Wien, Volksoper, Fledermaus ist Wien ist Fledermaus, IOCO Kritik, 25.10.2017

Oktober 26, 2017  
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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

Die Fledermaus von Johann Strauss

Ein Rheinländer zieht aus, die Fledermaus in Wien zu erleben

Von Viktor Jarosch

Fledermaus Trailer der Volksoper Wien

Die Fledermaus von Johann Strauss in Wien zu besuchen! Einem Rheinländer erzeugt der Besuch der Fledermaus in ihrer kulturellen Heimat Wien besondere, fast touristische Gefühle. Denn Wiens einzigartige kulturelle Stellung in der Welt ist nicht allein anspruchsvoll-komplexer Kunst eines Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Franz Grillparzer oder Gustav Klimt zuzuschreiben. Deren leicht-gewichtige – gerne nicht ganz ernst genommene – Schwester, die Operette, ganz besonders die Fledermaus, Königin der Operetten, sind bis heute und weltweit erfolgreiche Botschafter von Menschlichkeit und Wiener Lebensfreude. Johann Strauss und Franz Léhar etablierten die Operette als eigene Gattung, stellten in ihren Werken sympathische Durchschnittsmenschen mit gutbürgerlicher Doppelmoral dar; überschaubare Alltagsprobleme werden etwas realitätsfer mit lieben Ungereimtheiten, Lügen und oft tänzerischen Schmankerln  dem natürlich glücklichen Ende zugeführt.

 Grabstätte von Henri Meilhac in Paris © IOCO

Die eindrucksvolle Grabstätte von Henri Meilhac in Paris © IOCO

Urwienerisch, so irrt man schnell, sei die Fledermaus; denn sie ist französischen Ursprungs; das erfolgreiche Vaudeville Réveillon (1872) von Henri Meilhac (Foto) und Ludovic Halèvy ist ihr Ursprung. Der „Vorabend“ (Heiligabend) zu einem in Frankreich üblichen, ausgelassenen Weihnachtssouper mit Freunden, eine anstehende Gefängnisstrafe, ein Alfred, ein Prinz, ein Gefängnisdirektor sind die Ingredienzien von Réveillon. Johann Strauss zauberte, komponierte aus dieser Vorlage 1874 seine einmalige Wiener Fledermaus.

Strauss´ Fledermaus verwandelt die Vorlage, auch dem Börsenkrach von 1873 geschuldet, in wienerische „Lebenserkenntnisse“: Wenn im richtigen Leben schon vieles falsch läuft: ¾ Takt, ein wenig Lüge, Maske, Kostüme, Polka, falsche Identitäten könnten dem Wiener weiter helfen.

Fledermaus Trailer der Staatsoper Wien

Grabmal von Johann Strauss Sohn in Wien © IOCO

Grabmal von Johann Strauss Sohn in Wien © IOCO

Also lügt Adele mit Beginn der Operette, dann belügt Rosalinde ihren Mann Eisenstein, der sie ebenso belügt, Dr. Falke belügt beide, Halb- und Unwahrheiten wechseln sich ab; allein Alfred, der Liebhaber, lügt nicht, aber nur aus Eigennutz. Hugo von Hoffmannsthal meinte gar: In der Fledermaus dominiere gar „jenes gewisse Halb-Naive, Lumpige, französisch angehauchte Wienertum“. Seit ihrer Uraufführung am 5. April 1874 im Theater an der Wien ist die Fledermaus von Johann Strauss, Richard Genée und Karl Haffner auf allen Bühnen der Welt unendlich erfolgreich. Im Ausland wurde die Fledermaus, mit ihr das Genre Operette, so zum augenzwinkernden Erkennungsschmaus und Sympathieträger der Stadt Wien wie Österreichs. Auf Augenhöhe mit „seriöser“ Wiener Kunst. Glücklich ist, wer vergisst, was…“ zutiefst Österreichisch?

In den Theatern Wiens ist die Fledermaus immer präsent; auch 2017/18: Die ehrwürdige aber weniger humorige Wiener Staatsoper (30% ihrer Besucher stammen nicht aus Wien) reduziert prallen Fledermaus-Humor traditionell offiziell auf Silvester und einige Folgeabende: 2017 feiert die Staatsoper den Jahreswechsel mit der 150sten Fledermaus Aufführung einer Otto Schenk – Inszenierung aus dem Jahr 1979; mit virtuoser Choreographie und blendenden Ensemble. Das Theater an der Wien hat 2017 Fledermaus frei.

Dafür spielt bürgernahe Wiener Volksoper an der Währinger Straße (1.330 Plätze, 83% Auslastung, 315.000 Besucher/Jahr) 2017/18 die Fledermaus ganzjährig. Doch auch die Fledermaus-Produktion der Volksoper, wie die der Staatsoper, hat lange Tradition: Aus 1987 stammt die Inszenierung mit klassischen Kulissen; 2007 wurde diese Inszenierung von Heinz Zednik szenisch und sprachlich etwas aktualisiert. Alt-barocken, betulichen Wiener Flair verbreitet der große Wohnraum der Volksoper Fledermaus mit dem ersten Bild. Die Kostüme (Doris Engl) sind ebenfalls klassisch wienerisch. Doch ein viriles Ensemble meist Wiener Provenienz verwandelt dies Ambiente zu  einem lebensfrohen, munteren Bühnenereignis.

Volksoper Wien / Die Fledermau - hier vlnr Dr Blind, Rosalinde, Eisenstein © barbara pálffy / volksoper

Volksoper Wien / Die Fledermau – hier vlnr Dr Blind, Rosalinde, Eisenstein © barbara pálffy / volksoper

Alfred, Szabolcs Brickner, betet so in seiner ersten Belcantoarie mit hellklar lyrischer Tenorstimme „Täubchen, das enflattert ist, stille mein Verlangen..“ Rosalinde an. Stubenmädchen Adele (Elisabeth Schwarz) wuselt daher, um sich in ihren späteren Arien „Spiel ich die Unschuld vom Lande“, „Mein Herr Marquis“ lustvoll und mitreißend auszuspielen. Dr. Falke erscheint im Gehrock. Die an vulgärphilosophischen Sprüchen so reiche Fledermaus leitet Gabriel von Eisenstein (Carsten Süss) mit seinen „Grinzinger Volksweisheiten“ ein: „Wenn die Ratten dich benagen, hüte dich vor vollem Magen“, um über Dr. Falke (Ben Connor), „Stirbt der Bauer im Oktober, braucht er im Winter koan Pullover“ bis zum Ende durch das Wiener wie Volksopern – Urgestein Gerhard Ernst als Frosch alle möglichen Operetten- Vögel abzuschießen. Die Fledermaus feierte so an der Volksoper fröhliche Urständ. Auch als lebensfroher Rheinländer fühle ich mich an diesem Abend  in der Volksoper pudelwohl.

Volksoper Wien / Die Fledermaus - hier Ensemble © barbara pálffy / volksoper

Volksoper Wien / Die Fledermaus – hier Ensemble © barbara pálffy / volksoper

Doch, das gesamte Ensemble des Abends trug zur guten Laune bei: Ulrike Steinsky, Wienerin und langjähriges Volksoper Ensemblemitglied, ist eine szenisch präsente Rosalinde; mit wortdeutlichem Wienerisch beherrscht sie ihre große Partie von tiefen Mezzo-Tönen bis wunderbarem Sopran; federleicht und mit Temperament besonders im Csárdás des Mittelaktes, „Klänge der Heimat“. Die Rachegedanken des Dr. Falke lässt Ben Connor in wohl timbrierten Schmelz erklingen. Annely Peebo lebte in Sprache und wohltönendem Mezzo den russischen Prinz; ebenden Prinz Orlofsky. In elegant klassischen Kostümen tanzt das das Wiener Staatsballett die packende Polka Donner und Blitz. Auch der stotternde Dr. Blind (Jeffrey Treganza) wie der mimisch und stimmlich sichere Daniel Ohlschläger als Gefängnisdirektor Frank begeistern.

Guido Mancusi, das Volksopernorchester und Ensemble entfalten in den vielen Facetten ihrer Fledermaus urtümliches wie feines wienerisches Kolorit, Wiener Charme. Die Besucher der auch an diesem Dienstag vollbesetzte Volksoper feierten Ensemble, Orchester wie ihre Kultur, ihre Fledermaus.

Die Fledermaus an der Volksoper Wien:  Weitere Vorstellungen 13.11.; 30.11.; 4.12.; 31.12.2017; 1.1.2018;  6.2.2018; 15.2.2018,; 5.3.2018

Wien, Volksoper, Die Räuber von Giuseppe Verdi, IOCO Kritik, 24.10.2017

Oktober 24, 2017  
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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

 Die Räuber von Giuseppe Verdi

Schillers Familiendrama um Franz und Karl Moor an der Volksoper 

Von Marcus Haimerl

Giuseppe Verdis Frühwerk I masnadieri (Die Räuber), nach Friedrich Schillers gleichnamigem Drama, stand als zweite Premiere der Saison auf dem Programm der Wiener Volksoper. Das Auftragswerk für das königliche Opernhaus am Haymarket in London wurde 1847 ebendort uraufgeführt und erlebte 1863 die deutschsprachige Erstaufführung auch an der Wiener Volksoper.

Die Regie der neuen Produktion lag in den Händen des deutschen Theaterregisseurs Alexander Schulin. Dafür schuf Bettina Meyer (Bühnenbild) einen Kubus, vom Regisseur auch „Vaterkiste“ genannt, welcher sich zentral auf einer Drehbühne befindet.

Die Ouvertüre wird in dieser Produktion wieder szenisch dargestellt. Vater Maximilian sitzt in der Mitte dieses Würfels musizierend (hervorragendes Cello Solo: Roland Lindenthal), um ihn, spielend, zwei Knaben und ein Mädchen, die Brüder Karl und Franz Moor und deren Cousine Amalia. Ein Rückblick in jene Zeit als das Familienleben vermeintlich noch in Ordnung war.

Volksoper Wien / Die Räuber - hier Vincent Schirrmacher als Karl Moor, Kurt Rydl als Vater Maximilian, Boaz Daniel als Franz Moor © Johannes Ifkovits

Volksoper Wien / Die Räuber – hier Vincent Schirrmacher als Karl Moor, Kurt Rydl als Vater Maximilian, Boaz Daniel als Franz Moor © Johannes Ifkovits

Diese „Vaterkiste“ repräsentiert hier also den inneren Kreis, Vater Maximilian im Zentrum. Die restliche Bühne, in grelles Licht getaucht, ist die Zone der Ausgestoßenen, also jene in der Karl Moor und seine Räuberbande ihren Platz haben. Auf die Partie des Pfarrers Moser wurde in dieser Produktion verzichtet, der Priester erscheint Franz Moor hier in der Gestalt seines Vaters. Ein durchaus spannendes Regiekonzept, welches mangels entsprechender Personenführung letztlich nicht vollständig aufging. So wird in und um den Kubus gestanden, gegangen und gesungen, interagiert wird jedoch selten.

Anders jedoch musikalisch. Unter dem Dirigat von Jac van Steen lief das Orchester der Volksoper Wien zu wahren Höchstleistungen auf. Kraftvoll kernig, dann wieder lyrisch, gleichzeitig immer rücksichtsvoller Partner der Sänger.

Karl, der verstoßene Bruder singt Vincent Schirrmacher mit kräftiger, metallischer Tenorstimme, mit schöner Höhe und großer Wortdeutlichkeit. Seinen jüngeren, intriganten Bruder Franz singt der Bariton Boaz Daniel mit der dafür notwendigen Schwärze auf sehr hohem Niveau. Ebenso beeindruckend Kurt Rydl als beider Vater Maximilian. Kurt Rydl weiß die komplexe Partie des Vaters, dem eigentlichen Auslöser dieser Familientragödie, nicht nur stimmlich glaubhaft darzustellen. Die Gebrochenheit dieser Figur ist hier stets präsent und spürbar.

Volksoper Wien / Die Räuber - hier Sofia Soloviy als Amalia, Boaz Daniel als Franz Moor © barbara pálffy / volksoper

Volksoper Wien / Die Räuber – hier Sofia Soloviy als Amalia, Boaz Daniel als Franz Moor © barbara pálffy / volksoper

Seine Nichte Amalia singt die ukrainische Sopranistin Sofia Soloviy mit dramatischem Sopran. Sie verfügt aber auch über die notwendige stählerne Schärfe, die man sich von dieser Partie auch erwartet. Hervorragende Leistungen auch von David Sitka als Hermann und Christian Drescher als Roller.

Ein kleines Manko bleibt hier noch der deutsche Text (Übersetzung von Hans Hartleb). Gerade durch die hohe Wortdeutlichkeit aller Protagonisten ist die Banalität des Textes unüberhörbar und fügt sich nicht sehr harmonisch in die Musik.

Am Ende gab es, auch in der Vorstellung nach der Premiere, verdienten Jubel für Sänger und Dirigent und Dankbarkeit darüber, dass sich die Wiener Volksoper auch gerne selten gespielten Werken annimmt.

Die Räuber an der Volksoper Wien; weitere Vorstellungen

Wien, Volksoper, Gypsy – Musical von Jule Stynes, IOCO Kritik, 15.09.2017

September 15, 2017  
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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

 Gypsy – Musical  von Jule Stynes

 Von Marcus Haimerl

Jule Stynes Musical Gypsy, 1959 nach den Memoiren der Burlesque-Künstlerin Gypsy Rose Lee uraufgeführt, erzählt vielmehr die Geschichte ihrer Mutter Rose Hovick, die vom großen Erfolg träumt und diesen mit Hilfe des Talents ihrer beiden Töchter zu erreichen hofft. Kinder-Talentshows und Vorsingen in Vaudeville-Theatern stehen an der Tagesordnung, denn Mama Rose lässt nichts unversucht, um aus beiden Kindern Stars zu machen und diese auf die Bühne und ins Rampenlicht zu bringen.

Volksoper Wien / Musical Gypsy -  Ensemble mit Maria Happel als Mama Rose in der Mitte © Jenni Koller / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Musical Gypsy – Ensemble mit Maria Happel als Mama Rose in der Mitte © Jenni Koller / Volksoper Wien

Jenes Rampenlicht, in dem Rose selbst gerne stehen würde und in welches sie sich auch immer wieder drängt um Musikern, Beleuchtern und Theaterdirektoren zu schmeicheln oder um ihnen Anweisungen zu geben. Als Erste flieht die jüngere Tochter June vor der Übermutter. Sie heiratet heimlich und macht unter dem Namen June Hovac Karriere als Schauspielerin in Hollywood und am Broadway. Letztendlich wendet sich auch Louise, die ältere Schwester, von der Mutter ab und wird zur titelgebenden Burlesque-Tänzerin Gypsy Rose Lee.

Volksoper Wien / Musical Gypsy -  Maria Happel als Mama Rose © Johannes Ifkovits

Volksoper Wien / Musical Gypsy – Maria Happel als Mama Rose © Johannes Ifkovits

Bereits der Auftrittsapplaus verrät den eigentlichen Star des Abends: Maria Happel als Rose. Diese Partie fordert neben musikalischem Können auch exzellentes Schauspiel. Inklusive einer gehörigen Portion Humor bringt Maria Happel all diese Voraussetzungen mit und brilliert als entschlossene Mutter mit einer gehörigen Portion Durchsetzungsvermögen. Aber auch Verletzlichkeit und Verzweiflung lässt sie in ihrer Darstellung immer wieder aufblitzen und läuft auch gesanglich immer wieder zur Höchstform auf.

Ebenfalls hervorragend besetzt sind die Nebenrollen. Toni Slama als Agent, Fast-Ehemann und Ersatzvater ist berührend in seiner fast schon verzweifelten Liebe zu Rose, die ihres Ehrgeizes wegen kein Happy End finden kann. Die Volksopern-Debütantin Lisa Habermann in der Rolle der Louise und späteren Gypsy Rose Lee konnte mit der Entwicklung von der vernachlässigten, burschikosen Tochter zur selbstbestimmten, femininen Striptease-Tänzerin genauso nachhaltig überzeugen wie Marianne Curn in ihrer Rolle als Baby June. Auch die Kinderdarsteller der beiden Schwestern, Livia Ernst und Katharina Kemp, leisteten Beachtliches. Eine großartige Leistung auch von Peter Lesiak als Tulsa, der zusätzlich mit einer Stepp-Einlage das Publikum begeisterte. Als herrlich komischer Burlesque-Star Tessie Tura im rosa Ballettröckchen zog Christian Graf, ab Saison 2017/18 festes Ensemblemitglied der Wiener Volksoper, alle Register seines Könnens und sorgte auch für einige Lacher.

Volksoper Wien / Musical Gypsy_ Ensemble © barbara pálffy / volksoper

Volksoper Wien / Musical Gypsy_ Ensemble © barbara pálffy / volksoper

Lorenz C. Aichner am Pult, lief mit dem Volksopernorchester zu wahrer Höchstform auf und lieferte erstklassige Broadwayklänge.

Werner Sobotka setzte mit seinem Team (Bühnenbild Stephan Prattes, Kostüme, Elisabeth Gresel) das Musical klug in Szene. Was eignet sich besser als überdimensionale, nostalgische Kisten und Koffer als Kulisse für eine Familie, die ständig unterwegs ist. Diese ermöglichen einen schnellen Kulissenwechsel und da wird schon mal aus einer Kiste ein China-Restaurant oder ein Büro und aus einem Koffer im Stile Louis Vuittons die Luxusgarderobe der berühmt gewordenen Gypsy Lee Rose.

Auch wenn trotz Kürzungen vereinzelt Längen zu spüren waren, dankte das Publikum mit ausgiebigem Jubel den Protagonisten und die Volksoper hat mit Gypsy einen neuen Publikums-Hit in ihrem Repertoire.

Musical Gypsy:  Premiere 10. September 2017, weitere Vorstellungen am 12., 14., 17., 23., 25., 28. September, 1., 4., 9., 12., 17., 19., 28. Oktober,, 4., 11., 12. November 2017

 

Wien, Volksoper, Premiere Musical Gypsy von Jule Stynes, 10.09.2017

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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

 Musical – Gypsy von Jule Stynes 

 Liedtexte von Stephen Sondheim, Buch von Arthur Laurents nach Gypsy: A Memoir von Gypsy Rose Lee,  Deutsche Fassung von Henry Mason, für die Volksoper eingerichtet von Werner Sobotka

Premiere 10. September 2017,  Weitere Vorstellungen am 12., 14., 17., 23., 25., 28. September, 1., 4., 9., 12., 17., 19., 28. Oktober, 4., 11., 12. November 2017

Volksoper Wien / Musical Gypsy - mit Sophie Grohmann, Emil Kurz, Simon Gaunersdorfer, Louisa Popovic (Baby June), Maria Happel (Rose), Sophie-Marie Hofmann (Baby Louise), Lino Gaier, Lili Krainz, Toni Slama (Herbie) © Jenni Koller / Volksoper Wien

Volksoper Wien / Musical Gypsy – mit Sophie Grohmann, Emil Kurz, Simon Gaunersdorfer, Louisa Popovic (Baby June), Maria Happel (Rose), Sophie-Marie Hofmann (Baby Louise), Lino Gaier, Lili Krainz, Toni Slama (Herbie) © Jenni Koller / Volksoper Wien

1957 war ein gutes Jahr für Gypsy Rose Lee. Die gefeierte „burlesque queen“ war auch als Schauspielerin gut im Geschäft und hatte eben ihre Autobiographie veröffentlicht – eine schonungslose Abrechnung mit ihrer dominanten Mutter, die sie und ihre Schwester June als Kinder zu Showstars dressiert und über die Vaudeville-Bühnen Amerikas gescheucht hatte.
Theaterproduzent David Merrick sah darin die ideale Geschichte für ein Musical. 1959 wurde Gypsy am Broadway uraufgeführt. Den sensationellen Erfolg hatten alle Beteiligten nicht zuletzt auch dem „Wunderteam“ von West Side Story zu verdanken: gemeinsam mit Buchautor Arthur Laurents und Liedtexter Stephen Sondheim schuf Komponist Jule Styne mit Nummern wie „Everything‘s coming up Roses“ oder „Let me entertain you“ Hits für die Ewigkeit. Übrigens sollte Sondheim ursprünglich auch die Musik schreiben, doch die Hauptdarstellerin Ethel Merman vertraute dem Neuling nicht …

Volksoper Wien / Musical Gypsy - Maria Happel als Mama Rose © Johannes Ifkovits

Volksoper Wien / Musical Gypsy – Maria Happel als Mama Rose © Johannes Ifkovits

Gypsy trägt zwar den Namen der Tochter, stellt aber ihre „stage mother“ („Eislaufmutter“) in den Mittelpunkt der Handlung: Mama Rose verfolgt ohne Rücksicht auf Verluste ihren Lebenstraum, ihre Töchter im Rampenlicht zu sehen. Und sie verliert viel: Die jüngere Tochter June entzieht sich ihr, der Verehrer Herbie verlässt sie, und als sich das hässliche Entlein Louise zum Striptease-Star Gypsy mausert, steht die Mutter alleine da …

An euphorischen Äußerungen über das Stück mangelt es wahrlich nicht: Für die amerikanischen Musikschriftsteller Ben Brantley und Frank Rich ist Gypsy das „wahrscheinlich größte aller Musicals“ bzw. „die frivole Antwort auf König Lear“. Am vielsagendsten ist wohl die Bezeichnung „Mutter aller Musicals“, denn eine Power-Mutter steht im Zentrum der Handlung. Die Hauptrolle (Clive Barnes: „einer der wenigen wirklich komplexen Charaktere des amerikanischen Musicals“) war seit der Uraufführung die Domäne großer Darstellerinnen: Auf Merman folgten u. a. Angela Lansbury und Patti LuPone.

Toni Slama (Herbie), Lisa Habermann (Louise), Marianne Curn (June), Maria Happel (Rose) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien, zum einmaligen Abdruck freigegeben

Volksoper Wien / Musical Gypsy - Toni Slama als Herbie, Lisa Habermann (Louise), Marianne Curn June, Maria Happel als Rose © barbara pálffy / volksoper

Volksoper Wien / Musical Gypsy – Toni Slama als Herbie, Lisa Habermann (Louise), Marianne Curn June, Maria Happel als Rose © Barbara pálffy / Volksoper

Bei der Gypsy-Erstaufführung an der Volksoper wird Mama Rose von einer der herausragenden Charakterdarstellerinnen unserer Zeit verkörpert: Maria Happel. Regisseur Werner Sobotka kehrt nach Sondheims Die spinnen, die Römer! an die Volksoper zurück. Danny Costello und Stephan Prattes zeichnen erstmals für Choreographie bzw. Bühnenbild verantwortlich, und auch die Besetzungsliste verzeichnet einige Debütantinnen, darunter Tania Golden als Alternativbesetzung zur Hauptdarstellerin Maria Happel, Lisa Habermann (Louise) und Marianne Curn (June). Am Pult des Volksopernorchesters steht Lorenz C. Aichner.

Dirigent: Lorenz C. Aichner, Regie: Werner Sobotka, Choreographie: Danny Costello, Bühnenbild: Stephan Prattes, Kostüme: Elisabeth Gressel, Licht: Michael Grundner
Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz,

Besetzung:  Mama Rose  Maria Happel/Tania Golden,  Herbie: Toni Slama, June: Marianne Curn, Louise: Lisa Habermann, Tessie Tura: Christian Graf, Miss Electra/Miss Cratchitt: Martina Dorak, Miss Mazeppa/Renée: Maren Kern, Tulsa: Peter Lesiak, Kansas: Oliver Liebl, Yonkers/Pastey: Simon Stockinger, L.A.: Maximilian Klakow, Papa: Wolfgang Hübsch, George/Weber/Cigar: Jens Claßen, Mr. Goldstein: Georg Wacks

Musical Gypsy an der Volksoper Wien:  Premiere 10. September 2017,  weitere Vorstellungen am 12., 14., 17., 23., 25., 28. September, 1., 4., 9., 12., 17., 19., 28. Oktober, 4., 11., 12. November 2017

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