Görlitz, Gerhart Hauptmann Theater, Ewa Strusinska neue Generalmusikdirektorin, IOCO Aktuell, 20.12.2017

Dezember 21, 2017 by  
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Gerhart Hauptmann Theater

Goerlitz / Theater Goerlitz © Peter Hennig

Goerlitz / Theater Goerlitz © Peter Hennig

Neue Lausitzer Philharmonie mit Ewa Strusinska 

Die Neue Lausitzer Philharmonie spielt künftig unter weiblicher Leitung. Ewa Strusinska (*1976) folgt als Generalmusikdirektorin am Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau auf Andrea Sanguineti, der das Haus zum Ende der Spielzeit 2017/18 verlässt.

Mit Beginn der kommenden Spielzeit übernimmt Ewa Strusinska als Generalmusikdirektorin die Leitung der Neuen Lausitzer Philharmonie. Vor wenigen Minuten unterzeichnete die polnische Dirigentin ihren Vertrag für vier Spielzeiten in Görlitz. Damit endet ein langwieriges Auswahlverfahren, bei dem sich Frau Strusinska gegen eine Vielzahl von Bewerbern durchsetzte.

Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau / Ewa Strusinska © PR

Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau / Ewa Strusinska © PR

Strusinska selbst zeigte sich sichtlich erfreut über die Entscheidung: »Die Nachricht hat mich bewegt und beglückt, und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit der Neuen Lausitzer Philharmonie und mit allen Künstlern des Gerhart-Hauptmann-Theaters. Genauso freue ich mich auf unsere Begegnungen mit dem Publikum in einer der schönsten Städte und schönsten Regionen Deutschlands – mitten in Europa. >Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an< (E.T.A.Hoffmann).«

Eifrigen Musiktheater- und Konzertbesuchern dürfte die 41-jährige bereits bestens bekannt sein: In der vergangenen Spielzeit stand sie in der letzten Vorstellung von Puccinis Manon Lescaut am Pult der Neuen Lausitzer Philharmonie und präsentierte sich im 1. Philharmonischen Konzert der aktuellen Spielzeit unter dem Titel »Beethoven-Zyklus III« einem breiten Publikum im gesamten Kulturraum.

Dieses überzeugte sie genauso, wie ihre neuen Görlitzer Kollegen in Intendanz, Orchester, Chor und Ensemble, die die Entscheidung für die künftige GMD gemeinsam auf eine breite Basis der Befürwortung stellten.

Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau / Orchester - Lausitzer Philharmonie © Marlies Kross

Gerhart-Hauptmann-Theater Görlitz-Zittau / Orchester – Lausitzer Philharmonie © Marlies Kross

Nach ihrem Abschluss an der Fryderyk Chopin University of Music in Warschau machte Ewa Strusinska als Preisträgerin beim renommierten Bamberger Symphoniker Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs 2007 auf sich aufmerksam. Von 2008 bis 2010 war sie als erste weibliche Dirigentin als Assistentin des GMD eines englischen Orchesters tätig. Beim Hallé Orchestra in Manchester arbeitete sie eng mit Sir Mark Elder zusammen und übernahm die musikalische Leitung des dortigen Jugendorchesters. Anschließend wechselte sie als Assistentin bzw. Gastdirigentin an die Nationaloper Warschau, wo sie sowohl das bekannte polnische als auch internationale Opernrepertoire dirigierte.

Zwischen 2013 und 2016 prägte sie als Generalmusikdirektorin der Stettiner Philharmonie das Musikleben der Stadt nachhaltig und wurde binnen kürzester Zeit zur treibenden Kraft der künstlerischen Verwandlung des Orchesters. Unter ihrer Leitung entwickelte das Orchester einen bislang unbekannten Glanz, der sich in Stettins akustisch brillanter neuer Philharmonie bestens entfalten konnte. Nach dieser Aufbauleistung ist Strusinska derzeit freischaffend tätig.

Musikalisch fokussiert ihr Interesse klar auf die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts, aber auch in der klassischen und romantischen Musik fühlt sie sich zu Hause, genau wie in den großen, chorsinfonischen Werken, Programm mit lateinamerikanischer Musik und Crossover-Projekten. Einen weiteren Schwerpunkt ihres Engagements stellt die musikalische Nachwuchsförderung dar.

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Düsseldorf, Tonhalle Düsseldorf, Igor Levit spielt 32 Beethoven Sonaten, IOCO Kritik, 03.11.2015

November 11, 2015 by  
Filed under Kritiken, Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Tonhalle Düsseldorf © Diesner

Igor Levit mit Zyklus aller Beethoven Sonaten

Ein Zyklus Divinus in der Tonhalle Düsseldorf ?

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Bonn / Beethoven-Denkmal © IOCO

Die Gefahren eines Zyklus: Die Berliner Philharmoniker und noch-Chefdirigent Rattle hatten keine göttliche Eingebung als sie im Oktober 2015 ihren  Beethoven-Zyklus, alle neun Sinfonien, an fünf aufeinander folgenden Tagen spielten. Es wurde ein Zyklus Infernalis: Eigene Klangkultur war nicht erkennbar, gute Technik kandidelte mit musikalischen Extremen. Die Eroica teilweise erstarrt, zu schnell; die Fünfte, die Schicksalssinfonie, oft zu fetzig, sportlich; die Siebte  extrem rythmisch. Der scheidende Chefdirigent Rattle und die Philharmoniker suchten olympisch wirkendes Ego. Beethovens Genius degenerierte dabei zur nützlichen, medienwirksamen Attrappe.

 

Wien / Beethoven-Haus © IOCO

Wien / Beethoven-Haus © IOCO

Die Tonhalle Düsseldorf gestaltete nun mit dem Pianisten einen Beethoven-Sonaten-Zyklus.  Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) schrieb seine epochalen 32 Sonaten für Klavier über 27 Jahre, von 1795 bis 1822, in Wien. Große Künstler formten die Grundlagen seines Genius: Joseph Haydn ab November 1792, aber auch Antonio Salieri, Georg Albrechtsberger, Johann Baptist Schenk. Der Tod des Vaters und der Einmarsch französischer Truppen in Bonn brachen im Dezember 1792 Beethovens Bande zu seiner Heimatstadt. Wien wurde neue Heimat; seine Brüder Karl und Johann folgten bald nach. Virtuosität als Pianist und Orgelspieler halfen Beethoven schnell, in Wien Fuß zu fassen. Insbesondere die Begeisterung von Fürst Karl Lichnowsky, welcher Beethoven ab 1800 sogar eine Jahresrente zahlte, sorgte zumindest bis 1806 für ein sicheres Auskommen in Wien

Im ersten Wiener Lebensabschnitt Beethovens, von 1795 bis 1805, entstanden so 23 seiner 32 Sonaten, in den folgenden 17 Jahren bis 1822 waren es nur noch 9 Sonaten. Beethoven kämpfte inzwischen auch in Sinfonien, Opern, Messen, Kantaten um neue Kompositionsformen. Der Ausdruck seiner 32 Sonaten wurde so durch unendliche Größe, Weite und Tiefe lebendiges Erbe aller lebenden Pianisten.

Dr Sommer-Sorgente interviewt Igor Levit © Tonhalle / Susanne Diesner

Dr Sommer-Sorgente Interview mit Igor Levit © Tonhalle / Susanne Diesner

Die Tonhalle Düsseldorf entwickelte nun mit dem in Hannover lebenden jungen russischen Pianist Igor Levit (*1987 im damaligen Gorki, heute Nishni Nowgorod) einen Beethoven- Zyklus, welcher die 32 Klaviersonaten Ludwig van Beethovens umfasst. In großen zeitlichen Abständen (Programm unten), werden sie vom 3.11.2015 bis 17. Juni 2016, an acht Abenden gespielt. Levit gehört trotz seiner Jugend bereits zu den etablierten Pianisten. Sein Repertoire ist spektakulär; seine Aufnahmen von Bachs Goldberg-Variationen oder Beethovens Diabelli-Variationen sind international anerkannte pianistische Höhenflüge. Er spielt ohne Sucht nach Expressivität oder Tempi.

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit im Konzert © Tonhalle / Foto Susanne Diesner

Tonhalle Düsseldorf / Igor Levit im Konzert © Tonhalle / Foto Susanne Diesner

An jedem Konzertabend seines Beethoven Sonaten erklärt Levit dem Publikum per Interview sympathisch wie direkt Aufbau und Struktur seiner Zyklus-Dramaturgie. So auch am 3.11.2015: „Keine Sonate gleicht der anderen,   jede ist ein Unikat. Beethoven ist das Leben nicht das Monumentale; bei der Interpretation muss das eigene Ich im Vordergrund stehen, mit den Zutaten des Weinens, Lachens..“. Die Dramaturgie „seines“ Beethoven-Zyklus geht vom Ende aus, der 1822 entstandenen Schluss-Sonate; Gipfelwerke standen in Fokus. So begann der Abend mit Beethovens 1795 entstandenen und Joseph Haydn gewidmeten Sonate Nr. 1 f-Moll. Er endete mit der in orchestraler Klangfülle überbordenden Waldsteinsonate Nr. 21 C-Dur aus 1804.

Levit gelingt in seinem Spiel auf wunderbare Weise, bereits oft gehörtes neu entstehen zu lassen. Man findet sich in einer lichten Welt die einhüllt, in der es perlt und rieselt, doch immer notengetreu. Und so unterscheidet sich Levit wohltuend von vielen Pianisten, die sich dem Ziel von Neuinterpretationen verschrieben haben. Der in Klavierstunden reichlich ausgeschlachteten f-Moll Sonate Nr. 1 gibt Levit mit sensibler Präzision ein klares Bild. Wenn in Sonate Nr. 12 der 3. Satz mit seinem Trauermarsch erklingt wartet man emotional ergriffen mit verhaltenem Atem eine ungewohnte Pause aus; man muss heimlich eine Träne abwischen. Klänge wie aus fernem Tal herüber schwebend, federleicht, tröstend. Auch dem Gipfelwerk des Abends, der Waldsteinsonate, verleiht Levit durchgängig durch konsequente pianistische Geradlinigkeit ehrliche Freude und Euphorie. Der junge Igor Levit läßt durch Treue zur Komposition den Geist Ludwig van Beethovens sprechen. Er verstellt nicht mit fremden Tempi oder krachenden Mezzo forte, er wirkt authentisch ehrlich. Wir sind erschüttert und gestärkt.

Die ausverkaufte Tonhalle Düsseldorf feierte Igor Levit für den wunderbaren Auftakt in die Sonatenwelt Ludwig van Beethovens: Kündigt sich gar ein Zyklus Divinus  an?

IOCO / Viktor Jarosch / 06.11.2015

Die nächsten Levit Sonaten – Konzertabende sind am: 1.12.2015; 22.12.2015; 25.01.2016; 24.03.2016; 05.04.2016; 16.06.2016; 16.06.2017

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Salzburg, Salzburger Festpiele, Rudolf Buchbinder mit Beethoven-Zyklus, IOCO Aktuell, 28.08.2014

September 16, 2014 by  
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Salzburger Festspiele

Buchbinder spektakulär:  Beethoven  Neues Testament

Rudolf Buchbinder (*1946) ist ein bedeutender Klaviervirtuose unserer Zeit. Bereits mit fünf Jahren, als jüngster Student aller Zeiten, besuchte er die Musikhochschule Wien. In den 60iger Jahren startete es seine Karriere mit Mozart, Bach und Brahms. Beethoven war immer ein zentraler Punkt im Musikleben von Buchbinder.

Bonn, Beethoven-Denkmal © IOCO

Bonn, Beethoven-Denkmal © IOCO

Die Interpretation Beethovens Neuen Testaments, die zyklische Wiedergabe aller 32 Sonaten Beethovens, nehmen besondere Bedeutung in Buchbinders Leben ein. Im Rahmen der Salzburger Festspiele 2014 spielte Buchbinder im Mozarteum  an sieben Abenden, vom 3. – 20. August 2014,  den gesamten  Zyklus. Doch nicht nach der Chronologie ihrer Entstehung sondern im Geist der Zeiten seines Lebensweges.  Auswendig, seriös und technisch perfekt entwickelt Buchbinder viele spontane Variationen. Beendet wurde der Beethoven – Zyklus am 20. August 2014 mit den drei Sonaten op.109, die Fuge op.110 und die finale Verklärung op111,  jener  wunderbaren Sonate, welche selbst in der Weltliteratur widerhallt: Der Organist Wendell Kretzschmar in Thomas Manns großen Roman Doktor Faustus setzt diese op 111 mit dem Ende aller Sonaten gleich, dem Abschied „auf Nimmerwiederkehr“.

Buchbinder ist Perfektionist und bewältigt die großen Herausforderungen des Programmes mühelos und mit Leichtigkeit. Feine, schmeichelnde Töne und wuchtige, dramatische Akkorde, sowie klare Läufe kennzeichneten sein herausragendes Spiel.
Zum Abschluß des mitreißenden  Beethoven – Zyklus am 20. August 2014 bedankt sich Rudolf  Buchbinder bei großen Applaus mit einem Impromptu von Franz Schubert, der wie Buchbinder wissen ließ, Fackelträger bei Beethovens Begräbnis war. Daniela Zimmermann / 28.08.2014