Osnabrück, Theater am Domhof, Tanzstück „Home sweet home“ von Mauro de Candia, IOCO Kritik, 22.11.2017

November 22, 2017 by  
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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Mauro de Candia vertanzt Kafkas Brief an den Vater

Albtraum vom trauten Heim

Von Hanns Butterhof

Sicher nicht zufällig in dieser Zeit der Unsicherheit mit ihrer Sehnsucht nach Geborgenheit, Heimat und einer starken Führung durch die Unübersichtlichkeit hat Osnabrücks Tanzchef Mauro de Candia Franz Kafkas düsteren „Brief an den Vater“ zum Anlass für sein neues Tanz-Stück „Home Sweet Home“ genommen. Es zeigt einen Albtraum.

Der Titel „Home Sweet Home“ ist reine Ironie. Der eineinhalbstündige Tanzabend zeigt statt einer wohligen Heimstatt das quälend enge Beziehungsgefüge einer Familie, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint. Zu Beginn steht Marine Sanchez Egasse im dunkelroten Kleid am Fenster und schaut lange hinaus. Sie ist die Mutter, und schon sie deutet eine verhohlene Sehnsucht an, hinauszukommen aus dem noch im Dunkel liegenden Raum, dessen immer wieder verführerisch glänzende Tür nach draußen weit hinten liegt (Bühne, Kostüme, Licht: Mauro de Candia).

Theater Osnabrück / Dramaturgin Patricia Stoeckemann und Tanzchef Mauro de Candia © Hanns Butterhof

Theater Osnabrück / Dramaturgin Patricia Stoeckemann und Tanzchef Mauro de Candia © Hanns Butterhof

Dort sitzt der Vater im grauen Anzug am Kopfende eines Tischs, der stocksteife Oleksandr Khudimov, der mit militärisch ruckartigen Bewegungen die Familie dirigiert, ab und zu mild gebremst von seiner Frau. Links von ihm, an der Längsseite, sitzt seine Tochter, die ängstlich verdruckste Cristina Commisso. Lennart Huysentruyt ist der Sohn, das Ich des Stücks, dessen Perspektive erzählt wird. Er liegt in Jeans und einem gelben Rollpullover abseits des Tisches auf dem Boden, während von überall her Stimmen auf ihn eindringen. Wenn er sich geduckt an den Tisch setzt, erscheint ihm der gegenüber sitzende Vater wie ein Raubtier, das zum Sprung auf ihn gespannt ist.

Theater Osnabrück / Tanzstück Home sweet home - hier vlnr Oleksandr Khudimov, Marine Sanchez Egasse, Cristina Commisso, Lennart Huysentruyt © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Tanzstück Home sweet home – hier vlnr Oleksandr Khudimov, Marine Sanchez Egasse, Cristina Commisso, Lennart Huysentruyt © Jörg Landsberg

Es wird für den unter der Dominanz des Vaters leidenden Sohn keinen Ausweg geben, so sehr er sich quält. Auch wenn der Vater Gesten, Ansätze der Beziehungsaufnahme zeigt, zieht er die krampfenden Hände doch wieder zurück. Er demonstriert stattdessen mit kraftvollem Ausschreiten des Raums im Marschtakt seinen Anspruch auf die Herrschaft und verdrängt den Sohn sogar von der Türe, bis der sich Schutz suchend unter dem Tisch verbirgt.
Eifersüchtig und gedemütigt beobachtet er, wie der Vater mit der Mutter tanzt und dabei seine männliche Überlegenheit herauskehrt.
Nur in einer Szene nähert sich die Schwester zaghaft, auf Umwegen, dem verloren dasitzenden Bruder. Sie lockt ihn aus seiner Apathie, indem sie den Platz des Vaters und so dessen Bild verdeckt. Erst da lässt er ihre Nähe zu, und sie kommen für einen Moment zu einem wunderbar ruhigen Duett zusammen.

Theater Osnabrück / Tanzstück Home sweet home - hier Drückende Dominanz des Vaters Lennart Huysetruyt und Oleksandr Khudimov © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Tanzstück Home sweet home – hier Drückende Dominanz des Vaters Lennart Huysetruyt und Oleksandr Khudimov © Jörg Landsberg

Zu meist quälend atonaler Musik von Alfred Schnittke bis zu György Ligeti wiederholt sich mit wechselndem tänzerischen Ausdruck das Ertragen dieser unerträglichen Beziehungen, denen der Tanz in seiner Wortlosigkeit genau entspricht.

Da ist nur zu verständlich, dass sich das Bewusstsein des Sohns aus der Wirklichkeit in eine Phantasiewelt verabschiedet. Zu Vogelgezwitscher tauchen ganz in Schwarz gekleidete, gesichtslose Gestalten (Dance Company) auf, die sich bewegen wie er, die ihn schützend umringen, ihn tragen, auf den Kopf stellen und schließlich seine Welt mit Wänden von seinem untrauten Heim abtrennen, aus dem es für ihn kein Entkommen gibt.
Vielleicht hätte de Candia nicht auf Kafkas „Brief an den Vater“ als Anlass für seinen Tanzabend hinweisen sollen. Dieser Hinweis verengt leicht den Blick auf das Stück und lenkt ihn auf die mehr oder weniger genaue Umsetzung der persönlichen Umstände Kafkas. Andernfalls käme die allgemeine Aussage des Stücks deutlicher in den Blick, dass die Sehnsucht nach Geborgenheit im trauten Heim, nach fester Führung durch den guten Führer zumeist nicht in eine Phantasiewelt, sondern in den Albtraum führt.

Nach anderthalb Stunden pausenlosen Tanzes gab es anhaltenden Beifall des Premierenpublikums für die ausdrucksstarken Tänzerinnen und Tänzer wie auch Mauro de Candia und seine Dramaturgin Patricia Stöckelmann.

Tanzstück Home sweet home im emma-Theater des Theater Osnabrück: Die nächsten Termine:22., 24., 26. und 30.11.2017, jeweils 19.30 Uhr

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Osnabrück, Theater am Domhof, Spielplan 2017/18 – Hohe Auslastung, IOCO Aktuell, 20.05.2017

Mai 20, 2017 by  
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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

 Theater Osnabrück  – Spiegel für alle Ecken der Stadt

Ein Theater stellt sich vor: 2017/18, Auslastung, Ziele

Von Hanns Butterhof

Theater Osnabrueck / Intendant Ralf Waldschmidt © Hanns Butterhof

Theater Osnabrueck / Intendant Ralf Waldschmidt © Hanns Butterhof

Intendant Ralf Waldschmidt hat mit seinem Team das Programm der Spielzeit 2017/18 vorgestellt. Äußerst zufrieden zeigt er sich im Rückblick über die Auslastung seiner beiden Spielstätten, dem Großen Haus, Theater am Domhof, und dem Kleinen Haus, dem emma-theater. Die Zahlen können sich in der Tat sehen lassen: Das Theater am Domhof hat in der Spielzeit 2016/17 (Stand 30.4.) eine Gesamtauslastung von gut 84 %, zu dem das Musiktheater mit etwa 87 % und das Tanztheater mit gut 86 % beitragen. Das emma-theater ist zu gut 89 % ausgelastet; an die 96 % trägt dazu das Schauspiel, glatte 100 % das Tanztheater bei. Bei diesen Zahlen ist auch die Befriedigung Waldschmidts unmittelbar verständlich, das banausische Ansinnen abgewehrt zu haben, die Tanzsparte aus finanziellen Gründen ganz zu schließen.

Grundsätzlich reklamiert Waldschmidt weiter den politischen Anspruch des Theaters, will aber in der kommenden Spielzeit den Blick nach innen richten. Im Themenzentrum stehen die existenziellen Fragen nach Identität: wer bin ich, wer kann, wer darf ich sein? Bevorzugter Schauplatz ist die Familie.

heater Osnabrueck / Von links: Mauro de Candia, Patricia Stoeckemann, Ulrike Schumann, Dominique Schnizer, Ralf Waldschmidt, Jens Peters, Marie Senf © Hanns Butterhof

heater Osnabrueck / Von links: Mauro de Candia, Patricia Stoeckemann, Ulrike Schumann, Dominique Schnizer, Ralf Waldschmidt, Jens Peters, Marie Senf © Hanns Butterhof

Das Schauspiel, erläutern der Leitende Schauspieldirektor Dominique Schnizer und sein Dramaturg Jens Peters, spannt den Bogen von der Tragödie wie Brechts „Mutter Courage und ihre Kinder“ über die Komödie wie „Schöne Bescherungen“ des unverwüstlichen Alan Ayckbourn bis zum Familienkrimi mit Eugene O’Neills Klassiker „Eines langen Tages Reise in die Nacht“. Für eine interessante Medea-Produktion kooperiert das Theater mit dem Teatro Avenida aus Mosambik; „Medea 2 – Dois mundos, uma narração“ mit zwei Erzählungen der gleichen Geschichte und zwei Medea-Darstellerinnen, einer europäischen für Mosambik, einer afrikanischen für Osnabrück; das kann spannend werden.

Das siebte „Spieltriebe“-Festival vom 1. bis 3. September bietet unter dem Motto „Macht *Spiel*Geschlecht“ 12 Premieren auf fünf Routen durch den Osnabrücker Stadtraum. Einige werden in den Spielplan übernommen, darunter die deutschsprachige Erstaufführung von Sara Stridsbergs „Valerie Solanas, Präsidentin von Amerika“ über die Vordenkerin der „Gesellschaft zur Vernichtung der Männer“.

Mit einem Stadtprojekt zu „Mutter Courage und ihre Kinder“ verfolgt Intendant Waldschmidt weiter seinen erfolgreichen Weg, das Theater zur Stadt hin zu öffnen. Wie mit „Spiegeln in allen Ecken der Stadt“ soll so Raum für Reflexion und Selbstvergewisserung geschaffen werden.

Das Musiktheater bietet wieder große Oper, Operette und Musical. Das beginnt mit Giuseppe Verdis „Rigoletto“ und setzt sich mit Emmerich Kálmans „Die Zirkusprinzessin“ und Christopher Curtis‘ „Chaplin“-Musical fort. Die Paulus-Oper „San Paolo“ von Sidney Corbett nach Pier Paolo Pasolini ist eine Uraufführung.

 Theater Osnabrueck / Dramaturgin Patricia Stoeckemann und Tanzchef Mauro de Candia © Hanns Butterhof

Theater Osnabrueck / Dramaturgin Patricia  Stoeckemann und Tanzchef Mauro de Candia © Hanns Butterhof

Tanzchef Mauro de Candia und seine Dramaturgin Patricia Stöckemann haben „Heimat“ als Themenschwerpunkt gewählt. In den zwei Uraufführungen „Home Sweet Home“ und „Unter einem Himmel“ geht es um Identität und Heimatgefühle,, die auch mit einschneidenden Musikerfahrungen verknüpft sind. Der Gastchoreograph Samir Calixto geht dem Verlust von Heimat durch den Verlust von Liebe mit Franz Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ nach.

Generalmusikdirektor Andreas Hotz kündigt an, dass er weiter an der Qualität des Orchesters und den Hörgewohnheiten des Publikums arbeiten wird. In 8 Sinfoniekonzerten wird er historische Aufführungspraxis und moderne Musik konfrontieren, Jazz eingeschlossen.

Es ist immer wieder bewundernswert, was das Osnabrücker Theater mit seinem relativ kleinen Budget leistet. Auch auf die neue Spielzeit 2017/18 darf man gespannt sein.

Osnabrück, Theater Osnabrück, Der Totentanz – In vier Prägungen, IOCO Kritik, 23.03.2017

März 22, 2017 by  
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Theater Osnabrück

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

 Der Totentanz in vier Prägungen

Vier Osnabrücker Kulturinstitutionen laden zum Totentanz

Von Hanns Butterhof

Vier Kulturinstitutionen Osnabrücks widmen sich den nächtlichen Tänzen unerlöster Verstorbener. Die Rekonstruktion zweier Totentänze der Tanzlegende Mary Wigman (1886 – 1973) durch die Dance Company des Theaters gab den Impuls für die fruchtbare „Danse Macabre – Totentanz“– Kooperation mit dem Diözesanmuseum, der Kunsthalle Osnabrück und dem Felix-Nussbaum-Haus.

Der Tod behält die Oberhand, auch in den beiden Totentänzen der Tanzlegende Mary Wigman (1886- 1973). Ein Team um Henrietta Horn unter der Projektleitung von Patricia Stöckemann hat die Tanzstücke rekonstruiert, die Dance Company Osnabrück hat sie im Theater am Domhof begeisternd wieder zum Leben erweckt und mit je einer neueren Choreographie von Marco Goecke und Mauro de Candia spannungsreich konfrontiert.

Theater Osnabrück / Totentanz I - Katherine Nakui, Marine Sanchez Egasse, Rosa Wijsman und Cristina Commisso © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Totentanz I – Katherine Nakui, Marine Sanchez Egasse, Rosa Wijsman und Cristina Commisso © Jörg Landsberg

In Mary Wigmans „Totentanz I“ von 1917/1921 herrscht die Groteske vor. Vier harlekineske Figuren mit spitzen Hüten und weiten Umhängen in kräftigen Farben tanzen barfuß sehr rhythmisch zur Camille Saint-Saëns Klavierstück „Danse macabre“. Sie bewegen sich manchmal wie Marionetten, und der Tod holt sie sich alle, ohne dass der Schrecken darüber allzu groß wäre.

Viel eindrucksvoller und weniger harmlos ist die rekonstruierte Fassung „Totentanz II“ von 1926. Zu den packenden, die Dynamik des Geschehens machtvoll unterstreichenden Klängen des Schlagwerks von Frank Lorenz treibt der Tod sein herrisches Spiel mit einer maskenhaft-gesichtslosen Figur. Mit weit ausladenden, auratischen Gesten beherrscht er die Bühne, treibt die leicht Widerständige und sechs willenlose Gestalten vor sich her oder zieht sie wieder saugend zu sich heran. Schließlich lässt er von seinem Opfer ab, das mit den anderen langsam, wie zurück ins Grab, zusammensinkt.

Das anschließende Stück Marco Goeckes, „Supernova“ von 2009, spricht eine völlig andere Tanzsprache, hat mit dem Sterben eines Sterns das Thema mit Wigmans „Totentanz“ gemein. Bei dem jazzig untermalten Stück beeindruckt das in schwarzen Hosen mit glitzerndem Pailletten-Knochengerüst tanzende Ensemble mit der ungeheuren Geschwindigkeit und Präzision der Arm- und Hand-Bewegungen. Als wären alle durchströmt von der Energie, die den Todeskampf eines Sterns vom jähen Aufleuchten bis zum langsamen Verlöschen begleitet.

Theater Osnabrück / Totentanz II - Der Tod ist Herr über alle © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Totentanz II – Der Tod ist Herr über alle © Jörg Landsberg

Den Schlusspunkt des Tanzabends setzt Mauro de Candia mit der Uraufführung seines Stückes „Sacre“. In seiner sehr abstrakten Choreographie ist die Geschichte des zur Frühlingsfeier ausgewählten Menschenopfers nicht mehr zu erkennen. Die archaische Brutalität des Geschehens tobt sich nur in der überlauten Fassung von Igor Strawinskys „Sacre du printemps“ für zwei Klaviere (Denys Proshayev/Nadia Mokhtari) aus. Im Tanz der unterschiedslos in fleischfarbene Ganzkörpertrikots gekleideten Tänzerinnen und Tänzer auf goldenem Grund stirbt nicht das als Opfer ausgewählte Individuum, sondern die Individualität überhaupt; der Totentanz ist im Alltag der Gegenwart angekommen.

Der „Danse Macabre“ im Theater am Domhof ist einer der Glanzpunkte zum Thema Totentanz neben den unbedingt sehenswerten Ausstellungen in der Kunsthalle Osnabrück, dem Diözesanmuseum und dem Felix-Nussbaum-Haus.

Theater Osnabrück / Sacre von Mauro de Candia © Jörg Landsberg

Theater Osnabrück / Sacre von Mauro de Candia © Jörg Landsberg

Felix Nussbaum: Triumph des Todes © Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück

Felix Nussbaum: Triumph des Todes © Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück

Im verdunkelten Kirchenschiff der Kunsthalle in der Dominikanerkirche mahnt Icaro Zorbar unter dem Titel „Verweile doch. (Ein Abgesang)“ mit Projektionen von Staub an der Wand eindringlich an unsere Sterblichkeit. Im lichten Kreuzgang dagegen fordern als performative Installationen viele kleine Objekte heiter dazu auf, sich verweilend der eigenen Lebendigkeit bewusst zu werden.
Das gleich neben dem Dom gelegene Diözesanmuseum glänzt unter dem Ausstellungstitel „Im Angesicht des Todes“ mit weit in die Vergangenheit reichenden Exponaten nicht nur zu Totentänzen. Neben beeindruckend alten Totenmess-Gewändern und Ratschlägen für ein heilsames Sterben findet sich aber auch Superman, der die Faust gegen den Tod ballt, doch generell ist Humor selten.

 Ernst Ludwig Kirchner: Der Totentanz der Mary Wigman © Galerie Henze & Ketterer,

Ernst Ludwig Kirchner: Der Totentanz der Mary Wigman © Galerie Henze & Ketterer,

Im von Architekt Daniel Libeskind entworfenen Felix-Nussbaum-Haus ist „Danse Macabre. Tanz und Tod im der Kunst des frühen 20. Jahrhunderts“ zu sehen. Im Zentrum stehen neben den Bildern vieler anderer Maler zu Tod und Krieg zum einen Werke von Felix Nussbaum, vor allem sein eindrucksvoller „Triumph des Todes“ von 1944. Zum anderen liegt anlassbezogen der Schwerpunkt auf Ernst Ludwig Kirchner. Von ihm sind neben dem großen Ölbild „Totentanz der Mary Wigman“ von 1926 vor allem die schwungvollen Skizzen und expressiven Holzschnitte zu Wigmans Tänzen interessant wie auch die ausdrucksstark bleichen Masken, die Victor Magito 1926 für sie gestaltet hat.

Während die Ausstellung in der Kunsthalle nur bis zum 2. April 2017 dauert, sind die Ausstellungen in den beiden anderen Museen bis 25. Juni zu sehen. Nächste Termine des Tanztheaters:  25. 3.2017 19.30 Uhr, am 12. 3. um 15.00 Uhr.

 Weitere Informationen – www.dansemacabre-osnabrueck.de

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Osanabrück, Theater am Domhof, Schwanensee von Peter Tschaikowsky, IOCO Kritik, 04.11.2016

November 4, 2016 by  
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Theater Osnabrück

Ballett Schwanensee von Peter Tschaikowsky: An Osnabrücks Großem Haus, dem Theater am Domhof, hat Tanzchef Mauro de Candia seine Deutung des Ballettklassikers „Schwanensee“ begeisternd uraufgeführt. Ins Zentrum des entromantisierten Tanzstücks stellt er den ausdrucksstarken Keith Chin als Siegfried. Dessen innere Geschichte erzählt de Candia…….

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

Osnabrück / Theater am Domhof © Marius Maasewerd

 

Der mit den Schwänen tanzt

 De Candia entromantisiert begeisternd den Ballettklassiker Schwanensee

Von Hanns Butterhof

An Osnabrücks Großem Haus, dem Theater am Domhof, hat Tanzchef Mauro de Candia seine Deutung des Ballettklassikers „Schwanensee“ begeisternd uraufgeführt. Ins Zentrum des entromantisierten Tanzstücks stellt er den ausdrucksstarken Keith Chin als Siegfried. Dessen innere Geschichte erzählt de Candia statt eines Märchens stimmig als Verweigerung des Erwachsenwerdens, wobei Siegfried tödlich an seine Schwanen-Traumwelt gebunden bleibt.

Theater am Domhof - Osnabrück / Schwanensee Siegfried und Mutter © Jörg Landsberg

Theater am Domhof – Osnabrück / Schwanensee Siegfried und Mutter © Jörg Landsberg

Der See der Schwäne, den de Candia und Uwe Tepe warm in diffus violettes Licht tauchen, ist ein anziehender Ort.  In steifen weißen Korsetts (Kostüme: de Candia und Janine Hagedorn) fesselt das Ensemble der Schwäne mit differenzierten Bewegungen vom breitgestreckten Flügelschlagen bis zum anmutigen Recken der Hälse mit dem von abgeknickten Händen gebildeten Schwanen-Kopf.

Die Bewegungen der Schwäne imitierend versucht Siegfried, zu ihnen zu gehören. Doch so anziehend er und die Schwäne füreinander sind, es kommt zu keiner tiefen und dauerhaften Bindung; Höhepunkt ihres faszinierenden Tanzes miteinander bleibt ein flüchtiger Schnabel-Kuss.

In seinem schmucklos kühlen, fensterlosen Zimmer verteidigt Siegfried unwirsch seine Traumwelt gegen die Anmutung der Freunde (Lennart Huysentruyt, Neven Del Canto, Péter Dániel Matkaicsek, Jayson Syrette), ihn fröhlich und mit derbem Schwung in ihre Normalwelt zurückzuholen. Auch seine eher strenge als liebevolle Mutter (Marine Sanchez Egasse) vermag ihn nicht zu bewegen, sich eine Freundin zu suchen. Ihr dirigierend nach vorn gerichteter Tanz mit dem Sohn ist eine der dichtesten, psychologisch aufgeladensten Szenen des Stücks. Obwohl sich bei der Mutter selber Schwanenbewegungen andeuten, unterbindet sie diese bei Siegfried brüsk.

Theater am Domhof - Osnabrück / Schwanensee - Siegfried tanzt mit den Schwänen © Jörg Landsberg

Theater am Domhof – Osnabrück / Schwanensee – Siegfried tanzt mit den Schwänen © Jörg Landsberg

Weshalb Siegfried selbst die Angebote der ihn offenherzig antanzenden Freundinnen (Cristina Commisso, Katherine Nakui, Ayaka Kamei) nicht annehmen kann, bleibt für manche Deutung offen, ohne beliebig zu sein. In dem See mit den Schwänen, die Siegfried schließlich schrecklich mit ihren Schnäbeln zu Tode hacken, dürften etwa manche Eltern betroffen den Drogensumpf erkennen, in dem ihr abhängiges, für sie unzugängliches Kind untergeht.

„Schwanensee“ in de Candias stimmiger, tänzerisch überwältigender Fassung ist auf  etwa zwei Stunden gekürzt. Die wunderbare, für Siegfrieds wechselnde Gefühlswelten neu angeordnete Musik Peter I. Tschaikowskys lässt Andreas Hotz mit dem einfühlsamen Osnabrücker Symphonieorchester beeindruckend life aus dem Orchestergraben erklingen.

Der Jubel und die im Stehen dargebrachten Beifallsstürme für alle Beteiligten konnten nur durch das Herablassen des Eisernen Vorhangs beendet werden. IOCO / Hanns Butterhof / 04.11.2016

Schwanensee im Theater am Domhof, Osnabrück: Die weiteren Termine: 10., 16., 18. und 25.11.2016 jeweils 19.30. Uhr.

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