Wien, Wiener Staatsoper, Premiere Falstaff von Giuseppe Verdi, 04.12.2016

Dezember 1, 2016  
Veröffentlicht unter Oper, Premieren, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 Falstaff  von Giuseppe Verdi

Premiere 4.12.2016, weiter Vorstellungen: 7.12.2016, 9.12.2016, 12.12.2016, 15.12.2016

Am Sonntag, 4. Dezember 2016 steht – quasi zum Abschluss des Shakespeare-Jahres – die zweite Staatsopernpremiere der aktuellen Spielzeit auf dem Programm des Hauses am Ring: Giuseppe Verdis letzte Oper Falstaff, die 1893 an der Mailänder Scala uraufgeführt wurde und die an der Wiener Staatsoper 1904 unter Gustav Mahler ihre deutschsprachige Erstaufführung feierte. Die Premiere wird die 185. Staatsopern-Aufführung des Falstaff sein, der nun nach fünf Jahren wieder am Haus gezeigt wird.

Wiener Staatsoper / Falstaff © Wiener Staatsoper / Michael Pöhn

Wiener Staatsoper / Falstaff © Wiener Staatsoper / Michael
Pöhn

Für diese Premiere kehrt Maestro Zubin Mehta nach 8 Jahren wieder ans Dirigentenpult der Wiener Staatsoper zurück, der er seit der Lohengrin-Premiere 1975 verbunden ist. Mit der Neuproduktion von Falstaff leitet er seine sechste Verdi-Oper und seine insgesamt
neunte Premiere im Haus am Ring. Der schottische Regisseur Sir David McVicar, der an der Wiener Staatsoper bereits für die Inszenierungen von Tristan und Isolde (2013) und Adriana Lecouvreur (2014) verantwortlich zeichnete, führt Regie. Er zeigt in seiner dritten Inszenierung am Haus am Ring unter anderem, dass in der auf Shakespeares Die lustigen Weiber von Windsor basierenden Oper nicht alles Lachen ist, wie es in der berühmten Fuge am Ende heißt (Tutto nel mondo è burla), sondern, dass auch das Tragische im Komischen deutlich spürbar wird. Diesen Aspekt betont auch Ambrogio Maestri, der mit dem Falstaff in seiner Paraderolle schlechthin an die Wiener Staatsoper zurückkehrt: „Das Traurige liegt in der Einsamkeit der Figur. Also in der Angst, alleine zu bleiben – eine Angst, die jeder Mensch hat. […] Man darf Falstaff nicht lächerlich machen, sondern muss ihm die Substanz und Tiefe geben, die er verdient.

Gemeinsam mit Zubin Mehta entschied sich David McVicar für eine von der Shakespeare-Zeit inspirierte Lesart des Stückes, die im Bühnenbild von Charles Edwards und im Kostümdesign von Gabrielle Dalton ihre Umsetzung findet.

Die Sängerbesetzung – zahlreiche Haus- und Rollendebüts

Der italienische Bariton Ambrogio Maestri gestaltet die Titelpartie von VerdisCommedia lirica in drei Akten“. Im Laufe dieser Aufführungsserie wird er bereits seinen 250. Falstaff singen (9. Dezember), den er auf allen großen Bühnen weltweit verkörpert, im Haus am Ring zuletzt 2011.

Als Ford gibt Ludovic Tézier sein Staatsopern-Rollendebüt. Der französische Sänger wird nach dem Falstaff auch in der zweiten Verdi-Premiere der laufenden Saison im Haus am Ring zu erleben sein: er wird sein Rollendebüt am Haus als Conte di Luna in Il trovatore (Februar 2017) geben. Weiters verkörpert er im März die Titelpartie in der Baritonfassung von Massenets Werther.

 Wien / Rathaus mit Eislauffläche © IOCO

Wien / Rathaus mit Eislauffläche © IOCO

Der junge italienische Tenor Paolo Fanale stellt sich als Fenton dem Staatsopernpublikum vor. Der aus Palermo stammende Sänger studierte am Vincenzo Bellini Konservatorium und wird mittlerweile regelmäßig u. a. von der Mailänder Scala, der New Yorker Met, der Bayerischen und der Berliner Staatsoper sowie den Salzburger Festspielen verpflichtet mit Partien wie Roméo (Roméo et Juliette), Nemorino (L’elisir d’amore), Tamino (Die Zauberflöte), Faust, Rodolfo (La Bohème), Tito.

Auch die Sängerin der Alice Ford debütiert an der Wiener Staatsoper: Die italienische Sopranistin Carmen Giannattasio ist u. a. Gewinnerin von Plácido Domingos Operalia-Wettbewerb und sang bisher u. a. am Londoner Royal Opera House, der New Yorker Met, der Mailänder Scala, an der Deutschen Oper Berlin, in Paris, Los Angeles, Verona, Venedig und Moskau Partien wie Violetta (La traviata), Mimì (La Bohème), Leonora (Il trovatore), Desdemona (Otello), Amelia (Simon Boccanegra), Liù (Turandot) und Norma.

Als Meg Page gibt Lilly Jørstad ihr Rollendebüt am Haus, die bereits im November 2016 als Rosina in Il barbiere di Siviglia eingesprungen ist und damit ihr vorgezogenes Hausdebüt absolviert hat. Die norwegische Mezzosopranistin war bisher u. a. in St. Petersburg, an der Mailänder Scala, an der Nordnorsk Opera sowie beim Maggio Musicale in Florenz zu hören mit Partien wie Rosina, Cherubino (Le nozze di Figaro),  Angelina (La cenerentola).

Den Pistola verkörpert der ebenfalls aus Italien stammende junge Bass und Hausdebütant Riccardo Fassi, der in Mailand geboren wurde und in seiner Heimatstadt studierte. Zu seinen bisherigen Engagements zählen Auftritte in Italien, Spanien und am Royal Opera House Muscat (Oman) mit Partien wie Graf Rodolfo (La sonnambula), Figaro (Le nozze di Figaro), Papageno (Die Zauberflöte), Masetto (Don Giovanni).

Als Mrs. Quickly kehrt Marie-Nicole Lemieux zurück auf die Staatsopernbühne, nachdem sie diese Partie bereits 2011 im Haus am Ring verkörperte.

Weitere Rollendebüts im Haus am Ring geben die Staatsopern-Ensemblemitglieder Hila Fahima als Nannetta und Thomas Ebenstein als Dr. Cajus. KS Herwig Pecoraro verkörpert in der Neuproduktion den Bardolfo.

 Dirigent: Zubin Mehta | Regie: David McVicar, Bühnenbild: Charles Edwards | Kostüme: Gabrielle Dalton° | Licht: Paul Keogan°, Bewegungsregie: Leah Hausman°| Chorleitung: Martin Schebesta

Falstaff  Ambrogio Maestri, Ford Ludovic Tézier*, Fenton Paolo Fanale°, Dr. Cajus Thomas Ebenstein*, Bardolfo Herwig Pecoraro, Pistola Riccardo Fassi°, Alice Ford Carmen Giannattasio°, Nannetta Hila Fahima*, Mrs. Quickly Marie-Nicole Lemieux, Meg Page Lilly Jørstad*, Robin (Falstaffs Page) Nico James, Doll Tearsheet (eine Hure) Waltraud Eigner, Orchester der Wiener Staatsoper, Chor der Wiener Staatsoper.  PMWStO

Wiener Staatsoper, Premiere Falstaff von Giuseppe Verdi: 4.12.2016, weiter Vorstellungen: 7.12.2016, 9.12.2016, 12.12.2016, 15.12.2016

 

Wien, Volksoper Wien, Premiere Die Zirkusprinzessin von Emmerich Kalman, 09.12.2016

November 17, 2016  
Veröffentlicht unter Operette, Premieren, Pressemeldung, Volksoper Wien

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Volksoper Wien

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien / Zirkusprinzessin - Kurt Schreibmayer (Prinz Sergius Wladimir), Wiener Staatsballett, Chor, Komparserie © barbara pálffy / volksoper

Volksoper Wien / Zirkusprinzessin – Kurt Schreibmayer (Prinz Sergius Wladimir), Wiener Staatsballett, Chor, Komparserie © barbara pálffy / volksoper

Die Zirkusprinzessin von Emmerich Kálmán

Libretto von Julius Brammer und Alfred Grünwald

Premiere am 9. Dezember 2016, weitere Vorstellungen am 13., 19., 29. Dezember 2016,  2., 4., 9., 12., 19. Jänner, 9., 13., 18. Februar 2017

Thomas Enzinger inszeniert an der Volksoper Emmerich Kálmáns Die Zirkusprinzessin. Schmachtende Melodien, ungarisches Feuer, eine Prise Wiener Lied und ein schmissiges Libretto: Emmerich Kálmán wusste genau, mit welchen Ingredienzen sich ein Publikumsrenner fabrizieren lässt – nicht umsonst hatte er mit der „Csardasfürstin“ und Gräfin Mariza bereits Welterfolge gelandet. Mit Julius Brammer und Alfred Grünwald hatte der Komponist zudem die idealen Librettisten gefunden. Kálmáns Schwester Ilona erinnerte sich später an die gemeinsamen Arbeitstreffen: „Sie kommen täglich zusammen, trinken einige Liter schwarzen Kaffee, rauchen eine Unmenge Zigaretten, erzählen sich Witze, politisieren, beschimpfen sich gegenseitig, zanken, lachen, brüllen. Und auf einmal ist die Operette fertig“. So entstand vermutlich auch Die Zirkusprinzessin, jene turbulente Geschichte rund um Liebeswirren des geheimnisvollen Mister X, der mit nicht weniger als drei verschiedenen Identitäten für Verwirrung sorgt und am Schluss endlich die Erfüllung seiner großen Liebe findet.

Volksoper Wien / Die Zirkusprinzessin Astrid Kessler als Fürstin Fedora © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Volksoper Wien / Die Zirkusprinzessin Astrid Kessler als Fürstin Fedora © Johannes Ifkovits/Volksoper Wien

Die Uraufführung fand am 28. Februar 1926 im Theater an der Wien statt und bescherte dem Komponisten einen sensationellen Erfolg: bereits im Dezember desselben Jahres brachte es Die Zirkusprinzessin auf über 300 Folgevorstellungen. Ein Zirkus in St. Petersburg, ein Prinzen-Palais und ein Wiener Hotel sind die Schauplätze von Kálmáns Operette, wo nichts ist, wie es zu sein scheint. So ist Mister X eigentlich gar kein Zirkusartist, Toni kein Adliger, Miss Mable keine Engländerin, Prinz Sergius kein fürsorglicher Berater und Carla keine böse Schwiegermutter.

Volksoper Wien / Zirkusprinzessin - Astrid Kessler (Fürstin Fedora), Carsten Süss (Mister X) © barbara pálffy / volksoper

Volksoper Wien / Zirkusprinzessin – Astrid Kessler (Fürstin Fedora), Carsten Süss (Mister X) © barbara pálffy / volksoper

Die Uraufführung muss ein rauschendes Fest gewesen sein, samt Revue-Mäderln im (spärlichen) Trikot, prachtvollen Kostümen und einer opulenten Ausstattung. Dazu kamen Kálmáns unwiderstehliche Melodien: vom Shimmy-Blues „Wenn du mich sitzen lässt“ über das romantische Walzerduett „Süßeste von allen Frauen“, den russischen Brauttanz im Finale des zweiten Akts bis zum Wienerlied „Nimmt man Abschied von dieser Stadt“ bis zur Auftrittsarie des Mister X, „Wieder hinaus ins strahlende Licht“. Die musikalische Umsetzung der Neuinszenierung an der Volksoper liegt in den bewährten Händen von Alfred Eschwé. Thomas Enzinger, frischgebackener Intendant des Lehár-Festivals Bad Ischl, der hier mit Wiener Blut und Gräfin Mariza bereits zwei opulente Operetteninszenierungen vorgelegt hat, inszeniert das virtuose Werk. In den Hauptrollen spielen Carsten Süss den Zirkusartisten Mister X und Astrid Kessler dessen angebetete Fürstin Fedora. Den intriganten Prinzen Sergius gibt Kurt Schreibmayer, in der Rolle von Toni Schlumberger liebt Hausdebütant Otto Jaus Hundedresseurin Mabel Gibson (Juliette Khalil) und als Pelikan ist Robert Meyer zu erleben.

Dirigent: Alfred Eschwé/Lorenz C. Aichner, Regie: Thomas Enzinger, Bühnenbild: Peter Notz, nach einer Idee von Sam Madwar, Licht: Sabine Wiesenbauer, Kostüme: Sven Bindseil
Choreographie: Bohdana Szivacz, Choreinstudierung: Holger Kristen, Dramaturgie: Helene Sommer

Fürstin Fedora Palinska: Astrid Kessler/Ursula Pfitzner, Prinz Sergius Wladimir: Kurt Schreibmayer, Graf Saskusin: Nicolaus Hagg, Baron Peter Brusowsky, Adjutant des Prinzen: Georg Wacks, Direktor Stanislawski: Gerhard Ernst, Mister X: Carsten Süss/Szabolcs Brickner, Miss Mabel Gibson: Juliette Khalil/Johanna Arrouas, Carla Schlumberger: Elisabeth Flechl/Ulrike Steinsky, Toni Schlumberger: Otto Jaus/Michael Havlicek, Pelikan, Oberkellner: Robert Meyer/Herbert Steinböck, Bolschewik: Maximilian Klakow. PMVOW

Premiere am 9. Dezember 2016, weitere Vorstellungen am 13., 19., 29. Dezember 2016,  2., 4., 9., 12., 19. Jänner, 9., 13., 18. Februar 2017

Wien, Wiener Staatsoper, Cenerentola von Gioacchino Rossini, 06.11.2016

November 3, 2016  
Veröffentlicht unter Oper, Pressemeldung, Wiener Staatsoper

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Wiener Staatsoper

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

Wien / Wiener Staatsoper © Starke

 La Cenerentola an der Wiener Staatsoper

Reprisen: 6. und 10. November 2016,  Die Vorstellung am 10. November wird via WIENER STAATSOPER live at home  weltweit live in HD übertragen: www.staatsoperlive.com.

Die junge italienische Dirigentin Speranza Scappucci, die nach Stationen u. a. als Solokorrepetitorin an der Wiener Staatsoper mittlerweile international am Dirigentenpult erfolgreich ist, leitet mit Rossinis La Cenerentola erstmals eine Vorstellungsserie im Haus am Ring.

Ihre Staatsopern-Rollendebüts geben Elena Maximova als Angelina, Renato Girolami als Don Magnifico und Catherine Trottmann als Tisbe. Als Clorinda stellt sich Eri Nakamura dem Staatsopernpublikum vor. Maxim Mironov verkörpert den Don Ramiro, Alessio Arduini den Dandini und Michele Pertusi den Alidoro.


Kurzbiografien (Hausdebüts):
Die in Italien geborene Speranza Scappucci wurde im November 2014 von Musical America als Künstlerin des Monats nominiert und im Sommer 2015 von Opera News als aufgehender Stern unter den jungen Dirigenten bezeichnet. Mit La cenerentola hat sie kürzlich ihr Debüt an der Washington Opera und am Teatro Regio in Turin gegeben. Mit Attila debütierte sie am Mariinskij-Theater St. Petersburg und mit La sonnambula in New York. Sie leitete auch La Fille du régiment an der Oper Santa Fé, konzertante Aufführungen von La sonnambula am Lincoln Center in einer Koproduktion der MET Lindemann/Juilliard School, Norma in Lissabon, Don Giovanni an der Finnischen Nationaloper, La traviata beim Macerata Opern Festival. Aktuelle Engagements beinhalten La Bohème an der Oper Los Angeles, eine Neuproduktion von Il turco in Italia beim Rossini Opera Festival in Pesaro, Neuproduktionen von Così fan tutte an der Oper Rom und Jérusalem an der Opéra Royal de Wallonie in Liège. Am Opernhaus Zürich wird sie La Fille du régiment und am Teatre Liceu in Barcelona Attila leiten. Vor ihrer Dirigentenkarriere war sie als Korrepetitorin, unter anderem an der Wiener Staatsoper tätig.

Die Sopranistin Eri Nakamura stammt aus Japan, studierte in Osaka und war u. a. Mitglied des Opernstudios des New National Theatre Tokyo. 2009 war sie Finalistin des Wettbewerbs „Cardiff Singer oft the World“. Auftritte führten sie bisher u. a. als Susanna (Le nozze di Figaro) und Sophie (Werther) an das Londoner Royal Opera House, als Juliette (Roméo et Juliette) nach Chile, als Gilda (Rigoletto) nach London und Salzburg. 2010 wurde sie Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper in München, wo sie u. a. als Susanna, Pamina (Die Zauberflöte), Zerlina (Don Giovanni), Adina (L’elisir d’amore), Xenia (Boris Godunow) und Gretel (Hänsel und Gretel) zu erleben war. 2011 gab sie an der Deutschen Oper Berlin ihr Rollendebüt als Liù (Turandot), eine Partie, die sie weiters auch an der Bayerischen Staatsoper, in Oviedo, Toulouse und London verkörperte. In der laufenden Spielzeit gibt sie u. a. ihr Rollendebüt als Mimì (La Bohème) in Chile und singt Susanna in Tokyo und Hyogo. Sie ist auch als Konzertsängerin international erfolgreich. PMWStO

 

Wien, Volksoper Wien, Axel an der Himmelstür von Ralph Benatzky, IOCO Kritik, 13.10.2016

Oktober 15, 2016  
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Volksoper Wien

 Axel an der Himmelstür war die 77. Operette von Vielkomponist Ralph Benatzky. Die musikalische Satire auf Hollywood hatte ihre Uraufführung vor achtzig Jahren, 1936 im Theater an der Wien. Schöpfer Ralph Benatzky (1884 – 1957) war mit zahlreichen Revuen, Operetten, Filmmusiken und Parodien in München, Berlin und Wien erfolgreich und populär. Seine Chansonbücher und Schellackplatten verkauften sich gut. Doch  auch Benatzky war Getriebener seiner Zeit…….

Volksoper Wien © IOCO

Volksoper Wien © IOCO

Hollywoods Traumwelt als skurriles Boulevardmärchen

Axel an der Himmelstür von Ralph Benatzky

Axel an der Himmelstür war die 77. Operette von Vielkomponist Ralph Benatzky. Das „musikalische Lustspiel“, eine Satire auf Hollywoods Filmwelt,  hatte seine Uraufführung vor achtzig Jahren, 1936 im Theater an der Wien. Schöpfer Ralph Benatzky (1884 – 1957) war mit zahlreichen Revuen, Operetten, Filmmusiken und Parodien in München, Berlin und Wien erfolgreich und populär. Seine Chansonbücher und Schellackplatten verkauften sich gut. Doch  auch Benatzky war Getriebener seiner Zeit: Er erhielt Aufforderungen zum Arier-Nachweis, das „Weiße Rössl“ war seit 1933 verboten. „Hakenkreuzlerisches Leben unter provinzlerisch gackernden Urgermanen mit Wampe und Nackenspeck“, so Benatzky, zwangen ihn 1938 in die USA auszuwandern. 1948 kehrte er nach Europa, in die Schweiz, zurück. Doch die meisten seiner Werke, wie Der König mit dem Regenschirm, Liebe im Schnee, Der reichste Mann der Welt, sind vergessen. Nun belebt die Volksoper Wien dem grandiosen Boulevardmärchen das reiche Schaffen Ralph Benatzkys wieder.

Volksoper Wien / Axel an der Himmelstür - Gloria Mills und Axel © Barbara Pallfy / Volksoper

Volksoper Wien / Axel an der Himmelstür – Gloria Mills und Axel © Barbara Pallfy / Volksoper

Axel an der Himmelstür hat eine auffällige wie zwiespältige Beziehung zu Wien: Im September 1936 mit kolossalem Erfolg dort uraufgeführt, im Dezmeber 1936  fand bereits die 100. Vorstellung statt. Die Musik war voll charmanter, musikalisch-parodistischer Anspielungen zwischen Gstanzln und Jodlern, Foxtrott, Tango, Blues und Wiener Walzern.  Komponist Benatzky lebte sich in parodistischer Musik über die Traumwelt von Hollywood, über das neue Phänomen „Filmstar“ aus. Textautor und Schauspieler Paul Morgan hatte in Hollywood reale Film-Erfahrungen gesammelt. Zarah Leander, heroische Kontra-Altistin mit tizianroter Haarkrone, startete mit diesem „Lustspiel“  ihre internationale Karriere; ihr tiefes Dekolleté verlockte Wiener zu dem Schmähspruch: „Man sehe bei Zarah Leander von der Axel bis zur Himmelstür“. Doch der Traum von Hollywood währte in Wien nur kurz: Paul Morgan (geboren als Georg Paul Morgenstern) wurde im Dezember 1938 im Konzentrationslager Buchenwald ermordet, Benatzky floh 1938 in die USA, Zarah Leander begann ihre große Karriere für die Ufa im deutschen Reich. Der Plot des Stückes: Inmitten der skurrilen Filmwelt Hollywoods kämpft der arme aber einfallsreiche Klatschreporter Alex Swift um ein Interview mit der unnahbaren Filmdiva Gloria Mills um selbst berühmt zu werden.

Volksoper Wien / Axel und Hollywood Harmonists © Barbara Pallfy / Volksoper

Volksoper Wien / Axel und Hollywood Harmonists © Barbara Pallfy / Volksoper

Die Volksoper Wien zeigte Mut mit der Wiederbelebung von Axel an der Himmelstür.   Regisseur Peter Lund und Arrangeur Kai Tietje veränderten den 30er Jahre Axel  erheblich: Chor- und Ballettszenen wurden gekürzt; ein Buffopaar, der Friseur Theoder den es nach Hollywood verschlug und Jessie Leyland bringen Wienerisches; ein Filmproduzent und ein Kriminalinspektor produzieren Schräges; Benatzky Musik aus anderen Stücken, Yes, Sir; Das kleine Café, In Holly-Holly-Hollywood, bringen Charme und Schwung. Lieder und Dialoge (Choreographie Andrea Heil) wurden neu arrangiert. Die Hollywood Harmonists schaffen  mit kleinem Orchester der Volksoper  (Dirigent Lorenz C. Aichner)  Wiener Walzerklänge wie satten Jazz oder Swing. Dazu machen Mikroports pointenreiche deutsche Texte (englische Übertitel)  gut verständlich. Mitreißende Projektionen und Strichzeichnungen (Video Andreas Invancsics) auf der riesigen „Bühnenleinwand“ über Hollywoods Stars und Sternchen, Slapsticks  und Gags „untermalen“ das Geschehen auf der Bühne. Projektionen, Kostüme (Doria Kornysheva) und Bühnenbild ist Schwarzweiß gehalten; Texttafeln (Aaaaaaah…) der Stummfilmzeit. Ehemalige tiefe Zarah Leander Melodien wurden „aus dem Keller geholt“.

Volksoper Wien / Axel an der Himmelstür - Ensemble © IOCO

Volksoper Wien / Axel an der Himmelstür – Ensemble © IOCO

Das erste Bühnenbild als Hintergrund zeigt Plakate mit großen Filme der Scott Film Production und deren Diva Gloria Mills: Hands in Bondage, Girl from 10´ Avenue,  The blue Angel. Als  „Once upon a time in Hollywood“ wird die kommende Handlung angekündigt, in der der brotlose Journalist Axel Stiftelmeier (Andreas Bieber) unbedingt eine Story, ein Interview mit Gloria Mills (Julia Koci) um selbst berühmt zu werden. Er legt sich den Künstlernamen Axel Swift zu: „Den Namen Mark Twain habe ich auch erwogen. Stiftelmeier ist verstorben, keiner macht Karriere mit dem Namen Stiftelmeier“. Er schleicht sich in das Büro der Scott Film Production wo Freundin Jessie (Juliette Kalil) als Sekretärin arbeitet und wird dort Zeuge eines Wutausbruchs der Diva Gloria Mills „Wahre Schönheit macht einsam. Ich bin einsam“. Axel läßt sich von seinem wienernden Maskenbildner-Freund Theoder (Boris Eder) „Ich bleibe beim Krautfleisch; Dort wo die Donau fließt, wo Schubert lebt im ersten Stock“) zum Greis maskieren und wirft sich vor Gloria Mills Auto. So nimmt die Hollywood Story ihren frohsinnig burlesken Lauf, spleenig angereichert durch den Diebstahl eines legendären Mills-Fairbanks-Diamanten und den zwielichtigen Mills-Liebhaber Prinz Tino Taciano (Maximilian Klakow). Zum Ende erscheint tatsächlich ein Interview; doch Axel hatte es garnicht geschrieben…

Axel an der Himmelstür wurde durch Peter Lund, Kai Tietje und ihr Team mit neuen Arrangements, Texten, Melodien und grenzenlosem Pointen-reichtum zu einer grandiosen musikalischen Burleske der Jetztzeit geformt, und behielt doch immer schrägen Humor und den Geist Ralph Benatzkys. Das Publikum an der Währinger Strasse feierte den „neuen Axel, den neuen Benatzky“ bis der Vorhang fiel. IOCO / Viktor Jarosch / 12.10.2016

Axel an der Himmelstür  in der Volksoper Wien – Weitere Vorstellungen 14., 17., 20., 24. Oktober 2016,  15., 27. Dezember 2016, 5. Jänner 2017

 

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