Markneukirchen, 53. Instrumentalwettbewerb – Flöte und Fagott, IOCO Aktuell, 20.01.2018

Markneukirchen / Rieseninstrumente vor Musikinstrumentenmuseum © FFF

Markneukirchen / Rieseninstrumente vor Musikinstrumentenmuseum © FFF

 53. Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen

3. bis 12. Mai 2018 – Flöte und Fagott

Markneukirchen ist schön. Doch die musikalische Tradition des Ortes ist spektakulär: Reizvoll auf dem westlichen Elstergebirge Sachsens gelegen, im oberen Vogtland nahe Tchechien, besitzt Markneukirchen eine ungewöhnliche Spezialität: Um 1200 gegründet wird der Ort nach seinem Gründer Albertus Nothaft de Wildestein Nothaft genannt. Stadtrechte erhielt das Örtchen Nothaft bereits 1360. 1405 erstmals als Markt Neukirchen amtlich erwähnt, besaß es als „Amtsstädtchen“ schon früh Sitz und Stimme im „kursächsischen Landtag“.

Markneukirchen / Geigenbauer Joerg Wunderlich © FFF

Markneukirchen / Geigenbauer Joerg Wunderlich © FFF

Überregionale Bedeutung gewinnt das kleine Örtchen ab 1658, als protestantische Glaubensflüchtlinge den Geigenbau in die Stadt bringen. 12 Geigenbauer gründen 1677 die erste Geigenmacherinnung, 1750 beginnt der Bogenbau, 1777 gründen Saitenmacher die erste Saitenmacherinnung. 1797 schließen sich Waldhorn- und Pfeifenmacher zur „Musikalischen Blas,- Instrumentenmachergesellschaft“ zusammen. Um 1800 werden Gitarren gebaut; Zithern und Mandolinen folgen bald. 1834 wird in Markneukirchen die erste Musikschule Deutschlands gegründet. Auch die Martin-Trompete (Schalmei) wird 1905 in Markneukirchen entwickelt.

Schirmherr des Wettbewerbs – Christian Thielemann

Der Markneukirchner Musikwettbewerb wird im jährlichen Wechsel zwischen Streich- und Blasinstrumenten (jeweils zwei Instrumente) ausgetragen und dient der Nachwuchsförderung junger Instrumentalisten. Er steht auf hohem künstlerischen Niveau und wird von der Fachwelt als bedeutsames Ereignis angesehen. Vordere Plätze bedeuten fast immer für die Teilnehmer den Sprung in die Internationalität und werden als Gütesiegel gewertet.

2018 – 228 Bewerber aus 38 Ländern der Welt

Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneuenkirchen / Preisträger Viola 2013: (v.l.n.r.) Hiyoli Togawa (2. Preis, Japan), Manuel Vioque-Judde (3. Preis, Frankreich), Kyoung Min Park (3. Preis, Südkorea) © Ellen Liebner

Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneuenkirchen / Preisträger Viola 2013: (v.l.n.r.) Hiyoli Togawa (2. Preis, Japan), Manuel Vioque-Judde (3. Preis, Frankreich), Kyoung Min Park (3. Preis, Südkorea) © Ellen Liebner

Im Mittelpunkt des 53. Internationalen Instrumentalwettbewerb Markneukirchen werden Flöte und Fagott stehen, der vom 3. bis 12. Mai 2018 erneut junge Musiker aus aller Welt in die Musikstadt einlädt. Beide Fächer sind nach längerer Zeit wieder im Wettbewerbskalender zu finden; einen Flötenwettbewerb gab es zuletzt 2002 in der Musikstadt, einen Wettbewerb für Fagott 2006.

Dieser lange Zeitabstand tat der Attraktivität aber keinen Abbruch, denn zum Ende der Anmeldefrist lagen insgesamt 228 Bewerbungen aus 38 Ländern vor. Davon entfielen 146 auf das Fach Flöte und 82 auf das Fach Fagott. Besonders stark vertreten sind erneut junge Musiker aus Südkorea (38). Sie stellen in beiden Fächern die größte Bewerbergruppe. Gefolgt werden sie von Deutschland (23) und China (18). Bei den Bewerbungen im Fach Flöte entscheidet nun eine CD-Vorauswahl über die endgültige Zulassung zum Wettbewerb. Das Ergebnis wird Ende Februar veröffentlicht. Für die Bewerber im Fach Fagott wird keine CD-Vorauswahl durchgeführt, da es die Anzahl der Anmeldungen nicht erfordert. Hier erhalten alle Bewerber eine Einladung nach Markneukirchen.

Insgesamt werden zu den drei öffentlichen Auswahlprüfungen und einer Finalrunde in jedem Fach sowie dem abschließenden Preisträgerkonzert außergewöhnliche Talente aus aller Welt erwartet.

Für den Wettbewerb 2018 hat der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, Christian Thielemann, erneut die Schirmherrschaft übernommen. Die Präsidentschaft liegt in den Händen von Prof. Peter Damm. Unter seiner Leitung werden die beiden Fachjury-vorsitzenden Prof. Eckart Haupt – Flöte (Deutschland) und Prof. Wolfgang Rüdiger – Fagott (Deutschland) gemeinsam mit international anerkannten Musikerpersönlichkeiten und Pädagogen in den beiden Fachjurys wirken. Dazu gehören im Bereich Flöte Prof. Dr. John R. Bailey (USA), Prof. Irmela Boßler (Deutschland), Prof. Dr. Daisuke Morota (Japan), Prof. Gaby Pas-Van Riet (Belgien), Prof. Roswitha Staege (Deutschland) und Prof. Jirí Válek (Tschechische Republik). Im Fach Fagott gehören der Jury an: Prof. Stefano Canuti (Italien), Frau Kari Foss (Norwegen), Prof. Pascal Gallois (Frankreich), Prof. Albrecht Holder (Deutschland), Prof. Valery Popov (Russland) und Prof. Alfred Rinderspacher (Deutschland).

Instrumentalwettbewerb Markneukirchen / Die Preisträger Fagott 2006 © Ellen Liebner

Instrumentalwettbewerb Markneukirchen / Die Preisträger Fagott 2006 © Ellen Liebner

Die Preisträger erwarten neben den Geldpreisen, die in diesem Jahr u.a. von der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Volksbank Vogtland, der Merkur Bank Markneukirchen sowie dem Verein Internationaler Instrumentalwettbewerb Markneukirchen gestiftet werden, auch Konzertengagements z.B. mit der Chursächsischen Philharmonie, sowie weitere Sachpreise Markneukirchener Instrumentenbauer wie eine Piccoloflöte der Firma Hammig, eine Generalüberholung für Fagott der Firma Gebrüder Mönnig und ein Einkaufsgutschein der Firma Buffet Crampon. Unterstützt wird der Wettbewerb darüber hinaus auch durch weitere Institutionen und Unternehmen der Region wie die Stadt Markneukirchen und die Sparkasse Vogtland und deren Stiftung.

Neben den vier Wettbewerbsrunden in beiden Fächern, die allen Interessierten offen stehen, können die Besucher abwechslungsreiche Rahmenveranstaltungen erleben. Eröffnet wird der Wettbewerb mit einem Konzert des Sinfonieorchesters Markneukirchen am Freitag, den 4. Mai 2018. Solist des Abends wird der 27-jährige Cellist Sol Daniel Kim aus Österreich sein. Er begeisterte als Preisträger des Internationalen Instrumentalwettbewerbes Markneukirchen 2013 und kehrt nun mit dem Cellokonzert B-Dur von Luigi Boccherini an den Ort seines Erfolges zurück. Auf dem Programm des Abends stehen außerdem die Ouvertüre Die Geschöpfe des Prometheus von Ludwig van Beethoven, sowie dessen 6. Sinfonie Pastorale. Eintritt: VVK 16,-/13,- Euro, AK 18,-/15,- Euro.

Das Blasorchester Markneukirchen, ebenfalls ein Laienorchester mit zahlreichen Musikinstrumentenbauern in seinen Reihen, gibt am darauffolgenden Dienstag, den 8. Mai 2018, ein Konzert in der Musikhalle Markneukirchen. Während der Wettbewerbstage wird es in den Instrumentenbau-Werkstätten und bei Ausstellungen auch die Möglichkeit geben, den Instrumentenbauern über die Schulter zu schauen. Im Musikinstrumenten-Museum wird passend zu Wettbewerb im Fach Flöte am 5. Mai 2018 eine Sonderausstellung eröffnet zum Thema Die Familie der Querflöte – von Piccolo bis Subkontrabassflöte.

Glanzvoller Höhepunkt des Wettbewerbs – 12.Mai 2018

Ein Einführungsvortrag sowie zwei Konzerte mit Flötenensembles am 5. und 6. Mai umrahmen die Präsentation musikalisch. Glanzvoller Höhepunkt und Abschluss des Wettbewerbes wird auch 2018 wieder das Preisträgerkonzert mit den Bestplatzierten des Wettbewerbes in den Fächern Flöte und Fagott am Samstag, dem 12. Mai 2018, 19.00 Uhr in der Musikhalle Markneukirchen sein. Die beiden Bestplatzierten werden mit einem Flöten- bzw. Fagottkonzert von Wolfgang Amadeus Mozart zu erleben sein. Diese Werke stehen auch in den Finalrunden am 10. Mai (Fagott) und am 11. Mai (Flöte) auf dem Programm. Die Begleitung wird von der Vogtland Philharmonie Greiz/Reichenbach übernommen. Die weiteren Preisträger stellen im Preisträgerkonzert ihr Können noch einmal mit den herausragendsten Interpretationen aus ihrem Wettbewerbsprogramm unter Beweis.

Instrumentalwettbewerb@markneukirchen.de

Zur allgemeinen Information:

Die große Resonanz beruht nicht zuletzt auf dem einmaligen Flair, geprägt von besonderem Profil und besonderem Reiz, der Wechselbeziehung zwischen Handwerk und künstlerischem Tun. Es werden immer wieder neue Kontakte geschaffen zwischen denen, die ihr Instrument meisterlich beherrschen und spielen können, und den Markneukirchner Musikinstrumenten-bauern, die diese Instrumente mit künstlerischer Fertigkeit meisterhaft bauen. Besonders intensive Begegnungen während des Wettbewerbes sind bei den Ausstellungen und natürlich bei Gesprächen direkt in den zahlreichen Werkstätten der Musikinstrumentenbaumeister möglich.

 

Dresden, Semperoper, Der Ring des Nibelungen – Ab 13.01.2018, IOCO Aktuell

Januar 12, 2018 by  
Filed under Oper, Pressemeldung, SemperOper

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Semperoper

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Dresden / Semperoper im Sonnenschein © Matthias Creutziger

Der Ring des Nibelungen von Richard Wagner

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Richard Wagner Büste in Bayreuth © IOCO

Am 13. Januar beginnt an der Semperoper Dresden die erste der beiden Aufführungsserien von Richard Wagners musikalischem Weltendrama Der Ring des Nibelungen. Damit ist vom 13. bis 20. Januar und vom 29. Januar bis 4. Februar 2018 nach acht Jahren erstmals wieder der komplette szenische »Ring«-Zyklus in Dresden zu erleben.

Die Nachfrage nach dem Dresdner Ring des Nibelungen mit der Sächsischen Staatskapelle unter der Musikalischen Leitung ihres Chefdirigenten Christian Thielemann ist enorm: Bereits wenige Tage nach der Eröffnung des Vorverkaufs im Januar 2017 waren die Kartenkontingente ausgeschöpft. Mögliche Restkarten für Stehplätze zu den Einzelvorstellungen sind an den Abendkassen zu erfragen.

Die Semperoper zeigt die Tetralogie in der Inszenierung von Willy Decker. Der vielfach mit Preisen bedachte Regisseur zählt mit seinen Arbeiten zu den renommiertesten Opernregisseuren Europas. Viele seiner Inszenierungen, wie die Dresdner Inszenierung des Rings, entstanden in Zusammenarbeit mit dem Bühnen- und Kostümbildner Wolfgang Gussmann und zeichnen sich durch ihren besonderen szenischen Minimalismus und die psychologisch präzise Personenführung aus.

Semperoper Dresden / Rheingold hier Simone Schröder als Flosshilde, Christiane Kohl als Woglinde, Sabrina Kögel als Wellgunde © Matthias Creutziger

Semperoper Dresden / Rheingold hier Simone Schröder als Flosshilde, Christiane Kohl als Woglinde, Sabrina Kögel als Wellgunde © Matthias Creutziger

Neben den hohen Erwartungen an die Aufführungen unter der Musikalischen Leitung des ausgezeichneten Wagner-Kenners Christian Thielemann, der das musikalisch wie psychologisch höchst komplexe Werk gemeinsam mit der von Richard Wagner selbst als »Wunderharfe« bezeichneten Sächsischen Staatskapelle Dresden zu Gehör bringen wird, verspricht die hochkarätige Sängerinnen- und Sängerbesetzung unter anderem mit Petra Lang, Christa Mayer, Albert Dohmen, Stephen Gould, Vitalij Kowaljow, Andreas Schager, Peter Seiffert, Gerhard Siegel, Kurt Streit und Georg Zeppenfeld ein Opernerlebnis von außerordentlichem Rang nicht nur für Wagner-Fans zu werden.

Petra Lang – im Ring in der Partie der Brünnhilde zu erleben – gehört weltweit zu den führenden Interpretinnen im Wagner-Repertoire. Nach ihren Anfängen als lyrischer Mezzosopran wandte sie sich früh dem dramatischen Fach zu und gilt seither als gefragte Darstellerin auf den Opernbühnen der Welt. Ihren Durchbruch als Brünnhilde feierte sie mit ihren Auftritten in allen drei Ring-Opern in der Neuinszenierung von Dieter Dorn am Grand Théâtre de Genève. Unter der Leitung von Christian Thielemann gab sie 2016 ihr Rollendebüt als Isolde in der Tristan und Isolde-Produktion von Katharina Wagner bei den Bayreuther Festspielen.

Die Mezzosopranistin Christa Mayer ist in der zyklischen Aufführung von Wagners Ring unter Christian Thielemann als Fricka und Erda zu erleben. Christa Mayer sind die Wagner-Partien wohl vertraut: Unter der Leitung von Zubin Mehta sang sie im La Fura-dels-Baus-»Ring« in Valencia und debütierte unter der Leitung von Christian Thielemann als Erda und Waltraute bei den Bayreuther Festspielen, wo sie seitdem regelmäßig zu Gast ist. So sang sie dort im Festspielsommer 2015 Brangäne in der Neuproduktion »Tristan und Isolde« sowie Mary in Der fliegende Holländer und kehrte 2016 mit beiden Partien nach Bayreuth zurück. 2015 gab Christa Mayer ihr Debüt am New National Theatre in Tokio als Erda in einer Neuproduktion von »Das Rheingold«. Die Oberpfälzerin studierte Gesang an der Bayerischen Singakademie und an der Musikhochschule München. Gastspiele führten sie u.a. an die Opernhäuser in Berlin, Hamburg, München, Venedig, Florenz, Barcelona, Bilbao und Sevilla, zum Rheingau und Schleswig-Holstein Musikfestival sowie zum Lucerne Festival.

Auch Albert Dohmen kann auf eine langjährige internationale Karriere zurückblicken, die ihn in den großen Rollen seines Fachs an die bedeutenden Opernhäuser der Welt führt. Sein Debüt an der Metropolitan Opera New York gab Albert Dohmen 2003/04 als Jochanaan und etablierte sich darüber hinaus als einer der führenden Wotan-Interpreten seiner Generation: 2007 gab er sein Debüt bei den Bayreuther Festspielen im »Ring«-Zyklus als Wotan und als Wanderer und war in diesen Partien auch in den Folgejahren zu hören. Neben vielen weiteren wichtigen Engagements gab Dohmen die Partie des Orest in »Elektra« unter Christian Thielemann in Baden-Baden. Im Januar 2018 kehrt Dohmen als Alberich im »Ring« nach Dresden zurück.

Semperoper Dresden / Rheingold hier Georg Zeppenfeld als Hunding, Petra Lang als Sieglinde, Christopher Ventris als Siegmund © Frank Hoehler

Semperoper Dresden / Rheingold hier Georg Zeppenfeld als Hunding, Petra Lang als Sieglinde, Christopher Ventris als Siegmund © Frank Hoehler

Zu Gast an der Semperoper Dresden in der Partie des Wotan ist Vitalij Kowaljow, der sich als einer der international gefragtesten Bässe etabliert hat und mit 40 großen Opernpartien in seinem Repertoire weltweit an allen großen Opernhäusern gastiert. Seine musikalische Ausbildung erhielt Kowaljow in Moskau, Bern und Biel. Gastengagements führten ihn unter anderem an die Metropolitan Opera in New York, die San Francisco Opera, die Lyric Opera in Chicago, das Royal Opera House Covent Garden, das Teatro alla Scala in Mailand, die Wiener Staatsoper, die Semperoper Dresden und in die Arena di Verona. Bereits 2009/10 sang er die Partien des Wotan und des Wanderers im Ring des Nibelungen in Los Angeles in der Inszenierung von Achim Freyer. Den Walküren -Wotan interpretierte er unter anderem auch an der Mailänder Scala unter der Musikalischen Leitung von Daniel Barenboim und 2014 unter Valery Gergiev bei seinem Debüt am St. Petersburger Mariinsky-Theater sowie in seinem von Publikum und Presse gefeierten Debüt beim Edinburgh Festival im »Das Rheingold«, ebenso mit dem Mariinsky Theater unter Valery Gergiev.

Der niederösterreichische Tenor Andreas Schager, der in den Partien des »Siegfried« an der Semperoper zu hören sein wird, feierte seinen vielbeachteten Durchbruch gleich nach dem Sprung vom lyrischen Tenor ins dramatische Heldenfach. Aktuell ist er sowohl auf Grund seiner stimmlichen wie darstellerischen Leistung ein viel gefragter Wagner-Interpret. Seit 2015 ist Schager festes Ensemblemitglied der Staatsoper Unter den Linden, wo er unter Daniel Barenboim sein Rollendebüt als Parsifal gab. Nach zahlreichen weiteren internationalen Engagements folgte 2017 das Debüt in der Wiener Staatsoper als Apoll in der Richard Strauss-Oper »Daphne« sowie als Parsifal bei den Bayreuther Festspielen. In dieser Rolle wird er auch 2018/19 wieder nach Bayreuth zurückkehren.

Im der zweiten Aufführung des Zyklus wird der US-amerikanische Heldentenor Stephen Gould am 1. Februar 2018 die Titelpartie des Siegfried singen. Gould studierte unter anderem an der Lyric Opera in Chicago und wechselte erst nach acht Jahren am Musicaltheater zurück ins Opernfach. Spätestens seit seinem Auftritt als Siegfried bei den Bayreuther Festspielen unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann hat sich Gould als einer der international führenden Sänger etabliert, der seinen Weg auf die großen Bühnen dieser Welt findet. Den Siegfried interpretierte Gould unter anderem bereits an den Staatsopern in Wien und München sowie an der Metropolitan Opera New York. Weitere große Partien seines Repertoires sind der Erik im »Fliegenden Holländer«, Siegmund in »Die Walküre«, Lohengrin, Parsifal und Tannhäuser aber auch Strauss-Rollen wie der Bacchus in »Ariadne auf Naxos«.

Der Bassist Georg Zeppenfeld zählt nicht nur an der Semperoper, sondern auch bei den Bayreuther Festspielen zu den Publikumslieblingen, wo er 2010 als König Heinrich in »Lohengrin« sein Debüt gab. Zeppenfeld gastiert an nahezu allen großen Opernhäusern Europas sowie an der Metropolitan Opera New York, in Chicago und San Francisco. Unter Dirigenten wie Myung-Whun Chung, Daniele Gatti, Fabio Luisi, Zubin Mehta, Kent Nagano, Peter Schneider, Marcello Viotti und Claudio Abbado konnte er sich ein breites Repertoire an Basspartien erarbeiten. Von 2001 bis 2005 war er Ensemblemitglied an der Semperoper Dresden, wohin er immer wieder als Gast zurückkehrt, unter anderem in der Spielzeit 2015/16 für sein Rollendebüt als Baculus in der Neuinszenierung »Der Wildschütz«. Der Bass ist auch in der Spielzeit 2017/18 an der Semperoper neben vielen anderen Partien unter anderem zu Gast in der Neuproduktion von Lucia di Lammermoor und im »Ring«-Zyklus als Fasolt in »Das Rheingold«, als Hunding in »Die Walküre« und als Fafner in »Siegfried« zu erleben. Im Oktober 2015 wurde Georg Zeppenfeld der Ehrentitel Kammersänger verliehen.PMSODr


Die Aufführungstermine an der Semperoper

Ring-Zyklus 1
Sa, 13.1.2018, 18 Uhr           Das Rheingold
So, 14.1.2018, 16 Uhr           Die Walküre
Do, 18.1.2018, 17.30            Siegfried
Sa, 20.1..2018, 16 Uhr         Götterdämmerung

Ring-Zyklus 2
Mo, 29.1.2018, 19 Uhr          Das Rheingold
Di, 30.1.2018, 18 Uhr           Die Walküre
Do, 1.2.2018, 17.30 Uhr      Siegfried
So, 4.2.2018, 16 Uhr           Götterdämmerung

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Hamburg, Elbphilharmonie, Alpensinfonie – Capriccio Introduktion + Finale, IOCO Kritik, 08.11.2017

November 7, 2017 by  
Filed under Elbphilharmonie, Hervorheben, Konzert, Kritiken

Elbphilharmonie Hamburg

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

Elbphilharmonie Hamburg / Lasershow zur Eröffnung © Ralph Lehmann

AlpensinfonieCapriccio Introduktion + Finale

 Altmeister Marek Janowski verzaubert die Elbphilharmonie Hamburg

Von Patrik Klein

Das Bedürfnis von guten Orchestern unter der Leitung von gereiften und erfahrenen Dirigenten zu arbeiten scheint sehr ausgeprägt zu sein, denkt man u.a. an den 90jährigen Herbert Blomstedt, den 81jährigen Eliahu Inbal, den 77jährigen Christoph Eschenbach und den 78jährigen Marek Janowski, der das Philharmonische Staatsorchester Hamburg beim zweiten Konzert der gerade begonnenen neuen Saison in der Elbphilharmonie furios leitete.

Janowski gilt als autoritärer, bewährter Klangerzieher, der gerade von der Spree als Chef des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin an die Elbe zu wechseln scheint. Ab der Saison 2019/20 wird er wohl Chefdirigent der Dresdner Philharmoniker, die gerade erst in den renovierten Dresdner Kulturpalast zurückgezogen sind und damit direkter Konkurrent zum „Platzhirsch“ Christian Thielemann mit seiner Dresdner Staatskapelle. Janowski war bereits von 2001 bis 2003 Chefdirigent der Dresdner Philharmoniker, ging aber dort vorzeitig aus Verärgerung über das Hin und Her der Stadt beim Streit um einen neuen Konzertsaal wieder weg.

Zweites Konzert des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg ganz im Zeichen des großen deutschen Komponisten Richard Strauss

Zweimal durfte ich ihn bislang erleben. Zum einen als Dirigent des aktuellen Bayreuther Ring des Nibelungen, wo ich vor einigen Wochen eine Vorstellung Götterdämmerung erlebte und zum anderen als Gestalter einer konzertanten Aufführung von Wagners Rheingold mit dem NDR Elbphilharmonieorchesters Hamburg und namhaften Solisten hier an gleicher Stelle vor einigen Monaten. In beiden Fällen genoss man beherztes, emotionales Musizieren mit klaren, temporeichen Strukturen und farbenfrohe, dynamischste Klangteppiche der Extraklasse.

Nach zuletzt Haydns Die Jahreszeiten hat man sich heute im Rahmen der Themenreihe „große Komponisten“ dem deutschen Richard Strauss (1864 – 1949) gewidmet zunächst mit dem Schlussgesang aus der Oper Capriccio mit der wunderbaren Sopranistin Michaela Kaune und der Programmmusik (Sinfonische Dichtung) Eine Alpensinfonie op. 64. Kurz vor den Proben intervenierte Janowski und änderte das Programm, indem er die Introduktion von Capriccio hinzufügte und das Finale mit dem zwar kurzen, aber für ihn notwendigen Part des Haushofmeisters (gesungen von Wilhelm Schwinghammer) ergänzte.

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Philharmonisches Staatsorchester © Patrik Klein

 Strauss schrieb Capriccio während des zweiten Weltkriegs, als Deutschland im Begriff war, seinen Russlandfeldzug zu beginnen. Das Stück jedoch spielt zur Zeit eines ganz anderen Konfliktes, nämlich der sogenannten Querelle des bouffons, des „Buffonistenstreits“. Mitte des 18. Jahrhunderts wurde in Paris in einem öffentlichen Disput hitzig über die Vorzüge der französischen und der italienischen Oper diskutiert. Capriccio steckt voller historischer Anspielungen und Selbstverweise aus Gluck, Piccinni, Rameau usw.

Der Text des Sonetts, um das sich Capriccio dreht, entstand zusammen mit Clemens Krauss. Dieser bezog sich auf ein Stück aus dem 16. Jahrhundert von Pierre de Ronsard, einem Mitglied der Dichtergruppe Pléiade. Ähnlich wie bei Wagners Meistersingern, wo man im dritten Akt die Entstehung von Walther von Stolzings Preislied miterlebt, gewährt auch Capriccio seinem Publikum Einblick in den Kompositionsprozess des Sonetts.

Mit der Ouvertüre bzw. der Introduktion zeigt Richard Strauss, dass er auch ganz anders komponieren konnte. Mit dem Streichsextett bestehend aus 2 Violinen, 2 Violoncelli und 2 Violen liefert er eine vielseitige Hinterlassenschaft in moderner Tonsprache, die weit ins 20. Jahrhundert an allen bisher bekannten Musiksprachen vorbeigeht. Capriccio ist seine letzte Oper, die für ihn den perfekten Zusammenfluss aus Sinfonischer Dichtung und Liedgesang darstellt. Der Komponist war hierbei beinahe so konsequent wie sein großes Vorbild Richard Wagner, bei dem auch der Klang vor der Textverständlichkeit rangierte.

 Elbphilharmonie Hamburg / Solisten vlnr Michaela Kaune, Wilhelm Schwinghammer, Marek Janowski, Konzertmeister Konradin Seitzer © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Solisten vlnr Michaela Kaune, Wilhelm Schwinghammer, Marek Janowski, Konzertmeister Konradin Seitzer © Patrik Klein

Strauss´ Lieblingsinstrument, die Sopranstimme, steht dann im Zentrum des Finales. Ein ausführliches Orchestervorspiel leitet die Schlussszene ein, in der die Gräfin (Michaela Kaune) endgültig zwischen dem Dichter und dem Komponisten wählen muss. Sie kann diese Entscheidung aber nicht treffen, da sie als Sängerin sowohl für den Text als auch für die Musik steht. Wenn der letzte Ton verklungen ist, scheint diese Frage offen zu bleiben. In der Schlussszene in Des-Dur erstrahlt mit der großartigen Sopranarie eine Komposition, die zu den schönsten von Strauss gehört und die als sein Testament verstanden werden kann. Sie ist ein deutlicher Hinweis, dass der Musik und nicht dem Wort die oberste Herrschaft gebührt.

 Elbphilharmonie Hamburg / Solisten Wilhelm Schwinghammer, Michaele Kaune © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Solisten Wilhelm Schwinghammer, Michaele Kaune © Patrik Klein

 Die sechs Musiker in der ersten Reihe des riesigen Orchesters beginnen um den noch taktstocklosen Dirigenten herum mit ihrem Spiel. An der Violine Konradin Seitzer und Sebastian Deutscher, an der Viola Naomi Seiler und Isabelle-Fleur Reber sowie am Violoncello Thomas Tyllak und Clara Grünwald entwickeln aus der ganz ruhigen Anfangssequenz, die wunderbar form- und klangschön gespielt wird, eine furioses und komplexes Musikstück. Zarte bis kräftige Farbwechsel im Spiel werden ganz besonders durch den Konzertmeister Konradin Seitzer wundervoll führend artikuliert. Der Maestro, mittlerweile zum Taktstock greifend, lässt das Philharmonische Staatsorchester Hamburg mit feinen Hörnerklängen und sanften Streicherbögen das Finale beginnen. Querflöten, Trompeten kommen dazu und fahren das „große Instrument“ in Strausssche Normallautstärke; schwungvoll, zügig, feine Bögen beschreibend, entwickeln sich die melodischen Sequenzen. Die Solisten treten auf. Die Gräfin nimmt das Gespräch mit dem Haushofmeister auf. Michaela Kaune, die als Hamburgerin leider viel zu selten an der Staatsoper zu hören ist, glänzt mit ihrer wunderbaren Stimme. Sie erscheint auch durch den fabelhaften, sängerfreundlichen Dirigenten textverständlich in ihrem Element zu sein. Sie hat ganz viele Farben in ihrer Stimme und klingt sowohl im Piano als auch im Forte emotional, warmherzig und dramatisch. Mit wunderschönen Crescendis und Decrescendis ist ihre Stimme ideal für die vielen Farben in Strauss´ Musik. Sie folgt dem Meister am Pult bereitwillig und wundervoll dynamisch mit höchster Konzentration. Der Haushofmeister wird von Wilhelm Schwinghammer gegeben, der zwar nur wenige Sätze zu singen hat, aber mit seinem warmen Bass eine „musikalische Duftmarke“ setzt. Nachdem die wundervolle Musik verklungen ist, belohnt das Hamburger Publikum die ersten 30 Minuten mit warmem, herzlichen Applaus.

Nach der Pause:  Eine Alpensinfonie op. 64 – Eine Sinfonische Dichtung des Komponisten Richard Strauss.

Die Idee der Komposition geht auf ein Erlebnis aus Richard Strauss’ Kinderzeit zurück. Er hatte sich im Sommer 1879 auf dem Heimgarten in den Bayerischen Voralpen verstiegen und war in ein Gewitter gekommen. Dieses Ereignis stellte er tags darauf am Klavier dar. Aus dieser Erinnerung entwickelte er später das Konzept.

Erste Skizzen zur Alpensinfonie stammen aus dem Jahre 1900. Strauss plante unter dem Arbeitstitel „Künstlertragödie“, die das Schicksal des Porträtmalers Karl Stauffer-Bern darstellen sollte, der passionierter Bergsteiger war. Die musikalische Darstellung einer Bergbesteigung war einer von mehreren geplanten Abschnitten in der Darstellung der Biographie Stauffers. Im Jahr 1902 weitete Strauss die Konzeption zu einer viersätzigen Sinfonie aus, deren erster Satz die Bergbesteigung, die übrigen Sätze weitere Themen aus Stauffers Vita enthalten sollten. Arbeitstitel war nunDer Antichrist, eine Alpensinfonie. Der Titel zeigt, dass Strauss die Figur Stauffer mit der Person Nietzsche und seiner Philosophie identifizierte. Der erste Satz wurde ziemlich weit skizziert und enthält in wesentlichen Stücken die Gestalt der Endfassung. Dennoch blieb das Werk liegen. 1910, während der Arbeit am Rosenkavalier, nahm Strauss die Arbeit am ersten Satz wieder auf. Um 1913 fiel wohl die Entscheidung, aus dem ersten Satz ein eigenständiges Stück zu machen. Bis in die spätesten Skizzen hinein sollte das Werk Der Antichrist, eine Alpensinfonie heißen. Erst in der Partiturreinschrift, die nach hunderttägiger Arbeit am 8. Februar 1915 vollendet wurde, findet sich der endgültige Titel.

Die Uraufführung mit der Dresdner Hofkapelle fand am 28. Oktober 1915 in Berlin unter der Leitung des Komponisten statt.

Es war die erklärte Absicht Richard Strauss´, dem Hörer die Stationen einer Bergwanderung als Tongemälde unmittelbar sinnlich erfahrbar zu machen. Dieses Ziel erreicht das Werk  in beeindruckender Weise. Die Wirkung beruht vor allem auf der raffinierten Orchesterbesetzung und nuancenreichen Instrumentierung. Nicht ohne Reiz ist auch das spannungsvolle Nebeneinander sehr subtiler und eher banaler Effekte (Kuhglocken, Donnerblech). Die Orchesterbesetzung ist sehr groß. Insgesamt werden laut Strauss’ Angaben mindestens 107 Musiker benötigt. Aus den Anweisungen des Komponisten, manche Instrumente über das Minimum hinaus womöglich zu verstärken und für das Fernorchester hinter der Bühne eigene Musiker vorzusehen, ergäbe sich nach den Vorstellungen Strauss’ eine Optimalbesetzung von mindestens 129 Musikern.

Die der sinfonischen Dichtung zugrunde liegende Bergbesteigung samt nachfolgendem Abstieg beginnt mit dem einleitenden Abschnitt Nacht, durchschreitet verschiedene Stationen und endet wiederum in einem als Nacht bezeichneten Abschnitt. Es ist aber vermutlich nur zum Teil die Absicht des Komponisten gewesen, eine Bergwanderung zu beschreiben. Der von Strauss beschriebene Wanderweg lässt sich gleichsam als sinfonische Darstellung eines menschlichen Lebens betrachten.

 Elbphilharmonie Hamburg / Marek Janowski beim Schlussapplaus nach der Alpensinfonie © Patrik Klein

Elbphilharmonie Hamburg / Marek Janowski beim Schlussapplaus nach der Alpensinfonie © Patrik Klein

Manchmal nervt es einfach nur: Etliche Huster stören die Szenerie der vom Orchester leise gestalteten Nacht derart, dass der Konzertmeister seine Konzentration und beinahe seine Fassung verliert, als er grimmig ins Publikum blickt. Recht hat er und immer wieder kaum zu glauben, wie sich plötzlich jede Person autorisiert fühlt, den „Nachdemfrühstückshuster“ genussvoll anzusetzen, gerade dann, wenn es von anderen besonders leicht wahrzunehmen ist. Beim Sonnenaufgang, als das Orchester bereits die Vielfalt der nun kommenden Musikstunde andeutet und zum ersten Mal drei f ausgepackt hat, beruhigt sich das Gehuste zum Glück und man kann sich endlich dem Konzert zuwenden. Die Alpensinfonie hat Fahrt aufgenommen und ein Tempo, das besonders deutlich wird, als in der Einführung vor dem Konzert einige Musikpassagen anderer Orchester deutlich langsamer über die Lautsprecher klangen. Die Mühen des steilen Anstiegs werden plastisch in verschiedensten Farben und Klängen dargestellt. Das unsichtbare Hintergrundorchester mit Hörnern, Trompeten und Posaunen blüht zum ersten Mal herrlich tönend auf. Die Natur ruft durch den Eintritt in den Wald, die Wanderung neben dem Bache und das Verweilen am Wasserfall. Durch virtuosen Umgang mit den vielen verschiedenen Instrumenten wirkt die Musik authentisch und zu Herzen gehend. Besonders die Streicher, Oboen, Flöten und Hörner malen die schillerndsten Farben der Natur. Janowski wählt ein für mich äußerst glaubwürdiges Tempo und eine herrliche Dynamik, die die Musik Richard Strauss zu einem Genuss werden lässt. Er dirigiert machtvoll, kraftvoll, stark gestikulierend, manchmal ganz fein tänzelnd, das Riesenorchester zu jeder Zeit voll im Griff. Er nimmt es aber auch an filigranen Stellen deutlich zurück, um es wieder erneut spielfreudig auftrumpfen zu lassen. Es duftet herrlich auf den Wiesen nach bunten Blumen. Es erklingen die Kuhglocken auf der Alm. Man hört das Flirren der Vögel, das Blöken der Schafe. Die Oboe übernimmt immer wieder eine Sonderrolle, indem sie nicht wie üblich gespielt wird, sondern durch Verzerrungen ganz besondere Klänge und Wirkungen erzeugt. Weiter geht die anstrengende Wanderung durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen über den Gletscher zum Ziel. Volles Blech mit sauberen Trompeten- und Posaunenklängen unterstützt durch herrlichen Orgelsound führen uns die gefahrvollen Augenblicke auf dem Weg zum Gipfel musikalisch brillant vor Augen. Bei manchen Klängen muss ich an Wagners Nibelungenring denken. Acht Hörner und 2 Tuben liefern einen Sound, der einen an eigene Wanderungen und Erfahrungen im Hochgebirge erinnert. Auf dem Gipfel angekommen dann die volle Pracht eines 130 Musikerorchesters, das den großen Saal der Elbphilharmonie erstrahlen lässt. Aber es wird auch wieder leiser, filigraner und anmutiger durch ein feines Spiel zwischen den Streichern und Bläsern, Tuben und Hörnern, die zum Teil mit Dämpfern versehen ganz besondere Effekte erzeugen. Nebel steigt auf und Visionen erfüllen den Wanderer. Doch es droht erneut Unheil, denn die Sonne verfinstert sich allmählich. Der herannahende Sturm wird zunächst fast atonal gezeichnet, dann als er erscheint, mit Streicher- und Trommelwirbel, Windmaschine und Orgel wieder melodischer. Das Orchester tobt und kracht. Die möglichst schnelle Flucht vom Gipfel ist musikalisch angesagt. Die Natur beruhigt sich wieder allmählich. Das Anfangsthema kommt ganz langsam wieder zu Tage. Zunächst Orgel und Horn alleine und dann mit Querflöten, Oboen, Fagotten schließt sich leise und hustenfrei der Kreis der Wanderung oder der des Lebens, indem erneut die Nacht erscheint. Wie bei Wagners „Götterdämmerung“ klingt es voller Hoffnung, trotz der völligen Zerstörung und dem Untergang des Erreichten. Das Orchester musiziert dabei ganz wunderbar, ganz sauber, nicht der kleinste falsche Ansatz oder Kieckser.

Strauss, nach Vollendung der Alpensinfonie: „Jetzt habe ich endlich instrumentieren gelernt“.

Nach einer Minute der Stille dankt das Publikum allen Musikern des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg und dem Dirigenten Marek Janowski mit langanhaltendem, stürmischem Beifall.

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Bayreuth, Bayreuther Festspiele 2017, Tristan – Parsifal – Festspiel-Erlebnisse, IOCO Aktuell, 20.08.2017

August 19, 2017 by  
Filed under Bayreuther Festspiele, IOCO Aktuell, Oper

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele

 Bayreuther Festspiele 2017 – Mitreißende IOCO Erfahrungen

Tristan und Isolde, Götterdämmerung, Parsifal, IOCO – Redaktionstreffen, Begegnung mit Richard Wagners Urenkelin Katharina Wagner

Von  Patrik Klein

Seit beinahe 30 Jahren reisen meine Frau und ich regelmäßig nach Bayreuth zu den Festspielen, so auch in diesem Jahr. Doch 2017 ist anders als die vielen Jahre zuvor: Erstmals fungiere ich in Bayreuth offiziell als IOCO Koordinator: IOCO Redaktionsmitglied Dr. Hanns Butterhof, besuchte die vier Vorstellungen des Ring des Nibelungen, den Castorf – Ring 2017 und veröffentlichte bei www.ioco.de seine packende Rezension. IOCO – Kollege Dr. Albrecht Schneider wird die Meistersinger, inszeniert von Barrie Kosky, noch besuchen und ebenso bei IOCO berichten. Als IOCO – Koordinator für die Bayreuther Festspiele nahm ich gerne die Gelegenheit wahr, das Kulturportal IOCO, meine Kollegen und mich bei Peter Emmerich, Leiter Marketing und Presse der Bayreuther Festspiele, vorzustellen. In seinem Büro sitzend, IOCO vorstellend, trat plötzlich und völlig unerwartet Katharina Wagner herein, setzte sich zu uns und nahm interessiert wie aktiv an unserem Gespräch teil. Da meine Frau und ich Karten für Tristan und Isolde hatten, Petra Lang (Isolde) aber wegen Indisposition durch Ricarda Merbeth ersetzt wurde, unterhielten wir uns mit Katharina Wagner angeregt über Nöte kurzfristiger Umbesetzungen, die Bayreuther Festspiele allgemein wie auch Ziele und Schwerpunkte des Kulturportales www.ioco.de, IOCO – Kultur im Netz GmbH. Eine für mich wunderbare Erfahrung, all dies im Herzen der Festspiele persönlich wie intensiv kommunizieren zu können.

Bayreuther Festspiele / Katharina Wagner © Matthias Balk

Bayreuther Festspiele / Katharina Wagner © Matthias Balk

Die folgenden Tage in Bayreuth bestanden aus dem Besuch von Tristan und Isolde, Götterdämmerung und dem Spätwerk des Meisters, Parsifal. Dazu im Hotel Goldener Löwe eine kleine Redaktionssitzung zu aktuellen wie zukünftigen Zielen von IOCO; mit Viktor Jarosch und Dr. Hanns Butterhof. Dr. Butterhof besuchte und rezensierte bereits den Bayreuther  Castorf – Ring 2017 (link hier).

Vor dem Festspielhaus Bayreuth: IOCO Bayreuth Koodinator Patrik Klein, Viktor E. Jarosch, Dr. Hanns Butterhof Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Vor dem Festspielhaus Bayreuth: IOCO Bayreuth Koodinator Patrik Klein, Viktor E. Jarosch, Dr. Hanns Butterhof Festspielhaus Bayreuth © Patrik Klein

Tristan, Götterdämmerung, Parsifal – Kurze Eindrücke

Tristan und Isolde: Die Musik Richard Wagners geht über Alles. Seine Musik geht durch Mark und Bein; sie regt auf; sie regt an zum Nachdenken, zum Träumen und zum Weinen. Katharina Wagner, Leiterin der Bayreuther Festspiele und Urenkelin Richard Wagners, versteht es blendend in Ihrer Inszenierung von Tristan und Isolde Spannung aufzubauen, Spannung welche fasziniert. Sie schafft es, innere Seelenbilder „sichtbar“ zu machen. Ähnlich der Ruth Berghaus Inszenierung in Hamburg setzt sie an bei der Vorgeschichte.

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde © Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde © Enrico Nawrath

Tristan und Isolde lieben sich seit langem, bereits seit der Vorgeschichte in Irland (1. Akt „Dein Elend jammerte mich“ in Liebe-unterstreichender Tonart). König Marke wird nicht als etwas dümmlicher Opa charakterisiert, sondern ist Diktator, Schurke, Egoist. Die Handlung der Katharina Wagner – Inszenierung ist folgerichtig und klug durchdacht. Tristan und Isolde  brauchen keinen Liebestrank (mir klopft das Herz). Sie schütten ihn sogar weg u.v.m. Im zweiten Akt wird deutlich, dass sie wissen, dass dies ihre letze Nacht (Liebesnacht) werden wird. Der dritte Akt endet nicht wie so oft mit einem verklärten Liebestod (Wagner hat nie geschrieben, dass sie stirbt); Isolde spielt noch ein wenig mit der Leiche ihres Geliebten und wird dann schroff von Marke in ihre Kammer gezerrt. Atemberaubend und großartig dargestellt. Das Orchester der Bayreuther Festspiele ist „des Wahnsinns fette Beute“. Am Beginn des dritten Aktes kann man die Tränen angesichts der Schönheit der Musik nicht mehr zurückhalten. Warum auch?

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde - Schlussapplaus © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele / Tristan und Isolde – Schlussapplaus © Patrik Klein

Christian Thielemann dirigiert perfekt; flüssig; an manchen Stellen innehaltend; wuchtig; solide; abenteuerlich. Es ist eine Freude. Der Gesang ist besser als befürchtet. Grandios mit allesüberstrahlendem Bass René Pape. Kraftvoll bis zum letzten Atemzug der Tristan von Stephen Gould. Ricarda Merbeth singt ordentlich von der Seite für die erkrankte Petra Lang. Frau Lang spielt stumm. Die Brangäne wird von der wohlklingenden Christa Mayer dargestellt. Insgesamt sind die Stimmen bis auf René Pape wenig textverständlich. Obwohl ich den Text der Oper Tristan und Isolde recht gut kenne, sehnt man die fehlenden Übertitel herbei. Großer Jubel und Getrampel nach sechs Stunden spannendem Musiktheater.

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung - Finale © Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung – Finale © Enrico Nawrath

Götterdämmerung: Da Dr. Hanns Butterhof bereits ausführlich über den Ring berichtete, hier mein kurzer Eindruck von der Castorfschen Apokalypse des Kapitalismus. Die Vorstellung gerät, wenn man die drei vorherigen Teile nicht sehen konnte, leicht zu einer Reizüberflutung größten Ausmaßes. Nie zuvor war ich nach einer Götterdämmerung emotional so fertig und scheinbar überrannt. Doch die Musik war umso erstaunlicher. Marek Janowski dirigierte vor Kurzem mit dem NDR Elbphilharmonieorchester und Weltklassesängern ein großartiges Rheingold in der Elbphilharmonie Hamburg. Die musikalisch hohe Qualität setzte sich hier in Bayreuth   nahtlos fort.

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung - Schlussapplaus © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele / Götterdämmerung – Schlussapplaus © Patrik Klein

Janowski dirigiert zügig; sehr zügig, aber spannend und facettenhaft. Das machte Spaß. Die Sängerriege kurzum großartig erhielt Zuspruch ohne Einschränkungen. Es ist wunderbar, ein solches gleichförmiges Niveau erleben zu dürfen. Der Chor unter Eberhard Friedrich singt im Weltklassemodus. Man wünscht sich als Hamburger an dieser Stelle, dass es ihm gelänge, dies auch an der Hamburgischen Staatsoper häufiger umzusetzen.

Bayreuther Festspiele / Parsifal 1. Akt © Enrico Nawrath

Bayreuther Festspiele / Parsifal 1. Akt © Enrico Nawrath

„Ich denke an manchen Tagen, dass es besser wäre, wenn wir gar keine Religionen mehr hätten“, so der Dalai Lama. Parsifal bei den Bayreuther Festspiele 2017: Ein Ereignis.  Regisseur Uwe Eric Laufenberg gibt zu denken; er provoziert mit sanften Bildern, nicht wie gestern der Chef des aktuellen Ringes. Seine Bilder rauben mir den Atem. Wir befinden uns in Mossul, wenn ich die Raumfahrt über google earth richtig gedeutet habe. In einer beschädigten Kirche, die nachts Flüchtlingen Unterschlupf gewährt. Soldaten queren und in der Kuppel sitzt eine Gestalt auf einem Stuhl, blau gekleidet mit schwarzen Locken…starr und stumm…sie wird uns die ganzen 4 Musikstunden begleiten, nichts sagen, nichts tun, nur ab und an mal angestrahlt; die machtlose Mutter Gottes? Die Gralsritter wirken hektisch und es lauert Gefahr. Gurnemanz (überragend Gerd Zeppenfeld) weist den schwantötenden Parsifal (Andreas Schagerl in Bestform) in seine Schranken. Die Verwandlungsmusik wird bebildert durch eine Videowand in voller Bühnenbreite. Durch das Kuppeldach der Kirche fliegen wir in den Weltraum und sehen Sterne, Chaos und wilde Schönheit. Und wir landen wieder dort, im Irak, an der Grenze zur Türkei. Amfortas (großartig Ryan McKinny) leidet und durchlebt eine Tortur des Rituals der Gralsenthüllung. Der Chor unter Eberhard Friedrich klingt erschütternd. Amfortas wird die Wunde gewaltsam geöffnet, Blut entnommen und in den Kelch gefüllt. Verrohen die Gralshüter angesichts der brutalen Ereignisse? Im zweiten Aufzug im Reich des Klingsors (Werner Van Mechelen mit einem kraftvollen Bayreuthdebut) findet in einem Hamam statt. Die Blumenmädchen sind als Muslima getarnt und unter Burkas verhüllt. Erst als Parsifal erscheint, entledigen sie sich der Kleidung und erscheinen in farbenfrohen Gewändern. Parsifal im Dialog mit der großartigen Kundry, Elena Pankratova, wird durch Mitleid wissend und nimmt sich Kundry ordentlich zur Brust.

Bayreuther Festspiele / Parsifal - Schlussapplaus © Patrik Klein

Bayreuther Festspiele / Parsifal – Schlussapplaus © Patrik Klein

Ein gefangen gehaltener Gralshüter tut es ihm gleich, während Klingsor sich in einem Kuppelraum vollgestopft mit Kreuzen mit einer Peitsche malträtiert. Im dritten Akt befinden wir uns viele Jahre später wieder im Dunstkreis Amfortas. Gurnemanz im Rollstuhl, kaum noch gehfähig, Kundry eine Greisin. Der Ort ist verwildert mit riesigen Pflanzen, die das Mauerwerk längst durchstoßen haben. Ersehntes Wasser regnet in Strömen aus den Wolken während beim Karfreitagszauber wieder ein Videoausflug stattfindet, bei dem Kundry, Amfortas und Wagners Totenmaske „erlöst“ werden. Die Schlussszene wiederholt sich wie am Anfang. Die wütenden Gralshüter fordern massiv ein letztes Mal die Enthüllung von Amfortas (der Chor sehr ausdrucksstark!). In offenem Sarg werden die religiösen Attribute der großen Weltreligionen versenkt, währenddem die Kirche aufreißt, das Licht im Zuschauerraum anschwillt und das Ensemble friedvoll in der Hinterbühne verschwinden. Der Vorhang fällt NICHT! Jubel ohne Ende für alle Beteiligten und ganz besonders für das atemberaubende Dirigat Hartmut Haenchens.

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