München, Bayerische Staatsoper, Andrea Chenier mit Kaufmann + Harteros, IOCO Kritik, 25.03.2017

März 27, 2017 by  
Filed under Bayerische Staatsoper, Hervorheben, Kritiken, Oper

Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper / Andrea Chenier mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Andrea Chenier mit Jonas Kaufmann und Anja Harteros © Wilfried Hösl

 „Leben in Leiden und Umbrüchen“

Andrea Chenier von Umberto Giordano

Von Daniela Zimmermann

Die Französische Revolution wird oft als Wiege unserer heutigen Demokratie gefeiert. Doch der Umsturz der damaligen Machtverhältnisse war eine „normale“ Revolution: Brutal, mörderisch und oft ungerecht. Lange hatten geknechtete Untertanen die Willkür der Oberschicht, meist des Adels, ertragen. In diese Zeit des absoluten, gnadenlosen Umsturzes führt uns die Oper Andrea Chenier von Umberto Menotti Maria Giordano (1867 –1948), welche erstmals an der Bayerischen Staatsoper aufgeführt wurde.

Regisseur Philipp Stölzl, als Filmregisseur bekannt, nutzt in seiner Inszenierung die vielseitigen Gestaltungsmöglichkeiten des Films. Stölzl und Heike Vollmer (Bühnenbild) teilen die Bühne in vier neben- wie übereinander angeordnete Segmente, mit sich teilenden Räumen, einem wuseligen  überdimensionierten Puppenhaus ähnlich, dessen Bewohner in historisch üppigen Kostümen (Anke Winkler) beständig und in vielen Facetten das grausame Leben in der Zeit der Revolution, das Morden und Quälen, sehr konkret abbilden.

Bayerische Staatsoper / Andrea Chenier © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Andrea Chenier © Wilfried Hösl

Das erste Bild führt uns Luxus wie Elend der Vor-Revolutionszeit vor Augen. Oben im Schloss, ganz in buntem Rokokoambiente, tanzt ausgelassen die adelige Oberschicht eine Gavotte. Unter ihnen schuftet das einfache Volk in dunklen Räumen. Der Dichter Andrea Chenier (Jonas Kaufmann) gerät in die adlige Gesellschaft. Doch mit Gedichten auf die Liebe und der Sympathie für die Unterdrückten fühlt er sich dort deplatziert

Maddalena (Anja Harteros) die sensibel, verträumte Tochter der Gräfin von Coigny (Doris Soffel), empfindet scheue Wärme für Chenier, sie verliebt sich in ihn. Doch auch Carlo Gerard (Luca Salsi), der von den Gedanken der Revolution radikal erfasste Diener der Gräfin Coigny empfindet für Maddalena. Carlo Gerard ist das grausame Gesicht der Revolution: verliebt in Maddalena, eifersüchtiger Rivale von Andrea Chenier; vor keiner Gewalt zurückschreckend, um Maddalena zu gewinnen; im Dunkel der Pariser Kanalisation duelliert sich Gerard mit Chenier. Allein Maddalenas standhafte Liebe zu Chenier, überzeugt Gerard von ihr abzulassen. Er ändert seine Meinung und versucht Chenier, vor dem Tribunal zu verteidigen, leider vergebens. Das Volk will Cheniers Tod.

Bayerische Staatsoper / Andrea Chenier - L. Salsi A. Harteros © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Andrea Chenier – L. Salsi A. Harteros © Wilfried Hösl

Spannend stellt Stölzl den Erfolg der Revolution in seinen Bildern dar: Oben herrscht jetzt das Volk; unten wird der verarmte Adel vertrieben, gefoltert, getötet.  Auch Andrea Chenier wird inzwischen von der Revolution verfolgt, die Liebe zu Maddalena läßt ihn bleiben, er wird verhaftet und zum Tode verurteilt. Maddalena folgt traumatisiert wie liebend Andrea Chenier in den Tod; beide enden unter der Guillotine.

Dieser Abend bescherte dem Publikum eine außerordentliche Stimmenpracht. Allen voran Jonas Kaufmann, wieder voll genesen, lässt seine kräftige, wohl timbrierte Tenorstimme warm, mit großer Strahlkraft und Leidenschaft erklingen. Keine Spur der,  in vermeintlichen „Fachkreisen“ so merkwürdig intensiv, nahezu innig diskutierten Stimmkrise war zu erkennen. Die Partie des leidenden, liebenden und stolzen Dichters Andrea Chenier stellt Kaufmann überzeugend und differenziert dar.

Bayerische Staatsoper / Andrea Chenier - J. Kaufmann A. Harteros © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Andrea Chenier – J. Kaufmann A. Harteros © Wilfried Hösl

Anja Harteros als Maddalena glänzt mit reiner Sopranstimme voller Lyrik und Melancholie, wie auch mit dramatischer Wucht; sie singt mit spürbar großen Gefühlen. Zart beginnt sie ihre große Arie „La mama morta“, um dann zum Ende das Publikum mit wunderbarer Intensität zu beeindrucken. Den Leiden der Maddalena gibt ihre Stimme spürbaren Ausdruck, ist gemeinsam mit Jonas Kaufmann gefeierter Star des Abends.

Im dramatischen Beziehungsdreieck mit Chenier und Maddalena agiert Luca Salsi als Carlo Gerard als gieriger wie liebender Revolutionsfunktionär. Mit kräftigem,  sinnlichem Bariton, ist er ebenfalls gefeierter Sänger dieser Vorstellung.

Die weiteren Partien der Produktion sind ebenfalls blendend besetzt. Omer Meir Wellber dirigierte das  Bayerische Staatsorchester mit viel Enthusiasmus trotzdem sensibel, differenziert und gibt somit den Solisten wie auch dem Chor großen Raum zu musikalischer Entfaltung.

Andrea Chenier im Nationaltheater München: Eine ungewöhnlich vielschichtige Inszenierung die das Grauen der französischen Revolution, von einem starken Ensemble wunderbar auf die Bühne der Bayerischen Staatsoper gebracht.

Der stürmische Beifall des  Publikums wollte nicht enden.

Andrea Chénier an der Bayerischen Staatsoper, München: Weitere Vorstellungen 30.3.2017, 2.4.2017, 28.7.2017, 31.7.2017

Wiesbaden, Hessisches Staatstheater, Premiere: ELEKTRA von Richard Strauss, 28.01.2016

wiesbaden_logo.jpg

Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Hessisches Staatstheater Wiesbaden © Martin Kaufhold

Premiere: ELEKTRA  von Richard Strauss (1864 – 1949)

Tragödie in einem Akt | Libretto: Hugo von Hofmannsthal, nach der Tragödie von SophoklesUraufführung: 1909 in Dresden

Premiere am Do, 28.01.2016 19:30, GROSSES HAUS, Weitere Vorstellungen:  So, 31.01.2016, 19:30, Mi, 03.02.2016, 19:30, Sa, 06.02.2016, 19:30 So, 14.02.2016, 19:30

Das »dämonische, ekstatische Griechentum des 6. Jahrhunderts« wollte Richard Strauss mit seiner Oper Elektra nach dem alten griechischen Mythos heraufbeschwören und »Winkelmannschen Römerkopien und Goethescher Humanität« entgegenstellen. Er brauchte alle seine »Steigerungskraft«, um nach seinem Jahrhundertwerk Salome von Oscar Wilde zum ersten Mal ein genialisches Textbuch Hugo von Hofmannsthals in Musik zu setzen, erneut eine große Frauengestalt auf die Bühne zu bringen.

Der griechische Mythos aus Homers Ilias wurde zuerst von Sophokles für die Bühne bearbeitet. Die Librettoversion Hofmannsthals von 1903 spitzt den Stoff um die Hysterieforschung von Freud, die Aggressionen der Vorzeit des kommenden Weltkriegs und den Untergang des Habsburgerreichs Österreich zu. Richard Strauss führt ein bis aufs Äußerste gespanntes großes Orchester in die Klänge der Moderne, ohne die Tonalität und das Melos zu verlieren. Dieses Werk am Beginn des 20. Jahrhunderts steht für alles Folgende, aber auch für eine untergegangene Welt, die wir in uns tragen.

Musikalische Leitung Zsolt Hamar, Inszenierung & Bühne Rebecca Horn
Kostüme Amélie Haas, Licht Klaus Krauspenhaar
Chor Albert Horne, Dramaturgie Bodo Busse

BESETZUNG:
Elektra: Catherine Foster, Klytämnestra: Dalia Schaechter, Doris Soffel
Chrysothemis: Erika Sunnegardh, Emily Magee, Orest: Young Doo Park
Ägisth: Aaron Cawley, Der Pfleger des Orest: Wolf Matthias Friedrich
Die Vertraute: Petra Urban, Die Schleppträgerin: Ines Behrendt
Ein junger Diener: Benedikt Nawrath
Ein alter Diener: Monte Jaffe
Die Aufseherin: Ruth Staffa
Mägde: Silvia Hauer, Marta Wryk, Celeste Haworth, Stella An, Katharina Konradi
Chor & Statisterie des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden, Hessisches Staatsorchester Wiesbaden

Pressemeldung Hessisches Staatstheater Wiesbaden

Berlin, Berliner Philharmoniker, BBC Proms 2014: Salome, 30.08.2014

August 26, 2014 by  
Filed under Berliner Philharmonie, Pressemeldung

philharminie_berlin.jpg

Berliner Philharmoniker

BBC Proms 2014: Salome

Zu Gast bei den BBC Proms 2014 in der Royal Albert Hall, London

Am Samstag, 30. August, wird (mit Vorab-Interviews ab 20 Uhr) die SALOME -Aufführung unter Leitung von GMD Donald Runnicles aus der Royal Albert Hall in London im Programm „ARD-Radiofestival“ live auf RBB-Kulturradio – und bundesweit auf den jeweiligen Kulturprogrammen – ausgestrahlt. Konzertbeginn ist 20.30 Uhr.

SALOME:   Musikdrama in einem Aufzug  von Richard Strauss nach Oscar Wilde
in der Übersetzung von Hedwig Lachmann, Uraufführung am 9. Dezember 1905

Unser Ensemble und Orchester auf Reisen: Die konzertante Aufführung von Richard Strauss‚ SALOME in der Royal Albert Hall im Rahmen der BBC Proms in London ist einer der großen Höhepunkte der Feierlichkeiten zum Richard Strauss-Jubiläum 2014. Eigentlich war es Oscar Wildes „Salome“ – ein britisches Theaterstück also –, das dem deutschen Komponisten den ersten Welterfolg auf der Opernbühne bescherte und damit Zeugnis ablegt für die engen kreativen und kulturellen Wechselbeziehungen zwischen Deutschland und dem Vereinigten Königreich am Beginn des 20. Jahrhunderts. Deshalb ist es uns ein besonderes Anliegen, den 2014 zelebrierten 150. Geburtstag Richard Strauss‘ mit ebendiesem Werk zu feiern. Am Pult steht Generalmusikdirektor Donald Runnicles, der als engagierter Verfechter britischer Musik und als begehrter Dirigent für das große deutsche Repertoire diese künstlerisch-fruchtbare Verquickung bis heute in persona repräsentiert. Nina Stemme leiht der judäischen Prinzessin ihre Stimme, Samuel Youn dem Propheten Jochanaan, Burkhard Ulrich und Doris Soffel singen Herodes und Herodias.

 Philharmonie Berlin –  Karten schnell und sicher Hier!
Karten Kaufen

Pressemeldung Berliner Philharmoniker

Leipzig, Oper Leipzig, Premiere – DIE FRAU OHNE SCHATTEN, 14.06.2014

Juni 13, 2014 by  
Filed under Oper Leipzig, Premieren, Pressemeldung

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Adreas Bikigt

Oper Leipzig © Adreas Bikigt

 DIE FRAU OHNE SCHATTEN von Richard Strauss


Zum 150. Geburtstag Richard Strauss‘ gratuliert die Oper Leipzig mit der Neuproduktion seines Hauptwerkes „DIE FRAU OHNE SCHATTEN“.

Oper Leipzig / Die Frau ohne Schatten © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Die Frau ohne Schatten © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Die Frau ohne Schatten © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Die Frau ohne Schatten © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Die Frau ohne Schatten © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Die Frau ohne Schatten © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Die Frau ohne Schatten © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig / Die Frau ohne Schatten © Kirsten Nijhof

Nach knapp 50 Jahren ist die Oper am SAMSTAG, 14. JUNI, 17 UHR wieder auf der Leipziger Bühne zu sehen. Zuletzt wagte sich Joachim Herz 1965 an dieses Monumentalwerk, das höchste Anforderungen an Sänger und Orchester stellt. Das Gewandhausorchester, in einer der größten Orchesterbesetzungen der Operngeschichte, dirigiert der Hausherr und Strauss-Experte Ulf Schirmer selbst. Die Gesangspartien gehören zu den anspruchsvollsten, die je für die Oper geschrieben worden sind. Diese wurden mit herausragenden Sängern besetzt. Doris Soffel feiert als Amme ihr zehnjähriges Jubiläum mit der Partie. In ihrer Karriere arbeitete sie mit Dirigenten wie Karajan, Sawallisch, Maazel, Mehta, Nagano, Rattle und Barenboim zusammen. In der Partie des Barak wird Thomas J. Mayer zu hören sein. Sein Repertoire besteht  aus allen großen Partien von Strauss, Wagner, Verdi und Mozart. Spektakuläre Rollendebüts werden von Jennifer Wilson als Baraks Frau, Burkhard Fritz als Kaiser und Simone Schneider in der Titelpartie auf der Leipziger Bühne zu hören sein. Die Inszenierung stammt von dem ungarischen Regisseur Balázs Kovalik. Für die Ausstattung konnte Heike Scheele gewonnen werden, die „Die Frau ohne Schatten“ zu einem Bilderrausch aus über 16 unterschiedlichen phantastisch-surrealen Bühnenräumen gestaltete.

Oper Leipzig – Alle Karten Hier :
Karten Kaufen

Pressemeldung Oper Leipzig

Nächste Seite »