Wien, Theater an der Wien, Musikalisch im Barock szenisch im Jetzt – Castor et Pollux von J.P. Rameau, IOCO Kritik, 28.01.2011


Kritik

Theater an der Wien

Castor et Pollux  in Wien

Musikalischer Olymp des Barock, szenisch profan.

Das Theater an der Wien ist speziell:  Ältestes Opernhaus Wiens, herrlicher Zuschauerraum für 1.200 Besucher, ganzjähriges Stagione-Theater, monatlich eine Premiere. Spezifikum dieses Hauses:  Es ist führende Adresse  Europas und der Welt  für Barock-Musik.

Jean Philippe Rameaus  Barockoper Castor et Pollux über selbstlose Bruderliebe  prägte den Spielplan des Theater an der Wien im Januar 2011. In der Inszenierungs-Hitliste der etwa 200 großen Barockkomponisten liegt Jean-Philippe Rameau etwa auf Platz 8.  Platz 1 nimmt unangefochten  Georg Friedrich Händel ein. Rameau, 1683 – 1764,  folgte Jean-Baptiste Lully als  markantester französischer Protagonist der Barockmusik.  Erst spät, 1733,  gelang ihm mit seinem ersten Operndrama Hippolyte et Aricie der Durchbruch: Rameau wurde von Ludwig XV in den Adelsstand erhoben, zum Kabinettskomponisten ernannt, erhielt eine Pension. Seine stark am französischen Idiom angelegte Tonsprache gilt gemeinhin als schwierig zu realisieren.

Mariame Clément inszenierte die Göttersage von Castor et Pollux als konfliktreiche Familiengeschichte im französischem Original mit deutschen Übertiteln. Die Sage beschreibt den Tod als unfreiwilligen Abschied vom Leben,  den die Götter jedoch, sofern ihr Herz erweicht wird,  widerrufen können. Im Theater an der Wien ist von der üppigen alten Götterwelt nichts zu sehen. Die französische Regisseurin Clément profanisiert die Sage, indem sie diese in ein herrschaftliches Haus des 20. Jahrhunderts überführt.

Eine prächtige Herrenhaustreppe bietet den szenischen Mittelpunkt der Inszenierung. Diese Verweltlichung mag mit dem mystischen Inhalt des Libretto von Pierre-Joseph Bernard nicht wirklich homogen wirken und so auch nicht jedermanns Geschmack treffen. Die für Tanznummern vorgesehenen Intermezzi zeigen Castor und  Pollux  gewagt und wenig barock als spielende Kinder in einer Art Rückblende mit ihren Bezügen zu Vater Jupiter.

Das halbwegs glückliche Ende der Sage, die Vereinigung von Castor und Pollux als Sternzeichen am Firmament,  ging in dieser Produktion etwas verloren. Trotzdem entspricht die moderne Zugangsweise der Inszenierung von Miriame Clément dem  geltenden Mainstream für Barockopern: Die Umkehrung klassischer Konstellationen soll kreative Freiräume schaffen. Und fordert so vom Besucher aktive Teilnahme statt stiller Kontemplation.

Stimmlich und darstellerisch überragend wiedergegeben war die Télaire von Christiane Karg, welche mit klangvollem Timbre und weichen Koloraturen in ihrer Partie begeisterte. Maxim Mironow stellt einen stimmlich schönen aber etwas leichten Castor dar. Dietrich Henschel  beherrscht die aufwendige von Götterbruder Pollux  rollengerecht. Auch Anne Sophie von Otter überzeugte als  Phébé mit sicher und kräftig geführtem Mezzosopran.

Auch Nicolas Testé überzeugte als Jupiter.  Ausnehmend beeindruckend der Arnold Schönberg Chor,  der unter der Leitung von Erwin Ortner seinem Ruf  als vielseitigstes und meist-beschäftigtes Vokalensemble Österreichs  mit unglaublicher Präzision und Ästhetik mehr als gerecht wurde. Das Orchester, die wunderbaren Les Talens Lyriques, unter ihrem Dirigenten Christophe Rousset verzauberten aus dem Orchestergraben mit der tänzerischen Handschrift von Jean-Philippe Rameau. Sie beherrschten die heute bevorzugten Stilmerkmale  der Barockmusik: Verzicht auf Vibrato oder gebundene Noten. Und erzeugten gekonnt die spezielle ästhetische Polyphonie des Barock, den Zusammenklang individueller Stimmen.

So galt für diese Inszenierung im Theater an der Wien was für die meisten Barockopern heutzutage gilt: Aus dem Orchestergraben ertönt wunderbarer historischer Klang während auf der Bühne moderne Regie zu sehen war. Und Volkes Stimme im ausverkauften Hauses entschied eindeutig: Jubelnder Beifall für Ensemble und Orchester. Besonders viele Bravos für Christiane Karg, Chor und Orchester. Zur Einstimmung eine barocke youtube Aufnahme mit Orchester und Tanzintermezzi

IOCO  / Viktor Jarosch / 28.01.2011

Wien, Theater an der Wien, Im Olymp des Barock – Castor et Pollux von J.P. Rameau, IOCO Kritik, 28.01.2011


Kritik

Theater an der Wien

Im Olymp des Barock: Castor et Pollux  am 28.01.2011

Das Theater an der Wien ist sehr speziell:  Ältestes Opernhaus Wiens, herrlicher Zuschauerraum für 1.200 Besucher, ganzjähriges Stagione-Theater, monatlich eine Premiere, erste Adresse in Europa und der Welt  für Barock-Inszenierungen.

Jean Philippe Rameaus  Barockoper Castor et Pollux über selbstlose Bruderliebe  prägte den Spielplan des Theater an der Wien im Januar 2011. In der Inszenierungs-Hitliste der etwa 200 großen Barockkomponisten liegt Jean-Philippe Rameau etwa auf Platz  8.  Platz 1 nimmt unangefochten  Georg Friedrich Händel ein. Rameau, 1683 – 1764,  folgte Jean-Baptiste Lully als  markantester französischer Protagonist der Barockmusik.  Erst spät, 1733,  gelang ihm mit seinem ersten Operndrama Hippolyte et Aricie der Durchbruch:  Rameau wurde von Ludwig XV in den Adelsstand erhoben, zum Kabinettskomponisten ernannt, erhielt eine Pension. Seine stark am französischen Idiom angelegte Tonsprache gilt gemeinhin als schwierig zu realisieren.

Mariame Clément inszenierte die Göttersage von Castor et Pollux als konfliktreiche Familiengeschichte im französischem Original mit deutschen Übertiteln. Die Sage beschreibt den Tod als unfreiwilligen Abschied vom Leben,  den die Götter jedoch, sofern ihr Herz erweicht wird,  widerrufen können. Im Theater an der Wien ist von der üppigen alten Götterwelt nichts zu sehen. Die französische Regisseurin Clément profanisiert die Sage, indem sie diese in ein herrschaftliches Haus des 20. Jahrhunderts überführt. Eine prächtige Herrenhaustreppe bietet den szenischen Mittelpunkt der Inszenierung. Diese Verweltlichung mag mit dem mystischen Inhalt des Libretto von Pierre-Joseph Bernard nicht wirklich homogen wirken und so auch nicht jedermanns Geschmack treffen. In den für Tanznummern vorgesehenen Intermezzi zeigt Clément  Castor und  Pollux  als spielende Kinder in einer Art Rückblende mit ihren Bezügen zu Vater Jupiter.  Das halbwegs glückliche Ende der Sage, die Vereinigung von Castor und Pollux als Sternzeichen am Firmament,  ging in dieser Produktion etwas verloren. Trotzdem entspricht die moderne Zugangsweise der Inszenierung von Miriame Clément dem  geltenden Mainstream für Barockopern: Die Umkehrung klassischer Konstellationen soll kreative Freiräume schaffen. Und fordert so vom Besucher aktive Teilnahme statt stiller Kontemplation.

Stimmlich und darstellerisch überragend wiedergegeben war die Télaire von Christiane Karg, welche mit klangvollem Timbre und weichen Koloraturen in ihrer Partie begeisterte. Maxim Mironow stellt einen stimmlich schönen aber etwas leichten Castor dar. Dietrich Henschel  beherrscht die aufwendige von Götterbruder Pollux  rollengerecht. Auch Anne Sophie von Otter überzeugte als  Phébé mit sicher und kräftig geführtem Mezzosopran. Auch Nicolas Testé überzeugte als Jupiter.  Ausnehmend beeindruckend der Arnold Schönberg Chor,  der unter der Leitung von Erwin Ortner seinem Ruf  als vielseitigstes und meist-beschäftigtes Vokalensemble Österreichs  mit unglaublicher Präzision und Ästhetik mehr als gerecht wurde. Das Orchester, die wunderbaren Les Talens Lyriques, unter ihrem Dirigenten Christophe Rousset verzauberten aus dem Orchestergraben mit der tänzerischen Handschrift von Jean-Philippe Rameau. Sie beherrschten die heute bevorzugten Stilmerkmale  der Barockmusik: Verzicht auf Vibrato oder gebundene Noten. Und erzeugten gekonnt die spezielle ästhetische Polyphonie des Barock, den Zusammenklang individueller Stimmen und weniger den mächtig orchestralen Feuerzauber.

So galt für diese Inszenierung im Theater an der Wien was für die meisten Barockopern heutzutage gilt: Aus dem Orchestergraben ertönt wunderbarer historischer Klang während auf der Bühne moderne Regie zu sehen war. Und Volkes Stimme im ausverkauften Hauses entschied eindeutig: Jubelnder Beifall für Ensemble und Orchester. Besonders viele Bravos für Christiane Karg, Chor und Orchester.

IOCO  / Viktor Jarosch / 28.01.2011

Wien, Theater an der Wien, Beethoven mit Wiener Philharmoniker und Thielemann, IOCO Kritik, 11.04.2010


Kritik

Theater an der Wien

Beethoven zurück am Ort der Uraufführung.  Ein kurzer Rückblick:

Unglaublich, aber bis 1831  hatte Wien  keinen öffentlichen  Konzertsaal.  Im 18. Jahrhundert und noch zu Beethovens Lebzeiten fanden Konzertveranstaltungen – so genannte Akademien – in den Palais des Adels, in den Sälen von Hotels und Restaurants, im Universitätssaal und in Theatern statt. Theater waren besonders beliebt, da sie in der Regel die größte Menge von zahlenden Plätzen anboten. Die “Akademien” fanden jedoch nur zu zwei Jahreszeiten statt: in der Fastenzeit und in der Hohen Adventszeit, d.h. in den acht Tagen vor Weihnachten. Die Hoftheater sahen darin eine willkommene Ergänzung zu ihrem normalen Spielbetrieb, denn die Vermietung an Fremdveranstalter brachte zusätzliche Einnahmen.

Beethoven mußte auf seine eigene Akademie, die er bereits in der Fastenzeit hatte abhalten wollen,  bis zur Adventszeit 1808 warten. Für den 22.Dezember 1808 bekam er jedoch die ersehnte Bewilligung. Die dann  folgende Aufführung geriet zu einem der spektakulärsten Beethoven-Konzert  der Musikgeschichte.  Das Programm  selbst für die damalige Zeit gigantisch.  Zuerst die sechste Symphonie op. 68 (Uraufführung), dann Szene und Arie “Ah perfido! op. 65, das Gloria aus der Messe in C-Dur, op. 86, das vierte Klavierkonzert, die fünfte Symphonie op. 67 (Uraufführung), das Sanctus und Benedictus aus der Messe in C-Dur, eine freie Fantasie für Klavier und schließlich die Uraufführung der Chorfantasie op. 80.  Beethoven dirigierte und spielte selbst Klavier.

Das Konzert dauerte vier Stunden und endete in  einer  einzigen  Katastrophe: Die Symphonien waren unbekannt,  zu lang und schwer zu verstehen. Beethoven hatte sich zuvor mit dem Orchester zerstritten und dabei die Musiker beleidigt. Sie waren daher nicht besonders gut auf ihn zu sprechen. Es gab nur wenige Proben, die folgende Aufführung  in der Durchführung zwangsläufig mangelhaft. Zu allem Unglück war es im Theater  noch bitter kalt. Auch finanziell war der Abend ein Desaster:  Wegen einer populäreren Parallelveranstaltung (einem Konzert zugunsten des Witwen- und Waisenfonds der Tonkünstler-Sozietät)  war Beethovens Konzert nur zur Hälfte besetzt.

Wie ganz anders gestaltete sich die Sonntagsmatinee am 11. April 2010 im plüschigen Theater an der Wien! Das musikaffine Wiener Publikum stürmte das Konzert am Vormittag, um einen seiner Lieblingsdirigenten,  den in die Schlag(seite) zeilen geratenen  Christian Thielemann,  zu erleben.  In München in Ungnade gefallen, in Dresden mit Fabio Luisi über Kreuz, an der Semperoper ab 2012 neuer Chefdirigent (nicht GMD)  setzte der deutsche Dirigent  mit dieser Aufführung seinen Beethovenzyklus in Wien fort und  bot mit einem großen Orchester im kleinen Haus eine fulminante Leistung.  Ausladender Stuck und Samtvorhänge des Theater an der Wien bieten  eine erbarmungslos trockene, jede Facette offenlegende  Akustik.

Thielemann, sehr vertraut mit den Wiener Philharmonikern, besitzt bessere Arbeitsbedingungen  als seinerzeit Beethoven. Zudem stimmt heute die “Chemie”,  die künstlerische Partnerschaft.  Und so lauschte das Publikum, gebannt, erwartend:   In der Symphonie Nr. 6 in F-Dur (Pastorale)  konnten die Bläser ihren fröhlichen Reigen am Bach genießen, den Kuckuck flöten hören, und das anschließende Stelldichein der Landleute als Überraschungspaket erleben.   Beethoven liebte die Natur. In der  Pastorale  schildert er die Empfindungen des Menschen in der Natur mit musikalischen Mitteln. “Kein Mensch kann das Land so lieben wie ich”,  schwärmte er.  “Wie froh bin ich, einmal in Gebüschen, Wäldern, unter Bäumen, Kräutern und Felsen wandeln zu können. Mein unglückseliges Gehör plagt mich hier nicht. Ist es doch, als ob jeder Baum zu mir spräche.“  Und so komponierte er eine filigrane Palette tiefster Musikalität.  Welche Thielemann und sein Orchester in  präziser Ausformung  ausmusizierte. Töne schwebten artikuliert  in freier Einfachheit und doch  die “lebendige Natur” vermittelnd.

Die folgende  5. Symphonie in c-moll (Schicksalssymphonie), deren Anfangsmotiv zu  Beethovens akustischer Visitenkarte wurde, gehört heute zu den meistgespielten, -analysierten, -aufgezeichneten Werken der Klassik. Der zentrale, außermusikalische Gedanke – der Weg durch die Dunkelheit zum Licht – “per aspera ad astra” gelang in der Interpretation durch die Philharmoniker hervorragend.  Goethe  soll nach dem Hören der Symphonie beeindruckt gesagt haben: “Das ist sehr groß, ganz toll, man möchte fürchten, das Haus fiele ein.” Friedrich Engels schrieb an seine  Schwester nach einem Konzert der “Fünften”: “Das ist gestern abend eine Symphonie gewesen! So was hast Du in Deinem Leben noch nicht gehört…Diese verzweiflungsvolle Zerrissenheit, diese elegische Wehmut, diese weiche Liebesklage und dieser gewaltige, jugendliche Posaunenjubel der Freiheit!”  Beethoven hat an dieser Symphonie relativ lange geschrieben. Begonnen hat er mit ihr im Jahre 1803, kurz nach der Fertigstellung der kaum minder berühmten dritten Symphonie, der “Eroica”. Bis 1808 komponierte er an der “Fünften”, parallel dazu an einer ganzen Reihe anderer großer Werke.  Das große Markenzeichen der c-moll Symphonie ist ihr unüberhörbar appellativer Charakter. Nie zuvor in der Musikgeschichte wurde der Zuhörer derart direkt in das Geschehen der Musik  einbezogen und angesprochen. Thielemann und seine großartig disponierten Wiener Philharmoniker gestalteten “ihre” Pastorale  hinreißend und authentisch:  Zarte wie harte Motive (Murmeln des Baches, Gewitter )  im piano  oder rau  gestaltend, steigerten sie  sich  furios  mitreißend  zur letztlich  vollendeten Harmonie.

Das Beethoven – Konzert im Theater an der Wien  begeisterte. Es  geriet zu dem, was erhofft  wurde: Musiker wie  Dirigent wurden vom  Publikum mit Standing ovations  gefeiert. Die “Chemie” und Kompetenz  von Thielemann und Wiener Philharmonikern ließen  Beethovens  Werke  hell erstrahlen.

IOCO / AT / 14.04.2010

Wien, Theater an der Wien, Agrippina von Händel in Wiener Barockhochburg, IOCO Kritik, 26.07.2009


Kritik

Theater an der Wien

Agrippina von Georg Friedrich Händel   (“Es lebe der liebe Sachse”) …..

Georg Friedrich Händel hat über 40 Opern und 25 Oratorien geschrieben. Seine im Dezember 1709 in Venedig im Teatro San Giovanni Grisostomo erstmals aufgeführte Oper Agrippina, fällt in seine `italienischen Jahre´ von 1706 bis 1710. Auftraggeber dieser Oper war Kardinal Vincenco Grimani (1655-1710),  auch Vizekönig von Neapel und – unter den Habsburgern – kaiserlicher Botschafter beim Vatikan. Dieser bedeutende Auftraggeber Grimani verfasste auch das Libretto zu Agrippina höchst persönlich und versuchte in dem Sujet auch Anspielungen auf Papst Clement XI. wie Thronwirren des spanischen Erbfolgekrieges. Um seine bedeutenden Protagonisten zu gefallen griff Händel in Agrippina auf zahlreiche Sätze aus seinen früheren Werken zurück. Die Premiere von Agrippina war höchst erfolgreich und machte Händel über Nacht in ganz Europa bekannt. Das Premierenpublikum feierte Händel mit “Viva il caro Sassone” (es lebe der liebe Sachse). Agrippina sollte zu einer der großartigsten Opern Händels, eine der großartigsten Barockopern überhaupt, werden.

So wurde es auch in Theater an der Wien wieder höchste Zeit für eine von Händels schönsten Opern. Dass Agrippina nur konzertant, nicht szenisch, aufgeführt wurde erscheint zunächst als Mangel. Der nicht endende Applaus im fast ausverkauften Theater an der Wien belegt wiederum, dass Agrippina auch in konzertanter Darstellung viele Anhänger hat. Auch wenn eine gute szenische Wiedergabe der Oper sehr begrüßt werden würde. Die Handlung, das spannende Libretto ist im Programmheft dankenswerterweise vollständig wiedergegeben: Agrippina will ihren Sohn Nero unbedingt als Nachfolger Claudius auf dem Kaiserthron. Dazu intrigiert sie, betrügt, verrät nach Bedarf  abwechselnd Freunde, Liebhaber wie ihre Feinde.

Die gute Resonanz dieser Oper beim Wiener Publikum war auf eine sehr gelungene Darbietung des kleinen aber erfahrenen Barock – Ensembles “Il Complesso Barocco” unter der Leitung von Alan Curtis zurück zu führen. Curtis dirigierte und spielte zugleich am Cembalo. Das kleine Barockorchester ist mit seiner begrenzten Klangfülle in einer großen Oper im großen Theater an der Wien zwar eingeschränkt, gleicht diesen Mangel jedoch durch Klangfarbe und historische Instrumente weitgehend wieder aus.

Barockopern und Händel im besonderen zu singen und darzustellen, ist eine eigene Kunst. Klara Ek als Sexappeal vermittelnde Poppea und dominanter Iestyn Davies als Countertenor Ottone begeisterten während der ganzen, langen Oper durch Stimmschönheit und Sicherheit in der Darstellung. Klara Ek verleiht zusätzlich der   genussüchtigen,  sich zur berechnenden Schlange entwickelnden Poppea mit ihrem geschmeidigen  Sopran eigenen Charakter. Ihre Gestik und die breiten Register ihrer großen Stimme setzt Alexandrina Pendatchanska als Agrippina perfekt ein. Ihre Koloraturen sind schön und satt,  speziell in tieferen Lagen. Die Mezzosopranistin Tuva Semmingsen bietet einen stimmlich sauberen Nerone, in der Gestik vielleicht etwas abwesend. Antonio Giovannini als Narciso, Countertenor Raffaele Costantini als Pallante und Matteo Ferrara als Lesbo bestehen in ihren Partien, ohne aufzufallen.

Langer und lauter Beifall beendete diesen schönen Opernabend. Vielleicht auch, weil viele Besucher bedauerten, daß Agrippina, dieses Juwel der Barockmusik,  vorerst nicht mehr am Theater an der Wien zu hören sein wird.  Schade.  Mit Monteverdi, Vivaldi und anderen Händel Stücken  im laufenden Programm  bietet das Theater an der Wien jedoch vielleicht schon bald  wieder ähnlich packendes.

IOCO / AT / 26.07.2009

Wien, Theater an der Wien, Erfolgreiche Bilanz für Operimsommer’09

 theater_an_der_wien.jpg

Presseinformation

 Theater an der Wien: Erfolgreiche Bilanz für Operimsommer’09

Mit der letzten ausverkauften Vorstellung von W. A. Mozarts Don Giovanni in der Erfolgsinszenierung von Keith Warner schließt heute Abend die Operimsommer’09.

Die Sommerstagione an der Wien stieß erneut auf große Resonanz – rund 11.000 BesucherInnen sahen die elf Opernaufführungen von Rossinis Il Turco in Italia und Mozarts Don Giovanni. Das entspricht einer Auslastung von 99,51 % und bestätigt auch im Sommer das enorme Publikumsinteresse am Theater an der Wien als Opernhaus.

Wiens jüngstes Opernhaus ist die einzige große Bühne, die auch während der Sommermonate dem Wiener Publikum und kulturbegeisterten Touristen hochkarätig besetzte Opernaufführungen bietet. Im Fokus der nächsten Operimsommer steht die Neuproduktion der Operette Die Fledermaus, die 1874 am Theater an der Wien uraufgeführt wurde. In einer Inszenierung von Philipp Himmelmann wird diese Produktion am 15. Juli 2010 zur Premiere gebracht und bis 8. August 2010 am Theater an der Wien gezeigt.

Die kommende Saison 2009/10 wird am Donnerstag, den 10. September um 19.00 Uhr mit der Aufführung des Händel-Oratoriums Susanna unter der musikalischen Leitung von William Christie eröffnet.

Wien, Theater an der Wien, Don Giovanni mit Erwin Schrott, IOCO Kritik, 04.08.2009


Kritik

Theater an der Wien

Don Giovanni mit Erwin Schrott 04.08.2009

“Kultur auch im Sommer” bietet das Theater an der Wien als einzig große Bühne Wiens zur Zeit seinen in- und ausländischen Opernfans. Mit der Wiederaufnahme des Meisterwerks von Mozart in der Erfolgsinszenierung von Keith Warner aus dem Jahr 2006 hat sich die kluge Entscheidung, auch im Sommer Hochkarätiges in Wien anzubieten, mehr als bewährt.

IOCO  besuchte die Vorstellung am 4.August mit anfänglichem Vorbehalt. Wie wird Don Giovanni als Hoteldirektor und Leporello als sein Empfangschef auf das teilweise doch recht konservative Wiener Publikum wirken? Werden die französischen, deutschen, spanisch-sprechenden Besucher beglückt oder enttäuscht aus der Vorstellung gehen?

Vorweggenommenes Fazit:  Einhellige Begeisterung. Warners spritzig freche Inszenierung, die die Handlung in ein modernes Hotel mit dem Namen “Universal” verlegt, trifft den Geist des Werks punktgenau. Das Konzept fungiert bestens, zumal Keith Warner sehr eng am Libretto arbeitet.

So alt wie der Don Giovanni Mythos, so alt sind die Versuche, diesem Mythos auf die Spur zu kommen. Ist Don Giovanni  zynischer Menschenverächter, unmoralischer Verführer, sorgloser Playboy?  Oder soll man sich einfach an den Titel halten, den Mozart und Lorenzo da Ponte ihrem zweiaktigen “Dramma giocoso” gegeben haben: “Il dissoluto punito ossia il Don Giovanni” (“Der bestrafte Wüstling oder Don Juan”)?  Zu den originellsten Deutungen dieser Oper zählt die Inszenierung des Briten Keith Warner, die IOCO besucht hat. Warner läßt den Großteil der Handlung in einer modernen Luxusherberge spielen, deutet die Personen entsprechend um, und muss sich trotzdem nicht nachsagen lassen, damit das Sujet verfehlt zu haben.

Die Handlung beginnt in der Hotelhalle, hinter dem Tresen sinniert ein unzufriedener Leporello über sein Leben, als Donna Anna und Don Giovanni aus dem Fahrstuhl purzeln.  Donna Elvira tritt als elegant gekleidete Dame auf, mit großem Gepäck angereist, um ihren vermeintlichen Ehemann zu suchen. In elegantes Schwarz gehüllt, demonstriert sie augenscheinlich die Verletzungen, die ihr Don Giovanni mit seinem nicht gehaltenen Eheversprechen zugefügt hat. Später tritt sie mit dem Degen auf, um ihn bei Zerlina nur ja nicht ans Ziel kommen zu lassen.  Zerlina und Masetto gehören als Zimmermädchen und Kellner zum Pesonal. So feiert man auch beider Verlobung zünftig in endlosen Hotelfluren, mittendrin immer der Hoteldirektor Don Giovanni. Realität und Traum wechseln in schnellem Rhythmus.

Mit der Verlagerung der Handlung in ein modernes Hotel wächst dem Stoff unmittelbare Aktualität zu.   Vor allem das Thema Abhängigkeit wird plastisch heraus modelliert. Zum einen in der Person des Leporello, der als Concierge alles tun muss, was der exzentrische Hoteldirektor Don Giovanni ihm befiehlt. Zum anderen in der Gestalt der Zerlina als Zimmermädchen, die sich Don Giovanni gefügig machen will. Das Schicksal will es, dass er gerade an ihr scheitert. Die Liste seiner bereits 2065 Eroberungen, von Leporello lustvoll-ironisch geschildert, ist nicht mehr zu erweitern. Die Episode markiert den Beginn von Don Giovannis Absturz.

So spannend, so aufregend, so grausam, so lustig aber auch so verstörend kann Oper sein.  Erwin Schrott singt, umjubelt, die herausfordernde Titelpartie. Der Uruguayaner sorgt nicht nur mit seinem dominanten, warmen,  breit angelegten Bariton, sondern auch mit seinem Sex-Appeal für begeisterte Reaktionen (nicht nur in Wien). Er wirkt wie ein Adonis der Opernwelt, dem die Rolle des Serienverführers auf den Leib geschrieben scheint.

Er widerlegt in seinem Don Giovanni  sehr  anschaulich der heimlichen Versuchung vieler,  den  Bühnenerfolg  primär  der Verbindung zu Anna Netrebko zuzuschreiben.  Erwin  Schrott ist  ein  hervoragender Sänger und Darsteller.  Und schon lange erfolgreich  auf der Opernbühne. 1998 gewann er den von Plácido Domingo veranstalteten Operalia-Wettbewerb. Schon als Kind hatte er erste leichte Klavierstücke gespielt, später lernte er unter anderem Geige, Gitarre, Querflöte und Schlagzeug. Seine Stimme wurde erst entdeckt, als er 17 Jahre alt war. Im Alter von 22 Jahren gab er schließlich sein Operndebut in einer Nebenrolle in Umberto Giordanos Andrea Chénier. Es folgten Hauptrollen am Teatro Municipal in Santiago de Chile, in Wien, Mailand, Paris, London und New York.

Sein “Giovanni” im  Theater an der Wien  ist in jeder Hinsicht tadellos. Schrott hat einen wunderschöner Bariton, dem ergreifende  Momente gelingen. An seiner scheinbar nie ermüdenden, kraftvollen Stimme kann man sich nicht satt hören. Schrott ist ein animalisch-viriler Giovanni, der es versteht, Frauen zu betören. Er zeichnet auch die Wandlung vom unbekümmerten Playboy zum von Todesangst gezeichneten, gescheiterten Helden packend und überzeugend. Eine zu Recht umjubelte Leistung.

Hanno Müller-Brachmann als Leporello steht ihm da in nichts nach. Er ist ein stilistisch feiner Leporello, Véronique Gens eine fantastische Elvira. Aleksandra Kurzak gibt eine sehr aktive Donna Anna, Bernard Richter darf als Ottavio Profil zeigen. Ausgezeichnet ist Nina Bernsteiner als hinreißende Zerlina und Markus Butter als ein sehr sicherer Masetto. Als Komtur ergänzt Attila Jun das homogene Ensemble.

Nur Dirigent Riccardo Frizza - er sprang kurzfristig für den erkrankten Rinaldo Alessandrini ein – könnte am Pult des immer noch um seine Existenz spielenden RSO (Radio Symphonie Orchester-Wien)  samt Schoenberg Chor  etwas mehr Feingefühl, Differenzierung  walten lassen. Aber das wird hoffentlich noch kommen.

Fazit: Diesem Don Giovanni Mythos, in seinem neuem Gewand, spendete das in- und ausländische Publikum berechtigten , langen Jubel und Beifall. IOCO ist von diesem Don Giovanni und der Besetzung angetan.

Neben der schönen Wiener Don Giovanni Aufführung gilt es auch, menschlich allzu Menschliches zu berichten: Schrott ist über sein Adonis Image nicht wirklich glücklich, viel lieber sieht er sich in der Rolle des Familienvaters, der sich um seine elfjährige Tochter Iara und um seinen kleinen Sohn Tiago kümmert. Der entstammt seiner Beziehung mit Anna Netrebko, mit der er seit rund zwei Jahren liiert ist – und auch heiraten will. Allerdings gibt es noch eine Kleinigkeit zu erledigen, nämlich die Scheidung von seiner ersten Frau. Wann das passieren wird oder bereits passiert ist, ist gut gehütetes Geheimnis. Von uns nach der Vorstellung in bester Paparazzi-Manier dazu befragt, gab Schrott – natürlich – nichts preis.

Weniger geheimnisumwoben ist seine Liebe zu Anna Netrebko, die einige Plätze entfernt von uns sitzend, mit ernster Miene der Vorstellung ihres Verlobten lauschte. Wir trafen Netrebko nach Ende der Vorstellung beim Bühnenausgang wieder, wo die Schöne die Autogrammstunde ihres gefeierten  Don Giovanni  geduldig abwartete. Die beiden werden in Wien als Brangelina der Opernszene gefeiert. Ihre Gesichter sind begehrte Objekte der Fotografen bei allen öffentlichen Auftritten. Soweit IOCO  zu menschlich, allzu Menschlichem.

Weitere Vorstellungen: 6., 8., 11. und 14. August 2009, 19 Uhr. Interessenten mögen sich mit der Kartenbestellung beeilen.

IOCO / AT / 04.08.2009

Wien, Theater an der Wien, Umbesetzung in DON GIOVANNI

 theater_an_der_wien.jpg

Presseinformation

Theater an der Wien: Umbesetzung in DON GIOVANNI

Utl.: Premiere am 1. August 2009
Auf Grund einer kurzfristigen Erkrankung des Dirigenten Rinaldo Alessandrini wird Riccardo Frizza das Dirigat der Wiederaufnahme der Erfolgsproduktion Don Giovanni aus dem Mozartjahr 2006 am Theater an der Wien übernehmen. Der in Brescia geborene Italiener Riccardo Frizza ist regelmäßig an internationalen Opernhäusern und Festivals wie in New York, Brüssel, Barcelona, St. Petersburg, Madrid, Aix-en-Provence u. a. zu Gast. Zukunftspläne beinhalten unter anderem Puccinis Manon Lescaut und Verdis Otello am New National Theater Tokyo, Verdis Falstaff in Seattle und Glucks Armida an der Metropolitan Opera. Ab 1. August ist erstmals Erwin Schrott als Don Giovanni am Theater an der Wien zu hören und als Leporello gibt es ein Wiedersehen mit Hanno Müller-Brachmann. In den weiteren Rollen sind Aleksandra Kurzak als Donna Anna, Bernard Richter als Don Ottavio, Attila Jun als Komtur, Véronique Gens als Donna Elvira, Markus Butter als Masetto und Nina Bernsteiner als Zerlina zu sehen. Unter Riccardo Frizzas musikalischer Leitung spielt das ORF Radio-Symphonieorchester Wien.
Premiere: Samstag, 1. August 2009, 19.00 Uhr
Aufführungen: 4., 6., 8., 11. & 14. August 2009
Information: +43 1 588 30-660
Wien Ticket: +43 1 588 85
Online: www.theater-wien.at

Wien, Theater an der Wien, Il Turco in Italia im Sommer Stagione, IOCO Kritik,


Kritik

Theater an der Wien

 Il Turco in Italia im Stagione – Theater an der Wien

Gioacchino Rossinis Oper “Il Turco in Italia”, 1814 an der Mailander Scala uraufgeführt, ist in diesem Sommer im Theater an der Wien   ein  Mittelpunkt der Sommer Stagione. Diese Oper – immer ein wenig im Schatten von Rossinis Italienerin in Algier - besitzt jedoch alles, was eine gute Komödie braucht. Abweichend von den seinerzeit geltenden Konventionen der Opernlibretti ließ der Textdichter Felice Romani in diesem Stück die Handlung stets von einem Außenstehenden kommentieren und erzeugte damit zugleich ungewohnte Distanz und Komik. Starke Charaktere, viele Verwicklungen, Liebe, Leid und Leidenschaft. Wenn das alles szenisch so umgesetzt, wird wie von Regisseur Christof Loy, dessen Produktion aus dem Jahr 2005 Benedikt von Peter brillant und mit Liebe zum Detail neu einstudiert hat, ist das Opernglück perfekt.

Worum es geht?

Die Handlung der Oper (…der Dichter Prosdocimo soll eine neue Oper schreiben….) wurde ins Neapel der 1970er Jahre verlegt, zumindest in dieser Inszenierung. Hier verdreht die junge, kecke, sehr polygame Fiorilla nicht nur ihrem Ehemann Don Geronio den Kopf. Mit Don Narciso hält sie sich einen schneidigen Liebhaber; auch ein Türke namens Selim weckt Fiorillas erotisches Interesse.

Dass dies nicht lange gut gehen kann, versteht sich. Denn auch des Türken verstoßene Frau Zaida, und ein nach einem guten Opernstoff suchender Dichter mischen kräftig mit. Bis zu Fiorillas Läuterung – hier wird dann auch die Einsamkeit und Tragik aller Beteiligten sichtbar – ist also viel Chaos programmiert.

Christof Loy, Benedikt von Peter, und Ausstatter Herbert Murauer setzen dieses Chaos federleicht und mit höchster Präzision in Szene. Ein toller Regie-Einfall jagt den nächsten, Gag folgt auf Gag. So schwebt Selim auf einem fliegenden Teppich in Neapel ein, der Dichter ist stets zur falschen Zeit am falschen Ort und bekommt Schläge ab, Eifersuchtsszenen werden in Boxkampf-Manier ausgetragen.

Die Sänger sind mit Freude bei der Sache: Allen voran die erst 26-jährige Nino Machaidze als darstellerisch herrlich kokette, vokal vor allem bei den Koloraturen exzellente Fiorilla. Sie war DIE Neuentdeckung der Salzburger Festspiele 2008. Nino Machaidze sprang für die damals wegen der Babypause verhinderten Anna Netrebko an der Seite von Rolando Villazón in “Roméo et Juliette” ein. Nino Machaidze ist – wenn sie auf ihre schön geführte Stimme aufpasst – ein ganz großes Versprechen für die Zukunft. Wegen ihres attraktiven Aussehens wird sie bereits “Angelina Jolie der Oper” genannt.

Nicht minder gut: Ildebrando d´Arcangelo als hinreißend komischer, stimmlich hervorragender Selim, der einen Macho aus dem Bilderbuch gibt. Als sein Konkurrent in Liebesdingen beweist Renato Girolami, dass man die Partie des Don Geronio sehr fein singen kann. Eine ausgezeichnete, auch spielerisch fabelhafte Leistung des Baritons.

Dazu kommen David Alegret als wackerer Don Narciso, Enrico Marabelli als präsenter Dichter, und die intensive Paola Gardina. Ein sicheres und starkes Ensemble, unterstützt vom Arnold Schönberg Chor.

Fabio Luisi als souveräner Dirigent mit den bestens disponierten Wiener Symphonikern ­ernten sehr verdienten und großen Jubel beim Publikum. Leider wird in diesem Sommer  diese Oper   im  Theater an der Wien  nicht mehr aufgeführt. Enttäuschten  Opernfreunden  empfehlen wir  dann  am  1., 4.,  6.,  8., 11. und  14.  August, ebenfalls im Theater an der Wien  den  Besuch von  Mozarts  Don Giovanni  mit  Erwin Schrott in der Partie des Don Giovanni.

IOCO / AT /

Wien, Theater an der Wien, Erfolgreiches Sommer-Stagione-Konzept

2009   findet in der Linken Wienzeile 6,   im Theater an der Wien,   neuerdings  auch als `Das neue Opernhaus´  beworben, zum dritten Mal die Sommer-Stagione “Operimsommer 09″ statt. Mit 5 Aufführungen der Rossini Oper  Il Turco in Italia  ist der Einstieg in den Wiener Sommer 2009 wahrlich geglückt. Im  August  2009  wird  es zu einer Wiederaufnahme  von  Keith Warners  Don Giovanni  kommen,  mit Erwin Schrott als Don Giovanni, Hanno Müller-Bachmann  als  Leporello  und  …..   Das Theater an der Wien  setzt auf populäre, aber keinesfalls seichte Opernkost, und konnte mit diesem zwar eingeschränkten Sommer-Stagione-Konzept im vergangenen Jahr eine überaus beeindruckende Auslastung von 98,7 % erreichen.Das organisatorisch zur “Wienholding” gehörende, also in städtischer Trägerschaft befindliche Haus, ist das dritte Opernhaus Wiens und wird – anders als die beiden als Bundestheater geführten Traditionshäuser Wiener Staatsoper und Volksoper Wien – nicht als Repertoiretheater mit eigenem Ensemble geführt, sondern nach dem Stagionesystem blockweise bespielt. Mit 1073 Sitz- und 70 Stehplätzen ist es das kleinste der drei `großen´ Wiener Musiktheater.

Der Theaterbau des Theater an der Wien wurde 1798 nach Plänen von Franz Jäger begonnen. Den weiteren Fortgang sicherte der Textdichter der “Zauberflöte” Emanuel Schikaneder. Schikaneder war begütert genug, um nach dem ungeheuren Erfolg dieser Mozart Oper (uraufgeführt 1791 im Freihaustheater) den Bau in Angriff zu nehmen und im Jahre 1801 im Empirestil zu vollenden. Die vor dem Theater verlaufende Wien, ist heute kanalisiert. Über ihr wurde der “Naschmarkt” errichtet. Der ursprüngliche Stil des Theater an der Wien ist heute nur noch an der Millöckergasse erhalten, wo das Papageno-Tor den Erbauer als Papageno mit seinen Kindern als “Drei Knaben” in der “Zauberflöte” zeigt. 1803 und 1804 wohnte Ludwig van Beethoven während der Komposition seiner Oper “Fidelio” einige Zeit in dem Gebäude. Ein Gedenkzimmer im Erdgeschoss errinnert noch heute an Beethoven.

Nach Stücken von Nestroy und anderen Vertretern des Alt-Wiener Volkstheaters folgte  Ende  des  19.  Jahrhunderts  die “Goldene Operettenzeit” , als Johann Strauß (Sohn), Karl Millöcker, gefolgt vonder “Silbernen Operettenzeit” mit Franz Lehár ihre Werke dort aufführen ließen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Haus als Ausweichquartier für das Ensemble der zerbombten Wiener Staatsoper. Unter Karl Böhm und Josef Krips fanden hier legendäre Aufführungen vieler Mozart-Opern statt. Seit 1962 dient das Theater an der Wien in den Sommermonaten alljährlich auch den Wiener Festwochen als Spielstätte. In den Jahren 2000 und 2007 war das Theater Gastgeber der Verleihung des “Nestroy Preises.” Seitz 2006 trägt es den Beinamen “Das neue Opernhaus“.

In den 90er-Jahren erlangte das Theater neue Berühmtheit durch Musical-Uraufführungen. Zunächst gelangte u.a. “Cats” von Andrew Lloyd Webber am 24.September 1983 zur deutschsprachigen Erstaufführung. Ab Anfang 1990 wurde das Musical “Elisabeth” von Michael Kunze und Sylvester Levay zu einem jahrelangen Dauerbrenner und bald zum erfolgreichsten deuschsprachigen Musical aller Zeiten, mit weltweit bereits mehr als 8 Millionen Besuchern. Ebenfalls von Kunze/Levay stammt das Musical “Mozart” das am 12.Oktober 1999 im  Theater an der Wien uraufgeführt und bis Mai 2001 gespielt wurde. “Mozart” wurde zum “besten Musical 2000″ gewählt.

Ihr IOCO Team / AT