Wien, Franz Grundheber – Die lange Karriere eines großen Sängers, IOCO Portrait, 23.11.2017

November 24, 2017 by  
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 Franz Grundheber 1998 als Rigoletto an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber 1998 als Rigoletto an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber – Leben im Gesang

Wozzeck, Holländer, Boccanegra – Wien, Hamburg, New York

Von  Susanne Resperger

Nachdem der Vorhang der Oper Leipzig sich nach der Vorstellung der Frau ohne Schatten langsam gesenkt hatte, ein kurzer Augenblick Stille – dann großer Jubel. Franz Grundheber hatte an diesem Abend als Barak Unglaubliches geleistet: Hatte es im Vorfeld Zweifler gegeben, ob er denn diese Partie wenige Monate vor seinem 80.Geburtstag noch würde bewältigen können, so bewies er diesen das Gegenteil. Mit Leichtigkeit, kraftvoll, berührend, mit klarer Stimme, jeder Ton, jedes Wort bedeutungsvoll, vermochte er die Rolle innig und intensiv zu gestalten – ohne jegliche Ermüdungserscheinungen. Nicht nur vom Publikum wurde er gefeiert, sondern auch seine Kollegen waren voller Bewunderung für diese Leistung.

Franz Grundheber als Gérard in Andrea Chenier

Wo aber liegt nun das Geheimnis einer so vollkommenen, intakten Stimme in diesem Alter? Diese Frage bekommt Franz Grundheber (*1937) oft gestellt und darauf gibt es auch eine klare Antwort: die Stimmtechnik zu perfektionieren, die Rollenauswahl ganz bewusst der Stimme anzupassen, Fleiß und Disziplin, auch im Privatleben. Gattin Angelika ist die ideale Ergänzung und der notwendige Rückhalt für diesen Beruf. Ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen. Aber auch seine persönliche Geschichte und die Umstände, wie sich alles in frühen Jahren entwickelte, trugen dazu bei.

Erste Offenbarungen in der Jugend

Aufgewachsen in einem Dorf vor Trier, in einfachen Verhältnissen, war es seine Mutter, die etwas „Besseres“ für ihn wollte. Sie setzte es durch, dass er aufs Gymnasium ging. Dort waren es die Deutschlehrer, die ihn für Literatur begeisterten, und er ging sehr gerne und viel ins Theater. Ein Zufall wollte es dann, dass er eines Abends – er war 18 Jahre alt – eine Karte für die Zauberflöte bekam und – sich zuerst extrem langweilte. Erst die „Sprecherszene“ begann ihn zu interessieren und als dann Peter Roth-Ehrang als Sarastro auftrat (in Trier gastierend, da er seine Eltern besuchte) erlebte der junge Mann erstmalig, welche Gefühle ein Sänger mit den Schwingungen seiner Stimme auslösen kann. Die Erhöhung der Sprache durch die Musik, wie der Künstler es selbst definiert, faszinierte ihn.

Zu Hause angekommen, versuchte er diesen Klang des Sarastro nachzuahmen und es gelang ihm so gut, dass der nebenan schlafende Vater polterte: „Ruhe, ich muss morgens um 5 aufstehen!“  Der Wunsch, Opernsänger zu werden, nahm damit seinen Anfang.

Franz Grundheber 1991 als Fliegender Holländer an der Hamburger Staatsoper © Peter Schünemann

Franz Grundheber 1991 als Fliegender Holländer an der Hamburger Staatsoper © Peter Schünemann

Flug und Landung – Als Pilot

Franz Grundheber musste damals zur Bundeswehr und wollte sich als Offizier auf Zeit bei der Luftwaffe bewerben, bestand alle Prüfungen, war auch flugtauglich. Er verpflichtete sich auf 3 Jahre für die Pilotenausbildung. Peter Roth-Ehrang wurde in dieser Zeit nach Hamburg engagiert und setzte sich sehr stark dafür ein, dass Grundheber sich ausbilden ließ. Er war von seinem Talent überzeugt. Nach einer beantragten Versetzung als Sportoffizier nach Hamburg besuchte er, wann immer er Zeit hatte, die Oper. Nach 3 Jahren verließ er die Bundeswehr, ließ sich abfinden und neben einem Halbtagsjob im Büro bildete er sich, ohne auf die Hochschule zu gehen, selbst aus, nahm Stunden bei Gesangs- und Sprachlehrer sowie Korrepetionsstunden. Nach zwei Jahren wollte er schon aufgeben, doch war es wieder der „Zufall“, der aushalf – er hörte von einem Stipendium der Hamburger Staatsoper in Amerika. Er sang vor, erhielt es für ein Jahr und konnte es in Amerika auf ein zweites Jahr verlängern. Das Studium an der Indiana University in Bloomington mit einem kleinen angeschlossenen Opernhaus wurde prägend für sein Leben. Wichtig dabei auch seine Lehrerein Margaret Harshaw. Ihre Gesangsgrundlagen und die Arbeit mit ihr waren eine exzellente Basis für seine Karriere. In seinen Meisterklassen gibt er dieses Wissen mit Leidenschaft und Überzeugung an Studenten weiter.

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburg:  Seit 1966 Fixpunkt der Karriere

1966 bekam er nach vielen erfolglosen Versuchen dann doch noch ein Vorsingen. Man wollte eigentlich keine Stipendiaten mehr aufnehmen, aber er wollte unbedingt zeigen, was er sich erarbeitet hatte.  Rolf Liebermann war begeistert und engagierte ihn. Er bekam keinen Ein-Jahresvertrag, wie er gerne schmunzelnd erzählt, sondern gleich einen Zwei-Jahresvertrag.

Von 1966 bis 1988 blieb er dem Hamburger Ensemble treu und sang alles, von den kleinsten Rollen bis zu den großen Fachpartien und war oft Einspringer, wenn prominente Sänger absagten. Für Rolf Liebermann war es wichtig, auch kleine und mittlere Rollen sehr gut zu besetzen. Dafür bekamen die jungen Sänger auch jedes Jahr die Chance,  ein oder zwei größere Rollen zu übernehmen. Im ersten Jahr sang er bereits Donner, Masetto und Figaro folgten sehr bald.  Auch viele Uraufführungen konnte er mitgestalten, ganz normal für die Ära Liebermann.

Franz Grundheber als Dr. Schön - Lulu an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber als Dr. Schön – Lulu an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Aber im Repertoirebetrieb musste man Rollen einfach ohne Proben übernehmen. Als die ersten Engagements für Produktionen mit langer Probenzeit kamen, reifte langsam der Entschluss, das Ensemble zu verlassen. Es war viel interessanter und effektiver, Rollen einige Wochen zu erarbeiten, und er wusste, wieviel besser er damit sein konnte. Außerdem wollte er angefragt werden und sich Rollen selbst auswählen können.

Die Hamburger Staatsoper ließ ihn aber nicht einfach ziehen, wollte ihn unbedingt binden. Peter Ruzicka, Nachfolger von Rolf Liebermann gab ihm einen permanenten Gastvertrag. Bei vielen Produktionen der Hamburger Staatsoper, die immer noch im Repertoire sind, war er Premierensänger: Fliegender Holländer (unter Marelli) , Rigoletto  (Homoki), Macbeth (Pimlott), Tosca (Carsen) und Simone Boccanegra (Guth). Er trat über 2050 Mal im Haus am Dammtor auf, im Februar 2012 feierte man mit ihm seine 2000. Aufführung (er war Amonasro). Der Kontakt zu Hamburg blieb immer sehr gut und er sang weiterhin 10 bis 20 Vorstellungen pro Saison. Bis zu dem Zeitpunkt, als die neue Direktion Nagano /Delnon antrat und dieser Kontakt abrupt endete. Aber nicht von Seiten des Künstlers.

Herbert von Karajan

 Herbert von Karajan in Salzburg © IOCO

Herbert von Karajan in Salzburg © IOCO

Besonders prägend war in der Zeit, in der er sich die Trennung vom Ensemble überlegte, die Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan. Neben zahlreichen gemeinsamen Konzerten erarbeitete er sich mit ihm im März 1988 in Salzburg seinen ersten Scarpia. Erstaunlich war, dass er trotz seines deutschen Namens immer wieder interessante Engagements im italienischen Fach bekam. Viele Jahre sang er immer wieder in Italien nicht nur das deutsche Fach. Mit dem Amonasro war er auch der erste Deutsche in der Arena di Verona. Im Alter von 62 Jahren gab er schließlich sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera als Rigoletto. Damit war er der erste Deutsche, der diese Partie an der MET sang. Auch an der Wiener Staatsoper oder in Covent Garden war er in vielen italienischen Rollen erfolgreich.

Die Kollegen

Am Beginn seiner Karriere hat ein Kollege, Mathieu Ahlersmeyer, ihn in die Garderobe geholt, ihn sehr gelobt, aber gleichzeitig auch einen wichtigen Rat gegeben: er solle das schwere italienische und deutsche Fach nicht vor 40-45 singen. Und wenn, dann mit 50, wenn all die Technik erlernt wurde und die Stimme noch da ist: „Dann wissen Sie, wovon Sie singen“. Dann wird bei jedem Ton mitschwingen, was man bis dahin erlebt hat: Liebe, Trennung, Verlust, Schmerz oder Trauer. Erst dann wird ein Sänger glaubhaft, wird die Persönlichkeit des Künstlers interessant, berührt er die Zuhörer.  Da käme alles von selbst und der Beruf mache dann erst richtig Spaß. Diesen Tipp nahm sich Franz Grundheber zu Herzen und verfolgte ihn sehr konsequent.

Er beobachtete seine Kollegen auf der Bühne, stand in Hamburg sehr oft auf der Hinterbühne, hörte genau zu und überlegte, wie diese es schafften, einen bestimmten Klang zu erzeugen. Sehr oft diskutierte er mit seinen Kollegen darüber, fragte bei großen Kollegen wie z.B. James King nach, arbeitete auch oft mit ihm, holte sich von vielen Ratschläge. Und – für ihn besonders wichtig: jede seiner Vorstellungen wurde von ihm kontrolliert, denn sein „Prof. Walkman“ blieb, von Margaret Harshaw abgesehen, sein einziger Gesangslehrer. Nur beim selbst Nachhören erfährt er die Wahrheit, eine Erfahrung, die er auch jungen Sängern immer wieder ans Herz legt. Kein Freund, kein Zuhörer wird einem die Wahrheit sagen (wie er selbst immer wieder in Interviews erwähnt).

 Franz Grundheber als Jago an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber als Jago an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Das Wort  –  „Ein Geheimnis“

Ein weiteres „Geheimnis“ von Franz Grundheber: das Wort! Von jeher interessierte ihn Literatur und Theater ganz besonders, daher meint er dazu immer wieder: Die Worte eines Dichters wurden von einem genialen Komponisten interpretierenderweise in Musik umgesetzt, um diese Worte zu erhöhen und mit der Musik zu intensivieren. Aber die Basis bleibt immer das Wort. Grundheber hat sich jede Rolle zuerst vom Text her erarbeitet, ihn auswendig gelernt und dann den Sprachrhythmus des Komponisten analysiert, um nach der Bedeutung der Noten zu suchen. Er überlegte, warum der Komponist diese so geschrieben hatte, suchte, was er damit ausdrücken wollte.

Genau das macht die Faszination seiner Auftritte aus. Seine Rollen sind bis ins Detail durchdacht. Gestik, Blick, jede Betonung hat Sinn, ist überlegt und ganz bewusst gewählt. Seine Figuren werden dadurch plastisch, verständlich und unglaublich menschlich. In einem Interview sagte er einmal, es sei auch sehr menschlich, böse zu sein. Ebenfalls wichtig in diesem Zusammenhang: Er betont immer wieder, nur in den Sprachen zu singen, die er selbst auch beherrscht, denn nur so könne er den gesungenen Worten die richtige Bedeutung mitgeben. Auch wenn es ihm die Zusammenarbeit mit Claudio Abbado gekostet hatte, der ihn unbedingt für Aus einem Totenhaus gewinnen wollte.

youtube:  Franz Grundheber 1986 als Jago an der Semperoper

Die Lieblingsrollen von Franz Grundheber

Grundhebers Barak in Leipzig war auch deshalb ein besonderes Ereignis, weil es ja eine seiner drei Lieblingsrollen ist.

Die zweite für ihn besondere Rolle ist jene des Wozzeck. Für ihn ist Alban Bergs Werk die perfekteste aller Opern, die er in insgesamt 11 Inszenierungen gestalten durfte. Darunter Auftritte in Paris, Berlin, Brüssel, Amsterdam, Chicago, an der Scala (unter Jürgen Flimm)  aber auch an der Met. Den bedeutendsten Erfolg hatte er damit 1987 unter Claudio Abbado in der Regie von Adolf Dresen an der Wiener Staatsoper. Der Mitschnitt auf DVD brachte ihm nicht nur den „Prix George Till“, sie gilt vielmehr als eine der Referenzaufnahmen, die viele Sänger beim Lernen dieser Partie verwenden. Spricht man mit jungen oder auch sehr renommierten Baritonen, gilt Franz Grundheber für viele als DAS Vorbild für Wozzeck.

2007 inszenierte er diese Oper für seine Heimatstadt Trier, die dort noch nie aufgeführt worden war. Es blieb seine bisher einzige Regiearbeit. Um das Werk dem Publikum näher bringen zu können, hat er mit dem Trierer Journalisten Dieter Lintz ein umfangreiches Rahmenprogramm um die Premiere gestaltet. Die Serie wurde zu einem außergewöhnlichen Erfolg.

 Simone Young © IOCO

Simone Young © IOCO

In seiner 3. Lieblingsrolle, dem Simone Boccanegra, debütierte er 1995 in München und begeisterte mit seiner intensiven, menschlichen Umsetzung. Wer ihn in dieser Rolle erleben durfte, wird seinen Dogen nie wieder vergessen. In Chile erhielt er für seine Darstellung den Kritikerpreis und Simone Young hatte sich für ihren Antritt als Intendantin an der Hamburgischen Staatsoper (im Februar 2006) Franz Grundheber als Boccanegra gewünscht –  einer der Höhepunkte seiner Karriere. Mit 68 Jahren sorgte er für Furore und wurde damit für den ersten Theaterpreis „FAUST“ als bester Sängerdarsteller nominiert.

Tonträger und DVDs

Wie bei vielen seiner Auftritte gibt es auch von dieser Vorstellung keinen Mitschnitt auf DVD. Wie es auch um CD`S und DVD`S von ihm eher mager aussieht. Lediglich ein paar seiner Richard Straus-Partien wurden auf CD dokumentiert: Mandryka (Arabella), Orest (Elektra), Faninal (Der Rosenkavalier), Olivier (Capriccio) und vor allem sein Jupiter in Die Liebe der Danae, welchen er bei den Salzburger Festspielen 2002 als erster Sänger in der für einen Bariton sehr hohen Originalnotation sang. Diese Oper wurde in einer konzertanten Aufführung in Kiel für eine CD Produktion aufgenommen. Die Salzburger Aufführungsserie blieb undokumentiert. Sein Orest in der legendären Harry-Kupfer-Produktion an der Wiener Staatsoper ist ebenso auf DVD erschienen wie der Faninal der Salzburger Festspiele 2004 und in Baden Baden 2009. Seinen Holländer aus Savonlinna gibt es ebenfalls auf DVD.

Richard Wagner

 spielte in seiner Karriere natürlich auch eine große Rolle. Hier war Franz Grundheber bei der Auswahl der Partien aber sehr viel wählerischer und beschränkte sich später auf Amfortas und den Holländer. In diesen Rollen, meinte er immer wieder, könne er die Vorzüge seiner Stimme, eine gewisse Italienità, einbringen.  Natürlich sang er im Laufe seiner Karriere auch Heerrufer, Kurwenal und in Hamburg den Donner, später auch wenige Male Gunther. Wotan wollte er jedoch nie machen. Immer wieder auf das Thema angesprochen, meinte er, er hätte seine Stimme verändern müssen, um einen Klang zu erzeugen, den er sich für diese Partie vorstellt, der aber nicht sein natürlicher Klang war. Genau das wollte er vermeiden. Auch ein Hans Sachs kam nie zustande. Eine geplante Produktion der „Meistersinger“ musste mehrmals verschoben werden, danach war es Franz Grundheber selbst schon zu spät für diese fordernde Rolle. Schade!

27. September 2017 – Runder Geburtstag

Am 27. September 2017 ist Franz Grundheber 80 Jahre alt geworden. Hört man ihn singen, mag man es kaum glauben. Sein Leben ist die Opernbühne. Wenn er uns die Musik näherbringen kann, wenn er zeigt, dass Jago nicht von Grund auf böse ist, dass Scarpia in der Brutalität seines Berufes so gefangen ist, dass diese das einzige ist, was noch Gefühle in ihm zu wecken vermag. Oder aber, wenn Amonasro die Hand gegen seine Tochter Aida erhebt und plötzlich entsetzt darüber ist. Diesen seinen Blick vergisst man nicht. Dieser Augenblick unterstreicht die Musik und bringt den Zuhörern ungleich mehr als schöne Töne, vielmehr Verständnis für diese komplexen Figuren, die nicht immer durchschaubar sind.

Abseits der Bühne ist er ein vielgeliebter Kollege, immer hilfsbereit und geduldig. Langsam,  hat er sich in den letzten Jahren von den meisten seiner großen Rollen verabschiedet. 2011 sang er seinen letzten Simone Boccanegra und Angebote, diese Rolle noch zu singen, schlug er aus, da er sich nicht mehr sicher war, diese Partie noch den eigenen Erwartungen entsprechend bewältigen zu können.

Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper + Kommendes

Zu seinem 80er wollen wir Wiener Franz Grundheber, Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper seit 2010, nun ganz herzlich gratulieren und ihm für mehr als 250 wunderbare Vorstellungen am Hause danken! Dazu zählen die Premieren von Wozzeck (1987), Elektra (1989), Cardillac (1994), Palestrina (1999), Lulu (2000), Le Villi (2005) und Moses und Aron (2006), sowie Repertoire-Vorstellungen als Jago, Macbeth, Rigoletto, Scarpia, Amonasro, Faninal, Barak, Holländer, Amfortas …

Im Dezember 2017 kehrt Franz Grundheber in die von ihm geschätzte Stadt Wien zurück. Er wird in der Lulu-Inszenierung von Willy Decker den Schigolch verkörpern. Eine Rolle, die er mittlerweile in Madrid, Barcelona, bei den Salzburger Festspielen, in Amsterdam und 2015 an der Met erfolgreich gestaltet hat.

Nach dem euphorisch gefeierten Auftritt als Moses in Moses und Aron in der Elbphilharmonie im Jänner 2017 und den schon erwähnten Barak-Auftritten in Leipzig gab es im September 2017 eine umjubelte Semi-konzertante Aufführung des Fliegenden Holländers in der Heimatstadt Trier. Nach Wien gibt es Auftritte als Peter Besenbinder (Hänsel und Gretel) in Hamburg und Düsseldorf.

Wir wünschen Franz Grundheber anhaltende Gesundheit, auf dass er nach vielen Jahren Wanderschaft durch die Opernhäuser der Welt sein Zuhause genießen kann. Eigentlich ist er ja auch recht gern zuhause…Aber wer weiß…

Buch Franz Grundheber und Wozzeck © Armin Lücke

Buch Franz Grundheber und Wozzeck © Armin Lücke

Berlin, Komische Oper Berlin, Premiere: MOSES UND ARON von Arnold Schönberg, 19.04.2015

März 20, 2015 by  
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Komische Oper Berlin

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

Komische Oper Berlin / Zuschauerraum © Gunnar Geller

 MOSES UND ARON  von Arnold Schönberg (1957)

Schönbergs Opus magnum in einer Produktion mit fast 200 Darstellern auf der Bühne. Aus dem jahrtausendealten Schatz jüdischer Bildwelten schöpfend, erzählt Barrie Kosky den Exodus der Israeliten als Parabel des suchenden Menschen schlechthin. Der russische Stardirigent Vladimir Jurowski kehrt für dieses Großprojekt zum 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz an seine einstige Wirkungsstätte zurück.

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Premiere SONNTAG 19. APRIL 2015, 19:00 Uhr,    Weitere Vorstellungen: Fr 24.03.; Dienstag 28.03.; Sa 02.05.; So 10.05.; Di 07.07.2015
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Grabmal Arnold Schönberg © IOCO

Grabmal Arnold Schönberg © IOCO

1898 zum evangelischen Glauben konvertiert, beschäftigte sich Arnold Schönberg angesichts des in ganz Europa zunehmenden Antisemitismus Anfang der 1920er Jahre immer intensiver mit der Religion seiner Väter, wovon nicht nur seine Oper Moses und Aron, sondern auch das Oratorium für Soli, Chor und Orchester Die Jakobsleiter oder das 1927 vollendete Schauspiel Der biblische Weg ein beredtes Zeugnis ablegen. In Der biblische Weg thematisiert Schönberg die Vision von der Errichtung eines neuen Staates der Juden außerhalb Europas und nimmt damit eine zentrale Idee des von Theodor Herzl (1860-1904) begründeten modernen politischen Zionismus auf.

Ähnlich wie Herzl sah sich auch Schönberg in fast messianischer Weise berufen: Den 1909 mit den Drei Klavierstücken op. 11 und der Vertonung von Fünfzehn Gedichten aus »Das Buch der hängenden Gärten« von Stefan George op. 15 vollzogenen Verzicht auf die tonale Gebundenheit empfand Schönberg nicht als Traditionsbruch, sondern vielmehr als logischen Schritt in einer sich schon lange vorher anbahnenden Entwicklung – als eine regelrechte Mission, zu deren Erfüllung niemand anderes als er selbst auserwählt worden war: »Einer hat’s sein müssen, keiner hat’s sein wollen; da hab’ ich mich halt dazu hergegeben«, so Schönberg.

Die Auseinandersetzung mit dem biblischen Propheten Moses, der das Volk der Israeliten auf dem langen Weg ins gelobte Land immer wieder aufs Neue für den »einzigen, wahren Gott« begeistern muss, beginnt bereits in den frühen 1920er Jahren und beschäftigt den Komponisten die folgenden Jahrzehnte bis ans Ende seines Lebens. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verlässt Schönberg im Mai 1933 mit seiner Familie Berlin – im Gepäck die in Berlin vollendeten ersten zwei Akte der dreiaktig geplanten Oper, komponiert in der von ihm selbst entwickelten »Methode der Komposition mit zwölf nur aufeinander bezogenen Tönen«, kurz Zwölftontechnik oder Dodekaphonie genannt. In Paris vollzieht Schönberg dann die Rückkehr in die jüdische Glaubensgemeinschaft, bevor er im Oktober in die USA weiterreist, wo er bis an sein Lebensende 1951 bleiben wird. Der letzte Akt seines Werkes bleibt – trotz wiederholter Absichtsbekundungen – bis zum Ende seines Lebens unvertont.

Bei Schönberg ist Moses auf die Hilfe seines Bruders Aron angewiesen, um die abstrakte Gottesidee in verständliche Worte und Bilder zu fassen. Aron ist der Zauberer, der wortgewandt und trickreich das wankelmütige Volk davon zu überzeugen weiß, Moses und seinem so andersartigen Gott zu folgen. Aber verändern, ja verderben Arons Worte und Zaubertricks nicht bereits die reine Idee, die in Worte zu fassen Moses so unmöglich erscheint? – Schönbergs Oper wird zum packenden Musikdrama über die nie endende Suche des Menschen nach Antworten, über seine unstillbare Sehnsucht nach dem »Land, in dem Milch und Honig fließen«. Dass sie ein Torso bleiben musste, liegt womöglich in der Thematik des Stückes selbst begründet: Denn nicht nur der Widerspruch zwischen Moses und seinem Bruder Aron ist letztlich unauflösbar. Auch die ewige Suche nach dem »gelobten Land« kann – für Schönberg ebenso wie für das jüdische Volk, das im übertragenen Sinne für die gesamte Menschheit steht – am Ende nur unerfüllt bleiben. So ist es vermutlich kein Zufall, dass neben der Zwölftonoper Moses und Aron auch das Oratorium Die Jakobsleiter Fragment bleibt. Theodor Herzl hat die Gründung des Staates Israel nicht mehr erlebt. Und selbst Moses hat das gelobte Land nie betreten …

Musikalische Leitung Vladimir Jurowski
Inszenierung Barrie Kosky
Bühnenbild und Licht Klaus Grünberg
Kostüme Klaus Bruns
Dramaturgie Ulrich Lenz
Künstlerische Mitarbeit Susanna Goldberg
Chöre David Cavelius

BESETZUNG:
Moses: Robert Hayward
Aron: Andreas Conrad
Junges Mädchen / 1. nackte Jungfrau: Julia Giebel
Junger Mann: Adrian Strooper
Ephraimit / anderer Mann: Tom Erik Lie
Priester: Jens Larsen
Nackter Jüngling: Michael Pflumm
Eine Kranke / 3. nackte Jungfrau: Karolina Gumos
2. nackte Jungfrau: N. N.

Weitere Vorstellungen: Fr 24.03.; Di 28.03.; Sa 02.05.; So 10.05.; Di 07.07.2015

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Pressemeldung Komische Oper Berlin