Wien, Volksoper, 2017/18 – 300.000 Besucher – Farbig, Lebensfroh , IOCO Aktuell, 05.05.2017

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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

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 Volksoper Wien 2017/18 – 8 Premieren, 310 Vorstellungen …

Die Volksoper ist mit 315.000 Besuchern neben der Wiener Staatsoper das zweitgrößte Opernhaus Wiens: Als Sprechtheater gegründet bietet es heute die gesamte Bandbreite des Musiktheaters: Oper, Operette, Musical und Ballett. Mit 1261 Sitzplätzen ist die Volksoper so groß wie die Opernhäuser in Frankfurt, Düsseldorf oder Hannover. Intendant Robert Meyer leitet das Haus seit September 2007. Farbig, vielschichtig und lebensfroh widmet sich die Volksoper als einziges Wiener Haus gezielt dem Genre Operette. 83% Auslastung in über 300 Vorstellungen sind Zeichen  hoher Anerkennung.

Die Volksoper Spielzeit 2017/18 in Zahlen

8 Premieren, davon 2 x Operette, 3 x Oper, 2 x Musical und 1 x Ballett, sowie 4 Wiederaufnahmen. Von den 310 Vorstellungen wird 78 x Operette, 96 x Oper, 78 x Musical, 34 x Ballett gespielt. 24 Spezialveranstaltungen (davon 14 x Heute im Foyer) und 10 Vorstellungen im Kasino am Schwarzenbergplatz runden den Spielplan ab.

Volksoper Wien / Blick von der Bühne in den Zuschauerraum © Dimo Dimov/Volksoper Wien

Volksoper Wien / Blick von der Bühne in den Zuschauerraum © Dimo Dimov/Volksoper Wien

  Premieren

10. September 2017 – Zum Saisonauftakt bringt die Volksoper Jule Stynes Broadway-Hit Gypsy nach Wien. Die Lebensgeschichte des Burlesque-Star Namen Gypsy Rose Lee, wurde 1959 am Broadway uraufgeführt und zählt zu den Klassikern des amerikanischen Musicals. Nun kommt die Geschichte von Mama Rose, die alles nur Erdenkliche tut, um die Theaterkarrieren ihrer Töchter June und Louise voranzubringen, erstmals auf die Bühne der Volksoper Wien. Werner Sobotka inszeniert, Lorenz C. Aichner übernimmt die musikalische Leitung. Ksch Maria Happel gibt als ehrgeizige Mama Rose ihr Musicaldebüt, ihre Töchter Louise und June werden von den Hausdebütantinnen Lisa Habermann und Marianne Curn verkörpert.

 Volksoper Wien / Intendant Robert Meyer © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Volksoper Wien / Intendant Robert Meyer © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

14. Oktober 2017 – Mit Giuseppe Verdis Oper Die Räuber (I masnadieri) setzt die Volksoper ihre Tradition fort, das Repertoire um selten gespielte Werke zu erweitern. Verdi komponierte das Stück 1847 nach Friedrich Schillers gleichnamigen Sturm-und-Drang-Drama. 1963 fand an der Volksoper die österreichische Erstaufführung der Räuber in deutscher Sprache statt, nun inszeniert Alexander Schulin Verdis Frühwerk mit KS Kurt Rydl als Graf Moor und Vincent Schirrmacher und Boaz Daniel als seine Söhne Karl und Franz.

19. November 2017 – Wer kennt sie nicht, die Geschichte von der Holzpuppe, die zum Leben erwacht und deren Nase wächst, wenn sie lügt? Inspiriert durch den gleichnamigen Kinderbuchklassiker Carlo Collodis schufen der italienische Komponist Pierangelo Valtinoni und sein Textdichter Paolo Madron 2001 für das Teatro Olimpico in Vicenza die Kinderoper Pinocchio. 2006 gab die Komische Oper Berlin eine größere, zweiaktige Fassung in Auftrag. In der österreichischen Erstaufführung singt die junge Sopranistin Juliette Khalil die Titelpartie, außerdem begegnen wir dem alten Holzschnitzer Geppetto und der guten Fee; die Mitglieder des Kinderchors und des Jugendchors der Volksoper erleben wir unter anderem als Schnecken, Raben, Eulen, Hasen, Thunfische, Grillen und Puppen. Philipp M. Krenn gibt als Regisseur sein Volksoperndebüt, Guido Mancusi dirigiert das Orchester der Volksoper Wien.

9. Dezember 2017 – Dem wohl berühmtesten Liebespaar aller Zeiten widmet Choreograph Davide Bombana seine neue Auftragsarbeit für das Wiener Staatsballett, Roméo et Juliette zur gleichnamigen Symphonie dramatique von Hector Berlioz. Eine wesentliche Rolle kommt bei dieser Produktion dem Chor des Hauses zu, womit Roméo et Juliette zugleich die Linie des preisgekrönten Publikumsschlagers Carmina Burana fortsetzt. Für eine spektakuläre Ausstattung garantiert die Stuttgarter Bild- und Lichtkünstlerin rosalie.

17. Februar 2018 – Gemeinsam mit den Librettisten Victor Léon und Heinrich von Waldberg gestaltete Richard Heuberger aus dem Lustspiel Die rosa Dominos die Operette Der Opernball. Das Ergebnis des kongenialen Trios: ein virtuos komponiertes amouröses Verwirrspiel rund um zwei lebenslustige Gatten (Carsten Süss und Marco Di Sapia), die von ihren Frauen (Kristiane Kaiser und Ursula Pfitzner) auf die Treueprobe gestellt werden. 1898 hatte Der Opernball im Theater an der Wien Premiere und war ein sensationeller Erfolg. In der aktuellen Neuproduktion verlegt Regisseur Axel Köhler die Handlung von Paris nach Wien, in die heutige Zeit. Die musikalische Leitung liegt in den bewährten Händen von Alfred Eschwé, Anita Götz zieht als freches Kammermädchen Helene alle Fäden und Heinz Zednik kehrt als Theophil Almpichler auf die Bühne zurück.

17. März 2018  –  Fußballfans kennen ihn in- und auswendig – den Song „You’ll Never Walk Alone“. Dabei wissen wahrscheinlich nur die wenigsten, dass das Lied eigentlich von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein – den erfolgreichsten Musical-Autoren der 40er und 50er Jahre stammt und für das Musical Carousel entstand. Am 19. April 1945 wurde es am Broadway uraufgeführt und über zwei Jahre vor vollem Haus gespielt. Die tragische Liebesgeschichte von Billy Bigelow und Julie Jordan basiert auf Molnárs Bühnenstück Liliom. 1972 holte Marcel Prawy Carousel an die Volksoper Wien, 46 Jahre später setzt Regisseur Henry Mason den Klassiker gemeinsam mit seinem Ausstatter Jan Meier in Szene. Musicalspezialisten Joseph R. Olefirowicz am Pult des Volksopernorchesters, in der Titelpartie gibt Daniel Schmutzhard als Karussell-Ausrufer Billy Bigelow sein Musicaldebüt, Mara Mastalir singt seine Julie.

Volksoper Wien / Kammeroper Marilyn Forever - Rebecca Nelsen © Johannes Ifkovits

Volksoper Wien / Kammeroper Marilyn Forever – Rebecca Nelsen © Johannes Ifkovits

14. April 2018 – Im Kasino am Schwarzenbergplatz kommt das Leben von Hollywood-Legende Marilyn Monroe auf die Bühne. Gavin Bryars‘ Kammeroper Marilyn Forever wurde 2013 in Victoria, Kanada, uraufgeführt und seither zwei weitere Male, im australischen Adelaide und in Kalifornien, nachgespielt. Die Volksoper produziert nun in der Regie von Christoph Zauner die europäische Erstaufführung des Stücks. Ausgehend von der letzten Nacht im Leben Marilyn Monroes, dem 5. August 1962, entfalten sich vor dem Publikum die Szenen der Oper wie Puzzleteile, die den Mythos Marilyn abbilden. Ein Regisseur (Morten Frank Larsen) konfrontiert Marilyn (Rebecca Nelsen) in einer fiktiven Probensituation mit den Widersprüchen ihres Lebens und schlüpft in die Rollen ihrer Männer. Ein kleiner Chor kommentiert das Geschehen. Das achtköpfige Kammerorchester unter der Leitung von Wolfram-Maria Märtig wird durch ein Jazztrio auf der Bühne ergänzt.

 2. Juni 2018 –  Als Gasparone 1884 im Theater an der Wien uraufgeführt wurde, war das Publikum begeistert und Carl Millöcker bereits weltberühmt. Die Volksoper zeigt die Fassung aus dem Jahr 1932 mit dem bekannten Lied „Dunkelrote Rosen“ in der Regie von Olivier Tambosi, der hier zuletzt das Musical Der Mann von la Mancha brillant in Szene setzte. Sebastian Geyer gibt als geheimnisvoller Fremder sein Debüt an der Volksoper Wien, Mara Mastalir spielt seine Angebetete, die schöne verwitwete Gräfin Carlotta.

Wiederaufnahmen der Saison 2017 / 18

sind Johann Strauß‘ Eine Nacht in Venedig ab 10. Jänner 2018, Antonín Dvoráks Rusalka ab 25. März 2018, das Ballett Ein Sommernachtstraum in der Choreographie von Jorma Elo zur Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy ab 20. April 2018 und die Erfolgsproduktion Sweeney Todd von Stephen Sondheim ab 12. Juni 2018

Volksoper Wien / Der Bettelstudent - Carsten Suess (Symon Rymanowicz), Rebecca Nelsen (Laura), Wiener Staatsballett © Barbara Palffy/Volksoper Wien

Volksoper Wien / Der Bettelstudent – Carsten Suess (Symon Rymanowicz), Rebecca Nelsen (Laura), Wiener Staatsballett © Barbara Palffy/Volksoper Wien

Repertoire der Saison 2017/18

Die Fledermaus (Johann Strauß), Der Bettelstudent (Carl Millöcker), Die lustige Witwe (Franz Lehár), Die Zirkusprinzessin (Emmerich Kálmán), Axel an der Himmelstür (Ralph Benatzky), Die Zauberflöte (Wolfgang A. Mozart), Der Barbier von Sevilla (Gioachino Rossini), Hänsel und Gretel (Engelbert Humperdinck), La Traviata (Giuseppe Verdi), La Wally (Alfredo Catalani), Hoffmanns Erzählungen (Jacques Offenbach), Die Hochzeit des Figaro (Wolfgang A. Mozart), Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen (Frank Loesser), My fair Lady (F. Loewe/A. J. Lerner), The Sound of Music (R. Rodgers/O. Hammerstein), Der Zauberer von Oz (Harold Arlen), Vivaldi – Die fünfte Jahreszeit (Christian Kolonovits), Marie Antoinette (Ballett, Patrick de Bana – Georg Philip Telemann), Cendrillon (Aschenputtel) (Ballett, Thierry Malandain – Sergej Prokofjew), Der Feuervogel / Petruschka / Movements to Stravinsky (Ballett, Andrey Kaydanovskiy, Eno Peci, András Lukács – Igor Strawinski).

Wien, Volksoper, La Wally von Alfredo Catalani, IOCO Kritik, 28.03.2017

März 28, 2017  
Veröffentlicht unter Hervorheben, Kritiken, Oper, Volksoper Wien

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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

„Selbstbestimmung in patriarchalischer Welt“

La Wally von Alfredo Catalani

 Nach dem Roman „Die Geier-Wally“ von Wilhelmine von Hillern

Von Marcus Haimerl

Die Uraufführung von Catalanis lyrischer Oper fand 1892 an der Mailänder Scala statt. Namhafte Dirigenten wie Arturo Toscanini und Gustav Mahler, welcher die deutsche Erstaufführung in Hamburg in einer Übersetzung der Romanautorin leitete, schätzten dieses Werk über alle Maßen. Dennoch fand das Werk kaum Eingang in das Repertoire großer Opernhäuser.

Das Stück um die stolze und selbstbewusste Tochter des Großbauern Stromminger, die sich, um einer arrangierten Ehe mit Gellner, dem Verwalter des Vaters zu entgehen, in die Berge zurückzieht, nur um am Ende doch aus Liebe zu Giuseppe Hagenbach zugrunde gehen zu müssen, spielt im Tiroler Ötztal. Überraschenderweise fand die österreichische Erstaufführung aber erst 1990 bei den Bregenzer Festspielen statt. Mara Zampieri sang die Wally und als Hagenbach war Michael Sylvester zu erleben. 2012 entdeckte das Tiroler Landestheater die Oper und mit der Premiere am 25. März 2017 an der Wiener Volksoper konnte man das Werk nun erstmals in Wien erleben.

Regisseur Aron Stihl, Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann und Kostümbildnerin Franziska Jacobsen entschlossen sich auf Seelenlandschaften zu konzentrieren und verzichteten auf Alpenkitsch und Lokalkolorit. Die psychologische Deutung des Werks entwickelt sich in einem Bühnenbild aus abstrakten, schwarz-weißen Einzelteilen, unterschiedlich dicht schraffiert, welche mittels zweier Drehbühnen rasch verschoben werden können. Die Kostüme orientieren sich an dem Film Das weiße Band und die Kulisse wurde durch die gewaltigen Naturdarstellungen Kaspar David Friedrichs inspiriert und soll letztlich wie ein einziges Schneetreiben aussehen. Die vorherrschenden Farben sind weiß, schwarz und grau.

In dieser düsten und bedrückend engen Atmosphäre hat Aron Stihl die kleine Rolle des Infanteristen zum Spielmacher, zum personifizierten Schicksal erhoben. Daniel Ohlenschläger als Infanterist lenkt hier nicht nur den Vorhang, Saallicht und Dirigent, er greift auch vom Bühnenrand aus in die Handlung ein und zeichnet sich verantwortlich für manch düstere Wendung der Handlung. Und auch auf die, Hagenbach in den Tod reißende Lawine wurde verzichtet. Die Volksoper bediente sich dem knappen Ende der Uraufführungsversion. Szenisch springt Wally also nicht ihrem Geliebten in den Abgrund nach, sie vereinigen sich vor einer leuchtenden Wand auf der Hinterbühne und werden so eins mit der Natur. Liebestod statt Unfall, Erlösung in wagnerschem C-Dur.

Volksoper Wien / La Wally - Bernd Valentin (Vincenzo Gellner), Elisabeth Schwarz (Walter), Kari Postma (Wally) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Volksoper Wien / La Wally – Bernd Valentin (Vincenzo Gellner), Elisabeth Schwarz (Walter), Kari Postma (Wally) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Eine exzellente Leistung lieferte die norwegische Sopranistin Kari Postma als Wally bei ihrem Volksoperndebüt, überzeugte mit enormer Wortdeutlichkeit, ging stimmlich bis an ihre Grenzen. Bernd Valentin als Gutsverwalter Gellner ist ihr hier ebenbürtig, ein hintergründiger, vokaler Bösewicht. Der Einspringer Vincent Schirrmacher bewältigte die Partie des Hagenbachs ordentlich, trotz schöner Artikulation und manch schöner Phrase stieß er vereinzelt an seine Grenzen. Kurt Rydl als Stromminger poltert bedrohlich mit tönendem Bass, ein leichtes Vibrato in der Stimme lässt sich aber nicht mehr überhören. Annely Peebo überzeugte als Afra und Elisabeth Schwarz singt die Partie des Walter entzückend, aber mit recht kleinem Sopran.

Volksoper Wien / La Wally - Kari Postma als Wally,  Vincent Schirrmacher als Hagenbach , Chor - © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Volksoper Wien / La Wally – Kari Postma als Wally, Vincent Schirrmacher als Hagenbach , Chor – © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Marc Piollet machte mit dem motivierten Volksopernorchester die romantischen, nahezu impressionistischen Klänge hör- und fühlbar. Die Vorspiele zum dritten und vierten Akt gerieten, von Kari Postma hinreißend vorgetragener Arie („Ebben ne andrò lontana“) abgesehen, zum absoluten Highlight des Abends. Einzig an der Lautstärke sollte im Hinblick auf die eine oder andere kleine Stimme noch gefeilt werden. Die deutsche Übersetzung von Claus H. Henneberg fügt sich leider nicht immer ganz in die Melodien, klingt manchmal recht hart, stört aber insgesamt nicht.

Am Ende Jubel für eine repertoiretaugliche Wiederentdeckung einer zu Unrecht geschmähten Oper, zumal sich in der Regie zeigt, dass man das Werk auch ohne Heimatfilm-Romantik überzeugend auf die Bühne bringen kann.

La Wally an der Volksoper Wien: Weitere Vorstellungen 29.3.2017, 2.4.2017, 5.4.2017, 12.4.2017, 20.4.2017, 23.4.2017, 4.5.2017, 5.5.2017, 17.15.2017.

 

Wien, Volksoper Wien, Premiere La Wally von Catalani, 25.03.2017

März 25, 2017  
Veröffentlicht unter Premieren, Pressemeldung, Volksoper Wien

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Volksoper Wien

Volksoper Wien / La Wally - Bernd Valentin (Vincenzo Gellner), Elisabeth Schwarz (Walter), Kari Postma (Wally) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien,

Volksoper Wien / La Wally – Bernd Valentin (Vincenzo Gellner), Elisabeth Schwarz (Walter), Kari Postma (Wally) © Barbara Pálffy/Volksoper Wien,

„Der Berg ruft“
Alfredo Catalanis Opernrarität  La Wally

Premiere am Samstag, 25. März 2017,  Weitere Vorstellungen am 29. März,
2., 5., 12., 20., 23. April, 4., 15., 17. Mai 2017

Von La Wally ist bis heute vor allem die Arie der Titelheldin „Ebben? Ne andrò lontana“ in aller Ohren. Sie war eine der Paradepartien von Maria Callas und wurde als Soundtrack zum französischen Kultfilm „Diva“ aus dem Jahr 1981 populär. Die beinahe tragische Geschichte der Walburga Stromminger in Wilhelmine von Hillerns Heimatroman Die Geier-Wally bildete die Vorlage für Alfredo Catalanis Oper. Catalani hatte 1887 in der Mailänder Zeitung La Perseveranza einen Bericht über den Bestseller entdeckt und Gefallen an der Geschichte gefunden: Wally flieht vor der Zwangsverheiratung mit einem ungeliebten Mann in die Isolation des Hochgebirges und fordert ihr Recht auf Selbstbestimmung in einer patriarchalisch geprägten Welt ein.

Volksoper Wien / La Wally - Kari Postma © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Volksoper Wien / La Wally – Kari Postma © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Vergessen und Wiederentdeckt
Nach der Uraufführung am 20. Jänner 1892 an der Mailänder Scala setzte sich vor allem Arturo Toscanini für das Stück ein. Toscanini, der als 19-Jähriger in Catalanis Oper Edmea in Turin erfolgreich debütiert hatte und ein großer Bewunderer und enger Freund des Komponisten geworden war, dirigierte spätere Aufführungen von La Wally u.a. in Lucca, Mailand und New York.

Gustav Mahler, Dirigent der deutschen Erstaufführung der Oper am 16. Februar 1893 in Hamburg, hielt Catalanis Werk gar für „die beste italienische Oper“. Dennoch verschwand das Stück von den Opernbühnen, auch weil der noch junge Komponist bald nach der Uraufführung an der Schwindsucht starb. Erst in den letzten Jahren erfährt das Werk eine kleine Renaissance; Neuinszenierungen fanden in Tirol, St. Gallen, Innsbruck und Mannheim statt.

Erstmals kommt am 25. März La Wally auf die Bühne der Volksoper Wien. Die norwegische Sopranistin Kari Postma gibt als Wally ihr Haus- und Rollendebüt, Vincent Schirrmacher und Bernd Valentin verkörpern die beiden Konkurrenten Giuseppe Hagenbach und Vincenzo Gellner. Die musikalische Leitung der Neuproduktion übernimmt Marc Piollet, die Inszenierung liegt in den Händen des Regisseurs Aron Stiehl.

Lawinenunglück:  Im Gegensatz zum Roman gibt es für Wally und ihren geliebten Hagenbach in der Oper kein Happy End. Während im Buch das Paar nach langem Ringen endlich auf dem Gletscher zusammenfindet, macht auf der Opernbühne eine herabstürzende Lawine ihr Glück zunichte. „Die Oper läuft auf Wallys Liebestod geradezu hinaus“, sagt Regisseur Aron Stiehl. „Die große Herausforderung besteht darin, den Schluss glaubhaft dazustellen. Erst wird Hagenbach erschlagen und dann springt Wally ihm hinterher, wie Tosca von der Engelsburg – da ist Phantasie gefragt“. Aron Stiehl geht es darum, für komplizierte Vorgänge einfache, klare Bilder zu finden. Daher hat er sich mit seinem Bühnenbildner Frank Philipp Schlößmann und der Kostümbildnerin Franziska Jacobsen gegen folkloristische Kostüme und den Realismus eines Tiroler Bergdorfs entschieden. „Letztendlich geht es in ‚La Wally‘, wie so oft in der Oper, um Leben, Liebe und Tod – wobei Liebe und Tod, wie in Wagners ‚Tristan und Isolde‘, gleichgesetzt sind. Wally stirbt am Ende einen Erlösungstod.“

Dirigent: Marc Piollet, Regie: Aron Stiehl, Bühnenbild: Frank Philipp Schlößmann, Kostüme: Franziska Jacobsen, Choreinstudierung: Thomas Böttcher, Dramaturgie: Helene Sommer

Besetzung: Stromminger, Gutsherr aus Hochstoff: Kurt Rydl/Andreas Mitschke, Wally, seine Tochter: Kari Postma/Astrid Kessler, Giuseppe Hagenbach, Jäger aus Sölden: Endrik Wottrich/Vincent Schirrmacher, Vincenzo Gellner, Gutsverwalter des Stromminger:, Bernd Valentin/Morten Frank Larsen, Afra, Wirtin aus Sölden: Annely Peebo/Martina Mikelic, Walter, ein Freund Wallys: Elisabeth Schwarz/Beate Ritter
Infanterist: Daniel Ohlenschläger. PMVOW

La Wally von Alfredo Catalani: Premiere am Samstag, 25. März 2017,  Weitere Vorstellungen am 29. März,  2., 5., 12., 20., 23. April, 4., 15., 17. Mai 2017

 

 

Wien, Volksoper Wien, Musical: Wie man Karriere macht ohne sich anzustrengen, 25.2.2017

Februar 20, 2017  
Veröffentlicht unter Musical, Pressemeldung, Volksoper Wien

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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

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Seltenes Musical an der Volksoper, Wien

Wie man Karriere macht, ohne sich anzustrengen

Premiere Samstag, 25. Februar 2017, Voraufführungen 21.2.2017,  23.2.2017,
weitere Vorstellungen 28.2.2017, 5., 7., 9., 11., 15., 18., 20., 27. März, 1., 4. April 2017.

Wer kennt ihn nicht, den berühmten „American Dream“, der seit jeher Stoff für gute Geschichten liefert. Auch der große Broadwaykomponist Frank Loesser nahm sich des Themas an und schuf gemeinsam mit seinen Buchautoren Abe Burrows, Jack Weinstock und Willie Gilbert eine brillante Parodie auf den amerikanischen Traum: Dank eines Karriere-Ratgebers schafft ein Fensterputzer es, die höchste Firmen-Etage zu erklimmen; aber keineswegs durch herausragende Leistungen, sondern dank bubenhaftem Charme und Chuzpe. Nie wurden Büro-Klischees (die Kaffeepause, die Sekretärin als Schreckschraube oder Lustobjekt, Intrigen und Protektion) witziger aufs Korn genommen als hier. Dabei stützt sich Musicalheld Finch, der sich auch vom neidigen Neffen des Chefs nicht stoppen lässt, auf Weisheiten wie die folgende: „Lieber Leser, dieses Büchlein verrät dir alles Wissenswerte darüber, wie man im Geschäftsleben vorankommt. Nehmen wir einmal an, du bist jung, gesund, aufgeschlossen, ehrgeizig und darauf aus, schnell und mühelos zum Gipfel der Businesswelt aufzusteigen. Du kannst es!“ Das schlaue Büchlein gibt Finch auch einen Hinweis, wie man „die richtige Firma aussucht. Bevor du dich bewirbst, solltest du sicher sein, dass es eine große Firma ist. Sie sollte so groß sein, dass keiner genau weiß, was der andere eigentlich tut.

Volksoper Wien /  Robert Meyer als J. B. Biggley, Mathias Schlung als Pierrepont Finch - Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Volksoper Wien / Robert Meyer als J. B. Biggley, Mathias Schlung als Pierrepont Finch – Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Nicht ein ehrlicher Satz: Den Karriere-Ratgeber How to Succeed in Business Without Really Trying  hat es tatsächlich gegeben. Sein Autor, Shepherd Mead (1914 – 1994), hat wie der spätere Musicalheld Finch in der Postabteilung einer großen Firma begonnen und sich anschließend zu deren Vizepräsidenten hochgearbeitet. Nach der Premiere am 14. Oktober 1961 überschlugen sich die Kritiker förmlich: „Nicht ein ehrlicher Satz wird in dem neuen Musical gesprochen, und was für eine Erleichterung das ist.“ (Walter Kerr in der Herald Tribune). Die Erfolgsbilanz: 1.417 Broadway-Vorstellungen zwischen Oktober 1961 und März 1965, acht Tony-Awards und schließlich, als Krönung, 1962 der Pulitzer-Preis „for best drama“. 1965 fand am Theater an der Wien die Wiener Erstaufführung statt: der spätere TV-Charmeur Harald Juhnke war der unaufhaltsame jugendliche Aufsteiger, Theo Lingen der Firmenboss. Bei zwei erfolgreichen Revivals am Broadway spielten Matthew Broderick (1995) und Harry-Potter-Darsteller Daniel Radcliffe (2011) den Finch.

Volksoper Wien / Robert Meyer als Biggley, Mathias Schlung als Finch, Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Volksoper Wien / Robert Meyer als Biggley, Mathias Schlung als Finch, Ensemble © Barbara Pálffy/Volksoper Wien

Nun, bei der ersten Volksopernproduktion, verkörpern Mathias Schlung und Robert Meyer die Hauptrollen, als Rosemary debütiert Lisa Antoni, als Hedy (ein wandelnder Blondinenwitz, der den Chef straucheln lässt) Ines Hengl-Pirker. Das zuletzt bei Sweeney Todd erfolgreiche Team Joseph R. Olefirowicz, Matthias Davids (Regie) und Mathias Fischer-Dieskau (Bühnenbild) leitet die Produktion.

Dirigent: Joseph R. Olefirowicz/Lorenz C. Aichner, Regie: Matthias Davids, Bühne: Mathias Fischer-Dieskau, Kostüme: Judith Peter, Choreographie: Melissa King
Licht: Michael Grundner, Dramaturgie: Christoph Wagner-Trenkwitz.  PMVoOW

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