
Volksoper Wien
Premiere Leonard Bernsteins Candide
Mit Leonard Bernsteins “Candide“ in einer konzertanten Produktion startet die Volksoper ins neue Jahr 2012. Am 22. Jänner hat die “Comic Operetta“, die von Kritikern bei der Uraufführung im Jahr 1956 in New York als “eine brillante musikalische Satire“ und als “die beste komische Oper seit dem Rosenkavalier“ bejubelt wurde, Premiere im Haus am Währinger Gürtel.
“,Candide’, das Musical der Herren Voltaire und Bernstein, ist das einzige seiner Art, dessen genaue Inhaltsangabe – rasch vorgetragen – ebenso lange dauert wie das Musical selbst. Dabei ist es eine ganz entzückende, durchaus aktuelle Geschichte. Candide liebt Cunegonde, und wir begleiten das Paar – meist getrennt – auf einer Art Abenteuerurlaub, wobei die sympathischen Liebesleute sich nichts entgehen lassen, was den zeitgemäßen Tourismus so kurzweilig gestaltet …“ (Loriot)
Leonard Bernsteins “Candide“ in Loriots Konzertfassung erstmals an der Volksoper
Von seinem Lehrer Pangloss (Morten Frank Larsen) im Glauben bestärkt, in der “besten aller möglichen Welten“ zu leben, reist der Titelheld Candide (Stephen Chaundy) auf der Suche nach seiner Geliebten Cunegonde (Jennifer O’Loughlin) zur Zeit der spanischen Inquisition vom heimatlichen Westfalen nach Lissabon, Paris, Buenos Aires, Venedig und zurück nach Westfalen. Natürlich begegnet Candide auf seinen Irrfahrten einer Vielzahl origineller Sonderlinge, wie etwa der Old Lady (Kim Criswell).
Voltaires scharfsinnige Satire “Candide“, in der ein “Argloser“ zum Held gemacht wird, war nicht nur titelgebend für das Musical, sondern diente zugleich als literarische Vorlage. Der französische Aufklärer, dessen Werk nach Erscheinen 1759 in Genf öffentlich verbrannt wurde, rechnet in “Candide ou l’Optimise“ humorvoll und mitleidlos mit naivem Optimismus ab. Unter dem Eindruck des Erdbebens in Lissabon im Jahr 1755, wo 30.000 Menschen ums Leben gekommen waren, und des 1756 ausbrechenden Siebenjährigen Krieges setzte sich Voltaire mit der Maxime des metaphysischen Optimismus auseinander: Leben wir wirklich, wie Leibnitz behauptete, in der “besten aller möglichen Welten“? Sollen wir wirklich, wie Pope fordert, “lachen, wo wir müssen und arglos (candide) sein, wo wir können“?
Leonard Bernstein schuf auf Basis des Stoffes von Voltaire zunächst gemeinsam mit den Autoren Lillian Hellman und Richard Wilbur eine der besten möglichen Partituren. “Glitter and Be Gay“, “I Am Easily Assimilated“ oder auch die überwältigende Ouvertüre zählen zu den großartigsten Schöpfungen amerikanischen Musiktheaters. Einhellig wünschte man “Candide“ ein langes Leben am Broadway – vergebens, denn nach nur 73 Vorstellungen schloss sich der Vorhang für längere Zeit über dem Meisterwerk. Erst Harold Princes Neubearbeitung (1974) hauchte “Candide“ wieder Bühnenleben ein, doch eine szenische Umsetzung der Story blieb problematisch. In der Volksoper kommt nun erstmals die ungemein unterhaltsame Konzertfassung des Werkes mit deutschen Zwischentexten von dem jüngst verstorbenen Meisterhumoristen Vicco von Bülow alias Loriot zur Aufführung. Hausherr Robert Meyer schlüpft dabei in die Rolle des Erzählers. Am Pult des Volksopernorchesters steht Joseph R. Olefirowicz. Der amerikanische Dirigent debütierte 2008 mit “Anatevka“ an der Volksoper, im darauffolgenden Jahr leitete er die erfolgreiche Neuproduktion von “Guys and Dolls“ und dirigierte “Die lustige Witwe“, “Die Blume von Hawaii“ sowie das Open Air Konzert zur Saisoneröffnung 2010/11.
Premiere am 22. Jänner 2012, 19:00 Uhr
Weitere Aufführungen am 24., 26. und 29. Jänner 2012
Leonard Bernstein
Candide (konzertant)
Comic operetta in zwei Akten
Buch von Hugh Wheeler nach Voltaires gleichnamiger Satire
Liedtexte von Richard Wilbur, zusätzliche Liedtexte von Stephen Sondheim, John Latouche, Dorothy Parker, Lillian Hellman und Leonard Bernstein.
Erzähltexte von Loriot
Konzertante Aufführung in englischer und deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln
Dirigent: Joseph R. Olefirowicz
Choreinstudierung: Michael Tomaschek
Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz
Mit: Robert Meyer (Erzähler), Stephen Chaundy (Candide), Jennifer O’Loughlin (Cunegonde), Morten Frank Larsen (Pangloss/Martin), Kim Criswell (Old Lady), Beate Ritter (Paquette), Otoniel Gonzaga (Governor), Jeffrey Treganza (Vanderdendur/Ragotzky), Steven Scheschareg (Maximilian/Captain), Karl Huml (Junkman/Zar Iwan), Andrew Johnson (Sultan Achmet), Frederick Greene (1. Inquisitor), Thomas Plüddeman (2. Inquisitor), Heinz Fitzka (3. Inquisitor).