München, Gärtnerplatztheater – Wiedereröffnung nach fünf Jahren Sanierung, IOCO Aktuell, 20.10.2017

Staatstheater am Gärtnerplatz München

München / Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

München / Gärtnerplatztheater © Christian POGO Zach

 

Das Gärtnerplatztheater feiert seine Wiedereröffnung

„Endlich wieder im Stammhaus“

Von Daniela Zimmermann

„Eine Reise ins Unbekannte“ schrieb IOCO im Juli 2012, als das Gärtnerplatztheater zur Sanierung seine Pforten schloss. Fünfeinhalb Jahre lang wurde seither an dem 1865 unter König Ludwig II. erbauten Staatstheater mit seinen 893 Zuschauerplätzen auf drei Rängen saniert. Zu seiner Gründungszeit war  das Theater berühmt für prachtvolle   Ausstattung, Dekoration und Bühnenbild. Es war seither nicht die erste Sanierung des Hauses, aber eine dringliche. Die Technik der Bühne  und die Beleuchtung waren für moderne Aufführungen nicht mehr geeignet. Dazu kamen neue Anforderungen an Brandschutz, Heizung, Probenräume, neue Bestuhlung und mehr. Mit der Sanierung wurde im Rückteil des Theatergebäudes ein neues Gebäude für Werkstätten, Proberäume und Probenbühne errichtet. €71 Millionen sollte 2012 die Sanierung kosten; auf etwa €125 Millionen belaufen sich die tatsächlichen Sanierungskosten 2017: Mehrkosten  +€54 Millionen, +76%.

Der Gärtnerplatz in München / Zur Eröffnung des Theaters geschmückt © D Zimmermann

Der Gärtnerplatz in München / Zur Eröffnung des Theaters geschmückt © D Zimmermann

Am 15. – 16.10.2017 wurde die Wiedereröffnung des traditionsreichen Gärtnerplatztheaters gefeiert: Schon vor dem Theater ging es festlich zu. Abendliche Wärme eines wunderschönen Herbsttages belebte die Stimmung. Figuren auf Stelzen zur Begrüßung, die Fassade des Theaters beleuchtet, dazu der wunderbare Gärtnerplatz. Festlich gekleidete Menschen mit Sektglas, fröhlich gestimmt und voller Erwartung. Alle wollen die Eröffnung feiern. Eine berührende Atmophäre.

Gefeiert wurde die Wiedereröffnung mit einer Galavorstellung. Die  Besucher bewegten sich voller Bewunderung durch die sanierten Räume des Theaters . Alles dort erstrahlte in einem eigenen, wiedererstandenen Glanz. Josef Köpplinger, seit 2013 Intendant des Hauses,  sprach über den Kulturauftrag des Theaters, über die Liebe und Schönheit der Kunst, deren Bestimmung verbindet. Fünf Jahre der Improvisation auf Ersatzspielstätten endeten an diesem Tag. Auch für Josef Köpplinger ein Tag der Rückkehr in die Theaternormalität.

Die Galavorstellung war so gestaltet, dass alle Sänger, Tänzer, Chorist/innen, Kinderchor und das siebeundsiebzig Musiker umfassende Orchester mit ihren drei Dirigenten Anthony Bramall, Andreas Kowalewitz und Michael Brandstätter auftreten.  Bevor aber die Künstler ihr Kunst präsentierten ging der neue  Vorhang auf: Nach oben und nicht, wie gewohnt, zur Seite. Das Publikum bestaunte sich zunächst selbst: In einem riesigen Spiegel auf der Bühne. Der Ansprache von Intendant Köpplinger folgte ein Film, der die jahrelange Sanierung  des Hauses in all seinen Einzelheiten beeindruckend beschrieb.

Gärtnerplatztheater München / Der neue Bühnenvorhang © D Zimmermann

Gärtnerplatztheater München / Der neue Bühnenvorhang © D Zimmermann

Sigrid Hauser übernahm die Moderation des Abends. Sie überraschte mit einem interessanten Zitatenfundus,wie einen Zeitungsbericht aus dem Jahr 1907, als es einen richtigen Kampf gab, um die hundertfünfzig Karten einer Vorstellung der Lustigen Witwe. Aber Shakespeare, Heinz Ehrhardt und selbst Goebbels trug Sigrid Hauser mitreißend  launisch vor.

Aus dem Musical The Frogs hielt dann das Ensemble die Ansprache an das Publikum. Mit der Suite aus Star Wars präsentierte sich das Orchester. Und so ging es weiter, einzeln, im Duett, mit dem Chor; alle sangen und tanzten wie immer erstklassig, brillant. Besonders anrührend der Vortrag von Gisela Ehrensperger und Franz Wyzner aus Anatevka  Ist es Liebe. Aus der Dreigroschenoper der Kanonensong. Die Bühne bewies hier die neue Technik, als eine Jazzband von unten nach oben gefahren wurde, um auf der Bühne ihre Instrumente auszuleben. Elaine Ortiz spielte überraschend auf der Gitarre und sang ein Lied aus ihrer Heimat. Mozart mit Figaros Hochzeit durfte natürlich auch nicht fehlen und selbstverständlich auch nicht Verdi, Donizetti, Rossini, Lehar und Johann Strauß.

Donner und Blitz, die beliebte Polka von Strauß war geschaffen für das starke Ballett des Gärtnerplatztheaters. Den Schluss von Carmina Burana brachte der Chor wunderbar und kraftvoll vor. Daniel Prohaska und Camille Schnoor sangen „Lippen Schweigen“  aus der Lustigen Witwe, ein Vorgeschmack auf die erste reguläre Aufführung im neuen Haus, um sodann mit dem gesamten Ensemble und Brüderlein und Schwesterlein aus der Fledermaus auszuklingen. Die Champagnerlaune auf der Bühne passte zu diesem beschwingten Abend. Irving Berlin mit seinem „There’s No Business Like Show Business” beendete die Wiedereröffnungsfeier.

Gärtnerplatztheater München / Zum Abschied in goldene fließende Tropfen gehüllt © D Zimmermann

Gärtnerplatztheater München / Zum Abschied in goldene fließende Tropfen gehüllt © D Zimmermann

Draußen war es inzwischen dunkel geworden. Doch der prickelnde Galaabend wie die in fließenden Goldfarben angestrahlte Theaterfassade hatten hohe Erwartungen, Neugierde auf kommende Produktionen des Gärtnerpatztheaters geweckt.

München, Theater am Gärtnerplatz, King Arthur von Henri Purcell, IOCO Kritik, 26.12.2016

Staatstheater am Gärtnerplatz München

Gärtnerplatz Theater / King Arthur Tobias Greenhalgh (Merlin), Simon Zigah (König Arthur), Judith Rosmair (Emmeline) © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatz Theater / King Arthur Tobias Greenhalgh (Merlin), Simon Zigah (König Arthur), Judith Rosmair (Emmeline) © Marie-Laure Briane

 

King Arthur von Henri Purcell in der Reithalle

 Verrohte Krieger durch Frieden heilen

Von Daniela Zimmermann

Wieder ein großer Premierenerfolg des Gärtnerplatztheaters. Intendant Josef Köpplinger hat nicht selbst inszeniert, aber mit Torsten Fischer einen Theaterprofi zur Inszenierung des King Arthur von Henry Purcell (1659 – 1695) nach München geholt.  Die Produktion wurde in der technisch eingeschränkten Ersatzspielstätte Reithalle aufgeführt, riß das Publikum aber trotzdem mit. NB: Die Hauptspielstätte am Gärtnerplatz sollte zunächst 2015 wiedereröffnet werden. Leise, verschämt wird nun 2017 als mögliches neues Datum  der Wiedereröffnung genannt.

Henry Purcell komponierte King Arthur 1691, nach einem Libretto des Dramatikers John Dryden als Semi-Opera. Gemeinsam setzten Purcell und Dryden für Musiktheater der damaligen Zeit neue Maßstäbe: Gesang, Schauspiel, Orchester und Tanz eines Stückes wurden erstmals als Einheit komponiert, eingebettet in eine Handlung.

Henry Purcell, größter englischer Komponist des Barocks, war bereits zu Lebzeiten sehr berühmt. Viele seiner Werke wurden seit seinem Tod  in den bedeutenden Musikwerk Orpheus Britannicus gewürdigt.

Gärtnerplatz Theater / King Arthur - Ensemble © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatz Theater / King Arthur – Ensemble © Marie-Laure Briane

In der Reithalle ist das Orchester und Dirigent Marco Comin unterhalb des Bühnenbildes versteckt. Das Bühnenbild ist eine riesige Schräge, sich nach hinten in die Höhe erhebend, das Orchester bedeckend. Lautsprecher tragen die Klänge des Orchesters in den Zuschauerraum. sie  klingen leicht, präzise, wunderschön. Comin ergänzt das Orchester des Staatstheaters am Gärtnerplatz mit einem Bläsertrio um so dem barocken Glanz der Komposition Purcells noch mehr Substanz zu geben. Hoch oben auf der Bühne, auf dieser Schräge webt und schwirrt alles durcheinander; mit großer Aktivität; Tänzer, Chor, Schauspieler, Sänger kann man nicht recht unterscheiden. Gesprochen wird in Deutsch; Torsten Fischer hat die Texte aus den englischen Vorlagen entwickelt; gesungen wird in Englisch.

Der wunderbare Abend in der Reithalle fordert das gesamten Gärtnerplatz Ensembles stimmlich wie darstellerisch. Die  Choreographie der Tänzer entwickelte Ballettdirektor Karl Alfred Schreiner. Aus der Vereinigung der Tänzer mit  Chor und Sängern entwickelt sich die Handlung der Oper eindrucksvoll.

Gärtnerplatz Theater / King Arthur - Markus Gertken (Oswald), Judith Rosmair (Emmeline) © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatz Theater / King Arthur – Markus Gertken (Oswald), Judith Rosmair (Emmeline) © Marie-Laure Briane

Es wird heftig gekämpft in King Arthur; Krieg, Mord und Totschlag wüten in Britannien.  Mittelpunkt ist die blinde Prinzessin Emmeline (Judith Rosmair), ein zartes Wesen, elfengleich, die sich trotz des Massenauflaufs um sie herum, Gehör verschaffen muss. Rosmair spielt ihre Partie großartig. 2 Könige begehren sie King Arthur, der sagenumwobene, eindrucksvoll verkörpert von Simon Zigah, und sein kühler wie roher Gegner der Sachsenkönig Oswald, Markus Gertken. Eine Nichtigkeit und ein solch brutaler Krieg.  Die Vorstellung, dass ein 300 Jahre alte Barockoper noch eine solche Aktualität vermittelt ist berückend.

Gärtnerplatz Theater / Juan Carlos Falcón (Tenor 2 / Waldgeist) © Marie-Laure Briane

Gärtnerplatz Theater / Juan Carlos Falcón (Tenor 2 / Waldgeist) © Marie-Laure Briane

Die schräge Bühne, der runde Mond im Hintergrund geben der Handlung optische Dramatik. Zerrrissene Kartons manifestieren Zerstörung; Tüllkleider werden Frauen vom Leib gerissen. Moral und Amoral kennen kein Krieg; Hagel, in Form  zahlreicher schwarzer Säcke, gefüllt mit weißen Plastikbällen auf die Bühne geschüttet begraben alles Leben. Eiszeit, denn nur große Naturereignisse können menschliches Handeln stoppen. Aber Leben geht immer weiter, dekorativ vorgeführt, indem das Ensemble in glitzernden Kleidern wieder aufersteht und den Bezug zur heutigen Konsumgesellschaft demonstriert.  Das Töten ist kein Weg für eine friedliche Zukunft realisiert auch letztlich King Arthur.

Der Zauberer Merlin, der Frostgeist (Tobias Greenhalgh) sowie die Geister, die Sirenen und die Nymphen runden eine harmonische Ensembleleistung wie eine beeindruckende Produktion von King Arthur ab, welche vom Publikum mit großem Beifall gefeiert wurde. Leider ist King Arthur in der Spielzeit 2016/17 nicht mehr auf dem Spielplan des Gärtnerplatztheaters.

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München, Gärtnerplatztheater, Saisonbeginn 2014/15 – Die Zirkusprinzessin, IOCO Aktuell, 17.09.2014

September 17, 2014 by  
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Staatstheater am Gärtnerplatz München

Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle

Staatstheater am Gärtnerplatz © Bernd Eberle

Spektakulärer Spielzeitbeginn:  DIE ZIRKUSPRINZESSIN

Am 17. September 2014 startet das Gärtnerplatztheater die Spielzeit 2014/15 mit einem rauschenden Operettenfest. DIE ZIRKUSPRINZESSIN in der Inszenierung von Staatsintendant Josef E. Köpplinger ist in spektakulärem Circusambiente zu erleben:  Im CIRCUS KRONE. Das Traumpaar der Operette sind Alexandra Reinprecht als Fürstin Fedora Palinska und Daniel Prohaska als Mister X.  Den Pelikan spielt Robert Meyer, Direktor der Volksoper Wien.

Folgend, ein begeisterter IOCO – Bericht über diese Produktion:

DIE ZIRKUSPRINZESSIN:  Wirbelnde Zirkusshow

Emmerich Kálmán, Begründer der silbernen Operettenära, hätte seine Freude gehabt an der charmanten und mitreißenden Inszenierung seiner Operette Die Zirkusprinzessin in München.  Das Staatstheater am Gärtnerplatz wird saniert und spielt deshalb nur in Ersatzspielstätten. Intendant Josef Ernst Köpplinger machte diesen Notstand zum Clou, indem er für seine Produktion der Zirkusprinzessin das größte Cirkuszelt Europas, den 1.146 Plätze fassenden Münchner Cirkus Krone  als Spielstätte gewann.

Die Zirkusprinzessin (1926) war Kálmáns dritter Erfolg nach der Csardasfürstin (1905) und der Gräfin Mariza (1924). Diese Werke machten Emmerich Kálmán zu dem   berühmten Operettenkomponisten. Sichtbare Emotionen, revueartige Tanzarrangements und echter Wiener Schmäh machen die Zirkusprinzessin zu einem Juwel der Operetten.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Gärtnerplatzensemble © Thomas Dashuber

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Gärtnerplatzensemble © Thomas Dashuber

Josef Ernst Köpplinger, Intendant und Regisseur, schuf schon vor Beginn der Vorstellung eine bunt bewegte Zirkusatmophäre: Clowns, Spaßmacher, Tänzerinnen und Akrobaten wimmeln akrobatisch, verspielt und komisch durch die Arena des ausverkauften Cirkus Krone. Hierzu verwandelte sich Ballet des Gärtnerplatztheaters und begleitete die heiteren wie traurigen Stimmungslagen der Handlung gefühlvoll choreographiert in  entzückenden Kostümen (Marie-Luise Walek). Das reizende, artistische Ballett erhielt immer wieder Szenenapplaus. Ein tanzendes Puppenballett war ein weiterer der vielen choreographischen Höhepunkte der Inszenierung (Karl Alfred Schreiner).

Die musikalische Leitung hatte Karsten Januschke, der mit rasenten Tempi und hoher Präzision dem Orchester und Ensemble Sicherheit vermittelte. Die schwierige  Akustik eines Zirkuszelt glich eine hervorragende Tontechnik aus.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Mister X und Zirkusprinzessin © Thomas Dashuber

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Mister X und Zirkusprinzessin © Thomas Dashuber

Richtig zirkusgemäß startet die Zirkusprinzessin im Circus Krone mit einem herzförmigen Ballon, der aus einer Kiste in die Höhe steigt und auf seinen Inhalt hinweist: Die große Liebe. Aber diese große Liebe des Stücks kommt erst zum Schluss der Operette. Bis dahin gibt es nur Liebe, Reichtum, Intrigen und  Adel  im fiktiven Zirkus Stanislawski im kalten St. Petersburg. Auch wenn es im Münchner Zelt hochsommerlich warm war,  auf der Bühne des Circus Krone rieselte Schnee und Schlittschuhlauf wurde gegaukelt, Rainer Sinell zauberte ein Wintermärchen. Und auch wenn es kein wirklicher Schnee war, der in München vom Zirkushimmel fiel, Köpplinger gelang als Kenner des Operettengenres eine insgesamt packende Inszenierung.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Eisartisten © Thomas Dashuber

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Eisartisten © Thomas Dashuber

Die Zirkusprinzessin und die reiche Witwe Fedora Palinski  singt und spielt Alexandra Reinprecht fürstlich gekleidet, perfekt. Sie ist die Operettendiva, umschwärmt von vielen Verehren. Hauptattraktion im Zirkus Stanislawski ist der lässig in schwarzer Gesichtsmaske auftretende Mister X, tatsächlich der enterbte Neffe eines verstorbenen Fürsten ist. Und hier beginnt die Intrige. Der von Fedora abgewiesene Prinz Sergius Wladimir (Erwin Windegger) bittet Mister X als Edelmann verkleidet Fürstin Feodora den Hof machen. Was Sergius nicht geplant hatte, geschieht: Mister X und Fürstin Feodora finden nach zahllosen Verwicklungen als glücklich Liebende zueinander. Jener ominöse Mister X in Zorro-Kostüm im Circus Krone ist  Daniel Prohaska: Ein großer Held als Zirkusreiter als auch als Adliger, stimmlich ein Genuss: Seine sentimentale Arie „Zwei Märchenaugen“ gelingt selbst inmitten eines Zirkuszelt bruchlos und sensibel timbriert.

Großen Spaß bereiten das Paar Otto Jaus als Toni Schlumberger  und Nadine Zeitl als Mabel Gibson und das Wiener Mäderl Liesl. Beide überzeugen durch  liebenswert darstellerische Komik. Mit feiner wie komischer Mimik und  Gestik und der für Operetten so wichtigen schrägen   Wiener Mundart.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Robert Meyer als Oberkellner Pelikan © Thomas Dashuber

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Robert Meyer als Oberkellner Pelikan © Thomas Dashuber

Liebenswert rührend der alte Zirkusdirektor Stanilawski  (Franz Wyzner)  und seine Frau Wanja (Gisela Ehrensperger).  Wunderbar amüsant und komisch der Oberkellner Pelikan, sehr stark besetzt mit dem ex-Burgschauspieler und heutigem Intendanten der Wiener VolksoperRobert Meyer. Seine energische Chefin Frau Schlumberger  (Sigrid Hauser)  spielt wienerisch temperamentvoll und begleitet doch zart mit  einfühlsamer Altstimme als Mutter von Toni.

Josef Ernst Köpplinger gelingt im charakteristischen Ambiente des Cirkus Krone ein großer Wurf. Die Zirkusprinzessin lebt aus ihren sentimentalen wie heiteren Stimmungen mit liebevoller, origineller und artistischer Choreographie. Lang tobender Beifall war der verdiente Lohn für Inszenierung, Künstler und Regie. Ein Besuch dieser Zirkusprinzessin wird von Herzen empfohlen.      

IOCO / Daniela Zimmermann / 23.07.2014

Vorstellungen:   17.9. 2014, 19./ 20./ 21./ 23. September 2014

 

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Die Zirkusprinzessin von Emmerich Kálmán, IOCO Kritik, 23.07.2014

Juli 23, 2014 by  
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Staatstheater am Gärtnerplatz München

Staatstheater am Gärtnerplatz München © Bernd Eberle

Staatstheater am Gärtnerplatz München © Bernd Eberle

Die Zirkusprinzessin im Cirkus Krone: Wirbelnde Zirkusshow

Emmerich Kálmán, Begründer der silbernen Operettenära, hätte seine Freude gehabt an der charmanten und mitreißenden Inszenierung seiner Operette Die Zirkusprinzessin in München.  Das Staatstheater am Gärtnerplatz wird saniert und spielt deshalb nur in Ersatzspielstätten. Intendant Josef Ernst Köpplinger machte diesen Notstand zum Clou, indem er für seine Produktion der Zirkusprinzessin das größte Cirkuszelt Europas, den 1.146 Plätze fassenden Münchner Cirkus Krone  als Spielstätte gewann.

Die Zirkusprinzessin (1926) war Kálmáns dritter Erfolg nach der Csardasfürstin (1905) und der Gräfin Mariza (1924). Diese Werke machten Emmerich Kálmán zu dem   berühmten Operettenkomponisten. Sichtbare Emotionen, revueartige Tanzarrangements und echter Wiener Schmäh machen die Zirkusprinzessin zu einem Juwel der Operetten.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Gärtnerplatzensemble © Thomas Dashuber

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Gärtnerplatzensemble © Thomas Dashuber

Josef Ernst Köpplinger, Intendant und Regisseur, schuf schon vor Beginn der Vorstellung eine bunt bewegte Zirkusatmophäre: Clowns, Spaßmacher, Tänzerinnen und Akrobaten wimmeln akrobatisch, verspielt und komisch durch die Arena des ausverkauften Cirkus Krone. Hierzu verwandelte sich Ballet des Gärtnerplatztheaters und begleitete die heiteren wie traurigen Stimmungslagen der Handlung gefühlvoll choreographiert in  entzückenden Kostümen (Marie-Luise Walek). Das reizende, artistische Ballett erhielt immer wieder Szenenapplaus. Ein tanzendes Puppenballett war ein weiterer der vielen choreographischen Höhepunkte der Inszenierung (Karl Alfred Schreiner).

Die musikalische Leitung hatte Karsten Januschke, der mit rasenten Tempi und hoher Präzision dem Orchester und Ensemble Sicherheit vermittelte. Die schwierige  Akustik eines Zirkuszelt glich eine hervorragende Tontechnik aus.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin Mister X und Zirkusprinzessin © Thomas Dashuber

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin Mister X und Zirkusprinzessin © Thomas Dashuber

Richtig zirkusgemäß startet die Zirkusprinzessin im Circus Krone mit einem herzförmigen Ballon, der aus einer Kiste in die Höhe steigt und auf seinen Inhalt hinweist: Die große Liebe. Aber diese große Liebe des Stücks kommt erst zum Schluss der Operette. Bis dahin gibt es nur Liebe, Reichtum, Intrigen und  Adel  im fiktiven Zirkus Stanislawski im kalten St. Petersburg. Auch wenn es im Münchner Zelt hochsommerlich warm war,  auf der Bühne des Circus Krone rieselte Schnee und Schlittschuhlauf wurde gegaukelt, Rainer Sinell zauberte ein Wintermärchen. Und auch wenn es kein wirklicher Schnee war, der in München vom Zirkushimmel fiel, Köpplinger gelang als Kenner des Operettengenres eine insgesamt packende Inszenierung.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Eisartisten © Thomas Dashuber

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Eisartisten © Thomas Dashuber

Die Zirkusprinzessin und die reiche Witwe Fedora Palinski  singt und spielt Alexandra Reinprecht fürstlich gekleidet, perfekt. Sie ist die Operettendiva, umschwärmt von vielen Verehren. Hauptattraktion im Zirkus Stanislawski ist der lässig in schwarzer Gesichtsmaske auftretende Mister X, tatsächlich der enterbte Neffe eines verstorbenen Fürsten ist. Und hier beginnt die Intrige. Der von Fedora abgewiesene Prinz Sergius Wladimir (Erwin Windegger) bittet Mister X als Edelmann verkleidet Fürstin Feodora den Hof machen. Was Sergius nicht geplant hatte, geschieht: Mister X und Fürstin Feodora finden nach zahllosen Verwicklungen als glücklich Liebende zueinander. Jener ominöse Mister X in Zorro-Kostüm im Circus Krone ist  Daniel Prohaska: Ein großer Held als Zirkusreiter als auch als Adliger, stimmlich ein Genuss: Seine sentimentale Arie „Zwei Märchenaugen“ gelingt selbst inmitten eines Zirkuszelt bruchlos und sensibel timbriert.

Großen Spaß bereiten das Paar Otto Jaus als Toni Schlumberger  und Nadine Zeitl als Mabel Gibson und das Wiener Mäderl Liesl. Beide überzeugen durch  liebenswert darstellerische Komik. Mit feiner wie komischer Mimik und  Gestik und der für Operetten so wichtigen schrägen   Wiener Mundart.

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Robert Meyer als Oberkellner Pelikan © Thomas Dashuber

Staatstheater am Gärtnerplatz / Die Zirkusprinzessin / Robert Meyer als Oberkellner Pelikan © Thomas Dashuber

Liebenswert rührend der alte Zirkusdirektor Stanilawski  (Franz Wyzner)  und seine Frau Wanja (Gisela Ehrensperger).  Wunderbar amüsant und komisch der Oberkellner Pelikan, sehr stark besetzt mit dem ex-Burgschauspieler und heutigem Intendanten der Wiener VolksoperRobert Meyer. Seine energische Chefin Frau Schlumberger  (Sigrid Hauser)  spielt wienerisch temperamentvoll und begleitet doch zart mit  einfühlsamer Altstimme als Mutter von Toni.

Josef Ernst Köpplinger gelingt mit seiner Inszenierung im charakteristischen Ambiente des Cirkus Krone ein großer Wurf. Die Zirkusprinzessin lebt aus ihren sentimentalen wie heiteren Stimmungen. Diese gelang mit liebevoller, origineller und artistischer Choreographie. Lang tobender Beifall war verdienter Lohn für Inszenierung, Künstler und Regie. Ein Besuch dieser Zirkusprinzessin wird von Herzen empfohlen.      

IOCO / Daniela Zimmermann / 23.07.2014

Weitere Vorstellungen:  23. Juli 2014, 24. Juli 2014, 26. Juli 2014, 27. Juli 2014, 29.7.2014, 30. Juli 2014 und wieder am   17. September 2014, 19./20./21./23.9. 2014