Wien, Franz Grundheber – Die lange Karriere eines großen Sängers, IOCO Portrait, 23.11.2017

November 24, 2017 by  
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 Franz Grundheber 1998 als Rigoletto an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber 1998 als Rigoletto an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber – Leben im Gesang

Wozzeck, Holländer, Boccanegra – Wien, Hamburg, New York

Von  Susanne Resperger

Nachdem der Vorhang der Oper Leipzig sich nach der Vorstellung der Frau ohne Schatten langsam gesenkt hatte, ein kurzer Augenblick Stille – dann großer Jubel. Franz Grundheber hatte an diesem Abend als Barak Unglaubliches geleistet: Hatte es im Vorfeld Zweifler gegeben, ob er denn diese Partie wenige Monate vor seinem 80.Geburtstag noch würde bewältigen können, so bewies er diesen das Gegenteil. Mit Leichtigkeit, kraftvoll, berührend, mit klarer Stimme, jeder Ton, jedes Wort bedeutungsvoll, vermochte er die Rolle innig und intensiv zu gestalten – ohne jegliche Ermüdungserscheinungen. Nicht nur vom Publikum wurde er gefeiert, sondern auch seine Kollegen waren voller Bewunderung für diese Leistung.

Franz Grundheber als Gérard in Andrea Chenier

Wo aber liegt nun das Geheimnis einer so vollkommenen, intakten Stimme in diesem Alter? Diese Frage bekommt Franz Grundheber (*1937) oft gestellt und darauf gibt es auch eine klare Antwort: die Stimmtechnik zu perfektionieren, die Rollenauswahl ganz bewusst der Stimme anzupassen, Fleiß und Disziplin, auch im Privatleben. Gattin Angelika ist die ideale Ergänzung und der notwendige Rückhalt für diesen Beruf. Ohne sie wäre vieles nicht möglich gewesen. Aber auch seine persönliche Geschichte und die Umstände, wie sich alles in frühen Jahren entwickelte, trugen dazu bei.

Erste Offenbarungen in der Jugend

Aufgewachsen in einem Dorf vor Trier, in einfachen Verhältnissen, war es seine Mutter, die etwas „Besseres“ für ihn wollte. Sie setzte es durch, dass er aufs Gymnasium ging. Dort waren es die Deutschlehrer, die ihn für Literatur begeisterten, und er ging sehr gerne und viel ins Theater. Ein Zufall wollte es dann, dass er eines Abends – er war 18 Jahre alt – eine Karte für die Zauberflöte bekam und – sich zuerst extrem langweilte. Erst die „Sprecherszene“ begann ihn zu interessieren und als dann Peter Roth-Ehrang als Sarastro auftrat (in Trier gastierend, da er seine Eltern besuchte) erlebte der junge Mann erstmalig, welche Gefühle ein Sänger mit den Schwingungen seiner Stimme auslösen kann. Die Erhöhung der Sprache durch die Musik, wie der Künstler es selbst definiert, faszinierte ihn.

Zu Hause angekommen, versuchte er diesen Klang des Sarastro nachzuahmen und es gelang ihm so gut, dass der nebenan schlafende Vater polterte: „Ruhe, ich muss morgens um 5 aufstehen!“  Der Wunsch, Opernsänger zu werden, nahm damit seinen Anfang.

Franz Grundheber 1991 als Fliegender Holländer an der Hamburger Staatsoper © Peter Schünemann

Franz Grundheber 1991 als Fliegender Holländer an der Hamburger Staatsoper © Peter Schünemann

Flug und Landung – Als Pilot

Franz Grundheber musste damals zur Bundeswehr und wollte sich als Offizier auf Zeit bei der Luftwaffe bewerben, bestand alle Prüfungen, war auch flugtauglich. Er verpflichtete sich auf 3 Jahre für die Pilotenausbildung. Peter Roth-Ehrang wurde in dieser Zeit nach Hamburg engagiert und setzte sich sehr stark dafür ein, dass Grundheber sich ausbilden ließ. Er war von seinem Talent überzeugt. Nach einer beantragten Versetzung als Sportoffizier nach Hamburg besuchte er, wann immer er Zeit hatte, die Oper. Nach 3 Jahren verließ er die Bundeswehr, ließ sich abfinden und neben einem Halbtagsjob im Büro bildete er sich, ohne auf die Hochschule zu gehen, selbst aus, nahm Stunden bei Gesangs- und Sprachlehrer sowie Korrepetionsstunden. Nach zwei Jahren wollte er schon aufgeben, doch war es wieder der „Zufall“, der aushalf – er hörte von einem Stipendium der Hamburger Staatsoper in Amerika. Er sang vor, erhielt es für ein Jahr und konnte es in Amerika auf ein zweites Jahr verlängern. Das Studium an der Indiana University in Bloomington mit einem kleinen angeschlossenen Opernhaus wurde prägend für sein Leben. Wichtig dabei auch seine Lehrerein Margaret Harshaw. Ihre Gesangsgrundlagen und die Arbeit mit ihr waren eine exzellente Basis für seine Karriere. In seinen Meisterklassen gibt er dieses Wissen mit Leidenschaft und Überzeugung an Studenten weiter.

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburg:  Seit 1966 Fixpunkt der Karriere

1966 bekam er nach vielen erfolglosen Versuchen dann doch noch ein Vorsingen. Man wollte eigentlich keine Stipendiaten mehr aufnehmen, aber er wollte unbedingt zeigen, was er sich erarbeitet hatte.  Rolf Liebermann war begeistert und engagierte ihn. Er bekam keinen Ein-Jahresvertrag, wie er gerne schmunzelnd erzählt, sondern gleich einen Zwei-Jahresvertrag.

Von 1966 bis 1988 blieb er dem Hamburger Ensemble treu und sang alles, von den kleinsten Rollen bis zu den großen Fachpartien und war oft Einspringer, wenn prominente Sänger absagten. Für Rolf Liebermann war es wichtig, auch kleine und mittlere Rollen sehr gut zu besetzen. Dafür bekamen die jungen Sänger auch jedes Jahr die Chance,  ein oder zwei größere Rollen zu übernehmen. Im ersten Jahr sang er bereits Donner, Masetto und Figaro folgten sehr bald.  Auch viele Uraufführungen konnte er mitgestalten, ganz normal für die Ära Liebermann.

Franz Grundheber als Dr. Schön - Lulu an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber als Dr. Schön – Lulu an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Aber im Repertoirebetrieb musste man Rollen einfach ohne Proben übernehmen. Als die ersten Engagements für Produktionen mit langer Probenzeit kamen, reifte langsam der Entschluss, das Ensemble zu verlassen. Es war viel interessanter und effektiver, Rollen einige Wochen zu erarbeiten, und er wusste, wieviel besser er damit sein konnte. Außerdem wollte er angefragt werden und sich Rollen selbst auswählen können.

Die Hamburger Staatsoper ließ ihn aber nicht einfach ziehen, wollte ihn unbedingt binden. Peter Ruzicka, Nachfolger von Rolf Liebermann gab ihm einen permanenten Gastvertrag. Bei vielen Produktionen der Hamburger Staatsoper, die immer noch im Repertoire sind, war er Premierensänger: Fliegender Holländer (unter Marelli) , Rigoletto  (Homoki), Macbeth (Pimlott), Tosca (Carsen) und Simone Boccanegra (Guth). Er trat über 2050 Mal im Haus am Dammtor auf, im Februar 2012 feierte man mit ihm seine 2000. Aufführung (er war Amonasro). Der Kontakt zu Hamburg blieb immer sehr gut und er sang weiterhin 10 bis 20 Vorstellungen pro Saison. Bis zu dem Zeitpunkt, als die neue Direktion Nagano /Delnon antrat und dieser Kontakt abrupt endete. Aber nicht von Seiten des Künstlers.

Herbert von Karajan

 Herbert von Karajan in Salzburg © IOCO

Herbert von Karajan in Salzburg © IOCO

Besonders prägend war in der Zeit, in der er sich die Trennung vom Ensemble überlegte, die Zusammenarbeit mit Herbert von Karajan. Neben zahlreichen gemeinsamen Konzerten erarbeitete er sich mit ihm im März 1988 in Salzburg seinen ersten Scarpia. Erstaunlich war, dass er trotz seines deutschen Namens immer wieder interessante Engagements im italienischen Fach bekam. Viele Jahre sang er immer wieder in Italien nicht nur das deutsche Fach. Mit dem Amonasro war er auch der erste Deutsche in der Arena di Verona. Im Alter von 62 Jahren gab er schließlich sein Debüt an der New Yorker Metropolitan Opera als Rigoletto. Damit war er der erste Deutsche, der diese Partie an der MET sang. Auch an der Wiener Staatsoper oder in Covent Garden war er in vielen italienischen Rollen erfolgreich.

Die Kollegen

Am Beginn seiner Karriere hat ein Kollege, Mathieu Ahlersmeyer, ihn in die Garderobe geholt, ihn sehr gelobt, aber gleichzeitig auch einen wichtigen Rat gegeben: er solle das schwere italienische und deutsche Fach nicht vor 40-45 singen. Und wenn, dann mit 50, wenn all die Technik erlernt wurde und die Stimme noch da ist: „Dann wissen Sie, wovon Sie singen“. Dann wird bei jedem Ton mitschwingen, was man bis dahin erlebt hat: Liebe, Trennung, Verlust, Schmerz oder Trauer. Erst dann wird ein Sänger glaubhaft, wird die Persönlichkeit des Künstlers interessant, berührt er die Zuhörer.  Da käme alles von selbst und der Beruf mache dann erst richtig Spaß. Diesen Tipp nahm sich Franz Grundheber zu Herzen und verfolgte ihn sehr konsequent.

Er beobachtete seine Kollegen auf der Bühne, stand in Hamburg sehr oft auf der Hinterbühne, hörte genau zu und überlegte, wie diese es schafften, einen bestimmten Klang zu erzeugen. Sehr oft diskutierte er mit seinen Kollegen darüber, fragte bei großen Kollegen wie z.B. James King nach, arbeitete auch oft mit ihm, holte sich von vielen Ratschläge. Und – für ihn besonders wichtig: jede seiner Vorstellungen wurde von ihm kontrolliert, denn sein „Prof. Walkman“ blieb, von Margaret Harshaw abgesehen, sein einziger Gesangslehrer. Nur beim selbst Nachhören erfährt er die Wahrheit, eine Erfahrung, die er auch jungen Sängern immer wieder ans Herz legt. Kein Freund, kein Zuhörer wird einem die Wahrheit sagen (wie er selbst immer wieder in Interviews erwähnt).

 Franz Grundheber als Jago an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Franz Grundheber als Jago an der Wiener Staatsoper © Wiener Staatsoper / Axel Zeininger

Das Wort  –  „Ein Geheimnis“

Ein weiteres „Geheimnis“ von Franz Grundheber: das Wort! Von jeher interessierte ihn Literatur und Theater ganz besonders, daher meint er dazu immer wieder: Die Worte eines Dichters wurden von einem genialen Komponisten interpretierenderweise in Musik umgesetzt, um diese Worte zu erhöhen und mit der Musik zu intensivieren. Aber die Basis bleibt immer das Wort. Grundheber hat sich jede Rolle zuerst vom Text her erarbeitet, ihn auswendig gelernt und dann den Sprachrhythmus des Komponisten analysiert, um nach der Bedeutung der Noten zu suchen. Er überlegte, warum der Komponist diese so geschrieben hatte, suchte, was er damit ausdrücken wollte.

Genau das macht die Faszination seiner Auftritte aus. Seine Rollen sind bis ins Detail durchdacht. Gestik, Blick, jede Betonung hat Sinn, ist überlegt und ganz bewusst gewählt. Seine Figuren werden dadurch plastisch, verständlich und unglaublich menschlich. In einem Interview sagte er einmal, es sei auch sehr menschlich, böse zu sein. Ebenfalls wichtig in diesem Zusammenhang: Er betont immer wieder, nur in den Sprachen zu singen, die er selbst auch beherrscht, denn nur so könne er den gesungenen Worten die richtige Bedeutung mitgeben. Auch wenn es ihm die Zusammenarbeit mit Claudio Abbado gekostet hatte, der ihn unbedingt für Aus einem Totenhaus gewinnen wollte.

youtube:  Franz Grundheber 1986 als Jago an der Semperoper

Die Lieblingsrollen von Franz Grundheber

Grundhebers Barak in Leipzig war auch deshalb ein besonderes Ereignis, weil es ja eine seiner drei Lieblingsrollen ist.

Die zweite für ihn besondere Rolle ist jene des Wozzeck. Für ihn ist Alban Bergs Werk die perfekteste aller Opern, die er in insgesamt 11 Inszenierungen gestalten durfte. Darunter Auftritte in Paris, Berlin, Brüssel, Amsterdam, Chicago, an der Scala (unter Jürgen Flimm)  aber auch an der Met. Den bedeutendsten Erfolg hatte er damit 1987 unter Claudio Abbado in der Regie von Adolf Dresen an der Wiener Staatsoper. Der Mitschnitt auf DVD brachte ihm nicht nur den „Prix George Till“, sie gilt vielmehr als eine der Referenzaufnahmen, die viele Sänger beim Lernen dieser Partie verwenden. Spricht man mit jungen oder auch sehr renommierten Baritonen, gilt Franz Grundheber für viele als DAS Vorbild für Wozzeck.

2007 inszenierte er diese Oper für seine Heimatstadt Trier, die dort noch nie aufgeführt worden war. Es blieb seine bisher einzige Regiearbeit. Um das Werk dem Publikum näher bringen zu können, hat er mit dem Trierer Journalisten Dieter Lintz ein umfangreiches Rahmenprogramm um die Premiere gestaltet. Die Serie wurde zu einem außergewöhnlichen Erfolg.

 Simone Young © IOCO

Simone Young © IOCO

In seiner 3. Lieblingsrolle, dem Simone Boccanegra, debütierte er 1995 in München und begeisterte mit seiner intensiven, menschlichen Umsetzung. Wer ihn in dieser Rolle erleben durfte, wird seinen Dogen nie wieder vergessen. In Chile erhielt er für seine Darstellung den Kritikerpreis und Simone Young hatte sich für ihren Antritt als Intendantin an der Hamburgischen Staatsoper (im Februar 2006) Franz Grundheber als Boccanegra gewünscht –  einer der Höhepunkte seiner Karriere. Mit 68 Jahren sorgte er für Furore und wurde damit für den ersten Theaterpreis „FAUST“ als bester Sängerdarsteller nominiert.

Tonträger und DVDs

Wie bei vielen seiner Auftritte gibt es auch von dieser Vorstellung keinen Mitschnitt auf DVD. Wie es auch um CD`S und DVD`S von ihm eher mager aussieht. Lediglich ein paar seiner Richard Straus-Partien wurden auf CD dokumentiert: Mandryka (Arabella), Orest (Elektra), Faninal (Der Rosenkavalier), Olivier (Capriccio) und vor allem sein Jupiter in Die Liebe der Danae, welchen er bei den Salzburger Festspielen 2002 als erster Sänger in der für einen Bariton sehr hohen Originalnotation sang. Diese Oper wurde in einer konzertanten Aufführung in Kiel für eine CD Produktion aufgenommen. Die Salzburger Aufführungsserie blieb undokumentiert. Sein Orest in der legendären Harry-Kupfer-Produktion an der Wiener Staatsoper ist ebenso auf DVD erschienen wie der Faninal der Salzburger Festspiele 2004 und in Baden Baden 2009. Seinen Holländer aus Savonlinna gibt es ebenfalls auf DVD.

Richard Wagner

 spielte in seiner Karriere natürlich auch eine große Rolle. Hier war Franz Grundheber bei der Auswahl der Partien aber sehr viel wählerischer und beschränkte sich später auf Amfortas und den Holländer. In diesen Rollen, meinte er immer wieder, könne er die Vorzüge seiner Stimme, eine gewisse Italienità, einbringen.  Natürlich sang er im Laufe seiner Karriere auch Heerrufer, Kurwenal und in Hamburg den Donner, später auch wenige Male Gunther. Wotan wollte er jedoch nie machen. Immer wieder auf das Thema angesprochen, meinte er, er hätte seine Stimme verändern müssen, um einen Klang zu erzeugen, den er sich für diese Partie vorstellt, der aber nicht sein natürlicher Klang war. Genau das wollte er vermeiden. Auch ein Hans Sachs kam nie zustande. Eine geplante Produktion der „Meistersinger“ musste mehrmals verschoben werden, danach war es Franz Grundheber selbst schon zu spät für diese fordernde Rolle. Schade!

27. September 2017 – Runder Geburtstag

Am 27. September 2017 ist Franz Grundheber 80 Jahre alt geworden. Hört man ihn singen, mag man es kaum glauben. Sein Leben ist die Opernbühne. Wenn er uns die Musik näherbringen kann, wenn er zeigt, dass Jago nicht von Grund auf böse ist, dass Scarpia in der Brutalität seines Berufes so gefangen ist, dass diese das einzige ist, was noch Gefühle in ihm zu wecken vermag. Oder aber, wenn Amonasro die Hand gegen seine Tochter Aida erhebt und plötzlich entsetzt darüber ist. Diesen seinen Blick vergisst man nicht. Dieser Augenblick unterstreicht die Musik und bringt den Zuhörern ungleich mehr als schöne Töne, vielmehr Verständnis für diese komplexen Figuren, die nicht immer durchschaubar sind.

Abseits der Bühne ist er ein vielgeliebter Kollege, immer hilfsbereit und geduldig. Langsam,  hat er sich in den letzten Jahren von den meisten seiner großen Rollen verabschiedet. 2011 sang er seinen letzten Simone Boccanegra und Angebote, diese Rolle noch zu singen, schlug er aus, da er sich nicht mehr sicher war, diese Partie noch den eigenen Erwartungen entsprechend bewältigen zu können.

Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper + Kommendes

Zu seinem 80er wollen wir Wiener Franz Grundheber, Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper seit 2010, nun ganz herzlich gratulieren und ihm für mehr als 250 wunderbare Vorstellungen am Hause danken! Dazu zählen die Premieren von Wozzeck (1987), Elektra (1989), Cardillac (1994), Palestrina (1999), Lulu (2000), Le Villi (2005) und Moses und Aron (2006), sowie Repertoire-Vorstellungen als Jago, Macbeth, Rigoletto, Scarpia, Amonasro, Faninal, Barak, Holländer, Amfortas …

Im Dezember 2017 kehrt Franz Grundheber in die von ihm geschätzte Stadt Wien zurück. Er wird in der Lulu-Inszenierung von Willy Decker den Schigolch verkörpern. Eine Rolle, die er mittlerweile in Madrid, Barcelona, bei den Salzburger Festspielen, in Amsterdam und 2015 an der Met erfolgreich gestaltet hat.

Nach dem euphorisch gefeierten Auftritt als Moses in Moses und Aron in der Elbphilharmonie im Jänner 2017 und den schon erwähnten Barak-Auftritten in Leipzig gab es im September 2017 eine umjubelte Semi-konzertante Aufführung des Fliegenden Holländers in der Heimatstadt Trier. Nach Wien gibt es Auftritte als Peter Besenbinder (Hänsel und Gretel) in Hamburg und Düsseldorf.

Wir wünschen Franz Grundheber anhaltende Gesundheit, auf dass er nach vielen Jahren Wanderschaft durch die Opernhäuser der Welt sein Zuhause genießen kann. Eigentlich ist er ja auch recht gern zuhause…Aber wer weiß…

Buch Franz Grundheber und Wozzeck © Armin Lücke

Buch Franz Grundheber und Wozzeck © Armin Lücke

Wien, Wiener Staatsoper, PREMIERE LULU – ALBAN BERG, 03.12.2017

November 23, 2017 by  
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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 

PREMIERE  LULU von  ALBAN BERG

TEXT ALBAN BERG NACH FRANK WEDEKIND

Premiere:  Sonntag, 3. Dezember 2017, 17.00 Uhr

Am Sonntag, 3. Dezember 2017 feiert Alban Bergs Lulu in der dreiaktigen, von Friedrich Cerha komplettierten, Fassung Premiere an der Wiener Staatsoper. Die Inszenierung von Willy Decker ist dem Staatsopernpublikum seit ihrer Premiere am 12. Februar 2000 bekannt – diese stand bis 2005 insgesamt 21 Mal auf dem Spielplan des Hauses am Ring, allerdings in der zweiaktigen Version. Lulu, basierend auf Frank Wedekinds Tragödien Erdgeist und Die Büchse der Pandora, konnte von Alban Berg nicht fertiggestellt werden und gelangte erst nach seinem Tod 1937 in Zürich zur Uraufführung. Es etablierte sich die Aufführungstradition, das Stück als zweiaktiges Fragment zu zeigen, bei der den ersten beiden Akten die letzten zwei Teile von Bergs Symphonischen Stücken angehängt wurden. Auch die Wiener Premiere 2000 folgte dieser Tradition. Zum ersten Mal wurde Lulu an der Wiener Staatsoper 1968 aufgeführt; in einer Inszenierung von Otto Schenk, Karl Böhm am Dirigentenpult und KS Anja Silja in der Titelpartie.

Die Orchestrierung des 3. Aktes vervollständigte schließlich Friedrich Cerha, die Weltpremiere der dreiaktigen Fassung fand 1979 in Paris statt. Am 24. Oktober 1983, unter der musikalischen Leitung des damaligen Direktors Lorin Maazel und mit Julia Migenes als Lulu, kam die dreiaktige Version zur Erstaufführung im Haus am Ring. Für die kommende Premiere kehrt Willy Decker zurück an die Wiener Staatsoper, um seine gefeierte Lulu-Inszenierung in der dreiaktigen Fassung zu präsentieren. Für das Haus am Ring schuf der international gefragte deutsche Regisseur noch Inszenierungen von Billy Budd, Die Tote Stadt und Idomeneo (im Theater an der Wien). Weitere Regiearbeiten führten ihn u. a. nach Amsterdam, Berlin, zu den Salzburger Festspielen und an die Dresdner Semperoper.

Seine Gedanken zu Lulu erläuterte Willy Decker im Programmheft für die Premiere 2000: „Lulu provoziert Unsicherheit – alles und jeder um sie herum verliert unter ihrem Einfluss Boden unter den Füßen, strauchelt und stürzt. Lulu, die Person, und Lulu, das Stück, sind auf Verunsicherung angelegt. […] das Stück beschreibt die Grundspannung zwischen Männlich und Weiblich als einen immerwährenden Kampf – der Ort dieses Kampfes und damit der Ort des Stückes ist die Arena.

Musikalisch geleitet wird die Premierenserie von Ingo Metzmacher. An der Wiener Staatsoper debütierte er 2009 mit der Neuproduktion von Lady Macbeth von Mzensk und leitete hier in weiterer Folge noch Vorstellungen von Parsifal; zuletzt wieder Lady Macbeth von Mzensk im Mai 2017. Der deutsche Dirigent ist gegenwärtig Intendant der KunstFestSpiele Herrenhausen in Hannover.

Die Ausstattung der Produktion stammt von Wolfgang Gussmann. Lulu ist neben Billy Budd und Die Tote Stadt die dritte Zusammenarbeit für die Wiener Staatsoper des deutschen Bühnen- und Kostümbildners mit Willy Decker; außerdem kreierte er die Ausstattungen von Moses und Aron sowie Lohengrin.

Die Sängerbesetzung – durchgehend Rollendebüts an der Wiener Staatsoper Bei der Sängerbesetzung gibt es vorwiegend Rollendebüts am Haus: In der Titelpartie stellt sich Agneta Eichenholz dem Staatsopernpublikum vor. Die aus Malmö (Schweden) stammende Sopranistin studierte in Stockholm und feierte bisher u. a. am Londoner Royal Opera House, Covent Garden, am Teatro Real in Madrid, an der Komischen Oper Berlin, der Oper Frankfurt, in Barcelona, Kopenhagen, Genf, Amsterdam und Basel Erfolge. Zu ihrem vielfältigen Repertoire zählen neben Lulu u. a. Alcina, Fiordiligi (Così fan tutte), Konstanze (Die Entführung aus dem Serail), Gilda (Rigoletto), Juliette (Roméo et Juliette), Violetta (La traviata), Daphne. 2015 debütierte sie als Ellen Orford (Peter Grimes) im Theater an der Wien.

Die Gräfin Geschwitz gibt KS Angela Denoke. Seit ihrem Staatsoperndebüt 1997 als Marschallin (Der Rosenkavalier) ist sie dem Haus am Ring eng verbunden und war bisher in 16 Partien an rund 120 Abenden zu erleben, darunter u. a. in Premierenproduktionen von Lady Macbeth von Mzensk (als Katerina Ismailowa), Parsifal (als Kundry), Die tote Stadt (als Marietta) und Jen?fa (in der Titelpartie).
Als Dr. Schön/Jack the Ripper kehrt KS Bo Skovhus zurück an die Wiener Staatsoper, auch er ist seit seinem Debüt 1991 als Silvio (Pagliacci) ein gern gesehener Gast auf der Bühne des Hauses am Ring. Lulu ist seine 9. Premiere an der Wiener Staatsoper nach den Titelpartien von Jonny spielt auf und Billy Budd, Graf (Capriccio), Danilo (Die lustige Witwe), Barbier (Die schweigsame Frau), Guglielmo (Così fan tutte) und Fritz/Frank (Die Tote Stadt).

KS Franz Grundheber, der bei der Premiere 2000 den Dr. Schön/Jack the Ripper verkörperte, singt erstmals am Haus den Schigolch. Der deutsche Bariton feiert mit dieser Premierenproduktion bereits seine 41jährige Zugehörigkeit zum Haus am Ring, wo er am11. Dezember 1976 als Figaro (Le nozze di Figaro) debütierte und an bisher rund 250 Abenden zu erleben war. Zu seinen meistgesungenen Rollen an der Wiener Staatsoper zählen die Titelpartien von Wozzeck, Der fliegende Holländer, Amfortas (Parsifal), Scarpia (Tosca), Orest (Elektra) sowie Dr. Schön/Jack the Ripper. 2010 wurde er zum Ehrenmitglied der Wiener Staatsoper ernannt. Den Alwa singt – ebenfalls erstmals an der Wiener Staatsoper – Herbert Lippert. Er trat bzw. tritt seit über 30 Jahren im Haus am Ring, dessen Ensemblemitglied er ist, in bisher mehr als 30 Partien auf, so in den Titelpartien von Lohengrin, Peter Grimes, als Siegmund (Die Walküre), King of Naples (The Tempest), Matteo (Arabella), Tenor/Bacchus (Ariadne auf Naxos), Erik (Der fliegende Holländer), Eisenstein (Die Fledermaus), Paul (Die Tote Stadt), Tambourmajor (Wozzeck).

In den weiteren Partien geben die Staatsopern-Ensemblemitglieder Donna Ellen als Theatergarderobiere/Mutter, Ilseyar Khayrullova als Gymnasiast/Groom, Jörg Schneider als Maler/Neger, Carlos Osuna als Prinz/Kammerdiener/Marquis, Alexandru Moisiuc als Theaterdirektor/Bankier, Maria Nazarova als Fünfzehnjährige, Bongiwe Nakani als Kunstgewerblerin, Manuel Walser als Journalist und Ayk Martirossian als Diener ihre Rollendebüts am Haus. KS Wolfgang Bankl verkörpert wie bereits 2000 den Tierbändiger/Athleten.

Dirigent: Ingo Metzmacher | Regie: Willy Decker, szenische Einstudierung: Ruth Orthmann | Ausstattung: Wolfgang Gussmann, Kostümmitarbeit: Susana Mendoza

Mit: Lulu Agneta Eichenholz°, Gräfin Geschwitz Angela Denoke*, Theatergarderobiere / Mutter Donna Ellen*, Gymnasiast/Groom Ilseyar Khayrullova*, Medizinalrat Konrad Huber, Maler/Neger Jörg Schneider*, Dr. Schön/Jack the Ripper Bo Skovhus*, Alwa Herbert Lippert*, Schigolch Franz Grundheber*, Tierbändiger/Athlet Wolfgang Bankl, Prinz/Kammerdiener/Marquis Carlos Osuna*, Theaterdirektor/Bankier Alexandru Moisiuc*, Fünfzehnjährige Maria Nazarova*, Kunstgewerblerin Bongiwe Nakani*, Journalist Manuel Walser*, Diener Ayk Martirossian*, Orchester der Wiener Staatsoper, Bühnenorchester der Wiener Staatsoper

° Debüt an der Wiener Staatsoper | * Rollendebüt an der Wiener Staatsoper

Premiere:  Sonntag, 26. November 2017, 11.00 Uhr: Einführungsmatinee mit Mitwirkenden der   Reprisen: 6., 9., 12. ?, 15. Dezember 2017 ( WIENER STAATSOPER live at home) Die Premiere am 3. Dezember wird ab 19.30 Uhr live-zeitversetzt auf Radio Ö1 übertragen. PMWStO

 

 

Trier, Theater Trier, Der fliegende Holländer von Richard Wagner, IOCO Kritik, 27.10.2017

Oktober 29, 2017 by  
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Theater Trier

Theater Trier © Theater Trier

Theater Trier © Theater Trier

 DER FLIEGENDE HOLLÄNDER von Richard Wagner

17.9.2017 – Der Wagner Verband Trier-Luxemburg feiert 30-Jähriges

Von Susanne Resperger

Franz Grundheber © Susanne Resperger

Franz Grundheber © Susanne Resperger

„Wie aus der Ferne längst vergang’ner Zeiten spricht dieses Mädchens Bild zu mir“. Franz Grundheber singt diese Zeilen beinahe flüsternd, empfindsam, innig. Plötzlich steht die Zeit im Theater Trier still.

Wir wurden alle mitgenommen auf die Reise des verfluchten, verzweifelten alten Mannes der seit Jahrzehnten, vielleicht Jahrhunderten die Meere durchstreift und nun wieder an Land geworfen wurde. Alle sieben Jahre nur einmal.

Sinnlos, ohne Hoffnung – die eine treue Frau bis in den Tod – er hat sie noch nie gefunden. Schon im kraftvollen Monolog war klar, dass dieser Künstler das „jetzt und hier“  mit der Umsetzung seiner Rolle verband. 10 Tage vor seinem 80.Geburtstag bot der Sänger ein bis ins letzte ausgefeiltes Rollenportrait, so wie es immer seine große Kunst war.

Es war nicht zu erkennen, ob gespielt oder nicht, wenn er langsam schleppend aus dem Meer steigt. Wenn er aber im Zorn kraftvoll mit seinem Schicksal hadert („Wann dröhnt er, der Vernichtungschlag, mit dem die Welt zusammenkracht?“), ist er nicht mehr der gebrochene verzweifelte Seefahrer. Er lehnt sich dagegen auf und wehrt sich mit einer Stimme die in jeder Phase, jedem Wort farbreich, intensiv ist. Kein Vibrato wie man es von anderen älteren Sängern so oft gehört hat, klare starke Bögen. Nur manchmal kaschiert er es geschickt wenn der Atem nicht mehr so ganz ausreicht. Er verbirgt dies so gekonnt, dass er sogar daraus noch einen intensiven Ausdruck erzeugt. Dieser Holländer berührt zutiefst.

Nun hat Franz Grundheber seit vielen Jahren keinen Holländer mehr gesungen aber in seiner Heimatstadt Trier wollte man das 30-jährige Jubiläum des Wagner Verbandes Trier-Luxemburg mit ihm gemeinsam begehen. Er ließ sich überreden noch einmal, in fortgeschrittenem Alter diese Partie zu singen. Trotz einiger Zweifel ob seiner hohen Ansprüche an sich selbst, sagte trotz allem „ja“ zu diesem Projekt für seine Heimatstadt.

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

 

Da er jedoch keinen konzertanten Holländer im Frack singen wollte, stellte er das Theater vor eine große Aufgabe eine semikonzertante Aufführung zu gestalten, bei der er mit vielen Ideen zur Verwirklichung beitrug. Eine machbare Aufgabe, trotz kleinem Budget, da alle Beteiligten mit Herz und Hirn bei der Sache waren.

Von der Bühnenmitte wurde ein Steg zum Bühnenrand aufgebaut, zu beiden Seiten Sitzreihen für den Chor, wobei der Steg den sitzenden Chor überragte.

Im Hintergrund eine Wand auf welche die Videoinstallationen von Momme Hinrichs (Fett Film) projiziert wurden. Diese Installationen trugen dazu bei die Atmosphäre des Meeres, später auch des Hauses Dalands, perfekt einzufangen. Dekoration war hier nicht notwendig. Es war alles da, ein Bild des Holländers (ein Gemälde von Franz Grundhebers Holländer aus Savonlinna) inklusive.

Wenn Daland mit dem Holländer nach Hause zu Senta kommt, treten die beide aus einer zuvor virtuell geöffneten Türe. Generell gab es in dieser Aufführung mehr Personenführung als bei einer wochenlang geprobten szenischen Aufführung. Als Beispiel: Senta und Holländer sehen sich nicht an, jeder ist in seinem Traum, in seinem Wahn gefangen nur beim Abgang am Schluss gehen sie gemeinsam ab. Für alles an Konzept, Bühne, Projektionen und Kostüme war Momme Hinrichs verantwortlich. Eine mehr als nur gelungene Arbeit.

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Theater Trier / Der fliegende Holländer © Momme Hinrichs (FettFilm)

Es sind alle Darsteller mit ihren Umsetzungen der Figur absolut glaubhaft im Sinn der Oper, im Sinn der Musik und des Textes. Diese Festvorstellung kann neben Franz Grundheber, als Star des Abends, ein hervorragendes Ensemble bieten. Clemens Bieber ist ein anrühriger, lyrischer, liebevoll besorgter Erik der auch heikle Stellen mit Leichtigkeit bewältigt, Thorsten Grümbel ein wohlstimmiger, eher leichterer Bass,  der den Daland mit Selbstverständlichkeit darstellt und im Solo im zweiten Akt besonders punktet.

Die Senta von Cornelia Ptassek ist höhensicher, ein wenig fehlt ihr die Sicherheit in der Mittellage aber ihr Finale ist stark und verfehlt ihre Wirkung nicht. Sie agiert ein wenig kalt und unnahbar, was aber auch mit der Anforderung der Regie zusammenhängt.

Marion Eckstein gestaltet eine sehr starke Mary. Das wenige, das sie zu singen hat imponiert. Ihr schöner Mezzo verlangt nach mehr. Sie wertet diese Rolle mit einer sehr starken Persönlichkeit enorm auf, wie ich sie bisher noch nie erleben durfte. Thomas Greuel fügt sich ebenfalls bestens ein. Er kann dem Steuermann nicht nur eine wunderbare Stimme mitgeben, sondern ist auch impulsiv und  unbedarft, so wie es auch sein soll.

Großartig auch die Leistung des Konzertchors Trier, des Theaterchors Trier und des Extrachors des Theaters. Eine große Herausforderung für alle. Man darf dies nie mit einem großen Haus vergleichen. Wenn man weiß, wieviel Arbeit hinter der Erarbeitung eines solch großen Werkes steht, welches schon lange nicht mehr am Spielplan stand und die Choristen auch nicht alle hauptberuflich Sänger sind, ist diese Leistung umso beachtenswerter. Besonders eindringlich die Chorszene, bei welcher die Matrosen der Norweger und die des Holländers zu beiden Seiten getrennt singen. Da hört man jede Stimme – ein großes Lob an dieser Stelle an den Chor, der ja oft unterschätzt wird.

Ein kleines Manko der Vorstellung ist das teilweise etwas geschleppte Tempo vom Philharmonischen Orchester Triers  und dem Dirigenten Jochen Schaaf. Da hätte man sich ein wenig mehr Feuer und Leidenschaft gewünscht, auch ein wenig mehr Konturen und Feinabstimmungen – aber, auch hier waren nur wenige Proben möglich.

Standing Ovations und langer Jubel für alle Beteiligten, besonders für Franz Grundheber, der diesen Abend zu einem eindringlichen und unvergesslichen werden ließ. Er erzählt danach bei einem kurzen Empfang  im Foyer noch ein paar kurze Anekdoten und unterhält das Publikum seiner Heimatstadt  humorvoll und in seiner ganz besonders liebenswerten charmanten Art. Schade nur, dass diese sehr gelungene Umsetzung des Fliegenden Holländers nur für diesen einen Abend, den 17.9.2017, gestaltet wurde.

 

Lübeck, Bassbariton Oliver Zwarg im Gespräch, IOCO Interview, 03.06.2017

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Theater Lübeck

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

Theater Lübeck © Olaf Malzahn

IOCO stellt vor:  Bassbariton Oliver Zwarg 

Zur Premiere  Der fliegende Holländer  am Theater Lübeck

IOCO Korrespondent Patrik Klein führte am 30.5.2017 das folgende Interview mit Bassbariton Oliver Zwarg, welcher am Theater Lübeck in der kommenden Produktion Der fliegende Holländer von Richard Wagner die zentrale Partie des Holländer übernehmen wird.

IOCO: Lieber Herr Zwarg, wir sprechen kurz vor Ihrem Rollendebüt als Fliegender Holländer, den Sie ab 9. Juni am Theater Lübeck singen werden. Ist das die letzte große Wagnerrolle, die noch fehlt?
Oliver Zwarg: Nein, ist es nicht. Es fehlen neben dem Hans Sachs, den ich mir bis zum Schluss als Krönung aufbewahren möchte, noch zumindest die szenischen Umsetzungen der Wotane (im Rheingold und der Walküre) und der Wanderer. Übrigens hätte ich diese Rollen zeitgleich mit dem Holländer in Oldenburg singen können. Gerne hätte ich das für mich selber realisieren wollen, aber aus terminlichen Gründen war das leider noch nicht möglich. Auch der Wanderer bei den Maifestspielen in Wiesbaden wurde mir angeboten, passte aber ebenso nicht in meinen Terminkalender.

IOCO im Gespraech / Oliver Zwarg und Patrik Klein © Patrik Klein

IOCO im Gespraech / Oliver Zwarg und Patrik Klein © Patrik Klein

IOCO: Ist es angenehmer eine so wichtige Partie, wie den Holländer, an einem mittelgroßen Opernhaus wie dem Theater Lübeck erstmals zu singen?
Oliver Zwarg: Das lässt sich nicht eindeutig mit „Ja“ beantworten. Bei der Frage nach einer Rolle ist es von großer Bedeutung, dass das „Timing“ stimmt, wann man diese annimmt. Franz Grundheber hat einmal gesagt, dass man die ganz großen Rollen seines Faches nicht vor dem Alter von 45 Jahren beginnen sollte. Da bin ich jetzt genau angekommen. Insofern kommt der Holländer nun gerade recht. Sicherlich ist es auch hierbei angenehmer, wenn man an einem mittelgroßen Haus wie Lübeck debutiert, um sich nicht dem gleichen feullitonistischen Druck auszusetzen wie dies etwa in München oder Frankfurt wäre.

IOCO: Wie ist Ihr bisheriger Eindruck von den Proben und die Zusammenarbeit mit den Beteiligten und insbesondere mit Regisseurin Aniara Amos?
Oliver Zwarg: Die Zusammenarbeit gestaltet sich sehr angenehm. Ganz besonders auch im Zusammenspiel mit der wunderbaren und bereits erfahrenen Senta der finnischen Sopranistin Miina-Liisa Värelä, die ich schon von einem konzertanten Walkürenwotan kenne. Ich muss mich bei dem Duett mit Senta schon ganz schön strecken, damit ich auf dieses Niveau komme. Bei der Regie durfte ich einen großen Teil meiner gesanglichen, musikalischen Vorstellungen auch szenisch umsetzen, weil es so in das vorgegebene Regiekonzept passt. So viel darf ich verraten: Es geht beim Holländer sehr stark um die Zahl sieben. Die Zahl Sieben ist ja zum einen die uns allen bekannte biblische Zahl (Gott schuf in 7 Tagen die Welt, 7 Todsünden, 7 Wochen Fastenzeit, etc.) Daraus ableitend gibt es sicher in den Märchen ständig die Zahl 7 (Meilenstiefeln, Geißlein, Raben, etc.) Darüber hinaus ist die Sieben die Summe aus 3 (heilige Dreieinigkeit) und der 4 (Himmelsrichtungen, Jahreszeiten oder die vier Elemente. Bei Griechen galten diese als die Grundbestandteile allen Seins). Sentas „Treu bis in den Tod“ war für Frau Amos der Grund Aufhänger zu untersuchen, was in Sentas Biographie schief gelaufen sein muss. Denn diesen Satz richtet sie an ihren Vater… Musikalisch wird der Schluss Wagners mit Erlösung gespielt, den er 1862 nachdem er Tristan komponierte, nachträglich verändert hatte. Es wird spannend für das Publikum.

Hamburgische Staatsoper © IOCO

Hamburgische Staatsoper © IOCO

IOCO: Haben Sie ein „Holländer-Vorbild“?
Oliver Zwarg: In meiner Zeit an der Hamburgischen Staatsoper habe ich viele Male den wunderbaren Franz Grundheber erleben dürfen. Was ich bei ihm besonders interessant finde ist, dass er aus dem Wort denkend und handelnd auf der Bühne agiert und gesanglich gestaltet. Ganz egal wo ich stand und ihm zuhörte, entweder im Publikum oder auf der Seitenbühne haben mich z.B. sein Jago fasziniert und zu Tränen gerührt. Klanglich sind für mich Franz Crass und George London ein Vorbild. Besonders die Schwärze der Stimme bei London ist für mich ein Ideal. Als ich damals so davon fasziniert war und es versuchte nachzuahmen, hat mich zum Glück mein Gesangslehrer von weiteren Nachahmungsversuchen abgehalten. (lacht)

IOCO: Am Anfang Ihrer Karriere, während der Festengagements in Hamburg und Hannover haben Sie u. a. viel Mozart gesungen. War Ihnen immer schon klar, dass die großen Heldenbaritonrollen bei Strauss und Wagner einmal im Zentrum des Repertoires stehen werden?
Oliver Zwarg: Instinktiv und unterbewusst „Ja“. Als junger Sänger mit 26 Jahren habe ich das irgendwie gespürt, das ist mal meins. Auch, obwohl ich Salome noch gar nicht richtig kannte, war mir klar, dass es irgendwann einmal der Jochanaan wird. Andere Rollen wie Orest, Barak, Wotan oder Sachs sind nach und nach in mir „entstanden“. Man hat immer seine „Lieblinge“ wie Abschied, Fliedermonolog oder erster Auftritt Orest ein bisschen gesungen… Und irgendwann kamen dann ja auch die Angebote dafür!

Richard Wagner Bueste in Bayreuth © A. Schneider

Richard Wagner Bueste in Bayreuth © A. Schneider

IOCO: In welcher Reihenfolge haben Sie die großen „Brocken“ Ihres Repertoires erarbeitet? War diese Reihenfolge gut und richtig oder haben Sie manche Partien zu früh angesetzt?
Oliver Zwarg: Das ist eine schwierige Frage, die ich nicht eindeutig mit ja oder nein beantworten kann. Vielmehr ist es ein Prozess. Es gibt ja manchmal Jahre, wo alles Mögliche gleichzeitig auf einen einwirkt. 2010 sang ich zum ersten Mal Amonasro und den Smee in Der Schmied von Gent (Schreker). Das ist ein „kleiner Hans Sachs“. Im selben Jahr sang ich erstmals Jochanaan und alle drei Alberiche. Zudem war ich Cover als Orest bei den Salzburger Festspielen. Das war einfach unter dem Strich zu viel. Der Alberich in Köln zum Beispiel war ein so großer Erfolg, das Adrenalin hat mich damals geradezu nach vorne katapultiert. Das lässt sich aber nicht eine ganze Spielzeit durchhalten.

IOCO: Wie ist das Gefühl für Sie, umjubelt von 1000 oder mehr Zuhörern auf der Bühne beim Applaus zu stehen?
Oliver Zwarg: Ja, das ist ein Gefühl, das durch nichts Schöneres zu ersetzen ist. Vielleicht noch die Geburt des eigenen Kindes zu erleben. Damals in Köln oder auch bei einem konzertanten Pelléas in Amsterdam habe ich auf der Bühne gestanden und mir liefen die Tränen. Sowas treibt dann auch an.

IOCO: Als Hamburger sind Sie ständig unterwegs in ganz Europa und singen und spielen die Rollen in Ihrem Fach. Wie bekommt man das alles unter einen Hut?
Oliver Zwarg: Das ist nicht leicht. Das Leben aus dem Koffer und nebenbei noch ein guter Familienvater zu sein ist eine große Herausforderung. Bei bestimmten Terminhäufigkeiten versuche ich das so zu lösen, indem ich Ausgleichszeiten schaffe. Bei einer Terminfülle wie in 2010, wenn ich bis zu 3 Monaten nicht zu Hause bin, muss auch manchmal die Familie wenn möglich mitkommen. Das ist alles nicht ganz einfach, weil meine Frau ja im Chor der Hamburgischen Staatsoper singt. Wenn diese Ausgleichszeiten dann gelingen, widme ich mich unserem Haus in Hamburg, wo etliche Umbaumaßnahmen anstehen und für mich Zeit zum Abschalten entsteht.

IOCO: Wie darf man sich Ihre Arbeit beim Einstudieren neuer Partien vorstellen? Sind Sie ein Autodidakt mit Repetitor oder haben Sie einen Gesangslehrer? Wie lief das beim Holländer?
Oliver Zwarg: Ich bin jemand, der mit neuen Rollen immer zum Repetitor geht, weil ich nichts falsch einstudieren möchte. Man kann sich schnell ein falsches Intervall oder einen falschen Rhythmus aneignen. Wenn es sich irgendwie einrichten lässt, gehe ich auch zumindest für ein, zwei Tage zu einem Gesangslehrer, um u.a. die Technik noch einmal zu überprüfen. In meiner Laufbahn waren das verschiedene Lehrer wie z.B. Marianne Spiecker, Julia Hamari, Carl Davis oder Rudolf Piernay.

Oliver Zwarg © Oliver Zwarg

Oliver Zwarg © Oliver Zwarg

IOCO: Sie haben am Anfang unseres Gesprächs gesagt, dass der Hans Sachs auf Sie wartet. Wie lange Vorbereitungszeit bedeutet das?
Oliver Zwarg: Mindestens zwei Jahre bis zum erstmaligen Probieren auf der Bühne. Die Rolle ist wohl die längste, die es in der Literatur gibt. Von fünf Stunden Musik in den Meistersingern hat Hans Sachs fast die Hälfte der Zeit zu singen. Dann gibt es extrem viele Stellen, die man philosophisch sehr unterschiedlich deuten und interpretieren kann. (Oliver Zwarg singt musikalische Passagen in unterschiedlichen Facetten und zitiert Faust klassisch und in moderner Regie, um die Unterschiede einer Interpretation zu verdeutlichen). Das Erlernen braucht unglaublich viel Zeit und Geduld.

IOCO: Wo liegen die Schwierigkeiten der Partie?
Oliver Zwarg: Der Hans Sachs ist eine unglaubliche Konditionsaufgabe. Man darf die Stimme z.B. nicht zu breit machen, um am Ende nicht zu müde zu werden. Dann bräuchte es gute Nerven, um am Ende einen Rettungsanker zu finden, der einen durch die Partie bringt. Konkret heißt das, dass man beim Streit mit Beckmesser im zweiten Akt nicht übertreiben darf und den Weg ins Lyrische im dritten Akt wieder zurückfinden muss. Bei der Ansprache des Hans Sachs muss immer wieder in der Passaggio-Lage, also dem Grenzbereich zwischen Brust- und Kopfstimme gesungen werden. Hier ist eine besonders kluge Mischung aus diesen beiden Bereichen notwendig. Das ist einfach unglaublich schwer.

IOCO: Gibt es nach dem Sachs noch ganz große Partien, die Sie gerne singen würden?
Oliver Zwarg: (überlegt) Alle großen Strausspartien sind durch, aber ich würde schon gerne noch einmal den Jochanaan singen, den ich zuletzt vor sieben Jahren sang. Meine Stimme hat sich seitdem weiterentwickelt. Aber grundsätzlich sind  unter anderem Elektra, Ring des Nibelungen, Frau ohne Schatten  große Meisterwerke, weil sie nie langweilig werden. Jede Beschäftigung damit bringt wieder Neues zum Vorschein. Deshalb gerne alles wieder. Immer wieder! Ferner fehlt mir noch in meinem Repertoire der Prus in Janaceks Die Sache Makropulos. Diese Rolle finde ich neben dem Förster in Janaceks Füchslein besonders schön. Falstaff und Jago würden noch auf meiner Wunschliste stehen, aber ich mache mir da keine Illusionen. International werde ich da wohl nicht berücksichtigt werden!

IOCO: Welches sind die Partien, gleich ob groß, mittel oder klein, die Ihnen besonders am Herzen liegen?
Oliver Zwarg: Eine der größten Opern in der Geschichte ist für mich Mozarts Don Giovanni. Meine Lieblingsrolle ist der Leporello für mich gewesen und steht immer noch ganz oben in meiner Beliebtheitsskala. In den Jahren 2001 bis 2009 habe ich den Leporello in Hannover und Stuttgart sehr oft gesungen.

IOCO: Welche Partien würden Sie gerne oder kann man in Ihrem Fach bis in hohe Alter singen?
Oliver Zwarg: Das zeigt Franz Grundheber ja gerade mit seinem Barak in Leipzig, dass das sehr abhängig von der Technik ist und bis ins hohe Alter funktionieren kann, wenn man nicht zu früh mit dramatischen Partien begonnen hat. Ferner kann man beispielsweise den Dikoj aus Katia Kabanowa oder den Musiklehrer aus Ariadne auf Naxos spät singen. Dazu die ganzen sogenannten „Alterspartien“. Da sind wir Männer ja wirklich gesegnet!

IOCO: Sie sprechen häufiger davon, wie wichtig der familiäre Rückhalt für die Arbeit ist. Können Sie uns ein wenig von Ihrem Privatleben preisgeben?
Oliver Zwarg: Ich habe zwei Töchter im Alter von 14 und 11 Jahren und eine tolle Frau, die ein wenig älter ist als ich (lacht). Ich bin sehr froh darüber, eine so ergänzende, wunderbare und auch immer mal mich wieder erdende Familie zu haben. Dann haben wir noch unser altes Haus, das jedes Jahr im Sommer zu einem Paradies mit persönlichen Inseln der Selbstverwirklichung wird.

IOCO: Werden Ihre Töchter auch eine Musikerlaufbahn einschlagen wollen? Würden Sie sie dabei unterstützen?
Oliver Zwarg: Grundsätzlich würde ich meine Kinder in Allem unterstützen sofern das ihrer Entwicklung förderlich ist. Wenn eine meiner Töchter z.B. sagen würde, dass sie Schauspielerin werden möchte, dann ist das okay. Was ich nicht schätze, ist alles Mögliche für kürzeste Zeit auszuprobieren und wieder zu verwerfen. Eine Zeit lang erwarte ich hier jedenfalls den Ehrgeiz, eine Sache durchzuziehen. Die Ältere nimmt derzeit Gesangsunterricht und die jüngere Tochter spielt Gitarre. Beide begleiten mich und meine Frau auch häufig in die Oper.

IOCO: Wie sehr und in welche Richtung hat sich das Sängerleben in den 20 Jahren Ihrer Karriere verändert?
Oliver Zwarg: Hier gibt es durch den seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Druck enorme Kürzungen in den Etats der Opernhäuser. Seit über 2 Jahren gibt es zumindest einen Gehaltsstillstand für die meisten Sängerinnen und Sänger. Die Spesen, wie Unterkunft und Reisekosten müssen von den Gagen bezahlt werden. Es ist nicht zynisch gemeint, wenn ich davon spreche, dass wir in vielleicht 30 Jahren keine Opernlandschaft, wie wir sie heute in Deutschland kennen, haben werden. Dann könnte diese sich so gestalten, wie derzeit in Italien oder Spanien. Ein Grund dafür ist die meiner Meinung nach nicht vorhandene Priorität von Musik und Kunst in der Bildungspolitik an unseren Schulen.

IOCO: Würden Sie gerne die Erfahrungen an junge Sänger von heute weitergeben?
Oliver Zwarg: Das tue ich gerne, aber im heutigen System der Hochschulen ist das nicht ohne Weiteres unproblematisch. Ähnlich wie bei der Bildungspolitik sind hier viele unterschiedliche Bewertungskriterien vorhanden, dass es schon sehr gut passen müsste, wie zum Beispiel bei einer guten Ehe.

IOCO: Wann darf Ihre Hamburger Fangemeinde wieder mit einem Auftritt auf der Bühne der Hamburgischen Staatsoper rechnen, wo Sie in der Vergangenheit im Opernstudio engagiert waren und einige Partien wie z.B. den Wurm in Verdis Luisa Miller gegeben haben?
Oliver Zwarg: Wenn es nach mir ginge, würde ich so schnell als möglich wieder an der Hamburgischen Staatsoper singen wollen. Das Haus bietet eine solche Fülle an Möglichkeiten, auf die ich mich freuen und die ich glaube ich gut ausfüllen würde.

IOCO: Herr Zwarg, Danke für das Gespräch und alles Gute zunächst für die Premiere in Lübeck nächste Woche und Ihre künstlerische wie private Zukunft.

Biografie 
Oliver Zwarg, 1971 in Bergisch Gladbach geboren, ist in Norddeutschland aufgewachsen. Er studierte Geschichte, Erziehungswissenschaften und Musik, ehe er ein Studium an der Opernschule in Stuttgart bei Carl Davis und Julia Hamari begann. Seine Gesangsstudien führten ihn in der Folge zu Rudolf Piernay.
Sein Bühnendebüt hatte er 1997 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen als Nanni in L’infedeltà delusa. Festengagements führten ihn 1999 an das Opernstudio der Hamburgischen Staatsoper und 2001 ins Ensemble der Staatsoper Hannover. Heute ist Oliver Zwarg freischaffend tätig und gastiert in Deutschland u.a. an den Staatstheatern von Darmstadt, Mainz und Wiesbaden, an der Oper Köln, an der Staatsoper Berlin, an der Komischen Opern Berlin, an der Bayerischen Staatsoper, an der Staatsoper Stuttgart sowie im Ausland in Shanghai (Kölner Ring), bei den Wiener Festwochen, den Salzburger Festspielen, den Osterfestspielen Salzburg, im Concertgebouw Amsterdam, beim Edinburgh Festival, beim Lucerne Festival oder an den Opernhäusern von Barcelona, Liège, Strasbourg, Toulouse und Bordeaux. Er hat mit Regisseuren wie Calixto Bieito, Stefan Herheim, Peter Konwitschny oder Jossi Wieler zusammengearbeitet. 2007 wurde er von der Zeitschrift „Opernwelt“ als „Sänger des Jahres“ nominiert.
Zentrales Opernrepertoire sind bei Richard Strauss Jochanaan, Barak, Orest und Musiklehrer, bei Wagner Telramund, Kurwenal, Amfortas & Klingsor, Holländer sowie Wotan und Alberich im Ring, bei Alban Berg Wozzeck sowie Mozarts Leporello und Papageno. Im italienischen Repertoire gehören Scarpia, Jago und Amonasro zu seinen Lieblingsrollen. Große Erfolge hatte er stets mit Golaud in Pelléas et Melisande. Bei den Salzburger Festspielen 2013 war er Fritz Kothner in einer Neuinszenierung der Meistersinger von Nürnberg und Cecco del Vecchio in Rienzi. 2013/14 bringt als Rollendebüts den Förster im Schlauen Füchslein, Pizarro in Fidelio sowie den Fluth in den Lustigen Weibern von Windsor.
Oliver Zwarg verfügt über ein von der Renaissance bis zur Moderne reichendes Konzertrepertoire. Er arbeitete bislang u.a. mit den Berliner und Wiener Philharmonikern, dem Gürzenich Orchester Köln, dem NDR Sinfonieorchester oder dem Orchestre National du Capitole Toulouse zusammen. Bei cpo erschien im März 2012 Schrekers  Der Schmied von Gent mit Oliver Zwarg in der Titelrolle.

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