Wien, Wiener Symphoniker, Georges Prêtre: Eine Würdigung des Orchesters, IOCO Aktuell, 12.1.2016

Konzerthaus Wien / Stammhaus der Wiener Symphoniker © IOCO

Konzerthaus Wien / Stammhaus der Wiener Symphoniker © IOCO

Die Wiener Symphoniker würdigen Georges Prêtre 

  54 Jahre gemeinsame Orchestergeschichte

Von Dr. Ernst Kobau, ehem. Oboist der Wiener Symphoniker

Georges Prêtre und die Wiener Symphoniker: Der Maître selbst bezeichnete diese Verbindung als „Liebesbeziehung“. Wohl aus diesem Grund wollte er sich niemals institutionell abgesichert binden (nur als Erster Gastdirigent, nicht als Chefdirigent wollte er in den 80er-Jahren mit dem Orchester arbeiten), denn durch fixe Bindungen entstehen Ehen, und Ehen drohen das zu werden, was Prêtre am meisten verabscheute: Repertoire. Es ist daher doppelt unstatthaft zu sagen, er hätte ein riesiges Repertoire dirigiert, denn er lehnte es auch ab, sich als Dirigent, gar als Kapellmeister bezeichnen zu lassen. Als Interpret verstand er sich in der Rolle des Geburtshelfers, der dem jeweils neu entstehenden Text ein niemals alterndes, weil aus dem Augenblick stammendes und in ihm aufgehendes Leben schenkte.

Wiener Symphoniker / Georges Prêtre © Wiener Symphoniker

Wiener Symphoniker / Georges Prêtre © Wiener Symphoniker

Georges Prêtre zu würdigen heißt ihm jenen Rang zu geben, der all den zwischen den Kontinenten pendelnden Jet-Set-Supershootingstars mit ihren Drei- und Vierfach-Chefdirigentenpositionen unablässig mit höchst zweifelhaftem Recht zugesprochen wird und längst Promotion-Repertoire geworden ist: er nämlich war in der Tat eine Ausnahmeerscheinung. Seine längst legendäre Kunst der Improvisation, die einem höchst riskanten Drahtseilakt mit beständiger Absturzgefahr glich, hatte ihr Fundament in einem minutiösen Partiturstudium, dem er in Phasen der Zurückgezogenheit vom Konzertbetrieb konzentrierte Muße widmete; und die Bereitschaft, letztere zuzulassen, war wohl auch das Geheimnis der bis ins hohe Alter ungebrochenen Spannkraft seines Gedächtnisses und seiner emotionalen Beteiligung, die es ihm gestattete, jeder Routine bloßer Emotionsdarstellung zu entgehen. Dies verlieh jeder seiner Interpretationen das Sigel von Authentizität, so sehr auch jede einzelne von ihnen Gegenstand kontroverser Diskussionen werden konnte.

 Wien / Georges Prêtre und die Wiener Symphoniker © Wiener Symphoniker

Wien / Georges Prêtre und die Wiener Symphoniker © Wiener Symphoniker

Für uns Musiker bedeutete die Konfrontation mit Prêtres Musizierpraxis eine extreme Herausforderung, sowohl was das Verständnis der mitunter aberwitzigen Zeichengebung als auch die Transformation seiner pointillistischen, am französischen Impressionismus geschulten Interpretationsweise auf die Werke der Wiener Klassik anbelangte. Dass kein Takt wie der andere sei, das metrische Gerüst gemeinsam mit den Taktstrichen zum verachteten Repertoire-Gerümpel zählte – daran musste man sich erst in einer Weise „gewöhnen“, die zugleich jede „Gewohnheit“ untersagte.
Georges Prêtre war insofern ein „Moderner“, als er das von Walter Benjamin als Signatur sensuell-nervöser Rezeptionsweise definierte, von Baudelaire erstmals beschriebene „Chock-Erlebnis“ zur Grundlage seiner Interpretation machte. Nicht den großen Bögen, sondern dem absolut Unvorhersehbaren, Überraschenden, in ungewohnter Beleuchtung Farbigen, der Priorität des Details in seiner unverwechselbaren Individualität galt sein Interesse. Wo der extreme Sensualist auf Texte traf, die zumindest von ihrer Anlage her diese Sichtweise unterstützten oder sogar erforderten, wurden daraus jene außergewöhnlichen Konzertereignisse, die man mit dem Repertoirewort „Sternstunden“ bezeichnet, die aber weit eher aufglühenden Kometenbahnen glichen.

Hector Berlioz Grabmal © IOCO

Hector Berlioz Grabmal © IOCO

Mit Prêtre Debussys La mer gespielt zu haben oder Berlioz’ Symphonie fantastique (gar beides in einem Programm, wie 1983 bei den Bregenzer Festspielen), wird jedem Musiker ebenso unvergesslich bleiben wie seine Fähigkeit, aus dem gefährdeten Bolero ein Höchstmaß aus Intensität und Obsession herauszuholen, das die ostinate Gleichförmigkeit dieses Stücks völlig vergessen lässt. Wo andererseits extreme Temporückungen nicht aus dem musikalischen Text begründbar waren, provozierte er unablässig die Frage nach dem Stellenwert des Interpreten im Hinblick auf zumindest teilweise objektivierbare, auf den Komponistenwillen verweisende Parameter. Wer jemals Strauss’ eigene nüchterne Interpretation des Rosenkavalier-Beginns gehört hatte und sie mit Prêtres Sichtweise der Rosenkavalier-Suite – einem seiner „Leibstücke“, das er mit den Wiener Symphonikern allein in neun Produktionen spielte – verglich, glaubte sich auf einem anderen musikalischen Planeten. Doch selbst jene Kritiker, die den „Dienst am Werk“ als vorrangige oder alleinige Aufgabe des Interpreten erachten, müssten im Falle Georges Prêtres einräumen, dass auch ein leidenschaftlich-individualistischer Zugang abseits jeder Routine vor allem jenen Werken einen unschätzbaren Dienst erweist, die als „Dauerbrenner“ Gefahr laufen, in den unablässigen Reproduktionen des Konzertbetriebs erstickt zu werden.

Wiener Symphoniker / Georges Prêtre © Wiener Symphoniker

Wiener Symphoniker / Georges Prêtre © Wiener Symphoniker

Es ist kaum zu glauben – aber mehr als ein halbes Jahrhundert währte die Zusammenarbeit der Wiener Symphoniker mit Georges Prêtre bereits. Als er im Juni 1962 erstmals im Konzerthaus auftrat und ein durchaus unkonventionelles Programm (mit Werken von Berg und Strawinski) dirigierte, konnte niemand ahnen, dass daraus die längste Beziehung in der Orchestergeschichte (mit mehr als 320 Auftritten in 110 verschiedenen Produktionen) entstehen würde. Zunächst waren die Begegnungen eher sporadisch, doch auf Grund höchst erfolgreicher Konzerte im Verlauf der späten 70er-Jahre lag es nahe, nach dem unerwartet frühen Ende der Chefdirigentenzeit Gennadij Roshdestwenskijs eine Form engerer Kooperation mit Prêtre zu suchen. Die 80er-Jahre bildeten so auch quantitativ deren Zentrum, doch auch danach bekannte sich der Maître stets zu den Wiener Symphonikern und leitete sie alljährlich, sei es beim Fernsehkonzert „Frühling in Wien“ (2004), auf Europa-Tourneen (1996 und 1997), auf der Österreich-Reise (2005) und in den großen Wiener Zyklus-Konzerten. Wir können ohne Übertreibung sagen, dass Georges Prêtre zumindest zwei Musikergenerationen geprägt hat. Als er anlässlich seines 80. Geburtstages erklärte, er sei in Wahrheit 4 x 20 Jahre alt, empfanden wir dies als höchst zutreffende Beschreibung seines physisch und geistig überaus vitalen Zustands.

 

Wien, Wiener Symphoniker, Georges Prêtre: Sein musikalisches Vermächtnis, IOCO Aktuell

Januar 11, 2017  
Veröffentlicht unter Personalie, Wiener Konzerthaus

Konzerthaus Wien / Stammhaus der Wiener Symphoniker © IOCO

Konzerthaus Wien / Stammhaus der Wiener Symphoniker © IOCO

 „Interpretation ohne Tradition“

Georges Prêtre:  Eine Würdigung der Wiener Symphoniker

Dass es sich bei Prêtre-Konzerten nicht um „herkömmliche“ Konzerte handelt, steht außer Zweifel. Als „Dirigent“ hatte sich der 1924 in Waziers, Frankreich, geborene Dirigent selbst – und darin stimmen ihm die Orchestermusiker uneingeschränkt zu – nie verstanden: eher als „Interprêtre“ und durchaus im Sinne des französischen Vokabels als ekstatischer Musik-Priester und Vermittler göttlichen Odems, der den großen Werken entströmt. Vor derartigen Größen verstummt hierzulande jede Kritik, es sei denn, sie äußern sich kritisch über österreichische Verhältnisse, und da dies Georges Prêtre schon deshalb nie getan hatte, weil eben Musik seine Muttersprache ist, übte sich die Wiener Kritik, dankbar, ihrer verbrieften Verpflichtung zu distanzierter Skepsis enthoben zu sein, bei Prêtre-Konzerten in entrückter Selbstvergessenheit.

Wiener Symphoniker / Georges Prêtre © Wiener Symphoniker

Wiener Symphoniker / Georges Prêtre © Wiener Symphoniker

Wie auf mittelalterlichen Stifterbildern sah man dann im Konzertsaal allenthalben kleine Kritikerfiguren mit Rosenkränzen statt Partituren in Händen, in Bet- oder Adorationsstühlen demütig vor ihrem großen Heiligen kniend, dem sie tags darauf ihre Panegyriken als mildtätige Stiftungen in den Feuilleton-Opferstöcken darbrachten und aus deren wundervollen Superlativen auch ein wenig Glanz auf das Orchester fiel.

Wiener Symphoniker / Georges Prêtre © Wiener Symphoniker

Wiener Symphoniker / Georges Prêtre © Wiener Symphoniker

Berufsbedingt sahen die Musiker aus der verzerrenden Praxis-Perspektive die Dinge nüchterner, schließlich mussten sie das Konzert ja spielen, waren sich aber in der Bewunderung der geistigen und physischen Leistung des 92-jährigen Maître einig, der die Stelle des Ersten Gastdirigenten der Wiener Symphoniker übernahm.

Orchestermusiker seines Alters waren beinahe ebenso lange schon in Pension, und selbst wenn man konzediert, dass Dirigieren in der Kombination aus angewandter Gymnastik, sublimierter Machtausübung und öffentlichem Ruhm ideale Voraussetzungen für die Bewahrung von Vitalität und Lebensenergie bot, sind und waren dennoch vielen bedeutenden Dirigenten physische Grenzen gesetzt, die für Georges Prêtre nicht zu gelten schienen. Seine geistige und körperliche Elastizität übertrug sich bis zum Schluss (letztes Konzert 12. Oktober 2016) geradezu magisch auf die Orchestermusiker, spornte sie aufs Äußerste an und motivierte zu Höchstleistungen, die sich auch der extremen und bis zur Erschöpfung führenden gesteigerten Anspannung verdankten, welche die sachdienliche Dechiffrierung von Prêtres kryptischer, um nicht zu sagen orakelhafter Form der Zeichengebung erforderte.

Es war, um Freud’sche Terminologie zu verwenden, die permanente Durchbrechung des Reizschutzes, welche – ganz im Sinne von Walter Benjamins Ausführungen über Baudelaire – dem Musizieren Prêtres seinen schockartigen und damit intensiv erlebnishaltigen Charakter verleihte: „Je größer der Anteil des Chockmoments an den einzelnen Eindrücken ist, […] desto eher erfüllen sie den Begriff des Erlebnisses“; und „desto weniger gehen sie in die Erfahrung ein.“ Diese illuminierende Erkenntnis Benjamins stellte für uns die künstlerische Eigenart Prêtres in die große französische Tradition, als Paris die „Hauptstadt des 19. Jahrhunderts“ war, erklärte aber umgekehrt auch den tatsächlich bemerkenswerten Sachverhalt, dass selbst bei von ihm oftmals interpretierten Werken keine Prêtre’sche „Interpretationstradition“ entstehen konnten. Und wo sich keine erfahrungsgesättigte Anschauung bildete, regierte das Suchtverhalten, sich unentwegt aufs Neue den faszinierenden, unerwartet hereinbrechenden Schocks auszusetzen.

Das Geheimnis seines Erfolgs lag vermutlich im weisen Entschluss, Zeiten zurückgezogener Muße mit einem klar umgrenzten „Repertoire ohne Repertoire“ zu verbinden: Mit einem intensiv studierten Werkkanon ohne Routine-Gefahr. 


Die Wiener Symphoniker sind Wiens Konzertorchester und Kulturbotschafter und bestreiten den weitaus größten Teil des symphonischen Musiklebens dieser Stadt. Mit seinen 128 Mitgliedern zählt das Orchester zu den herausragenden Klangkörpern Europas und ist insbesondere für die hochromantische Konzertliteratur prädestiniert: Werke von Brahms, Bruckner, Mahler und Richard Strauss zählen daher zum Kernrepertoire der Wiener Symphoniker.

Wien, Wiener Staatsoper, Sylvester im Zeichen der Fledermaus, IOCO Aktuell, 30.12.2012

Wien / Wiener Staatsoper bei Nacht © IOCO

Wien / Wiener Staatsoper bei Nacht © IOCO

   Wiens musikalischer Silvester – Kult 
Beethoven + Fledermaus über alles

Wien liebt Traditionen: Der Sylvesterabend 2012/13 der Wiener Staatsoper steht wie alle Jahre unter den Schwingen von Österreichs National-Operette Die Fledermaus. Uraufgeführt 1874 im Theater an der Wien unter der Leitung von Johann Strauss und bis heute Höhepunkt der Goldenen Operettenära.

2012/13 übernimmt Die Fledermaus ihre angestammte Position an der Wiener Staatsoper nur kurz, für vier Vorstellungen: Vom Sylvester Abend 2012 über den 1., 4. bis zum 6. Januar 2013. Um danach, fast mauerblümchenhaft, sehnsüchtig das Jahresende 2013/14 herbei zu sehnen. Dirigent dieser Fledermaus wird, wie oft, kein Wiener sein: Der gebürtige Ungar Stefan Soltesz und noch-Chef des Essener Aalto-Theaters wird dirigieren. Die Fledermaus der Wiener Staatsoper ist eine Inszenierung des  Altstars  Otto Schenk aus dem Jahr 1979. Für Wiener Ansprüche wird die Besetzung 2012/13 gut, aber nicht auffällig sein: Wer in Vorjahren Camilla Nylund, Angelika Kirchschlager, Daniela Fally, Michael Schade oder Helmut Lohner erlebte wird 2012/13 von Alexandra Reinprecht (Rosalinde) Zoryana Kushpler (Prinz Orlofsky), Ileana Tonca (Adele), Ramón Vargas (Alfred) und Peter Simonischeck (Frosch) verwöhnt.
Weihnachten 2012 steht die Wiener Staatsoper eher im Zeichen des meistgespielten Werkes der Ballettliteratur: Dem Nussknacker von Peter Tschaikowski in der Choreographie von Rudolf Nurejew.  In dieser Inszenierung tanzte vor Jahrzehnten der heutige Wiener Ballettchef Manuel  Legris mehrfach die Doppelrolle Droßelmeier/Prinz.

Jedes Jahr wird die Sylvester-Fledermaus der Staatsoper von Überraschungsgästen geziert: Im Vorjahren waren es unter anderem Anna Netrebko und Erwin Schrott. Noch gibt es keine Hinweise, wer Überraschungsgast 2012/13 sein könnte. Die Vorstellung ist offiziell seit Monaten ausverkauft, die Preise für Eintrittskarten reichen bis € 250. Deutlich darüber liegen die Preise der in Wien immer reichlich vorhandenen Schwarzmarktkarten.

Wien / Volksoper Wien © Volksoper

Wien / Volksoper Wien © Volksoper

Das zweitgrößte Musiktheater Wiens, die bürgernahe und populäre weil authentische  Wiener Volksoper bringt am Sylvesterabend “ihre” ebenfalls ausverkaufte Fledermaus (eine Heinz Zednik Inszenierung) auf die Bühne. Mit Intendant und ex-Burgschauspieler Robert Meyer in der Partie des Frosch, Sebastian Holecek als Gabriel von Eisenstein, Elisabeth Flechl als Rosalinde, Bernarda Bobro als Adele, Alexandra Haumer als Prinz Orlofsky.

Das seinerzeit mit der Fledermaus-Premiere von Johann Strauss verwöhnte Theater an der Wien ist 2012 Fledermaus-abstinent und leider….nicht ausverkauft: The Merry Widow – Die Odyssee der Lustigen Witwe wird gespielt, ein Stummfilm der 20-er Jahre mit Live-Musik: Wiener KammerOrchester. Regisseur Erich von Stroheim hatte Franz Lehárs Operette zu einer geistreichen und aufwändigen Gesellschaftssatire umgeformt. The Merry Widow mit den damaligen Superstars Mae Murray und John Gilbert in den Hauptrollen, war der größte kommerzielle Erfolg Erich von Stroheims als Regisseur.

Beethoven-Haus in Wien © IOCO

Beethoven-Haus in Wien © IOCO

Das Wiener Konzerthaus mit seinem 1.845 Sitzplätze fassenden Grossen Saal besitzt ebenfalls eine Tradition: Seit 1975 erklingt dort zum Jahreswechsel (am 31.12. und 1.1.) immer Beethovens Neunte Symphonie. Das Werk war bereits zur Eröffnung des Hauses 1913 zentral. Zum Jahreswechsel 2012/13 werden die Wiener Symphoniker von dem deutschen Dirigenten Christoph Poppen geleitet. Das Gesangsensemble Juliane Banse, Charlotte Hellekant, Dominik Wortig und Florian Boesch und die Wiener Singakademie werden in einen mitreißenden musikalischen Dialog treten. Kartensuchende: Die Vorstellung am Sylvesterabend ist ausverkauft. Aber, Beethovens Neunte Symphonie im architektonisch spektakulären Grossen Saal des Konzerthaus, am 1.Januar 2013, von IOCO empfohlen: Die wohl beste musikalische Alternative in Wien für diesen Tag.

Musikverein Wien bei Nacht © IOCO

Musikverein Wien bei Nacht © IOCO

Der Grosse Saal des Wiener Musikverein ist zum Sylvesterabend wie am Neujahrsmorgen ebenfalls ausverkauft. Franz Welser-Möst, bei den Salzburger Festspielen soeben krachend und schnell von Christoph Eschenbach abgelöst, und die Wiener Philharmoniker bringen zur Jahreswende keine Fledermaus  sondern ihren gewohnt seicht-leichten Potpourri von Josef Strauss, Johann Strauss (Vater und Sohn), Franz von Suppé, Josef Lanner uam. Ein weltweit übertragenes, sehr spezielles Wiener Ritual mit auffällig vielen Anhängern in China, Japan und Korea.

Wien, unsere Musikhauptstadt der Welt, bietet unendlich viel. Nur zu Sylvester fällt die Auswahl geringer aus: Die großen Musiktheater sind meist ausverkauft!

Mutig dann, wer sich im Akademietheater den Rheinländer Dirk Stermanns und „6 Österreicher unter den ersten 5″  ansieht: Stermann begegnet dort dem Wiener Robert, dem Universal-Kommentator, der keinen deutschen Ka ee mag, und Hartmut, dem präpotenten Piefke, der gerne Qualtinger wäre. Er schleppt betrunkene ORF-Reporterinnen durchs Nachtleben und taumelt durch Altbauten aus der k.u.k.-Zeit in deren Treppenhäusern man selbst von toten Hunden noch gebissen wird. Braungefärbte Taxifahrer, sadistische Beamte und die ‚Wilde Wanda‘ kreuzen seinen Weg. Wien bietet so vieles zu Sylvester…

IOCO und seine Mannschaft genossen im vergangenen Jahr 2012 viel großartige Kultur, leideten über mißglückte Inszenierungen, überlebten einen Weltuntergang und viele Intendanten. Wir wünschen all unseren Besuchern ein harmonisches Sylvesterfest, und für das kommende, ach was, für die kommenden Jahre viel Frohsinn und Glück.  Der  Pannen-geplagten Berliner Bevölkerung gelten die speziellen IOCO-Wünsche: Möge die Neueröffnung ihrer Staatsoper Unter den Linden – entgegen aller Vorhersagen – doch noch vor 2020 gefeiert werden.

IOCO / Viktor Jarosch / 30.12.2012
 

Wien, Wiener Konzerthaus, Rolando Villazón begeistert Fans mit wenig Gesang, IOCO Kritik, 18.11.2010

November 26, 2010  
Veröffentlicht unter Kritiken, Wiener Konzerthaus


Kritik 

Wiener Konzerthaus

Konzerthaus Wien © Herbert Schwingenschlögl

Konzerthaus Wien © Herbert Schwingenschlögl

Rolando Villazón singt mexikanische Lieder im Konzerthaus

Rolando Villazón war ein begnadeter Sänger und  zweifelsohne eines der großen Zugpferde auf der Operntour.  Seit nahezu zwei Jahren nimmt Villazón  Auszeiten vom  schweren Opernfach. Stimmbandoperationen plagen ihn.  Seine für Anfang September geplanten  Rudolfo-Auftritte an der Wiener Staatsoper sagte er noch – sehr kurzfristig – ab.  Für seine große Fangemeinde  feiert Villazón  jedoch seit einiger Zeit ein Comeback nach dem andern: Am 18.11.2010  im Großen Saal des Wiener Konzerthaus.  Mit populären, fantauglichen  mexikanischen Liedchen: Bésame mucho, La Cucaracha;  Villazón  mit Sombrero  und den 12-köpfigen Bolivar Soloists.  Zu  Eintrittspreisen bis hinauf zu sehr stolzen  € 180 Placido Domingo ließ sich auch eine Halbzeit lang sehen; und wurde  Villazón-üblich  angepriesen: Größter Sänger unserer Zeit. Kitschig manirierter  Kniefall.

Rolando Villazón moderierte an seinem Abend  ohnehin reichlich viel:  Vor nahezu jedem seiner neun Liedchen  erklärte, vermittelte, hintergründelte Villazón ausführlich. Charmant  und, wie immer,  dramaturgisch seiner Späßchen-lüsternden Fangemeinde angepaßt. Nicht singend, moderierend halt.  Die Bolivar Soloists  ließen derweil  einfach gestrickte Instrumental- nummern einfliessen,  ein Solo-Gitarrist spielte etwa 20 Minuten eigene Kompositionen, Villazón verschwand des öfteren in rückwärtigen Räumen und kehrte zurück.  Um dann die angekündigten mexikanischen Lieder  zu singen: Neun Lieder + 1 Zugabe. Die  Dauer des Abends: Über 2,5 Stunden. Die Dauer Villazóns  gesanglicher Hingebungen: 30 Minuten. Villazóns stimmliche Qualitäten: Passabel, mit deutlich vernehmbaren Problemen in der Mittellage.

Alle Kraft des  Rolando Villazón blieb seinen ausgehaltenen, lauten Schlußtönen der  Vorstellung vorbehalten. Sie strahlten nicht diese Schlußtöne. DieVillazónFans  natürlich trotzdem hellauf beistert. Galt die Begeisterung der charmanten Moderation,  den Instrumentalstücken der Bolivar Soloists oder etwa den  kurzen Gesangseinlagen ? Wir wissen dies nicht so genau. Aber unbestreitbar: Villazón – Fans feierten einen gelungenen Abend. Nicht Villazón-Fans  bewundern mehr das Showtalent  als die stimmlichen Darbietungen und stöhnen leise über die hohen Ticketpreise.  Und machen sich Gedanken über die Zukunft  IOCO / Viktor Jarosch / 18.11.2010.