Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2017, Der Ring des Nibelungen – Castorf Ring, IOCO Kritik, 19.08.2017

August 18, 2017 by  
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Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Festspielhaus Bayreuth © IOCO

Bayreuther Festspiele

Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner

In Castorfs Kopf : Grandioses Scheitern einer humanistischen Hoffnung

Von Hanns Butterhof

Im nun fünften und letzten Jahr des von Frank Castorf inszenierten Ring des Nibelungen Bühnenfestspiels von Richard Wagner weiß das Publikum, worauf es sich einlässt. Es bleibt aber skeptisch, ob sich durch Heutiges ebenso schlüssig vom Ewigen erzählen lässt, wie es umgekehrt gängig ist.

DAS RHEINGOLD

Das „Rheingold“ führt also in das Amerika der 60er Jahre. Auf der Drehbühne des Festspielhauses hat Aleksandar Denic das heruntergekommene „Golden Motel“ an der Rückseite einer schmuddeligen Tankstelle an der Route 66 gebaut. So wenig Anfang war nie, hier ist alles schon kaputt. Im Hinterhof mit einem Swimmingpool als Rhein-Zitat hängen die etwas nuttigen Rheintöchter (Stephanie Houtzeel, Wiebke Lehmkuhl, Alexandra Steiner) ihre Unterwäsche zum Trocknen auf, lassen aber den schmierigen Betreiber der Tankstelle, Alberich (Albert Dohmen), nicht ran. Der entsagt daraufhin der Liebe ganz und wendet sich, wenn auch erst im Rahmen seines Gewerbes, ganz dem Gewinn der finanziellen Weltherrschaft zu.

Bayreuther Festspiele / Rheingold - Rheintöchter und Alberich © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Rheingold – Rheintöchter und Alberich © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Der pomadige Obergangster Wotan (Iain Paterson) betreibt das Motel. Für die Drecksarbeit hat er seine Leute wie den listigen Strategen Loge (Roberto Saccá) oder die energischen Handwerker Fasolt (Günther Groissböck) und Fafner (Karl-Heinz Lehner). Als Wotan sie um ihren Lohn, seine Schwägerin Freia (Caroline Wenborne), prellen will, schlagen sie ihm so lange die Fenster ein, bis er sie widerwillig herausrückt. Loge überredet nicht nur die beiden, statt Freias mit dem Gold Alberichs Vorlieb zu nehmen. Er führt auch Wotan in die Tanke Alberichs, der stellvertretend für alle geknechtet schuftenden Nibelungen seinen Bruder Mime (Andreas Conrad) und den Barkeeper (Patric Seibert) malträtiert. Ihm zwingt Wotan alles Gold, das nun holzscheitartig im Pool treibt, mitsamt einer Tarnkappe und einem aus dem Rheingold geschmiedeten, die Weltherrschaft ermöglichenden Ring ab, den Alberich daraufhin voll Wut und Leid verflucht.

Bayreuther Festspiele / Rheingold - Das Golden Motel und Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Rheingold – Das Golden Motel und Ensemble © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Die Wirkung des Fluchs zeigt sich gleich nach dem in Wildwestmanier mit gezogenem Colt vollzogenen Tausch Freias gegen das Alberich-Gold samt Tarnkappe und Ring: Der gefühlsarme Fafner erschlägt seinen eher der Freia zugeneigten Bruder Fasolt, und von da an gilt Wotans Sorge nur noch dem Rückgewinn des Rings, der ihm die Weltherrschaft sichern soll.

Das kann man so erzählen. Aber es verträgt sich nicht wirklich mit einem Text, der von Göttern, Riesen und Zwergen und dem Bau der Götterburg Walhall handelt. Allerdings hat die Textverständlichkeit in diesem „Rheingold“ schlechte Karten. Die Aufmerksamkeit des Publikums wird permanent von der Handlungs- und Gesangsebene fortgerissen auf Nebenhandlungen, die als bunte Videos aus dem Motel- oder Tankstelleninneren oder als Szene aus Castorfs privatem Film-Gedächtnis auf einer Leinwand auf dem Moteldach eingespielt werden. Einzig Nadine Weissmann als Erda, deren Quicky mit Wotan die hysterisch auffahrende Eifersucht seiner Frau Fricka (Tanja Ariane Baumgartner) nur kurz erregt, vermag sich gegen die Assoziations- und Bilderflut Castorfs und seiner Video-Künstler Andreas Deinert und Jens Crull souverän wortverständlich durchzusetzen. Dass das Ensemble engagiert und überaus handlungsreich spielt, fesselt die Aufmerksamkeit und zieht sie mehr und mehr in Castorfs Kopf.

Bayreuther Festspiele / Rheingold - Wotan, Alberich und Loge © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Rheingold – Wotan, Alberich und Loge © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Musikalisch ist das „Rheingold“ gelungen. Schönklang bei den Rheintöchtern, der leichte Bass von Wotan Iain Paterson passt zur Rolle des Gangsterbosses, Albert Dohmens Alberich ist ein Bass von beeindruckend variantenreicher Tiefe. Von den Figuren neben ihnen gefallen vor allem der lockere Roberto Saccá, Andreas Conrad und Günther Groissböck, dem ein gesteigerter Schlussbeifall gilt.

Den größten Beifall erhält deutlich Dirigent Marek Janowski und sein gut aufgelegtes Festspielorchester. Er schafft es, der Musik gegen die grellen Bilder zu ihrem Recht zu verhelfen. Sein flottes, die Artikulationsfähigkeit des Ensembles bis an die Grenze forderndes Dirigat ist flüssig, reitet nicht ostentativ auf den Leitmotiven herum und bietet soliden Wagnerklang.

Dieses „Rheingold“ hat etwas von der Feuerlohe um Brünnhildes Felsen. Wer ohne Zagen hindurch gegangen ist, der kann von den folgenden Abenden nur positiv überrascht werden.

DIE WALKÜRE

Ist es so, oder erscheint es dem „Rheingold“-Geschmiedeten nur so: Ganz anders, ruhiger auf die Szene gerichtet und weniger bildlastig ist „Die Walküre“. Zeit und Ort, auch die Figuren haben sich geändert. Jetzt füllt eine gewaltige Holzkonstruktion die Bühne, die plausibel Hundings Hütte als Wehrburg zeigt, gedreht deren Scheune sichtbar macht und am Ende einen Ölförderturm abgibt. Dass dieser in Aserbeidschans Baku stehen soll, erfährt man allerdings nur aus externen Quellen wie Feuilletons oder dem durch die Gesellschaft der Freunde Bayreuths e.V. ermöglichten Einführungsvortrag Sven Friedrichs, des Direktors des Richard-Wagner-Museums.

 Bayreuther Festspiele/ Walküre - Camilla Nylund als Sieglinde, Christopher Ventris als Siegmund, Georg Zeppenfeld als Hunding © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele/ Walküre – Camilla Nylund als Sieglinde, Christopher Ventris als Siegmund, Georg Zeppenfeld als Hunding © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Ruhige, eher statische Szenen prägen „Die Walküre“, und in den ausgedehnten symphonischen Passagen tritt die orchestrale Seite wohltuend hervor.

In einer nicht näher definierten Vorzeit, in die nur ein Fahrrad als Zeichen ihres Gegenwartsbezuges hinüberweist, verfallen sich gestisch fesselnd, kaum videogestört, aber auffällig unsinnlich, der auf der Flucht befindliche Wotan-Sohn Siegmund (Christopher Ventris) und seine Schwester Sieglinde (Camilla Nylund), die in Zwangsehe mit dem finsteren Biedermann Hunding (Georg Zeppenfeld) lebt. Die Dreiecksituation mit dem von der Verfolgung Siegmunds nach Hause kommenden Hunding, der im Hochzeitsanzug (Kostüme: Adriana Braga Peretzki) mit einem auf die Spitze seines Speers gespießten Kopf auftritt, ist fein inszeniert. Etwa wenn die verängstigte, doch neugierige Sieglinde von der hohen Terrasse aus dem Bericht Siegmunds lauscht und dann vor dem kurzen, argwöhnischen Blick Hundings kuscht.

Bayreuther Festspiele / Walküre - Bohrturm mit Walküren © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Walküre – Bohrturm mit Walküren © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Wo die Videotechnik, jetzt in expressionistischer schwarz-weiß-Manier, eingesetzt wird, überlagert das meist die Szene. So sieht man während Siegmunds Lebenssbeichte den von Sieglindes Schlaftrunk betäubten Hunding, wie er zuckend auf Siegmunds Worte reagiert. Für Wonnemond-Seligkeit ist da so wenig Platz wie für die Esche, in der das rettende Schwert Nothung stecken soll. Bis er es in der Scheune aus einem Baumstumpf zieht, erscheint es nur als Video wie auch Wotan (John Lundgren), der als langbärtiger Russe die Entwicklung mit Wohlgefallen sieht und sich am Telefon stummfilmmäßig mit einer Frau verabredet.

Etwas mehr Schwung bringt dann Fricka (Tanja Ariane Baumgartner) auf die Bühne. Die hysterische Herrin, die ihre Peitsche auf das Personal wie auch ihren Gatten Wotan sausen lässt, macht ihm im Namen von Recht und Sitte eine demütigende Szene. Obwohl das seine Pläne zur Wiedergewinnung des Rings scheitern lässt, muss Wotan, ergreifend in seiner Zerrissenheit, zustimmen, Siegmund nicht mehr zu schützen. In einer wunderbar intimen, vom Orchester sanft getragenen Szene widerruft Wotan den Auftrag, den er der Walküre Brünnhilde (Catherine Foster) gegeben hatte; nun soll Siegmund fallen. Obwohl sich Brünnhilde dem widersetzt, geschieht es. Hunding tötet Siegfried, der entgeistert nur auf das an Wotans Spaten zerbrochene Schwert Nothung schaut.

Noch einmal ändern sich Zeit und Szene. Jetzt wird zum Ende des 19. Jahrhunderts der nun zentrale, mit rotem Stern gezierte Ölförderturm von fahneschwingenden Revolutionären gestürmt, viele Heldenleichen fallen für die phantasievoll gewappneten Walküren an, die stimmschön, aber recht zahm, in ihr Hojotoho ausbrechen. Die mit der schwangeren Sieglinde zu ihnen geeilte Brünnhilde können sie nicht vor Wotans Strafe wegen ihrer Widersetzlichkeit schützen. Eigenartig unberührt verbannt sie der inzwischen Bartlose; seine Trauer malt nur das Orchester aus. Während Brünnhilde auf Video einschläft, wird der von Flammen umloderte Felsen enttäuschend läppisch nur als Flämmchenkranz um ein Ölfass angedeutet.

Bayreuther Festspiele / Walküre - John Lundgren als Wotan und Tanja Ariane Baumgartner als Fricka © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Walküre – John Lundgren als Wotan und Tanja Ariane Baumgartner als Fricka © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

In der „Walküre“ setzt sich die musikalische Seite deutlich gegenüber der szenischen durch. Wenn Marek Janowski das Tempo drosselt und das Forte zurücknimmt, kommt es zu beglückenden Momenten. Das Wälsungenpaar überzeugt auch darstellerisch, Camilla Nylund mit klarer Höhe als Sieglinde, Christopher Ventris als Siegmund mit ausdrucksstarkem, warm timbriertem Tenor.

Georg Zeppenfeld als Hunding agiert eher unauffällig, aber mit beeindruckend fundiertem Bass. Zunehmend gewinnt Wotan John Lundgren stimmlich an Statur, Tanja Ariane Baumgartner als Fricka ist ihm eine gleichwertig gute Partnerin.

Mit großer Bühnenpräsenz und gesanglich ist Catherine Foster als Brünnhilde der Star des Abends. Unangestrengt und doch kraftvoll bezaubert sie mit reinem Sopran, fesselt als widerspenstige Wotanstochter und berührt tief bei ihrem Sturz.

SIEGFRIED

Schon nicht mehr überraschend ändern sich auch im „Siegfried“ wieder Ort, Zeit und Charaktere. Die Drehbühne wechselt häufig zwischen zwei Schauplätzen. Der eine ist ein bühnenraumfüllendes Felsmassiv, aus dem, wie im amerikanischen Mount Rushmore die Köpfe der Präsidenten, die der kommunistischen Leitfiguren Marx, Lenin, Stalin und Mao blicken. Der andere ist der Ostberliner Alexanderplatz der Wendezeit mit Weltzeituhr, S- und U-Bahn-Zugang, Centrum-Warenhaus, Post und Restaurant.

Bayreuther Festspiele / Siegfried - Siegfried und Mime vor einem Marx, Engels, Stalin und MaoTsetung Felsengebirge © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Siegfried – Siegfried und Mime vor einem Marx, Engels, Stalin und MaoTsetung Felsengebirge © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Vor dem Felsen betreibt Mime (Andreas Conrad) seine Schmiede in einem silbrigen Wohnwagen. Mime ist die Karikatur eines weinerlichen Kleinbürger-Intellektuellen. Vergeblich sucht er in seinen Büchern nach einer Anleitung dafür, ein Schwert zu schmieden, das sein unbändig starker Ziehsohn Siegfried nicht kaputtkriegt; dem Wanderer Wotan (Thomas J. Mayer) gegenüber weiß er die ganze Weltgeschichte zu erzählen, kennt aber nicht das, was ihm einzig nützlich wäre.

Nach dem Tod seiner Mutter Sieglinde ist Siegfried (Stefan Vinke) bei Mime zu einem impulsiven Halbstarken herangewachsen. Weder von Sitten- noch von Handwerksregeln ist er angekränkelt. So kann er mit neuer Technik Nothung zu einem Schwert von der Durchschlagskraft einer Kalaschnikow neu schmieden; mit einer solchen mäht er dann, das Publikum aufschreckend, bedenkenlos Fafner (Karl-Heinz Lehner) nieder, den zuhälterartigen Hüter des Nibelungenschatzes, den er aus dem U-Bahn-Zugang am Alexanderplatz hervorgerufen hat. Er raubt ihm den Schatz samt Tarnkappe und Ring, bevor er seinen ungeliebten Ziehvater mit dem Messer ersticht und verächtlich mit Müll überhäuft. Da zeigt ihm ein in das aufwendige Federkostüm einer Varieté-Tänzerin gekleidetes Waldvögelchen (Ana Durlovski) nicht nur den Unterschied von Mann und Frau, sondern auch den Weg zu Brünnhilde. Als ihm auf den Kommunistenköpfen Wotan entgegentritt, zerbricht er dessen Speer und beendet damit das herrschende Regel-System der Götter. Von da an geht die Macht vom Menschen aus.

Bayreuther Festspiele / Siegfried - Siegfried und Mime © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Siegfried – Siegfried und Mime © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Nur das Orchester malt die Flammenwand, die Siegfried durchschreitet, bevor er schließlich Brünnhilde (Catherine Foster) erfolgreich aus ihrem riesigen Schlafsack wickelt. Für einen großen Moment scheinen sich in Siegfried und Brünnhilde seine reine Natur und ihre Weisheit zu voller Menschlichkeit vereinigen zu können, so viel Hoffnung war nie. Doch als sie sich beim Verlobungsmahl mit Pizza im Restaurant am Alex getrennt gegenübersitzen, bekommt diese Hoffnung einen großen Dämpfer. Während Brünnhilde eines der überall herumwackelnden Krokodile mit einem Sonnenschirm füttert, zieht Siegfried aus dem Rachen eines anderen das schon halb verspeiste Waldvögelchen. Bevor sich zwischen beiden aber wieder etwas abspielt, tritt Brünnhilde dazwischen und fordert jetzt erst den ersten Kuss, nach dem schnell der Vorhang fällt.

Das alles ist gegen jedes Mitfühlen voll trauriger, grimmiger Lustigkeit inszeniert. Die kulminiert in den von Castorf erfundenen stummen Figuren, die leitmotivisch immer wieder von Patric Seibert gespielt werden. Schon im „Rheingold“ wurde er von Alberich malträtiert, in der „Walküre“ flüchtete er als Revolutionär in einen Geflügelstall, und in der „Götterdämmerung“ wird er erst als Bedienung in einer Dönerbude slapstickmäßig mit Lebensmitteln beworfen und schließlich überfahren werden. Im „Siegfried“ ist Seibert erst der Bär, den der wilde Knabe am Halsband herbeischleppt, um damit Mime zu schrecken. Dann schafft er ölbeschmiert und unermüdlich wuselnd für ihn, ohne das Seil um den Hals je loszuwerden. Doch wenn er auf Siegfried als Befreier gehofft hatte, wird er böse enttäuscht; auch der „neue Mensch“ gibt ihm nur einen Tritt. An Seibert zeigt Castorf ohne Worte, dass er im „Ring“ eigentlich die Geschichte der enttäuschten Hoffnung auf Menschlichkeit und des Niedergangs der Arbeiterklasse erzählt.

Marek Janowski malt mit dem Festspielorchester von allem Klamauk unberührt die emotionalen Höhepunkte kräftig aus, unterstützt von einem ausgezeichneten Ensemble. Stefan Vinke ist mit seinem jungenhaft hellem Tenor ein kraftvoller, aus voller Kehle schmetternder, trotzdem nie unangenehm brüllender Siegfried. Catherine Foster glänzt auch hier als Brünnhilde, deren Sonnengruß tief berührt. Überzeugend sind auch Thomas J. Mayer als Wanderer, Albert Dohmen als Alberich und wieder die prächtige Nadine Weismmann als Erda. Viel Beifall bekam neben dem sehr verständlich singenden, auch darstellerisch beeindruckenden Andreas Conrad als Mime dieses eine Mal auch Patric Seibert. Für Marek Janowski wuchs der Beifalls-Sturm zum Orkan.

GÖTTERDÄMMERUNG

Vor einem hohen Treppenhaus, an dem in schreiendem Rot „Buna Plaste und Elaste aus Schkopau“ steht, beklagen die in Schwarz, Rot und Gold gekleideten Nornen (Wiebke Lehmkuhl, Stephanie Houzeel und Christiane Kohl) voodooartig die Schändung der Natur und den kommenden Untergang der Götterburg Walhall. Wotan schichte dort schon die Scheite der von ihm gefällten Weltesche für den großen Brand auf.

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung - Bruennhilde, Gutrune, und Siegfried - Catherine Foster, Allison Oakes, Stefan Vinke und Chor © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung – Bruennhilde, Gutrune, und Siegfried – Catherine Foster, Allison Oakes, Stefan Vinke und Chor © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Auf der Rückseite dieses Treppenhauses gelangt Siegfried (Stefan Vinke) auf seiner Weltfahrt zu den Gibichungen. Deren Burg liegt nicht am Rhein, sondern ist eine Döner-Bude im abgewrackten Ost-Berlin der 80er Jahre. Sie wird von Gunther (Markus Eiche) betrieben, einem eitlen, bedenkenlosen Aufschneider. Leitender Kopf seines Geschäfts ist der finstere Hagen (Stephen Milling), ein Sohn Alberichs und ebenfalls auf den Gewinn des Rings erpicht. Er überredet Gunther mühelos, seine sinnenfrohe Schwester Gutrune (Allison Oakes) mit Siegfried zu verheiraten. Der soll im Gegenzug Brünnhilde als Frau für Gunther werben.

Ein Zaubertrank Gutrunes und ihre sexuelle Verfügbarkeit lassen Siegfried seine Vergangenheit sofort vergessen. Eindringlich und propagandistisch wirkungsvoll auf Video übertragen, werden er und Gunther Blutsbrüder; Hagen hält sich zurück.

Derweil wartet Brünnhilde im silbernen Wohnwagen auf die Wiederkehr Siegfrieds. Die Bitte der silberglänzenden, mit Pfeil und Bogen bewaffneten Walküre Waltraute (Marina Prudenskaya), den ihr von Siegfried als Unterpfand seiner Treue geschenkten Ring den Rheintöchtern zurückzugeben, schlägt sie aus. Ihn entreißt ihr Siegfried, als er sie, unter der Tarnkappe wie Gunther aussehend, überwindet und so zu dessen Braut gewinnt. Die Tarnkappe trägt ihn dann schnell zu Hagen zurück, um die Doppelhochzeit zu arrangieren. Gunther kommt mit der betrogenen Brünnhilde langsam nach.

Es ist eine tolle Szene, als Hagen die Bevölkerung zusammenruft, um die Ankunft des Paares zu feiern. Er veranstaltett ein Volksfest mit Fähnchenschwenken und Freibier, Schlägerei und Protest gegen Krise und Hunger – mit Sicherheit als Mahnung an alle gedacht, die froh im Festsaal sich freun -, wobei der Herrenchor angsteinflößend gesangliche Wucht entfaltet. Hagen, den Alberich (Stephen Milling) noch einmal auf das gemeinsame Ziel der Weltherrschaft verpflichtet hat, braucht die Menge als Zeugen für den Betrug an Brünnhilde. Der soll ihm die Rechtfertigung dafür verschaffen, Siegfried zu töten und so in den Besitz des Rings zu gelangen.

Der Plan geht auf, Brünnhilde erkennt an Siegfrieds Finger den Ring und bezichtigt ihn und Gunther öffentlich des Betruges, sie sei nicht Gunthers, sondern Siegfrieds Gemahlin; der beschwört das Gegenteil. Hagen, der sich als ihren loyaler Rächer aufspielt, entlockt ihr das Geheimnis von Siegfrieds Verwundbarkeit, und mit dem bloßgestellten Gunther besiegeln sie Siegfrieds Tod, den sie als Jagdunfall hinstellen wollen.

Im offenen Cabrio erwarten die Rheintöchter (Stephanie Houzeel, Wiebke Lehmkuhl und Alexandra Steiner) verführerisch den jagenden Siegfried. Der kennt den Wert des Ringes nicht und hätte ihn fast hergegeben, hätten sie ihm nicht mit der Prophezeiung seines Endes Angst einflößen wollen. So bedient er sich ohne Gegenleistung sexuell an ihnen, bevor er von Hagen brutal erschlagen wird wie kurz darauf auch der reuige Gunther. Aber bevor Hagen den Ring an sich nehmen kann, kommt voller trauernder Würde Brünnhilde, der Siegfrieds letzter Gruß im Sterben galt, die Treppen herunter. Sie nimmt vor der aufgescheuchten Gutrune den Ring an sich und gibt ihn schließlich den Rheintöchtern zurück. Aber der Weltenbrand bleibt aus. Zu Siegfrieds Trauermarsch sieht man als Video Hagens Leiche auf einem Floß im Wasser treiben. Die Jagd nach der Weltherrschaft um Öl, die sich als leitender Gedanke durch den ganzen „Ring“ zog, ist zu Ende. Aber er wird sich auf ein anderes Ziel richten; ein bis dahin wie von Christo verhangenes Gebäude enthüllt sich als Börse von New York, es regiert nun das Finanzkapital. Somit wieder beim Geld angekommen, fragt sich schon, ob der aufwendige Umweg über die Öl-Erzählung wirklich aktuell erhellender war.

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung - Stephen Milling als Hagen © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung – Stephen Milling als Hagen © Bayreuther Festspiele / Enrico Nawrath

Szenisch wie musikalisch ist diese „Götterdämmerung“ der Höhepunkt des „Rings“. Das vollblütige Theater und die breit strömende Musik kommen sich kaum mehr in die Quere, große Irritationen bleiben aus.

Die gesanglichen Leistungen sind enorm. Wieder begeistert Catherine Foster als Brünnhilde, wieder bleibt Stefan Vinke als Siegfried kraftvoll bis zum Ende, und Stephen Milling ist ein ungemein stimmgewaltiger Hagen von abgrundtiefer Bosheit. Markus Eiche ist mit variablem Bariton und ausgelassener Spielfreude ein beeindruckender Gunther.

Die Waltraute Marina Prudenskaya, die stimmschönen Nornen und Rheintöchter sowie der von Eberhard Friedrich prächtig einstudierte Chor vervollkommnen das gelungene Bild. Ihnen allen galt der orkanartige, lang andauernde Schlussapplaus, der sich für das ausgezeichnete Bayreuther Festspielorchester und besonders seinen Dirigenten Marek Janowski noch einmal steigerte. Es waren keine Buhs zu hören; das Publikum hat im Verlauf des „Rings“ gelernt, die Regie-Einfälle Castorfs hinzunehmen und sich an ihnen zu erfreuen, ohne großen Drang, sie alle zu verstehen. Man kann das als „Versöhnung“ bezeichnen.

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Bayreuther Festspiele 2018:  Entgegen aller Festspieltradition wird es 2018 noch drei Aufführungen der Castorf – „Walküre“ geben, deren musikalische Leitung Placido Domingo übernehmen soll. Damit wird erstmals in Bayreuth ein einzelner Abend aus dem „Ring“ herausgebrochen.

 

Dresden, Semperoper Dresden, Wiederaufnahme: Die Walküre, 20.02.2016

Februar 12, 2016 by  
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Semperoper Dresden

Dresden Semperoper © IOCO

Dresden Semperoper © IOCO

  Die Walküre von Richard Wagner

Erster Tag des Bühnenfestspiels Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner

Wiederaufnahme Samstag, 20. Februar 2016 um 16 Uhr, 23.2.2016, 28.02.2016

AUSVERKAUFT!      Mitteilung der Semperoper

Der zweite Teil von Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen erzählt von Siegmund, der sich auf eine Beziehung mit seiner Zwillingsschwester Sieglinde einlässt. Im darauffolgenden Zweikampf zwischen Sieglindes Ehemann Hunding und Siegmund plant Siegmunds Vater Wotan zunächst, seinen Sohn zu schützen, damit dieser ihm den Ring des Nibelungen beschaffe. Doch schließlich gibt Wotan seiner Frau Fricka nach, die eine Bestrafung des Ehebrechers verlangt. Mit Siegmund stirbt allerdings auch die Hoffnung auf Befreiung der Götter und der Welt vom Fluch des Goldes. Wotans Tochter Brünnhilde, die entgegen Wotans Befehl für Siegmund eingetreten ist, wird schließlich auf den von Flammen umgebenen Walkürefelsen verdammt, bis ein sterblicher Held sie erlöse

Kooperation mit dem Teatro Real Madrid

Mit freundlicher Unterstützung der Stiftung zur Förderung der Semperoper

Musikalische Leitung Christian Thielemann
Inszenierung Willy Decker
Bühnenbild Wolfgang Gussmann
Kostüme Wolfgang Gussmann, Frauke Schernau

BBESETZUNG:
Siegmund: Christopher Ventris
Hunding: Georg Zeppenfeld
Wotan: Markus Marquardt
Sieglinde: Petra Lang
Brünnhilde: Nina Stemme
Fricka: Christa Mayer
Helmwige: Christiane Kohl
Gerhilde: Sonja Mühleck
Ortlinde: Irmgard Vilsmaier
Waltraute: Christina Bock
Siegrune: Julia Rutigliano
Roßweiße: Simone Schröder
Grimgerde: Constance Heller
Schwertleite: Nadine Weissmann
Sächsische Staatskapelle Dresden

Pressemeldung Semperoper Dresden

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Dortmund, Theater Dortmund, Premiere Rosenkavalier, IOCO Kritik, 25.01.2015

Januar 27, 2015 by  
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Theater Dortmund

Theater Dortmund

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk - Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk – Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

 Der Rosenkavalier von Richard Strauss

Diese Rosenkavalier – Premiere am vergangenem 25.01.2015 fand vor einem fast ausverkauften Haus statt. Eine erfreuliche Tatsache, die auch belegt, wie beliebt diese Komödie für Musik in all den Jahren, nach der Uraufführung 1911 in Dresden, geworden ist. 1966 wurde damit auch das neue Große Haus der Städtischen Bühnen Dortmund eröffnet. Danach gab es noch ein- oder zwei Neuinszenierungen hier.

Die aktuelle Inszenierung stammt vom Hausherrn Jens-Daniel Herzog. Die Erwartungshaltung war groß und man kann sagen, man wurde nicht enttäuscht. Herzog gelang eine wunderbar schlüssige Sichtweise auf das Werk, mit dem geschärften Blick auf den Untertitel “Komödie für Musik“.

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk - Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk – Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Abgesehen von den turbulenten Szenen, die gottlob nur ganz selten in Klamauk ausarteten, gelang Herzog eine geschärfte Sicht auf die Personen und ihre seelische Befindlichkeit. Es waren manchmal nur Momentaufnahmen, kleine Gesten, die aber überraschende Wirkungen auslösten.

Wie zum Beispiel im Monolog der Marschallin, nach der Lever-Szene. Der vergessene Aktenkoffer des Notars, mit den Unterlagen der “Morgengabe“, wurde von Leopold, dem Kammerdiener des Barons, aus dem Zimmer geholt, behutsam leise um die meditierende Fürstin Feldmarschall in ihren Betrachtungen über das Leben nicht zu stören. Überhaupt, Herzog holte diese stumme Rolle aus ihrem dumpfen Klischee heraus und gestatte ihr empfindsame Züge.

Natürlich gab es auch Sichtweisen, die zwar amüsierten, aber letztendlich entbehrlich waren, wie die Mutation Mariandls zur Peitsche schwingenden Domina, die den gebeutelten Baron Ochs an seinen Hosenträgern wie ein Hündchen hinter sich herzog.

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk - Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk – Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Sehr beeindruckend geriet die Bühnenausstattung von Matthias Neidhardt. Im ersten Akt ist es klassischer Stuck, im zweiten Akt die Reste dessen, gepaart mit einem noch nicht ganz bezugsfähigen Palais Faninal (mit hypermodernem Interieur), so dass Oktavian seine Silberrose der Sophie auf dem Dach überreichen musste (auf das sie zu klettern hatten).

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk - Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk – Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Sehr schön war das erste Bild mit dem üppigen goldenen Doppelbett, das allein  auf der Bühne stand vor einem golden funkelnden Sternenhimmel. Erst als Oktavian seine ersten Worte an die Marschallin richtete, kamen vom Bühnenhimmel schwebend die entsprechenden Wände dazu. Bett und Sternenhimmel sah man wieder nach dem finalen Terzett. Doch diesmal teilte Sophie mit Oktavian das Bett. Das war ein schöner Einfall.

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk - Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk – Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Weniger schön war das “verfluchte Extrazimmer“ in dem kaschemmenartigen Wirtshaus. Eine Absteige übelster Provenienz mit zerborstenem Dach und zertrümmerten Scheiben. Wenn es dazu gekommen wäre, hätte Baron Ochs die Jungfer Mariandl  auf einer in der Ecke liegenden, durch eine Decke verhängten Matratze deflorieren müssen. Stilistische Vielfalt war angesagt bei den Kostümen, die Sibylle Gädeke entworfen hatte. Besonders gefallen konnte das Kostüm Oktavians.

Ob orchestral oder gesanglich, die musikalische Komponente war einfach großartig.

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk - Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk – Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

GMD Gabriel Feltz am Pult der Philharmoniker ließ die kostbare Musik funkeln wie die Sterne am Hintergrundprospekt der Bühne. Vom sehrenden Überschwang der Einleitung des ersten Aufzuges, bis zum elegischen Terzett  und dem Jubel der beiden Liebenden, war alles wie aus einem Guss. Die Dortmunder Philharmoniker waren prachtvoll disponiert und ebenso in Laune.

Bei den Sängern gab es absolut nichts zu bemängeln. In der Titelpartie des Oktavian verströmte Ileana Mateescu Wohllaut, Temperament, Spielfreude und eine geradezu maskuline Ausstrahlung. Sie wurde zu Recht frenetisch gefeiert.

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk - Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk – Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Für die vorgesehene Christiane Kohl, die aber wegen Erkrankung absagen musste, sang Emily Newton die Feldmarschallin. Newton war für den Premierenabend eigentlich als Leitmetzerin besetzt. Nun sang sie ein paar Wochen eher als vorgesehen ihre erste Feldmarschallin und das tat sie ausgezeichnet. Sehr berührend waren ihre Gestaltung des Verzichts auf Oktavian und ihre vokale Präsenz. Ashley Thouret gefiel als Sophie durch ihr natürliches Spiel und durch ihren feinen, lichten Sopran, der die hoch liegende Tessitura der Partie souverän bewältigte.

Eine weitere Umbesetzung gab es. Auch der für die Premiere vorgesehene Christian Sist musste wegen Erkrankung absagen. Seine Alternativ-Besetzung

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk - Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Theater Dortmund / Rosenkavalier © Thomas Jauk – Stage Picture GmbH / Theater Dortmund

Karl-Heinz Lehner sang nun die Premiere und er erbrachte eine wunderbare Leistung. Vielen Besuchern ist er noch bekannt als junger Bass in der Ära Dew, wo er einen wunderbaren Don Giovanni sang und auch in vielen französischen Opern in dieser Zeit reüssierte. An diese Leistungen konnte er nahtlos mit seinem Ochs anknüpfen, den er nicht nur makellos sang, sondern auch mit Noblesse und Eleganz, sowie ausgeprägter mimischer Vielseitigkeit spielte. Sangmin Lee war ein starkstimmiger, sonorer Faninal und machte auch eine gute Figur.

Prächtig besetzt waren alle weiteren Rollen. Das derzeitige Dortmunder Ensemble kann sich hören lassen. Stellvertretend für alle nicht genannten sei Lucian Krasznec erwähnt, der die vertrackte Arie des “Sängers“ mit vokaler Bravour schmetterte.

Das Publikum war begeistert, größtenteils. Aber es gab auch Missfallen, das sich in Buhs und Trillerpfeifen bemerkbar machte und an die Adresse des Regieteams ging.

IOCO / UGK / 25.01.2015

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Dortmund, Theater Dortmund, Premiere: DER ROSENKAVALIER von Richard Strauss, 25.01.2015

Januar 6, 2015 by  
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Theater Dortmund

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Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Opernhaus Dortmund © Theater Dortmund

Premiere 25.01.2015, 18.00 Uhr, weitere Termine: 30.01.2015, 08.02.2015; 15.02.2015; 21.02.2015; 28.02.2015; 21.03.2015; 12.04.2015, jeweils um 18 Uhr

Der Rosenkavalier von Richard Strauss

Libretto von Hugo von Hofmannsthal

Die Affäre der Feldmarschallin Werdenberg mit dem jungen Grafen Octavian ist ein Glück, das sie der Zeit abgetrotzt hat. Die kluge, schöne Frau weiß, wie die Geschichte weitergehen muss: Octavian, der ihr jetzt noch Liebe schwört, wird sie bald für eine Jüngere verlassen. Doch welche Wege das Schicksal nimmt, um das passende Paar zusammenzuführen, kann sie sich kaum ausmalen. Ihr Vetter Ochs auf Lerchenau wirbelt die feine Wiener Gesellschaft durcheinander, weil ihn seiner Meinung nach seine gesellschaftliche Position und sein Vermögen zu schlechtem Benehmen berechtigen. Er hat es auf Sophie abgesehen, die schöne Tochter des reichen Herrn Faninal, was ihn nicht hindert, auch noch einem vermeintlichen Dienstmädchen nachzustellen, das in Wirklichkeit der verkleidete Octavian ist. Aber auch Ochs kämpft in all seiner Selbstgefälligkeit und Versoffenheit nur den großen Kampf der älteren Generation darum, die Zeit anzuhalten, den eigenen Verfall und den der Epoche zu bremsen, sich selbst, seine Gewohnheiten und seine Sehnsüchte möglichst lange zu erhalten und auf keine Möglichkeit von Glück zu verzichten. „Die Zeit, die ist ein sonderbares Ding“, singt die Marschallin, und wer versucht, sich ihr entgegen zu stellen, wird unbarmherzig von ihr fortgerissen. Die Marschallin und Baron Ochs wollen sich durch ihre jungen Partner frisches Blut zuführen, doch die Jugend durchkreuzt ihre Pläne. Gegen die Ansprüche der Älteren verteidigt sie ihr natürliches Recht, miteinander glücklich zu sein – auch wenn es, wie diese melancholische Komödie durchblicken lässt, nur ein kurzes, von der Zeit geliehenes Glück sein wird.

Mit dem Rosenkavalier haben Strauss und Hofmannsthal 1911 das berühmteste musikalische Lustspiel des 20. Jahrhunderts geschaffen: eine philosophische Komödie, die bei allem Tiefsinn doch perfekt die Mechanismen der Komik bedient. Wie die Figuren des Stücks sehnen sich auch Dichter und Komponist in eine frühere Epoche zurück, allerdings immer mit einem Augenzwinkern. Strauss’ Musik ist die schwelgerische Feier einer großen Vergangenheit, aber er komponiert – mit Schmerz und Humor – auch die Trauer um ihren Untergang hinein. Und über allem steht Hofmannsthals große Einsicht, dass zwar nur die Dauer dem Leben Würde gibt, aber nur der Wandel uns vor Erstarrung und Niedergang rettet.

Premiere 25.01.2015, 18.00 Uhr, weitere Termine: 30.01.2015, 08.02.2015; 15.02.2015; 21.02.2015; 28.02.2015; 21.03.2015; 12.04.2015

Musikalische Leitung: Gabriel Feltz, Inszenierung: Jens-Daniel Herzog
Bühne: Mathis Neidhardt, Kostüme: Sibylle Gädeke
Choreinstudierung: Granville Walker, Dramaturgie: Hans-Peter Frings, Georg Holzer
Regieassistenz: Fanny Collet, Bühnenbildassistenz: Aleksandra Gnielka
Kostümbildassistenz: Agnes Langenbucher, Studienleitung: Luca de Marchi
Einstudierung: Monotori Kobayashi, Philipp Armbruster, Thomas Hannig, Michael Hönes, Tatiana Prushinskaya, Sujin Jung, Inspizienz: Alexander Becker, Ulas Nagler
Soufflage: Elke Pop

BESETZUNG:
Die Feldmarschallin: Christiane Kohl, Baron Ochs auf Lerchenau: Christian Sist
Octavian: Ileana Mateescu, Herr von Faninal: Sangmin Lee
Sophie: Ashley Thouret, Jungfer Marianne Leitmetzerin: Emily Newton
Valzacchi: Fritz Steinbacher, Annina: Maria Hiefinger
Ein Polizeikommissar: Carl Kaiser, Ein Sänger: Lucian Krasznec
Der Haushofmeister der Feldmarschallin: Blazej Grek
Der Haushofmeister bei Faninal: Darius Scheliga

Premiere 25.01.2015, 18.00 Uhr, weitere Termine: 30.01.2015, 08.02.2015; 15.02.2015; 21.02.2015; 28.02.2015; 21.03.2015; 12.04.2015

Matinee am 11. Januar 2015, 11:15 Uhr, Öffentliche Probe am 15. Januar 2015, 18:30 Uhr. Der Eintritt ist frei

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Pressemeldung Theater Dortmund

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