Bregenz, Festspiele 2017, Carmen – Im Bann von Karten und Symbolen, IOCO Kritik, 01.08.2017

August 1, 2017 by  
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Bregenzer Festspiele

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenz: Im Bann von Karten und Symbolen

Carmen von George Bizet

Von Daniela Zimmermann

Der prüfende Blick zum Himmel gehört dazu. Ausgerechnet an diesem Tag musste das Wetter nach all der vorangegangenen Hitze umschlagen; graue Wolken und Kühle. Aber wir, all die 7000 Zuschauer auf der ausverkauften Festspieltribüne am See, hatten Glück. Es blieb bei Wolken, es regnete nicht, das Event nahm seinen Lauf.

Der aus Dänemark stammende Regisseur Casper Holten bringt seine Carmen Inszenierung  in zwei  Stunden, ohne Pause. Holten und seine englische Bühnenbildnerin Es Devlin sind eingespielt. Das spektakuläres Bühnenbild von Es Devlin dominiert das Geschehen auf die Seebühne: Zwei riesige, 21 Meter hohe Hände links und rechts der Bühne, eine Hand mit glimmender Zigarette. Die Hände sind wirken etwas ungepflegt, der Nagellack blättert leicht ab. Überdimensionierte Spielkarten schweben zwischen den Händen in der Luft, verteilen sich auf dem Boden, bewegen sich beständig zur Komposition passend. Diesen Karten haucht Luke Halls mit faszinierenden, in Ausdruck und Farben beständig wechselnden Videoprojektionen die in Bizets´ Komposition gegebene Symbolik ein. Diese Karten, sich drehend, als beständig changierende Projektionsfläche wie als Lauffläche dienend und letztlich auch teilweise  im Bodensee versinkend, werden zum zentralen wie auffälligen  Element der  Carmen – Inszenierung der Bregenzer Festspiele 2017.

Bregenzer Festspiele / Carmen - Carmen, Solisten und Ensemble © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen – Carmen, Solisten und Ensemble © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Die Videoprojektionen Luke Halls beschreiben das Schicksal der  Protagonisten auf der Bühne: Die Herzdame leuchtet für die kartengläubige Zigeunerin und Schmugglerin  Carmen auf, der Karo Bube für Don José, das schwarze Pik As für Escamillo. Rote aufgedeckte Karten unterstreichen die quirlige Atmosphäre in der Schmugglerkneipe. Bei den Schmugglern verfließt das Schwarz der Karten in letztendlich trübe werdende Andalusische Postkarten. Gelegentlich werden auch Carmen  oder Micaela singend in Großaufnahme auf eine der Karte projiziert. Auf der optisch ohnehin so ansprechenden Seebühne Bregenz mag man Augenschmaus, mitreißende Optik: Die vielfältigen Videoprojektionen auf übergroße Spielkarten sind das höchst gelungenes Medium dieser Inszenierung.

Auch leidet die Seebühne nicht unter den räumlichen Beschränkungen eines Opernhauses, es können zusätzliche Register gezogen werden: Der Bodensee, das Element Wasser, wird in die Inszenierung einbezogen. Spielkarten versinken letztlich auch im Wasser, Escamillo entsteigt einem Boot, Carmen – auf der Flucht – springt ins Wasser und schwimmt von dannen, Schmugglerware wird leise per Boot verfrachtet, wunderbar choreographierte Ballettszenen in knöcheltiefem Wasser werden bei eindrucksvoller Beleuchtung (Bruno Poet) und pinkfarbenen Karten getanzt.

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Carmen ist eine selbstbewusste, starke Frau, freiheitsliebend und im jetzt lebend. Für konventionelles Leben nicht geschaffen. Deshalb war die Uraufführung 1875, wo konventionelles Gedankengut noch vorherrschend war, nicht gerade der große Erfolg. Heute garantiert Carmen, eine der weltweit am häufigsten aufgeführten Opern, hohes Zuschauerinteresse. Der Inhalt handelt, wie bei so vielen Opern, von leidenschaftlicher Liebe und Tod bringende Eifersucht: Carmen verliebt sich in Sergeant Don José, der, ihr verfallen, seine Karriere opfert, in seinen Untergang steuert. Die Don José liebende liebende Micaela kann dessen Herz nicht mehr erreichen, während Carmen, ihre Freiheit lebend, sich in den Torero Escamillo verliebt. Der emotional überforderte und verzweifelte Don José tötet die spottende Carmen. In diesen Bregenzer Festspielen ertränkt er Carmen im Bodensee.

Alle Carmen Rollen der Bregenzer Festspiele sind bis zu dreifach besetzt. Zur von IOCO besuchten Vorstellung füllte die ukrainische Sängerin Lena Belkina in ihrem  Debut die große Partie der Carmen mit warm vollen Mezzo mühelos aus. Ebenso stark stellt Melissa Petit die Partie der Micaela, dem einfachen Mädchen vom Dorf, dar. Ihre Partie singt sie mit wunderbar lyrischem Timbre, klar, innig, sanft. Hinreißend ihr Gebet aus 20 Metern luftiger Höhe, auf der Spitze des Spielkarten-Schmugglergebirges.  Gegen diese starken Sängerfrauen Carmen und Micaela behauptet sich Martin Muchle  in seiner zwiespältigen Partie des Don José, rechtschaffend als Sergeant – unberechenbar als der Carmen verfallener, nur schwer. Der Escamillio-erfahrene Litauer Kostas Smoriginas gibt der zentralen Partie mit stattlicher Erscheinung und breitem, rundem Bassbariton den tragenden zentralen Charakter. Auch die weiteren Partien des Abends waren hervorragend besetzt.

Bregenzer Festspiele / Carmen - Carmen und die Arbeiterinnen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Bregenzer Festspiele / Carmen – Carmen und die Arbeiterinnen © Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Die Wiener Symphoniker unter Paolo Carignani spielen mit hoher musikalischer Transparenz und Präzision; Ebenso der Prager Festspielchor und der Bregenzer Festspielchor und der Kinderchor der  Mittelschule Bregenz–Stadt runden das Klangvergnügen am Bodensee ab.

Carmen auf der einmaligen Seebühne Bregenz mit weitem Blick über den Bodensee ist ein großes Event, dominiert von einem spektakulären wie technisch facettenreichem Bühnenbild, packenden Video-Projektionen und faszinierenden Ballettszenen. Wenn auch die riesig dominante Bühnenbildoptik mit ihren technisch ausgeklügelten Facetten  den emotionalen Zugang des Besuchers zum sensiblen Charakter der Handlung wie zur Komposition ein wenig zu behindern scheint: Der Beifall der 7.000 Besucher auf der Seebühne Bregenz war eindeutig. Große Begeisterung für dies Carmen – Event!

Bregenzer Festspiele / Carmen - Bodensee und Carmen Bühnenbild bei Tag und ohne Projektionen © IOCO / Zimmermann

Bregenzer Festspiele / Carmen – Bodensee und Carmen Bühnenbild bei Tag und ohne Projektionen © IOCO / Zimmermann

Bregenzer Festspiele – Carmen von George Bizet wird auf der Seebühne Bregenz  bis zum 20. August 2017 aufgeführt.

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Salzburg, Oper im Berg, Italienische Operngala mit Grace Bumbry, 08.07.2017

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Oper im Berg Festival

 Oper im Berg Festival / Italienische Operngala mit Grace Bumbry © Oper im Berg Festival

Oper im Berg Festival / Italienische Operngala mit Grace Bumbry © Oper im Berg Festival

Oper im Berg – Festspiele, Salzburg

Die Italienische Operngala am 8. Juli 2017 (19h) in der Großen Aula der Universität Salzburg ist zweifelos das Highlight unseres Spielplans. Begleitet vom erweiterten Oper im Berg Festival Chor & Orchester hören Sie die besten 20! Sänger (5 Tenöre, 3 Baritone, 3 Bässe, 2 Mezzo, 7 Soprane) der letzten 10 Jahre.

Weltstar Grace Bumbry selbst wird mit Ausschnitten aus La Forza del destino zu hören sein. U.a. als Venus in Bayreuth, als Carmen in Salzburg, als Tosca an der Met feierte sie Welterfolge und wurde zur Legende. Natürlich werden berühmte Arien und Szenen aus Opern von Verdi, Puccini, Donizetti, Bellini, Rossini – wie z.B Nessun dorma oder der Gefangenenchor nicht fehlen. In einigen Kategorien sind wir bereits ausverkauft. Sichern Sie sich jetzt noch gute Plätze. Die wunderschöne und geschichtsträchtige Große Aula verfügt über eine Tribühne, sowie eine hervorragende Akustik.

Karten zu 49/59/69/79/99 € bei uns, Öticket, Vienna Ticket Office und Salzburg ticket Service.

Pressemeldung Oper im Berg Festival

Nürnberg, Staatstheater Nürnberg, Benefiz-Gala des Damenclubs, 08.06.2017

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Staatstheater Nürnberg

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Staatstheater Nürnberg © Ludwig Olah

Benefiz-Gala des Damenclubs

Benefizkonzert mit Solisten des Staatstheaterensembles im Opernhaus

Der Damenclub zur Förderung der Nürnberger Oper e.V. lädt wieder zum traditionellen Sommernachts-Benefizkonzert am Donnerstag, 08. Juni 2017 (19:30 Uhr), ins Nürnberger Opernhaus.

Staatsintendant Peter Theiler moderiert durch das Programm, das von Solist*innen des Opernensembles und Stipendiat*innen des Internationalen Opernstudios präsentiert wird. Klassiker aus Hoffmanns Erzählungen, Madama Butterfly, Carmen, Die Csárdásfürstin u.a. werden von den Ensemblemitgliedern Levent Bakirci und Alexej Birkus, Kurt Schober sowie von den Mitgliedern des Opernstudios Margarita Vilsone, Irina Maltseva und Yongseung Song vorgetragen. Kapellmeister Andreas Paetzold begleitet die Arien und Duette am Klavier. Der ungarische Violinist Ferenc Babari, ehem. Konzertmeister der Staatsphilharmonie Nürnberg, rundet das Programm mit einigen Bravourstücken auf seinem Instrument ab.

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Oldenburg, Oldenburgisches Staatstheater, Premiere CARMEN, 27.05.2017

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Oldenburgisches Staatstheater

Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter

Staatstheater Oldenburg © Andreas J. Etter

CARMEN von Georges Bizet

Text von Henri Meilhac, Ludovic Halévy, nach Prosper Mérimée

Sa 27. Mai 2017 um 19.30 Uhr, weitere Vorstellungen: Do 01., Sa 03., Mi 07., Mi 14., Sa 17., Mi 21. und Sa 24. Juni, jeweils um 19.30 Uhr – Wiederaufnahme am 20. August 2017,  Soiree: Mo 22. Mai, 18.15 Uhr, Foyer und Großes Haus; Eintritt frei

Grabmal Georges Bizet © IOCO

Grabmal Georges Bizet © IOCO

Sobald der Soldat Don José ihr endlich bedingungslos verfallen ist, verliert Carmen das Interesse an ihm und wendet sich einem neuen Liebhaber zu. Kaum verwunderlich, dass Don José das nicht so einfach akzeptieren kann … – und was sagt eigentlich Micaëla dazu? Wer kennt sie nicht, die tragische Geschichte um die berühmteste Femme Fatale der Operngeschichte, die am Ende ihrer eigenen Leidenschaft zum Opfer fällt? Carmen ist nach der Zauberflöte und Hänsel und Gretel die weltweit meistgespielte Oper, viele der Arien haben einen Stammplatz auf den obersten Rängen der Klassikcharts – und doch hat Bizets Oper bis heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Das liegt neben der meisterhaften Musik und der spannungsreichen Handlung vor allem daran, dass der wesentliche Gehalt des Stücks weit über ein folkloristisches Drama hinausgeht: Wie so viele Meisterwerke erweist sich auch ‚Carmen‘ immer wieder als offenes Kunstwerk, das mit jeder szenischen Interpretation neu geschrieben wird.

In Oldenburg widmet sich diesem Werk der Regisseur Robert Lehmeier, der für seinen oftmals ungewöhnlichen Zugriff auf die Stücke bekannt ist. So gehört zu seinen aufsehenerregendsten Arbeiten die Bearbeitung von Mozarts ‚Così fan tutte‘ für zehn Männer, die in der Jahresumfrage von Theater heute als „bestes deutschsprachiges Theaterstück“ genannt wurde und an der viele bezeichnenderweise gerade die geistige Nähe zu Mozarts Original schätzten. Man darf also gespannt sein, in welchem Licht Lehmeier Bizets Oper zeigen wird, die alle hinlänglich zu kennen glauben …

Musikalische Leitung: Hendrik Vestmann; Regie: Robert Lehmeier; Bühne und Kostüme: Stefan Rieckhoff

Mit: KS Paul Brady, Ill-Hoon Choung, Evan LeRoy Johnson, Daniel Moon/Tomasz Wija, Aarne Pelkonen, Timo Schabel; Martyna Cymerman, Melanie Lang, Hagar Sharvit, Sarah Tuttle/Anna Avakian, Klanghelden Jugendchor; Opern- und Extrachor des Oldenburgischen Staatstheaters, Oldenburgisches Staatsorchester, PMOlStth

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