Arturo Toscanini – Held und Satan – 60. Todestag, IOCO Portrait, Januar 2017

Februar 5, 2017 by  
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Musikverein Wien / Toscanini dirigierte hier 1935 © IOCO

Musikverein Wien / Toscanini dirigierte hier 1935 © IOCO

 Arturo Toscanini – Held und Satan

Der Dirigent als Legende

Zum 60. Todestag: 25.3.1867 – 16.1.1957

Von Albrecht Schneider

Arturo Toscanini um 1930 © Bundesarchiv

Arturo Toscanini um 1930 © Bundesarchiv

Den Blick auf manche grandiose Person, wie hier auf unsere der Musikgeschichte, erschweren Mythen, die sie gleichsam verschleiern. So wird diesem Italiener nachgesagt, ein Pultfürst seltener Qualität gewesen zu sein, aber einer, der von schmächtiger Gestalt vor dem Orchester herumtobte, fluchte wie ein Vorstadtflegel und die Musiker beschimpfte, als hätte er es mit Straßenfiedlern oder Drehorgelspielern zu tun. Partituren, heißt es, wären durch den Saal geflogen, vor Wut auf Mitwirkende oder Veranstalter habe er Aufführungen platzen lassen oder sein Amt gar nicht erst angetreten. Kurzum: Seine Manieren als Dirigent seien die einer Mimose, einer Diva, eines Invektiven speienden Vulkans und zornbebenden Präzeptors der Musik in einem. Wieviel an diesem Report Dichtung, Übertreibung oder gar Wahrheit ist, mag dahingestellt bleiben.

Denn zugleich wird er gerühmt als eine Jahrhunderterscheinung unter den Stabhaltern, der seinen Zeitgenossen einmalige unvergessliche Sternstunden mit Opern- und Konzertdirigaten bescherte, und dessen Könnerschaft und unerbittliche Arbeit am Werk manche jüngere Kollegen zur Nachahmung anstiftete.

Arturo Toscanini Karikatur um 1905

Arturo Toscanini Karikatur um 1905

Losgelöst von der Fama, sind die beiden Erscheinungsformen des Arturo Toscanini gleichwohl verbürgt. Eine Erklärung findet sich rasch, schaut man auf das damaligen italienische Musikwesen. In das gelangt im Jahre 1885 der siebzehnjährige kleine Toscaner (Toscanini!), der – allerdings zu Parma in die Welt getreten – kraft einer sich früh offenbarenden Musikalität eine Ausbildung zum Cellisten an der Königlichen Musikschule seiner Geburtsstadt durchlaufen hat. Er verdingt sich alsbald an eine Operntruppe, der auf einer Tournee durch Brasilien ihr Dirigent wegen Unfähigkeit abhanden kommt. Unser Cellospieler übernimmt notgedrungen dessen Amt, er hat Gefallen daran und wandelt sich allmählich vom Instrumentalisten zum Orchesterleiter. Bei der neuen Profession  belässt er es auch mit der Rückkehr nach Italien, was freilich bedeutet, sich dem ihm ganz und gar unleidlichen Opernbetrieb auszuliefern. In dem haben, unabhängig von ihrer Qualität, insbesondere die Sängerinnen und die Sänger das Sagen, denn an deren vokalen Kunstfertigkeiten ist den Zuhörern vornehmlich gelegen. Für neue Inszenierungen – falls man das damalige >Auf die Bühne Bringen < so klassifizieren mag – holen sich die Theater die nötigen Orchestermusiker quasi von der Straße, die Kulissen des Stückes A dienen ebenso dem Stück B zur Ausstattung, das Repertoire an Gebärden und Mimik ist dürftig und standardisiert. Die Besucher lassen sich von Musik und Szene wenig stören, Unterhaltung, Herumlaufen und Verzehr sind üblich. Das Opernhaus zeigt sich als eine „Arena des Amüsements“.

Mit dergleichen Zuständen will sich der junge Mann nicht abfinden, und eröffnet einen lebenslangen Kampf wider unfähiges, unwilliges Personal, gegen widerspenstige Verwaltungen und die Unarten des Publikums. Mit einer genauen Vorstellung dessen, was zu hören und zu sehen sein soll, beginnt er die Proben, mit der Partitur bis zur letzten Note im Kopf ringt er um eine exakte und inspirierte Wiedergabe. Sobald aber stille Widerstände zu spüren sind oder er laute erfährt, erfolgt nicht selten die Konversion zu einem Berserker, der mit Tonstärke, Verfluchung und enthemmter Gestik Beteiligte wie Unbeteiligte das Fürchten lehrt. Durch absolut nichts will er seine Intention gefährdet wissen; berührt sie sich doch mit der Richard Wagners, der bereits Dezennien zuvor die Einheit von Musik, Dichtung und Handlung zum Dogma erhoben hatte.

Mit seinem Begriff von authentischer und perfekter Interpretation arbeitet er sich jahrelang durch die italienischen Provinzen und Städte. Sein Name gewinnt an Reputation und seine vom üblichen Niveau sich abhebenden Einstudierungen werden nicht einzig von der Kritik gewürdigt. Der Komponist Leoncavallo vertraut ihm die Uraufführung von  I Pagliacci (Der Bajazzo) an, und Puccini die von La Bohème. Sein Rang und seine Verdienste um Italiens Musik tragen ihm 1898 fast zwangsläufig das repräsentative wie gewichtige Amt eines musikalischen Direktors der Mailänder Scala ein. Das indessen quittiert er fünf Jahre später, überdrüssig der Querelen mit einer nach wie vor die traditionellen Unsitten pflegenden Zuhörerschaft.

New York City Opera und Metropolitan Opera / Hier dirigierte Toscanini ab 1908 © IOCO

New York City Opera und Metropolitan Opera / Hier dirigierte Toscanini ab 1908 © IOCO

Aus dem wachsenden Ruhm resultiert ein Engagement an der Metropolitan Oper in New York. Sein Debut gibt er 1908 mit Verdis Aida und Enrico Caruso als Radames. Wenn dort im Jahr 1954 seine Dirigententätigkeit in einem Konzert des National Broadcasting Company Symphony-Orchestra (NBC), mit der Ouvertüre zu Die Meistersinger von Nürnberg als Finale, zu Ende geht, dann steht er schon eine ganze Weile in dem Ruf, einer berühmtesten und geachtetsten Orchesterleiter der Welt zu sein.

Arturo Toscanini um 1915

Arturo Toscanini um 1915

Unentwegt reiste Toscanini von der Alten in die Neue Welt, hier wie dort konzertierte er in den wichtigen Städte und betreute Opern, gab 1930 und 1931 in Bayreuth ein Gastspiel, das er wegen der von ihm verabscheuten Naziherrschaft – trotz einer persönlichen Einladung durch Hitler – niemals wiederholte. Bei der Betrachtung von dieses Mannes unzähligen Tourneen, den unzähligen Auftritten vor Opern- und Konzert-orchestern, den unzähligen Dampferfahrten von Europa nach Amerika und zurück, den unzähligen Proben mit ihm ergebenen wie opponierenden Künstlern, den unzähligen an der Physis zehrenden Konflikten mit ihnen und der bisweilen statischen Bürokratie, erhebt sich die Frage, wie ein Mensch von derart zarter Konstitution diesem Beruf mit solcher Hingabe an das Werk und solcher Passion für dessen akkurate Realisierung bald siebzig Jahre lang nachzugehen vermochte. Erst 1957, mit fast neunzig Jahren, stirbt er nach einem Schlaganfall.

Der Musikbetrieb des 19. Jahrhunderts gebar den Virtuosen. Dem Geiger Paganini und dem Pianisten Liszt lag das Publikum zu Füßen, ein Personenkult, den die Virtuosen des Kehlkopfs bereits ein Jahrhundert länger genossen. Mit dem Zwanzigsten Jahrhundert indessen erwuchs den Podiumsgrößen eine Konkurrenz, die bislang zwar in ihrem Schatten, doch meistens dicht neben ihnen, zumindest aber in ihrer Sichtweite gewirkt hatte: Der Dirigent.

Die Komponisten der Spätromantik verlangten mächtigere Orchesterapparate, und die Sinfonien, Konzerte und Opern ihrer Vorgänger wurden nunmehr genauso mit größerer Besetzung gespielt. In der Figur, die dort einsam auf dem Pult die Riesenschar von Streichern, Bläsern, Zupfern und Trommlern zu bändigen und ihnen Klänge zu entlocken verstand, die erhebend und beseligend ins Ohr rauschten, entdeckte das Publikum einen Virtuosen, dessen Instrument eben nicht Violine, Klavier oder das Stimmband war, sondern das Orchester.

Wien / Gustav Mahler Grabstätte © IOCO

Wien / Gustav Mahler Grabstätte © IOCO

Arturo Toscanini gehört unbedingt in die Ruhmeshalle der Pultvirtuosen, und ein Platz in der ersten Reihe zwischen Gustav Mahler und Wilhelm Furtwängler ist ihm sicher. Des Italieners Auffassung von Musik und ihrer Wiedergabe geraten deutlicher, indem man neben ihn diesen zwanzig Jahre jüngeren, mit ihm mitunter konkurrierende deutschen Kollegen stellt. Vielleicht hätten beide auf die Frage, warum sie Dirigenten wurden, die Antwort gegeben, die dem komponierenden Dirigenten Pierre Boulez zugeschrieben wird:

 >Je veux dominer< – Ich will herrschen

Für unseren Helden mag das zutreffen. Sein Herrschaftsanspruch duldete keine Sängerwillkür, wie er sich auch nur ungern auf das Musizieren mit Solisten einließ. Den eigenwilligen Ansichten eines Pianisten oder Geigers zu willfahren, lag nicht unbedingt in der Absicht einer Autorität, die allein über Tempo, Dynamik und Phrasierung eines Stückes entscheiden wollte. Dessen Darbietung sollte nicht von anderer Seite beeinflusst werden, haftete doch der Name Toscanini für eine perfekte Darstellung der Form und des Klangs, getragen von dem Gebot der Notentreue und makellos spielender Instrumentalisten. Nicht minder dominierend verlangte sein deutscher Antipode den Musikern gleichermaßen alles ab, allein dessen Dirigat gestaltete die Musik eher frei aus dem Gefühl heraus: sie poetisierend, wie es der Kollege Michael Gielen, langjähriger Chef des SWR Sinfonieorchesters, formulierte.

Bonn / Beethoven Denkmal © IOCO

Bonn / Beethoven Denkmal © IOCO

Was hier zu lesen steht, ist die Überlieferung. Nur wenige Personen werden noch von einer Begegnung mit Toscanini als Dirigenten erzählen können. Uns bleiben zu einem Verhör einzig dessen Tonträgeraufnahmen. Einen allerbesten Eindruck von seinem stringenten, kühlen wie glühenden Musizieren liefern Verdis Falstaff und Othello. Von den Komponisten seiner Heimat Italien hat er lediglich jene der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts berücksichtigt. Bellini und Donizetti fehlen nahezu komplett, von Rossini begnügte er sich mit einigen Ouvertüren. Sein Repertoire war nicht sehr umfangreich, die Partituren Verdis, Beethovens, Brahms’ und Wagners standen vorzugsweise auf seinem Pult. Von den großen Sinfonikern mied er Mahler völlig, Bruckner fast ganz, bei Richard Strauß beschränkte er sich auf ein paar der sinfonischen Dichtungen. Um die Moderne allerdings, die Musik des 20. Jahrhunderts, schlug er den allergrößten Bogen. Mit ihr vermochte er nichts anzufangen.

Mäkelei ist nicht die Aufgabe an einem Gedenktag. Die Perspektive, aus der Toscanini das Werk sah, und die Manier, wie er es darbot, kann, aber muss nicht unserer ästhetischen Idee davon genügen. So vollkommen Oper oder Sinfonie sein mögen, bloß annähernd so vollkommen zu sein, das ist keinem nachschaffenden Künstler gegeben. Was immer man an dem kleinen Toscaner schätzt und weniger schätzt, welchen Lobgesang man auf ihn anstimmen, oder doch eher kritische Töne hören lassen will, an der Legende vom großen Dirigenten Arturo Toscanini wird das alles nicht das Geringste ändern.

 

Wien, Wiener Staatsoper, Seiteneinsteiger Rošcic folgt 2020 Meyer, IOCO Aktuell, 26.12.2016

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 Wiener Staatsoper: Neue mediale Ausrichtung gesucht

 Bogdan Rošcic löst Dominique Meyer 2020 ab

Österreichs Kunst- und Kulturminister Thomas Drozda stellte am 21.12.2016 in einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt Bogdan Rošcic als neuen Operndirektor der Staatsoper Wien für die Periode 2020 bis 2025 vor. Ein Paukenschlag.

Wiener Staatsoper / Neuer Staatsoperndirektor Bogdan Roscic © Regina Aigner/BKA

Wiener Staatsoper / Neuer Staatsoperndirektor Bogdan Roscic © Regina Aigner/BKA

Die Postion war öffentlich ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist lief am 9.12.2016 ab: 18 Bewerber, darunter 4 Frauen  hatten zuvor Zukunftskonzepte zur Leitung der Staatsoper eingereicht. Die Entscheidung gegen erfolgreiche Opernintendanten ist richtunggebender Paukenschlag: Dominique Meyer wäre gerne in Wien geblieben, die Auslastung der Staatsoper von 99% war eine gute Empfehlung; andere etablierte Opernmanager, Nikolaus Bachler aus München, Elisabeth Sobotka aus Bregenz, Peter de Caluwe aus Brüssel, Serge Dorny aus Lyon, Andreas Homoki aus Zürich, selbst Alexander Perreira aus Mailand passten offenbar nicht in das Zukunftskonzept, welches Minister Drozda für die Staatsoper suchte.

Drozda suchte bei dem zukünftigen Operndirektor mehr als erfolgreiche Opernroutine. Die derzeit dramatisch schwache Auslastung der Metropolitan Opera in New York waren für ihn treibendes Menetekel. Wege und Erfahrungen moderner Kulturvermarktung entschieden für  Bogdan Rošcic, einen Seiteneinsteiger, ohne jede Erfahrung an oder in Theatern. Drozda erklärt die Entscheidung für Rošcic: „Als Top-Manager für klassische Musik bringt er internationale Kompetenz und Führungserfahrung mit. Dieser Generationswechsel vereint eine Kombination aus künstlerischem Anspruch, Leidenschaft und Begeisterungsfähigkeit“.

Wiener Staatsoper / Heutiger Staatsoperndirektor Dominique Meyer © IOCO

Wiener Staatsoper / Heutiger Staatsoperndirektor Dominique Meyer © IOCO

 „Für mich ist diese Ernennung die persönlich wichtigste Entscheidung meines beruflichen Lebens“, zeigte sich Rošcic sehr dankbar – er werde seine Verantwortung mit Liebe und Leidenschaft wahrnehmen: „2022 jährt sich der Amtsantritt Gustav Mahlers als Operndirektor zum 125. Mal. Die Staatsoper wird ihren bedeutendsten Direktor gebührend feiern, indem sie sich Inspiration holt aus den Grundsätzen, die er in das Haus getragen hat: unbedingter Kunst- und Gestaltungswille, höchster inhaltlicher Ehrgeiz in allem, Unterordnung aller Aspekte des Betriebs unter die Ansprüche höchster Qualität.“

Der 1964 in Belgrad geborene Bogdan Rošcic war nach seinem Studium der Philosophie und Musikwissenschaft bei österreichischen Tageszeitungen tätig. 1993 begann er bei Ö3, 2002 wurde er Managing Director von Universal Music Austria. Weitere Laufbahnstationen: 2003 Künstlerischer Leiter des Universal-Labels Deutsche Grammophon, 2006 Managing Director des Universal-Unternehmens Decca Music Group, seit 2009 Präsident von Sony Masterworks in New York, verantwortlich für den Aufbau der Klassik-Sparte. Als Manager eines großen Theaters hat Bogdan Rošcic bisher keine Erfahrung, sich nicht bewährt. Ab 2020 fängt er somit als Seitensteiger an; groß, als Operndirektor der Wiener Staatsoper, dem international führenden Flaggschiff der Musiktheater.

2020 endet die Amtszeit von Dominique Meyer. Meyer hat dann, als Nachfolger des legendären Sanierers und Gestalters Ioan Holender, die   Wiener Staatsoper 10 Jahre geleitet: Sympathisch leise, höchst erfolgreich, mit größer Nähe zu Künstlern und Mitarbeitern.    IOCOPMBKA

Wien, Johan Botha (1965 – 2016) gestorben, IOCO Aktuell, 10.09.2016

September 11, 2016 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Johan Botha (1965 – 2016) gestorben

Johan Botha © Wiener Staatsoper_Axel Zeininger

Johan Botha © Wiener Staatsoper_Axel Zeininger

Johan Botha hatte seit Anfang 2016 bereits Auftritte abgesagt. Wehmut, Mitgefühl wurde deutlich, als Intendant Dominique Meyer im März 2016 zur Jahrespressekonferenz der Staatsoper Wien dem Starttenor Johan Botha baldige Genesung wünschte. Nach einer Auszeit von sieben Monaten kehrte Botha im Juni als Siegmund, im Juli 2016 als Kalaf auf die Bühne zurück. Im Herbst hätte er als Kalaf und Radames an der Wiener Staatsoper auftreten sollen. Alles schien wieder normal. Doch es kam anders. Am 8. September 2016, mit nur 51 Jahren, ist Johan Botha an Leberkrebs gestorben.

Johan Botha wurde am 19. August 1965 in Rustenburg, Südafrika geboren. Gesang war seit Kindheit sein Leben. Und doch musste sich Botha seine Karriere durch viele Statiuonen hart erarbeiten: Mit 13 begann er Gesang zu studieren, zum Beruf wurde Gesang 1989, als er den Max in Carl Maria von Webers Freischütz sang. Theater in Hagen Kaiserslauten, Dortmund, Bonn waren seine Stationen, bevor er 1993 in Paris als Pinkerton in Madame Butterfly den internationalen Durchbruch zu allen großen Musiktheater der Welt schaffte. 1997 debutierte Botha an der Metropolitan Opera, 2010 bei den Bayreuther Festspielen.

Wien war seit zwanzig Jahren Wohnsitz und sängerische Heimat von Johan Botha: 1996 hatte er an der Wiener Staatsoper debutiert, 2003 wurde er dort zum jüngsten Kammersänger, 2016 zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. 222 Auftritte an der Wiener Staatsoper belegen zeigen, Botha war ein ganz Großer seines Fachs.

 Richard Wagner © IOCO

Richard Wagner © IOCO

Das große, schwere Tenorfach waren stimmliche Heimat von Johan Botha: Otello, Kalaf, Florestan, besonders jedoch die großen Wagner-Partien des Tannhäuser, Stolzing, Siegmund, Parsifal.

Sensibel und professionell erarbeitete Johan Botha sich seine Partien, den Intentionen der Komponisten folgend: Die richtige Stimmfärbung, Piani waren ebenso bedeutsam wie Forte. So wurde Johan Botha für Besucher wie Kollegen ein zuverlässiger Partner. Sein beständiges Übergewicht sah er als Problem aber humorvoll: Der Körperumfang dürfe nicht zu viel werden, aber, so Botha, er habe „noch keinen dürren Tenor getroffen, der sich im Wagnerfach behauptet habe“.

Zum Gedenken an Johan Botha hat die Wiener Staatsoper eine schwarze Fahne gehisst. IOCO / VJ / 10.09.2016

Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere: DER MESSIAS von Georg Friedrich Händel, 27.03.2016

März 14, 2016 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

  MESSIAH (DER MESSIAS) von Georg Friedrich Händel

Premiere Sonntag, 27. März 2016, um 18.00 Uhr,  weitere Vorstellungen: 1., 10., 15., 17. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 22. April, 1., 28. Mai, 4. Juni 2016. Falls nicht anders angegeben, Beginn 19.30 Uhr

Oper Frankfurt / Der Messias _ zeigt Jesus und den Opernchor © Per Morten Abrahamsen

Oper Frankfurt / Der Messias _ zeigt Jesus und den Opernchor © Per Morten Abrahamsen

Das Oratorium Messiah (Der Messias; HWV 56) von Georg Friedrich Händel (1685-1759) gelangte am 14. April 1742 in Dublin zur Uraufführung und gilt als eines der bekanntesten geistlichen Werke der Musikgeschichte. Komponiert für Soli (Sopran, Alt, Tenor, Bass), Chor und Orchester, behandelt es das Leben Jesu von den Prophezeiungen seines Wirkens über Geburt und Tod am Kreuz bis hin zu seiner Auferstehung und der Erwartung des Jüngsten Gerichts. Der Text stammt jedoch vorwiegend aus dem Alten Testament: die Vorhersagen eines Messias werden auf Jesus Christus bezogen. In Händels Musik nehmen die Nöte und Ängste Gestalt an, vor deren Hintergrund solche Erlösungshoffnungen nachvollziehbar werden. Die szenische Version des Oratoriums in der Inszenierung des australischen Regisseurs David Freeman kam 2012 am Königlichen Opernhaus Kopenhagen zur Uraufführung und wird nun an die Oper Frankfurt übernommen, womit das Werk erstmals hier erklingt. Als bekannteste Nummer gilt sicherlich das Halleluja  des Chores am Schluss des zweiten Teils.

Oper Frankfurt / Der Messias _ zeigt v.l.n.r. Tenor und Bass © Per Morten Abrahamsen

Oper Frankfurt / Der Messias _ zeigt v.l.n.r. Tenor und Bass © Per Morten Abrahamsen

Der Münchner Dirigent Markus Poschner gibt mit dieser Produktion sein Debüt an der Oper Frankfurt. Seit Beginn dieser Saison hat er die Position des Chefdirigenten des Orchestra della Svizzera Italiana Lugano inne. Ab 2017/18 wird er in Linz als Opernchef des Landestheaters und Chefdirigent des Brucknerorchesters tätig sein. Auch der australische Regisseur David Freeman ist Frankfurt-Debütant. Seine Anfang der 90-er Jahre entstandene Inszenierung von Prokofjews Der feurige Engel am heutigen Mariinsky Theater St. Petersburg wurde u.a. an der Metropolitan Opera New York, der San Francisco Opera, dem Royal Opera House Covent Garden London und am Teatro Regio Turin gezeigt. Weitere seiner Arbeiten entstanden u.a. an der English National Opera und der Royal Albert Hall in London. Zur Sängerbesetzung gehören die Ensemblemitglieder Elizabeth Reiter (Sopran), Juanita Lascarro (Sopran), Judita Nagyová (Alt), Katharina Magiera (Alt), Martin Mitterrutzner (Tenor) und Vuyani Mlinde (Bass).

Regisseur David Freeman äußert sich folgendermaßen zu seiner Inszenierung: „Eine Gruppe von Menschen, die sich untereinander nicht kennen, vielleicht aus einer Kleinstadt, findet Zuflucht in den Mauern eines zerbombten Gebäudes. Ihre gemeinsame Kultur ist christlich geprägt. Aus Erschöpfung und Angst heraus, aus Gründen, die sie vielleicht nicht einmal selbst in Worte fassen könnten, fängt einer von ihnen an, aus der Bibel zu zitieren: Die Prophezeiungen von einem Messias, der ihnen in der Stunde der Not neue Hoffnung brächte. Doch ihre gegenwärtige Lage ist so drastisch, dass sie daraus nicht lange Hoffnung schöpfen können – bis sie sich an die Geschichte von der Geburt Christi erinnern. Selbst in dieser schrecklichen Situation bringt eine Geburt Hoffnung…“

Musikalische Leitung: Markus Poschner / N.N.; Regie: David Freeman,  Mitwirkende: Elizabeth Reiter (Sopran), Juanita Lascarro (Sopran), Judita Nagyová (Alt), Katharina Magiera (Alt), Martin Mitterrutzner (Tenor), Vuyani Mlinde (Bass) u.a.

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