Mönchengladbach, Theater Krefeld MG, Premiere Der Konsul von Gian C. Menotti, 22.01.2017

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Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Mönchengladbach © Matthias-Stutte

Theater Mönchengladbach © Matthias-Stutte

Der Konsul von Gian Carlo Menotti 

Premiere 4.2.2017, weitere Vorstellungen 8.2.2017, 5.3.2017, 14.3.2017, 24.3.2017, 26.5.2017, 10.6.2017

Theater Mönchengladbach / Der Konsul - Regisseurin Katja Bening © Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Mönchengladbach / Der Konsul – Regisseurin Katja Bening © Theater Krefeld Mönchengladbach

Irgendwo im heutigen Europa: Der Patriot John Sorel kämpft im Untergrund gegen das polizeistaatliche Regime seines Landes. Nachdem er im Anschluss an eine heimliche Versammlung beinahe von der Polizei erwischt wird, beschließt er, das Land zu verlassen. Seine Frau Magda soll auf dem Konsulat des Landes, in dem sie Zuflucht suchen wollen, Pässe für sich selbst, ihr gemein sames Kind und seine Mutter beantragen. John selbst will in der Nähe der Grenze untertauchen, bis die Pässe ausgestellt sind.
Auf dem Konsulat warten viele Menschen darauf, den Konsul in ihrer lebenswichtigen, dringenden Angelegenheit zu sprechen. Doch eine kühle Sekretärin wimmelt die eindringlichen Gesuche unaufhörlich ab und (er)findet immer wieder neue bürokratische Hürden. Magdas Kraft schwindet mehr und mehr, bis sie schließlich resigniert und den aussichtslosen Kampf gegen die Bürokratie aufgibt.

Theater Mönchengladbach / Der Konsul - Dirigent Diego Martin-Etxebarria © Theater Krefeld Mönchengladbach

Theater Mönchengladbach / Der Konsul – Dirigent Diego Martin-Etxebarria © Theater Krefeld Mönchengladbach

Mit der Uraufführung von Der Konsul (The Consul) gelang dem US-amerikanischen Komponisten Gian Carlo Menotti 1950 in Philadelphia ein sensationeller Überraschungserfolg. Vordergründiger Anlass für das Libretto, das Menotti selbst verfasste, war eine Zeitungsnotiz, in der von einer polnischen Emigrantin berichtet wurde, die sich in den USA um eine Aufenthaltsgenehmigung bemühte hatte und die Selbstmord beging, als ihr Gesuch erfolglos blieb.
Damit einher ging die Beschäftigung Menottis mit dem Schicksal seiner jüdischen Freunde während der Zeit des Nationalsozialismus.

Menottis musikalisches Drama ist erfrischend direkt und zielt auf ein breites Publikum ab: Gesprochene Dialoge, Melodramen, aber ebenso lyrische Arien und Ensembles im Stil Puccinis, eine Schallplatteneinspielung, Telefonklingeln, das rhythmische Klappern von Schreibmaschinen – Der Konsul ist eine gelungene Mischung aus Hörspiel,
Filmmusik und Theater. Kriminologische Spannung und die Schilderung der Ängste und Sehnsüchte der Protagonisten machen aus dieser Oper ein packendes Seelendrama, das besonders durch seine Aktualität besticht.

Inszenierung Katja Bening, Bühne und Kostüme Udo Hesse, Musikalische Leitung Diego Martin-Etxebarria, John Sorrel  Andrew Nolen, Magda Sorel Izabela Matula

Der Konsul von Gian C. Menotti: Premiere 4.2.2017, weitere Vorstellungen 8.2.2017, 5.3.2017, 14.3.2017, 24.3.2017, 26.5.2017, 10.6.2017

Pressemeldung Theater Mönchengladbach

Hamburg, Elbphilharmonie, Spektakuläre Eröffnung am 11. + 12.1.2017, IOCO Aktuell

Januar 7, 2017 by  
Filed under Elbphilharmonie, Hervorheben, IOCO Aktuell, Konzert

Elbphilharmonie Hamburg © Oliver Heissner

Elbphilharmonie Hamburg © Oliver Heissner

Elbphilharmonie Hamburg

DIE ELBPHILHARMONIE HAMBURG
SPEKTAKULÄRE ARCHITEKTUR FÜR GRENZENLOSES MUSIKERLEBNIS

Am 11. und 12. Januar 2017 eröffnet die Elbphilharmonie Hamburg. Im Strom der Elbe, an drei Seiten von Wasser umgeben, wird das neue Konzerthaus zum Anziehungspunkt für alle Hamburger und für Gäste aus der ganzen Welt. Das spektakuläre Gebäude vereint drei Konzertsäle, einen großen Musikvermittlungsbereich, Gastronomie, ein Hotel und die öffentliche Plaza, die den Besuchern einen einmaligen Panoramablick über die gesamte Stadt bietet. Künstlerische Qualität, Vielfalt und Zugänglichkeit prägen das musikalische Programm von Hamburgs neuem kulturellem Wahrzeichen. IOCO wird an der Eröffnungsfeier teilnehmen und berichten.

Elbphilharmonie Hamburg © Iwan Baan

Elbphilharmonie Hamburg © Iwan Baan

Entworfen wurde die Elbphilharmonie von dem Schweizer Architekturbüro Herzog & de Meuron. Auf einem Backsteinsockel – dem ehemaligen Kaispeicher A, der zwischen 1963 und 1966 am Hafen errichtet und dann als Tee-, Tabak- und Kakaolager genutzt wurde – ragt heute ein gläserner Neubau mit einer geschwungenen Dachlandschaft bis zu 110 Meter hoch in den Himmel. Erbaut an der westlichen Spitze der modernen HafenCity, Europas größtem innerstädtischen Stadtentwicklungsprojekt, in direkter Nachbarschaft zum UNESCO-Welterbe Speicherstadt und Kontorhausviertel mit Chilehaus, wirkt die Elbphilharmonie wie ein Symbol für die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Stadt. Sie steht für das Hamburger Selbstverständnis, aus Tradition Neues zu erschaffen, und für die vielen Kontraste, die in der ganzen Stadt aufeinandertreffen und den Charakter Hamburgs ausmachen. Mit der Elbphilharmonie besitzt Hamburg heute einen der spektakulärsten Konzertsäle der Welt.



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Der Bau der Elbphilharmonie dauerte vom April 2007 bis Januar 2017, 10 Jahre. Er wurde von  zahlreichen Skandalen und Baustopps unterbrochen, erschüttert. Die Kosten der Stadt Hamburg an der Elbphilharmonie stiegen in diesen Jahren von geplanten €272 Mio auf € 789 Mio; ein Anstieg, den sich nur eine sehr reiche Stadt wie Hamburg leisten kann.

Die Plaza: In 37 Meter Höhe die Stadt spüren

Elbphilharmonie Hamburg / Plaza der Elbphilharmonie © Iwan Baan

Elbphilharmonie Hamburg / Plaza der Elbphilharmonie © Iwan Baan

Der zentrale Begegnungsort in der Elbphilharmonie ist die Plaza, die Fuge zwischen Kaispeicher und Neubau. Hier befindet sich eine öffentlich zugängliche Aussichtsplattform. Bereits der Weg hinauf ist ein Erlebnis: Eine 82 Meter lange, leicht gewölbte Rolltreppe führt die Besucher durch das Gebäude. Auf der Plaza eröffnet sich aus 37 Meter Höhe ein überwältigendes Panorama über die Stadt und den Hafen. Ein Außenrundgang führt einmal um das gesamte Haus. Im Innenbereich befinden sich die Hotel-Lobby, der Elbphilharmonie Shop, ein gastronomischer Bereich und die Aufgänge zu den Konzertsälen. Die Plaza der Elbphilharmonie heißt alle Hamburger und Gäste von nah und fern gleichermaßen willkommen, auch unabhängig von einem Konzertbesuch.

Der Konzertbereich:  Herz der Elbphilharmonie
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Elbphilharmonie Hamburg / Konzertsaal der Elbphilharmonie © Iwan Baan

Elbphilharmonie Hamburg / Konzertsaal der Elbphilharmonie © Iwan Baan

Der große Konzertsaal – Herz der Elbphilharmonie

Das Herz der Elbphilharmonie ist der große Konzertsaal. Wie auf Weinbergterrassen sind dort 2.100 Plätze um eine mittig liegende Bühne angeordnet. Kein Zuhörer ist weiter als 30 Meter vom Dirigenten entfernt. Eine außergewöhnliche Nähe zum Geschehen macht diesen neuen Klang-Raum zu einem Ort für unvergessliche musikalische Begegnungen. Für die optimale Akustik haben die Architekten gemeinsam mit dem international renommierten Akustiker Yasuhisa Toyota eine besondere Wand- und Deckenstruktur entwickelt – die »Weiße Haut«. 10.000 millimetergenau und individuell gefräste Gipsfaserplatten streuen den Schall gezielt in alle Winkel. Für den Großen Saal hat die Bonner Orgelbaufirma Klais eine außergewöhnliche Konzertsaalorgel entwickelt, deren 4.765 Pfeifen sich in, neben und hinter den Zuschauerrängen befinden. Ebenfalls im oberen Gebäudeteil der Elbphilharmonie liegt der Kleine Saal. In diesem intimeren und vielseitig nutzbaren Raum sorgt eine elegant gefräste Holzverkleidung für den perfekten Klang. Ausgerichtet für 550 Besucher, ist er der ideale Ort für Kammermusik-, Lieder- und Soloabende sowie Jazz- und Weltmusikkonzerte. Die flexible Bestuhlung ermöglicht darüber hinaus viele weitere Nutzungen. Im ehemaligen Kaispeicher beherbergen die »Kaistudios« den Musikvermittlungsbereich der Elbphilharmonie. In mehreren Räumen wird Musik hier zum aktiven Erlebnis, Tag für Tag von früh bis spät und für Menschen aller Altersgruppen. Die »Kaistudios« sind auch das Zuhause der neuen »Elbphilharmonie Instrumentenwelt«, in der Kinder und Erwachsene in diversen Workshops Instrumente aus aller Welt ausprobieren können.

Grenzenloses Musikerlebnis für Alle

Hamburg und die Elbphilharmonie © Michael Zapf

Hamburg und die Elbphilharmonie © Michael Zapf

Der Auftrag, Musik für alle Menschen zugänglich, nahbar und erfahrbar zu machen, wurde der Elbphilharmonie quasi ins Stammbuch geschrieben. Deshalb sind die Konzerte vielfarbig und kontrastreich und frei von künstlerischen Scheuklappen programmiert. Orchesterkonzerte oder konzertante Opernaufführungen mit den besten Orchestern der Welt, Klavier-, Streichquartett- und Liederabende sind ebenso zu erleben wie Weltmusik, Elektro oder Pop. Internationale Stars prägen den musikalischen Herzschlag des Hauses genauso wie die Künstler und Ensembles der Stadt. Das NDR Elbphilharmonie Orchester mit seinem Chefdirigenten Thomas Hengelbrock zieht als Residenzorchester in die Elbphilharmonie ein, das Ensemble Resonanz findet im Kleinen Saal einen neuen Raum für seine exzellenten, insbesondere der zeitgenössischen Musik verpflichteten Konzertprogramme. Als Tor zur Welt der Musik ist die Elbphilharmonie Hamburg mehr als nur ein klassisches Konzerthaus: Ihr umfangreiches Musikvermittlungsprogramm mit Konzerten für Kinder und Familien, Mitmachprojekten und Workshops für alle Altersklassen macht sie zu einer lebendigen Plattform für musikalische Begegnungen ganz unterschiedlicher Art.

Elbphilharmonie Hamburg / nach 10 Jahren Fertig © Iwan Baan

Elbphilharmonie Hamburg / nach 10 Jahren Fertig © Iwan Baan

Die Elbphilharmonie wurde in einer Stadt gebaut, die auf eine lange musikalische Tradition und eine vielfältige Kulturszene blicken kann. Bedeutende Komponisten wie Johannes Brahms oder Gustav Mahler prägen noch heute das Selbstverständnis Hamburgs; international renommierte Orchester sind hier zu Hause. Die Staatsoper, die Laeiszhalle, zahlreiche Festivals, die beliebten Musicals und eine einzigartige Clubszene bieten musikalische Vielfalt auf höchstem Niveau und zeugen von einer kreativen, lebendigen Musiklandschaft, die in der Elbphilharmonie jetzt ihren weithin sichtbaren Kristallisationspunkt findet.

Spektakuläre Architektur, musikalische Vielfalt, Offenheit und Zugänglichkeit für alle – ab Januar 2017 wird die Elbphilharmonie zum neuen Begegnungsort, der die Kontraste Hamburgs vereint und den Blick weiten hilft durch jenes Tor zur Welt, als das die Stadt sich schon seit Generationen selbst begreift. PMElHH / IOCO

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Dortmund, Theater Dortmund, DIE BLUME VON HAWAII von Paul Abraham, 21.01.2017

Dezember 31, 2016 by  
Filed under Operette, Premieren, Pressemeldung, Theater Dortmund

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Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

 DIE BLUME VON HAWAII  von Paul Abraham

Premiere 21. Januar 2017, weitere Vorstellungen 27.1.2017, 5.2.2017, 8.2.2017, 11.2.2017, 18.2.2017, 24.2.2017, 18.3.2017, 30.3.2017, 8.4.2017, 5.5.2017, 26.5.2017

Paul Abrahams Jazz-Operette DIE BLUME VON HAWAII wird am Samstag, 21. Januar 2017, um 19.30 Uhr im Opernhaus Dortmund Premiere haben. In der Regie von Thomas Enzinger und der musikalischen Leitung von Philipp Armbruster wird Emily Newton als Prinzessin Laya zu sehen sein. Die Oper Dortmund wird die bühnenpraktische Rekonstruktion der Partitur von Henning Hagedorn und Matthias Grimminger spielen.

Theater Dortmund / Emily Newton © Philip Lethen

Theater Dortmund / Emily Newton © Philip Lethen

Spannung liegt in der Luft. Die Einheimischen Hawaiis wollen die amerikanische Fremdherrschaft abschütteln. Ein Aufstand droht. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, schließlich sind gerade die rechtmäßigen Herrscher in Honolulu aufgetaucht: Prinzessin Laya und Prinz Lilo Taro. Laya, aufgewachsen in Paris, gibt sich allerdings als Jazzsängerin Suzanne Provence aus, um inkognito ihre Heimat zu besuchen. Sie bandelt auf der Überfahrt mit dem schmucken Kapitän Stone an. Ihr musikalischer Partner Jim Boy ist mit der echten Suzanne liiert, beginnt aber ein Techtelmechtel mit der ebenso schlauen wie attraktiven Hula-Tänzerin Raka. Den edlen Prinzen Lilo Taro würde der joviale Gouverneur Harrison gern mit seiner Tochter Bessy verkuppeln, auf die jedoch bereits dessen Sekretär Buffy ein Auge geworfen hat: Wir befinden uns nicht in einem politischen Drama, sondern mitten im herrlichsten Operettenwahnsinn.

Um Politik ging es Paul Abraham immer nur zwischen den Zeilen. Er bediente in erster Linie das Unterhaltungsbedürfnis seines Publikums und dessen Schaulust, bei der eine logische Handlung und die Political Correctness auch schon mal zugunsten einer effektvollen Szenerie ins Hintertreffen geraten. Der Exotismus-Sehnsucht der 1930er Jahre kommt er mit hinreißenden Klischees entgegen, die Jazzfans lockt er mit amerikanischen Rhythmen und sattem Saxophonklang.

Eine Revue-Operette von den Ausmaßen der Die Blume von Hawaii benötigt ein großes Ensemble aus Operettenspezialisten. Zusätzlich zu den zahlreichen Solisten und dem Chor des Theaters Dortmund steht deswegen auch ein achtköpfiges Tanzensemble auf der Bühne. Die Choreografie übernimmt Ramesh Nair, für Regie und Ausstattung sind Thomas Enzinger und Toto verantwortlich. Philipp Armbruster dirigiert die Dortmunder Symphoniker und natürlich darf eine Hawaiigitarre im Orchestergraben auch nicht fehlen. PMThDo

Premiere 21. Januar 2017, weitere Vorstellungen 27.1.2017, 5.2.2017, 8.2.2017, 11.2.2017, 18.2.2017, 24.2.2017, 18.3.2017, 30.3.2017, 8.4.2017, 5.5.2017, 26.5.201

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Essen, Aalto Ballett Theater, Der Nussknacker – Verträumt, Verspielt, Verwunschen, IOCO Kritik, 22.12.2016

Dezember 23, 2016 by  
Filed under Aalto Ballett Theater, Ballett, Hervorheben, Kritiken

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Aalto Theater Essen

Aalto Theater / Ballett - Der Nussknacker - Familie Rattenstein besucht die Stahlheims © Bettina Stoess

Aalto Theater / Ballett – Der Nussknacker – Familie Rattenstein besucht die Stahlheims © Bettina Stoess

Der Nussknacker von Peter Tschaikowski

Verträumt, Verspielt, Verwunschen

Von Viktor Jarosch

Der Nussknacker, das von E.T.A. Hoffmann 1816 geschriebene Kunstmärchen um Erwachsenen- und Kinderwelten, über Träume und Wirklichkeiten formte Modest Tschakowski zu einem Theaterstück, vertonte Bruder Peter Tschaikowski. 1892 in St. Petersburg uraufgeführt ist der Nussknacker mit seinen Träumen bis heute aktuell, ist eines der populärsten Ballette der Musikgeschichte.

Aalto Theater Essen / Ballett - Der Nussknacker - Clara und Louise träumen in ihrer Welt © Bettina Stoess

Aalto Theater Essen / Ballett – Der Nussknacker – Clara und Louise träumen in ihrer Welt © Bettina Stoess

Tschaikowskis Werke, gleichgültig ob in klassischer oder moderner Choreographie, sind  nahezu immer Publikumslieblinge; sie stellen aber auch  hohe Ansprüche an tänzerische wie schauspielerische Fähigkeiten  der Darsteller. Die Erwartung voller Häuser und schneller Gewinne   lockt auch zweitklassige Compagnien, deren Niveau für Tschaikowskis Werke  oft nicht reicht. Die einfache Lösung der Überforderung: Schwierige Stellen der Musik werde gestrichen oder durch andere Komponisten ersetzt. Man lerne: Ein Nussknacker hat gelegentlich mit Tschaikowski nur noch am Rande zu tun. So prüfe, bevor man sich bindet!

Das Aalto Ballett Essen und Ballettchef Ben Van Cauwenbergh tanzen in der Spitzenliga deutscher Ballettcompagnien. Hohe Auslastung sind sichtbares Wahrzeichen  überregionaler Wertschätzung des Aalto Ballett; mit modernem und klassischem Handlungsballett. Choreographien des Aalto Ballett gerne auch an anderen großen Theatern Europas getanzt.

Aalto Theater Essen / Ballett - Der Nussknacker - Der Schneeflockenwalzer © Bettina Stoess

Aalto Theater Essen / Ballett – Der Nussknacker – Der Schneeflockenwalzer © Bettina Stoess

Gefragt, warum er die so weit bekannte Geschichte um den Nussknacker neu erzählen möchte, zeigt van Cauwenbergh große Nähe zu kleinen Besuchern: „Der Nussknacker wurde 2007 zum letzten Mal in Essen gespielt; ich sehe es als meine Pflicht an, das Stück wieder zu präsentieren: Das Publikum braucht es, das Haus braucht es und für unsere Compagnie ist es wichtig einen Klassiker zu tanzen“. Wo sieht Van Cauwenbergh die Schwerpunkte seiner neuen Choreographie: „Ich finde es wichtig, daß Publikum immer neu zu begeistern. Meines Erachtens ist der Nussknacker, obwohl er dem Stück seinen Namen gibt, nicht die Hauptfigur. Mein Fokus (NB: „in meiner Choreographie“) liegt auf den Kinderfiguren Clara und Louise, ist der Prinz bei uns als Karl von Beginn an Teil der Geschichte, ist der Patenonkel Drosselmeier kein alter Mann sondern eine echte, tänzerische Figur, die eine zentrale Rolle spielt. Ich möchte die Welt der Kinder aus verschiedenen Blickwinkeln darstellen, Kinder ins Theater holen, Kinder auf die Bühne bringen“. Van Cauwenbergh weiß, wovon er spricht: Den Nussknacker hat er oft selbst getanzt und mehrfach choreographiert.

So schwelgt der Nussknacker im Aalto – Theater in farbiger Opulenz; unzählige Bilder führen zart wie humorvoll in die Welten von Kindern: In der festlichen Villa der Stahlbaums in schneeverhangenem Winter (Bild) trifft Familie Rattenstein in flottem Auto ein. Mutter Stahlbaums Plan: Tochter Louise soll mit Herrmann verkuppelt werden; es gilt eine gesellschaftlich perfekte Familie zu zeigen. Geschenke werden getauscht, man flaniert. Doch bald zeigt die Beziehung Risse; nicht nur wegen des ständig über ein Tigerfell oder anderes stolpernden Hausdiener (Tomas Ottych), alias Butler James aus Dinner for One, der auch das Auto der Rattensteins in betäubenden Knall „zerlegt“. Sekt wird getrunken, eine scheinbar coole Party mit atemberaubenden 40 Tänzern, 120 unterschiedlichen Kleidern, Anzügen und 45 verschiedenen Kopfbedeckungen (Ulrich Lott, Regina Weilhart) nimmt Fahrt auf. Doch Hermann kann Louise (Yanelis Rodriguez) nicht gewinnen: In Van Cauwenberghs Inszenierung verliebt sich Louise in Karl (Aidos Zakan), den ebenfalls eingeladenen Neffen von Patenonkel Drosselmeier. Drosselmeier schenkt der jüngeren Tochter Clara (Laura Kubicko) einen Nussknacker, um den sich mit Rattensteins heftig gestritten wird, bis diese empört das Fest verlassen.

Aalto Theater Essen / Ballett - Der Nussknacker - Der Hausdiener fotografiert die Festgesellschaft © Bettina Stoess

Aalto Theater Essen / Ballett – Der Nussknacker – Der Hausdiener fotografiert die Festgesellschaft © Bettina Stoess

Louise liest Clara eine Geschichte vor; beide fallen in einen tiefen Schlaf voll weihnachtlicher  Traumwelten.  Der Nussknacker steht unbeachtet; ein riesiger Weihnachtsbaum voller Geschenke leuchtet im Hintergrund; der Hausdiener schiesst“ mit einem Fotoapparat die Festgesellschaft und schläft auch auf dem Tigerfell ein. Claras verspielte Traumwelten beginnen zu blühen: Ein Riesenpendel symbolisiert die Zeit; ein Kampf der Nussknacker gegen eine Rattenhorde wird durch eine „Riesenrattenfalle“ etwas unernst  entschieden; Projektionen vermitteln weihnachtliches Alpenglühen; der Hausdiener „James“, in schwarzem Frack, zieht auf Schlittschuhen weite Kreise über die Bühne.

Aalto Theater Essen / Der Nussknacker - Wataru Shimizu tanzt den Trepak © Bettina Stoess

Aalto Theater Essen / Der Nussknacker – Wataru Shimizu tanzt den Trepak © Bettina Stoess

Den Weg durch die Traumwelten zeichnet Van Cauwenbergh mit üppigen Projektionen und  Charme wie Humor auf der Bühne: Carla, Louise auf ein einem Boot, Drosselmeier, nun ein Zauberer mit züngelnder Kappe und weit wehendem Umhang (Moisés León Noriega) begleitet sie. Eine Wassernixe schwimmt vorbei, verwunschene Figuren steigen auf und entschwinden.  Der Zauberer führt Louise und Karl sanft durch Schneegestöber in das Reich der Süßigkeiten und verheiratet sie. Carla erlebt die mitreißenden tänzerischen Höhepunkte der Nussknacker-Komposition zu wechselnden Blumen-Projektionen: Den herrlich choreographierten Spanischen, Arabischen und Chinesischen Tanz, den mitreißend akrobatischen russischen Trepak (Wataru Shimizu), den Tanz der Rohrflöten, den Tanz der Zuckerfee…. verzaubernd vorgetragen von den Solisten und dem Corps de ballet des Aalto Ballett Essen sowie Schülerinnen des Ballett-Studio Roehm. Die Essener Philharmoniker unter Yannis Pouspourikas fügen sich zart wie feurig in die Traumwelten von Clara und Louise; Kastagnettenrasseln, silbern klingelnde Celesta, anmutige Violinsoli im Blumenwalzer verzaubern mit Tschaikowskis  betörender Klangpalette das Aalto Theater.

Aalto Theater Essen / Ballett - Der Nussknacker - Kinder des Ballett Studio Roehm © Bettina Stoess

Aalto Theater Essen / Ballett – Der Nussknacker – Kinder des Ballett Studio Roehm © Bettina Stoess

So zeigt sich der Nussknacker im Aalto-Theater Essen als Kindern gewidmetes, unaufgesetzt verträumtes Weihnachtsmärchen, welches auch den meist Erwachsenen unbändige Freude bereitet. Die Choreographie Ben Van Cauvenberghs bringt Humor und Zärtlichkeiten gepaart mit tänzerischer Virtuosität  auf die Bühne; neue Deutungen werden in Essen nicht versucht. Die meist großen Besucher waren begeistert: Bewiesen durch großen, lauten Beifall des ausverkauften Hauses.

Der Nussknacker im Aalto Theater Essen; weitere Vorstellungen 25., 29. Dezember 2016; 1., 8., 15. Januar 2017.

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