Leipzig, Oper Leipzig, Highlights der Oper Leipzig im März 2018

Januar 17, 2018 by  
Filed under Oper Leipzig, Pressemeldung, Spielpläne

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Highlights der Oper Leipzig im März 2018

 

  • DEUTSCHLAND-PREMIERE VON CALIXTO BIEITOS »TANNHÄUSER«
  • PREMIERE VON LEWIS CARROLLS »ALICE IM WUNDERLAND« ALS BALLETT AN DER MUSIKALISCHEN KOMÖDIE
  • THEMENWOCHE »STARKE FRAUEN«
  • MUSIKALISCHER SALON: »SCHERZI MUSICALI«
  • KLEINE KOMÖDIE: »ICH HABE MEINE TANTE GESCHLACHTET« –  EIN FRANK-WEDEKIND-ABEND
  • PASSIONSZEIT MIT »PARSIFAL« UND »JOHANNES-PASSION

DEUTSCHLAND-PREMIERE VON CALIXTO BIEITOS »TANNHÄUSER«

Am Samstag, 17. März, 18 Uhr feiert Richard Wagners Oper »Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg« in der Inszenierung von Calixto Bieito ihre Deutschland-Premiere im Leipziger Opernhaus. Der renommierte katalanische Regisseur, der die ursprünglich mit Katharina Wagner geplante Produktion übernahm, lenkt den Fokus auf den Gegensatz zwischen ureigenen menschlichen Impulsen und gesellschaftlichen Konventionen. Der Minnesänger Tannhäuser ist zwischen Realität und Illusion hin- und hergerissen und zerreibt sich zwischen künstlerischer Freiheit und gesellschaftlichen Zwängen. Im Venusberg lockt eine Welt der Sinnesfreuden und Fleischeslust, auf der Wartburg offenbart sich ihm das Ideal der reinen Minne. Doch Heimat und Halt findet er in keiner der beiden Sphären.

Bieitos »Tannhäuser«-Inszenierung war nach ihrem großen Erfolg in Gent und Antwerpen in der Spielzeit 2015/2016 im vergangenen Jahr bereits in Venedig und Bern zu erleben. Der für die Titelpartie engagierte Burkhard Fritz gab bei der Premiere in Gent sein gefeiertes Tannhäuser-Debüt. Anders als in Antwerpen, aber wie zunächst geplant, wird in Leipzig die Dresdner Fassung zu hören sein.

Premiere: Samstag, 17. März 2018, 18 Uhr, Opernhaus
Weitere Aufführungen: 24. März, 2. April, 27. Mai 2018 (alle Vorstellungen mit Einführung 45 Min. vor Vorstellungsbeginn)


PREMIERE VON LEWIS CARROLLS »ALICE IM WUNDERLAND« ALS BALLETT AN DER MUSIKALISCHEN KOMÖDIE

Jeder kennt sie, die quietschbunte Welt der körperlosen Grinsekatze, des verrückten Hutmachers oder der bösen Herzkönigin. Mirko Mahr, Chefchoreograph der Musikalischen Komödie, setzt diesen skurrilen Kosmos von Lewis Carroll, in dem der Unsinn seine sonderbarsten Blüten treiben darf, in eine gleichermaßen für Kinder wie Kind gebliebene Erwachsene ansprechende Choreografie um. Die Premiere seines Balletts »Alice im Wunderland« findet am Freitag, 23. März, 19:30 Uhr statt. Lewis Carrolls Abenteuergeschichte »Alice’s Adventures in Wonderland« ist längst zum zeitlosen Klassiker avanciert, der seit 150 Jahren eine Leserschaft aus Alt und Jung begeistert. Die Gesetze von Logik und Sprache sind hier ausgehebelt, dem Nonsens Tür und Tor geöffnet.

Premiere: Freitag, 23. März 2018, 19:30 Uhr, Musikalische Komödie
Weitere Aufführungen: 24. & 30. März / 14., 15. & 17. April /?10., 11., 26. & 27. Mai 2018


THEMENWOCHE »STARKE FRAUEN«

Starke Frauen sind in der Woche vom 3. bis zum 10. März auf den Bühnen der Oper und der Musikalischen Komödie zu erleben. Ob »Lucia di Lammermoor«, »Salome«, »Rusalka« oder »La Cenerentola« –  ihrem Schicksal treten sie selbstbestimmt entgegen, auch wenn am Ende der Tod steht.

Wiederaufgenommen wird an der Musikalischen Komödie außerdem der Liederabend »Die Sekretärinnen«. Dass in diesen gern als »Tippse« oder »graue Büromaus« verkannten Damen ungeahnte Talente schlummern, davon erzählt die Revue von Franz Wittenbrink. Mit Evergreens und Schlagern von Cole Porter bis Eros Ramazotti und Herbert Grönemeyer, von den Andrew Sisters bis hin zu Hildegard Knef und Caterina Valente möbelt die Belegschaft eines Großraumbüros ihren drögen Büroalltag auf. Seit den 90er Jahren hat Franz Wittenbrink mit seinen szenischen Liederabenden das Genre Revue neu belebt – mit großem Erfolg, wie die Aufführungszahlen zeigen.

Termine:
»Lucia di Lammermoor«, Samstag, 3. März 2018, 19 Uhr, Opernhaus
»Sekretärinnen«, Samstag, 3. März 2018, 19 Uhr | Sonntag, 4. März, 15 Uhr, Musikalische Komödie
»Rusalka«, Sonntag, 4.März, 18 Uhr 2018, Opernhaus
»La Cenerentola«, Freitag, 9. März 2018, 19:30 Uhr, Opernhaus
»Salome«, Samstag, 10. März 2018, 19:30 Uhr, Opernhaus


MUSIKALISCHER SALON: »SCHERZI MUSICALI«

Heitere Arien und Duette von Claudio Monteverdi, Georg Friedrich Händel und Gaetano Donizetti halten zwei weitere starke Frauen, die Ensemblemitglieder Stefania Abbondi und Wallis Giunta, im Musikalischen Salon am Samstag, 3. März, 15 Uhr für ihr Publikum bereit. An Klavier und Cembalo begleitet sie Studienleiter Ugo D‘Orazio. Vor dem Konzert besteht die Möglichkeit zu Kaffee und Kuchen. Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft.

Termin: Samstag, 3. März 2018, 15 Uhr, Konzertfoyer, Opernhaus


KLEINE KOMÖDIE: »ICH HABE MEINE TANTE GESCHLACHTET« –  EIN FRANK-WEDEKIND-ABEND

Ein Kleinod der Kabarettkunst erwartet das Publikum am Freitag, 9. März, 19:30 Uhr im Venussaal der Musikalischen Komödie. Unter dem Titel »Ich habe meine Tante geschlachtet« geben Sabine Töpfer und Andreas Rainer Texte, Lieder und Moritate von Frank Wedekind (1864-1918) zum Besten. Berühmt geworden durch Dramen wie »Frühlings Erwachen« und »Lulu«, letzteres Textgrundlage für Alban Bergs gleichnamige Oper (Leipziger Premiere: 16. Juni 2018), wirkte Wedekind als einer der »Elf Scharfrichter«, einem Münchner Kabarett-Ensemble der Zeit um 1900.

Beißende Kritik an einer in Konventionen erstarrten Gesellschaft wurde sein Markenzeichen. In seinen Texten spürte er aber auch den verborgenen Triebwelten seiner Zeit nach und verlieh dadurch dem Lebensgefühl einer ganzen Generation Ausdruck.

Termin: Freitag, 9. März 2018, 19:30 Uhr, Venussaal, Musikalische Komödie


PASSIONSZEIT MIT »PARSIFAL« UND »JOHANNES-PASSION«

Die Oper Leipzig begeht die diesjährige Passionszeit mit der Aufführung zweier Werke, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Wie auch in den Jahren zuvor gibt es am Karfreitag, 30 März, 17 Uhr, Wagners Bühnenweihfestspiel »Parsifal« zu erleben – vorerst zum letzten Mal. Mit dem Dualismus von Leiden und Erlösung, Moral und Erotik, Religion und Atheismus berührt Wagners »Parsifal« die großen Themen des 19. Jahrhunderts und erhebt zugleich einen religiösen Anspruch für die Kunst. Roland Aeschlimann übersetzt Wagners musikalisches Mysterium in ein synästhetisches Klang-Raum-Erlebnis. Die Titelpartie ist mit Stefan Vinke besetzt, der erst kürzlich als Siegfried im dritten Teil des Leipziger Rings glänzte.

Tags darauf, am Karsamstag um 19 Uhr, besteht die Möglichkeit, sich von Mario Schröders sinnlicher Umsetzung von Bachs »Johannes-Passion« als Ballett berühren zu lassen. Mit seinem Ensemble entwickelt der Ballettdirektor und Chefchoreograph des Leipziger Balletts Reflexionen über die Vergänglichkeit – und über die Frage nach dem Verhältnis von Körper und Seele. Die Tänzer Yan Leiva und Anna Jo verkörpern die Rollen der Erzähler der bekannten Geschichte um die letzten leidensvollen Tage im Leben Jesu Christi: die Verleugnung durch Petrus, die Verurteilung durch Pontius Pilatus, die Folter und die Kreuzigung.

Termine:
»Parsifal«, Karfreitag, 30. März 2018, 17 Uhr, Opernhaus
»Johannes-Passion«, 31. März 2018, 19 Uhr, Opernhaus


Pressemeldung Oper Leipzig

Oper Leipzig – Karten Hier
Karten Kaufen

Leipzig, Oper Leipzig, Premiere TANNHÄUSER – CALIXTO BIEITO, 17.03.2018

Januar 8, 2018 by  
Filed under Oper, Oper Leipzig, Premieren, Pressemeldung

Oper Leipzig

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Oper Leipzig © Kirsten Nijhof

Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg

Inszenierung CALIXTO BIEITO

Die Leitung der Oper Leipzig freut sich, den international renommierten katalanischen Regisseur Calixto Bieito für die ursprünglich mit Katharina Wagner geplante Produktion von Richard Wagners Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg gewonnen zu haben. Am Samstag, 17. März 2018, 18 Uhr findet die Deutschland-Premiere im Leipziger Opernhaus statt. Bieitos TannhäuserInszenierung war nach ihrem großen Erfolg in Gent und Antwerpen in der Spielzeit 2015/2016 im vergangenen Jahr bereits in Venedig und Bern zu erleben. Bieitos langjährige künstlerische Partner Rebecca Ringst und Ingo Krügler gestalten wie schon in Gent Bühne und Kostüme. Burkhard Fritz, der für die Titelpartie der Leipziger Inszenierung verpflichtet wurde, gab bei der Premiere in Gent sein gefeiertes Tannhäuser-Debüt.

Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit. Ein Umtausch ist an der Tageskasse möglich. Informationen unter Tel. 0341- 12 61 261 (Mo-Sa 10-19 Uhr), per E-Mail service@oper-leipzig.de oder im Internet unter www.oper-leipzig.de. PMOL

Oper Leipzig – Karten Hier
Karten Kaufen

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Otello von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 10.01.2017

Januar 10, 2017 by  
Filed under Hervorheben, Kritiken, Oper, Staatsoper Hamburg

staatsoper_logo_rgbneu
Staatsoper Hamburg

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Staatsoper Hamburg © Kurt Michael Westermann

Otello wird an sich selbst irre“

 Otello von Giuseppe Verdi in Szene gesetzt von Calixto Bieito

Premiere der Übernahme vom Theater Basel aus der Saison 2014/15 am 8.1.2017

Von Patrik Klein

Eine der letzten Produktionen aus der „guten, alten Zeit“ der Hamburgischen Staatsoper verschwindet vom Spielplan und wird ersetzt durch eine moderne, kontrovers aufgenommene, aber auch in einigen Sängerleistungen umjubelte Inszenierung des spanischen „Skandalregisseurs“ Calixto Bieito.

Staatsoper Hamburg / Otello - Jago, Rodrigo , Cassio , Chor © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Jago, Rodrigo , Cassio , Chor © Hans Jörg Michel

Die überaus erfolgreiche, traditionelle und werktreue Regie von August Everding aus dem Jahr 1975, inzwischen über 130mal im Großen Haus gegeben, mit überwiegend bemerkenswerten musikalischen und gesanglichen Qualitäten, vor allem in den ersten Jahren, als sich im Haus am Dammtor noch die erste Riege der Sängerelite die Klinke in die Hand gab, ist seit dem Abend des 8. Januars 2017 endgültig Vergangenheit. Das mag den einen betrüben und den anderen freuen.

Der Regisseur Adolf Dresen hat hierzu (sinngemäß) formuliert: „Die Werktreue ist für eine Oper ebenso schädlich wie die Werkverwurstung„. Der Anspruch der meisten Künstler in der Oper heutzutage ist jedoch, gleichermaßen dem Werk und der heutigen Realität gerecht zu werden. Calixto Bieito gelingt das eindrucksvoll im Haus am Dammtor.

Von Beginn an herrscht eine düstere Atmosphäre auf der Bühne. Der Blick des Zuschauers fällt auf eine mit Stacheldraht versehene Hafenszene. Diese wird durch den auf der Bühne platzierten dominierenden gelben Kran symbolisiert. Hier tobt das Leben, es pulsiert die Wirtschaft und hier wird bis zur Erschöpfung gearbeitet. Statisten und Mitglieder des Chores betreten die Bühne aus dem Off, ihre gefesselten Hände als Symbol ihrer Unfreiheit sind gegen den Himmel hilfesuchend ausgestreckt. Auch der gelbe Kran symbolisiert die Unfreiheit, da an ihm im 3. Akt ein Arbeiter aufgehangen wird.

Hamburg / Staatsoper_Otello_Jago_Rodrigo_Chor © Hans Jörg Michel

Hamburg / Staatsoper_Otello_Jago_Rodrigo_Chor © Hans Jörg Michel

Jetzt erst hebt der italienische Dirigent Paolo Carignani den Taktstock für die berühmte Sturmszene zu Beginn dieses Dramas. In der Trinkszene wenig später wird der Unterschied zwischen arm und reich, frei und unfrei sowie mächtig und wehrlos besonders deutlich. Sektkorken knallen wie bei der Siegerkür der Formel 1. Es erfreut die an den folgenden Intrigen und Machtkämpfen Beteiligten. Der verschüttete Anteil wird von den Machtlosen gierig aufgenommen. Otello ist ein erfolgreicher Aufsteiger, einer von der Seite der Mächtigen. Nachdem Jago die Zweifel gesät hat, ist er ein von Minderwertigkeitsgefühlen geprägter Anführer und Populist, unsicher seiner selbst und damit hochgefährlich. „Eifersucht“ ist sein zweiter Name. Durch die Intrigen seiner Widersacher beginnt seine Einsamkeit, die ihn in den Zustand der absoluten Ausweglosigkeit treibt, ihn letztendlich „irre macht“.  Weder Desdemona noch die unterwürfig agierende Emilia können das Unheil trotz Treuschwüren und Fürbitten abwenden.

Staatsoper Hamburg / Otello - Desdemona - Emilia © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Desdemona – Emilia © Hans Jörg Michel

Die dramaturgisch stärksten Szenen sind im 3. und 4. Akt zu erleben, wenn Otello seine innere Wut nach außen kehrt und dem „unmündigen, unfreien“ Volk seine „untreue“ Gattin vorführt, die dann vom leicht zu instrumentalisierenden Volk bestehend aus Statisten und Damen aus dem Chor heftig umringt und angepöbelt wird. Auch währendem Otello seine Desdemona auf der mittleren Ebene des Krans erwürgt, sitzt am Bühnenrand eine völlig aufgelöste Emilia, die in ihrer Verzweiflung einen Schal Stück für Stück zerfetzt. Otello ist am Ende getäuscht, hat sich selbst ins Abseits manövriert und wird von der Gesellschaft ausgestoßen. Zum folgerichtigen letzten Schritt, nachdem er Desdemona erdrosselt hat, klettert er auf den Ausleger, der weit ins Publikum ragt, singt sein „Un altro bacio“ alleingelassen in den Zuschauerraum und stirbt an einem Herzinfarkt.

Verdi hat mit den Figuren Otello, Jago und Desdemona drei ganz besondere musikdramatische Charaktere entwickelt. Für eine erfolgreiche Aufführung braucht man dazu drei überragende Sängerpersönlichkeiten, einen großartigen Dirigenten mit Feingefühl für die Sänger und einen sicheren Chor. Diese Anforderungen werden am meisten erfüllt vom Titelhelden und vom Chor der Hamburgischen Staatsoper.

Staatsoper Hamburg / Otello - Desdemona, Chor © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Desdemona, Chor © Hans Jörg Michel

Der international erfahrene und gefragte Italiener Marco Berti, der in Hamburg sein Debut feiert, gibt den Otello. Erst vor einer Woche springt er ein für den erkrankten Carlos Ventre und muss sich in kürzester Zeit in die Produktion einfinden. Mit vollem körperlichen und musikalischen Einsatz meistert er die anspruchsvolle Partie oft an die stimmlichen Grenzen gehend, manchmal sogar etwas darüber hinaus und verliert damit ein wenig an Linie. In den leisen lyrischen Passagen überzeugt seine klangschöne Tenorstimme besonders. Ihm zur Seite steht die aus St. Petersburg stammende Desdemona von Svetlana Aksenova, die ebenso ihr Debut an der Hamburgischen Staatsoper feiert. In den ersten beiden Akten wirkt sie noch unsicher, stimmlich spröde und für ein Haus dieser Größe etwas unterdimensioniert, kann sich aber in den beiden Schlußakten erheblich steigern und ihrem Gatten durch feine Stimmführung besonders in den leiseren Passagen ebenbürtig erscheinen. Sie bekommt dafür auch entsprechenden Beifall.

Staatsoper Hamburg / Otello - Rodrigo und Cassio, Chor © Hans Jörg Michel

Staatsoper Hamburg / Otello – Rodrigo und Cassio, Chor © Hans Jörg Michel

Als Jago kann man den italienischen Bariton Claudio Sgura erleben. In Hamburg trat er bereits in der vorhergehenden Saison als Jack Rance (La Fanciulla del West) auf. Hier gibt er den prächtig disponierten Bösewicht allerdings etwas zu schmalbandig, an Schwärze in der Stimmfärbung fehlend. Seine große schlanke Statur und Bühnenpräsenz kompensieren diese stimmlichen Abstriche jedoch etwas. Denkt man hier an Jagos aus den vergangenen Jahrzehnten, so wird die gesangliche Kluft zwischen damals und heute im Haus am Dammtor besonders deutlich.

So gewinnt man das Gefühl, die Hamburgische Staatsoper setzt zur Zeit bei Neuproduktionen eher auf teure, spektakuläte Regisseure statt auf sängerisch, musikalischen Hochgenuss.

Solide sind die Leistungen von Markus Nykänen als Cassio (jedoch ist auch seine Stimme für ein Haus dieser Größenordnung zu klein), Alexander Roslavets als Lodovico, das Hamburger Urgestein Peter Galliard als Rodrigo, Bruno Vargas als Montano und vor allem Nadezhda Karyazino als Emilia.

Wieder einmal kann man sich auf den Chor der Hamburgischen Staatsoper verlassen, der seit einigen Jahren von dem aus Berlin (Staatsoper Berlin) kommenden und bei den Bayreuther Festspielen erfahrenen Chorleiter Eberhard Friedrich geleitet wird. Die Inszenierung verlangt ihnen viel Beweglichkeit ab. Dennoch wird präzise eingesetzt und musiziert. Der Italiener Paolo Carignani, der von 1999 bis 2008 Generalmusikdirektor an der Oper Frankfurt war und bereits Erfahrung mit dem Philharmonischem Staatsorchester Hamburg durch Aufführungen von Wagners Parsifal in 2008 hat, konnte die Probenzeit krankheitsbedingt nur angeschlagen gestalten. Das Orchester erklingt stellenweise einfach zu laut und lässt die gewünschte Balance zwischen Graben und Bühne gelegentlich vermissen.

Staatsoper Hamburg / Otello - Ensemble © Patrik Klein

Staatsoper Hamburg / Otello – Ensemble © Patrik Klein

Das Premierenpublikum hat die Aufführung erwartungsgemäß kontrovers aufgenommen. Im fast ausverkauften Haus der Hamburgischen Staatsoper werden die Sänger, der Chor, das Orchester und der Dirigent mit viel Beifall bedacht. Für das Regieteam mit Calixto Bieito, Susanne Gschwender verantwortlich für das Bühnenbild, Ingo Krüger für die Kostüme und Michael Bauer für das Licht, gibt es sowohl Beifall als auch heftige Missfallenskundgebungen.

Otello an der Staatsoper Hamburg: Weitere Aufführungen am 11.1., 14.1., 17.1., 20.1., 25.1. und am 7.2.2017…bei den Aufführungen am 17.1., 20.1., 25.1. und am 7.2.17 singt Carlos Ventre den Otello)

 

Weimar, Deutsches Nationaltheater Weimar, Hasko Weber Intendant bis 2023, IOCO Aktuell, 05.01.2017

Deutsches Nationaltheater Weimar

Deutsches Nationaltheater Weimar © Ricarda Porzelt

Deutsches Nationaltheater Weimar © Ricarda Porzelt

Hasko Weber – DNT Intendant bis 2023

Deutsches Nationaltheater: Goethe, Schiller, Liszt, Hummel….

Hasko Weber (*1963), seit 2013 Intendant des Deutschen Nationaltheater und der Staatskapelle Weimar, kurz DNT, hat seinen Vertrag bis 2023 verlängert. Staatssekretärin Dr. Babette Winter:Es ist für die Kultur in Thüringen ein guter Tag und mir eine persönliche Freude, dass dem Theater mit Hasko Weber ein kreativer Intendant und unermüdlicher Streiter erhalten bleibt. Dadurch wird es möglich, die 2013 erfolgreich begonnene Entwicklung des Theaters in der bewährten Zusammenarbeit fortzusetzen – die sich in einer hohen Qualität der Aufführungen und Inszenierungen ebenso zeigt wie in den stetig gewachsenen Zuschauerzahlen.

Deutsches Nationaltheater Weimar © Thomas Müller

Deutsches Nationaltheater Weimar © Thomas Müller

Das Deutsche Nationaltheater mit 860 Plätzen bietet neben dem großen Namen im Zentrum der thüringischen Kleinstadt Weimar ein ungewöhnlich breites Programm. 816 Vorstellungen, Lesungen, Konzerte in 2015/16: Von Richard Wagners großer Oper Die Meistersinger reichte die Programmvielfalt bis zum Klassenzimmerstück „Deine Helden meine Träume“.

41 Inszenierungen, darunter 19 Neuproduktionen, wurden in den verschiedenen DNT- Spielstätten gezeigt, 30 große Konzerte spielte die Staatskapelle Weimar neben Kammerkonzerten und Matineen. Mit 402 Mitarbeitern ist das DNT in Weimar ein großer Arbeitgeber. Die hohe Besucherzahl von rund 207.000 der Spielzeit 2015/16 in Weimar und auf Gastspielen bzw. Gastkonzerten sind Beleg, daß das DNT, ähnlich der Semperoper in Dresden, überregional hohe Wertschätzung genießt. Seit 2014 richtet das DNT auch das Kunstfest Weimar, Thüringens größtes und bekanntestes Festival für zeitgenössische Künste aus, im August jeden Jahres viele Besucher nach Weimar zieht.

Deutsches Nationaltheater Weimar / Denkmal Schiller - Goethe vor dem DNT © Thomas Müller

Deutsches Nationaltheater Weimar / Denkmal Schiller – Goethe vor dem DNT © Thomas Müller

Das DNT besitzt eine hinreißende Aura: Es ist eines der geschichtsträchtigsten Theater im deutschen Sprachraum: Johann Wolfgang von Goethe eröffnete 1791 als Intendant das Hoftheater Weimar (Vorgänger des heutigen Nationaltheaters) mit August Wilhelm Ifflands Schauspiel Die Jäger. 26 Jahre, bis 1817 blieb Goethe Intendant des Hauses, vergrösserte es 1798 auf 1.000 Plätze und schuf in 4.800 Vorstellungen ästhetische wie humanitäre Maßstäbe für die Kultur im deutschen Sprachraum. Friedrich Schiller, mit Goethe lange bekannt (Goethe 1788: „Er wird von Personen die ihn kennen auch von Seiten des Charackters und der Lebensart vortheilhaft geschildert„), zog 1799 nach Weimar und inszenierte am Hoftheater bis zu seinem frühen Tod 1805 viele seiner Werke. Franz Liszt wiederum kämpfte in Weimar als Kapellmeister von 1848 bis 1858 darum, der „Ära der Literatur“ eine „Ära der Musik“ folgen zu lassen. 1850 setzte Liszt die Uraufführung der Oper Lohengrin des steckbrieflich gesuchten Dresdner Kapellmeister Richard Wagners durch. Richard Strauss leitete 1889 bis 1894 die Geschicke der Staatskapelle Weimar, des ältesten Orchester Deutschlands. 1491 von Kurfürst Friedrich III. als Hofkapelle gegründet wird die Staatskapelle Weimar als bedeutendstes Orchester Thüringens seit 2016 von dem Ukrainer Kirill Karabits geleitet. Die kulturelle Bedeutung des DNT für den deutschen Sprachraum ist inzwischen geschrumpft. Doch die faszinierende wie prägende Geschichte Weimars, ihre große Bedeutung im deutschen Kulturraum die Stadt bleibt bestehen. Das DNT ist wichtiger Transmissionsriemen, welcher die kulturelle Botschaft Weimars über die Grenzen Thüringens hinaus transportiert.

Deutsches Nationaltheater Weimar / Hasko Weber und DNT - Ensemble © Thomas Müller

Deutsches Nationaltheater Weimar / Hasko Weber und DNT – Ensemble © Thomas Müller

Hasko Weber, ein „Kind des Ostens wie des Sprechtheaters“, wird das DNT bis 2023 leiten: Geboren 1963 in Dresden studierte er von 1985 bis 1989 Schauspiel an der Theaterhochschule HANS OTTO in Leipzig. An den Städtischen Bühnen Karl-Marx-Stadt Chemnitz wurde er 1989 von dem Intendanten Gerhard Meyer als Schauspieler und Regisseur engagiert. Im selben Jahr gründete er dort die »Dramatische Brigade«, die als selbständige Gruppe mit Anbindung an das Schauspielhaus arbeitete und bereits mit ihrer ersten Produktion künstlerisch und politisch Aufsehen erregte.

Blick über die Dächer von Weimar © Maik Schuck

Blick über die Dächer von Weimar © Maik Schuck

1990 arbeitete Hasko Weber erstmals am Staatsschauspiel Dresden, wo er für die folgenden zwei Jahre als Schauspieler mit Regieverpflichtung engagiert wurde. 1993 vertraute der Intendant Prof. Dieter Görne dem 29-Jährigen die Position des Schauspieldirektors an, in der er acht Jahre, bis 2001, das Ensemble und die Ästhetik des Staatsschauspiels Dresden prägte. Es folgten Arbeiten als freier Regisseur unter anderem in Karlsruhe, Lübeck, Mannheim, Saarbrücken, Tübingen und Wuppertal. Intendant Friedrich Schirmer holte ihn 2002 an das Schauspiel der Staatstheater Stuttgart, wo er ein Jahr später Hausregisseur wurde. Von 2005 bis 2013 war Hasko Weber Intendant des Schauspiel Stuttgart. Unter seiner Leitung erwarb das Haus den Ruf als gesellschaftlich und politisch engagiertes Theater für die Stadt und wurde 2006 in den Kritikerumfragen zum Theater des Jahres gekürt. Neben Gastregien am Berliner Ensemble (Intendant: Claus Peymann) und am Teatre Romea in Barcelona (Intendant: Calixto Bieito) konzentrierte Hasko Weber sich auf Ensemblepflege am eigenen Haus. Er inszenierte zeitgenössische Stücke, unter anderem Uraufführungen von Martin Heckmanns und Sibylle Berg, auch Stücke von Bertolt Brecht, Heiner Müller oder Klasik von Johann Wolfgang Goethe und Friedrich Schiller.

Deutsches Nationaltheater Weimar / Zuschauerraum © Thomas Müller

Deutsches Nationaltheater Weimar / Zuschauerraum © Thomas Müller

Seit der Spielzeit 2013/14 ist Hasko Weber Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters und der Staatskapelle Weimar.  Er inszenierte Goethes Faust, eine Uraufführung im Musiktheater (Vom Lärm der Welt, Text: Christian Lehnert / Musik: Sven Helbig) sowie eine Uraufführung von Juli Zeh (Mutti) und Schillers Wallenstein-Trilogie. Im Oktober 2015 brachte Hasko Weber Terror von Ferdinand von Schirach am Deutschen Theater Berlin zur Uraufführung. In der aktuellen Saison wird er am Schauspielhaus Bochum Max Frischs Drama Biedermann und die Brandstifter inszenieren und am DNT Weimar mit Beethovens Fidelio sein Debüt als Opernregisseur geben.   IOCO / DNT / 05.01.2017

 

Nächste Seite »