Düsseldorf, Deutsche Oper am Rhein, Rheingold – Gieriges Gauner Gezücht, IOCO Kritik, 06.07.2017

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Deutsche Oper am Rhein

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel - www.foto-drama.de

Deutsche Oper am Rhein / Oper am Rhein fuer alle Opernhaus © Hans Joerg Michel – www.foto-drama.de

RHEINGOLD von Richard Wagner

 „Gieriges Gauner Gezücht“

Götter, Riesen und Zwerge verschulden das Drama vom Ring des Nibelungen

Von Albrecht Schneider

 O je, o je, was ist unsere Erde doch für ein Jammertal. Immer aufs Neue müssen wir das erfahren, und dabei piesackt uns das Gedächtnis, in dem sie als ein leidlich vergnüglicher Aufenthaltsort archiviert wurde. Und eine erhebliche Zahl von den solchermaßen Gepiesackten schreit deswegen, die Politik oder gar die Theologie hafte für ein schleuniges Comeback der vergangenen guten Tage. Die identische Klage über die derzeit elenden Zustände zieht sich freilich durch die Jahrhunderte, sehnte sich doch bereits die Antike zurück in das Goldene Zeitalter, in dem unter anderem Niemand Niemanden abgemurkst oder ihm den Goldschatz gestohlen haben sollte.

Rheinoper Duesseldorf / Rheingold_VORNE Norbert Ernst als Loge_Sylvia Hamvasi als Freia_ Simon Neal als Wotan © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Rheingold- VORNE Norbert Ernst als Loge, Sylvia Hamvasi als Freia, Simon Neal als Wotan © Hans Jörg Michel

Allerdings scheint es sich bei dem Goldenen Zeitalter und bei unserer Erinnerung gleichermaßen um einen Betrug zu handeln. Denn wie uns Wagners RHEINGOLD klarmacht, ist beinahe vom Weltanfang an bereits ein reichlich schamloses Personal auf Himmelshöhe, unter Wasser und tief in der Erde zugange. Häufig beträgt es sich keineswegs standesgemäß, bricht vielmehr Regeln und Verträge, es stiehlt, betrügt, hurt und mordet. Auch hieraus lässt sich letzten Endes schließen, dass die guten alten Zeiten nicht anders zu betrachten sind als eine Verklärung von ehemals genauso schlechten, und Ähnliches dürfte denen von heute und wahrscheinlich von morgen passieren.

Diejenigen, denen dergleichen Anschauung der Welt zu pessimistisch zu sein dünkt, werden alsbald eines besseren belehrt sollten sie im Düsseldorfer Opernhaus den ersten Abend der Tetralogie, das RHEINGOLD als die Exposition des Geschehens um den ominösen Ring, mit einem Besuch beehren.

Rheinoper Duesseldorf / Rheingold_Die Rheintoechter mit Ramona Zaharia als Floßhilde_ Maria Kataeva als Wellgunde_ Anke Krabbe als Woglinde © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Rheingold – Die Rheintoechter mit Ramona Zaharia als Floßhilde, Maria Kataeva als Wellgunde, Anke Krabbe als Woglinde © Hans Jörg Michel

Der erstreckt sich über zweieinhalb Stunden, während derer die Regie keine neue Deutung dieses vielschichtigen musikalischen Epos’ intendiert. Es geht ihr lediglich um eine neue Bebilderung. Die Antihelden des fatalen Stückes sind diesmal im Fin des siécle unterwegs. Sie konspirieren in einem billigbunt illuminierten Tingeltangel, wohinein, flankiert von den Bodyguards Froh und Donner, Herr Wotan von Gattin Fricka im Rollstuhl geschoben wird, und wo die drei Rheintöchter in Cancantänzerinnenroben im Dienst des Goldes wie zudem der Liebe stehen.

Um ihnen möglichst nahe zu kommen, hatte Alberich zuvor keine Verrenkung gescheut. Vergeblich. Nach dieser peinlichen Abfuhr besann er sich auf die Verheißung der drei Kokotten, dass derjenige das Metall zum Schmieden des die Weltmacht garantierenden Reifs gewönne, der den Liebesfreuden und der Liebe überhaupt abschwöre. Kurzerhand verfluchte der geile Fürst der Tiefe entsprechende Gefühle wie Triebe, schnappte sich das Aufsichtsgut und tauchte ein in den Hintergrund.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - Michael Kraus als Alberich, Statisterie © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – Michael Kraus als Alberich, Statisterie © Hans Jörg Michel

Der ihn ablösende Götterclan steckt in abgetragener Konfektion genauso wie in Schwierigkeiten. Die Zahlung für den von den zwei Riesen Fasolt und Fafner erstellten Neubau Walhall steht an, wobei Wotan und das Riesenpaar die Göttin Freia als Honorar vereinbart hatten. Die ist aber als Obstgärtnerin der lebenspendenden Äpfel für den Clan unverzichtbar. Wenn jetzt mit Hilfe des listenreichen Feuerhalbgottes Loge der Clanchef unter Missachtung der von ihm gegebenen Gesetze und mittels Vertragsbrüchen den beiden Bauarbeitern, in zünftiger schwarzer Zimmermannskluft sich zeigend, den ausbedungenen Lohn vorenthält, deshalb hernach selber zum Räuber an dem Räuber Alberich wird, ihn entführt und die Hand abhackt, um das die Weltherrschaft verbürgende Schmuckstück zu kriegen, worauf der Ausgeraubte dem jeweiligen Träger gewissermaßen die Pest an den Hals wünscht, Wotan wiederum, um Freia freizukaufen, den ganzen Schatz samt Reif, womit er die Macht sofort wieder loswird, den Riesen überlassen muss, und von denen einer aus Raffgier den anderen postwendend totschlägt, dann ist das Drama in Gang gesetzt und nimmt seinen Lauf. Das Ende des Götterregiments ist unabwendbar.

Mit derart zwielichtigen Gestalten hingegen und in einem solch zwielichtigen Milieu verliert die Inszenierung an Glaubwürdigkeit. Waltet doch zunächst im Rheingold eine halbwegs intakte Götterschar von Reputation – will heißen: eine gewissermaßen mythologisierte Großbourgeoisie des 19. Jahrhunderts –, die allerdings infolge unsauberer Geschäfte ihr Ansehen einzubüßen sich anschickt. Kaum anders als heute korrumpieren Geld, Macht und Sex. Und einstmals wie heute lässt der Blick nach oben staunen, wo eine gern moralisierende, herrschaftshungrige Elite nach einer Potenzierung dieser Trias lechzt und sich hiermit selbst demontiert.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - Renée Morloc als Fricka, Simon Neal als Wotan © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – Renée Morloc als Fricka, Simon Neal als Wotan © Hans Jörg Michel

Dass aber auf hiesiger Szene keine anfangs auftrumpfende Götterwelt, deren Herrlichkeit nach und nach ausbleicht, erscheint, dass vielmehr eher deren Parodien, nämlich lauter abgewirtschaftete Götter- Riesen- und Gnomenfiguren, „Dinger drehen“ wollen, ja sogar müssen, um heil davonzukommen und ein bisschen Spaß zu haben, das bekunden deren Umgebung, deren Äußeres und ihr Gehabe. Diese Ganovenfraktion demoliert sich nicht durch Verrat und Gesetzesbrüche, sondern weil sie längst demoliert ist, sieht sie sich zwecks Existenzrettung zu derlei kriminellen Taten genötigt.

Das Orchester der Rheinoper hingegen weist niemals ein Defizit an Logik auf, es schert sich nicht um Profile und Prospekte, dafür reflektiert es die Gefühle und Absichten, alle Nöte und Zwänge seiner Protagonisten oben auf der Bühne. GMD Axel Kober flicht mit seinen Musikern grandios das Netzwerk der Motive und melodischen Elemente, das ständig dichter und wissender werdend sich über die ganze Tetralogie legt und das vielgestaltige epische Gedicht zusammenbindet. Die neue Prächtigkeit Walhalls zelebrieren die Bläser mit Pathos, martialisch dröhnend beschwören sie die Gefahren der Höllenfahrt Wotans und Loges ins Erdinnere zu Alberichs und seines Bruders Mime Proletarierbergwerk, wie auf den flimmernden und flirrenden Streicherstimmen der Feuergeist Loge herbeiflattert. Furiose und milde, raunende und schneidende Klänge leisten eine genuine Rheingoldmusik, ein musikalisches Fest, zu dem die Sänger ausnahmslos beitragen: der Wotan Simon Neals, Michael KrausAlberich, Norbert Ernst als Loge, die Damen Renée Morlock und Sylvia Hamvasi maulen und jammern als Fricka und Freia, und nicht zuletzt geizen die drei lasziven Rheintöchter, Anke Krabbe, Maria Kataeva und Ramona Zaharia, weder mit wohlklingenden noch weiblichen Reizen.

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold - Cornel Frey als Mime, Michael Kraus als Alberich © Hans Jörg Michel

Deutsche Oper am Rhein / Das Rheingold – Cornel Frey als Mime, Michael Kraus als Alberich © Hans Jörg Michel

Noch einmal sind die Götter alias Ganoven davongekommen, ihre welkenden Leiber scheinen aufzublühen, da ihnen dank des Schlaumeiers Loge die Vitalquelle Freia erhalten bleibt. Ohne sie und mit dem Schmuckstück am Finger schiebt der Brudermörder Fafner seine Kipplore voller Gold zur Tür hinaus, die Burg Walhall wird wohl besenrein übergeben werden. Vor dem zum Einmarsch bereiten Clan steigt jählings die allwissende Urmutter Erda aus der Tiefe des Bühnenbodens und warnt vor dem Besitz des fluchbehafteten, unheilvollen Kleinods. Aber Wotan, der an diesem Abend nicht traurige, eher schäbige Gott, bedankt sich, indem er der weisen Frau die Perücke wegnimmt und behält. Ein eigentümliches Souvenir. Alles Mögliche wird er tun, um den Ring zurückzugewinnen, obschon er eigentlich sich eher um die eigene armselige Existenz und die seiner Entourage sorgen sollte. Wie auch immer, das Drama lässt sich nicht mehr aufhalten, und wenn Erda singt: „Alles was ist, endet“, stellt sich die Frage: „Wie wird es enden?“ Eine Antwort liefert im Januar 2018 der zweite Abend: Die Walküre.

Dem außerordentlichem Beifall ließ sich entnehmen, dass dem Publikum die Aufführung zugesagt hatte. Kein Buh ließ sich hören. Unser lautes Bravo galt den Musikanten insgesamt, ein lautlos leichtes Kopfschütteln galt der der Inszenierung Dietrich W. Hilsdorfs und der Bühne Dieter Richters.

Abschließend darf nicht unerwähnt bleiben, dass mit dem Beginn des Rheingolds um 19.30 Uhr, dem Verlöschen der Lampen in des Opernhauses Halbrund und vor dem ersten Orchesterton, Halbgott Loge in kariertem, dunkelrotem (Feuer!) Beinkleid auf die von kirmesbunten Lichtern eingerahmte offene Bühne tritt, ein Gläschen, vermutlich Rheinwein, zwitschert und: >Ich weiß nicht, was soll es bedeuten< ins Publikum raunt. Ob letzteres deswegen in tiefes Nachsinnen versinken soll, oder sich andererseits vergackeiert fühlen muss, weil öfters bei zeitgeistgetränkten Inszenierungen nicht zu ergründen ist, was das Ganze bedeutet, diese Frage bleibt offen.

Eine in der Landeshauptstadt gewichtige rezensierende Feder indessen deutet die kleine Szene höchst frappant: da Loge beim Deklamieren der der berühmten Gedichtzeile das Wörtchen ES besonders akzentuiert habe, sei damit auf die Note Es, die das Vorspiel intoniere, Bezug genommen worden. Hut ab vor einen dermaßen scharfsinnigen musikalischen Kopf.

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Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Die Walküre von Richard Wagner, 15.01.2017

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin KaufholdHessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

 Die Walküre von Richard Wagner

Erster Tag des »Ring des Nibelungen«,  Richard Wagner (1813 – 1883)

Premiere 15. Januar 2017 17 Uhr, weitere Vorstellungen 22.1.2017,29.1.2017 jeweils 17 Uhr

Mit Die Walküre setzt Uwe Eric Laufenberg seine Gesamtaufführung des Ring des Nibelungen in nur einer Spielzeit am Hessischen Staatstheater Wiesbaden fort. Laufenberg entwickelt seine Inszenierung von Wagners zeitlosem Mythos, die zwischen Oktober 2013 (»Das Rheingold«) und Februar 2015 (»Götterdämmerung«) am Landestheater Linz Premiere hatte, für das Hessische Staatstheater Wiesbaden weiter.

Auf der Bühne sind herausragende Sängerdarsteller zu erleben: Die Titelpartie der Brünnhilde übernimmt Sonja Gornig, die in Wiesbaden als Alice Ford in Falstaff auf der Bühne stand. Gerd Grochowski und Margarete Joswig übernehmen, wie schon im Rheingold, die Partien des Wotan und der Fricka. Sabina Cvilak (bekannt durch ihr Rollendebüt in der Titelpartie von Katja Kabanowa von Leoš Janácek) steht als Sieglinde auf der Bühne, Richard Furman, in Wiesbaden zurzeit auch als Alfred in Die Fledermaus und Rodolfo in La Bohème zu  erleben, gibt den Siegmund.

Das Hessische Staatsorchester Wiesbaden spielt unter der Leitung des deutsch-britischen Dirigenten Alexander Joel, international gefragter Gastdirigent in Oper und Konzert.
Inszenierung Uwe Eric Laufenberg
Bühne Gisbert Jäkel Kostüme Antje Sternberg Licht Andreas Frank Video Falko Sternberg Dramaturgie Regine Palmai

Siegmund Richard Furman, Hunding Young Doo Park, Wotan Gerd Grochowski, Sieglinde Sabina Cvilak, Fricka Margarete Joswig, Brünnhilde Sonja Gornik, Helmwige Sarah Jones Gerhilde Sharon Kempton Ortlinde Heike Thiedmann Waltraute Judith Gennrich Siegrune Marta Wryk Rossweiße Anna Krawczuk Grimgerde Maria Rebekka Stöhr Schwertleite Romina Boscolo  Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden. PMHSttWi

Max Lorenz, IOCO Portrait, August 2015

März 6, 2015 by  
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IOCO erinnert an den Heldentenor Max Lorenz

Max Lorens - Bild : amazon / Partnerprogramm

Max Lorens – Bild : amazon / Partnerprogramm

Vor 40 Jahren starb Max Lorenz, einer unserer ganz großen Heldentenöre, in Salzburg. Der gebürtige Düsseldorfer (10.05.1901) hieß eigentlich Sülzenfuß. Die Eltern hatten eine Metzgerei und es wäre dem Vater wohl sehr recht gewesen, wenn sein Filius den elterlichen Betrieb mal übernommen hätte. Doch der entschied sich, von der Mutter gefördert, für eine künstlerische Karriere.

Lassen wir ihn selber zu Worte kommen. In dem Buch “Das musikalische Selbstporträt“ (Nannen-Verlag) sagte er den Autoren Josef Müller-Marein und Hannes Reinhardt: “Ich wollte Sänger werden, um jeden Preis der Welt. Über fünf Jahre bin ich dreimal die Woche nach Köln gefahren. Meine Mutter gab mir heimlich das Geld dazu“.

Nach den fünf Jahren Studium bei Kammersänger Pauli, wollte Lorenz, wie er sich inzwischen nannte, wissen, wie es um seine Stimme bestellt war. Er fuhr heimlich nach Wiesbaden, um dort dem Operndirektor vorzusingen. Der meinte, er wäre noch nicht so weit, um ein Engagement anzutreten und empfahl ihm als Lehrer Professor Grenzebach in Berlin.

Wieder half im die Mutter das Studium zu finanzieren. In Berlin lernte er im privaten Kreis Erich Kleiber kennen, der ihm vorschlug, mal in der Staatsoper vorzusingen. Dort wurde ihm geraten, den Lehrer zu wechseln. Doch Lorenz blieb bei Grenzebach. Bei einem Wettsingen, von einer Zeitung veranstaltet, bekam er den 1. Preis. Dies war der Auslöser für sein erstes Engagement an der Dresdner Oper, das war 1927. Seine Antrittsrolle war der Walter von der Vogelweide in WagnersTannhäuser“.  Unter der Leitung von Richard Strauss sang er den Menelas in dessen Oper “Die Ägyptische Helena“. Seine erste große Partie war der Radames in VerdisAida“.

Max Lorenz/ Keiner wie er - Bild : amazon / Partnerprogramm

Max Lorenz/ Keiner wie er – Bild : amazon / Partnerprogramm

In einer der “Aida“- Vorstellungen war der Dirigent Arthur Bodansky von der New Yorker Metropolitan Opera anwesend. Er verpflichtete Lorenz an die  MET. Seine Antrittsrolle dort war der Stolzing in den “Meistersingern“ 1931. In Amerika heiratete der homosexuelle Lorenz die jüdische Sängerin Lotte Appel 1897-1964).

1933 kam auch die erste Verpflichtung zu den Bayreuther Festspielen als Siegfried, Stolzing und Parsifal. Lorenz sagte im “Musikalischen Selbstporträt“: “Die zehn Jahre,  die ich dort in der Festspielzeit sang,  und dann noch mal zwei Spielzeiten als “Einspringer“, waren wohl die schönste Zeit meines Lebens“.

Frieda Leider, die große Wagner-Heroine damals, schrieb in ihren Erinnerungen “Das war mein Teil“ (Henschel-Verlag): “Nachdem Lauritz Melchior seine Zusage für Bayreuth 1933 zurücknahm, trat an seine Stelle der junge viel versprechende Tenor Max Lorenz, der alle Voraussetzungen für einen idealen Wagner-Sängerdarsteller besaß“.

Friedrich Herzfeld urteilte in seinem Buch “Magie der Stimme“ (Ullstein-Verlag) über Max Lorenz: “Alles an ihm war strahlende Kraft: seine Gestalt, sein Antlitz und seine leuchtende Stimme, die noch die gefährlichen Spitzentöne des Walter von Stolzing mit betörendem Adel bewältigte“.

Eine rege Gastspieltätigkeit in der alten und neuen Welt war nach den Berliner Jahren angesagt. 1932 sang er bei den Münchner Festwochen unter Knappertsbusch. 1938 verkörperte er an der Mailänder Scala Siegmund und beide Siegfriede in WagnersRing“ unter Clemens Krauss.

1934 und 1937 sah man ihn als Gast an der Londoner Royal Opera Covent Garden. Beim Maggio Musicale Fiorentino 1941 war er als Tristan zu erleben. Diesen sang er auch 1948 dreimal am Teatro Grattacielo in Genua, an der Seite von Maria Callas als Isolde.

Vor dem Krieg schon wurde Max Lorenz an die Wiener Staatsoper verpflichtet. Der erste Auftritt war 1929 der Menelas in R. StraussDie Ägyptische Helena“.

Von 1929-1933, 1936-1944 und wieder ab 1953 war Lorenz Mitglied der Wiener Staatsoper. Seine erste Rolle dort nach dem Krieg war der Florestan im Oktober 1945. Er sang ihn dort 50 Mal. 54 Mal konnte man ihn dort als Othello von Verdi erleben. In etwas über 300 Vorstellungen war Max Lorenz in 20 verschiedenen Partien an der Wiener Staatsoper zu bewundern. Sein letzter Bühnenauftritt war als Herodes in “Salome“ von Richard Strauss am 15. Oktober 1962, neben Paul Schöffler und Christel Goltz.

Bei den Salzburger Festspielen sah man ihn unter anderem in der Welturaufführung von “Der Prozess“ von Gottfried von Einem 1953.

Alex Natan schrieb darüber in seinem Buch “Primo Uomo“ (Basilius-Presse): „Vielleicht war die Rolle des Josef K. in “Der Prozess“, die auf dem Roman Kafkas basiert, Lorenz`s Beweis größter Reife. Ohne jede Wagnersche Geste der Großartigkeit sang er die erschütternde Verfassung der gehetzten menschlichen Kreatur in all ihrer Armseligkeit und Problematik. Damit hatte Lorenz seine große Wandlungsfähigkeit bewiesen.“

1954 wirkte er mit in “Penelopevon Liebermann (mit Christel Goltz).  Des Weiteren in “Irische Legende“ von Werner Egk (mit Inge Borkh) 1955 und zuletzt in Wagner-Regenys Oper “Das Bergwerk von Falun“ 1961.

Eine interessante Verpflichtung hatte Lorenz 1957 an der Wiener Volksoper angenommen. Marcel Prawy, der Wegbereiter des amerikanischen Musicals in Europa, erzählt in seinen Erinnerungen “Marcel Prawy erzählt aus seinem Leben“ (K&S, Wien):

“Es gelang mir, allerdings nicht ganz leicht, den schönsten und größten Heldentenor der Zeit, Max Lorenz, für die Rolle des Buffalo Bill in Irving Berlins Musical “Annie get your Gun“ zu gewinnen“.

 

Grabstelle Max Lorenz auf dem Wiener Zentralfriedhof © Eduard Jarosch

Grabstelle Max Lorenz auf dem Wiener Zentralfriedhof © Eduard Jarosch

Sein immenses Wissen um Stimme und Gestaltung gab er weiter als Lehrer in Wien, München und am Mozarteum in Salzburg 1962 – 1974. Zu seinen Schülern gehörten unter anderen Jean Cox und James King. 1972 war er Jury-Präsident des “Internationalen Gesangswettbewerbs“ in Wien.

Max Lorenz starb am 11. Januar 1975 in Salzburg. Am 21. Januar 1975 war die Trauerfeier in der Wiener Staatsoper und die anschließende Beisetzung auf dem Zentralfriedhof, in einem Ehrengrab neben seiner 1964 verstorbenen Frau Lotte.

Das akustische Erbe von Max Lorenz ist immens. Doch die meisten Tondokumente kann man nur noch antiquarisch bekommen.

Hier eine kleine Auswahl dieser Aufnahmen:

Ariadne auf Naxos“ von 1944 (Wien) unter Böhm, Lorenz als Bacchus
PREISER 90217 2CD

Elektra“ von 1957 (Salzburg) unter Mitropoulos, Lorenz als Ägysth
NUOVA ERA 2241/42 2CD

Salome“ von 1951 (München) unter Keilberth, Lorenz als Herodes
ORFEO 342932 2CD (als LP, MELODRAM 106)

Liebermann “Penelope“ von 1954 (Salzburg) unter Szell, Lorenz als Podesta
ORFEO C328931B 1CD

Einem “Der Prozess“ UA von 1953 (Salzburg) unter Böhm, Lorenz als Josef K.
ORFEO 392952 2CD

Verdi “Aida“ von 1952 (Hessischer Rundf.) unter Schröder, Lorenz als Radames
MYTO 962.146, 2CD

Rienzi“ von 1941 (Berlin) unter Schüler/Heger, Lorenz als Cola Rienzi
PREISER 90223, 1CD (ACANTA DE 23.035, 2LP)

Tristan und Isolde“ von 1943 (Berlin) unter Heger, Lorenz als Tristan
PREISER 90243, 3CD (Szenen daraus auf ETERNA 821028/29, 2LP)

“Tristan und Isolde“ von 1943 (Berlin) PREISER 90243, 3CD (Szenen daraus auf ETERNA 821028/29, 2LP) © Eterna

“Tristan und Isolde“ von 1943 (Berlin) PREISER 90243, 3CD (Szenen daraus auf ETERNA 821028/29, 2LP) © Eterna

Meistersinger von Nürnberg“, (Bayreuth 1943) u. Furtwängler, L. als Stolzing
GRAMMOPHONO 2000 AB 78602-5, 4CD (EMI 181-0197-801, 5LP)

Nibelungen-Ring“ Mailänder Scala 1950 unter Furtwängler, L. als Siegfried
FONIT CETRA K00Y 201-14, 14CD (Music&Arts 914, 12CD)

Die Walküre” 1954 (Bayreuth), unter Keilberth, Lorenz als Siegmund
MELODRAM 547, 4 LP, oder 36102, 3CD

In der EMI/Electrola-Serie “Die goldene Stimme“ singt Max Lorenz Arien von Bizet, Weingartner, Verdi, Wagner und 2×10 Min. Interview ELECTROLA E 83394

“Die goldene Stimme“ ELECTROLA E 83394 © Electrola

“Die goldene Stimme“ ELECTROLA E 83394 © Electrola

Auf dem DDR-Label Eterna (820252) gab es ein Wagner-Recital mit Arien aus Rienzi, Tannhäuser  und Die Walküre (Dirigenten Arthur Rother + J. Schüler

 Wagner-Recital mit Arien aus Rienzi, Tannhäuser und Die Walküre (Dirigenten Arthur Rother + J. Schüler © Eterna

Wagner-Recital mit Arien aus Rienzi, Tannhäuser und Die Walküre (Dirigenten Arthur Rother + J. Schüler © Eterna

Aktuell im Handel ist die Dokumentation “Auf den Spuren von Max Lorenz“ Wagners Meistersänger – Hitlers Siegfried, TV Dokumentation von 2008 sowie eine CD “Keiner wie er, Max Lorenz live (PREISER PR91167)

In der Doppel- CD “In Memoriam Christel Goltz 1912-2008“ singen Max Lorenz, und Christel Goltz das Liebesduett “O sink hernieder, Nacht der Liebe“ aus Tristan und Isolde (PREISER 93455, 2CD)

Es ist zu hoffen, dass im Laufe der Zeit noch viele Aufnahmen dieses außerordentlichen deutschen Heldentenors mit der unverwechselbaren Stimme wieder veröffentlicht werden.

IOCO / UGK / August 2015

Frankfurt, Oper Frankfurt, Wiederaufnahme: PARSIFAL, 15.03.2015

Februar 12, 2015 by  
Filed under Oper Frankfurt, Pressemeldung

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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Wiederaufnahme: PARSIFAL

Ein Bühnenweihfestspiel in drei Aufzügen von Richard Wagner
In deutscher Sprache mit Übertiteln

Sonntag, 15. März 2015, um 17.00 Uhr im Opernhaus

Musikalische Leitung: Bertrand de Billy; Inszenierung: Christof Nel

Mitwirkende: Frank van Aken (Parsifal), Franz-Josef Selig (Gurnemanz), Claudia Mahnke (Kundry), Johannes Martin Kränzle (Amfortas), Simon Bailey (Klingsor), Magnús Baldvinsson (Titurel) u.a.

Weitere Vorstellungen: 21., 29. März, 3., 6. April 2015
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 17.00 Uhr

Ursprünglich für die Spielzeit 2003/04 geplant, kam es an der Oper Frankfurt seinerzeit aus finanziellen Gründen lediglich zu konzertanten Aufführungen des Parsifal von Richard Wagner (1813-1883). Die szenische Neuproduktion hingegen wurde auf die Saison 2005/06 verschoben und feierte schließlich am 23. April 2006 in der Regie von Christof Nel Premiere im Opernhaus. Nun kehrt die Inszenierung zum zweiten Mal auf den Frankfurter Spielplan zurück. Nels Realisierung des Werkes war ein Erfolg bei Publikum und Presse gleichermaßen. So konnte man in einer der Kritiken lesen: „Nur allzuoft steht der Zuschauer vor der ernüchternden Alternative einer zwar gänzlich ‚unmusikalischen’, dafür aber deutenden Regietheater-Aufführung – und vor einer bestenfalls dekorativen, aber wenigstens die musikalische Konzentration nicht weiter störenden Kulisse. Christof Nel ist nun an der Frankfurter Oper das Kunststück gelungen, beiden Ebenen gerecht zu werden. Seine Bilder scheinen geradezu seismographisch auf Wagners traumversunkene Musik zu reagieren, zugleich wagt Nel eine behutsame Deutung. Statt sich in ironische Distanz zur Handlung zu flüchten, nimmt er die Gralsgemeinschaft in ihren Nöten und Ängsten ernst.“

Oper Frankfurt / Parsifal - Frank van Aken (Parsifal) und die Blumenmädchen © Wolfgang Runkel

Oper Frankfurt / Parsifal – Frank van Aken (Parsifal) und die Blumenmädchen © Wolfgang Runkel

Zum Inhalt: Amfortas, König der Gralsritterschaft, hat den Kreuzesspeer in unerlaubtem Kampf gebraucht und verloren. Seither siecht die Ritterschaft dahin. Nur ein „reiner Tor, aus Mitleid wissend“, vermag den Speer aus dem Besitz des Zauberers Klingsor zurückzugewinnen. Parsifal, der in den Liebesgarten Klingsors gerät, versteht unter dem Kuss der verführerischen Kundry das Leiden Amfortas’, besiegt durch Entsagung den Zauberer, bringt die Lanze und auch die zwischen Sinnengier und Erlösungssehnsucht vergehende Kundry nach langer Irrfahrt an einem Karfreitag zur Gralsburg zurück.

Die musikalische Leitung dieser zweiten Wiederaufnahme liegt erstmals bei Bertrand de Billy, der seit vergangener Saison neben seiner internationalen Tätigkeit als Erster Gastdirigent des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters wirkt. Hier dirigierte er zuletzt 2012/13 Wagners Lohengrin und 2013/14 Verdis Falstaff. Die Titelpartie verkörpert wie auch in der ersten Wiederaufnahme Frank van Aken, der von 2006 bis 2013 zum Frankfurter Ensemble zählte. Diesem gehören nach wie vor Simon Bailey (Klingsor) und Magnús Baldvinsson (Titurel) an, die gleichfalls mit der Produktion vertraut sind. Zum festen Frankfurter Sängerstamm gehören aber auch die beiden Rollendebütanten Claudia Mahnke (Kundry) und Johannes Martin Kränzle (Amfortas). Während sie 2013 und 2014 als Fricka, Waltraute und 2. Norn im aktuellen Bayreuther Ring des Nibelungen erfolgreich war, feierte er – der „Sänger des Jahres“ der Opernwelt-Umfrage 2011 – kürzlich sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera als Beckmesser in Wagners Die Meistersinger von Nürnberg unter James Levine. Bayreuth-Erfahrung kann gleichfalls Franz-Josef Selig (Gurnemanz) vorweisen, der dort 2012 Daland in Der fliegende Holländer und im Jahr darauf Hunding in Die Walküre verkörperte. Nach einem Liederabend im Mai 2014 gastiert er nun endlich in einer szenischen Produktion im Opernhaus am Willy-Brandt-Platz. In kleineren Partien sind Mitglieder des Ensembles und des Opernstudios der Oper Frankfurt besetzt.

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