Leipzig, Oper Leipzig, Don Carlo von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 09.11.2017

November 10, 2017 by  
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Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Don Carlo von Giuseppe Verdi 

Sternstunde: Fest der Stimmen in Escorial-Schwarz beherrschtem Hell-Dunkel

Von Guido Müller

Die Oper Leipzig hat sich unter den vielen von Verdi autorisierten Fassungen seiner Oper nach Friedrich Schillers riesigem Versdrama für die vieraktige, bis heute am meisten gespielte Mailänder Fassung von 1884 entschieden, in der weniger das Liebesdrama zwischen dem  spanischen Infanten Don Carlos und seiner französischen Stiefmutter Elisabeth von Valois wie in der fünfaktigen französischen Erstfassung als das düstere menschliche und politische Drama um den Marquis Rodrigo de Posa zwischen der Männer-Freundschaft zu Don Carlo, der Loyalität zum König Philipp und dem Freiheitswillen gegen politische und religiöse Unterdrückung im Zentrum steht. So wird der politische Ideendiskurs im Gewand einer Familientragödie auch im Sinne Friedrich Schillers deutlicher.

Oper Leipzig / Don Carlo - Kartal Karagedik in der Oper Marquis de Posa hier als Fotograf © Kartal Karagedik

Oper Leipzig / Don Carlo – Kartal Karagedik in der Oper Marquis de Posa hier als Fotograf © Kartal Karagedik

Und was für ein Ausnahmesänger und ungeheuer präsenter Bühnendarsteller singt in dieser dritten Vorstellung seit der Premiere als Gast aus Hamburg erstmalig in Leipzig diesen Marquis Posa. Der am Beginn einer großen internationalen Karriere stehende deutsch-türkische Bariton Kartal Karagedik sprüht seit dem ersten Auftritt vor schauspielerischem  Charisma und höchster stimmlicher Überzeugungskraft in seiner Paraderolle. Die Figur des Freiheitskämpfers Posa passt ihm wie auf den Leib geschneidert und unwillkürlich muss man an die politischen Verhältnisse seines Heimatlandes Türkei denken.

So werden Kartal Karagediks Duette mit dem eher weichen Freund im Harlekinkostüm, dem mit warmem Schmelz in allen Lagen stimmschön singenden, erfreulich vibratoarmen und darstellerisch überzeugenden südamerikanischen Tenor Gaston Rivero (Don Carlo), der seine sichere Stimme nicht in der Verdi-Tenor-Vitrine ausstellen muss, und vor allem die im Zentrum der Inszenierung stehende große Auseinandersetzung mit dem an allen bedeutenden Opernhäusern singenden düsteren Bass Riccardo Zanellato (König Filippo II.) zu Höhepunkten des Abends. Soweit überhaupt eine musikdramatische Steigerung möglich ist gelingt  sie ihm und dem Infanten in der Konfrontation mit der phänomenalen Kathrin Göring als zugleich eiskalt kontrollierte wie emotional hochexplosive Prinzessin Eboli.  Diese Sängerin ist ein besonderes Juwel der zunächst unterkühlt  und stark kontrolliert wirkenden stimmlichen und darstellerischen Expressivität in dem an kostbaren Stimmen wahrlich nicht armen und so internationalen Leipziger Ensemble, die immer große Steigerungen zeigt.

Oper Leipzig / Don Carlo - hier Gaston Rivero als Don Carlo und Gal James als Elisabetta © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Don Carlo – hier Gaston Rivero als Don Carlo und Gal James als Elisabetta © Kirsten Nijhof

Zu diesen sängerischen Edelsteinen des Leipziger Ensembles zählt  auch die israelische Sopranistin Gal James als Elisabetta, die obwohl reiner Spielball der Intrige zunehmend starkes eigenständiges stimmliches und dramatisches Profil über die Opferrolle hinaus gewinnt.

Dies wiederum fordert die Rolle des Großinquisitors vom ersten Ton an  dem ukrainischen Bass und Gast Ievgen Orlov ab, der sehr ausdrucksstark und mit voller bedrohlicher und zugleich eleganter stimmlicher Präsenz in seiner Rolle überzeugt.

Die junge bayerische Sopranistin Magdalena Hinterdobler, seit 2014 Leipziger Ensemblemitglied, verleiht dem Pagen Tebaldo gesanglich und spielerisch ein gelungenes Profil. Dies gelingt auch in den kleineren Partien gesanglich ausdrucksvoll Randall Jakobsch als Mönch, stimmschön Karin Ullrich als Gräfin d’Aremberg, der griechischen Sopranistin  Danae Kontora als kristallklarer Stimme von oben und dem  ungarischen Chortenor Maté Gálin der Doppelrolle als Graf von Lerma und Herold. Der Chor der Oper Leipzig unter Alessandro  Zuppardo begeistert mit seinem präzisen, homogenen und kraftvollen Gesang.

Der absolute Glücksfall für Sänger, Orchester und Publikum aber dieser  von einem durchgehend großen musikdramatischen Feuer durchglühten und zugleich zutiefst beseelten Aufführung ist die musikalische Leitung  durch Felix Bender. Der junge Dirigent aus Halle (Saale) und zuletzt  kommissarische Generalmusikdirektor in Chemnitz ist ein besonders herausragender Vertreter der Dichte musikalischer Talente und der enorm hohen musikalischen Ausbildungsqualität in Mitteldeutschland.

Oper Leipzig / Don Carlo hier - Danae Kontora als Stimme vom Himmel und der Opernchor der Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Don Carlo hier – Danae Kontora als Stimme vom Himmel und der Opernchor der Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Der vormalige Leipziger Thomaner Felix Bender studierte von 2006 bis 2011 Orchester dirigieren an der Hochschule für Musik „Franz Liszt“ in Weimar. Er war u.a. Assistent von Herbert Blomstedt am Leipziger Gewandhaus und bei Heribert Beissel. Als Gast dirigierte Bender bereits das Konzerthausorchester Berlin, das Philharmonische Orchester Ulm, die Staatskapelle Dresden, die Dresdener Philharmoniker und er nahm zahlreiche Rundfunkaufnahmen mit dem MDR Sinfonieorchester auf. Felix Bender dirigiert am Opernhaus Chemnitz mit außergewöhnlicher Anerkennung sowohl beim Publikum wie der Kritik das große Opernrepertoire von Händel und Mozart bis Wagner und Richard Strauß. Außerdem  debütierte er sehr erfolgreich mit Gounods Faust an der Oper Leipzig sowie mit Mozarts Zauberflöte am Aalto-Theater Essen. 2008 erhielt Bender den 1. Preis und den Publikumspreis beim Ring Award in Graz und 2011 wurde er in die Förderung des Dirigentenforums aufgenommen.

Das unter den Weltspitzenorchestern rangierende Gewandhausorchester und der in der  großen Leipziger Tradition des Thomanerchors wie des eleganten und gebildeten Felix  Mendelssohn Bartholdy stehende junge Dirgent Felix Bender harmonieren perfekt zusammen. Sie zeichnen Verdis packendes nervöses Musikdrama Don Carlo, für mich zusammen mit Falstaff sein Hauptwerk, eher mit dem Silberstift auch in aller instrumentalen  Finesse als mit dem breiten goldenen Pinselstrich, der die prächtige Sächsische Staatskapelle oft auszeichnet. Bender ist zudem kein auf billigen und vordergründigen Effekt setzender Blender sondern ein wahrer Kapellmeister der gedanklich tiefen konzeptionellen Durchdringung einer Partitur, die eine ganze Vorstellung auf phänomenale Weise vom ersten Takt bis zum verklingenden Schluss trägt. Da wird Musiktheater zum intellektuellen und sinnlichen Ereignis, das man sich in jeder Vorstellung wünscht.

Felix Bender vermag es mit dem Gewandhausorchester zugleich feinste polyphone instrumentale, melodische, farbklangliche und rhythmische Details der Partitur zum Klingen zu bringen wie den großen musikalischen Bogen über jeden der vier Akte zu schlagen und außerdem noch mit langem Atem zu steigern. Zugleich begleitet er mit diesem Weltklasseorchester in einer sehr feinen und sowohl fordernden wie nie durch Lautstärke überdeckenden Weise die  Sänger in einem intensiven Dialog durch elegante und präzise Zeichengebung und Blickkontakt. Selten habe ich ein so beglückendes und intensives Dirigat erlebt. Bender empfiehlt sich damit besonders nachdrücklich für eine GMD-Stelle, für die Chemnitz leider der Mut zur Berufung nach seinem viel beachteten Intermezzo als Vertreter fehlte. Bender zeigt an diesem Abend, dass er nicht nur ein begnadeter Händel-, Wagner- und Gounod-Dirigent ist sondern auch ein großer Verdi-Interpret.

Zu Sternstunde(n) wird der Abend last-but-not-least aber auch optisch durch das von Escorial-Schwarz beherrschte Hell-Dunkel und atemberaubend schöne Lichtwirkungen der flexiblen Bühnenräume auf der Drehbühne, die simultan sichtbare Handlungen erlaubt in der Bühnenkunst von Markus Meyer und dem immer neu faszinierenden Lichtdesign von Guido  Petzold.

Oper Leipzig / Don Carlo - hier Don Carlo und Ensemble © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Don Carlo – hier Don Carlo und Ensemble © Kirsten Nijhof

Und in diesen magischen Räumen zeigt uns der Regiemeister Jakob Peters-Messers eine sehr feine psychologisch und überaus spannungsvoll choreographierte Personenregie sowohl   der Hauptdarsteller wie der Gruppen des großen Chors und der heraus tretenden Solisten. Durchgehend mit herausragenden Stimmschauspielern stringent und atemberaubend erzählt verzichtet die Inszenierung mit prächtigen und die Personen perfekt charakterisierenden Kostümen (Sven Bindsell) auf ablenkende oderüberinterpretierte aktualisierende Mätzchen.

Das lässt sich kaum mit trockenen Worten nacherzählen, wie perfekt die dramatische Spannung zwischen den Sängerdarstellern von Szene zu Szene im Zusammenspiel mit der genialen Musik Verdis wächst. Auch die immer heiklen Momente mit den Gesandten aus Flandern und dem Autodafé werden optisch und spielerisch ganz besonders glaubwürdig umgesetzt.

Diese Inszenierung und musikalische Umsetzung von Verdis Don Carlo an der Oper Leipzig  sind ein nachdrückliches und ganz besonders überzeugendes Plädoyer für die gewählte Mailänder Fassung und ihre kompositorische und politisch-ideelle Schlagkraft. Daher am Ende großer Jubel des Publikums und besonders nachdrücklicher Beifall und Bravorufe für den herausragenden Dirigenten Felix Bender, den wir hoffentlich nicht nur in Leipzig oder Chemnitz sondern bald auch in einer leitenden Position als Chefdirigent oft wieder erleben  möchten.

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Münster, Theater Münster, Don Carlo. Ein Requiem – Verdi, IOCO Kritik, 07.11.2017

November 7, 2017 by  
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Theater Münster

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Theater Münster © Rüdiger Wölk

Don Carlo. Ein Requiem – Verdi / Schnittke

 Kuschender König Philipp – Im Zentrum von Münsters Don Carlo

Von Hanns Butterhof

In einem bunkerartigen Gelass sitzt ein ratloser König mit dem Rücken zum Publikum auf einem laubbedeckten Grabhügel. Daneben ein Sarg. Suchend schaut er sich um, nimmt dann die Krone ab und entzieht sich den Blicken. So rückt schon der Anfang von Don Carlo. Ein Requiem von Giuseppe Verdis Oper „Don Carlo“ (1867) unter Verwendung des “Requiems” von Alfred Schnittke (1977) am Großen Haus des Theaters Münster den König ins Zentrum und deutet auf sein Versagen voraus.

Theater Münster / Don Carlo - hier Stephan Klemm als ratloser König Philipp II. © Oliver Berg

Theater Münster / Don Carlo – hier Stephan Klemm als ratloser König Philipp II. © Oliver Berg

Verdis Oper fragt nach dem Verhältnis von menschlichem Leben und abstrakten Ideen, von Neigung und Pflicht, und so ist es nicht ganz willkürlich von Münsters regieführendem Generalintendant Peters und Generalmusikdirektor Berg, König Philipp II. von Spanien (Stephan Klemm) ins Zentrum ihres „Don Carlo. Ein Requiem“ zu stellen. Denn er trägt diesen Konflikt durchgängig und in seinem zentralen Monolog „Ella giammai m’amo!“ ergreifend aus, ohne ihn allerdings angemessen zu bewältigen.

Zwischen Pflicht und Neigung  zu stehen, seine Leidenschaften regieren zu können und eine auf Einsicht gegründete Balance mit den Anforderungen der Realität zu finden ist ein unbedingt menschlicher Grundkonflikt. Es gehört zum Erwachsenwerden, ihn immer riskant und oft auch schmerzhaft zu lösen

Theater Münster / Don Carlo - hier Filippo Bettoschi als Posa weist Carlo (Garrie Davislim) auf seine Pflichten hin. © Oliver Berg

Theater Münster / Don Carlo – hier Filippo Bettoschi als Posa weist Carlo (Garrie Davislim) auf seine Pflichten hin. © Oliver Berg

Alle Figuren um Philipp unterwerfen sich ihrer je eigenen Pflicht. So hat ihn seine Frau Elisabeth (Kristi-Anna Isene) des hohen Zieles Frieden zwischen Spanien und Frankreich wegen geheiratet und entsagt ihrer Liebe zu seinem Sohn Carlos, mit dem sie verlobt war. Rodrigo von Posa (Filippo Bettoschi) opfert sein Leben für das Ziel, die Freiheit für Flandern zu erreichen, und der Großinquisitor (Christoph Stegemann) lebt nur noch für die Herrschaft der Kirche. Selbst Carlos (Garrie Davislim), der fast bis zum Ende seiner Liebe zu Elisabeth unterworfen ist, ringt sich schließlich dazu durch, sein Leben der Pflicht zu widmen, die ihm Posa auferlegt hatte, die Freiheit erst Flanderns und später Spaniens zu erkämpfen. Nur vom Standpunkt einer hedonistischen Spaßgesellschaft aus kann der Übergang von der Neigung zur Pflicht als Schritt hin zum Tode begriffen werden.

Wie das Programmheft, das alle Gestalten im „Don Carlo“ als unter der Macht des Todes stehend beschreibt, legt das jedoch die düstere Einheitsbühne Rifail Ajdarpasics nahe. Sie ist ein bunkerartig düsterer Raum mit astlosen, in Kamine eingemauerten Baumstämmen, deren herbstliches Blattwerk wie aus einer anderen Welt durch Öffnungen in der Decke heruntersegelt. Ein Grabhügel unter Laub, ein wie ein Kreuz  hineingerammtes Schwert und ein Sarg sprechen überdeutlich von Tod.

Modrige Todeskühle überzieht auch die Inszenierung, legt sich auf das Spiel und den Gesang. Garrie Davislim als Carlo überzeugt in seinen lyrischen Partien, lässt aber alle Leidenschaft eines verzweifelt Liebenden vermissen. Auch Filippo Bettoschi als Posa lässt erst im Tod seinem warmen Bariton freien Lauf. Und Stephan Klemm als Philipp ist nur stimmlich mit seinem fest gegründeten Bass ein König. Er verkörpert statuarisch eher einen saturierten Bürger, der sich Sorge um die Treue seiner Frau macht. Er sieht die politische Lage, das Verhältnis zu seiner Frau und seinem Sohn völlig richtig. Darauf weisen die Schnittke-Partien musikalisch eindringlich, wenn auch szenisch kaum überzeugend hin. Aber Philipp versagt auf der ganzen Linie: Die Treuepflicht seiner Gattin gegenüber erfüllt er so wenig wie seine Vater- und Herrscherpflicht. Er hat vor allem Probleme mit der eigenen Gedankenfreiheit, bedient sich zwar seines eigenen Verstandes, wagt es aber nicht, seinen Einsichten die angemessenen Handlungen folgen zu lassen. Das Schwert, das er gegen den Großinquisitor erhebt, lässt er verzagt wieder sinken. Am Ende kuscht er vor der Macht des Großinquisitors, den Christoph Stegemann so gibt, wie man sich einen König vorstellen könnte, elegante Statur, kräftiger Bass.

Theater Münster / Don Carlo - hier Vor dem Großinquisitor (Christoph Stegemann) kuscht der König (Stephan Klemm) © Oliver Berg

Theater Münster / Don Carlo – hier Vor dem Großinquisitor (Christoph Stegemann) kuscht der König (Stephan Klemm) © Oliver Berg

Auch Kristi-Anna Isene, in unschuldiges Weiß gekleidet (Kostüme: Ariane Isabell Unfried), spielt Elisabeth wie in ihrer Entsagung erstarrt und ergreift erst am Ende bei ihrer Arie „Tu che la vanità“ mit klarem, in den Höhen etwas spitzem Sopran. Nur die Prinzessin Eboli (Monika Walerowicz) entzieht sich der allgemeinen Kühle und liefert mit ausdrucksstarkem Mezzo, vor allem auch in ihrer Arie „O don fatale!“ das Bild einer leidenschaftlichen, ihren Gefühlen folgenden Frau; dafür erntete sie den stärksten Beifall des Abends.

Verlagert die Regie Ulrich Peters’ die Konflikte mehr in die Psyche des Königs und entzieht der Handlung so die Lebenswärme, so kühlt  Golo Berg am Pult des Sinfonieorchesters Münster die Musik entsprechend herab. Was an Italianita aufscheint, wird durch die Einschübe des „Requiems“ von Alfred Schnittke (1934 – 1998) nicht nur beim großen Autodafé ausgebremst. Bei aller Nähe von Schnittkes „Requiem“ zu Schillers „Don Carlos“ liegt der ganzen Aufführung ein unerklärlicher Mangel an Zutrauen in Verdis ausgewogene Komposition zu Grunde, der durch keine szenisch-psychologische Verdeutlichung gerechtfertigt wird. Vielmehr wird so diesem „Don Carlo. Ein Requiem“ das Leben ausgetrieben.

Die in der gekürzten Mailänder Fassung gespielte, italienisch und lateinisch gesungene, deutsch übertitelte Oper dauert dreieinviertel Stunden.

 Don Carlo am Theater Münster; weitere Vorstellungen 11.11.2017; 17.11.2017; 12.12.2017; 22.12.2017; 25.12.2017; 05.01.2018; 02.02.2018

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Halle, Oper Halle, Anna Bolena von Gaetano Donizetti, IOCO Kritik, 06.11.2017

November 7, 2017 by  
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Theater und Orchester Halle

Oper Halle © Falk Wenzel

Oper Halle © Falk Wenzel

Anna Bolena von Gaetano Donizetti  

Opulentes konzertantes Sängerfest

Von Guido Müller

Die 1830 in Mailand uraufgeführte Tragedia  lirica um die historisch bekannte Geschichte der unglücklichen Anna Bolena, Ehefrau König Heinrichs VIII., ihre Rivalin Giovanna Seymour (hier wird die italienische Schreibweise benutzt) und den ehemaligen Geliebten Lord Riccardo Percy von Gaetano Donizetti machte den italienischen Komponisten nach 34 Opern mit einem Schlag weit über sein Heimatland berühmt.

Oper Halle / Anna Bolena in der Ulrichskirche in Halle © Falk Wenzel

Oper Halle / Anna Bolena in der Ulrichskirche in Halle © Falk Wenzel

Die Titelrolle war der damaligen italienischen Primadonna assoluta Giuditta Pasta in die Stimme geschrieben, die für ihren Soprano sfogato, einen Sopran mit  Mezzotimbre und profilierten tiefen Registern berühmt war. Nachdem die Oper zu den beliebtesten des 19. Jahrhunderts gehörte, geriet sie Jahrzehnte bis 1957 in Vergessenheit, als Maria Callas in der Titelrolle in einer Inszenierung von Luchino Visconti an der Mailänder Scala das Werk wieder zum Leben erweckte. Durch diese beiden Interpretinnen war die Messlatte hoch gelegt und zum Beispiel  die große Koloratursopranistin Edita Gruberova hat die  Rolle später verkörpert. Ein Opernhaus kann nur wagen, diese hochdramatische Belcanto-Oper auf den Spielplan zu setzen, wenn ihr  Ensemble über eine solche Sängerin verfügt, der nicht nur die Belcanto-Stimmtechnik sondern auch der hoch-dramatische expressive Ausdruck  perfekt zu eigen ist.

Das Opernhaus Halle verfügt mit der vielfach ausgezeichneten Kammersängerin Romelia Lichtenstein über eine solche Ausnahmesopranistin, die an vielen Händel- und Mozart-Rollen gereift ebenso das hochdramatische Fach Puccinis und des Verismo beherrscht. Romelia  Lichtenstein steht wie der Sängerin der Uraufführung nicht nur die stupende Koloraturfähigkeit sondern ebenso bruchlos das warme Mezzoregister und sonore tiefe Stimmregister zur Verfügung. Damit glänzt sie in dieser konzertanten Aufführung der Oper in der Konzerthalle der Ulrichskirche mit ihrer heiklen Akustik und lässt das Publikum  gebannt den Atem anhalten in ihren großen Szenen wie Ensembles.

Oper Halle / Anna Bolena - hier Romelia Lichtenstein ist Anna Bolena © Falk Wenzel

Oper Halle / Anna Bolena – hier Romelia Lichtenstein ist Anna Bolena © Falk Wenzel

Opulenz ist das Leitthema dieser zweiten Spielzeit der Intendanz  von Florian Lutz und seinem Team am Opernhaus Halle. Und stimmliche wie orchestrale Opulenz der großen italienischen Belcanto-Oper unter der meisterhaften musikalischen Leitung des ersten Kapellmeisters Michael  Wendeberg, der in der letzten Spielzeit in Halle bereits bravourös mit seinem Dirigat der Uraufführungsoper Sacrifice nachdrücklich hat aufhorchen lassen, bietet diese konzertante Aufführung wahrlich in verschwenderischer Fülle. Wendeberg entfesselte mit der glänzend disponierten Staatskapelle Halle, dem Chor der Oper Halle und den ausnahmslos auch in denkleinen Rollen herausragenden Solisten ein italienisches Opernfest der Spitzenklasse, wie ich es in Halle lange nicht erlebt habe.

Bereits im orchestralen Vorspiel lässt die Staatskapelle aufhorchen durch die präzisen dynamischen Steigerungen und Kantilenen der betörend klingenden Holzbläser wie später die Staunen erweckenden, überaus exquisit und tonsicher spielenden Hörner, die von Birgit Kölbl angeführt werden. Zugleich versteht Wendeberg es die Generalpausen  auskostend effektvolle Spannungsbögen und Kontraste aufzubauen, indem ihm willig der vollendet singende Herrenchor und Damenchor folgen.

Fast alle Rollen sind mit Mitgliedern des Hauses besetzt. Lediglich den Pagen Smeton singt die junge Mezzosopranistin Yulia Sokolik als Gast, die sofort zu Beginn der Oper mit der harfenbegleiteten Romanze „Deh! non voler costringere“ gefangen nimmt, die sie in einem äußerst edlen bernsteinfarbig timbriertem Legato gestaltet. Nach der von den duftig  leicht spielenden Holzbläsern und vornehmen Hornsolo auf einem samtigen Streicherteppich eingeleiteten späteren Szene „Tutto è deserto“ erhält Yulia Sokolik für ihre warme, perfekt ausdrucksstark und offen gesungene Kantilene spontanen Szenenapplaus des Publikums. Von dieser Mezzosopranistin werden wir sicher noch öfter hören.

Der zweite Gast im Ensemble ist Konstantinos Latsos als Lord  Riccardo Percy, der nicht nur durch sein sympathisches Auftreten sondern vor allem gleich mit seinem geschmackvoll schlank und zugleich kraftvoll gesungenen Tenor für sich einnimmt, mit dem er auch die Spitzentöne seiner Partie und strahlende Strettas beherrscht. Zu einem Höhepunkt der Aufführung gestaltet er im zweiten Akt das zauberhafte Terzett „Fin dall’età più tenera“ mit Romelia  Lichtenstein und dem Bass Ki-Hyun Park als Enrico VIII.

Ki-Hyun Park überragt für mich an diesem Abend sowohl durch ausgefeilte Stimmkultur, packendste Italianità, Spielfreude in Mimik und Gestik wie seine große psychologisch ausgefeilte Charakterstudie des zerrissenen, zweifelnden und brutalen Königs Heinrich VIII. alle anderen Darsteller. Park lässt keinen Moment die fehlende szenische Umsetzung vermissen. Daher erhält er am Ende verdiente Ovationen des Publikums.

Oper Halle / Anna Bolena - hier links Ki Hyun Park als zweifelnder Heinrich VIII. und Du Wang als Signor Harvey © Falk Wenzel

Oper Halle / Anna Bolena – hier links Ki Hyun Park als zweifelnder Heinrich VIII. und Du Wang als Signor Harvey © Falk Wenzel

Die zweite Krone der darstellerischen und gesanglichen Verkörperung aus dem Ensemble der Oper Halle verdient an diesem Abend des Belcanto-Festes SvitlanaSlyvia für ihre vom König als Nachfolgerin Anna Bolenas erwählte Hofdame Giovanna Seymour. Ihr großes dramatisches Duett mit der Konkurrentin um die königliche Liebe Romelia LichtensteinDal mio cor punita io sono“ zu Beginn des zweiten Aktes war für mich die packendste und expressivste Szene des Abends mit der höchsten musikdramatischen Wahrheit. Perfekt harmonieren die  kostbaren Stimmen mit Mezzofärbung. Ähnlich ideal abgestimmt harmoniert  sie mit dem Enrico des Ki-Hyun Park im Duett.

Hier bewährt sich das warme tief empfundene Legato und die leicht ohne jede Schärfe und störendes Vibrato geführte Stimme der Ausnahme-sängerin und perfekten Belcanto-Darstellerin Romelia Lichtenstein, die zudem über eine beseelte Koloraturtechnik verfügt. Ihre Spitzentöne dienen ausschließlich der musikdramatischen Expression und nie hohler Stimmartistik. Ihre berühmte Wahnsinnsszenemit konzertierender Flöte und Oboe kurz vor dem Ende der Oper singt sie mit schwebender Höhe auf anrührendste Weise.

Vladislav Solodyagin gestaltet die wenig dankbare Rolle des Lord Rochefort stimmschön und ausdrucksstark. Das gilt auch für die kleine Rolle des Signor Harvey, der Du Wang als Gast ein stimmschönes Profil verleiht.

Alle Freunde großer italienischer Belcanto-Oper sollten auf keinen Fall die dritte Gelegenheit in Halle verpassen, diese hochdramatische Oper in dieser exquisiten Besetzung zu erleben. Die Leistung des Ensembles und der Staatskapelle verheißt bereits viel für die italienische Opernwoche am Opernhaus Halle im Frühjahr 2018 mit dem Höhepunkteiner neuen Inszenierung von Giuseppe Verdis Aida.

Das beglückte Publikum in Halle dankt am Ende den Musikern dieser zweiten Vorstellung mit zigfachen Bravorufen, Ovationen, Getrampel undStanding ovations.

Achtung:    Nächste und letzte Vorstellung am 8.11.2017 in der Konzerthalle Ulrichskirche Halle (Saale)

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Linz, Landestheater Linz, Premiere Rigoletto, 04.11.2017

Oktober 24, 2017 by  
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Landestheater Linz

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

Landestheater Linz / Neues Musiktheater Volksgarten © Sigrid Rauchdobler

OPERNPREMIERE RIGOLETTO   4. November 2017 19.30 Uhr

Das Landestheater Linz lädt Sie zur Premiere von Giuseppe Verdis Rigoletto am 4. November 2017 im Linzer Musiktheater ein. Regie führt Andreas Baesler. Für die Bühne zeichnet sich Harald B. Thor und für Kostüme Tanja Hofmann verantwortlich, die vergangenen Sommer bei den Salzburger Festspielen an der Seite von Andreas Kriegenburg Lady Macbeth von Mzensk realisierten. Für die Titelpartie konnte Federico Longhi gewonnen werden, der in der vergangenen Spielzeit in Linz schon als „saftig-eloquenter“ Falstaff brillierte. Am Pult des Bruckner Orchesters Linz: Martin Braun.

RIGOLETTO
OPER VON GIUSEPPE VERDI
Text von Francesco Maria Piave nach dem Drama Le roi s’amuse von Victor Hugo
In italienischer Sprache mit Übertiteln
Musikalische Leitung Martin Braun
Inszenierung Andreas Baesler

Premiere Samstag, 4. November 2017, 19.30 Uhr
Großer Saal, Musiktheater Volksgarten
Musiktheaterwerkstatt, Musiktheater

 

Pressemeldung Landestheater Linz

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