Frankfurt, Oper Frankfurt, Capriccio von Richard Strauss, IOCO Kritik, 27.01.2018

Januar 30, 2018 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Capriccio von Richard Strauss 

Eine Caprice, eine Laune mit doppeltem Boden

Von  Ljerka Oreskovic Herrmann

Die letzte Oper von Richard Strauss – 1942 mitten im Krieg uraufgeführt – ist eigentlich eine große Verbeugung an seine Librettisten, allen voran an Hugo von Hofmannsthal. Und dass trotz oder weil er sich als Komponist – zusammen mit seinem Dirigentenkollegen Clemens Krauss, der für Capriccio das Libretto schrieb – für die Musik als vorrangige Kunst entscheidet. Denn ein „Konversationsstück“, wie es Krauss nannte, muss zu verstehen sein, sonst nutzt die schöne Musik wenig. Und das Kunstprodukt Oper kann nur aus beiden Künsten bestehen – ein Fazit des Stückes.

youtube Trailer der Oper Frankfurt – Capriccio

Capriccio Laune oder Caprice, in der Musik bezeichnet es ein spielerisches Musikstück mit scherzhaftem Charakter – so hat Strauss sein Werk nicht umsonst genannt: Es geht um die humorvolle Rangordnung der Künste. Er lässt seine Caprice um 1775, als Gluck an der Pariser Oper war, spielen. Brigitte Fassbaender wollte es bei dem Scherzhaft-Spielerischen nicht belassen und einen trivialen Schluss vermeiden. Sie hat nach einem größeren, existentielleren Rahmen gesucht, sich aber eines Sujets angenommen, das, wie sie in der Opernbroschüre schreibt, „weltbewegend oder unumgänglich wichtig“ nicht sei und die Problematik darin bestand, eine Handlung zu kreieren. Sie entschied sich deshalb, das Kriegsjahr 1942 zum Ausgangspunkt ihrer Inszenierung zu machen. Soweit, so gut.

Oper Frankfurt / Capriccio - hier Camilla Nylund als Gräfin Madeleine © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Capriccio – hier Camilla Nylund als Gräfin Madeleine © Monika Rittershaus

Frankreich im zweiten Weltkrieg, als das Land sich in Kollaborateure mit den deutschen Besatzern, und der Résistance, den Gegnern, teilte. Die Stoßrichtung ist mehr als nachvollziehbar, ja geradezu plausibel und suggestiv, aber das Existentielle hätte noch ausgeprägter ausfallen können – oder sollen. Allein zwingend und damit die Handlung vorantreibend ist es somit nicht, denn der Rahmen wird sachte angedeutet und in feinen homöopathischen und sehr feinteiligen Dosen verabreicht. Einerseits ist es zwar durchaus wohltuend, dass es keine martialischen Aufmärsche gibt, andererseits kann dieser Handlungsrahmen all zu leicht übersehen werden, weil er sich in Details verliert. Das besetzte Frankreich ist so weit weg, wie die Entstehungszeit der Oper, nur die Kostüme verorten uns in dieser Zeit. Und die Wahl von Gräfin Madeleine Camilla Nylund ist eine erhabene, jedoch kühle und distanzierte Erscheinung – ist am Ende nicht wirklich eine. Da sie sich für keinen der beiden Künste – verkörpert durch die beiden Männer Olivier und Flamand – entscheiden kann oder will, nimmt sie die Baskenmütze und den Trenchcoat und zieht mit ihren Dienern – ja wohin? – wahrscheinlich zu einem klandestinen Treffen der Résistance. Weshalb es ausgerechnet sie, Angehörige einer Gesellschaftsschicht, die sich mit den deutschen Besatzern in der Regel zu arrangieren verstand, in den Widerstand ziehen soll, wird durch nichts begründet.

Oper Frankfurt /Capriccio - hier Ensemble © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt /Capriccio – hier Ensemble © Monika Rittershaus

Es ist das „Ungefähre“, was die detailreiche und gut geführte Personenregie, (leider) eben doch relativiert. Gräfin Madeleine flüchtet, nicht wie Strauss vor der Wirklichkeit in eine nicht mehr existierende Welt, nein, sie flüchtet aus ihrem Schloss in die Wirklichkeit – so ungefähr. Eine Beschreibung, die Brigitte Fassbaender in einem Interview auf die beiden Künstler gemünzt hat, aber genau das zeichnet ihre Inszenierung aus. Es bleibt im Vagen, obwohl sie die Verankerung ins Kriegsjahr 1942 als ihren Dreh- und eben Angelpunkt sieht. Denn diese Wirklichkeit dringt praktisch kaum in diese wohltemperierte und gut situierte Welt ein, auch wenn die links und rechts aufgebaute an einen Wintergarten erinnernde Gläserfensterfront Durchlässigkeit suggeriert. Nichts deutet auf den Krieg hin, außer dass der Sohn des Haushofmeisters mit Kriegsspielzeug spielt und dass in einer Ecke Koffer und Instrumentenkästen stehen, in denen Waffen versteckt sind, oder sich die Diener mit „Libération“-Plakaten hinter den Glaswänden aufstellen. Es sind behutsamen arrangierte Hinweise auf die Kriegszeit, das Bühnenbild zeugt vom Gegenteil: Schön ist der Theatervorhang, der immer weiter im wahrsten Sinne des Wortes in den Hintergrund gerät und beglaubigen soll, dass es am Ende nicht die schöne Kunst ist, die das Leben ausmacht.

Dieser Vorhang empfängt das Publikum zu Beginn, groß und prächtig schirmt er die Bühne erwartungsvoll ab. Johannes Leiacker, Bühnen- und Kostümbildner dieser Produktion, hat ihn in drei Größen entworfen und holt das Theater ins Theater. Das Publikum blickt, nachdem er sich hebt, auf den Wintergarten eines herrschaftlichen Hauses. Im Hintergrund ist der Vorhang – allerdings in kleinerer Variante – zu sehen und markiert dieses Mal die Bühne im Schloss der Gräfin Madeleine. Ein Tisch, einige Rattansessel, ein Cembalo, ein paar Pflanzen – mehr ist nicht notwendig, um dem Raum Leben einzuhauchen. Am Ende, als die Gräfin alleine – nun im Rokoko-Kleid für einen wunderbaren Moment eine ganze Epoche beschwörend, sie es dann zugunsten des Trenchcoats ablegen wird – auf der leeren Bühne zurückbleibt, ist das Theater bis zur Hinterbühne gerückt. Unwirklich entrückt wirkt es, und auch die Außenwelt bleibt außen vor – in dieses Ambiente wird sie nie Eingang finden, ganz egal, was draußen vor sich gehen mag.

Es sind die Sänger und Sängerinnen, die das Geschehen tragen und Daniel Schmutzhards Dichter Olivier, Alfred Reiters La Roche und Tanja Ariane Baumgartners Clairon stechen mit ihrer klaren Diktion hervor. AJ Glueckert als Flamand gibt einen wunderbar kapriziösen und durchaus verletzlichen Komponisten ab, während Oliviers Verletzungen anderer Natur sind: Er hatte eine Beziehung mit der großen Tragödin Clairon. Der Graf Gordon Bintner spielt den Bruder der Gräfin als einen leicht amüsierten, aber von der Welt unberührten Charakter – liebt die schöne Kunst und bandelt mit ihr – in Person der Clairon – an. Ein weiterer „Anbandler“ ist La Roche, der als gestandener Direktor und Regisseur sein Interesse an der jungen Balletteuse (Katharina Wiedenhofer) ganz ungeniert bekundet, sich dabei als einziger imstande sieht, den Zwist zu beenden und zusammen zu führen: Was wäre die Oper ohne Regisseur, er lässt das Werk erst auf der Bühne lebendig werden – Punkt! Kunst ist schön. Künstler wie das italienische Sängerpaar – Sydney Mancasola und Mario Chang – gehören allerdings nicht dazu, denn nach der Darbietung müssen sie am Katzentisch Platz nehmen, der Kuchen wird ihnen gar nicht erst gereicht, so dass sie ihn selbst „organisieren“. Nachdem fast alle nach Paris gefahren sind, taucht der vermeintlich verschlafene Souffleur, Monsieur Taupe, gespielt von Graham Clark, auf – vielleicht ist er ein Spitzel, der den Ort nun inspiziert. Abschließend seien noch Gurgen Baveyan als Haushofmeister und die wunderbaren acht Diener erwähnt: Isaac Lee, Lukas Eder, Jaeil Kim, Iain MacNeil, Miroslav Stricevic, Jonas Boy, Erik Reinhardt und Thesele Kemane sowie der Sohn des Haushofmeisters: Filip Niewiadomski.

Oper Frankfurt / Capriccio - hier Graham Clark als Monsieur Taupe und Gurgen Baveyan als Haushofmeister © Monika Rittershaus

Oper Frankfurt / Capriccio – hier Graham Clark als Monsieur Taupe und Gurgen Baveyan als Haushofmeister © Monika Rittershaus

Zuverlässig wie immer am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters ist Sebastian Weigle, GMD der Oper Frankfurt und ausgewiesener Strauss-Kenner, der den satten Strauss-Ton pflegt. Doch die Welt der Kultur, der Oper und Dichtung, die Richard Strauss so liebte, diese Welt war nicht erst 1942 dem Untergang geweiht. Ein großer Erfolg für alle Beteiligten, die mit einhelligem Applaus bedacht wurden. Ein interessanter Abend, der lange nachwirkt.

Capriccio an der Oper Frankfurt; weitere Vorstellungen 28.1.; 1.2.; 10.2.; 18.2.2018

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Wien, Theater an der Wien, Neuproduktion Die Zauberflöte von W.A. Mozart, 17.9.2017

September 2, 2017 by  
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Theater an der Wien

Theater an der Wien, Linke Wienzeile © IOCO

Theater an der Wien, Linke Wienzeile © IOCO

DIE ZAUBERFLÖTE von Wolfgang Amadeus Mozart

PREMIERE 17.9.2017, weitere Aufführungen 21. / 23. / 26. / 28. 9. 2017, 19.00 Uhr

Theater an der Wien / Die Zauberflöte - Saison Sujet Zauberflöte Saison Sujet © Emmanuel Polanco

Theater an der Wien / Die Zauberflöte – Saison Sujet Zauberflöte Saison Sujet © Emmanuel Polanco

Das Theater an der Wien besitzt eine ganz besondere Beziehung zu Mozarts Oper Die Zauberflöte. Uraufgeführt wurde das Werk am 30. September 1791 in Wieden, einer damaligen Vorstadt Wiens, im Freihaustheater auf der Wieden. Den Papageno in der Uraufführung spielte Emanuel Schikaneder, welcher nicht nur das Libretto der Oper geschrieben hatte sondern damals auch Leiter des Freihaustheaters war. Der überwältigende Erfolg der Zauberflöte war Grundstein für die Erbauung des Theaters an der Wien, welches 1801 eröffnet wurde. Emanuel Schikaneder war auch hier Mittelpunkt der Entwicklung: Als Bauherr und Impresario des neuen Theater an der Wien, aber auch als Schauspieler, Dichter, Freimaurer, Mozarts Freund. NB: Das Freihaustheater auf der Wieden wurde 1801, im Jahr der Eröffnung des Theater an der Wien, geschlossen, Mozart starb nur drei Monate nach der Uraufführung, am 5. Dezember 1791. Die Zauberflöte, bis heute die populärste Oper weltweit, und das Theater an der Wien haben aus ihrer Geschichte eine eigene, sehr intime Beziehung.

Mozart Denkmal in Bad Reichenhall © IOCO/Gallee

Mozart Denkmal in Bad Reichenhall © IOCO/Gallee

Unter dem Dirigat von René Jacobs musiziert die Neuproduktion am Theater an der Wien die  Akademie für Alte Musik Berlin. Das Sängerensemble wird von Dimitry Ivashchenko als Sarastro, Nina Minasyan als Königin der Nacht sowie Sebastian Kohlhepp als Tamino und Sophie Karthäuser als Pamina angeführt. Papageno ist Daniel Schmutzhard und seine Papagena Katharina Ruckgraber. Es singt der Arnold Schoenberg Chor, Leitung Erwin Ortner.
Für die Inszenierung zeichnet Torsten Fischer mit seinem bewährten Ausstattungsteam Herbert Schäfer und Vasilis Triantafillopoulos verantwortlich, die zuletzt im Oktober 2016 gemeinsam mit René Jacobs die Salieri-Oper Falstaff auf die Bühne des Theater an der Wien brachten.

Musikalische Leitung René Jacobs, Inszenierung & Licht Torsten Fischer, Ausstattung Herbert Schäfer, Vasilis Triantafillopoulos, Choreografie Karl Schreiner, Dramaturgie Herbert Schäfer
Mit:  Sarastro Dimitry Ivashchenko, Königin der Nacht Nina Minasyan, Tamino Sebastian Kohlhepp, Pamina Sophie Karthäuser, Papageno Daniel Schmutzhard, Papagena Katherina Ruckgaber, Der Sprecher Stephan Loges, Monostatos Michael Smallwood, Erste Dame Birgitte Christensen, Zweite Dame Kai Rüütel, Dritte Dame Katherina Magiera, Priester / Geharnischter Florian Köfler, Die 3 Knaben Florianer Sängerknaben, Akademie für Alte Musik Berlin, Arnold Schönberg Chor (Ltg.: Erwin Ortner)

PREMIERE Die Zauberflöte im Theater an der Wien: 17.9.2017, weitere Aufführungen 21. / 23. / 26. / 28. 9. 2017, 19.00 Uhr

Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere Eugen Onegin von Peter Tschaikowski, IOCO Kritik, 04.12.2016

Dezember 5, 2016 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

EUGEN ONEGIN  von PETER I. TSCHAIKOWSKI

„Wir werden gehen, uns küssen, altern…..

Premiere Eugen Onegin war am 20.11.2016, weitere Vorstellungen:  3., 11., 15., 23., 25. (18.00 Uhr), 30. Dezember 2016, 1. (18.00 Uhr) Januar 2017

Nach über 15 Jahren ist nun der russische Klassiker Eugen Onegin wieder in der Oper Frankfurt zu sehen. Überhaupt scheint das Werk gerade „in“ zu sein, denn auch in Wiesbaden und Darmstadt steht es auf dem Spielplan. Alexander Puschkin schuf einen Versroman (1830), der weit über Russland hinaus wirkte und eine aus heutiger Sicht untergegangene Welt einfing. Auch Tschaikowskis Musik (1879 in Moskau uraufgeführt) nimmt die musikalischen Strömungen seiner Epoche auf – ob es das leitmotivische Begleiten seiner Protagonistin Tatjana oder die damals erwünschte Besinnung auf das russische Volksliedgut ist.

 Frankfurt / Oper Frankfurt_Eugen Onegin_Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

Frankfurt / Oper Frankfurt_Eugen Onegin_Tatiana und Onegin © Barbara Aumüller

Ein riesiges Mural – an Sowjetzeiten erinnernd – teilt die Bühne (Katja Haß) in ein davor und dahinter (Haus, Garten der Larins, Ballsaal in St. Petersburg), die Kostüme sind grau, postsowjetisches Russland, in dem der orthodoxe Pope wieder selbstverständlicher Teil der Gesellschaft ist. Die beiden ersten Akte bilden eine zeitliche Einheit auf dem Landgut der Familie Larin, in die Eugen Onegin sich arrogant gebend hineingerät. Der dritte Akt, Jahre später im Ballsaal des Fürsten Gremin in St. Petersburg, zeigt ihn als einen Zuspätgekommenen, was fast Gorbatschows Satz evoziert: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. So jedenfalls legt es die Konzeption von Jim Lucassen nahe, der krankheitsbedingt nicht weitermachen konnte. Seine Assistentin Dorothea Kirschbaum führte die Regiearbeit fort und zeigt uns Eugen Onegin als einen Außenstehenden, nie dazugehörend und doch präsent, während Tatiana musikalisch und dramaturgisch die zentrale Figur bleibt.

„Wir werden gehen, uns küssen, altern…“, steht in kyrillischer Schrift über dem Bühnenportal – doch auf das „Wie“ kommt es an! In dieser Hinsicht ist Tatiana, inzwischen Fürstin, Onegin voraus. Sie weist ihn nicht allein aus Pflichtgefühl zurück, sondern auch weil sie weiß, dass man aufrichtige Gefühle nicht mit Füßen tritt, ihr Mann eben solche für sie empfindet und dafür Respekt verdient. Onegin dagegen hat zweimal „wahres Lieben“ zerstört: Bei seinem Freund Lenski, der sich vielleicht in die falsche, da flatterhafte Olga ernsthaft verliebt, als er diesen grundlos – mit Olga flirtend – provoziert und letztendlich im Duell grundlos tötet. Und bei Tatiana, die von seiner kalten Zurückweisung in ihrem Innersten für immer erschüttert zurückgelassen wird. Onegin hat keinen Sinn für die Gefühle der anderen, er erkennt zwar Tatianas Größe, nicht aber die Größe ihres Herzens. Am Ende, wenn sich das Gitter – das sich im ersten Bild öffnet – wieder schließt, bleibt er räumlich wie emotional außen vor.

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Mario Chang als Lenski © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Mario Chang als Lenski © Barbara Aumüller

Tatiana ist auch die Figur, der sich der russische Komponist am meisten verbunden fühlte. Ihr hat er die schönste Musik geschrieben, wie die berühmte Briefszene, in der sie sich zu ihrer Liebe für Onegin bekennt. Wohl auch deshalb hat Tschaikowski sein Werk mit „Lyrische Szenen“ überschrieben. Die intimen Momente kontrastiert er mit großem Chor wie bei der Namenstagfeier zu Ehren Tatianas und im Ballsaal des Fürsten Gremin. Der Wechsel von innerlichen zu großen Gefühlsausbrüchen – besonders prägnant kurz vor dem Streit und Duell von Lenski und Onegin – gelingt dem Orchester unter der Leitung von GMD Sebastian Weigle mühelos, insbesondere auch, weil er all zu viel Pathos meidet. Der ausdrucksstarke Chor (Leitung: Tilman Michael) ist nicht bloß „russische Masse“, sondern Agent und Zuschauer gleichermaßen.

Oper Frankfurt / Eugen Onegin - Ensemble und Chor © Barbara Aumüller

Oper Frankfurt / Eugen Onegin – Ensemble und Chor © Barbara Aumüller

Die wichtigste Leistung und damit Anerkennung gebührt aber dem Sängerensemble (bis auf zwei Gastsänger alles Mitglieder der Oper Frankfurt), weil es den Regie-Wechsel tragen konnte und dafür vom Publikum mit großem Applaus bedacht wurde: Barbara Zechmeister (Larina, Gutsbesitzerin), Sara Jakubiak (Tatiana, Larinas Tochter), Judita Nagyová (Olga, Larinas Tochter), Elena Zilio (Filipjewna, Amme), Daniel Schmutzhard (Eugen Onegin) Mario Chang (Lenski), Robert Pomakov (Fürst Gremin), Dietrich Volle (Saretzki), Daniel Miroslaw (Hauptmann) und Peter Marsh (Triquet, ein Franzose) sowie die beiden Tänzer Sandra Stuy und Olaf Reinecke.  Von Ljerka Oreskovic Herrmann

Premiere Eugen Onegin am 20.11. 2016, Weitere Vorstellungen: 3., 11., 15., 23., 25. (18.00 Uhr), 30. Dezember 2016, 1. (18.00 Uhr) Januar 2017

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Frankfurt, Oper Frankfurt, Premiere EUGEN ONEGIN von Peter Tschaikowski, 20.11.2016

November 7, 2016 by  
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Oper Frankfurt

Oper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCOOper Frankfurt inmitten des Finanzzentrums © IOCO

Oper Frankfurt / Mario Chang © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Mario Chang © Barbara Aumueller

EUGEN ONEGIN von Peter Tschaikowski

Lyrische Szenen in drei Akten und sieben Bildern von Peter I. Tschaikowski, Text vom Komponisten und Konstantin S. Schilowski, nach dem Roman (1830) von Alexander S. Puschkin, In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere Sonntag, 20. November 2016, um 18.00 Uhr, Weitere Vorstellungen: 24. November, 1., 3., 11., 15., 23., 25. (18.00 Uhr), 30. Dezember 2016, 1. (18.00 Uhr) Januar 2017

Eugen Onegin von Peter I. Tschaikowski (1840-1893) gilt als erfolgreichstes Werk des Komponisten für das Musiktheater und darüber hinaus als eine der meistaufgeführten russischen Opern überhaupt. Als literarische Vorlage diente Tschaikowskis Handlungsentwurf, den sein Freund Konstantin S. Schilowski Anfang 1877 zum Libretto formte, der in Russland ungeheuer populäre gleichnamige Versroman von Alexander S. Puschkin (1830). Die Gattungsbezeichnung „lyrische Szenen“ spiegelt den – im Gegensatz zum damals vorherrschenden Opernstil – gefühlsbetonten Grundton der Komposition. Die Chöre bringen dagegen die nationale Note ein, während Tänze wie Mazurka und Polonaise der Zeit der Handlung verpflichtet sind. Auf Tschaikowskis Wunsch fand die Uraufführung am 29. März 1879 in kleinem Rahmen am Moskauer Maly-Theater statt; der große, später auch internationale Erfolg des Werkes stellte sich allerdings erst 1884 nach der Aufführung am Petersburger Bolschoi-Theater ein.

Russland in den 1820er Jahren: Tatiana, die empfindsame Tochter der Gutsbesitzerin Larina, verliebt sich in den abgeklärten Dandy Eugen Onegin, den ihr Lenski, der Verlobte ihrer lebenslustigen Schwester Olga, vorstellt. In einer zentralen Stelle der Oper schreibt die schüchterne Tatiana einen Brief, in dem sie dem Angebeteten ihre Liebe offenbart. Doch Onegin erklärt ihr kühl, dass er nicht für die Ehe geschaffen sei. Gelangweilt von der Atmosphäre in der Provinz macht er Olga schöne Augen und erregt so die Eifersucht seines Freundes Lenski. Der Streit mündet in ein Duell, das Lenski nicht überlebt.

Oper Frankfurt / Daniel Schmutzhard © Barbara Aumueller

Oper Frankfurt / Daniel Schmutzhard © Barbara Aumueller

Onegin flieht vor seiner Schuld und entdeckt zu spät seine Gefühle für Tatiana.

Die musikalische Leitung liegt bei Generalmusikdirektor Sebastian Weigle, für den die Frankfurter Saison 2016/17 am 16. Oktober 2016 mit Flotows Martha begann. Aus gesundheitlichen Gründen mu sste inmitten der Proben der holländische Regisseur Jim Lucassen die Arbeit abrupt niederlegen. Die Regieassistentin und Regisseurin Dorothea Kirschbaum übernimmt dankenswerterweise die weitere Einstudierung. Das ursprüngliche Regiekonzept wird fortgeführt. Vorwiegend aus dem Frankfurter Ensemble stammt die Besetzung: Bariton Daniel Schmutzhard (Eugen Onegin) war hier kürzlich noch als Escamillo in Bizets Carmen zu erleben. Eine neue Facette seines Könnens präsentiert der vorwiegend im italienischen Fach beheimatete Tenor Mario Chang (Lenski). Nach ihrem überwältigenden Erfolg als Marta in Weinbergs Die Passagierin verkörpert Sara Jakubiak die Tatiana an der Seite von Judita Nagyová (Olga) und Barbara Zechmeister (Larina). Die italienische Mezzosopranistin Elena Zilio ist eine Grand Dame des Opernbetriebes und hat in ihrer langen Karriere an vielen wichtigen Häusern gastiert. Die Partie der Filipjewna führte sie jüngst auch an die Bayerische Staatsoper. Der kanadische Bass Robert Pomakov (Fürst Gremin) singt regelmäßig an den renommierten Bühnen Nordamerikas, darunter auch die New Yorker Met.

Musikalische Leitung: Sebastian Weigle, Regie: Dorothea Kirschbaum, Konzeption: Jim Lucassen, Bühnenbild: Katja Haß, Kostüme: Wojciech Dziedzic, Licht: Joachim Klein, Chor: Tilman Michael, Choreografie: Olaf Reinecke, Dramaturgie: Norbert Abels, Larina,

Gutsbesitzerin: Barbara Zechmeister, Tatiana, Larinas Tochter: Sara Jakubiak
Olga, Larinas Tochter: Judita Nagyová / Maria Pantiukhova (ab 23. Dezember 2016)
Filipjewna, Amme: Elena Zilio, Eugen Onegin: Daniel Schmutzhard / Gordon Bintner (ab 23. Dezember 2016), Lenski: Mario Chang, Fürst Gremin: Robert Pomakov, Ein Hauptmann: Daniel Miroslaw, Saretzki: Dietrich Volle / Barnaby Rea (ab 23. Dezember 2016)
Triquet, ein Franzose: Peter Marsh / Michael McCown (ab 23. Dezember 2016)
Chor und Statisterie der Oper Frankfurt; Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Oper Frankfurt, Eugen Onegin: Premiere Sonntag, 20. November 2016, um 18.00 Uhr,
Weitere Vorstellungen: 24. November, 1., 3., 11., 15., 23., 25. (18.00 Uhr), 30. Dezember 2016, 1. (18.00 Uhr) Januar 2017, Falls nicht anders angegeben,  Beginn 19.30 Uhr. PMOFFM

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