Wien, Peterskirche, Oper in der Krypta – West Side Story, IOCO Kritik, 28.05.2017

Peterskirche Wien © Bwag / CC-BY-SA-4.0

Peterskirche Wien © Bwag / CC-BY-SA-4.0

Peterskirche Wien

Wien Peterskirche – Oper in der Krypta

 West Side Story von Leonard Bernstein

Von Marcus Haimerl

Die Oper in der Krypta der Wiener Peterskirche hat sich an eine spannende Aufgabe gemacht und sich mit Shakespeares wohl bekanntester Tragödie Romeo und Julia auseinandergesetzt. Nach I Capuleti e i Montecchi von Vincenzo Bellini und Roméo et Juliette von Charles Gounod fand am 18. Mai die Premiere des dritten Teils, Leonard Bernsteins  West Side Story statt.

Wien / Peterskirche - West Side Story - Ensemble © Marcus Haimerl

Wien / Peterskirche – West Side Story – Ensemble © Marcus Haimerl

Bereits im Jahr 1949 beschäftigten sich Leonard Bernstein, der Choreograph Jerome Robbins und der Librettist Arthur Laurents mit Shakespeares Romeo-und-Julia-Stoff. Dieser sollte als jüdisch-christlicher Glaubenskonflikt ins New York der Gegenwart verlegt werden. Zusammen mit dem Songtexter Stephen Sondheim wurde daraus schließlich ein kultureller Zusammenprall zweier rivalisierender Jugendbanden, den amerikanischen Jets und den aus Puerto Rico zugewanderten Sharks. Die einzigen Verbindungspunkte der beiden Gangs sind der Hass auf Obrigkeit und Erwachsene und die Liebe zwischen Maria von den Sharks und Tony von den Jets.

Guillietta / Julia in Verona © IOCO

Guillietta / Julia in Verona © IOCO

Shakespeares Vorlage bleibt auch in Bernsteins Fassung weitgehend erhalten: Maria ist Julia, Tony ist Romeo, die Jets sind die Montagues und die Sharks die Capulets. Aus Bruder Laurentius wird der Drugstore Besitzer Doc, Mercutio ist Riff, Paris ist Chino und aus Julias Cousin Tybalt wird Marias Bruder Bernardo. Und doch gibt es auch Abweichungen. So findet die Hochzeit nicht vor dem Hintergrund von Romeos Verbannung, sondern der Ermordung von Marias Bruder Bernardo als Scheinehe zwischen Kleiderpuppen statt und Tony fällt den Rivalitäten der beiden Gangs zum Opfer, Maria überlebt.
Auch musikalisch ist Bernsteins Werk der Oper näher als dem Musical. Zwischen Gesellschaftstänzen der 50er Jahre, Musik im Stil des Modern-Jazz-Stil und sentimentalen Gesangsnummern findet sich beim Ballett Cool auch eine Fuge auf ein zwölftöniges Thema.

Nach langer Vorbereitungszeit ist es der Oper in der Krypta gelungen, dieses nicht ganz einfache Musical perfekt umzusetzen. Die junge Grazer Musicaldarstellerin und Sängerin Angelika Ratej zeichnete sich für die Choreographie verantwortlich. Ihre hervorragende Arbeit zeigte sich spätestens bei America, wo die musikalischen Zwischenspiele durch fast kampfartige Tanzeinlagen verschärft werden. Der amerikanische Bariton Joel Andrew Walcott, welcher auch in der Rolle des Action brilliert, hauchte als Regisseur den Songs neues Leben ein und weiß auch in den richtigen Momenten die Emotionen des Publikums zu steuern.
Die musikalische Leitung am Klavier lag in den bewährten Händen von Ekaterina Nokkert. Mit ihrem nuancierten Spiel ersetzt sie nicht nur vollständig das Orchester, sondern schafft es auch das Publikum dauerhaft in Bann zu halten. Die Wiener Pianistin mit russisch-bulgarischen Wurzeln war als Solistin und Kammermusikerin bereits in ganz Europa unterwegs und ist als Liedbegleiterin Preisträgerin mehrerer internationaler Wettbewerbe.

Peterskirche Wien / West Side Story - Julia und Tony © Marcus Haimerl

Peterskirche Wien / West Side Story – Julia und Tony © Marcus Haimerl

Die junge lettische Sopranistin Anete Liepina, in Oper und Operette zu Hause, singt eine hinreißende Maria. Ausdruckstark und einfühlsam verzaubert sie mit ihrem schlanken, wohlklingenden Sopran das Publikum und überzeugt in ihrer Entwicklung vom verliebten Mädchen zur verzweifelten, kämpferischen Gegnerin dieser sinnlosen Auseinandersetzungen. Neben Ihren Auftritten auf großen Bühnen in ganz Österreich kann man Anete Liepina in der Krypta auch als Gretel (Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck), Pamina in Mozarts „Zauberflöte“ oder Musetta in Puccinis La Bohéme erleben.
Der deutsche Tenor Matthias Spielvogel ist ein zutiefst berührender Tony, der sich mit der Strahlkraft seiner eindrucksvollen Tenorstimme in die Herzen des Publikums singt und ab dem ersten Ton für Gänsehaut sorgt. In Wien ist er auch als Liedsänger zu hören und er wird in der Krypta im Herbst 2017 im Da Ponte Zyklus in der Krypta zu erleben sein.
Die junge, quirlige, lettische Mezzosopranistin Helena Sorokina, die in Wien nicht nur in den Bereichen Lied und Oratorium bekannt ist, sondern auch mit Chanson von Zarah Leander bis Marlene Dietrich reüssiert, harmoniert mit ihrem warmen dunklen Sopran als Anita hervorragend mit Anete Liepinas Maria und kann auch tänzerisch überzeugen. Auf gleich hohem Niveau begeistert auch der im Kosovo geborene Gezim Berisha in der leider eher kurzen Partie des Bernardo. Mit hellem, klarem Bariton, südlichem Erscheinungsbild und temperamentvollem Auftreten ist der junge Künstler eine Idealbesetzung für diese Partie. Gezim Berisha, der in Wien sein Studium im Fach Sologesang und Opernrepertoire abgeschlossen hat, sammelte künstlerische Erfahrung mit Opernproduktionen des Vienna Konservatoriums und ist gefragter Konzertsolist. Derzeit ist er in Wien auch als Papageno zu erleben.

 Peterskirche Wien / West Side Story - Jets, Sharks und Officer Krupky © Markus Haimerl

Peterskirche Wien / West Side Story – Jets, Sharks und Officer Krupky © Markus Haimerl

Die in Wien, Paris, Luzern, Tokio und Washington erfolgreich tätige mexikanische Koloratursopranistin Mariana Garci-Crespo verfügt über eine schwere, kraftvolle Stimme mit stabiler, sehr agiler Höhe und verzauberte sowohl stimmlich als auch tänzerisch das Publikum in der Rolle der Rosalia.
Der amerikanische Bariton Christopher M. Kelley in der Partie des Riff verfügt über eine solide Mittelage mit schöner Tiefe. In der Krypta durfte man ihn bereits als Shaunard in Puccinis La Bohème erleben.
Wie Christopher M. Kelley widmet sich auch der mexikanische Bariton Daniel Valero gerne dem deutschen Liedgut und großer Oper wie z.B. Nourabad in Bizets Le Pêcheurs des Perles. Aber auch in der Partie des Chino weiß er mit seinem markigen, dunklen Bariton zu überzeugen. In der Partie des Baby John verdient sich in der Krypta der erst 17-jährige Ivan Beaufils erste Sporen. Mit dem Kinderchor der Wiener Staatsoper steht der junge Bariton regelmäßig auf der Bühne der Staatsoper und seit 2015 ist er Stipendiat der Sir-Peter-Ustinov-Stiftung für eine Ausbildung in Richtung Operngesang.
Mit ihrem sehr agilen, tragfähigen Koloratursopran ist die junge Amerikanerin Leah Manning gleich in einer Doppelrolle zu erleben. Einerseits als rassige Consuela, andererseits als Wildfang Anybodys überzeugte sie das Publikum in diesen beiden völlig verschiedenen Partien nachhaltig. Auch die österreichische Sopranistin Magdalena Punz darf gleich mit zwei Rollen auf der Bühne stehen. Als Velma und als Francisca ist auch sie in beiden Gangs vertreten. Sie überzeugt nicht nur mit ihrem schönen Sopran. Mit ihrem Tanzpartner in der Turnhalle Christopher M. Kelley haben beide den Mambo als bestes Paar mit Bravour bewältigt.
Der Wiener Bassbariton Florian Pejrimovsky als Officer Krupky und Mitchell Sturges als Doc runden die unglaublich intensive Vorstellung mit der nötigen Portion Humor perfekt ab.
Das Publikum der ausverkauften Oper in der Krypta dankte den Künstlern mit begeistertem und lang anhaltendem Applaus. West Side Story dürfte in der Krypta zum Publikumshit werden.

 

Wien, Theater an der Wien, La cambiale di matrimonio live über sonostream, 21.10.2012

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Theater an der Wien  live Produktion in der  Wiener Kammeroper

sonostream.tv 

Theater an der Wien © IOCO

Oper kostenlos im Internet miterleben

Klassikfans aus aller Welt können bald kostenlos Musikgenuss auf höchstem Niveau direkt aus der Musikhauptstadt Wien live miterleben. Die Plattform sonostream.tv – Anfang kommender Woche online – wird als erste österreichische Plattform nationale und internationale Opernproduktionen einem breiten Publikum weltweit via Livestream über das Internet zur Verfügung stellen.

Zuschauer aus aller Welt sind eingeladen: “La cambiale di matrimonio” 21. Oktober 2012, 19:30 (MESZ) –

live www.sonostream.tv Sonostream.tv – eine Marke der Künstleragentur sono artists consulting von Samantha Farber – wird Livestreams aus verschiedensten Wiener Locations übertragen – von großen Bühnen sowie kleinen und unbekannteren Settings. Unterstützung erhält sonostream.tv auch von Wien Tourismus.

“Ich freue mich sehr und bin stolz darauf, mittels sonostream.tv Opernfans aus aller Welt die Möglichkeit zu geben, Wiener Opernproduktionen kostenlos live im Internet mitzuverfolgen”, sagt Samantha Farber, die das Projekt www.sonostream.tv ins Leben gerufen hat.

Die nächste Produktion für sonostream.tv wird am 21. Oktober die Premiere der selten gespielten Rossini- Oper “La cambiale di matrimonio” des Theater an der Wien in der Kammeroper sein.

In den Hauptrollen werden Mitglieder des jungen, internationalen Ensembles zu sehen/hören sein, darunter der aus Litauen stammende Bass-Bariton Igor Bakan, der amerikanische Tenor Andrew Owens, der Australier Ben Connor (Bassbariton) sowie die italienischen Sängerinnen Anna Maria Sarra (Sopran) und Gaia Petrone (Mezzo). Dirigent: Konstantin Chudovsky, Inszenierung: Jacopo Spirei “Viele sehen in der Oper eine exklusive Kunstform, die wenigen vorbehalten ist.“

Durch sonostream. tv wird Oper für Interessierte in aller Welt kostenlos zugänglich und das freut mich ganz besonders”, sagt Igor Bakan, der in der Premierenproduktion die Rolle des Tobia Mill verkörpern wird. www.sonostream.tv: Livestreaming eröffnet weltweiten Kulturgenuss für Opernbegeisterte

Pressemeldung  sonostream tv / Theater an der Wien / Kammeroper Wien

Wien, Wiener Kammeroper, Existenzbedrohende Subventionskürzung: Petition an die Bunderministerin Dr. Schmied, IOCO Aktuell, 12.07.2011

Juli 12, 2011  
Veröffentlicht unter IOCO Aktuell, Wiener Kammeroper

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Wiener Kammeroper

Wiener Kammeroper kämpft im ihre Existenz

Wiens viertes Opernhaus – neben den großen staatlichen Brüdern Wiener Staatsoper, Volksoper Wien und Theater an der Wien – hat ein  Profil fernab des Mainstreams. Zentral am Wiener Fleischmarkt gelegen, bringt die Wiener Kammeroper auf 304 Plätzen seit 1961  in liebevoller, musisch barocker Anmut Raritäten und/oder österreichische Erstaufführungen aus Barockoper, Opera buffa, Kammer-Musical und zeitgenössischem Musiktheater. Stücke,  die weder zum Repertoire der großen Häuser zählen noch im Umfeld der freien Gruppen produziert werden, die durch Qualität überzeugen, kommen auf den Spielplan.  „Le pauvre matelot von Darius Milhaud und „Venus in Africa von George Antheil füllten den erfolgreichen Spielplan 2010/11. Beide Komponisten waren im Paris der 20er Jahre in aller Munde. Raritäten. Die Zuschauer der regelmäßig gut gefüllten Wiener Kammeroper dankten es.

Kammeroper Wien: Der verzaubernde Besucherraum © Kammeroper Wien

Kammeroper Wien: Der verzaubernde Besucherraum © Kammeroper Wien

Staatliche Musik- oder Sprechtheater mögen gute oder schlechte Kunst betreiben.  Öffentliche Zuschüsse fliessen, immer…..  Die Wiener Volksoper  wurde durch besucherfeindliche Stücke bis 2007 von Intendanten  erfolgreich in die Bedeutungslosigkeit getrieben. Die Zuschüsse flossen.  Öffentlich geführte Theater und ihre Intendanten schwelgen finanziell beamtisch abgesichert in Milch oder Sahne, nie persönlich betroffen.  Privat betriebene Theater dagegen kämpfen mit wenig Mitteln, finanziell oft persönlich gefährdet in Nischen um Publikumsgunst. Ausgerechnet die kleine aber volkstümliche Wiener Kammeroper, auch Ausrichter der international angesehenen Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerbs,  ist nun in ihrer Existenz bedroht. Ein  Opfer der Großmannssucht öffentlich  geführter Theater? Lesen Sie die:

Petition an die österreichische Kultusministerin Frau Dr. Claudia Schmied:

PETITION für den Erhalt der Wiener Kammeroper und des Internationalen Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerbs

An: Bundesministerin Frau Dr. Claudia Schmied, bmukk, und Kulturstadtrat Herrn Dr. Andreas Mailath-Pokorny, Stadt Wien

Die Existenz der Wiener Kammeroper ist durch einschneidende Subventionskürzungen des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur in den vergangenen Jahren (von EUR 650.000,- p.a. bis 2008 auf EUR 150.000 in 2011) und die komplette Streichung ab 2012 massiv bedroht. Die Gespräche mit der Stadt Wien als zweiten Subventionsgeber (mit EUR 700.000,- p.a.) der Wiener Kammeroper sind immer noch offen.

Das Direktionsteam Isabella Gabor und Holger Bleck reagierte auf die Kürzungen u.a. mit der Kündigung eines Großteils seiner Mitarbeiter und legte der Stadt Wien ein neues künstlerisches und wirtschaftliches Konzept vor: geplant ist u.a. die gemeinsame Bespielung der Wiener Kammeroper mit Partnern aus der Wiener Opernszene. Grundvoraussetzung dieses Konzeptes ist die künstlerische und wirtschaftliche Autonomie der Wiener Kammeroper und die ihrer Partner. Die Auseinandersetzung mit dem Genre „Kammeroper“ und zeitgenössischen Musiktheaterformen, die Förderung des musikalischen Nachwuchses, Musikvermittlungs-Projekte und der Internationale Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerb sollen auch weiterhin DAS Markenzeichen der Wiener Kammeroper sein.

Die bereits seit Februar dieses Jahres laufenden Gespräche mit der Stadt Wien müssen nun schnellstens zu Ergebnissen führen, da die Wiener Kammeroper ansonsten zahlungsunfähig wird. Dennoch darf sich auch das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur nicht seiner Verantwortung entziehen.

Kämpfen Sie zusammen mit uns für den Erhalt der Wiener Kammeroper und des Internationalen Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerbs. Unterzeichnen Sie die Petition auf http://www.openpetition.de/petition/online/Wiener-Kammeroper und schreiben Sie an Frau Bundesministerin Dr. Claudia Schmied (claudia.schmied@bmukk.gv.at) und Herrn Kulturstadtrat Dr. Andreas Mailath-Pokorny (andi.mailath@gku.magwien.gv.at) mit einer Kopie an die Direktion der Wiener Kammeroper: direktion@wienerkammeroper.at.


Vielen Dank!
Isabella Gabor und Holger Bleck

Wien, Wiener Kammeroper, Finale des Belvedere Gesangswettbewerbs, IOCO Kritik, 03.07.2011


Kritik

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Wiener Kammeroper

Finale des großen Belvedere Gesangswettbewerbs in Wien

Wiener Kammeroper Saal  © Réne Del Missie

Wiener Kammeroper Saal © Réne Del Missie

Wiener Kammeroper / Isabella Gabor und Holger Bleck (Direktion) © Christian Husar

Wiener Kammeroper / Isabella Gabor und Holger Bleck (Direktion) © Christian Husar

Wiener Kammeroper / Belvedere Gesangswettbewerb: v.l.n.r.: Kammerdirektor Mag. Heinz Wollinger (WKW) 3. Preis Oper: Simge BUYUKEDES (Türkei) 1. Preis Oper und 1. Preis Operette: Rachel WILLIS-SORENSEN (USA) 2. Preis Oper: Sehoon MOON (Südkorea) Präsidentin KR Brigitte Jank (Wirtschaftskammer Wien) © Christian Husar

Wiener Kammeroper / Belvedere Gesangswettbewerb © Christian Husar

Wiener Kammeroper / Belvedere Gesangswettbewerb: v.l.n.r.: 3. Preis Oper: Simge BUYUKEDES (Türkei) 1. Preis Oper und 1. Preis Operette: Rachel WILLIS-SORENSEN (USA) 2. Preis Oper: Sehoon MOON (Südkorea) © Christian Husar

Wiener Kammeroper / Belvedere Gesangswettbewerb © Christian Husar

Am 3. Juli 2011 fand im Festsaal des Wiener Rathauses der 30. Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerb statt .

Rathaus Wien © Gryffinder

Rathaus Wien © Gryffinder

An dieser, von der Wiener Kammeroper (Direktion: Isabella Gabor und Holger Bleck) veranstalteten und v.a. von der Wiener Wirtschaftskammer gesponserten, „größten Sängerbörse der Welt“ nahmen heuer rund 3000 Sängerinnen und Sänger in 50 Städten weltweit teil. 159 von ihnen wurden nach Wien eingeladen. Nach den letzten Vorrunden in der Kammeroper erreichten 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Finale, davon vier für den Bereich Operette, acht für den Bereich Oper. Eine Teilnehmerin konnte sich für beide Sparten qualifizieren.

Die internationale Jury unter dem Vorsitz von John M.Mordler (Leiter der Opéra de Monte-Carlo) setzte sich aus hochkarätigen Vertretern der Musikszene (u.a. von der Metropolitan Opera New York, dem Royal Opera House Covent Garden London, der Deutschen Oper Berlin und der Wiener Staatsoper) sowie Agenten und internationalen Medienvertretern zusammen.

Im Fach Operette, in dem sich mit Theresa Grabner die einzige Österreicherin bis in das Finale gesungen hatte, ging der Hauptpreis an die US-Amerikanerin Rachel Willis-Sørensen mit dem Csárdás   „Klänge der Heimat“ aus der   „Fledermaus“ (J.Strauß).

Den zweiten Platz eroberte Alexandra Hutton aus Australien mit einer erfrischend lebendig dargebrachten Arie aus J. Offenbachs  „Orpheus in der Unterwelt„, die auch mit einem Sonderpreis der Jury (Operngala an der Deutschen Oper Berlin) belohnt wurde.

Platz drei ging an Irina Kapanadze aus Georgien, die u.a. bei Mirella Freni und Renato Bruson studierte und bereits an der Scala auftrat. Auch sie erhielt einen Sonderpreis der Jury (Vorsingen an der Deutschen Oper am Rhein  Düsseldorf-Duisburg).

Die Darbietungen der Opernfinalistinnen und -finalisten waren, wie schon zuvor bei der Operette, durchwegs auf sehr hohem Niveau. Mit Rachel Willis-Sørensen, die heute auch schon den Operettenbewerb gewonnen hatte, ging der erste Preis im Opernfach an die einzige Sängerin, die im Finale eine Wagner-Arie zu Gehör brachte. Dafür erhielt sie auch einen Sonderpreis der Jury (Engagement beim Kirsten Flagstad Festival in Norwegen).

Den zweiten Preis errang der junge, noch in Ausbildung begriffene, südkoreanische Tenor Sehoon Moon mit der Arie des Edgardo aus   „Lucia di Lammermoor„.

Die dritte Preisträgerin wurde die aus Istanbul stammende Sopranistin Simge Buyukedes, die bereits in der Arena di Verona engagiert war. Darüber hinaus wurde ihr der Preis der internationalen Medienjury zuerkannt.

Das zahlreich anwesende Publikum verlieh seinen Preis der aus Russland stammenden, in Wien lebenden Sopranistin Ekaterina Bakanova für die Arie der Elvira aus Bellinis   „I Puritani„. Außerdem erhielt sie mit einem der zahlreichen Sonderpreise die Möglichkeit, an der Wiener Staatsoper vorzusingen. Heuer wird sie u.a. als Gilda bei den Opernfestspielen im Steinbruch von St.Margarathen im Burgenland zu hören sein.

Weitere Sonderpreise gingen u.a. an die rumänische Sopranistin Iulia Maria Dan und den Bariton Ilya Silchukov aus Minsk. Die beiden Korrepetitions-Hauptpreise erspielte sich die südkoreanerin Su Yon Yu.

Uns persönlich haben vor allem Irina Kapanadze mit ihrem warmen Timbre, Ekaterina Bakanova mit ihrem gefühlvollen Vortrag und Sehoon Moon mit seiner überaus modulationsfähigen Stimme überzeugt.

Das festliche Gala-Abschlusskonzert des Bewerbes findet am Freitag, den 8.Juli 2011 in Baden bei Wien statt.

Überschattet war der heurige Wettbewerb von der tristen finanziellen Situation der Wiener Kammeroper.

Durch massive Kürzungen der öffentlichen Subventionen ist nicht nur ihr, sondern auch der Fortbestand des Belvedere Gesangswettbewerbes massiv bedroht. Wenn Sie die Wiener Kammeroper und damit auch den Gesangswettbewerb unterstützen wollen, bitten wir sie, die Petition für den Erhalt der Wiener Kammeroper und des Internationalen  Belvedere Gesangswettbewerbs zu unterschreiben :

Petition für den Erhalt der Wiener Kammeroper

(Bitte klicken Sie hier, um zur Petition zu gelangen)

Liste der heurigen Finalistinnen und Finalisten:

OPERETTE :

|   Theresa Grabner , Sopran, geb. 1984, Österreich ( R.Stolz, Im weißen Rössl: Mein Liebeslied muss ein Walzer sein |   – Irina Kapanadze , Sopran, geb. 1983, Georgien (F. Lehar, Die lustige Witwe: Vilja-Lied |    Alexandra Hutton , Sopran, geb. 1984, Australien (J.Offenbach, Orphée aux enfers: La femme dont le cœur rêve ) |Jacques Le Roux , Tenor, geb. 1981, Südafrika (F. Lehar, Die lustige Witwe: Wie eine Rosenknospe) | Rachel Willis-Sørensen , Sopran, geb. 1984, USA (J.Strauß, Die Fledermaus: Csárdás Klänge der Heimat) |

OPER :

  Iulia Maria Dan, Sopran, geb. 1987, Rumänien ( G.Donizetti, Lucia di Lammermoor: Regnava nel silenzio ) | Ingeborg Gillebo , Mezzo, geb. 1983, Norwegen (W.A.Mozart, Le nozze di Figaro: Voi che sapete ) |    Sehoon Moon , Tenor, geb. 1984, Südkorea (G.Donizetti, Lucia di Lammermoor: Tombe degli avi miei ) | Ekaterina Bakanova, Sopran, geb. 1984, Russland ( V.Bellini, I Puritani: Qui la voce sua soave ) | Rachel Willis-Sørensen , Sopran, geb. 1984, USA ( R.Wagner, Tannhäuser: Dich, teure Halle | Todd Boyce , Bariton, geb. 1983, USA ( G.Rossini, Il Barbiere di Siviglia; Largo al Factotum ) | – Simge Buyukedes, Sopran, geb. 1981, Türkei ( F.Cilea, Adriana Lecouvreur: Io sono l’umile ancella ) | Tatiana Timchenko , Sopran, geb. 1984, Russland ( Ch.Gounod, Faust: O Dieu! Que de bijoux! Ah, je ris de me voir ) | Ilya Silchukov , Bariton, geb.1982, Weißrussland (J.Massenet, Hérodiade: Vision fugitive)    |

IOCO / Dr. Christine Kandler – Hofrat Dr. Manfred Kandler / 3.7.2011

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