideen, welche die Handlung spannend vorantreiben könnten. Plakativ ist jedenfalls das Finale, wenn Marias Hinrichtung zur Chefsache wird und Elisabetta höchstselbst das Henkersbeil schwingt.

Diese Produktion lebt vor allem von den beiden Hauptdarstellerinnen. Die frankokanadische Sopranistin Alexandra Deshorties ist eine imposante Elisabetta mit markanter, etwas herber Stimme und scharfen Attacken. Marlis Petersen kann als Maria Stuarda nicht nur darstellerisch überzeugen. Mit lyrischer Schönheit, perfekter Intonation und erstklassigen Koloraturen ist die deutsche Sopranistin der Star des Abends.

Eine tadellose Leistung von Norman Reinhardt als Leicester, welcher jedoch neben den beiden Damen etwas verblasst. Stefan Cerny beweist mit sonorem Bass, dass er auch im Belcanto-Fach überzeugen kann. Sehr solide Leistungen auch von Natalia Kawalek als Anna Kennedy und Tobias Greenhalgh als Cecil. In gewohnt hoher Qualität agierte der Arnold Schönberg Chor und das ORF Radio-Symphonyorchester Wien unter der Leitung von Paolo Arrivabeni.

Das Publikum zeigte sich zu Recht begeistert, ließen sich doch einige Schwächen durch die beeindruckenden Leistungen der beiden Protagonisten sehr leicht vergessen.

Maria Stuarda wurde in Theater an der Wien in der Zeit vom 19.1. – 30.1.2018 gespielt.

 

Mainz, Staatstheater Mainz, Norma von Vincenco Bellini, 05.01.2018

Januar 4, 2018 by  
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Staatstheater Mainz

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

Staatstheater Mainz © Andreas Etter

 Norma von Vincenco Bellini

Wiederaufnahme am 5. Januar, Weitere Vorstellungen am 16.1.;  4.3.; 31.3.2018

Nach der Premiere 1831 an der Mailänder Scala trat Vincenzo Bellinis Norma einen wahren Siegeszug durch die italienischen und auch anderen europäischen Opernhäuser an. Große Sängerinnen des 19. Jahrhunderts, darunter Maria Malibran und Jenny Lind, nahmen sich der Titelpartie an. Die Priesterin der Gallier, Orakel und Seherin, wurde zur Paraderolle für Belcanto- Sängerinnen: Äußere Konflikte werden sensibel-fein musikalisch nachvollzogen – mit Koloraturen und der sowohl von Wagner wie auch von Verdi gepriesenen „melodie lunghe, lunghe, lunghe“, dem nicht enden-wollenden melodischen Einfallsreichtum des Komponisten.

Grabstätte von Vincenco Bellini in Paris © IOCO

Grabstätte von Vincenco Bellini in Paris © IOCO

So wird Norma auch heute noch als leuchtendes Beispiel der Belcanto-Opern angesehen: Die Titelfigur zerbricht an dem Konflikt von privater Passion und öffentlicher Pflicht. Die gallische Priesterin ruft nämlich nicht zum Krieg gegen die römischen Besatzer, weil sie den Feind liebt – zwei Kinder hat sie mit dem römischen Prokonsul Pollione. Als dieser sich aber in die Novizin Adalgisa verliebt, muss Norma sich entscheiden – soll sie für ihre Liebe kämpfen oder den Wünschen ihres Volkes folgen?

Regisseurin Elisabeth Stöppler zeichnet in starken Bildern den Leidensweg Normas nach. Nadja Stefanoff als Norma und Marie-Christine Haase als Adalgisa beglaubigen dabei die berührenden Schicksale der Figuren – eine „glanzvolle Besetzung“, befand die Frankfurter Rundschau nach der Premiere.

Ästhetisch spielt die Inszenierung unter anderem mit der Bildwelt der Performancekünstlerin Marina Abramovic, die in ihren frühen, den Körper radikal ausstellenden, und ihren späten von extremer Konzentriertheit geprägten Arbeiten eine Art proto-religiöses Vorbild bildet. Norma, die Heilige, die Leidende, die Sich-Opfernde, steht im Zentrum des Abends.

NORMA von Vincenzo Bellini,  Wiederaufnahme am 5. Januar im Großen Haus Weitere Vorstellungen am 16.1. sowie am 4. und 31.3.2018. PMStthMz

 

 

Mannheim, Nationaltheater Mannheim, Norma von Vincenzo Bellini, 14.10.2017

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

Nationaltheater Mannheim © Hans Jörg Michel

 Norma von Vincenzo Bellini

 Premiere Samstag, 14. Oktober 2017, 19 Uhr

Normas privater Konflikt ist zugleich ein politischer: Die gallische Priesterin soll zum Angriff ihres Volkes auf die römischen Besatzer blasen – aber ihr heimlicher Geliebter und der Vater ihrer Kinder ist der römische Prokonsul Pollione, der sich zwischenzeitlich in die Novizin Adalgisa verliebt hat …

Das Team um Regisseur Markus Bothe hat in der Saison 2016/17 am NTM mit Monteverdis Heimkehr des Odysseus begeistert und bringt nun Bellinis Belcanto-Oper Norma auf die Opernbühne. Zentral im Bühnenbild von Robert Schweer ist die heilige Eiche des Stücks, die Kostüme gestaltet Justina Klimczyk. Premiere ist am Samstag, 14. Oktober um 19 Uhr im Opernhaus.

Am Pult des Nationaltheater-Orchesters steht der stellvertretende Generalmusikdirektor   Benjamin Reiners. Miriam Clark, die Aida der Eröffnungsinszenierung 2016/17 ist Norma, Irakli Kakhidze singt Pollione, Julia Faylenbogen gibt Adalgisa, Sung Ha den Oroveso und Iris Marie Sojer und Pascal Herington aus dem Opernstudio sind Freundin und Freund von Norma und Pollione. PMNTM

Norma von Vincenzo Bellini am NTM: Premiere am 14.10.2017; weitere Aufführungen am 19.10., 25.10., 17.11., 2. (Festlicher Opernabend) und 29. Dezember und wieder im Januar statt.

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Wien, Peterskirche, Oper in der Krypta – NORMA, IOCO Kritik, 04.04.2017

April 4, 2017 by  
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 Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Peterskirche im 1. Bezirk von Wien © IOCO

Norma von Vincenzo Bellini

Libretto von Felice Romani nach Alexandre Soumet 

Von Marcus Haimerl

Vincenzo Bellinis Oper Norma wurde 1831 an der Mailänder Scala uraufgeführt, 1833 fand die österreichische Erstaufführung in Wien am Kärntnertortheater statt. Die Partie der Norma schuf Bellini, wie auch die  Amina in La Sonnambula, für Giuditta Pasta  (1797 – 1865), umschwärmte Opernsängerin ihrer Zeit. Im 19. Jahrhundert gab es viele namhafte Nachfolgerinnen wie Maria-Felicia Malibran (Neapel 1833) und Jenny Lind (Stockholm 1841). Letzte Vertreterin dieser Belcantoschule war Lilli Lehmann. Rosa Ponselle (New York 1927) zählte noch als bedeutendste Interpretin der Norma ehe Maria Callas ab 1948 (Florenz) diese Partie quasi als  Alleinherrscherin bis 1965 (Paris) sang. Ihr ist es zu verdanken, dass diese Oper eine neue Wertschätzung erfuhr, die bis heute anhielt.

 Peterskirche Wien / Krypta - Norma Oroveso und Pollione © Marcus Haimerl

Peterskirche Wien / Krypta – Norma Oroveso und Pollione © Marcus Haimerl

Am 30. März 2017 hatte nun Bellinis Oper Norma Premiere in der Krypta unter der Peterskirche im 1. Bezirk in Wien. Die Geschichte der Peterskirche reicht zurück bis in die römische Antike. Der Bau der heutigen Wiener Peterskirche begann 1701 unter Kaiser Leopold I., Fertigstellung und Weihung war 1733. Die Peterskirche war der erste Kuppelbau im barocken Wien. Seit 2014 finden in der Krypta der Peterskirche Opernproduktionen statt.

Maximal 80 Besucher sitzen in unmittelbarer Nähe  der Sänger in der Krypta. Bedingt durch die räumlichen Gegebenheiten der Krypta muss auf Orchester und Chor verzichtet werden. Das führt zu geringfügigen Kürzungen, welche aber in dieser Atmosphäre das jeweilige Werk konzentrierter und gestraffter wirken lässt. Und das Publikum hat das intensive Gefühl Teil der Aufführung zu sein. Und die immer exzellente Klavierbegleitung gibt dem Abend einen kammermusikalischen Charakter.

Peterskirche Wien / Krypta - Norma und Oroveso © Marcus Haimerl

Peterskirche Wien / Krypta – Norma und Oroveso © Marcus Haimerl

Das Drama um die gallische Priesterin Norma, welche ihr Gelübde aus Liebe zu einem Römer gebrochen hat und am Ende mit ihrem Geliebten den Scheiterhaufen besteigt, kommt hier mit wenig Kulisse und großartigen Projektionen aus. Das führt auch dazu, dass die Konzentration des Publikums nicht abgelenkt, sondern viel mehr auf Musik und Sänger gerichtet ist, was wiederum für die Sänger eine  enorme Herausforderung sowohl für die Darstellung als auch Gesang bedeutet.

In der Partie der Norma glänzte die junge, in Wien geborene, Sopranistin Cathrin Chytil, deren Mentorin Fiorenza Cossotto sie auf dem Weg zum dramatischen Sopranfach begleitete. An ihrer Seite als Adalgisa, die puertoricanische Mezzosopranistin Celia Sotomayor. Beide Damen verfügen über eine kräftige Tiefe und sicheren Spitzentöne.

Durch die unglaubliche Harmonie beider Stimmen wurden die Duette zwischen Norma und Adagisa zu den eigentlichen Höhepunkten des Abends. Als Tenor zwischen den beiden Damen, in der Partie des Pollione, war der Spanier Sergio Tallo-Torres zu erleben. Trotz vereinzelter Schwächen in den Höhen konnte er aufgrund seiner kräftigen Mittellage insgesamt überzeugen. Die Partie des Oroveso war mit dem Bass Il Hong aus dem Ensemble der Wiener Staatsoper luxuriös besetzt.  Der junge kroatische Pianist und Bariton Igor Horvat ließ am Klavier aufhorchen und spielte Bellinis Musik wunderbar nuanciert. Am Ende wohlverdienter Jubel für das gesamte Team.

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