München, Bayerische Staatsoper, Il Turco in Italia, IOCO Kritik, 30.11.2017

Dezember 1, 2017 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

 Il turco in Italia von Gioacchino Rossini

Eine politisch herrlich inkorrekte Inszenierung aus 2007

Von Daniela Zimmermann

Gioacchino Rossini, 1792-1868, einer der bedeutendsten Opernkomponist seiner Zeit, war bekannt für charmante und witzige Ironie. Genau diese leichte Süffisanz zieht sich elegant durch die 1814 in Mailand uraufgeführte Oper Il turco in Italia wie durch dssen orginelle Inszenierung an der Bayerischen Staatsoper. Regisseur Christof Loys Inszenierung ist gestanden, nämlich aus 2007. Doch in 2017 wahrlich noch nicht abgestanden. Mutig ist Loy, wenn er Rossinis bekannt provozierenden Humor mit politisch unkorrekten Klischees noch schräger bedient: Beginnend mit dem Vorspiel (Trailer) quellen aus einem mickrigen Wohnwagen unzählige Zigeuner, der Chor, Campingstühle und Picknick folgend, die zunächst ein erstes plattes Vorurteil in eigener Sache bedienen, „Von der Leichtgläubigkeit der Menschen leben wir…..gut….“, um dann Türken wie Italiener mit vorurteilreichen Doppeldeutigkeiten ähnlich schräg zu bedienen. Doch die Provinz siegt gelegentlich auch in Italien: Nach zahlreichen wie farbigen Episoden vereinen sich die  Hauptakteure der Oper, Fiorilla und Don Geronio, spießig brav vor einem Röhrenfernseher. Bühnenbild und Kostüme Herbert Murauer. Sowohl die Kleidung als auch die Requisiten spiegeln das bella Italia der 50er Jahre

youtube Trailer Il Turco in Italia der Bayerischen Staatsoper aus 2007 und damaliger Besetzung

Der türkische Fürst Selim landet auf einem fliegenden Teppich in Neapel, wo er sofort die erst beste Frau, die ihm begegnet, anmacht. Fiorilla ist zwar mit Ehemann und Geliebtem schon  gut ausgelastet, aber neuen Abenteuern trotzdem nicht  abgeneigt: „Es ist keine größere Torheit als nur einen Mann zu lieben. Langeweile, nicht Vergnügen füllt dann die Tage“, singt sie voller Selbstbewusstsein. Dass Fiorillas Hingabe vor allem Männern mit gut gefüllten Brieftaschen gilt, ist eine weitere nette Bosheit des Librettos von Felice Romani. Als Fiorillas Gatte Don Geronio genug von ihr hat und sie aus dem Haus wirft, schluchzt sie voller Verzweiflung die Schrankwand mit den Schuhen an. Nicht  nur der böse Witz, sondern auch  die Figur des Theaterdichters Prosdocimo, der die Personen der Oper als Vorlage für ein Theaterstück benutzt und teilweise sogar arrangiert, lassen Romanis Libretto  unkonventionell wie modern erscheinen.

Bayerische Staatsoper / Il Turco in Italia - hier Olga Peretyatko als Fiorilla natürlich kokettierend © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Il Turco in Italia – hier Olga Peretyatko als Fiorilla natürlich kokettierend © Wilfried Hösl

Prosdocimo, ein Schriftsteller, mit kräftig reinem Bariton von Sean Michael Plumb stark dargestellt, muss ein Theaterstück schreiben, aber die zündende Idee fehlt ihm. Die Lösung: Das vor seiner Nase befindliches Musiktheater und die dort gespielte Oper, deren Akteure wie Handlung, werden für sein Stück verwendet. So arrangiert er die Fortgänge und greift aktiv steuernd in die Handlung ein. Nicht immer zur Freude der Akteure, weshalb er auch erhebliche Blessuren davon trägt. Aber er kommt zum Ziel ein Stück über seinen Freund Don Geronio zu schreiben, dessen junge Frau Fiorilla eine Affäre mit Don Narciso hat. Doch eine Gruppe von Zigeunern inspiriert ihn stattdessen zu einer Zigeuneroper (Introduktion: „Nostra patria è il mondo intero“).

Verwirrungen sind das Salz dieser Oper, wie das biedere aber moralisch korrekte Ende. Doch sind die  Verwirrungen überraschend wie unterhaltsam. Fiorilla, hübsch, jung und verheiratet mit dem viel zu alten Witwer Don Geronio, liebt amouröse Abenteuer. Der türkische Fürst Selim landet, ganz orientalisch, mit Diener auf einem fliegenden Teppich  an der Küste Neapels und verliebt sich flugs in Fiorilla; deren bisherigen Liebhaber, Don  Narciso, ebenso flugs abgemeldet ist. Alle Aufmerksamkeit Fiorillas gehört nur noch dem Fürsten. Doch da existiert auch noch Zaide, Selims große Liebe, verstoßen wegen der falschen Nachrede der Untreue. Sie musste fliehen und landete auch da, wo just Fürst Selim  gelandet ist, in Neapel.

Olga Peretyatko mit lyrischen Sopran und strahlend Koloraturstimme verkörpert die schöne Italienerin auch darstellerisch höchst ansprechend. Ihre große Arie im 2. Akt Squallida veste, e  bruna in der sie sich verlassen wähnt, berührt mit ans Herz gehender Zerbrechlichkeit und Dramatik.

Olga Peretyatko konzertant mit der Arie „Squallida veste, e  bruna

Ildebrando D’Arangelo singt Fürst Selim mit wohlfühlend markanter Bassstimme erobert als erotische Abenteuer suchender Papagallo natürlich auch Fiorilla, Olga Peretyatko. Beide zeigen hingebungsvoll ihre Zuneigung. Mit der in der Türkei vermeintlich üblichen Tradition, Frauen abzukaufen, findet Selim allerdings bei Ehemann Don Geronio wenig Gegenliebe. Don Geronio von Alessandro Corbelli mit Gefühl für die Komik der Opera Buffa  und warmen Bass humorig wie darstellerisch sehr präsent .

Bayerische Staatsoper / Il Turco in Italia - hier Paula Iancic als Zaide und Ildebrando D’Arangelo als Fürst Selim © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Il Turco in Italia – hier Paula Iancic als Zaide und Ildebrando D’Arangelo als Fürst Selim © Wilfried Hösl

Paula Iancic kämpft als unglückliche Zaide mit schönem, warmen Mezzosopran und  verführerischem Bauchtanz (Foto oben) um ihren geliebten Selim, der ihr natürlich erst einmal erliegt um dann zwischen den beiden attraktiven Frauen nicht entscheiden zu können / wollen. Verlierer im Kampf um Fiorella ist ihr bisheriger Liebhaber, Don Narziso, von Michele Angelini mit schmelzigem hoher Tenor, viel Applaus in der Arie  “Intensi, ah tutti intensi“, perfekt dargestellt. Das Durcheinander von Wünschen und Vorstellungen der Handlung löst ein Maskenball auf. So bleibt am Ende Zaide bei Selim, Fiorilla bleibt bei Ehemann Geronio; alle scheinbar zufrieden und glücklich: Eine Parabel?

Rossinis Musik verlangt fröhliche Leichtigkeit und Tempo. Antonello Allemandi und dem Staatsorchester erzeugen diesen italienisch lebendigen Klang voller Lebensfreude. Der  Chor der Bayerischen Staatsoper überzeugte mit gewohnter Klangfülle wie mit originellen Darstellungen, mal als  Ballgäste, dann als Bühnenarbeiter in T-Shirts mit auffälligem Bayerische Staatsoper – Logo.

Türke in Italien an der Bayerischen Staatsoper: Eine mutige Produktion, eine Freude bringende Aufführung, ein unterhaltsamer Abend, großer Beifall.

München, Bayerische Staatsoper, Figaros Hochzeit von W. A. Mozart, IOCO Kritik, 07.11.2017

November 7, 2017 by  
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Bayerische Staatsoper München

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper München Foto: © Wilfried Hösl

Le nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart

 „Schwierige Türen“

Von Hans-Günter Melchior

Wolfgang Amadeus Mozart in Wien © IOCO

Wolfgang Amadeus Mozart in Wien © IOCO

Alle kennen Figaros Hochzeit. Alle Männer. Sei es als Traum, sei es als Realität. Ein junge Frau, die man auch gerne mal in den Armen hielte, heiratet ihren Geliebten/Verlobten. Und man hält an seinem Traum fest. Bei manchen erfüllt er sich sogar: als außereheliche Beziehung.  Und alle Frauen kennen Figaros Hochzeit. Sie heiraten zwar, könnten sich aber ganz gut vorstellen, in den Armen dessen, der sie so heiß begehrt, ein wenig zu ruhen – und so weiter.

Das ist es, was Mozart wusste!

Und deshalb kennen – fast – alle die Geschichte, die Mozart und sein Librettist Lorenzo da Ponte daraus gemacht haben. Vor allem Mozarts wunderbare, erotisierende Musik, die zwischen die Zeilen des Librettos schlüpft und ins Seelenleben der Protagonisten und der Zuhörer eindringt. Dass man am Ende sagt: So ist es, genau so. Als wäre es ich.

Ganz kurz und zur Erinnerung:

Susanna (Olga Kulchynska), Kammermädchen der Gräfin Almaviva (Federica Lombardi) heiratet Figaro (Alex Esposito), den Kammerdiener des Grafen Almaviva (Christian Gerhaher). Letzterer stellt aber der schönen Susanna nach, pocht zwar nicht ausdrücklich, aber doch faktisch auf dem ius prima noctis (Recht der ersten Nacht), einem „Gesetz“, das er gerade, offenbar in einer aufklärerischen Anwandlung, abgeschafft hat. Er verletzt dabei die Gefühle seiner Gattin auf das Nachhaltigste. Diese schmiedet mit ihrem Kammermädchen Susanna einen Plan: Susanna lockt den Grafen am Hochzeitsabend in den Park. Dort trifft er aber auf die als Kammermädchen Susanna verkleidete eigene Frau, während Susanna als Gräfin verkleidet ihren eifersüchtigen Ehemann Figaro narrt und erotisch reizt. Als der Schwindel auffliegt, zerfließen die männlichen Hauptpersonen, insbesondere der Graf, vor Reue und richten sich in der „gottgewollten“ Ordnung ein.

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro - hier Olga Kulchynska als Susanna und Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro – hier Olga Kulchynska als Susanna und Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

Dazwischen ereignet sich allerlei komödiantischer Schnickschnack, ein wenig überdrehte Komik. Marcellina (Anne Sofie von Otter, die sehr schön Mozarts  in den musikalischen Fluss eingebautes Lied „Abendempfindung an Laura“ in deutscher Sprache vorträgt), eine gräfliche Angestellte, erhebt Rechte auf Figaro, beruft sich auf einen Vertrag, der ihr eine von Figaro zu zahlende Mitgift oder die Heirat mit diesem zuspricht. Sie wird von Bartolo (Manuel Günther), einem Arzt aus Sevilla, bei dem sie früher angestellt war, unterstützt. Als sie ihren vertraglichen Anspruch einklagen will, stellt sich heraus, dass sie Figaros Mutter und Bartolo dessen Vater ist. Na ja.

Durch die gesamte Oper irrlichtert – dies allerdings eine überaus wichtige Figur (eine Frauenrolle) –: Cherubino (Solenn´Lavanant-Linke) als lebendes Beispiel unerfüllter Sexualität. Die Gräfin und Susanna ordnen ihm zunächst die Aufgabe zu, als Mädchen verkleidet, den Grafen zu verführen. Als der argwöhnische Graf die Verkleidungszeremonie stört und zum Scheitern bringt, flüchtet Cherubino mit einen Sprung durchs Fenster in Garten. Er wird von dem Gärtner Antonio (Milan Siljanov) dabei beobachtet, was zu komischen Verwicklungen führt, weil Figaro behauptet, er sei es gewesen, der aus Angst vor dem wütenden Grafen aus dem Fenster gesprungen sei.

Don Curzio (Dean Power), ein stotternder Richter (gibt es sowas wirklich?!), soll das Urteil vollziehen, durch das Figaro zur Heirat mit Marcellina oder zur Zahlung einer Mitgift verpflichtet werden soll. Eine kleine Partie. Babarina (Anna El-Khashem), Tochter des Gärtners Antonio, war dem Grafen bereits zu Liebesdiensten, sie stellt ihn vor der Gräfin bloß, indem sie ihre Gelegenheitsbeziehungen offenbart.

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro - hier Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro – hier Alex Esposito als Figaro © Wilfried Hösl

In der Aufführung der Bayerischen Staatsoper sind alle Personen nicht das, was sie sind. Der Graf ist kein richtiger, autoritärer und über den Dingen stehender Herrscher, sondern ein eher Getriebener, ziemlich triebgesteuerter Wicht. Und Figaro und Susanna sind nicht so richtig geduckte Untergebene, sondern selbstbewusste Angestellte, die mit dem Grafen umspringen als befänden sie sich mit ihm auf Augenhöhe. Auch die Gräfin hat so ihre Mucken, sie macht sich mit ihrem Kammermädchen gemein und man hat den Eindruck, dass sie Figaro ganz gern sieht. Und Marcellina und ihre Helfer sind echte und moderne Bürger, die in Auftreten und Reden durchaus in der Lage sind, ihre Rechte zu verteidigen.

Alle eint so etwas wie unerfüllte Liebe. Vor allem aber ein sexuelles Bedürfnis, das quer durch die Standesränge – und durch die tradierten Ordnungscodices geht. Nicht nur der Graf verzehrt sich in einem Begehren, das ihn im Grunde erniedrigt. Selbst von Susanna hat man, folgt man dem Regisseur Christof Loy, durchaus den Eindruck, dass sie sich einer Liaison mit dem Grafen nicht besonders nachhaltig widersetzen würde. Die beiden turteln miteinander und kommen sich gefährlich näher. Das ist durchaus kein Fall von #Me Too, von missachteter sexueller Selbstbestimmung der Frau, nein, das alles geschieht durchaus gesetzeskonform, weil freiwillig, in beiderseitiger Übereinstimmung. Und wie Figaro seiner Susanna, die er ja für die Gräfin hält (!), an die Wäsche geht, offenbart mehr als geheime Wünsche –, Wünsche, die aus der gerade verbindlich gemachten Beziehung zur Angetrauten streben.

Das wird auch musikalisch deutlich. Schon im ersten Akt kommt es nur schwer zum Duett zwischen Susanna und Figaro. Während er das Zimmer vermisst und die Maße vor sich hinbrummelt, schwärmt sie von ihrem neuen Hut. Erst nach und nach kommen die beiden musikalisch zusammen. Und so geht es durch die ganze Oper weiter, es überwiegt zwischen den beiden das Streitbar-Dialogische. Ganz offen bekennt sich freilich nur die exemplarische Figur Cherubino zur bindungsfreien sexuellen Lust –, ein allgegenwärtiger Kobold, dem Mozart die herrlichsten Arien zuordnete (Non so più cosa son, cosa faccio…, ich weiß nicht, was ich bin, was ich tue…; und Voi che sapete… Sagt holde Frauen…).

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro - hier Olga Kulchynska als Susanna und Anne Sofie von Otter als Marcelline © Wilfried Hösl

Bayerische Staatsoper / Le nozze di Figaro – hier Olga Kulchynska als Susanna und Anne Sofie von Otter als Marcelline © Wilfried Hösl

Mit der erotischen Färbung des Werks haben Mozart und Da Ponte die politisch-kämpferische Vorlage Beaumarchais entschärft und ins Psychologische transponiert. Einzig in Figaros Arie: „Se vuol ballare, signor Contino…Will der Herr Graf den Tanz mit mir wagen…“, flammt der sozial- und gesellschaftskritische Kern des ursprünglichen Stoffes auf, eine Schlüsselszene. Die einzig wirklich Kampfansage von unten nach oben.

Stilgebendes Element der Inszenierung sind die Türen. Im ersten Akt sind sie so niedrig, dass man nur in gebückter Haltung eintreten kann. Dann werden sie immer größer. Im dritten Akt ist die Türklinke so hoch angebracht, dass man sich auf die Zehenspitzen stellen muss, um sie zu erreichen. Und im vierten Akt füllt eine riesige Tür bis unter die Decke den Bühnenraum aus, wo zuvor der Ausschnitt eines Gemäldes von Fragonard dominierte. Ganz klein sind die Personen vor diesem wie aus einem Vergrößerungsglas herausgefallenen Monstrum, das nur einen kleinen Spalt offen lässt, hinter dem die Schwärze der Nacht obskure Handlungen verschlingt.

Assoziationen an Kafka drängen sich auf. In der „Verwandlung“ ist ständig von Türen die Rede, die schwer zu öffnen und grundsätzlich immer verschlossen zu halten sind. Und in der Erzählung „Vor dem Gesetz“ bewacht ein Türsteher lauter offene Türen zum Gesetz hin, durch die zu gehen der einzige Besucher sich nicht traut und schließlich gleichsam unerlöst wartend stirbt. Vielleicht weil er weiß, dass er dem Gesetz nicht gewachsen wäre. Es sind bewusst schwierige Türen in dieser Aufführung. Hindernisse. Barrieren vor der Überwindung der Ordnung, vor dem, was sich hinter ihr an sie sprengenden Sehnsüchten verbirgt. Und doch lassen sie Schlupfwinkel offen. Ein philosophisch kluger Einfall der Regie, der die Ambivalenz des Geschehens verdeutlicht.

Constantinos Carydis leitet das hervorragend disponierte Staatsorchester (die Bläser!)  mit anfeuernder Gestik. Die straffen Tempi schaffen es, dass die Musik ins Blut geht. Und sie treiben die Darsteller zu Höchstleistungen an. Großer und anhaltender Jubel.

Le nozze di Figaro an der Bayerischen Staatsoper, weitere Vorstellungen: 10.11.2017; 15.7.2018, 17.7.2018

 

 

 

Hamburg, Interview mit Staatsopern-Tenor Dovlet Nurgeldiyev, 03.12.2016

 Staatsoper Hamburg © IOCO

Staatsoper Hamburg © IOCO

 Tenor Dovlet Nurgeldiyev im Interview

IOCORedakteur Patrik Klein sprach am 23.11.2016 mit Dovlet Nurgeldiyev über die Herausforderungen eines Solo Tenors an  großen Opernbühnen Europas

 Tenor Dovlet Nurgeldiyev © Henriette Mielke

Tenor Dovlet Nurgeldiyev © Henriette Mielke

Dovlet Nurgeldiyev begann seine Gesangsausbildung in seinem Heimatland Turkmenistan und setzte sein Studium von 2001 bis 2005 in den Niederlanden am Konservatorium in Tilburg fort. Im September 2006 wurde der Tenor am Königlichen Konservatorium Den Haag aufgenommen, wo er sowohl seinen Bachelor als auch Master machte. Im September 2008 wurde er Mitglied des Internationalen Opernstudios der Staatsoper Hamburg, wo er ein umjubeltes Europadebüt als Fenton in Verdis Falstaff gab.

Von 2008 bis 2010 sang er in vielen weiteren Produktionen. Im November 2009 wurde Dovlet Nurgeldiyev beim Stella Maris-Wettbewerb mit einem der Hauptpreise – einer Aufnahme mit der Deutschen Grammophon – ausgezeichnet. Seit der Spielzeit 2010 gehört Dovlet Nurgeldiyev zum Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, wo er für seine Debüts als Alfredo in „La Traviata“ und als Lensky in „Eugen Onegin“ bejubelt wurde. Im Herbst 2011 gab er in Hamburg eine Reihe von herausragenden Vorstellungen als Don Ottavio in einer Neuproduktion von „Don Giovanni“, für die er in der deutschen Presse und der Financial Times begeisterte Kritiken erhielt. Ebenso begeistert aufgenommen wurden seine Vorstellungen in einer weiteren Neuproduktion von „Don Giovanni“ an der Ungarischen Staatsoper in Budapest. 2012 feierte Dovlet Nurgeldiyev an der Hamburgischen Staatsoper große Erfolge mit seinen Rollen als Nemorino in Donizettis „L’Elisir d’Amore“ Ferrando in Mozarts“ Cosi fan tutte“ und als Vladimir Igorevich in einer neuen Produktion von Borodins „Prinz Igor“.

Im November 2013 gab er an der Staatsoper Berlin unter der Regie von Hans Neuenfels mit großem Erfolg sein Debüt als Belfiore in Mozarts „La finta Giardiniera“. Daran schloss sich im Dezember 2013 mit dem Requiem von Mozart ein beeindruckendes Bordeaux-Debüt an.

Im Januar 2014 folgten starke Gastauftritte als Lensky in einer neuen Produktion von „Eugen Onegin“ in Montpellier. Im September 2015 schloss sich sein erfolgreiches Debüt in der Frauenkirche Dresden mit Mozarts c-moll Messe unter Bertrand de Billy.
Ende der Spielzeit 2015/16 gab Dovlet Nurgeldiyev sein umjubeltes Debüt an der Bayerisches Staatsoper mit der Partie des Alfredo in La Traviata. An diese großen Erfolge knüpfte der Tenor auch zu Beginn der Spielzeit 2016/17 in Hamburg an, zum Beispiel als Narraboth in „Salome“ unter der Leitung von Kent Nagano. Für seinen Tamino in „Die Zauberflöte“ erhielt er nach der Premiere im September 2016 überragende Kritiken, darunter in der FAZ, wo ihm bescheinigt wurde, er sei ein „ausgezeichneter Tamino“.

 Rathaus Hamburg © IOCO

Rathaus Hamburg © IOCO

Patrik Klein (PK), IOCO: Dovlet, Du bist seit 2010 im Ensemble der Hamburgischen Staatsoper, singst dort viele Partien in deinem Fach und hast viele weitere Gastauftritte in ganz Europa. Wie geht es Dir damit?

Dovlet Nurgeldiyev: Ich fühle mich hier in der großartigen Stadt Hamburg sehr wohl. Die Hansestadt Hamburg gefällt mir mit ihren vielen Möglichkeiten, wie zum Beispiel dem Hafen, der Elbphilharmonie, dem Kontakt zu den vielen Menschen, die mir als Sänger an der Oper sehr nahe stehen und mit mir verbunden sind, sehr gut.
An der Hamburgischen Staatsoper fühle ich mich besonders wohl, weil ich an diesem großen Haus viele Partien singen kann, die zu meinem Stimmfach passen.

PK: Wie kann ich mir eine typische Arbeitswoche von Dir vorstellen?

 Dovlet Nurgeldiyev in der Staatsoper © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev in der Staatsoper © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev: Die Hamburgische Staatsoper ist ein großes Haus mit einem umfassenden Repertoirebetrieb von ca. 50 Opernproduktionen pro Saison. Wegen dieses vielseitigen Repertoires finden viele Proben vormittags und nachmittags auf den Probebühnen statt. Zusätzlich gibt es Orchester- und Generalproben auf der Hauptbühne in Kostüm und Maske. Das ist ein nennenswerter Aufwand, für den es Zeit und Geduld braucht.
Parallel dazu studiere ich neue Rollen mit einem speziellen Repetitor im Haus der Staatsoper. Das können Rollen sein, für die ich an der Oper zukünftig vorgesehen bin, aber auch Rollen, wo ich denke, dass ich sie studieren sollte. Das geschieht natürlich zuerst ganz alleine und ohne Repetitor. Erst wenn ich ein gewisses Maß an Eindringtiefe verspüre, gehe ich die Rolle mit dem Repetitor gemeinsam durch.
Manchmal ist es sogar so, dass ich an mehreren Produktionen gleichzeitig beteiligt bin und dazu Gastauftritte an anderen Häusern, wie zum Beispiel der Bayerischen Staatsoper u.a. habe. Ich bin praktisch in jeder Minute der Arbeitswoche mit irgendeinem Stück beschäftigt.
Dazu brauche ich ein hohes Maß an Konzentration und Organisationsvermögen. Aber gerade diese Herausforderung und Vielseitigkeit macht mir Riesenspaß. Und durch meine Engagements besuche ich ja auch immer wieder spannende Städte, zum Beispiel Berlin, München, Dresden, Budapest, Warschau, Montpellier. Details kann ich noch nicht sagen, aber es werden noch einige große Städte beziehungsweise Bühnen hinzukommen, die ich kennenlerne.   In meiner Freizeit spiele ich Fußball oder koche für meine Freunde.

PK: Da haben wir ja mit dem Kochen eine gemeinsame Leidenschaft. Du hast mit vielen berühmten Kolleginnen und Kollegen auf der Bühne gestanden oder sie im Rahmen deiner Sängertätigkeit getroffen. Wie war das mit Placido Domingo, José Carreras, Anna Netrebko und anderen?

Dovlet Nurgeldiyev: Singen macht mir unendlich viel Spaß. Ich habe immer wieder die Chance und Möglichkeiten gehabt Sängerinnen und Sänger mit großen Namen zu treffen oder gar mit ihnen zu studieren und gemeinsam auf der Bühne zu stehen.
Während meines Studiums in Holland hatte ich mal die Gelegenheit bei einem Galabenefizkonzert für die Leukämiestiftung von José Carreras mit ihm gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Für mich ist ein Traum in Erfüllung gegangen, zumal er mich sehr gelobt und mir viel Glück für meine Karriere gewünscht hat.
Oder ich hatte mein Debut an der Staatsoper Berlin 2013 als Belfiore (La Finta Giardiniera von Mozart). Parallel dazu wurde dort Il Trovatore mit Placido Domingo und Anna Netrebko gegeben. Das habe ich dann erstmals dort live gehört. Der Höhepunkt war dann ein Gespräch mit den beiden. Die Offenheit und Natürlichkeit der beiden hat mir sehr imponiert. „Du bist ein Tenor“ sagte Placido zu mir. Ich fragte woher er das weiß. „Dein Gesicht und Deine Ausstrahlung sagen mir das“ Und den Belfiore hatte er vor vielen Jahren in den USA gesungen. Wir haben uns lange darüber unterhalten. Das war ein großartiges Gefühl und eine wunderschöne Begegnung.

PK: Seit 2015 gibt es eine intensive Zusammenarbeit deinerseits mit dem neuen Generalmusikdirektor Kent Nagano. Man hört, dass die Zusammenarbeit mit dem Orchester wunderbar funktioniert. Wie erlebst Du den neuen „Stardirigenten“?

 Mozart Denkmal in Wien © IOCO

Mozart Denkmal in Wien © IOCO

Dovlet Nurgeldiyev: Für uns Sänger ist es sehr wichtig mit einem sehr guten Dirigenten zusammenzuarbeiten, der die Stimmen und die Stücke mit deren musikalischen Besonderheiten extrem gut kennt. Nagano hat auch immer wieder die Balance zwischen Orchester und Sängern im Fokus. Er sorgt unterstützend für unsere Sicherheit auf der Bühne, was gerade bei einem neuen Stück sehr wichtig ist. Es bereitet mir ein großes Vergnügen mit ihm zusammenzuarbeiten.

PK: Das Repertoire deiner Rollen ähnelt dem von Fritz Wunderlich. Wer ist dein Vorbild?

Dovlet Nurgeldiyev: Wenn ich eine neue Rolle einstudiere höre ich zuerst Aufnahmen von verschiedenen bekannten guten Sängern und entwickle daraus meine ideale Vorstellung von der Partie und deren Umsetzung. Fritz Wunderlich war aus meiner Sicht mehr als ein Sänger, er war ein überirdisches Geschenk und ein Phänomen. Er hat mein Herz geöffnet und wenn ich Musik mit ihm höre ist es, als wenn mein Herz schmilzt wie ein Eis in der Sonne.

PK: Du hast in der letzten Saison deine Paraderolle Alfredo in „La Traviata“ mit überragendem Erfolg und wundervollen Kritiken an der Bayerischen Staatsoper gegeben. Wie war das für Dich?

Dovlet Nurgeldiyev: Diesen Abend werde ich nie vergessen. Das war ein unbeschreibliches Gefühl dort in diesem ganz besonderen Haus auf der riesigen Bühne zu stehen und das großartige Gefühl mit den fantastischen Kolleginnen und Kollegen sowie dem leidenschaftlichen, frenetischen Publikum zu teilen.

PK: Du singst in der laufenden Saison in Hamburg rund 40 Vorstellungen als Tamino, Narraboth, Macduff, Nemorino, Le Chevalier (Dialogues des Carmelites) , Edgardo und Belmonte. Was wird uns die Zukunft bringen? Auf was können wir uns Opernliebhaber und die ganz eng mit Dir verbundene Hamburger „Fangemeinde“ freuen? Wie sehen Deine Pläne aus?

 Patrik Klein im Gespräch mit Dovlet Nurgeldiyev © Patrik Klein

Patrik Klein im Gespräch mit Dovlet Nurgeldiyev © Patrik Klein

Dovlet Nurgeldiyev: Ich freue mich darauf, einerseits weiterhin an der Hamburgischen Staatsoper zu singen, andererseits auch Gastauftritte an großen Bühnen in Europa zu haben. Anfang 2017 zum Beispiel werde ich am Polnischen Nationaltheater in Warschau den Lensky in Eugene Onegin geben. Weitere Auftritte werden dann in den Saisonankündigungen der jeweiligen Häuser im Frühjahr 2017 bekanntgegeben.

Patrik Klein: Lieber Dovlet, ich danke Dir ganz herzlich für das Gespräch und wünsche Dir alles Gute.

Hamburg, Staatsoper Hamburg, Spielplan 2016/17: Zauberflöte, Frau ohne Schatten, Anna Karenina, IOCO Aktuell, 10.09.2016

September 9, 2016 by  
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Staatsoper Hamburg

Kurztext : „Die Hamburgische Staatsoper ist mit 1670 Plätzen nach der Bayerischen Staatsoper in München und der Deutschen Oper in Berlin drittgrößtes Musiktheater Deutschlands. Vor über 300 Jahren, am 2. Januar 1678, wurde es  als Opern-Theatrum und erstes öffentliches Opernhaus in Deutschland gegründet.“

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

Hamburgische Staatsoper © Kurt Michael Westermann

Spielplan 2016/17 der Staatsoper Hamburg

Die Hamburgische Staatsoper ist mit 1670 Plätzen nach der Bayerischen Staatsoper in München und der Deutschen Oper in Berlin bedeutend wie drittgrößtes Musiktheater Deutschlands. Vor über 300 Jahren, am 2. Januar 1678, wurde es  als Opern-Theatrum und erstes öffentliches Opernhaus in Deutschland gegründet.

Hamburg / Staatsoper-Management Neumeier, Nagano, Delnon © IOCO

Hamburg / Staatsoper-Management Neumeier, Nagano, Delnon © IOCO

Die gesamte Auslastung der Staatsoper Hamburg betrug in der Spielzeit 2014/15 84%. Das HAMBURG BALLETT und John Neumeier bestätigte dabei seinen Weltstandard mit 92% Auslastung. Auffällig die bescheidene Auslastung des Musiktheaters von 79%.  Etwa 370.000 Zuschauer besuchten die bedeutendste Kulturinstitution Norddeutschlands. Der Weltruf der Staatsoper Hamburg ist weiterhin  maßgeblich  durch das HAMBURG BALLETT von John Neumeier  getrieben.

Georges Delnon, Intendant, und Kent Nagano, Generalmusikdirektor, neu im Amt als Nachfolger von Simone Young, und John Neumeier, langjähriger Intendant des HAMBURG BALLETT formulierten in ihrer Jahrespressekonferenz im April 2016 nur künstlerische Inhalte zum Spielplan 2016/17. Das neue Management Delnon / Nagano machte trotz wiederholter Rückfragen zum operativen Status der laufenden Saison 2015/16 der Staatsoper, zu Budget, Auslastung oder ihren Zielen keine Aussagen.

 Hamburg / Binnenalster © IOCO

Hamburg / Binnenalster © IOCO

Die Staatsoper Hamburg eröffnet am 23. September 2016 die Saison mit Mozarts Zauberflöte. „Eines der größten Rätselwerke unserer Kultur“ (Peter von Matt) zieht sich gleichsam durch die  Spielzeit: mit einer Neuinszenierung auf der Großen Bühne, einer Version eigens für Kinder und  einem flankierenden Stadt- und Schulprojekt. „In Zeiten von Umbruch, von Wertediskussion und  fundamentalen gesellschaftlichen Veränderungen stellt die Staatsoper Hamburg mit Mozarts  Meisterwerk DIE Oper in den Mittelpunkt, die sich exemplarisch mit der Würde des Menschen und  der Sinnhaftigkeit des (Zusammen-) Lebens auseinandersetzt.“, so Opernintendant Georges Delnon zur Programmatik der Spielzeit 2016/2017.

Paris / Serge Nijinski © IOCO

Paris / Serge Nijinski © IOCO

Beim  Hamburg Ballett steht die Saison 2016/2017 im Zeichen der Tradition Russlands als großer  europäischer Kulturnation. Ballettintendant und Chefchoreograf John Neumeier zum diesjährigen  Schwerpunkt: „In der aktuellen Saison stehen Ballette inspiriert von Meisterwerken der russischen Literatur besonders im Blickpunkt, beispielsweise durch die Uraufführung von Anna Karenina nach Leo Tolstoi und die Wiederaufnahme von Die Möwe nach Anton Tschechow. Ebenfalls als Wiederaufnahme kehrt mit Nijinsky das Porträt eines polnisch-russischen Tänzers ins Repertoire zurück, der zu den wichtigsten Persönlichkeiten der Ballettgeschichte zählt. Als Premiere präsentieren wir die Hamburger Fassung meiner getanzten Version von Gustav Mahlers Das Lied von der Erde, die ich im Februar 2015 mit dem Ballett der Pariser Oper kreiert habe.“

Die Konzertsaison 2016/2017 steht ganz im Zeichen der Elbphilharmonie-Eröffnung im Januar 2017. Das Philharmonische Staatsorchester und Generalmusikdirektor Kent Nagano präsentieren u.a. im Rahmen der Eröffnungsphase die Uraufführung einer Auftragskomposition von  Jörg Widmann und im weiteren Verlauf mit Mahlers 8. Sinfonie oder Schönbergs Gurre-Liedern zwei programmatische Schwergewichte in Hamburgs neuem Konzerthaus. Daneben bilden internationale  Gastspiele Höhepunkte der kommenden Spielzeit: Einladungen des Ravenna Festivals und der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern folgt eine rund 3-wöchige Südamerika-Tournee mit Stationen in Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien und Uruguay.

Die Spielzeit 2016/2017 der Staatsoper Hamburg  im Überblick:

 Wien / Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Wien / Wolfgang Amadeus Mozart © IOCO

Die Zauberflöte wird in der Regie von Jette Steckel und der musikalischen Leitung von Jean-Christophe Spinosi am 23. September 2016 die Spielzeit 2016/2017 eröffnen. Flankierend werden  hierzu in den sieben Stadtteilen Hamburgs mit opernbegeisterten Laien Teile der Zauberflöte einstudiert und diese am frühen Abend am Jungfernstieg zusammengefügt. Um die Eröffnungspremiere möglichst für alle Hamburger zugänglich zu machen, wird sie im Rahmen des Binnenalster Filmfestes und in Zusammenarbeit mit Filmfest Hamburg, dem City Management Hamburg und dem „Verein lebendiger Jungfernstieg“, zeitversetzt auf einer Kino-Leinwand am Jungfernstieg übertragen.

Am 6. November 2016 fügen sich zwei Opern-Einakter zu einem besonderen Opernabend zusammen: Péter Eötvös‘ Oper Senza Sangue gelangt zu ihrer szenischen Uraufführung. Der zweite Teil des Abends ist Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg. Die musikalische Leitung hat Péter Eötvös, Regie führt der russische Regisseur Dmitri Tcherniakov.  Als Übernahme vom Theater Basel wird ab dem 8. Januar 2017 Giuseppe Verdis Otello in der Regie-Handschrift von Calixto Bieito und der musikalischen Leitung von Paolo Carignani an der Staatsoper Hamburg zu sehen sein. Alban Bergs Lulu erfährt durch den Hamburgischen Generalmusikdirektor Kent Nagano und den Schweizer Regisseur Christoph Marthaler eine neue aufregende Lesart. Premiere ist am 12. Februar  2017.  Als weitere Neuproduktion der Staatsoper Hamburg inszeniert Andreas Kriegenburg Richard Strauss’ Frau ohne Schatten unter der musikalischen Leitung von Kent Nagano. Premiere ist am 16. April 2017.

Als Koproduktion der Staatsoper Hamburg, des Philharmonischen Staatsorchesters Hamburg und  der Elbphilharmonie Hamburg wird Gustav Mahlers Achte Sinfonie am 28. April 2017 in der  Elbphilharmonie Premiere haben. Die musikalische Leitung hat Kent Nagano. Für die Visualisierung zeichnet die Künstlerin rosalie.

Alle Neuproduktionen der Großen Bühne und Mahlers Achte in der Elbphilharmonie werden freundlicherweise durch die Stiftung zur Förderung der Hamburgischen Staatsoper unterstützt. Tristan und Isolde, eine legendäre Produktion der Staatsoper Hamburg in der Inszenierung von Ruth Berghaus aus dem Jahr 1988 ist zu einem Gastspiel mit zwei Vorstellungen am 4. und 7. Oktober 2016 an das Teatro Mayor in Bogotá/Kolumbien nach Südamerika eingeladen. Es spielt das Philharmonische Staatsorchester unter der Leitung von Kent Nagano.

Die „opera piccola“ der Staatsoper Hamburg mit dem Titel Erzittre, feiger Bösewicht! bietet ein Vermittlungsprojekt der besonderen Art. Diese Oper für Kinder ab 7 Jahren nach Motiven der Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart in der Bearbeitung von Johannes Harneit wird von Georges Delnon inszeniert und von Kent Nagano musikalisch geleitet. Premiere ist am 20. April 2017 auf der Probebühne 1 und danach wird die Produktion an unterschiedlichen Orten in Hamburg  zur Aufführung kommen. Es singen und spielen die Mitglieder des Internationalen Opernstudios, The Young ClassX Solistensemble, Mitglieder der Orchesterakademie des Philharmonischen Staatsorchesters und des Felix Mendelssohn Jugendsinfonieorchesters.

Die Spielzeit des Hamburg Ballett John Neumeier 2016/2017 im Überblick:

Die Saison 2016/2017 steht beim Hamburg Ballett ganz im Zeichen der großen Tradition Russlands als europäischer Kulturnation. In den Mittelpunkt stellt Ballettintendant und Chefchoreograf John Neumeier Ballette inspiriert von Meisterwerken der russischen Literatur. Zur Uraufführung kommt am 2. Juli 2017 mit Anna Karenina die tänzerische Sicht John Neumeiers auf den weltberühmten Roman des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi. Mit Musik von Peter I. Tschaikowsky und Alfred Schnittke erweckt John Neumeier die rund 800 geschriebenen Seiten zum Leben für sein neues Ballett, das in Zusammenarbeit mit dem Ballett des Bolschoi Theaters und dem National Ballet of Canada produziert wird.

Wien / Gustav Mahler © IOCO

Wien / Gustav Mahler © IOCO

Am 24. September 2016 steht beim gemeinsamen Eröffnungswochenende mit der Staatsoper Hamburg die Wiederaufnahme von John Neumeiers im Jahr 2000 uraufgeführtem Ballett Nijinsky auf dem Programm. Das Porträt des legendären polnisch-russischen Tänzers und Choreografen war zuletzt 2013 in Hamburg zu erleben. Mit der zweiten Wiederaufnahme der Spielzeit, Die Möwe, wird am 26. Februar 2017 der Saison-Schwerpunkt zu choreografischen Interpretationen von russischer Literatur fortgesetzt. John Neumeiers 2002 uraufgeführtes Ballett frei nach Anton Tschechow wurde zuletzt 2009 in Hamburg aufgeführt und befragt die Balance zwischen Leben und Kunst. Als Premiere der Spielzeit präsentiert John Neumeier am 4. Dezember 2016 mit Das Lied von der Erde die Hamburger Fassung seiner getanzten Version von Gustav Mahlers Komposition, die er im Februar 2015 mit dem Ballett der Pariser Oper kreiert hat. Vielleicht seine letzte Schöpfung zu  einem sinfonischen Werk des großen österreichischen Komponisten, ist Das Lied von der Erde für John Neumeier „die ergreifendste und erhabenste ‚Sinfonie‘ von Gustav Mahler“. Es singt der Tenor Klaus Florian Vogt.  Die Uraufführung von John Neumeiers Anna Karenina eröffnet zugleich die 43. Hamburger Ballett-Tage, die am 16. Juli 2017 mit der international besetzten Nijinsky-Gala XLIII ihren Abschluss finden. Während des zweiwöchigen Festivals sind mit Die Möwe, Nijinsky und Tatjana drei weitere Ballette des Russland-Schwerpunkts der Saison erneut zu erleben, genauso wie Die kleine Meerjungfrau zur Musik der russisch-amerikanischen Komponistin Lera Auerbach. Außerdem stehen John Neumeiers jüngste Kreationen Das Lied von der Erde, Turangalîla, Duse und Peer Gynt auf dem Programm sowie zwei Vorstellungen einer renommierten  Gastcompagnie (11./12. Juli 2017).

Viermal in der Spielzeit finden die beliebten Ballett-Werkstätten statt. In diesen Matinee- Vorstellungen erläutert John Neumeier die tanzhistorischen Hintergründe zu seinen Balletten und  gibt Einblicke in deren Entstehungsprozesse. Die Ballettschule des Hamburg Ballett präsentiert vom 27. Februar bis zum 5. März 2017 erneut die eigenen Choreografien der Absolventen der Abschlussklassen bei der  Werkstatt der Kreativität VIII im Ernst Deutsch Theater. Im Frühjahr werden auch die Jungen Choreografen des Hamburg Ballett wieder mit eigenen Arbeiten in der opera stabile zu erleben sein. Die Spielzeit 2016/2017 führt das Hamburg Ballett darüber hinaus auf  Tourneen ins In- und  Ausland – mit insgesamt vier verschiedenen Balletten, einer Ballett-Werkstatt und einem Gala-Programm. Im Oktober reist die Compagnie für ihre alljährliche Herbstresidenz ins Festspielhaus  Baden-Baden, im Februar 2017 ins Opernhaus von Florenz und im März und April dann auf eine große USA-Tournee mit Stationen im Joyce Theater in New York und im Kennedy Center in Washington.

4.  Die Konzertsaison des Philharmonischen Staatsorchesters 2016/2017 im Überblick:

Zu den Höhepunkten der 189. Philharmonischen Konzertsaison zählen drei großbesetzte oratorische Werke unter der Leitung von Kent Nagano in der Elbphilharmonie: am 13. Januar 2017 steht die Uraufführung der Auftragskomposition von Jörg Widmann im Rahmen der Eröffnungsphase der Elbphilharmonie  auf dem Programm. Der Kompositionsauftrag an Jörg Widmann wird gefördert durch die Zeit-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius. Ende April/Anfang Mai 2017 folgt als Kooperation mit der Staatsoper Hamburg und der Elbphilharmonie Hamburg die spektakuläre Achte Sinfonie von Gustav Mahler, visualisiert von der Künstlerin rosalie. Im Juni 2017 dirigiert Hamburgs Generalmusikdirektor mit Arnold Schönbergs Gurre-Liedern ein weiteres hochkarätiges und äußerst selten zu erlebendes Oratorium.  Außer in Hamburg ist das Philharmonische Staatsorchester mit Kent Nagano auch bei internationalen Gastspielen im Sommer und Herbst 2016 zu erleben: Einladungen des Ravenna Festivals und der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern folgt eine rund 3-wöchige Südamerika-Tournee mit Stationen in Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien und Uruguay.

Vielversprechende Programme und Künstler hält auch die übrige Hamburger Konzertsaison bereit: Gast-Solisten wie Gautier Capuçon, Gidon Kremer, Heinz Holliger, Mirijam Contzen oder Augustin Hadelich präsentieren Werke von Mendelssohn Bartholdy über Elliott Carter bis hin zu Sofia Gubaidulina. Gast-Dirigenten wie Thomas Zehetmair, Reinhard Goebel, Sir Neville Marriner, Manfred Honeck oder Gustavo Gimeno dirigieren Klassiker etwa von Beethoven, Brahms oder Tschaikowsky. Die 2015 von Kent Nagano initiierte Philharmonische Akademie steht auch 2016 vor dem offiziellen Beginn der Spielzeit auf dem Programm: Neben der Violinistin Veronika Eberle ist die Audi Jugendchorakademie eingeladen um mit den Philharmonikern kammermusikalisches Ensemblespiel zu praktizieren. Die interdisziplinäre Reihe „Musik und Wissenschaft“ in Kooperation mit der Max-Planck-Gesellschaft ist im Februar 2017 geplant, mit Veranstaltungen in der Elbphilharmonie und dem Spiegelsaal des Museum für Kunst und Gewerbe.

Im Rahmen der Kammermusikreihe der Philharmoniker gibt es Konzerte sowohl im kleinen Saal der Laeiszhalle als auch im kleinen Saal der Elbphilharmonie, u.a. ein Sonderkammerkonzert mit dem ehemaligen Philharmoniker-Hornisten und jetzigem Heldentenor Klaus Florian Vogt. Darüber hinaus präsentieren die Musikerinnen und Musiker des Philharmonischen Staatsorchesters Musik von barocken Meistern, über Streichtrio- und Streichquartett-Literatur bis hin zu einem reinen Blechbläser-Programm.

Das Education-Programm des Philharmonischen Staatsorchesters „jung“ wird um eine neue Reihe für Kinder und Jugendlicheerweitert: mit „Tonangeber“ präsentieren Philharmoniker kurze kammermusikalische Werke und entschlüsseln zusammen mit den Hörern im Alter von 9 bis 13 Jahren musikalische Begriffe und Extreme in der Musik. PMHHStO/IOCO

 

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