Wien, Burgtheater Wien, Karin Bergmann leitet Burgtheater bis 2019, IOCO Aktuell, 15.10.2014

Oktober 15, 2014  
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Burgtheater Wien

Burgtheater Wien ©  IOCO

Burgtheater Wien © IOCO

 Karin Bergmann führt das Burgtheater!  Aus der Krise?

Mit einem Etat von € 50 Millionen ist das Wiener Burgtheater eines der reichsten Sprechtheater der Welt. Doch der Etat hatte nicht gereicht: Bilanzgestaltungen“ hatten in der Spielzeit 2012/2013 unter Intendant Matthias Hartmann zu einem Bilanzverlust von fast 20 Millionen Euro geführt. Karin Bergmann wurde nun zur dauerhaften Nachfolgerin des über seine „kreative Buchführung“ fristlos gestürzten Vorgängers Matthias Hartmann (IOCO berichtete) bestellt.
Im Rahmen einer Pressekonferenz im Burgtheater Wien verkündete der österreichische Bundesminister für Kultur Josef Ostermayer am 14. Oktober 2014, die Bestellung der aus Recklinghausen stammenden Karin Bergmann, 61,  als künstlerische Direktorin des Burgtheaters bis August 2019. Bergmann leitet das Burgtheater interimistisch seit der Entlassung von Matthias Hartmann im März 2014. Claus Peymann hatte sie in den 80er Jahren ans Burgtheater geholt,  wo sie unter dem späteren Intendanten Klaus Bachler (heute Bayerische Staatsoper) zu dessen Stellvertreterin avancierte. Mit  der Bestellung von Karin Bergmann kehrt nun zumindest Ruhe und Kontinuität ein in das skandalgebeutelte Burgtheater. Die dramatischen Budget-Probleme des Burgtheaters sind mit der Bestellung nicht gelöst. Sie werden Karin Bergmann auf lange Zeit ebenso beschäftigen wie künstlerische Projekte.

Burgtheater Wien / Karin Bergmann, Strasser, Ostermayer © BKA Andy Wenzel

Burgtheater Wien / Karin Bergmann, Strasser, Ostermayer © BKA Andy Wenzel

Karin Bergmann hat nicht nur in den letzten Monaten klar bewiesen, dass sie eine hervorragende Krisenmanagerin ist, sondern auch im Rahmen des Auswahlverfahrens mit ihrem künstlerischen Konzept klar überzeugt“, so Kulturminister Ostermayer in seiner Bestellung. „Ich freue mich sehr, dass sie nun für die Zeitspanne einer vollen Funktionsperiode dem Haus zur Verfügung steht. Sie hat das Burgtheater in der wahrscheinlich schwierigsten Phase seiner Geschichte übernommen und gemeinsam mit dem kaufmännischen Direktor Thomas Königstorfer einerseits wirtschaftlich stabilisiert und andererseits Weichen für eine gute Zukunft gestellt. Ich danke der Findungskommission für ihren leidenschaftlichen, ehrenamtlichen Einsatz – ganz im Speziellen dem viel zu früh von uns gegangenen Gert Voss – und ich danke den vielen großen Theaterpersönlichkeiten, die sich in den letzten Monaten für das Burgtheater stark gemacht haben und sich stets in Sorge und Zuneigung zu dem Haus und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, zum Wohle der Burg eingesetzt haben“.

Ostermayer hatte vor seiner Entscheidung Gespräche mit einer Findungskommission sowie mit vorgeschlagenen Kandidaten/innen geführt, den Aufsichtsrat angehört und Vertreter/innen des Ensembles zu Gesprächen eingeladen. Bergmann setzte sich in diesem Auswahlverfahren gegen 21 Kandidaten durch. Aussichtsreiche Mitbewerber waren auch Regisseur Michael Thalheimer und der Intendant des Dresdner Staatsschauspiels, Wilfried Schulz.   

IOCO / Viktor Jarosch / 15.10.2014

Wien, Burgtheater, ex-Intendant Matthias Hartmann – Prozessbeginn, IOCO Aktuell, 27.06.2014

Juni 27, 2014  
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Burgtheater Wien

Burgtheater Wien © IOCO

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Großes Aufräumen am Wiener Burgtheater
Aufsichtsratschef Georg Springer tritt zurück

Das Wiener Burgtheater, mit einem Etat von €50 Mio. reichstes Sprechtheater der Welt, steckt seit Monaten in einer Schmuddelkrise. Neuer Paukenschlag: Georg Springer (68), Geschäftsführer der Wiener Bundestheater-Holding und ehemaliger Aufsichtsratschef des in finanzielle Schieflage geratenen Wiener Burgtheaters löst zum 30. Juni 2014 seinen Geschäftsführervertrag, nahezu fristlos, auf. Sein Mandat als Aufsichtsratchef des Burgtheaters hatte Springer nach der fristlosen Entlassung des Burgtheater-Intendanten Matthias Hartmann an Othmar Stoss übertragen.

Pikant: Am 27. Juni 2014 beginnt vor dem Arbeitsgericht Wien die Kündigungsschutzklage des 2013 fristlos gefeuerten Burgtheaterchef Matthias Hartmann. Hartmann betrachtet die fristlose Kündigung vom März 2014 unwirksam. In seiner Klage geht es um Wiedereinstellung oder etwa   zwei Millionen Euro Schadenersatz für seinen gerade von 2014 bis 2019 verlängerten Arbeitsvertrag. Vor Gericht wird auch die Klage des Burgtheaters gegen Hartmann verhandelt, in der sie die Vertragsverlängerung mit Hartmann bis 2019 wegen Irrtums anficht. Hätte man die „chaotische finanzielle Gebarung“ durch Ex-Burg-Managerin Silvia Stantejsky mitsamt der „mangelhaften Kontrolle durch Hartmann“ gekannt, hätte man den Vertrag nicht verlängert, sagen entsprechende Gutachten.

 Minister Josef Ostermayer, rechts, und Georg Springer © BKA - Andy Wenzel

Minister Josef Ostermayer, rechts, und Georg Springer © BKA – Andy Wenzel

Als Intendant des Burgtheaters trüge Matthias Hartmann schon von Gesetz wegen Mitverantwortung für kaufmännisches Fehlverhalten. Das “Unverzüglichkeitsprinzip“, welches im November zur fristlosen Kündigung seiner Kollegin, Burgtheater-Vizedirektorin Silvia Stantejsky führte, trifft auch Hartmann: Gutachten sehen die Mitverantwortung des Intendanten Matthias Hartmann als erwiesen, warfen ihm „erhebliche Verletzungen der Sorgfaltspflichten eines Geschäftsführers“ vor. Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) hatte keine andere Wahl, als Matthias Hartmann fristlos zu entlassen.

Die finanzielle Schieflage des Burgtheaters hat viele Ursachen. Fehlende Reaktionen auf einen allgemein feststellbaren Besucherrückgang bei großen Sprechtheatern ist eine zentrale aber nicht alleiniger Grund. Die Misstände am Burgtheater sind facettenreicher. Hartmann soll bereits in Zürich, vor seinem Amtsantritt in Wien, Handgelder für kommende Regiearbeiten am Burgtheater erhalten haben. Unterlagen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG belegen trotz Schwärzung und Anonymisierung vieler Passagen Hinweise auf dramatische Mängel im Rechnungswesen des Burgtheaters, welche die finanzielle Lage des Burgtheaters „geschönt“ haben. Die wirtschaftliche Lage des Burgtheaters wurde dadurch „kreativ“ verbessert. Kulissen abgesetzter Produktionen sollen nur physisch, nicht aber bilanziell, d.h. nicht ergebniswirksam, „entsorgt“ worden sein. Auch sollen Steuern auf Honorare ausländischer Künstler über Jahre nicht einbehalten worden sein.

Intendant Matthias Hartmann und Burgtheater-Vizedirektorin Silvia Stantejsky tragen aufgrund ihrer Organ-Funktion im Burgtheater unmittelbare Verantwortung für die Missstände. Doch wird darüber gestritten, was die Aufsichtsgremien von den Mängeln gewusst haben oder hätten verhindern können. So wird ex-Aufsichtsratschef Springer vorgehalten, in der kürzlich erfolgten Verlängerung des Hartmann – Vertrages bis August 2019 Fehler gemacht zu haben. Hartmann sieht seine Entlassung als „unberechtigt“ und „unwirksam“ und fordert die Erfüllung seines Vertrags bis Ende August 2019 oder zwei Millionen Euro. Das Arbeitsgericht in Wien verhandelt ab heute, dem 27.6.2014. 

Was sagte Klaus Bachler, Vorgänger von Matthias Hartmann zu den traurigen Vorgängen am Burgtheater:  “Die Geschichte wirkt wie eine Farce von Qualtinger”.  IOCO / VJ / 27.06.2014

 

Wien, Burgtheater, Matthias Hartmann und seine Inszenierungen, IOCO Aktuell, 04.04.2014

Burgtheater Wien

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Matthias Hartmann und die Salzburger Festspiele

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Matthias Hartmann wurde kürzlich als Intendant des Burgtheater Wien fristlos gefeuert. IOCO berichtete. Untersuchungsausschüsse der Bundesregierung und Finanzbehörden werden sich für absehbare Zeit mit der Causa Hartmann beschäftigen. Doch auch Kulturinstitute müssen entscheiden, wie mit Produktionen und Aufträgen umzugehen ist, welche Matthias Hartmann als Regisseur zeigen.
Die Wiener Staatsoper stellte am 25. März 2014 ihren Spielplan für die Saison 2014/15 vor. Teil dieses Spielplans ist auch die Wiederaufnahme der Oper der Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch. Pikant dabei, Regisseur dieser Produktion ist der gefeuerte Chef des Burgtheaters, Matthias Hartmann. Auf Nachfrage anwesender Journalisten bestätigte Staatsopern-Intendant  Dominique Meyer, dass diese Produktion im März 2015 an der Staatsoper stattfinden würde. Übrigens mit Angela Denoke als Lady Macbeth.
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Auf Distanz geht dagegen Wilfried Haslauer, Landeshauptmann und Vorsitzender des Kuratoriums der Salzburger Festspiele, wo Matthias Hartmann, als Koproduktion von Burg und Festspielen „Die letzten Tage der Menschheit“ von Karl Kraus inszenieren sollte. Premiere ist am 29. Juli 2015. Wie Haslauer erklärte, wurde Hartmann vom Burgtheater der Regieauftrag entzogen. Burgtheater und  Schauspielchef der Salzburger Festspiele, Sven Bechtolf, suchen nun nach einem neuen Regisseur für diese Produktion.
IOCO / VJ / 05.04.2014

 

Wien, Burgtheater, Karin Bergmann neue Intendantin, IOCO Aktuell, 21.03.2014

März 22, 2014  
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Burgtheater Wien

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Kriselndes Burgtheater mit neuer Chefin
Ex-Intendant Hartmann erstattet Selbstanzeige

Der österreichische Kulturminister Josef Ostermayer wurde von tosendem Beifall überschüttet, als er am 19. März 2014 im krisengeschüttelten Burgtheater auf die Bühne trat. Was er verkünden würde war bereits bekannt: Karin Bergmann, 60, wird als interimistische Intendantin das Burgtheater bis zum Ende der Spielzeit  2015/16 leiten. Sie folgt damit  dem fristlos entlassenen Matthias Hartmann.  Ein wahrhaft „fliegender Wechsel“. Dem Wechsel war eine monatelange Schlammschlacht vorangegangen.
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Karin Bergmann ist ein Urgewächs des Burgtheaters: 1986 wurde die Recklinghäusenerin als Pressesprecherin des konfliktfreudigen Burg-Intendanten Claus Peymann nach Wien engagiert. 1993 wechselte Bergmann als Direktionsmitglied und Pressesprecherin an die Vereinigten Bühnen Wien (VBW). 1996 wurde Klaus Bachler ihr Wiener Mentor, welcher sie 1999 an die dortige Volksoper holte. 1999 wurde Bachler Intendant des Burgtheaters. Karin Bergmann dorthin als stellvertretende Direktorin. Bergmann blieb am Burgtheater bis zum Ende der Spielzeit 2009/10. Die  Spielzeit 2009/10 leitete Bergmann am Burgtheater bereits weitgehend allein, Klaus Bachler hatte sich schon weitgehend nach München verabschiedet.
Burgtheater Wien / Karin Bergmann, Strasser, Ostermayer © BKA Andy Wenzel

Burgtheater Wien / Karin Bergmann, Strasser, Ostermayer © BKA Andy Wenzel

Das Schauspielensemble des Burgtheater schätzt Karin Bergmann. Der Jubel zu ihrer  formalen Bestellung war eindeutig. Erstmals steht zudem in Wien eine Frau an die Spitze eines großen Theater. Bergmann weiß, was sie erwartet und meint, Ideen, wie die schwierige Lage des Burgtheaters zu beheben ist,  habe sie auch schon.  Der 72-jährige Hermann Beil, früherer Co-Direktor des Burgtheaters, unterstützt sie ehrenamtlich. Zur Zukunft des Burgtheaters meinte Minister Ostermayer vielsagend „Ich weiß nicht, ob das Haus sich das (NB: was in der Vergangenheit produziert wurde) leisten kann„, oder konkret,  Schmalhans ist in den nächsten Jahren wohl Küchenmeister am Burgtheater.
Derweil hat der wegen angeblicher Pflichtverletzungen als Intendant des Burgtheater fristlos entlassene Ex-Burg-Intendant Matthias Hartmann bei den Finanzbehörden in Österreich und der Schweiz Selbstanzeige erstattet. Die Wiener Blätter titulieren Matthias Hartmann als „Uli Hoeneß des Kulturbetriebs“ und recherchieren akribisch vergangenes persönliches wie geschäftliches Finanzgebaren.
Das Burgtheater wird diese Krise überleben. In den Schlagzeilen wird es wegen anhängiger Untersuchungsausschüsse, Kündigungsschutzklagen und mehr noch lange bleiben..
IOCO / VJ / 21.03.2014

 

 

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